Skorpion - Norbert Sachse - E-Book

Skorpion E-Book

Norbert Sachse

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Beschreibung

Die Hauptperson des Buches, "Richard", ist fiktiv, aber basiert auf verschiedenen realen Personen und Geschehnissen. Als er zur Beerdigung seiner Besten Freunde in Israel weilt und dort erfährt, dass auch ein anderer Freund angeblich Selbstmord begangen hat, kann er dies nicht glauben. Nachdem auch auf ihn ein Bombenanschlag unternommen wird, der fehlschlägt, versucht er herauszufinden, was der Grund dafür sein könnte. Er rekapituliert sein gesamtes bisheriges Leben, angefangen von dem Kennenlernen der beiden Freunde im Gefängnis der DDR, einem Aufenthalt in Ägypten, in dem er geheime Dokumente schmuggelt und er als mutmaßlicher Mörder verdächtigt wird, einer Tramptour durch Europa, bei der er Ärger mit der sizilianischen Mafia bekommt, seinen Bekannten und Freunden aus dem kriminellen Milieu, dem Waffenschmuggel, dem Menschenhandel den er betrieben hat, den Spionagetätigkeiten die er für verschiedene Geheimdienste ausübte, bis hin zu vielen anderen legalen und illegalen Dingen, die er in seinem Leben getan hat. Den Entscheidenden Hinweis darauf, wer hinter den Mordplänen steckt erhält er vom "MOSSAD" und er erfährt, dass es sich um einen alten Bekannten handelt, den er bereits aus seiner Kindheit kennt und mit dem er Geschäfte während des "Kalten Krieges" tätigte. Er stellt ihn zur Rede und ermordet ihn. Obwohl er ein Angebot für ein sicheres Leben in Freiheit erhält, entscheidet er sich schließlich nicht mehr wegzulaufen.

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Seitenzahl: 268

Veröffentlichungsjahr: 2020

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NORBERT SACHSE

DIE SKORPION

vz 68 Parabellum

© 2020 Norbert Sachse

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

978-3-7497-7352-7 (Paperback)

978-3-7497-7353-4 (Hardcover)

978-3-7497-7354-1 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Prolog

Das vorliegende Buch basiert weitestgehend auf wahren Begebenheiten und Geschehnissen. Die handelnden Personen wurden allerdings alle so verfremdet, dass sie nicht zu identifizieren sind. Vieles, der Handlungen in diesem Buch, hat der Autor selbst erlebt. Ob als Beteiligter, als Mitwisser oder als Zeitzeuge. Anderes wurde ihm von Freunden und Bekannten berichtet, die an den Ereignissen beteiligt waren oder von ihnen gehört haben. Nicht alle der Erzählungen waren deshalb im Detail verifizierbar. Die Hauptfigur „Richard“ besteht deshalb aus einer Anzahl von verschiedenen realen Personen, die hier in einer einzigen komprimiert zusammengefasst wurden. Das Buch ist all den mutigen Frauen und Männern gewidmet, die oft unter Einsatz ihres Lebens, für die Demokratie und Menschlichkeit eingetreten sind und dies auch heute noch tun. Nicht immer geschah dies im völligen Rahmen der Rechtsstaatlichkeit und nie im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Es entspricht im Allgemeinen nicht der menschlichen Natur, im geheimen zu handeln, ohne das verdiente Lob dafür zu erhalten und darüber Erzählen zu dürfen. Oft nicht einmal mit den engsten Vertrauten sprechen zu können, ist eine große Belastung, die meist von der Umwelt weder verstanden, noch nachvollzogen werden kann. Wir, die gesamte Gesellschaft, sollten den Menschen, die uns tagtäglich beschützen, Respekt und Dankbarkeit entgegenbringen. Dazu gehören nicht nur die Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte, sondern eben auch die im Verborgenen Handelnden, wie Sondereinsatzkommandos, verdeckte Ermittler und nicht zuletzt auch die Geheimdienste. Leider wird von den letzten drei Gruppen immer nur dann in der Öffentlichkeit berichtet, wenn eine Aktion gescheitert ist oder aus Erkenntnissen nicht die richtigen Schlussfolgerungen gezogen wurden. Über all das verhinderte Unrecht, die verhinderten Anschläge oder das, verhinderte stehlen von geistigem Eigentum, wird leider nichts bekannt - es ist eben geheim.

Mit dem Erzählen dieser Geschichte, möchte ich all den vielen im dunklen arbeitenden, ein kleines Denkmal setzen.

 

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit getötet! Und wer einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet“! (Koran 5: 32)

So wird im Allgemeinen die entsprechende Sure im Koran zitiert, um die Friedfertigkeit des Islam zu belegen.

Leider ist dies nur ein Teil der maßgeblichen Sure. Diese Lautet:

“Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Isrāʾils vorgeschrieben: Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (dass es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat) so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält so ist es, als ob er alle Menschen am Leben erhält. Unsere Gesandten sind bereits mit klaren Beweisen zu ihnen gekommen. Danach aber sind viele von ihnen wahrlich maßlos auf der Erde geblieben.”

Ursprünglich stammt das Zitat aus dem älteren Teil des Talmud und wurde in den Koran abgewandelt übernommen. Da ich annehme, dass die meisten Leser nicht des Hebräischen mächtigen sind hier die englische Übersetzung.

Jerusalem Talmud, Sanhedrin 4: 1 (22a) :

“Whoever destroys a soul, it is considered as if he destroyed an entire world. And whoever saves a life, it is considered as if he saved an entire world”.

Inhalt:

1. Frühjahr 2018 in Bat Yam

2. Ostern in Ägypten

3. Ein Auto für den Urlaub

4. In der Moschee

5. Bei Mohamed zu Hause

6. Ein Tourist in Kairo

7. Ein Tag in Gizeh

8  Ein Ritt durch die Wüste und seine Folgen

9  Iwan

10. Alexandria

11. Zurück in Kairo

12. Durch die Wüste

13. Libyen

14. Ein explodierendes Auto

15. Der Ursprung von Freundschaft

16. Der erste Umgang mit der Freiheit

17. Weiteres Rätselraten

18. Die Reise zum Meer

19. Sommertage an der Cote d‘ Azur

20. Auf nach Sizilien

21. Ein Dorf am Ende der Welt

22. Eine Sizilianische Hochzeit

23. Flucht von der Insel

24. Ein Besuch bei Ruth

25. Ein Spaziergang durch Tel Aviv

26. Ein Treffen in Prag

27. Eine unverhoffte Begegnung

28. Frankfurt am Main

29. Die Fluchthilfe

30. Es geht weiter

31. Das Ende des Waffenhandels

32. Die letzten Schritte einer Karriere

33. Ein Intermezzo

34. Die Fluchthilfe geht weiter

35. Den eisernen Vorhang gibt es nicht mehr

36. Ein unverhoffter Anruf

37. Eine Geschichtsstunde am Strand

38. Das Treffen in Tel Aviv

39. Zu Gast beim Minister

40. Wieder in Tschechien

41. Prag hat sich verändert

42. Ein Freund des Freundes

43. Ende oder Anfang

Kapitel 1

Frühjahr 2018 in Bat Yam

Richard schob seine nackten Füße in den noch warmen Sand und ließ ihn durch die Zehen rieseln.

Er liebte diese frühen Morgenstunden, an denen sich das Schwarz der Nacht langsam in Meer und Himmel trennten. Die noch spiegelglatte See würde sich schon bald in Wellen wiegen, wie ihm die weißen Schaumkronen am Horizont verrieten, die jetzt langsam zu erkennen waren.

Eigentlich fühlte er sich zu alt mit seinen fünfundsechzig Jahren für diese durchzechten Nächte, wie er sie früher so oft erlebt hatte. Er fühlte sich Elend.

Die Flasche Rotwein neben ihm war schon seit Stunden leer und seine Lippen trocken von der Seeluft. Bald würde Iwan kommen, die Strand Bar für die Öffnung vorbereiten und ihm einen Drink ausschenken.

Iwan hieß nicht wirklich so, er hatte als er Anfang der 90er Jahre aus der Sowjetunion nach Israel auswanderte einen neuen Namen angenommen, wie es nicht unüblich war, aber alle nannten ihn Iwan wegen seinem starken russischen Akzent und seiner typischen osteuropäischen Art.

Richard ließ die letzten Tage an seinem geistigen Auge vorbeiziehen und es kam ihm alles sehr irreal vor. Vor einer Woche hatte Ruben ihn in Deutschland angerufen und ihn dringend gebeten nach Tel Aviv zu kommen. Es gebe eine Entwicklung, die er nicht am Telefon mit ihm besprechen könne.

Bei seiner Ankunft am Ben Gurion Flughafen, wurde er von Ruth, Rubens Frau, empfangen, die ihm unter schluchzen berichtete, dass Rüben sich auf dem Dachboden ihres Hauses erhängt hätte, während sie einkaufen war.

Sie könne es einfach nicht glauben, dass Ruben dies getan habe, aber es gebe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden. Keine Einbruchsspuren, keine fremden Fingerabdrücke oder gar Hinweise auf einen Kampf.

Auch Richard hatte schwere Zweifel, denn er kannte Ruben seit über vierzig Jahren. Das passte so ganz und gar nicht zu seinem Wesen. Warum sollte er ihn hier herbitten und sich dann auf diese Weise töten?

Gestern wurde Ruben, einer seiner ältesten und besten Freunde, auf dem Ölberg zu Grabe getragen, mit der „Sicht“ auf den Tempelberg mit der „Goldenen Moschee“ und der Al Aqsa.

Ruben glaubte fest daran, wie fast jeder Jude, dass eines Tages dort der 3. Tempel stehen würde. Es war eine große Ehre und Privileg hier beerdigt zu werden.

Richard war zum ersten Mal in seinem langen Leben auf einer jüdischen Beerdigung gewesen. So manche der Rituale waren doch ganz anders, als er sie kannte.

Besonders wichtig war der Umstand, dass der Körper des Verstorbenen immer einen direkten Kontakt mit der Erde haben musste.

Er war froh, dass Ruth ihm einige Maßregeln und Vorschriften mit auf den Weg gegeben hatte, damit er keinen Fauxpas begehe.

Die Frau des Freundes, die er schon seit vielen Jahren kannte, war in den letzten Tagen sehr stark gealtert. Man sah die Trauer

in den Augen dieser kleinen, stolzen und mutigen Frau, die in ihrem Leben so viel Schlimmes erlebt hatte. Niemals hatte sie ihren Lebensmut verloren aber jetzt war dort Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Verständnislosigkeit und Resignation zu erkennen.

Richard machte sich große Sorgen um sie. Er würde sie noch einmal besuchen bevor er zurückfliegen würde.

Wieder ließ Richard seinen Blick über das so friedlich wirkende Mittelmeer gleiten.

Hinter ihm, oberhalb des Strandes, gingen jetzt die ersten Lichter in den Wohnungen an und auf dem Meer konnte man schon fast die Reflektion des Sonnenlichtes erkennen. Er dachte daran, dass es nur 600 km Luftlinie von hier entfernt war, dass er Ruben einen Gefallen erwies, der ihn fast das Leben gekostet hätte.

Damals war es unmöglich die beiden Länder, Israel und Ägypten innerhalb eines Urlaubs zu besuchen, denn es herrschte Krieg, zu mindestens ein Latenter.

Heute konnte man die Grenze in beide Richtungen problemlos überqueren und Richard überlegte, ob er nicht noch einige Tage am Roten Meer verbringen sollte, um zur Ruhe zu kommen und die Ereignisse zu verdauen.

Andererseits wartete seine Frau zu Hause auf ihn. Er hatte ihr nichts von seiner Reise erzählt, um sie nicht zu beunruhigen. Seine Abwesenheit hatte er ihr mit einer vom Arzt verordneten Kur erklärt. Vielleicht würden sie ihren nächsten gemeinsamen Urlaub wieder einmal hier oder im Süden des Landes verbringen.

Ein Abstecher in die Wüste des Sinai war immer ein abenteuerliches Unterfangen gewesen und leider im Moment auch nicht mehr gefahrlos.

Seine Gedanken schweiften zurück in das Jahr 1977. Damals war die gesamte Sinaihalbinsel von Israel besetzt und in Ägypten herrschte die Furcht, dass auch der Suezkanal verloren gehen könnte.

In dieser heiklen politischen Situation hatte Richard eine Einladung zu einem Urlaub in Kairo erhalten.

Kapitel 2

Ostern in Ägypten 1977

Die Swiss Air Maschine aus Zürich landete mit vier Stunden Verspätung in Kairo.

Es war jetzt drei Uhr morgens und Richard glaubte nicht, dass Mohamed ihn vom Flughafen um diese Zeit abholen würde. Er hatte sich geirrt. Nicht nur Mohamed wartete, er hatte auch noch zwei seiner Kollegen aus dem Energieministerium dabei und alle begrüßten ihn wie einen alten Freund, den sie schon lange kannten.

Dabei waren sich Richard und Mohamed vor nicht einmal einem Jahr in Paris in einer Jugendherberge begegnet. Mohamed war zu einer internationalen Konferenz über Energie in Paris und aus Geldmangel von seinem Ministerium in dieser Herberge untergebracht worden.

Richard dagegen hatte Urlaub und befand sich auf einer Tramp Tour durch Europa. Die beiden Männer verstanden sich auf Anhieb und plauderten die halbe Nacht über sich, ihr Leben und die Länder in denen sie lebten.

Mohamed Aldebaki war verheiratet und hatte nach eigenem Bekunden eine Frau, zwei Kinder und drei Töchter. Er lebte in Kairo, nicht weit vom Nil, in einer Fünfzimmereigentumswohnung. Er gehörte mit einem monatlichen Gehalt von über zweihundert Mark zur gehobenen Mittelschicht.

Richard erzählte von seinem Aufwachsen in der DDR und seinem jetzigen Leben in Göttingen, als Auszubildender zum Kaufmann im Außenhandel. Über die Umstände seiner Übersiedlung von Ost nach West sprach er nicht und er sollte später feststellen, dass in anderen Ländern überhaupt wenig über den eisernen Vorhang bekannt war.

Zwar wusste jeder, dass Deutschland geteilt war, aber oft wurde er gefragt, ob er aus Nord- oder Süddeutschland komme.

Der Ägypter lud den Deutschen ein, ihn doch einmal in Kairo zu besuchen. Richard kannte diese Art der unverbindlichen Floskeln damals noch nicht, weshalb er sie für bare Münze nahm.

Er nahm sich fest vor diese Einladung anzunehmen.

Nach einem regen Briefwechsel, soweit das bei einer Laufzeit von jeweils zwei bis drei Wochen möglich war, beschloss Richard, für einen Urlaub von drei Wochen, nach Ägypten zu fliegen.

Als er seinem Freund Ruben von seiner bevorstehenden Reise erzählte, bat dieser ihn, ihm einige Dokumente von einem Bekannten aus Alexandria mitzubringen. Er sagte zu, ohne weitere Fragen zu stellen und ohne die Gegebenheiten vor Ort zu kennen.

Mohamed hatte Richard ein Hotelzimmer in einem alten Viktorianischen Gebäude in der Innenstadt besorgt. Das Hotel erstreckte sich über den 4. und 5. Stock des Gebäudes und ein offener Schmiedeeiserner Fahrstuhl, der einem Agatha Christie Kriminalfilm entliehen schien, brachte sie dort hin.

Seine Empfangsgesellschaft hatte den Schlüssel bereits am Abend abgeholt und sie konnten direkt in das gebuchte Doppelzimmer. Das Zimmer war unverhofft groß und die Möblierung passte zu dem Gesamteindruck des Gebäudes. Es hatte einige Mühen gekostet, überhaupt ein Zimmer aufzutreiben, da die Stadt 1977 voller Flüchtlinge aus dem Libanon war, die sich vor dem dortigen Bürgerkrieg in Sicherheit gebracht hatten.

Richard bot einen „Johnny Walker“ an, den er in Zürich im Duty Free Shop gekauft hatte. Zu seiner Verwunderung, da Alkohol für Muslime ja eigentlich verboten ist, waren alle einverstanden und es wurde eine lange Nacht.

Auf seine Nachfrage hin, ob sie das denn dürften, meinten sie, eigentlich nicht aber so genau nähmen sie es nicht mit der Religion. Als er weiter bohrte, ob sie denn auch Schweinefleisch essen würden, war die Empörung groß.

Alkohol sei nicht so schlimm aber Schwein gehe auf keinen Fall.

Richard musste innerlich grinsen, was er sich aber nicht anmerken ließ.

Erst am frühen Morgen verabschiedeten sich alle voneinander und Richard sollte am Nachmittag abgeholt werden.

Nachdem alle gegangen waren, ließ er sich auf das Bett fallen und viel fast augenblicklich in einen tiefen Traumlosen Schlaf.

Kapitel 3

Ein Auto für den Urlaub

Richard war gerade mit dem Duschen fertig und hatte einige, noch vom Flughafen übrige Kekse gegessen, als Mohamed bereits wieder vor der Tür stand um ihn abzuholen und mit der Auskunft aufzuwarten, er habe eine Überraschung.

Sie fuhren zum Energieministerium, in dem Mohamed eine wohl recht hohe Position innehatte, denn trotz strenger Kontrollen am Eingang, wurden sie nach einem kurzen Blick in den Wagen und auf seinen Ausweis durchgewunken.

Nach kurzer Fahrt auf dem verwinkelten Gelände hielten sie auf dem Parkplatz und Mohamed zeigte auf einen dunkelblauen Buick von enormen Ausmaßen und den typischen Heckflossen der 60er Jahre. Er strahlte über das ganze Gesicht als er sagte: „Das ist dein Auto für den Urlaub, da ich ja tagsüber arbeiten muss und auch sonst nicht immer Zeit habe“.

Richard war es sichtlich peinlich als er erwiderte: „Ich kann unmöglich mit diesem Auto durch Kairo fahren“. Er hatte den Verkehr gesehen und traute sich das einfach nicht zu, mit einem dermaßen großen Wagen umzugehen, in diesem chaotischen Verkehrsgewühl, zumal er erst seit wenigen Wochen überhaupt erst einen Führerschein besaß. Nach kurzem Nachdenken, man sah ihm die Enttäuschung deutlich an, ging Mohamed zu einem Jeep aus sowjetischer Produktion und meinte: “Dies ist dann eine Alternative, allerdings sind alle Beschriftungen und Anweisungen in Russisch“.

„Kein Problem, soviel russisch kann ich noch und die offene Bauweise kommt mir auch sehr gelegen bei dem herrlichen Wetter“, sagte Richard und Mohameds Züge hellten sich merklich auf.

Richard erhielt noch einen Passierausweis, mit dem er auch zum Tanken auf das Gelände des Ministeriums fahren durfte, wo das Benzin erheblich billiger war. Sie verabredeten sich für den nächsten Nachmittag, einen Freitag, an dem Richard zu einem Abendessen in Mohameds Wohnung eingeladen sei.

Dann fuhr Richard erstmals allein in das Abenteuer Kairo.

Kapitel 4

In der Moschee

Nach dem Frühstück im Hotel mit drei in Fett schwimmenden Spiegeleiern, Fladenbrot und Kaffee, der zwar dünn aber dafür auch ziemlich kalt war, erkundete Richard die nähere Umgebung seines Hotels und trank an einem Stand einen frisch gepressten Saft aus Zuckerrohr.

Seiner Bitte, am nächsten Morgen lieber ein gekochtes Ei zu erhalten wurde zugestimmt aber er erhielt den gesamten Urlaub über nur Spiegeleier. Mal zwei, mal drei aber immer in reichlich Fett, mit immer dem gleichen Fladenbrot und dem gleichen Kaffee.

Auffallend war die ausgesprochen höfliche Art der Ägypter, und zwar nicht nur die im Hotel, sondern auch auf der Straße.

Nach dem freundlichen Lächeln folgte oft ein: „Hallo, wie geht es“ oder die Frage nach dem: „Woher kommst du“, ohne dass dies mit der Absicht eines Verkaufs verbunden war.

Ein Spaziergang in der Altstadt wurde immer von einer Schar Kinder begleitet, die alles Mögliche wissen wollten und das in einem recht guten Englisch.

Es war eine sehr angenehme Atmosphäre, in der er sich sicher und geborgen fühlte.

Er stellt fest, dass er nur wenige Straßen vom ägyptischen Museum entfernt logierte und nahm sich einen Besuch in den nächsten Tagen vor.

Zurück im Hotel, legte er sich auf das Bett und studierte den mitgebrachten Reiseführer, vor allem den ausführlichen Stadtplan, den er sich besorgt hatte.

Als es an die Tür klopfte, war er der Meinung, dass Mohamed doch sehr früh erscheint, doch es war ein Mitarbeiter des Hotels, der in einem gestammelten Englisch irgendetwas versuchte zu erklären.

Aus dem Hintergrund hörte er dann eine Stimme die sagte: „Ich erkläre das!“

Der bisher verdeckte Sprecher stand jetzt in der Tür und stellte sich vor als Frank Teicher aus Stuttgart.

Er erklärte, dass er heute Morgen gelandet sei, auf Einladung seiner ägyptischen Freundin, aber erst jetzt erfahren habe, dass er nicht in ihrem Elternhaus übernachten könne und er seit Stunden ein Hotelzimmer suche. Ein recht hoffnungsloses Unterfangen in dieser überfüllten Stadt.

Hier im Hotel habe man ihm gesagt, es sei nichts frei aber es gebe einen anderen Deutschen, der ein Doppelzimmer bewohnt und er könne nachfragen ob dieser eventuell sein Zimmer teilt.

Frank war auch bereit, die gesamten Kosten für das Zimmer zu übernehmen und so einigten sich die beiden Männer, dass er mit einziehen konnte.

Richard erfuhr, dass Frank Maschinenbau in Tübingen studierte und dort an der Uni seine Freundin kennengelernt habe, die dort Deutsch studierte.

Nach dem beiderseitigen Beschnuppern und Kennenlernen, gingen die Beiden gemeinsam um etwas Essbares zu finden.

Da Richard zum Abendessen eingeladen war, wollte er nur eine Kleinigkeit und sie landeten in einer Art Imbiss, in dem es ausschließlich vier Komponenten gab, die zusammen in eine Schüssel gemischt wurden.

Neben Nudeln, Linsen und gerösteten Zwiebeln wurde das Ganze mit einer roten, scharfen Soße übergossen und zum Erstaunen der beiden schmeckte das ganze ziemlich gut. Zum Preis von umgerechnet 15 Pfennig konnte man auch nichts sagen, zumal der Tee dazu kostenlos gereicht wurde.

Kaum zurück im Hotel, klopfte es erneut und diesmal war es, wie erwartet, Mohamed der Richard für den freitäglichen Moschee Besuch abzuholen gekommen war.

Sie fuhren zu der berühmten Alabaster-Moschee, die schon stark besucht war, obwohl es noch einige Zeit bis zum Abendgebet dauerte.

Mohamed wurde von vielen Bekannten begrüßt und er stellte Richard allen vor, als einen guten Freund aus Deutschland.

Da dies meist auf Arabisch geschah und nur wenige Englisch beherrschten, war eine Unterhaltung nur sehr oberflächlich möglich.

Die Alabaster Moschee war für Richard etwas völlig neues und er bewunderte die Pracht. Es war sein erster Besuch überhaupt in einem muslimischen Gotteshaus.

In der Mitte des Hofes, dessen Boden ebenfalls aus Alabaster bestand, befand sich der reich verzierte Brunnen mit dem Schöpfeimer und der Kurbel um das Wasser aus der Tiefe zu befördern.

Richard war sehr beeindruckt, dabei hatte er das innere der Moschee noch gar nicht erlebt.

Nach der Entledigung der Schuhe und der Fußwaschung gingen die beiden Männer in das Allerheiligste und suchten sich einen freien Platz für die mitgebrachten Gebetsteppiche.

Von der eigentlichen Predigt verstand Richard natürlich nichts, aber er hatte genug Zeit das gesamte Bauwerk ausführlich zu betrachten und zu genießen. Er war immer der Meinung gewesen, ohne bildliche Darstellungen müsse ein Raum langweilig gestaltet sein, aber er wurde eines Besseren belehrt.

Die Ornamente waren derart vielgestaltig, dass er sich kaum satt sehen konnte, obwohl das ungewohnte knien auf dem Boden nach kurzer Zeit ziemlich unangenehm wurde und er wollte auf keinen Fall verpassen, wann er den Kopf zu senken hatte.

Nach dem Gottesdienst zeigte Mohamed Richard einen begehbaren Brunnen und sie stiegen die nicht endend wollende Wendeltreppe in fast völliger Dunkelheit hinab. Unten angekommen erklärte Mohamed, dass dies hier das einzige Wasser in ganz Kairo sei, welches man ohne Bedenken trinken könne.

Nach einigen Schlucken von dem kühlen Nass stiegen sie wieder hinauf und oben angekommen, hätte Richard gern wieder etwas von dem Wasser gehabt. Der Brunnen war über einhundert Meter tief und die Treppe ohne jedes Geländer. Er wusste nicht, ob der Schweiß von der Anstrengung oder der Angst auf den feuchten Stufen herrührte.

Kapitel 5

Bei Mohamed zu Hause

Nach diesem Abstecher fuhren sie zu Mohameds Wohnung, wo der Tisch im Wohnzimmer schon festlich gedeckt war. Der Ventilator an der Decke, mit seinem beruhigenden Brummen für eine gewisse Heimeligkeit sorgte und die Luft im Raum angenehm frisch erscheinen ließ.

Von dem Raum, der direkt vom Treppenhaus aus betreten wurde, gingen mehrere Türen ab. Hinter einer dieser, hörte man das Klappern von Geschirr, weshalb zu vermuten war, dass sich hinter dieser die Küche befand.

Noch bevor Richard den ganzen Raum betrachtet hatte, erschienen die beiden Freunde von Mohamed, welche er schon vom Vortag kannte. Alle begrüßten sich wie alte Freunde die sich nach langer Zeit wiedersehen.

Von der Familie war bis dahin nichts zu sehen gewesen.

Nachdem sie sich um den Tisch platziert hatten und Mohamed etwas gerufen hatte, öffnete sich die Tür, hinter der sich die vermutete Küche befand und die beiden Söhne von Mohamed servierten die Speisen.

Richard schätzte die beiden so etwa auf 10 und 12 Jahre und die beiden brachten alles, ohne ein Wort zu sagen.

Sie liefen flink hin und her und der Tisch wurde immer voller bis er kaum noch unter den Speisen zu erkennen war. Neben den bekannten Falafel, Humus, Labaneh und dem Fladenbrot gab es eine große Auswahl von warmen und kalten Gerichten, von denen Richard weder den Namen noch die Zutaten kannte.

Nach einem kurzen Gebet – glaubte er jedenfalls – wurde die Tafel eröffnet und die vier Männer ließen es sich schmecken.

Auf die Frage, ob der Rest der Familie nicht esse, bekam Richard einige verständnislose Blicke und dann die Antwort, diese würden dann nach ihnen ohne die Männer essen.

Die Mädchen und die Frau des Hauses hatte er nie zu Gesicht bekommen.

Nach dem Essen, gingen alle in das sogenannte Raucherzimmer, eigentlich ein Balkon der mit einem Dach aus Papyrusschilf gedeckt war.

An den Wänden entlang standen bequeme Sessel und in der Mitte ein Tisch mit einer getriebenen Messingplatte, auf der sich bereits eine Wasserpfeife befand und Schälchen mit verschiedenen, sehr süßen, Köstlichkeiten.

Mohamed entzündete die Pfeife und legte zum Schluss eine kleine weiße Kugel auf die brennende Glut.

Zum damaligen Zeitpunkt wusste Richard nicht, dass es Opium war und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass er damit in Ägypten in Kontakt kam.

Als Gast, durfte er als Erstes einige Züge tun, bevor reihum alle an der Pfeife zogen. Bevor sich nach kurzer Zeit eine allgemeine Ruhe und Lethargie einstellte, in der jeder seinen Gedanken, Träumen oder Sehnsüchten nachging.

Es war bereits Abend, als sie sich voneinander verabschiedeten und den Heimweg bzw. den zum Hotel antraten.

Es wurde verabredet sich am übernächsten Freitag noch einmal hier zu treffen.

Kapitel 6

Ein Tourist in Kairo

Für Richard begann erst jetzt sein Urlaub, wie er ihn sich vorgestellt hatte. Um die Metropole am Nil zu erkunden, buchte er erst einmal eine Stadtrundfahrt mit einem deutsch sprechenden Guide. Auf diese Weise verschaffte er sich einen Überblick, was er in den nächsten Tagen besichtigen und erkunden wollte.

Die Tour begann am ägyptischen Museum und führte entlang am Nil über eine der Brücken nach Gizeh, mit dem letzten der noch erhaltenen antiken Weltwunder, den Pyramiden und der Sphinx.

Auf dem Rückweg erklärte der Führer, dass auf der rechten Seite einer der größten Friedhöfe liege und man solle diesen auf keinen Fall besuchen, denn auf diesem wohnten in und zwischen den Gräbern, geschätzte 200.000 – 500.000 Menschen. Die genaue Zahl kenne niemand, denn selbst die Polizei meide dieses Gelände, es sei eine Art autonomes Gebiet und eigentlich wisse niemand was dort wirklich vorgehe.

Zurück in der Stadt, führte die Tour vorbei am Nil Tower, dem Armeemuseum, dem größten Basar der Stadt, der Ramses Statue vor dem Bahnhof, dem Vergnügungsviertel mit den Nachtclubs, den Bauchtanz Shows und zurück zum ägyptischen Museum.

Richard erstellte sich einen Plan für die nächsten Tage, der aber auch genug Raum ließ, um einfach nur durch die Stadt zu streifen und sich treiben zu lassen.

Am nächsten Tag besuchte Richard das ägyptische Museum, mit all den Relikten der großen Vergangenheit der Pharaonen. Ein Tag ist für dieses Museum eigentlich nicht genug um es zu besichtigen. Bei der Vorstellung, dass hier ja nur ein Bruchteil der gefundenen und ausgegrabenen Schätze der Vergangenheit ausgestellt ist, kann man den Prunk und Reichtum der einstigen Weltmacht unter den Pharaonen nur erahnen. Irgendwann erlahmt die Ausdauer, der Magen knurrt und so verließ er das Museum, um etwas zu essen. In einem Kaffee-/Teehaus wo er einen Malventee trank und dazu ein Fladenbrot mit Ziegenkäse gefüllt, zu sich nahm. Er schaute den Gästen beim Schachspiel zu und wurde schnell zu einem Spiel eingeladen. Als er eine Wasserpfeife bestellte, wurde gefragt, ob mit oder ohne. Auf seinen ratlosen, fragenden Blick, lachten die Männer und klärten ihn auf, das mit oder Opium gemeint war. Richard schaute sich etwas ratlos um, da in dem Laden auch Polizisten saßen und er erfahren hatte, dass auf den Genuss, sowie das Handeln mit Drogen, strafen bis zum Tod verhängt werden konnten.

Aber das schien hier niemanden zu interessieren und auch die anwesenden Polizisten rauchten Wasserpfeifen, wobei er nicht erkennen konnte, ob mit oder ohne.

Der Nachmittag verging wie im Flug und als Richard die Lokalität verließ wurde es schon langsam dunkel, die Nacht bricht hier sehr schnell herein.

Im Hotel duschte er und zog sich um, bevor er mit Frank, der kurz nach ihm gekommen war, zum Essen ging.

Die Speiseauswahl im Restaurant war nicht einfach, denn die Karte war ausschließlich in Arabisch abgefasst, der Kellner sprach kaum englisch und war nicht in der Lage die Speisen zu erklären.

Man merkte, dass man sich nicht in einer touristischen Gegend der Stadt befand.

Die beiden bestellten nach Preislage, auf gut Glück, indem sie mit dem Finger auf ein Gericht zeigten und gespannt darauf warteten was ihnen wohl serviert würde.

Es waren Bällchen aus gehacktem Ziegenfleisch mit Reis, einem ihnen nicht bekanntem grünen Gemüse und einer Tomaten-Fleischsoße.

Alles in allem sehr exotisch aber auch lecker und sie waren mit ihrer Wahl zufrieden. Dass es keinen Wein zum Essen gab und sie sich mit Tee zufriedengeben mussten, schränkte den Genuss allerdings etwas ein.

Nach dem Essen beschlossen sie im Vergnügungsviertel den Abend ausklingen zu lassen.

Sie landeten in einer Bar, die der Reiseführer am Vortag als eine der besten gepriesen hatte. Das Programm bestand aus Bauchtanz und arabischen Liedern, von deren Text die beiden leider nichts verstanden.

Neben dem üblichen Tee und einer Limonade, sowie Cola, Fanta und Sprite wurde auch Whisky angeboten, allerdings musste man sich für eine halbe oder eine ganze Flasche entscheiden.

Die beiden Männer entschieden sich für eine halbe Flasche, zu einem horrenden Preis und mischten ihn mit Cola.

Die Rückfahrt mit dem geliehenen Jeep entsprach sicher nicht der Promillegrenze aber, solange es keinen Unfall mit Personen- oder Tierschaden gab, würde auch kein Polizist auf die Idee kommen sie anzuhalten.

Am darauffolgenden Morgen fühlte sich Richard frisch und unternehmungslustig.

Kapitel 7

Ein Tag in Gizeh

Er hatte sich für heute vorgenommen, noch einmal die Pyramiden zu besuchen und die Gegend genauer zu besichtigen.

Nach dem Frühstück fuhr er also auf die andere Seite des Nil, über eine der Brücken, die in jede Richtung über zwei Spuren verfügte, aber von drei bis vier Fahrzeugen nebeneinander genutzt wurden.

Nachdem er sich an den Verkehr gewöhnt hatte, machte es ihm richtig Spaß, Teil von diesem Chaos zu sein und auch er hatte schon begonnen am laufenden Band zu hupen, auch wenn niemand darauf irgendwie reagierte.

Die Pyramiden waren aus der Nähe betrachtet, noch viel imposanter als aus dem Bus heraus und das bunte Treiben von Händlern die alles Mögliche anboten, den Tour Anbietern, den Fotografen, den Kamelen, den Pferden, dem Kindergeschrei und dem der Eltern, erzeugte eine Stimmung wie auf einem Rummelplatz, nur ohne Musik aber dennoch genauso laut.

Richard „übersah“ die Schilder in allen Sprachen, die das herum Klettern auf den Pyramiden untersagten und erklomm einige Stufen, wie so viele andere Touristen auch.

Nachdem er etliche Stufen erklommen hatte und niemand davon Notiz nahm oder ihn gar abhalten wollte, beschloss er so hochzusteigen wie er könne.

Er wusste nicht wie lange er unterwegs war aber nach dem Stand der Sonne, die inzwischen heiß brannte und dem durchgeschwitzten T-Shirt, den Schweißbächen, die ihm von der Stirn und den Beinen flossen musste er ziemlich lange unterwegs gewesen sein, als er den obersten Stein des gewaltigen Monuments erreichte.

Nachdem er sich einige Zeit sitzend ausgeruht hatte, stand er auf und spähte in die Runde. Es war eine grandiose Aussicht.

Nach Süden lag die Weite der Sahara vor ihm, mit einigen der weit über einhundert Pyramiden, die oft nicht höher als zwei bis drei Meter sind. Die Wüste ist hier nicht so sandig, wie er sie sich vorgestellt hatte, dafür aber reich an Steinen, die der Wind und der Staub wahrscheinlich in den nächsten Jahrhunderten auch zu Sand zermahlen wird.

Im Osten reichte der Blick bis zur Stufenpyramide von Sakkara, der wahrscheinlich ältesten Pyramiden überhaupt und den Ausgrabungen von Theben, mit der gewaltigen liegenden Statue von Ramses II.

Im Westen von Gizeh waren einige Luxushotels zu sehen, die mit ihren grünen Gärten und den blauen Pools einen Kontrast zu dem steinigen Grau der Wüste bilden und der verbreiteten Armut der durchschnittlichen Bevölkerung.

Schließlich die Aussicht nach Norden, dem Moloch der Mega Metropole, die unter einer Dunstglocke aus Abgasen nur undeutlich zu erkennen war und aus der lediglich einige höhere Gebäude herausragten.

Er verbrachte lange Zeit, um die Eindrücke in sich aufzunehmen, bevor er sich auf den Rückweg begab. Er stellte schnell fest, dass der Abstieg noch schwieriger war als das Hochsteigen und man musste sich höllisch konzentrieren, um nicht abzurutschen.

Als er schon fast wieder auf dem Boden angekommen war, umrundete er das Bauwerk bis er eine Seite fand, auf der er keine Wächter oder Polizisten erkennen konnte und kletterte schnell die letzten Stufen hinunter.

Er wusste, dass die Strafen für das besteigen sehr erheblich sein konnten aber er hatte von seinen neuen Freunden auch erfahren, dass man fast alles mit einem Bakschisch erledigen konnte.

Allerdings wollte er es nicht darauf ankommen lassen.

Das Getümmel rund um die Pyramiden war inzwischen noch größer geworden und die Händler oder Anbieter von allen möglichen Dienstleistungen wurden immer aufdringlicher.

Das Kamel, welches für einen Engländer gerade noch Churchill geheißen hatte, wechselte für einen französischen Touristen in den Namen de Gaulle um kurz darauf als Kamel Bismarck angepriesen zu werden.

Richard ließ sich auf einem Kamel Fotografieren, kaufte einen Skarabäus als Andenken für zu Haus, musste einem Händler leider sagen, dass sein tausend Mark Schein von 1921 leider nicht mehr gültiges Zahlungsmittel war und kaufte einige Orangen wie auch eine Flasche Wasser.

Das Angebot eines Rittes durch die Wüste nach Sakkara und zurück auf einem Pferd, erschien ihm verlockend und er wollte sofort los.

Der Anbieter meinte aber es sei schon zu spät, da es schnell dunkel werde und auch zu heiß um zu dieser Zeit noch loszureiten.

Man verabredete sich also für den nächsten Morgen um 5.00 Uhr, um die kühlen Morgenstunden zu nutzen.

Den angefangenen Tag ließ er sich von einem lokalen Führer die Umgebung der Pyramiden zeigen und erklären.

Der kleine drahtige Mann hatte schütteres weißes Haar und schwarze Knopfaugen über der etwas zu großen gebogenen Nase.

Sein freundliches Lächeln ließ jeden Argwohn schwinden. Es vermittelte Zuverlässigkeit und Vertrauen, ohne das man genau hätte sagen können, warum dem so sei.

Die gebräunte, fast gegerbt wirkende Haut ließ erkennen, dass er sich meist im freien aufhielt.

Er behauptete, bereits Herrn v. Däniken als Führer und Dolmetscher gedient zu haben.

Zum Schluss und nach einem ordentlichen Trinkgeld lud er Richard zu sich nach Hause auf einen Tee ein. Sie gingen ein Stück in Richtung Kairo als Ali, so hieß der Führer, in den Friedhof abbiegen wollte, vor dem auf der Busrundfahrt, gewarnt worden war.

Als er das Zögern von Richard bemerkte, lachte er und sagte:

„Ich weiß was über unser Zuhause erzählt wird. Es stimmt auch, wenn du allein und vielleicht auch noch bei Nacht dich hierher verirrst. Aber jetzt und mit mir ist es völlig ungefährlich“.

Mit immer noch gemischten Gefühlen, aber voller Neugier und Abenteuerlust folgte er Ali in die „verbotene Welt“.