Star Trek - Vanguard 1: Der Vorbote - David Mack - E-Book

Star Trek - Vanguard 1: Der Vorbote E-Book

David Mack

4,8

Beschreibung

Nach der historischen ersten Reise an die äußere Grenze der Galaxis: Die U.S.S. Enterprise durchquert unter Captain Kirk die Taurus-Ausdehnung. Das Gebiet ist weitab der Föderationsgrenzen und ungewöhnlich nah an dem Raum der Tholianischen Gemeinschaft. Für eine fremde Weltraumregion hat sich die dort stationierte Sternenbasis 47 - auch bekannt als Vanguard - überraschend gut etabliert. Captain James T. Kirk befiehlt die Enterprise zur neuen Raumbasis, um Reparaturen an seinem beschädigten Schiff durchführen zu lassen. Kirk vermutet, dass Vanguard mehr ist, als sie zu sein scheint. Die Tholianer, Orioner und das Klingonische Imperium haben diesen Verdacht bereits lange und glauben, dass weniger freundliche Absichten hinter der plötzlichen Entscheidung der Föderation stehen, die Taurus-Ausdehnung zu erforschen und zu kolonisieren. Als ein Vorfall tief innerhalb der Ausdehnung die Raumstation bedroht, müssen Kirk, Spock und andere Spezialisten der Vanguard-Crew beistehen, den Grund für die Katastrophe herausfinden und den entstandenen Schaden eindämmen. Dabei erfahren sie den wahren Grund hinter dem Bau Vanguards und was der Ausgang der Mission für das Leben in diesem Bereich der Galaxis bedeuten könnte ... Mit farbigem Übersichtsplan der Vanguard-Station!

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DER VORBOTE

DAVID MACK

Ins Deutsche übertragen vonMike Hillenbrand

Über den Autor

David Mack ist Autor zahlreicher Star Trek-Romane, inklusive der „USA Today“-Bestseller A Time to Heal und A Time to Kill. Er entwickelte die STAR TREK – VANGUARD-Serie mit Redakteur Marco Palmieri und schrieb das beliebte STAR TREK – DESTINY Crossover.

Weitere Romane von David Mack sind Wolverine: Road of Bones, Star Trek – Deep Space Nine: Warpath, Star Trek – S.C.E.: Wildfire und The Sorrows of the Empire in dem Paperback Star Trek – Mirror Universe: Vol. 1 – Glass Empires. Bevor er Bücher schrieb, verfasste Mack zusammen mit John J. Ordover die Episode Starship Down aus der vierten Staffel DEEP SPACE NINE, sowie das Story-Gerüst für It‘s only a Paper Moon aus der siebten Staffel. Mack lebt mit seiner Frau Kara in New York City. Mehr über ihn unterwww.infinitydog.com

Die deutsche Ausgabe von STAR TREK – VANGUARD: DER VORBOTE wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Str. 72, 71634 Ludwigsburg. Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern, Übersetzung: Mike Hillenbrand; verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; redaktionelle Mitarbeit: Christian Humberg; Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik; Cover Artwork: Doug Drexler; Stationsdesign: Masao Okazaki;Hintergrundbild courtesy of NASA and the Hubble Heritage Team (STScl/AURA).

Titel der Originalausgabe: STAR TREK – VANGUARD: HARBINGER

German translation copyright © 2008, 2011 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © 2005 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

STAR TREK and related marks are trademarks of CBS Studios Inc. All rights reserved.CBS and CBS Eye logo are trademarks of CBS Broadcasting Inc. All rights reserved.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc.,pursuant to an exclusive license from CBS Studios Inc.

Print ISBN 978-3-936480-91-7 (Februar 2008) · E-Book ISBN 978-3-942649-92-6 (November 2011)

WWW.CROSS-CULT.DE

Wir lassen nie vom Suchen ab,und doch, am Ende allen unsren Suchenssind wir am Ausgangspunkt zurückund werden diesen Ort zum ersten Mal erfassen.

T.S. Eliot, Little Gidding

Historische Anmerkung

Die Geschehnisse in „Der Vorbote“ beginnen im Jahr 2263, kurz vor der Beförderung von James T. Kirk zum Captain der Enterprise, und enden im Jahr 2265, zwischen den Ereignissen von „Spitze des Eisbergs“ und „Pokerspiele“.

2263

Prolog

Commodore Matt Decker war sich nicht völlig sicher, wie er die Ansammlung von Fusseln nennen sollte, die sich auf seiner unteren Gesichtshälfte ausbreitete. Die Fussel waren zu lang, um nur als Stoppeln durchzugehen, aber eindeutig zu kurz für einen richtigen Bart. Während er mit dem Turbolift zur Brücke unterwegs war, fuhr er sich bedächtig über sein Kinn und fand eine Beschreibung, die ihm passend erschien: Es hatte was von Dreck.

Okay, so funktioniert das nicht, entschied er. Seiner Meinung nach gab es für den kommandierenden Offizier eines Raumschiffs drei Möglichkeiten: Er konnte glatt rasiert sein, einen Bart tragen oder seinetwegen auch von Zeit zu Zeit etwas stachlig aussehen. Dreckig kam auf jeden Fall nicht infrage. Es sei denn, es wäre ein unvermeidlicher Zwischenschritt auf dem Weg zu einem Bart, grübelte er. Das wäre vollkommen in Ordnung. Alle paar Monate spielte Decker mit dem Gedanken, sich einen Bart wachsen zu lassen. Dann bemerkte er aber normalerweise, dass die Anzahl der grauen Stoppeln an seinem Kinn erneut zugenommen hatte und rasierte daraufhin den beginnenden Haarwuchs komplett ab – bis ihn irgendwann wieder die Neugier plagte.

Das sanfte Brummen des Turbolifts erstarb, und die Türhälften glitten auseinander. Eine geschäftige Aura, durchsetzt von sanftem synthetischen Zirpen erfüllte die Brücke der U.S.S. Constellation. Als die kräftigen Schritte des Commodore an Deck erklangen, erhob sich sein Erster Offizier, Hiromi Takeshewada, vom Sitz in der Mitte und grüßte ihn. Decker erwiderte kurz das Nicken des zerbrechlich wirkenden Offiziers, während er hinter den Kommunikationsoffizier der Gamma-Schicht trat, dessen Namen ihm, trotz mehrerer Erinnerungsversuche, wieder einmal entfallen war.

An der Wissenschaftsstation starrte Lieutenant Guillermo Masada – dessen Bart ordentlich gestutzt war, wie Decker neidvoll bemerkte – in die Sensorhaube, die einen blassen blauen Schimmer über die Augen des Wissenschaftsoffiziers legte. Sein kurzer Pferdeschwanz verletzte keinerlei Vorschriften, grenzte Masada aber auf gewisse Weise von der großen Masse kurz geschorener Sternenflotten-Offiziere mit Bürstenhaarschnitt ab. Obwohl es Decker nur selten zugab, fand er die in diesem Punkt etwas starre Geisteshaltung der Sternenflotte manchmal albern.

Takeshewada trat an Deckers Seite, als Masada von seinen Sensordaten hoch sah und mit einem ernsten Gesichtsausdruck Blickkontakt zu seinen vorgesetzten Offizieren aufnahm.

Decker hielt sich nicht mit Smalltalk auf. „Bericht.“

Masada fuhr mit der Hand gedankenverloren hinter sein Ohr, als ob er sich kratzen wollte. Er zog leicht an seinem Pferdeschwanz und wandte sich dann Decker zu. „Wir haben gerade einen Routine-Scan an den Bio-Proben von Ravanar IV durchgeführt“, sagte er. „Bei den meisten fanden wir nichts Außergewöhnliches.“ Er zeigte auf die Sensorhaube und trat zur Seite, damit sich Takeshewada die Daten selbst ansehen konnte. „Dann haben wir das gefunden.“

Decker bemühte sich um Geduld, doch in solchen Situationen war dies mehr als mühsam. „Guillermo, spannen Sie mich nicht auf die Folter.“

„Entschuldigung, Sir. Es handelt sich hier um eine Gen-Sequenz, wie wir noch nie zuvor eine gesehen haben. Ich kann nur schätzen, dass sie einige Millionen chemischer Basenpaare hat und damit deutlich komplexer ist als einfaches G-A-T-C. Es besitzt Moleküle, die wir immernoch zu identifizieren versuchen.“

Takeshewada schaute von der Sensorhaube auf. Ihre ohnehin schon blasse Gesichtsfarbe wirkte noch ein wenig bleicher als gewöhnlich. „Das ist unglaublich“, sagte sie.

Die Arme vor der Brust gefaltet, sagte Decker zu Masada: „Und woher kommt es? Handelt es sich um eine Art höherer Lebensform?“

„Eher nicht“, erwiderte der Wissenschaftsoffizier. „Wir haben sie aus einer einfachen Schimmelprobe.“

„Einfach?“ Decker schüttelte den Kopf, sowohl angesichts des Wortes als auch aus schierem Staunen über die unerschöpfliche Anzahl von Tricks, die das Universum aus seinem sprichwörtlichen Ärmel schüttelte. „Das ist eine Menge DNS für etwas, das ich von meinem Frühstück kratzen würde. Und wo wir gerade davon sprechen …“ Er wandte sich an den Yeoman, der hinter ihm stand. „Lawford, bringen Sie mir einen Kaffee.“

„Lawford wurde vor zwei Wochen zur Yorktown versetzt, Sir“, erwiderte der Yeoman. „Ich bin Guthrie.“

Decker sah ihn ungeduldig an. „Und was hat das mit meinem Kaffee zu tun?“

„Nichts, Sir.“

Der Commodore zeigte auf den Nahrungsschacht. „Milch, kein Zucker.“

„Ich weiß, Sir.“

„Danke, Lawford“

„Guthrie, Sir“

„Wie auch immer.“ Decker wandte sich wieder der Wissenschaftsstation zu, während der Yeoman leise vor sich hin murmelnd davon trottete, und sprach Masada an. „Wozu benötigt dieser Schimmel so viele genetische Informationen?“

„Ich denke nicht, dass er sie wirklich braucht“, erwiderte Masada.

Decker begann ärgerlich zu werden. „Das hab ich doch gesagt.“

„Nein, Sir“, sagte Masada. „Es hat den Anschein, dass nur ein äußerst geringer Teil dieses genetischen Codes etwas mit dem Schimmel an sich zu tun hat. Der Rest ist … nun, einfach da.“

Takeshewada verzog ihr Gesicht auf eine Weise, die klar erkennen ließ, wie wenig befriedigend sie Masadas Antwort fand. „Aber was tut er, Guillermo?“

Der Wissenschaftsoffizier presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen, zog die Augenbrauen hoch und zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich kann Ihnen sagen, dass es etwas Großes ist, aber darüber hinaus …“ Er schüttelte den Kopf.

„Meine Damen und Herren: Die Föderation in all ihrer geistigen Überlegenheit“, erwiderte Decker trocken. Seine düstere Stimmung hellte sich ein wenig auf, als der Kaffee kam. Er nahm den Becher von Guthrie entgegen und wandte sich wieder an Masada. „Wie schnell sind Sie mit den nötigen Tests fertig, um mir einen richtigen Bericht zu liefern?“

„Ich bin nicht sicher, ob ich das überhaupt kann“, sagte Masada. „Unser Labor ist gut, aber nicht so gut. Wir müssen das ganze Material – die Proben, die Scans, den ganzen Satz – an das Hauptquartier der Sternenflotte schicken, damit es dort untersucht wird.“

Decker ließ seine Schultern enttäuscht sinken. „Ist das Ihr Ernst? Wir machen die Entdeckung unseres Lebens, und Sie sagen mir, wir können nur etwas darin herumstochern?“

„Ich fürchte, so ist es, Sir.“ Masada sah noch enttäuschter aus als sich Decker fühlte. „Mit der uns zur Verfügung stehenden Hardware und der Stärke unseres wissenschaftlichen Personals könnten wir Jahre mit diversen Untersuchungen verbringen, ohne auch nur einen kleinen Erfolg zu erzielen.“ Niedergeschlagen fügte er hinzu, „Diese Geschichte ist einfach zu groß für uns, um sie allein in Angriff zu nehmen.“

Mit einem schweren Seufzer gab sich Decker geschlagen. „Es gibt ein altes Sprichwort auf der Erde“, sagte er als er Masadas Schulter tröstend drückte, „Einer für alle, alle für einen.“ Er nippte vorsichtig an seinem Kaffee, ging die wenigen Stufen hinab und setzte sich mit einem leisen Ächzen und knackenden Knien auf den Platz in der Mitte. Er stellte den Kaffee ab und drehte den Sessel in Richtung Kommunikationsstation. Gerade als er den Mund öffnen wollte, um einen Befehl zu geben, fiel ihm ein, dass er sich auch nicht an den Namen dieses Offiziers erinnern konnte. Decker sah zu Takeshewada und gab ihr mit einem kurzen Nicken zu verstehen, dass sie übernehmen sollte.

Glücklicherweise verstand ihn sein Erster Offizier sofort. „Ensign Ponor, öffnen Sie einen sicheren Kanal zum Kommando der Sternenflotte“, sagte sie. „Bereiten Sie sich darauf vor, Informationen von Lieutenant Masadas Station auf sein Zeichen hin zu übermitteln.“ Ponor bestätigte den Befehl und wenige Minuten später beendete Masada den Datentransfer. Takeshewada erschien an Deckers Seite als der mit seinem Kaffee fertig war. „Übertragung vollständig, Sir. Und wir haben neue Befehle von der Sternenflotte.“

„Wie lauten sie?“, fragte Decker und gab seinen leeren Becher Guthrie, der mühelos den richtigen Moment abgepasst hatte, um den Commodore von seiner kleinen Last zu befreien.

„Wir wurden zurück in den Raum der Föderation beordert“, sagte Takeshewada. „Wir sollen entlang der klingonischen Grenze im Gariman-Sektor patrouillieren, bevor wir dann die Deep Space-Station K-7 anlaufen, um neue Lieferungen aufzunehmen.“

Decker gab sich eine Zeit lang dem hypnotischen Anblick des Hauptschirms hin, der die im Warpflug verzerrten Sterne zeigte. „Sieht so aus, als ob die Taurus-Region auf jemand anderen warten muss, der dort unsere Flagge hisst. Steuermann: Setzen Sie einen Kurs zur Station K-7, der uns entlang der Grenze führt.“

„Aye, Sir“, erwiderte der Steuermann und errechnete die Koordinaten.

Es entsprach absolut nicht Deckers Natur, einem Geheimnis wie dem des von Masada entdeckten Meta-Genoms den Rücken zuzuwenden. Fast noch schwieriger war es für ihn, von der Erforschung der gänzlich unbekannten Taurus-Region abgezogen zu werden, um stattdessen normale Grenz-Patrouillen zu fliegen. Aber als die Sterne auf dem Hauptschirm verschwommen vorüber zogen und die Constellation Richtung Heimat flog, wusste er, dass die Arbeit, die er und seine Crew hier – Hunderte von Lichtjahren von zuhause entfernt – begonnen hatten, ohne Zweifel in sehr guten Händen war.

2265

Kapitel 1

Captain James T. Kirk wanderte durch die belebten Korridore der Enterprise. Er ging zügig und entschlossen, aber in Wahrheit wanderte er seit über einer Stunde ziellos durch das Schiff. Ihn verfolgten die Erinnerungen an Delta Vega. Nacht für Nacht suchten ihn Gary Mitchells milchig-trübe Augen heim. Sie hatten diese Farbe angenommen, als eine rätselhafte Macht seinen besten Freund so grausam verändert hatte. Mit diesen Augen erwartete er ihn in seinen Träumen. Er war durch seine Hand gestorben. Sein gespenstisches Starren glich einem stummen Vorwurf, dem nicht zu entkommen war.

Scotty war mit den technischen Geräten, die er von der Lithium-Abbaustation auf Delta Vega hatte retten können, in der Lage gewesen, die Maschinen der Enterprise neu zu starten. Dennoch war die aktuelle Geschwindigkeit des Schiffes immer noch einiges vom Maximum entfernt. Mit dem derzeitigen Tempo würden sie die nächstgelegene Basis der Föderation erst in sieben Monaten erreichen. Die Entfernung zum Territorium der Föderation war so gewaltig, dass das Flottenkommando Kirks Bericht über die zurückliegenden Ereignisse trotz Subraumfunk vielleicht noch gar nicht empfangen hatte. In diesem Bericht hatte er die Geschehnisse um Mitchell vereinfacht, wenn nicht gar beschönigt, dargestellt. Er schämte sich nicht dafür, trotz der Tatsache, dass sein Freund versucht hatte, das Kommando über die Enterprise zu übernehmen und seine neuen psionischen Kräfte gegen Kirk einzusetzen. Der junge Captain rief sich permanent ins Gedächtnis, dass das Wesen, das das Leben seiner Crew und die Existenz des Schiffes aufs Spiel gesetzt hatte, nicht Gary Mitchell gewesen war. Nicht im eigentlichen Sinn. Nachdem die Enterprise mit dem Versuch gescheitert war, die Energie-Barriere am Rand der Galaxie zu durchbrechen, hatte sich Mitchell – und später auch die Psychiaterin Dr. Elisabeth Dehner – als Folge dieser Erfahrung in etwas anderes, etwas Schreckliches verwandelt. Kirk glaubte fest daran, dass sein Freund nicht der begangenen Grausamkeiten und des Mordes fähig gewesen wäre. Darum hatte er in seinem Logbuch vermerkt, dass Gary Mitchell „in Ausübung seiner Pflicht“ gestorben war.

Als Kirk an der Tür zum Speisesaal vorüber ging, öffnete sie sich und das Aroma von frischem Kaffee lockte ihn hinein. Dr. Mark Piper saß alleine an einem Tisch und inhalierte genüsslich und mit geschlossenen Augen den heißen Dampf, der von seinem polierten Aluminium-Becher aufstieg.

Als er das Geräusch der sich schließenden Türen hörte, öffnete der im Alter ergraute Mediziner die Augen. „Morgen, Captain“, sagte er mit belegter Stimme. Kirk beantwortete den Gruß mit einem Nicken. „Ist es denn schon Morgen?“ Er warf einen Blick auf den Schiffs-Chronometer, der über der Tür des Speisesaals hing.

„Es ist fast 0100“, erwiderte Piper. „Technisch gesehen ist es bereits Morgen.“ Er schlürfte vorsichtig aus seinem Becher.

„Wahrscheinlich haben Sie Recht“, sagte Kirk mit einem schwachen Lächeln. „Machen Sie die Nacht durch?“

„Ein Notruf,“ erklärte Piper. „Nicht ernst genug, um Sie zu wecken. Aber das hat sich jetzt eh erledigt.“

Kirk stand vor dem Nahrungsverteiler und betrachtete die Auswahl. „Wer war es?“

„Alden“, Piper wandte sich wieder seinem Kaffee zu.

Kirk verzichtete auf eine Auswahl und setzte sich Piper gegenüber. „Was ist passiert?“

„Unfall im Maschinenraum.“ Er schlürfte geräuschvoll einen weiteren Schluck und setzte den Becher ab. „Während wir hier sprechen, schreibt Spock wahrscheinlich bereits den Bericht für Ihr morgendliches Briefing.“

„Ohne jeden Zweifel“, erwiderte Kirk. Sein halb-vulkanischer Erster Offizier war in erster Linie effizient. In seiner anderen Position als Wissenschaftsoffizier konnte Spock aufgrund der Tatsache, dass Vulkanier ihre Gefühle absolut unterdrückten, mit klarer und berechnender Logik funktionieren. Es war aber auch jene kühle Logik, aufgrund derer er Kirk dazu gedrängt hatte, Gary Mitchell zu töten, bevor der mit seinen neuen Kräften die Crew der Enterprise versklaven oder töten konnte. Kirk hatte Spocks Warnung missachtet, und Steuermann Lee Kelso hatte für diesen Fehler mit seinem Leben bezahlt. Dem Captain war klar, dass es absurd war, Spock für das verantwortlich zu machen, was geschehen war. Auch hatte er Mitchell nicht leichtfertig zum Tode verurteilt, denn als Erster Offizier war es Spocks oberste Pflicht, das Schiff und seine Crew zu beschützen – auch wenn das bedeutete, ein Mannschaftsmitglied zu opfern, um die anderen zu retten.

All diese Tatsachen erleichterten es Kirk dennoch nicht, den Tod von Gary Mitchell zu akzeptieren. Er war es, der den Abzug des Phasers betätigt hatte und damit einen tonnenschweren Felsbrocken auf seinen Freund hatte fallen lassen. Keine noch so rationalen Argumente konnten die quälende Schuld lindern, die seit dieser Verzweiflungstat jeden seiner Gedanken überschattete.

Nach kurzem Schweigen sagte Piper: „Sie sollten etwas essen.“

„Ich bin nicht hungrig.“

„Dann sollten Sie versuchen, etwas zu schlafen.“

Kirk verzog das Gesicht. „Leichter gesagt als getan.“

„Auf diesem Schiff ist das wahrscheinlich wahr.“ Piper nahm seinen Becher und stand auf. „Ich muss zurück auf die Krankenstation. Möchten Sie mitkommen und Alden ‚Hallo‘ sagen?“

Bevor er die Einladung annehmen konnte, tönte aus dem Lautsprecher des Interkoms ein Pfeifen aus zwei Noten. „Captain Kirk auf die Brücke“, kam Spocks Stimme über den internen Schiffskanal.

Mit nur einem Schritt war Kirk an dem in der Wand eingelassenen Kommunikationspanel. „Ich bin auf dem Weg. Kirk Ende.“ Er schloss den Kanal und drehte sich zu Piper. „Grüßen Sie Alden von mir.“

Pipers „Aye, Captain“ verklang hinter Kirk, als er den Speisesaal verließ und dankbar über den Korridor eilte. Es gab etwas Neues, auf das er sich konzentrieren konnte.

Spock erhob sich aus dem Sitz in der Mitte, als der Captain den Turbolift verließ. „Bericht“, sagte Kirk. Er strebte direkt zu seinem Platz und schien nahezu begierig darauf, einer Krise zu begegnen, die allerdings nicht existierte.

„Wir erhalten einen Funkspruch von einem Föderationsaußenposten, Sir“, sagte Spock und stellte sich rechts neben den Sessel des Captains. Kaum hatte Kirk Platz genommen, sprang er auch schon wieder auf. „Von welchem?“

„Von Sternenbasis 47“, sagte Spock, „einer Raumstation der Wachturm-Klasse, auch als Vanguard bekannt.“

„Vanguard?“ Kirk kniff nachdenklich die Augen zusammen. Spock nahm sich vor, später zu untersuchen, welche Konzentrationsvorteile dem Captain die Reduktion seiner Sehschärfe brachte. „Ich dachte, die Fertigstellung dieser Basis würde noch Jahre dauern.“

„Offensichtlich nicht.“ Spock fügte hinzu: „Man erwartet unsere Antwort.“

Der Captain sah Spock an, sagte aber nichts. Mit einer flüssigen Bewegung nahm er wieder in seinem Stuhl Platz und drehte ihn zum Kommunikationsoffizier. „Lieutenant Uhura, stellen Sie sie durch.“

„Aye, Sir“, bestätigte Uhura. Die junge Frau stellte das Signal auf die Lautsprecher der Brücke. „Kanal offen.“

„Sternenbasis 47, hier ist Captain James T. Kirk vom Raumschiff Enterprise. Können Sie mich hören?“

„Wir hören Sie, Enterprise“, ertönte eine weibliche Stimme. „Fahren Sie fort.“

„Wir benötigen intensive Reparaturarbeiten an zahlreichen Systemen. Sind Sie in der Lage, uns Unterstützung anzubieten?“

„Positiv, Captain. Sollen wir eine Andockrampe für Sie bereit machen?“

Der Captain runzelte die Stirn, bevor er antwortete. „Bitte.“

„Schon erledigt. Wann werden Sie eintreffen?“

Kirk sah zu Spock, der in seinem klaren Bariton antwortete. „In sechs Tagen, drei Stunden und vierundzwanzig Minuten.“

„Bestätigt“, sagte die weibliche Stimme. „Vanguard Ende.“

Der Kanal schloss sich. Kirk lehnte sich auf einen Ellbogen und starrte die langsam vorbei gleitenden Sterne an, die auf dem Hauptschirm zu sehen waren. Schließlich sagte er leise zu Spock: „Eine voll operationsfähige Sternenbasis, genau hier draußen. Das muss unser Glückstag sein.“

Spock spürte den Argwohn, der von seinem kommandierenden Offizier ausging. „Sie scheinen den guten Neuigkeiten nicht zu trauen, Captain.“

„Wie lange braucht man, um eine Raumstation der Wachturm-Klasse zu bauen, Spock?“

Aus dem Gedächtnis antwortete Spock: „Im Durchschnitt vier Jahre, neun Monate …“

„Und wie lange ist es her, dass das Vanguard-Projekt gestartet wurde?“

Nach kurzem Nachdenken erwiderte Spock: „Zwei Jahre, sieben Monate und zehn Tage.“

Der erste Offizier beobachtete, wie sich Kirks Hand langsam zu einer Faust ballte. „Jemand hatte es ziemlich eilig, diese Station zu bauen. Bei all dem Säbelrasseln der Klingonen in der letzten Zeit – warum baut man ausgerechnet dann so weit entfernt von der Föderation eine so große Basis?“

Spock wog die wahrscheinlichsten Möglichkeiten ab. „Um Kolonisierungsprojekte vor Ort zu unterstützen?“

Der Captain sah nicht überzeugt aus. „Vielleicht.“

„Da uns weitere Daten fehlen, ist das zurzeit die logischste Erklärung.“

„Finden Sie alles, was wir in unseren Datenbanken über Vanguard haben“, sagte Kirk. „Ich möchte einen vollständigen Bericht, bevor wir die Station anlaufen.“

Kapitel 2

Der Dschungel war erfüllt mit den zirpenden Geräuschen nachtaktiver Insekten. Ohne es wirklich zu bemerken, entfernte Cervantes Quinn eine lange Strähne seines wirren, schlohweißen Haares von seinen Augen und strich sie hinters Ohr. Die heimtückische Luftfeuchtigkeit vergrößerte die nach dem Sonnenuntergang verbliebene Hitze und ließ Quinns vom Schweiß durchnässte Kleidung wie eine zweite Haut an ihm kleben.

Er erhob sich leicht aus seiner hockenden Position und griff in seine linke Hosentasche. Tief darin vergraben, unter dem elektronischen Dietrich und den Resten eines synthetischen Snacks aus Was-auch-immer-mit-Fleisch-Geschmack, fand er seinen Flachmann. Er zog ihn so leise er konnte heraus, öffnete den Verschluss und nahm einen Schluck eines namenlosen grünen Schnapses. Er schmeckte furchtbar. Quinn behielt ihn nur deshalb in seiner Flasche, weil der Auftraggeber, der ihn am häufigsten anheuerte, ein orionischer Kaufmannsprinz namens Ganz war, der der seltsamen Ansicht war, dass andere Personen ihm spontan Getränke anzubieten hatten. Zudem hatte er es sich zur Angewohnheit gemacht, all jene zu erschießen, die ihm etwas servierten, was ihm nicht schmeckte. Den grünen Schnaps mochte Ganz.

So grässlich Quinn es auch fand, war das Zeug gegenüber dem faden Nachgeschmack des Pseudo-Fleisch-Snacks, den Quinn eine Stunde zuvor verschlungen hatte, doch eine leichte Verbesserung. Er nahm einen weiteren Schluck und stopfte dann die halbleere Flasche zurück in seine Tasche. Diese Überwachungsaktion dauerte länger als erwartet. Er hatte angenommen, zu diesem Zeitpunkt längst verschwunden zu sein; das gestohlene Gerät sicher hinter einem falschen Wandpanel im Ladebereich seines privaten Frachters, der Rocinante, verborgen. Doch stattdessen schlug er blind nach den seinen Kopf attackierenden Moskitos, die er zwar allzu gut hören konnte, die er aber nur sah, wenn sie zwischen ihm und den Lichtern, die vom Minencamp hinauf schienen, hindurch flogen.

Von seinem Aussichtspunkt tief im Unterholz hinter der Waldgrenze, die das Camp umgab, sah er die Prospektoren von einer Baracke zur nächsten gehen. Die meisten bereiteten sich auf die Nacht vor, begaben sich in ihre Kojen oder gingen ein letztes Mal zur Latrine. Ein echtes Ärgernis waren lediglich die beiden, die noch immer in ihrem spartanisch eingerichteten Gemeinschaftsraum saßen und das wahrscheinlich langweiligste Kartenspiel spielten, das Quinn jemals gesehen hatte.

Er war sicher, dass er die beiden Männer wahrscheinlich in jedem Spiel, von Texas Hold’em bis Denobulanischem Rommé, locker geschlagen hätte. Für einen kurzen Moment erlaubte er sich die Vorstellung, seine Mission eigenmächtig zu verändern und anstelle eines heimlichen Diebstahls eine völlig legale Plünderung der Minenarbeiter mittels Kartenspielens durchzuführen.

Quinns gesunder Menschenverstand erwachte aber rasch aus seinem Schlummer und erinnerte ihn daran, dass es nicht nur falsch wäre, ehrlich arbeitende Menschen beim Kartenspielen zu betrügen, sondern Ganz sein nächstes Abendessen wahrscheinlich auch mit Quinns Eingeweiden garnieren würde, sollte er ohne das Sensorengitter, das dieser haben wollte, nach Vanguard zurückkehren.

Geduld war keine von Quinns ausgeprägten Tugenden, aber seine Impulsivität wurde gewöhnlich von einer sehr gesunden Furcht vor dem Tod, schweren Verletzungen oder dem Kerker im Zaum gehalten. Darum hielt er die Position, obwohl er inzwischen der Überzeugung war, seine Knie würden sich nie wieder durchbiegen lassen. Endlich packten die letzten zwei Minenarbeiter ihre Karten zusammen. Sie ließen ein elastisches Band um den Stapel schnappen und diesen auf dem Tisch liegen, als sie aufstanden, das Licht im Gemeinschaftsraum ausschalteten und aus der Tür hinaus in die Dunkelheit gingen. Diese wurde nur an einigen Stellen von einem schwachen, leicht orange schimmernden Leuchten erhellt, das von den Lampen ausging, die an schlaffen Drähten zwischen den Hütten hingen. Trotz der vielfältigen Geräuschkulisse aus dem Dschungel um ihn herum, hörte Quinn jeden einzelnen schlurfenden Schritt, als die beiden sich auf dem schlammigen Weg entfernten und auf der anderen Seite der Siedlung langsam außer Sicht gerieten. Ihre verschwommenen Schemen näherten sich einem Gebäude. Das sich wiederholende Geräusch von Stiefeln, die klopfend von Schlamm befreit wurden, hallte bis zu ihm herüber. Als die beiden endlich ihre Hütte betraten, verklang es und die Tür schlug geräuschvoll hinter ihnen zu.

Quinn gab seine Position auf, entfernte das dichte Gewächs und die herumhängenden stacheligen Reben und bewegte sich auf das Camp zu. Ein arthritischer Schmerz in seinen Knien mahnte ihn, die Geschwindigkeit zu verringern, aber die Aussicht, seinen Auftrag ab jetzt rasch und einfach hinter sich zu bringen, trieb ihn an. An der Waldgrenze verharrte er kurz. Es gab kein Anzeichen von automatischen Überwachungsgeräten – keine Kameras, Bewegungsmelder oder Selbstschussanlagen. Nicht, dass er welche erwartet hatte, aber die Anwesenheit eines Sensorengitters im Minencamp hatte dennoch seinen Argwohn geweckt. Dies war nicht die Art von Ausrüstung, die man normalerweise in zivilen Händen vermutet hätte. Ganz hatte bei der Auftragserteilung nicht erwähnt, wie er von der Anwesenheit des Geräts hier auf Ravanar IV erfahren hatte, und Quinn war schlau genug gewesen, nicht danach zu fragen.

Er legte die Hand auf die Betäubungspistole in seinem Holster. Der Weg war verlassen. In der Ferne kreischte etwas dreimal in schneller Folge und etwas anderes grollte zur Antwort. Mit der Hand am Griff entfernte er sich von den Bäumen und ging vorsichtig hinüber. Der matschige Staub unter Quinns Stiefeln machte aus jedem Schritt ein Abenteuer. Er war glitschig wie geronnenes hydraulisches Schmieröl und stank wie die offene Kanalisation von Korinar. Einige schnelle Schritte, und er verbarg sich wieder im Dunkeln. Verstohlen warf er einen Blick um eine Ecke, auf den dunklen, kurzen Weg zwischen den Hütten und dem Lagerhaus. Er war leer, und während Quinn hinüber lief, suchten seine Füße bei jedem Schritt die trockenste – und damit auch leiseste – Stelle des Weges.

Das Sensorengitter war größer, als er es erwartet hatte. Ganz’ Zeichnung des Geräts enthielt keine Größenangaben und hatte Quinn glauben lassen, dass er es einfach abbauen und unter den Arm klemmen konnte. Die zylindrische Maschine war jedoch beinahe so groß wie Quinn selbst, und wenn seine Einschätzung des Duranium-Gehalts korrekt war, mindestens zweimal so schwer. Er dachte kurz darüber nach, den Frachtflieger eines Minenarbeiters zu stehlen, bis ihm einfiel, wie viel Lärm der Gleiter machen würde. Das verfluchte Ding wird das ganze Lager aufwecken, schimpfte er stumm vor sich hin. Das hier wäre viel einfacher, wenn mein Schiff einen Transporter hätte. Er hatte oft mit dem Gedanken gespielt, einen zu installieren, aber die limitierte Energiekapazität seiner Maschinen hätte es notwendig gemacht, ein anderes System von vergleichbarem Energieverbrauch dem Transporter zu opfern. Unglücklicherweise wären dafür nur die Trägheitsdämpfer infrage gekommen – und da sie es waren, die ihn bei einem normalen Flug durch das All davor bewahrten, sich spontan in organischen Matsch zu verwandeln, war Quinn eher abgeneigt, sie einzutauschen.

In ihm formte sich ein Gedanke: Ich könnte einfach nur die relevante Komponente stehlen und das Energiemodul zurücklassen. Ich nehme einfach den Teil mit, um den es eigentlich geht. Er nahm das Gerät stärker in Augenschein und erkannte, dass das obere Segment den Sensorgenerator enthielt, den er – wenn er es erst einmal von dem viel größeren und schwereren Energiemodul getrennt hatte – aus eigener Kraft würde fort bringen können. Er griff in die tiefer gelegenen Taschen an seinen Hosenbeinen, fand dort die Werkzeuge, die er brauchte und begann mit der Arbeit. Ein schneller Scan registrierte kein Anzeichen von Energie innerhalb des Geräts; es schien absolut inaktiv zu sein. Das war Quinns Einschätzung nach auch das Beste. Einige wenige Verdrahtungen und Schaltungen später hatte er das Kabel des Hauptenergiemoduls entkoppelt. Kaum hatte er jedoch das Kabel gelöst, empfing sein Scanner eine Vielzahl an Daten. Er warf einen Blick auf die Werte und machte die verspätete Entdeckung, dass das Sensorengitter die ganze Zeit über höchst aktiv gewesen war und – ganz im Sinne seiner beabsichtigten Funktionsweise – seinen Scanner an der Nase herum geführt hatte.

An seine Ohren drangen sowohl das dröhnende Hupen eines Alarmsignals als auch das Geräusch gegen Barackenwände schlagender Blechtüren. Schnelle Schritte klatschten durch den Schlamm und näherten sich seiner Position. Mit einem Schall-Schraubendreher, den er einem ziemlich verrückten Typen auf Barolia geklaut hatte, löste er die letzten Bolzen, die das Sensorengitter noch hielten, schlang seine Arme um den Sensorgenerator und hob ihn mit einem schmerzerfüllten Stöhnen an. Er wankte rückwärts durch die Tür, stolperte über etwas am Boden, das er in der Dunkelheit nicht erkennen konnte und ließ das Gerät fallen.

Was auch immer Quinn zwischen die Füße geraten war, wurde, begleitet von einem zerbrechenden Geräusch, durch das Gitter zerquetscht. Ein großer Teil rammte Quinns Fuß jedoch noch hart genug, um seinem Mund unklugerweise eine Sammlung vulgärer und lauter Flüche zu entlocken. Das Hüpfen auf seinem gesunden Fuß erwies sich kurze Zeit später als noch unkluger. Quinn rutschte prompt aus und fiel im Schlamm hart auf den Rücken. Hilflos sah er der Menge zorniger Minenarbeiter entgegen, die auf ihn zulief.

„Hey Leute“, rief er und wälzte sich im Schlamm, um sich wieder aufzurichten. „Ich weiß, dass sieht nicht gut für mich aus, aber …“ Einer der Männer zog etwas, das nach Quinns Meinung große Ähnlichkeit mit einem Sternenflotten-Phaser hatte. Er erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde und analysierte die Situation. Dann rannte Quinn los. Seine Arme und Beine wedelten wie Windmühlenblätter als er sich auf dem glitschigen Schlamm um sicheren Halt bemühte. Dadurch wurden seine Bewegungen derart unbeholfen und unvorhersehbar, dass der erste Phaserschuss – dessen Tonhöhe Quinn als Level 5 („schwere Betäubung“) identifizierte – knapp an ihm vorbei zischte und die Wand neben seinem Kopf erleuchtete. Quinn nutzte die kurze Helligkeit um sich zu orientierten und verließ den Weg. Er stürzte in einem spontanen Zickzack-Kurs dem Wald entgegen. Seine bewaffneten Verfolger kamen näher, doch zwei weitere Phaserschüsse ließen Quinns Schritte noch einmal schneller werden. Einer wirbelte die Erde knapp hinter seinen Füßen auf, der andere schoss über seine Schulter und brannte sich seinen Weg durch das Laub. Er erreichte die Waldgrenze und warf sich zwischen die Bäume. Sein Zickzack-Kurs war nun nicht mehr strategisch, sondern notwendig, um den zahlreichen Ranken, Pflanzen und Bäumen auszuweichen. Blaues Phaser-Feuer schimmerte in der Dunkelheit, blitzte auf und verblasste rund um die Spur, die Quinn bei seiner Flucht hinterließ.

Wo ist der verdammte Weg? Das Adrenalin-Niveau in Quinns Gehirn sorgte dafür, dass sich die Sekunden scheinbar endlos dehnten. Ihm kam es so vor, als ob er mehr als doppelt so lange wie nötig brauchte, um den Weg zurück zu seinem Schiff zu finden. Dann aber, nach einer letzten Kurve um ein Hindernis, brach er plötzlich aus dem Dschungel und stolperte in das schmale, trockene Flussbett, dem er vom Gipfel aus gefolgt war. Sein Schiff auf der anderen Seite des Hügels zu landen, hatte zu diesem Zeitpunkt noch wie ein guter Plan gewirkt. Sich im Schatten und geräuschlos von einer Anhöhe abwärts dem Lager zu nähern, schien strategisch sinnvoll zu sein.

Unglücklicherweise bedeutete es nun, dass er bergauf laufen musste – und zwar um sein Leben.

Es konnte nur noch Sekunden dauern, ehe seine Verfolger das Flussbett fanden. Zeit für ein paar Tricks, beschloss er. Ein paar Meter voraus bot ihm ein großer Felsbrocken etwas Schutz. Er erreichte den Felsen und ging dahinter in Deckung, gerade rechtzeitig, bevor ein weiterer neon-blauer Phaserstrahl über ihn hinweg peitschte. Hastig durchstöberte er den Inhalt seiner Taschen, bis er den Zünder fand. Das Heulen eines neuen Phaserschusses erklang, der fast ein Viertel des Felsbrockens abbrach, hinter dem Quinn in Deckung gegangen war. Der plötzliche Geruch von verschmortem Karbon und Eisen erinnerte ihn an den Gestank eines leeren Kochtopfes, den man auf der Flamme vergessen hatte. Rufe ertönten. Das Geräusch sich nähernder Fußtritte wurde lauter. Sie kamen. Er aktivierte den Zünder.

Purpurrote Blitze erleuchteten die tiefschwarze Nacht und eine Reihe von lauten Explosionen erschütterte die Umgebung. Die leiser werdenden Detonationen vermischten sich mit der Kakophonie zahlreicher erschreckter Tiere, gefolgt von dem Quietschen und Rumpeln zersplitternder Baumstämme, die unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrachen und zu Boden stürzten. Schreie wurden laut. „Vorsicht!“ und „Alle runter!“ hörte Quinn. Ein Dutzend stattlicher Bäume stürzten in einem sich überlappenden Muster in das Flussbett, um so eine Verfolgung unmöglich zu machen. Eine dichte Rauchwolke nahm den Verfolgern die Sicht und das Prasseln vieler kleiner Feuer übertönte die Geräusche, die Quinn machte, als er seine Flucht fortsetzte. Er hörte jemanden aus der Gruppe seiner Verfolger, wahrscheinlich den Anführer, der sich vergewisserte, dass seine Leute alle in Ordnung waren. Dann gab er den Befehl zum Rückzug ins Camp.

Quinn war froh, dass bei der Explosion niemand verletzt worden war. Schon vor langer Zeit hatte er den Wert von einfachen Lügen, klaren Fluchtstrategien und unerwarteten Ablenkungen zu schätzen gelernt. Es gab nur wenige Regeln, die er wirklich respektierte. Insgesamt sah er sich als „moralisch flexibel“ und „ethisch anpassungsfähig“ an, aber für ihn stand fest, dass kein Job in diesem Universum es Wert war, jemand anderen dafür zu töten. Verprügeln? Klar. Betäuben? Wenn es sein musste. Aber jemandem ernsthafte Verletzungen zuzufügen oder ihn zu töten – das war eine Grenze, die Quinn nur im Fall der Selbstverteidigung überschritt.

Wenige Minuten später überquerte er den Gipfel des Hügels und gelangte auf dessen steilere und steinigere Seite. Er kletterte über einige lose Steine auf die Rocinante zu. Unter einem geräumigen Überhang aus Schiefer stand sein Schiff geschützt im Dunkeln. Der zentrale Rumpf war wie ein langer dünner Keil geformt. An den Seiten waren zwei schwerfällige Warpgondeln angebracht, die imposant wirkten und in der Länge beinahe zwei Drittel der Hauptsektion ausmachten. Die Navigationsruder, die normalerweise in einem sanften Winkel von den Warpgondeln abstanden, standen aufrecht inmitten der Landekonfiguration. Die Rocinante war dunkelgrau, sah man von den etwas helleren Flecken ab, an denen die Außenhülle im Laufe der Zeit in der einen oder anderen außerirdischen Schiffswerft häufig mehr schnell als gut repariert worden war. Das aus vier Sitzen bestehende Cockpit verbarg sich hinter einer getönten Scheibe.

Quinn schritt über die tiefen Furchen, die sein Schiff bei der Landung in den Fels geschnitten hatte. Er zog die Bedienungseinheit unter seinem Gürtel hervor. Als er den Code in die Fernbedienung eingab, um den Bauch des Schiffes zu öffnen, zitterten seine Finger immer noch – eine körperliche Reaktion auf die geistige Erkenntnis, fast erschossen worden zu sein. Die Tür öffnete und senkte sich mit einem hydraulischen Zischen. Kleine Wolken aus undichten Kühlmittel-Leitungen senkten sich herab wie der Geist eines Wasserfalls, als Quinn die Rampe zum Schiff hinaufstieg. Als er das Schiff betrat, aktivierte er einen Schalter, um die Rampe zu schließen, und machte sich auf den Weg in das Cockpit. Mit einem erstickten Keuchen und einem mahlenden Geräusch schloss sich die Rampe hinter ihm in dem Moment, als er erschöpft in den Sitz fiel.

Quinn schwitzte. Schweißtropfen rannen an seinem Gesicht und an seinen Armen herab. Sein Atem ging flatternd. Er sah sein ausgezehrtes Spiegelbild in der getönten Frontscheibe und registrierte bestürzt, wie wenig freundlich die Jahre ihn behandelt hatten. Man wird wirklich nicht jünger, das ist verdammt sicher, räumte er sich selbst gegenüber ein. In letzter Zeit verlasse ich mich immer mehr auf mein Glück – dabei bin ich mir gar nicht sicher, ob ich mir, was das Glück angeht, noch so sicher sein darf.

Er streckte die linke Hand aus und begann Schalter umzulegen, um die Bord-Systeme hoch zu fahren, während seine rechte Hand an den Kontrollen des Impulsantriebs und der Warpspulen arbeitete. Von einem Geistesblitz angetrieben, schwang er halb mit seinem Stuhl herum und aktivierte einen Subraumfunk-Verzerrer. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Typen, die auf mich geschossen haben, um Hilfe rufen werden. Ihre Kommunikations systeme eine Zeit lang zu blockieren, würde Quinn genug Zeit verschaffen, um das System zu verlassen, bevor ungebetene Verstärkung Nachforschungen anstellte. Er war sehr vorsichtig gewesen, und hatte sechs Tage gewartet, nachdem die Sagittarius den Orbit verlassen hatte. Erst dann hatte er es gewagt, mit seinem Schiff aus dem Versteck zu kommen und so nahe am Camp zu landen. Es gibt immer noch keinen Grund, unvorsichtig zu werden, ermahnte er sich. Nun, zumindest nicht noch unvorsichtiger.

Die Warpmaschinen waren noch immer in der Aufwärmphase als die Farbe der Lampen des Impulsantriebes auf Grün wechselten. Darauf erpicht, so schnell wie möglich von diesem Planeten wegzukommen, aktivierte Quinn die Antigravitation, zog die Landestützen ein und glitt mit dem Schiff einige Meter vorwärts. Sobald es den Bereich des Überhangs verlassen hatte, richtete er die Nase auf und beschleunigte, bis die Rocinante die Atmosphäre so schnell verließ wie der Antrieb es ihr ermöglichte.

Als die Rocinante durch den Orbit brach, beendeten die Warpspulen ihre Startsequenz. Ohne mit einem einzigen Blick die kleiner werdende Welt Ravanar IV zu beachten, gab Quinn den längsten – einen fast kreisförmigen – Kurs zurück nach Vanguard ein, den er berechnen konnte. Er kalkulierte dabei sämtliche Treibstoff-Reserven mit ein und sprang schließlich auf Warpgeschwindigkeit. Es würde mehr als eine Woche dauern, bevor er seinen Fuß wieder auf die Station setzen konnte. Das sollte genug Zeit sein, um mir zu überlegen, was ich Ganz erzählen werde, überlegte er. Oder um alternativ eine nette Beerdigung zu planen.

Commander Dean Singer sah auf, als der Suchtrupp auf dem schmalen Weg hinter den Baracken zurückkehrte. „Konnte jemand einen vernünftigen Blick auf ihn werfen?“ Die Mitglieder seines Teams beantworteten die Frage mit mürrischem Schütteln ihrer Köpfe. Er gab dem zerstörten Generator des Sensorengitters einen Tritt und seufzte. „Großartig. Einfach großartig.“ Er öffnete die unförmige Minenarbeiter-Jacke, die er trug, und nahm einen Kommunikator von seinem Gürtel. Mit einer Handbewegung ließ er die Abdeckung aufspringen, und ein zweifaches Zirpen bestätigte einen offenen Kanal. Er stellte das Gerät auf die Frequenz ein, die das Team im Untergrund benutzte und aktivierte die Übertragung.

Die Crew lief verwirrt auseinander, während Singer auf eine Antwort des Forschungsteams wartete, das unterhalb des Camps arbeitete.

Ensign T’Hana antwortete auf Singers Ruf. Ihre sachliche vulkanische Stimme ertönte ruhig und klar. „T’Hana hier.“

„T’Hana, hier ist Singer.“ Seine Stimme klang drängend. „Haben Sie es schon heruntergefahren?“

„Noch nicht, Commander. Wir werden sehr wahrscheinlich noch 21 Minuten benötigen, um das gesamte System erfolgreich herunter zu fahren.“

Singer runzelte die Stirn, dann fügte er sich den Gegebenheiten, die inzwischen außerhalb seiner Kontrolle lagen. „Verstanden, Ensign. Bitte beschleunigen Sie den Prozess, falls die Umstände es erlauben.“

„Verstanden, Sir.“

„Singer Ende.“ Er schloss seinen Kommunikator mit einer Hand, aber als er ihn zurück an den Gürtel stecken wollte, piepte er zweimal und signalisierte eine eingehende Nachricht. Singer nahm das Gerät wieder hoch und öffnete es. „Singer hier.“

„Commander, die Subraum-Kanäle sind wiederhergestellt“, ertönte die Stimme von Lieutenant John Ott, dem Kommunikationsoffizier. „Ich öffne einen sicheren Kanal zu Vanguard. Was wollen Sie ihnen sagen?“

„Einen Moment“, erwiderte Singer. Einmal mehr bedachte er die verbliebenen Mitglieder des Suchtrupps mit einem wütenden Blick. „Kann mir irgendjemand sagen, ob der Eindringling ein Klingone war?“ Hochgezogene Schultern und geschüttelte Köpfe begleiteten den Chor von gemurmelten Antworten. „Miguel, Sie waren der erste, der ihn gesehen hat. Können Sie mir gar nichts über ihn sagen?“

„Nicht bei diesen Lichtverhältnissen“, erwiderte Chief Petty Officer Miguel Velez. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass er helles Haar hatte, aber ich kann nicht wirklich sagen, ob es weiß, grau oder gelb war.“ Als er die Enttäuschung in Singers Gesicht sah, fügte er „Sorry, Sir!“ hinzu.

„Nicht Ihr Fehler“, sagte Singer. Er wandte sich wieder seinem anderen Gespräch zu und sagte in den Kommunikator. „Ott, informieren Sie T’Prynn darüber, dass wir einen Eindringling hatten, dessen Identität unbekannt ist. Machen Sie ihr außerdem klar, dass wir ein neues Sensorengitter benötigen – und zwar im Eilschritt.“

Kapitel 3

„Brücke an Lieutenant Xiong.“

Ming Xiong stopfte den letzten Zipfel seines Uniformhemdes in den Rucksack und schloss ihn. Alle Sachen waren nun gepackt, und er war bereit, die Reise anzutreten. Er langte an die nahe liegende Wand und drückte die Taste am Interkom. Tatsächlich waren alle Wände in diesem Quartier, das er sich zudem noch mit dem Chefingenieur der Sagittarius – Master Chief Petty Officer Mike Ilucci – teilen musste, klaustrophobisch nah.

„Xiong hier.“

„Es ist Zeit, Ming“, erklang die Stimme von Captain Nassir. „Die Bombay erwartet Ihre Ankunft.“

„Ich bin auf dem Weg“, sagte Xiong und schlang sich beide Riemen seines Rucksacks über die Schultern. „Xiong Ende.“ Er deaktivierte das Interkom, warf noch einen prüfenden Blick in seinen Schrank, vergewisserte sich, dass er nichts vergessen hatte, und schloss ihn. So eng die räumlichen Verhältnisse an Bord eines Schiffes der -Klasse auch waren, er würde das Schiff und seine Crew vermissen. In den beiden kurzen Wochen, die er mit ihnen verbracht hatte – die erste auf seinem Weg nach Ravanar IV, wo er die Entdeckung gemacht hatte, und die zweite nun bei seiner Rückkehr auf die Vanguard (wobei die Route jedes Mal aus schrecklich vielen Umwegen bestand) – hatte er den Umgang mit ihnen als deutlich entspannter empfunden als mit seinen anderen Kameraden in der Sternenflotte. Das Schiff war ein Langstrecken-Aufklärer mit gerade einmal 14 Personen an Bord, und es gab naturgemäß ein sehr enges Miteinander unter den Crew-Mitgliedern, das von Captain Nassirs entspanntem Führungsstil noch verstärkt wurde. Anders als bei den meisten Crews der Sternenflotte, mit denen Xiong bislang gereist war, war die Hierarchie-Struktur im Team der kaum präsent. Die Standarduniform an Bord des Schiffes war ein nützlicher Overall in einem einfachen Grün, der ohne die üblichen Rang-Insignien oder Abteilungsfarben auskam. Der Name des Crewmitglieds stand links auf Brusthöhe, der des Schiffes war auf der rechten Schulter angebracht und das war es auch schon. Obwohl Xiong sich anfangs beim Tragen eines gänzlich unbeschrifteten, ausgeliehenen Overalls noch recht anonym gefühlt hatte, hatte er sich dennoch rasch an die unkomplizierte Kleidung gewöhnt.

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