Spiele des Zufalls - August Schrader - E-Book

Spiele des Zufalls E-Book

August Schrader

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Beschreibung

In "Spiele des Zufalls" entfaltet August Schrader ein vielschichtiges Narrativ, das die Unberechenbarkeit des Lebens und die Rolle des Schicksals thematisiert. Der Autor nutzt einen eindringlichen, manchmal ironischen Schreibstil, um die verschiedenen Schicksalsfäden, die die Protagonisten miteinander verweben, zu beleuchten. Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund einer postmodernen Welt, in der die Grenzen zwischen Determinismus und Zufall verschwimmen. Schrader durchbricht die traditionellen Erzählstrukturen und komplementiert sie mit philosophischen Reflexionen, die den Leser zum Nachdenken anregen und dessen eigene existentialistische Fragestellungen aufwerfen. August Schrader gilt als einer der einflussreichsten zeitgenössischen Autoren, dessen Werk stark von seinem interdisziplinären Hintergrund geprägt ist. Mit einer Ausbildung in Soziologie und Philosophie bringt er tiefere Einsichten in die menschliche Natur und die sozialen Strukturen seiner Zeit in seine Geschichten ein. Über die Jahre hinweg hat Schrader verdeutlicht, dass sein literarisches Schaffen nicht nur der Unterhaltung dient, sondern auch über die Komplexität des menschlichen Daseins reflektiert. Sein Interesse an den Spielmechanismen des Lebens manifestiert sich eindringlich in diesem Werk. "Spiele des Zufalls" ist ein Muss für Leser, die sich mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzen und eine Kombination aus intellektuellem Anspruch und fesselndem Geschichtenerzählen suchen. Schrader lädt den Leser ein, die Zufälligkeiten des Lebens zu hinterfragen und sich von der Instabilität der menschlichen Erfahrungen mitreißen zu lassen. Dieses Buch ist nicht nur ein literarisches Erlebnis, sondern auch eine philosophische Reise, die lange nach dem Lesen nachklingt. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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August Schrader

Spiele des Zufalls

Bereicherte Ausgabe. Ein Blick auf die psychologischen und mathematischen Elemente des Glücksspiels
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2024
EAN 8596547839057

Inhaltsverzeichnis

Spiele des Zufalls
Unvergessliche Zitate
Notizen

Spiele des Zufalls

Hauptinhaltsverzeichnis
Cover
Titelblatt
Text

Spiele des Zufalls

Inhaltsverzeichnis
Spiele des Zufalls[1q].
Novelle von August Schrader.
I[2q].

An einem trüben Herbsttage Morgens acht Uhr fünf Minuten ward in Braunschweig[1] der Schnellzug expedirt. Das erste Zeichen zur Abfahrt war bereits gegeben und der größte Theil der Reisenden hatte die Wagen bestiegen. Da erschien auf dem Perron ein alter Herr in einem kostbaren Pelze, dem ein Bediente in amaranthfarbner Livree voranging. Herr und Diener hatten graue Haare, sie schienen in einem Alter zu stehen und unterschieden sich nur durch die Kleidung und durch die Körperconstitution. Der Herr war klein und dick, der Diener lang und hager[3q].

„Erste Wagenklasse!“ rief der Diener dem Schaffner zu[4q].

„Hier![5q]“

Der Schaffner öffnete ein Coupé[3][6q]. Mit Hülfe seines Dieners stieg der Herr im Pelze ein, und warf sich behaglich in die gepolsterte Ecke[7q].

„Meine Cigarren, Lorenz[6]![8q]“

„Hier, Herr Senator!“

Lorenz überreichte seinem Herrn ein Etui, dem die Reichhaltigkeit des Inhalts anzusehen war. Während der Senator sich eine Cigarre anzündete, präsentirte Lorenz dem Schaffner das Billet.

„Lorenz!“ ertönte der Baß des Reisenden[9q]. „Auf der nächsten Station, wo länger als fünf Minuten angehalten wird, bringst Du mir ein Glas Madeira[2]!“

„Sehr wohl, Herr Senator!“

„Jetzt nimm Deinen Platz ein, und hüte Dich vor Erkältung![10q]“

„Zu dienen, Herr Senator![11q]“

Lorenz entfernte sich. In dem Augenblicke, als der Schaffner die Thür des Coupé’s schließen wollte, erschien eine Frau, die hastig fragte:

„Erste Klasse?[12q]“

„Hier!“

Die Frau wandte sich zu einer Dame, die ihr auf dem Fuße folgte.

„Steigen Sie gefälligst ein, Frau Landdrostin[4]![13q]“

Die Frau Landdrostin war völlig in schwarzen Atlas gekleidet; sie trug ein Atlascapuchon mit schwarzem Schleier und einen reichen mit Zobel verbrämten Atlasmantel von derselben Farbe. Ihre Gestalt und Haltung waren graziös, aristokratisch; ihr Gesicht ließ sich nicht erkennen, da der Schleier es dicht verhüllte. Sie trat an den Wagen, dessen Thür man wieder geöffnet hatte.

„Schon besetzt!“ rief sie in einem Tone aus, der mehr Schrecken als Ueberraschung verrieth.

„Ein Coupé erster Klasse enthält zwei Plätze, Madame!“ antwortete artig der Schaffner[14q].

„Weisen Sie mir einen andern Waggon an, mein lieber Freund!“

„Es thut mir leid, daß ich Ihren Wunsch nicht erfüllen kann.“

„Warum? Warum?“

„Weil ein Waggon völlig besetzt sein muß, ehe ich einen zweiten öffnen darf. Ich bitte, beeilen Sie sich!“ sagte dringend der Schaffner, der in diesem Augenblicke das letzte Glockenzeichen und das schrillende Pfeifen der Locomotive hörte. „Ihr Billet?“

„Wenden Sie sich an meine Kammerfrau!“ antwortete stolz die Dame, indem sie einstieg.

Die Thür schloß sich hinter ihr. Die Kammerfrau präsentirte dem Schaffner zwei Fahrbillets, die er coupirte.

„Sie wollen auch mitfahren?“ fragte er.

„Zweiter Klasse!“

„So nehmen Sie rasch Platz, wenn Sie nicht zurückbleiben wollen![15q]“

Der Schaffner riß hastig den nächsten Wagen auf, und schob die korpulente Zofe, die fest in einen grünen Tuchmantel gewickelt war, hinein. Lorenz, der sich zufällig in dem Wagen befand, streckte dienstwillig die Arme aus, und nahm seine Reisegefährtin in Empfang. An demselben Augenblicke setzte sich der Zug in Bewegung. Es war ein Schnellzug – wir sagen daher nichts über die geflügelte Eile desselben[16q]. Von den zehn Wagen, aus denen dieser Zug bestand, haben nur zwei Interesse für uns: es ist der erster Klasse, in dem die Herrschaft Platz genommen, und der zweiter Klasse, in dem sich die Dienerschaft befindet. Der letztere folgte unmittelbar dem erstern[17q].

Der Senator Beck[5], ein ruhiger Charakter, den Kleinigkeiten nicht zu erschüttern vermochten, lag unbeweglich in seinem gepolsterten Sitze und rauchte mit dem hohen Genusse seine Havanna, den die erste Morgencigarre dem leidenschaftlichen Raucher gewährt. Er würde ohne Zweifel der Dame, welche die Kammerzofe Frau Landdrostin titulirt, höflich gedankt haben, wenn diese ihn gegrüßt hätte; aber da sie schweigend und, wie es schien, erbittert über die zufällige Gesellschaft, eingestiegen war und so weit als möglich, von ihm sich niedergelassen hatte, so hielt er es für überflüssig, sich der gewöhnlichen Höflichkeit gegen fremde Damen zu befleißigen, und verblieb als behäbiger Senator ruhig in seiner Ecke. Um seine Gleichgültigkeit noch mehr zu entschuldigen, fügen wir hinzu, daß der Senator, obgleich er schon fünfundfünfzig Jahre zählte, noch Garçon[7] war, und daß er den Frauen nie einen Vorzug vor den Männern eingeräumt hatte. Der arme Mann![18q] Er war Anachoret inmitten eines civilisirten Volks und hatte keine Ahnung von den süßesten Freuden dieser Welt. Sein Leben war in der freien Stadt Bremen unter Essen, Trinken und Rauchen verflossen[19q]. Uebrigens kleidete er sich mit Hülfe seines Lorenz sehr geschmackvoll, war ein wohlunterrichteter Mann – eigentlich Kaufmann, denn er gehörte nicht zu den studirten Senatoren – hatte eine schöne, breite Figur, eine gerade, offene Stirn, spärliche graue Haare und einen feinen Anflug von der Röthe, die man die Weinröthe[8] nennt. Wäre er verheirathet gewesen, so hätte man ihn den Typus der Patrizier nennen können, die 1630 den letzten Hansetag in Lübeck[9] beschickten, und die Rose in dem Rathskeller zu Bremen pflanzten.

Der Senator hatte viel zu denken, so daß er schon nach zehn Minuten seine Begleiterin, die sich durch keine Bewegung bemerkbar machte, vergessen hatte; er war nur mit sich und seiner Cigarre beschäftigt. Den Charakter der Gegenstände, über die er nachdachte, konnte man aus seinen Mienen schließen: bald lächelte er wie ein Stillvergnügter, der den Himmel in seiner Brust findet; bald kniff er die Lippen zusammen wie ein Mensch, dem ein treffender Witz das Zwerchfell erschüttert, aber sich schämt, laut darüber zu lachen – dann wieder schüttelte er ernst das Haupt, bewegte die Lippen, als ob er eine gewichtige Rede hielte, legte die Stirn in Falten oder machte mit der Hand, welche die Cigarre hielt, eine entscheidende gebieterische Bewegung. Dabei hatte sich nach einer Viertelstunde der elegante Wagen dergestalt mit Tabaksrauch gefüllt, daß die Frau Landdrostin, die an eine solche Atmosphäre nicht gewöhnt war, erst zu hüsteln, dann laut zu husten begann. Aber der Herr Senator hörte dieses Avertissement nicht, das jedem fühlenden Manne ein Befehl gewesen sein würde. Er dachte, lächelte, lachte, zürnte und rauchte fort.

Die Landdrostin, die immer noch ihren Schleier nicht gelüstet hatte, versuchte mit ihren kleinen, behandschuhten Händen ein Fenster zu öffnen – es war umsonst, ihre Kraft reichte nicht aus. Sie hielt ihr feines Batisttuch mit brüsseler Spitzen über dem Schleier vor den Mund – aber auch dieses Mittel schützte nicht vor dem sich stets mehrenden Ambradufte der Havanna.

„Mein Gott,“ seufzte sie, „das wird zu arg!“

Es schien, als ob ihr Stolz verschmähete, das zu fordern, was die Höflichkeit gebot. Vielleicht auch hielt sie es unter ihrer Würde, mit dem octroyirten Begleiter ein Gespräch anzuknüpfen, und die Bitte um Einstellung des Rauchens mußte nothwendig zu einer Anknüpfung werden, da sie eine Gefälligkeit in sich schloß.

Plötzlich hielt der Zug an, und die Stimme des Conducteurs rief: „Wolfenbüttel! Zwei Minuten!“