Verlag: Panini Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Star Wars: Republic Commando - True Colors E-Book

Karen Traviss  

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E-Book-Beschreibung Star Wars: Republic Commando - True Colors - Karen Traviss

DER NEUE KLONKRIEGE-ROMAN ZUM ERFOLGSSPIEL! Der komplexe Shooter Republic Commando gehört zweifellos zu den aufregendsten Game-Abenteuern im Star Wars-Universum. Karen Traviss spektakuläre Romane, die genau wie der Xbox-Kassenhit zur Zeit der legendären Klonkriege spielen, stehen der Vorlage in nichts nach. In ihrem neuesten Meisterstück wartet eine neue, unerhörte Herausforderung auf die Spezialisten der Omega Squad. Der Entscheidungskampf gegen die Sith geht in die dritte Runde!

Meinungen über das E-Book Star Wars: Republic Commando - True Colors - Karen Traviss

E-Book-Leseprobe Star Wars: Republic Commando - True Colors - Karen Traviss

AUSSERDEM BEI PANINI ERHÄLTLICH

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Claudia Gray – ISBN 978-3-8332-3569-6

Star Wars: Blutlinie

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Star Wars: BATTLEFRONT: Twilight-Kompanie

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Karen Traviss – ISBN 978-3-8332-3648-8

Star Wars: THE OLD REPUBLIC – Eine unheilvolle Allianz

Sean Williams – ISBN 978-3-8332-2036-4

Star Wars: THE OLD REPUBLIC – Betrogen

Paul S. Kemp – ISBN 978-3-8332-2249-8

Star Wars: THE OLD REPUBLIC – Revan

Drew Karpyshyn – ISBN 978-3-8332-2373-0

Star Wars: THE OLD REPUBLIC – Vernichtung

Drew Karpyshyn – ISBN 978-3-8332-2608-3

Star Wars: CORUSCANT NIGHTS Band 1 – Im Zwielicht

Michael Reaves – ISBN 978-3-8332-2906-0

Star Wars: CORUSCANT NIGHTS Band 2 – Straße der Schatten

Michael Reaves – ISBN 978-3-8332-2983-1

Star Wars: CORUSCANT NIGHTS Band 3 – Schablonen der Macht

Michael Reaves – ISBN 978-3-8332-2984-8

Star Wars: Shadow Games – Im Schatten

Michael Reaves – ISBN 978-3-8332-3158-2

Nähere Infos und weitere Bände unter:

www.paninibooks.de

Ein Klonkriegsroman

Karen Traviss

Aus dem Amerikanischen von Jan Dinter

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Titel der Amerikanischen Originalausgabe: „Star Wars: Republic Commando: True Colors“by Karen Traviss, A Del Rey ® Book, published by The Random House Publishing Group.

© & TM 2018 LUCASFILMLTD.

Deutsche Ausgabe 2018 by Panini Verlags GmbH, Rotebühlstraße 87,

70178 Stuttgart. Alle Rechte vorbehalten.

Geschäftsführer: Hermann Paul

Head of Editorial: Jo Löffler

Head of Marketing: Holger Wiest (E-Mail: marketing@panini.de)

Presse & PR: Steffen Volkmer

Übersetzung: Jan Dinter

Lektorat: Robert Mountainbeau, Dr. Sabine Jansen

Umschlaggestaltung: tab indivisuell, Stuttgart

Satz und E-Book: Greiner & Reichel, Köln

YDSWRR007E

ISBN 978-3-7367-9972-1

Gedruckte Ausgabe:

1. Auflage, April 2018, ISBN 978-3-8332-3647-1

Findet uns im Netz:

www.paninibooks.de

PaniniComicsDE

Für Christian Stafford, TC 1219 von der 501. Legion, der diese Welt am 6. März 2005 mit nur acht Jahren verließ und dessen Tapferkeit uns für immer inspirieren wird.

Nu kyr’adyc, shi taab’echaaj’la:

Nicht fort, lediglich auf dem Marsch in weiter Ferne.

HANDELNDE PERSONEN

Republic Commandos:

Omega Squad:

RC-1309 NINER

RC-1136 DARMAN

RC-8015 FI

RC-3222 ATIN

Delta Squad:

RC-1138 BOSS

RC-1262 SCORCH

RC-1140 FIXER

RC-1207 SEV

Klon-Trooper CT-5108/8843 CORR

Klon-Commander CC-3388/0021 LEVET

General BARDANJUSIK, Jedi-Ritter (Mensch, männlich)

Sergeant KALSKIRATA, mandalorianischer Söldner (Mensch, männlich)

Sergeant WALONVAU, mandalorianischer Söldner (Mensch, männlich)

Captain JALLEROBRIM, Coruscant Sicherheitskräfte (Mensch, männlich)

General ETAINTUR-MUKAN, Jedi-Ritterin (Mensch)

JINART, qiiluranische Spionin (Gurlanin)

General ARLIGANZEY, Jedi-Meister (Mensch, männlich)

RAVBRALOR, mandalorianische Kopfgeldjägerin (Mensch)

Null ARC-Trooper:

N-7 MEREEL

N-10 JAING

N-11 ORDO

N-12 A’DEN

ARC-Trooper Captain A-26, MAZE

ARC-Trooper A-30, SULL

BESANYWENNEN, Schatzamtsermittlerin der Republik (Mensch)

PROLOG

Mygeeto, Outer Rim, Tresorräume der Dressian Kiolsh Handelsbank, 470 Tage nach der Schlacht von Geonosis

Die Zeit läuft uns davon.

Die Zeit läuft uns davon, und zwar uns allen.

„Sarge …“ Scorch sieht sich die Sicherheitsverriegelung der Tresorluke mit dem abschätzenden Blick eines Experten an, der das Unknackbare knackt. Dazu habe ich ihn ausgebildet: Er ist der Beste. „Sarge, das hier ist es, weswegen wir gekommen sind. Aber warum rauben wir eine Bank aus?“

„Du raubst sie nicht aus. Ich raube sie aus. Du machst nur eine Tür auf.“ Hier geht’s um Gerechtigkeit. Und die Separatisten um ihren Reichtum zu erleichtern, hält sie schließlich auch davon ab, ihn für Waffen auszugeben. „Und ich bin jetzt Zivilist.“

Kommt mir allerdings nicht so vor. Delta ist immer noch meine Schwadron. Ich würde nicht so weit gehen wie Kal Skirata und sie meine Jungs nennen, aber … Jungs sind sie schon.

Scorch ist ungefähr zwölf Jahre alt. Außerdem ist er vierundzwanzig, gemessen daran, wie viel seines Wegs zum Tod er bereits zurückgelegt hat, und das ist die einzige Definition, die für mich zählt. Ihm läuft die Zeit schneller davon als mir. Die Kaminoaner haben die Klon-Commandos der Republik so entwickelt, dass sie schneller altern, und wenn ich sie mir als die kleinen Kinder vorstelle, dir mir das erste Mal begegneten, bricht es mir das Herz – ja, selbst mir. Das letzte bisschen Gefühl in mir hat mein Vater nicht abtöten können.

Scorch platziert Schaltkreisstörer an den Verriegelungen um den Türrahmen, einen nach dem anderen, um die Systeme durchschmoren zu lassen und ein Fehlsignal zu erzeugen, das den Alarm glauben lässt, alles sei in bester Ordnung. Für einen Moment verharrt er regungslos, den Kopf geneigt, während er das Heads-Up-Display in seinem Helm abliest.

„Was ist da drin, Sarge?“

Ich stehle nicht, um mich zu bereichern. Ich bin kein gieriger Mann. Ich will nur Gerechtigkeit. Verstanden? Meine mandalorianische Rüstung ist schwarz. Und Schwarz ist die traditionelle Farbe der Gerechtigkeit. Beskar’gam-Farben besitzen fast immer eine Bedeutung. Jeder Mando, der mich sieht, weiß sofort, welche Mission ich im Leben verfolge.

„Ein Teil meines Erbes“, antworte ich. „Vater und ich waren uns nicht einig, was meine Karriereplanung betraf.“

Gerechtigkeit für mich, Gerechtigkeit für die Klon-Truppen, benutzt und weggeworfen wie Papierservietten.

„Dann gehen die Drinks also auf Sie“, meint Boss, Deltas Sergeant. „Hätten wir gewusst, dass Sie reich sind, hätten wir Sie früher angehauen.“

„Reich war. Mit ’nem halben Credit als Erbe.“ Ich habe ihnen nie etwas über meine Familie oder meinen Titel erzählt. Ich glaube, der Einzige, dem ich es erzählt habe, war Kal, und danach konnte ich mir auch gleich die volle Ladung seines Klassenkampfgeredes anhören.

Sev, Deltas Scharfschütze – im Moment ziemlich schweigsam, was Missfallen bedeuten könnte, oder auch nicht – hält sein DC-17 Gewehr auf die verlassenen Korridore gerichtet, die von dem Labyrinth aus Schließfächern und Lagerräumen fortführen, in denen der Reichtum und die Geheimnisse der Reichsten und Mächtigsten der Galaxis, einschließlich meiner Familie, liegen.

Fierfek, ist das still hier drin. Die Korridore bestehen nicht aus Eis, aber sie sind glatt und weiß, und ich werde den Eindruck nicht los, dass sie direkt aus diesem gefrorenen Planeten gehauen wurden. Dadurch fühlt es sich hier drin gleich zehn Grad kälter an.

„Auf drei“, sagt Scorch. „Ich würde ja immer noch einen großen Knall bevorzugen. Drei, zwei … eins.“ Ich weiß, dass er grinst, Helm hin oder her. „Rums, Schepper, Klirr.“

Die Riegel geben still nach und öffnen sich der Reihe nach: Klack, Klack, Klack. Kein Alarm, keine Abwehrmaßnahmen, die unsere Köpfe rollen lassen, keine Wachen, die mit Blastern angerannt kommen. Die Tresortüren rollen zurück und bringen Reihe um Reihe von polierten Durastahlschließfächern zum Vorschein, erhellt von dürftigem, grünem Licht. Dazwischen stehen reglos zwei Sicherheitsdroiden, ihre Schaltkreise sind genauso gestört wie jedes andere Schloss hier drinnen. Ihre Waffenarme hängen starr herunter.

„Und?“, fragt Fixer über Comlink. Er ist einen Kilometer weiter weg, oben an der Oberfläche, und kümmert sich um den Schneegleiter, den wir benutzen werden, um von Mygeeto abzuhauen. Er bekommt die Icon-Bilder all unserer Helmsysteme, aber er ist trotzdem ungeduldig. „Was ist denn drin?“

„Die Zukunft“, antworte ich. Seine Zukunft ebenfalls, hoffe ich.

Als ich die Türen der Schließfächer öffne, glitzert es darin, oder es raschelt oder … riecht merkwürdig. Ist eine ganz schöne Sammlung. Boss schlendert herein und fischt ein kleines, goldgerahmtes Bild heraus, das er schon wer weiß wie lange nicht mehr bei Tageslicht gesehen hat. Die drei Commandos starren es einen Augenblick lang an.

„Was für eine Verschwendung von Credits.“ Scorch, der nie den Wunsch nach mehr als einer anständigen Mahlzeit und etwas Schlaf geäußert hat, überprüft die Droiden und stupst sie mit der Sonde an, die an seinem Gürtel befestigt ist. „Sie haben Zeit bis zur nächsten Patrouille, um rauszuschaffen, was Sie brauchen, Sarge. Beeilen Sie sich lieber.“

Wie ich schon sagte, uns läuft die Zeit davon, ein paar von uns schneller als anderen. Zeit gehört zu den Dingen, die man nicht kaufen, erpressen oder stehlen kann, wenn man mehr davon braucht.

„Raus hier, macht schon.“ Ich gehe den Gang entlang, der von unvorstellbaren Reichtümern gesäumt ist: seltene, kostbare Metalle, unauffindbare Creditchips, unbezahlbare Juwelen, Antiquitäten, Industriegeheimnisse, Erpressungsmaterial. Gewöhnliche Credits sind nicht das Einzige, das die Galaxis am Laufen hält. Die Kiste der Familie Vau ist hier. „Ich sagte wegtreten, Delta.“

Boss weicht nicht von der Stelle. „Sie können das nicht alles allein rausschaffen.“

„Ich kann genug rausschaffen.“ Ich kriege einen Fünfzig-Kilo-Packen hoch, vielleicht nicht so leicht wie junge Männer, aber ich bin motiviert, und das rasiert meinem Alter die Jahre nur so runter. „Weggetreten. Verzieht euch. Sofort. Das hier ist mein Problem, nicht eures.“

Hier drin ist eine Menge Kram. Wird länger dauern, als ich dachte.

Zeit. Man kann sie einfach nicht kaufen. Also muss man zugreifen, wo man kann.

Ich fang mal damit an, mir das hier zu greifen.

1.

Hört zu, alles, was ich weiß, ist das:DieSepskönnennichtsovieleDroidenhaben,wiederNachrichtendienstbehauptet –dashabenwirgesehen,alswirihreFabrikensabotierthaben.WennsieirgendwozigMillionenvondenenhätten,warumdannnichtdieRepubliküberrennenundfertig?Undwowirschondabeisind,warumhörtderKanzlernichtaufdieGeneräleundradiertdieseparatistischenHauptzieleaus,stattdenKriegindieLängezuziehenundunsvomCorebiszudenRimsimmerwenigerwerdenzulassen?UndzudemganzenMistkommtnochdieNachrichtvonLamaSu,inderersichdarüberbeklagt,dassderKlon-VertragineinpaarJahrenausläuft –dasstinktdochalles.Undwennetwasderartstinkt,nehmenwirunsereBeineindie Hand, denn es sind unsere Shebse, die auf dem Spiel stehen. Verstanden?

– Sergeant Kal Skirata zu den Null-ARCs, im Gespräch über die Zukunft angesichts neuer Geheiminformationen, die sie bei ihrer unautorisierten Infiltration von Tipoca City 462 Tage nach Geonosis gewinnen konnten

Hilfsschiff der Republik Core Conveyor, unterwegs nach Mirial, eingeschifft: Luftlandetruppen (212. Bataillon) und Omega Squad, 470 Tage nach Geonosis

„Nett, dass ihr euch uns anschließt“, sagte Sergeant Barlex und umfasste dabei mit einer Hand das Geländer im Hangar des Kriegsschiffes. „Darf ich der Erste sein, der bemerkt, dass ihr wie ein Haufen absoluter Vollidioten ausseht?“

Darman wartete bis Niner Barlex gesagt hatte, wohin er sich seine Meinung schieben könne, ging aber nicht auf die Stichelei ein, sondern fuhr fort, das ungewohnte, geflügelte Jetpack anzupassen. Es war nur die übliche Großmäuligkeit, die damit einherging, sich gegenseitig vor einer Mission Angst einzujagen und anzuspornen. Gut, das Standardpack der Sky-Trooper saß nicht besonders bequem auf der Katarnrüstung der Republic Commandos, aber was die Landegenauigkeit anging, schlug es trotzdem den Gleitschirm. Darman hatte lebhafte und sehr schmerzliche Erinnerungen an die späte Schirmöffnung beim Notabsprung auf Qiilura, die nicht im Ziel geendet hatte, es sei denn, man rechnete Bäume dazu. Ihm machte ein Paar weißer Flügel also nichts aus – auch wenn es sich um das schlimmste angeschraubte Modul in der Geschichte der Großen Armee der Republik handelte.

Fi aktivierte seinen Flügelmechanismus, und die zwei Blätter schwangen mit einem Zischen der Hydraulik in eine horizontale Position, wobei sie beinahe Barlex’ Gesicht trafen. Fi lächelte und fuchtelte mit seinen Armen herum. „Willst du mal sehen, wie ich einen Geonosianer mache?“

„Wie jetzt? Als ein Haufen Käfermatsch auf den Boden klatschen, nachdem ich ’ne Salve durch dich durchgejagt habe?“, entgegnete Barlex.

„Du bist immer so streng.“

„Ich bin immer so, Sergeant, Private …“

„Hättet ihr uns nicht wenigstens welche in Mattschwarz besorgen können?“, fragte Fi. „Ich möchte nur ungern mit schlecht passendem Zubehör in den Tod springen. Was würden dann bloß die Leute denken?“

„Ihr nehmt weiß und mögt es gefälligst!“ Barlex war führender Unteroffizier der Parjai Squad, der Luftlandetruppen, und bekannt für höchst riskante Missionen, die Captain Ordo „weitreichende Durchsetzungskraft“ nannte. Die Neuerung, Spezialeinheiten zu unterstützen, war inzwischen deutlich ausgeleiert. Barlex drückte Fis Flügel wieder in die geschlossene Position und runzelte die Stirn. „Was soll’s. Ich dachte, ihr Jungs wärt wiedergeborene Mandalorianer. Mit Jetpacks müsstet ihr euch doch wie zu Hause fühlen.“

„Kommst du hinterher mit nach Hause für ’n Kaffee und ’n Kuchen?“

Barlex blieb todernst. „Der Befehl lautet, überflüssiges Material und anderen unnützen Ballast, also euch, abzuwerfen und dann unsere Überlebenschancen noch einmal zu verringern, indem wir zu einem Schwätzchen mit den Seps auf Mirial vorbeischauen.“

Fi zog die sorgenvolle Nummer ab, beide Handflächen ans Kinn gelegt. „Wird jetzt diese Mando-Sache zwischen uns stehen, Liebster?“

„Nur dass ich die Ironie zu schätzen weiß, dass wir irgendwo ein paar Mando-Söldner bekämpfen werden.“

„Dann halte ich dich wohl besser von Sergeant Kal fern …“

„Ja, tu das“, erwiderte Barlex. „Dank derer hab ich zehn Brüder verloren.“

Klon-Trooper mochten in der Lage sein, „Vode An“ zu singen, aber es war offensichtlich, dass das stolze mandalorianische Erbe nicht bis zu allen Rängen durchgesickert war. Darman beschloss, Skirata nichts davon zu sagen. Es würde ihn kränken. Er wünschte, alle von Jango Fetts Klonen würden ihr Seelenheil im Manda finden, wenn sie sich nur ihrer einzigen, zerbrechlichen Wurzeln besännen. Barlex’ Feindseligkeit würde ihm das Herz brechen.

Es wurde wieder still im Raum. Darman spannte seine Schultern an und fragte sich, wie Geonosianer mit Flügeln zurechtkamen: Schliefen sie auf dem Rücken, oder hingen sie wie Falkenflügler über Kopf? Bisher hatte er das Ungeziefer nur in Bewegung oder tot gesehen, also blieb es eine weitere unbeantwortete Frage. Davon hatte er jede Menge. Niner, der immer ein wachsames Auge auf die Stimmung seiner Schwadron hatte, ging um jeden Einzelnen von ihnen herum, überprüfte die behelfsmäßigen Sicherungsriemen und zog kräftig an dem Gurt, der zwischen Fis Beinen verlief. Fi jaulte auf.

Niner warf Fi einen schrägen Blick zu, genau wie Skirata. „Wir wollen doch nicht, dass irgendwas abfällt, oder, Sohn?“

„Nein, Sarge. Jedenfalls nicht, bevor ich die Gelegenheit hatte, es einzusetzen.“

Niner behielt diesen Blick noch ein Weilchen bei. „Dann also Lagebesprechung in zehn Minuten.“ Er zeigte auf die Luke und überprüfte das Innere seines Helms. „Lassen wir General Zey nicht warten.“

Barlex blieb still stehen, so als überlegte er, was er ihnen sagen solle, zuckte dann aber mit den Schultern und entnahm Niners Fingerzeig, dass das nun Folgende nicht für seine Ohren bestimmt war. Darman tat, was er vor jedem Einsatz tat: Er suchte sich eine ruhige Ecke, um die Kalibrierung seines Anzugs noch einmal zu überprüfen. Atin besah sich mit kritischem Stirnrunzeln Fis Jetpackklammern.

„Da könnte ich ja eine bessere Befestigung stricken“, murmelte er.

„Meinst du, du könntest es mal optimistisch heiter angehen, At’ika?, fragte Fi.

Niner schloss sich dem Überprüfungsritual an. Es waren reine Übersprungshandlungen, aber niemand konnte der Omega Squad vorwerfen, sie würde die Dinge dem Zufall überlassen. „Das Ding muss ja nur halten, bis Fi gelandet ist“, sagte er.

Fi nickte. „Das wäre schön.“

Atin stellte den verschlüsselten Holoempfänger, den er in den Händen hielt, auf die Kante des Schotts zum Nebenraum und sperrte die Luke. Darman konnte sich nicht vorstellen, dass irgendein Klon-Trooper ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte, und fragte sich, ob es eine Beleidigung darstellte, wenn sie wie Zivilisten von einer Missionsbesprechung ausgeschlossen wurden. Aber sie schienen es desinteressiert und klaglos hinzunehmen, denn dazu waren sie seit ihrer Geburt ausgebildet worden: Sie spielten ihre Rolle und die Republic Commandos ebenfalls. Das war es jedenfalls, was ihnen die Kaminoaner erzählt hatten.

Jedoch war das nicht die ganze Wahrheit. Trooper Corr, letzter Überlebender seiner gesamten Kompanie, war in eine Brigade für Spezialeinsätze aufgestiegen und schien sich daran zu erfreuen, mit den Null ARCs durch die Galaxis zu jagen. Er bildete quasi ein Zweigespann mit Lieutenant Mereel; sie schienen das Interesse für die Feinheiten von Sprengfallen zu teilen. Außerdem genossen sie es, das Soziale zu erforschen, wie Skirata sich ausdrückte, und zwar in jeder Stadt, in die es sie verschlug.

Corr fügt sich gut ein. Ich wette, sie alle könnten es, wenn man ihnen die Chance dazu gäbe und ihnen zeigte wie.

Darman setzte seinen Helm auf und zog sich in seine eigene Welt zurück. Das Comlink hatte er bis auf die Notfallüberbrückung abgeschaltet, über die seine Schwadron sich einschalten und ihn alarmieren konnte. Wenn er seine Gedanken treiben ließ, verschwamm die leuchtende Anzeige seines HUDs zu den nächtlichen Lichtern von Coruscant, und er tauchte ein in die kostbare Erinnerung an die kurzen und verbotenen Tage mit Etain in der Stadt. Manchmal kam es ihm vor, als stünde sie hinter ihm, und das Gefühl war so stark, dass er über seine Schulter blicken musste, um nachzusehen. Jetzt erkannte er das Gefühl als das, was es wirklich war: nicht seine Einbildung oder sein Verlangen, sondern ein Jedi – seine Jedi – die durch die Macht zu ihm vordrang.

Sie ist General Tur-Mukan. Sie tanzen ganz schön aus der Reihe, Soldat.

Er fühlte jetzt ihre Berührung, nur ein flüchtiger Hauch von jemandem neben ihm. Er konnte nichts erwidern: Er hoffte nur, dass, wie immer die Macht auch funktionierte, sie dadurch wusste, dass er jetzt an sie dachte. Warum nur sprach die Macht zu so wenigen Wesen, wenn sie doch universell war? Darman verspürte ein leichtes Stechen der Abscheu. Die Macht war ein weiterer Aspekt dieser Welt, der ihm verschlossen blieb, aber wenigstens traf das auf so ziemlich jedermann zu. Es störte ihn nicht halb so sehr wie die aufkommende Erkenntnis, dass ihm fehlte, was die meisten anderen besaßen: Wahlmöglichkeiten.

Einmal hatte er Etain gefragt, was aus den Klontruppen werden würde, wenn der Krieg vorbei wäre – wenn sie gewännen. Verlieren war undenkbar für ihn. Wohin würden sie gehen? Wie würden sie belohnt werden? Sie hatte es nicht gewusst. Die Tatsache, dass er es auch nicht wusste, nährte ein wachsendes Unbehagen.

Vielleicht hat der Senat nicht so weit vorausgedacht.

Fi drehte sich um, hob seinen Helm auf und begann gedankenverloren und mit nicht sonderlich glücklicher Miene sein Display zu kalibrieren. Das war der unbeobachtete Fi: nicht witzig, ohne flotten Spruch auf den Lippen, sondern allein mit sich und seinen Gedanken. Darmans Helm ermöglichte es ihm, seinen Bruder zu beobachten, ohne eine Reaktion hervorzurufen. Fi hatte sich verändert, und es war während der Operation auf Coruscant geschehen. Fi schien etwas zu beschäftigen, das der Rest von ihnen nicht erkennen konnte. Wie eine Halluzination, von der man niemandem erzählt, weil man glaubt, wahnsinnig zu werden. Oder weil man vielleicht fürchtet, niemand sonst würde es eingestehen. Darman glaubte zu wissen, was es war. Deshalb redete er auch nie über Etain, ebenso wie sich Atin nie über Laseema ausließ. Nicht schön für Fi.

Die Antriebe der Core Conveyor liefen mit einer beruhigenden Frequenz. Darman verfiel in jenen leichten Schlummer, in dem er immer noch bei Bewusstsein war, seine Gedanken jedoch ohne seine Kontrolle umherschweiften.

Ja, Coruscant war das Problem. Hier hatten sie alle einen flüchtigen Blick in ein Paralleluniversum erhascht, in dem die Leute normale Leben lebten. Darman war schlau genug, zu erkennen, dass sein Leben nicht normal war – dass er ausschließlich zum Kampf herangezüchtet worden war – aber sein Bauch sagte ihm etwas völlig anderes: dass es weder richtig noch gerecht war.

Er hätte sich freiwillig gemeldet, da war er sich sicher. Sie hätten ihn nicht zwingen müssen. Alles, was er am Ende wollte, war etwas Zeit mit Etain. Er wusste nicht, was das Leben noch zu bieten hatte, aber er wusste, dass es eine Menge gab, das er zu Lebzeiten nie erfahren würde. Seit elf Standardjahren war er auf der Welt und wurde bald zwölf. Laut Handbuch war er dreiundzwanzig oder vierundzwanzig. Zu wenig Zeit, um zu leben.

Sergeant Kal sagte, man hätte uns beraubt.

Fierfek, ich hoffe, Etain spürt nicht, dass ich wütend werde.

„Ich wünschte, ich könnte wie du einfach dasitzen und entspannen, Dar“, sagte Atin. „Wie kannst du nur so ruhig sein? Von Kal hast du das sicher nicht.“

„Ich habe ein reines Gewissen“, entgegnete Darman. Nach all den Jahren des abgeschiedenen Trainings auf Kamino war es eine Überraschung für ihn gewesen, dass viele Kulturen in der Galaxis einen Mörder in ihm sahen, etwas Unmoralisches. „Entweder das oder ich bin zu müde, um mir Sorgen zu machen.“

Jetzt war er auf dem Weg nach Gaftikar, um weiter zu töten. Die Alpha ARCs hatte man geschickt, um die örtlichen Rebellen auszubilden, aber Omega wurde für ein Attentat eingesetzt, um eine Regierung zu stürzen. Das war nicht das erste Mal und wahrscheinlich auch nicht das letzte.

„Auf, Leute, es geht los.“ Niner aktivierte den Empfänger. Das blaue Holobild entsprang dem Projektor, und plötzlich saß der korpulente, bärtige General Arligan Zey, Leiter der Sonderstreitkräfte, mit ihnen im Raum.

„Guten Tag, Omega“, grüßte er. So weit es sie betraf, war es mitten in der Nacht. „Ich habe ein paar gute Neuigkeiten für euch.“

Fi sprach jetzt wieder über das gesicherte Helm-Comlink. Darmans rotes HUD-Audio-Icon verriet, dass nur er ihn hören konnte. „Was bedeutet, dass der Rest schlecht ist.“

„Das ist schön, Sir“, bemerkte Niner trocken. „Ist es gelungen, ARC Alpha-Dreißig ausfindig zu machen?“

Zey schien die Frage zu ignorieren. „Null Sergeant A’den hat sichere Landungszonenkoordinaten gesendet. Ihr habt die Freigabe reinzugehen.“

Fis Comlink meldete sich wieder in Darmans Ohr. „Jetzt kommt das Aber …“

„Aber“, fuhr Zey fort, „ARC-Trooper Alpha-Drei-Null ist vermisst. Er hat sich seit zwei Monaten nicht zurückgemeldet. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, aber der örtliche Widerstand hat Sergeant A’den berichtet, dass er etwa zur gleichen Zeit ebenfalls den Kontakt verloren hat.“

A’den gehörte zu Sergeant Kals Null ARCs. Er war drei Standardtage zuvor entsandt worden, um die Lage einzuschätzen, und wenn er den vermissten ARC-Trooper nicht finden konnte, war der Mann definitiv verloren, buchstäblich aus dem Leben geschieden. Darman fragte sich, was einem ARC wohl zugestoßen sein konnte. Die waren nicht gerade leicht umzubringen. Die Nulls behandelten ihre Alpha-Brüder wie Holzköpfe, aber es waren pure Jango Fetts, genetisch unverändert bis auf das beschleunigte Altern, und von ihm persönlich ausgebildet: harte, erfinderische, gefährliche Männer. Aber selbst die Besten konnten Pech haben. Das bedeutete, dass die Ausbildung und Motivierung des gaftikarischen Widerstands jetzt bei A’den lag.

Darman hoffte, es würde am Ende nicht sein Job werden. Alles, woran er denken konnte, war, wie lange er dort festsitzen und wann er Etain vielleicht wiedersehen würde. Geschmuggelte Briefe und Comlinksignale reichten nicht aus.

Was könnten sie uns antun? Was, wenn jemand dahinterkommt?

Darman konnte nicht sagen, wie schwer die Große Armee oder der Jedi-Rat ihm und Etain das Leben machen konnten. Es bestand auch die Möglichkeit, dass er sie niemals wiedersehen würde. Er war sich nicht sicher, ob er damit fertig werden könnte. Er wusste, dass sie seine einzige Kostprobe des wahren Lebens war.

„Wir fangen also von vorn an, General?“, fragte Niner.

Zeys Schreibtisch war auf dem Holobild nicht zu sehen, aber er nahm offenbar daran Platz und warf einen Blick über die Schulter, als ob jemand den Raum betreten hätte. „Nicht ganz. Die Milizen der Rebellen sind tüchtig, aber sie brauchen immer noch etwas Hilfe bei der Destabilisierung der Regierung von Gaftikar. Und sie benötigen Ausrüstung wie die Deezes, die wir abwerfen.“ Zey hielt inne. „Nicht das ganze Spektrum natürlich.“

„Sieht aus, als würden wir ihnen blind vertrauen, Sir …“

„Eine oder zwei unserer Hilfsaktionen sind nach hinten losgegangen, Sergeant, das gebe ich zu. Hat keinen Sinn, sie übermäßig aufzurüsten, nur damit sie die Seiten wechseln und dann das ganze Material gegen uns einsetzen. Das hier reicht völlig.“

„Irgendwelche generellen Informationsupdates über Gaftikar?“

„Nein. Tut mir leid. Ihr werdet die Lücken selbst füllen müssen.“

„Zahlen?“

„A’den berichtet von circa einhunderttausend ausgebildeten Mann bei den rebellischen Truppen.“

Darman blinzelte, um die Datenbank seines HUDs zu aktivieren, und überprüfte die geschätzte Bevölkerungszahl von Gaftikar. Eine halbe Milliarde; Hauptstadt Eyat; Bevölkerung fünfhunderttausend. Quoten wie diese war er inzwischen gewohnt.

„Nun, zumindest war Alpha-Dreißig während seines Aufenthalts fleißig, Sir“, sagte Niner.

„Die Rebellen sind recht gut in der Weitergabe der Ausbildung. Sie trainieren zehn, die trainieren wieder jeweils zehn und so weiter.“

„Haben Sie angesichts der begrenzten Zahlen jemals daran gedacht, die gesamte GAR auf diese Weise einzusetzen, Sir? Der Krieg wäre sehr viel schneller zu Ende.“

„Darin liegt eine Strategie, ich weiß …“ In letzter Zeit lag in Zeys Stimme immer dieser Ton, der ihn beschämt oder verlegen klingen ließ. Niemand brauchte zu fragen, ob dies die Art sei, auf die er die Dinge angehen wollte. Es war einfach eine weitere Direktive des Kanzlers auf dessen Liste mit Nehmt-diesen-Planeten-ein-und-kommt-mir-nicht-mit-Entschuldigungen-Befehlen. „Aber alles, was ihr tun müsst, ist die Leitung der Verwaltung in Eyat auszuschalten. Der Rest ergibt sich. Also bereitet das Kampfgebiet vor. Mobilisiert die Rebellen.“

Tut, was ihr könnt, Jungs, denn ich kann keine weiteren Männer entbehren, um euch zu helfen. Toll …

„Verstanden“, sagte Niner. Manchmal hätte Darman gern die Geduld seines Sergeant gehabt. „Omega Ende.“

Zey musste von niemandem daran erinnert werden, wie dünn gesät die Streitkräfte der GAR aufgestellt waren, besonders die Spezialeinheiten. In allen möglichen Disziplinen bildete man jetzt reguläre Truppen für Commando-Einsätze aus: Die GAR verfügte über weniger als fünftausend Republic Commandos. Ungenügend kam der Sache nicht einmal nahe. Es war ein Witz. Darman wartete, bis Niner sich mit einem überraschend flüchtigen Salut abmeldete und die Verbindung beendete – ganz und gar nicht der sonst so übereifrige Niner. Noch nie hatte er der Schwadron gegenüber seine Frustration so deutlich gezeigt.

Vielleicht wäre die Republik mit Droiden doch besser dran. Die scheren sich nicht drum, was mit ihnen passiert.

Und sie verlieben sich nicht.

„Ich werde versuchen, es von der positiven Seite zu sehen, das ist schließlich mein Job“, meinte Fi. „Das letzte Mal, als wir ohne ausreichende Info und in völlig unzureichender Zahl im Feindgebiet eingesetzt wurden, haben wir viele interessante neue Freunde kennengelernt. Vielleicht bin ich ja dieses Mal der Glückliche.“

Darman ignorierte die Anspielung auf Etain. „Die Rebellen von Gaftikar sind nicht dein Typ, Fi. Es sind Echsen.“

„Das sind Falleen auch.“

„Ich rede von Echsen Echsen. Koffern auf Beinen.“

„Aber es gibt auch Menschen …“

„Optimist.“

Niner wechselte das Thema mit untypischer Sanftmut. „Komm schon, wir werden immer ohne ausreichende Infos eingesetzt.“ Er hatte Fi schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesagt, er solle die Klappe halten, so als hätte er jetzt Mitleid mit ihm. „Das ist nun mal der Lauf der Dinge. Okay, die Deckel auf. In zwanzig Minuten sind wir über Eyat.“

Der Frachthangar der Core Conveyor war eine kahle Halle mit einer erhöhten Luftschleuse an einem Ende. Sie war ein bewaffneter Frachter, einer von vielen, der von der Handelsflotte abkommandiert worden war – „am freien Markt requiriert“ und daher mit dem Spitznamen AMRis versehen – und nur dazu gebaut, Fahrzeuge und Güter zu transportieren. Manchmal allerdings auch Personen, die dann diskret dort abgeladen wurden, wo man sie brauchte. Darman überlegte, worin die Fracht wohl zu Friedenszeiten bestanden haben mochte. Wie die kleinen Verkehrs-Interventions-Schiffe wahrte es für geheime Operationen den Schein eines zivilen Schiffes. Amris konnten über Planeten eingesetzt werden, bei denen Schiffe der Acclamator-Klasse die falsche Art der Aufmerksamkeit erregt hätten.

Der Hangar war voll mit Speeder Bikes und Kisten. Darman bahnte sich seinen Weg hindurch und folgte Atin zu den Hangartoren, an denen der Lademeister in seiner gelb gekennzeichneten Pilotenrüstung Kisten auf Repulsoren zur Rampe steuerte und in einer Reihe aufstellte.

„Deezes“, sagte der Lademeister, ohne von seinem Datapad aufzusehen. „Ein paar E-Netz-Blaster und noch so’n albernes Riesenteil.“

„Wie viele Es?“, fragte Atin.„

„Fünfzig.“

„Mehr ist nicht drin?“

„Wir bewaffnen sie jetzt schon ein Jahr lang. Ist nur zum Aufstocken.“ Der Lademeister schien zufrieden, dass die Lieferung komplett war, und sah die Commandos skeptisch an. Dann hakte er seine Sicherheitsleine in die der Reling, die am Schott entlang verlief. „Wenn’s euch tröstet: So total in Schwarz seht ihr echt böse aus. Sogar mit den weißen Flügeln. Ich würde euch nie für einen Haufen überbewerteter, Mando-vernarrter Spinner halten …“

Fi verbeugte sich. „Mögen all Eure zukünftigen Einsätze mit den Galactic Marines mit aufgemotzten Einzelheiten gesegnet sein, ner’vod.“

Nur Atin konnte die Dinge nie mit einem Witz abtun. „Was ist dein Problem, Kumpel?“

„Ich denke nur laut“, erwiderte der Lademeister.

„Denkst was?“

„Mandos. Schon mal gegen die Jungs gekämpft? Ich schon. Die tauchen immer mal wieder unter den Sep-Truppen auf. Sie legen uns um. Und ihr wurdet als brave, kleine Mando-Jungs großgezogen. Habt ihr das Gefühl, dass ihr das seid?“

„Sagen wir’s mal so“, entgegnete Fi. „Ich fühle mich nicht als Bürger der Republik, und das ist auch keiner von uns, falls es noch nicht aufgefallen ist. Wir existieren nicht. Keine Stimme, keine Identifikationsdokumente, keine Rechte.“

Niner stupste Fi in den Rücken. „Eins-Fünf, Klappe. Lademeister, zieh den Kopf ein und stell unsere Loyalität nicht infrage, sonst muss ich dir eine verpassen. Und jetzt an die Arbeit.“

Es war das erste Mal, dass Darman spürte, wie das Gefühl der Bruderschaft unter den Klonen – allen Klonen, ungeachtet der Einheit – ins Wanken geriet. Die Luftlandetruppen hatten offensichtlich ein Problem mit den Mandalorianern, und die Nächstbesten, an denen sie es auslassen konnten, waren vielleicht die Republic Commandos – aufgezogen, ausgebildet und unterrichtet von mandalorianischen Sergeants wie Skirata, Vau und Bralor. Er fand, es war ein schlechtes Omen für die Mission. Sergeant Kal wäre darüber sehr verärgert gewesen.

Die Core Conveyor flog jetzt tief genug, um durch die Bullaugen die Landschaft erkennen zu können. Auf dem HUD-Icon mit Niners Sichtfeld konnte Darman sehen, dass sich der nicht die Abstiegszone ansah, sondern sie auf seinem Datapad studierte. Es war lediglich eine Ansammlung von Zahlen. Atin allerdings las eine Nachricht, und auch wenn Darman nicht neugierig sein wollte, kam er nicht umhin zu bemerken, dass sie von Laseema stammte, seiner Twi’ilek-Freundin und das wirkte … bildend.

Man sagt, es seien die Stillen, die beobachtet werden wollen …

Darman versuchte, sich auf Gaftikar zu konzentrieren. Der Planet sah aus, als wäre es dort ganz hübsch, selbst bei Nacht. Nicht so ein rotes, staubiges Ödland wie Geonosis oder eine eisige Einöde wie Fest. Aus dieser Höhe wirkte Eyat wie ein Mosaik aus beleuchteten Grünanlagen und geraden, belebten Straßen, gesäumt von normalgroßen, mit goldenem Licht gesprenkelten Häusern. Ein Fluss zog sich wie ein schwarz glitzerndes Band durch die Landschaft. Es sah nach einem Ort aus, an dem die Leute ein normales Leben führten und sich daran erfreuten. Ganz und gar nicht nach Feindesland.

Darman klinkte sich in Fis Kanal ein, um zu sprechen, wurde aber umgehend von der Lautstärke der Glimmikmusik betäubt. Das war Fis Art, mit den Dingen klarzukommen: Eine solide Wand aus Lärm und Gequake, die alles andere aussperrte. Darman klinkte sich wieder aus.

Der Lademeister schob seinen Visor herunter und legte eine Hand auf die Kontrolltafel. „Okay, nicht vergessen – lasst euch einfach wie bei einem normalen Gleitflug für ein paar Sekunden fallen und aktiviert dann die Jets. Keinen Schwung geben. Wir öffnen in fünf … vier …“

„Ich würde ja lieber wissen, ob mein Jetpack auch funktioniert, solange meine Stiefel noch das Deck berühren“, sagte Fi.

„… zwei … und … los.“

Die Frachtluke öffnete sich, und eine heftige Bö ließ Staub gegen Darmans Visor prasseln. Die Karten zeigten jetzt dichten Wald. Der Lademeister hatte eine Hand am Schalter zur Frachtfreisetzung, und er wandte den Kopf der von der Kontrolltafel erzeugten Holokarte zu. Sie zeigte offenes Gelände in ein paar Kilometern. Als die Conveyor es überflog, stellte es sich als kurzes, trockenes Gras heraus. Darmans Nachtsichtfilter zeigte es ganz deutlich.

„Ladung raus!“, rief der Lademeister und löste die Halteleinen. Die Kisten rutschten eine nach der anderen über die Rampe und schwebten an Gleitschirmen, die aussahen wie exotische, weiße Blüten, die sich nachts öffneten, dem Planeten entgegen. Der letzte Container schrumpfte unter ihnen zu einem kleinen Fleck und traf in einer Staubwolke auf den Boden.

Das Schiff stieg etwas auf, sodass die Rampe eine ebene Plattform bildete. „Nächster Halt, Omega. Und bleibt gesund, okay?“

Wie alle Commandos hatte Darman schon zig Absprünge hinter sich. Er hätte nicht einmal sagen können, wie viele. Aber trotzdem spürte er einen kurzen Adrenalinschub, als er zusah, wie Atin ruhig ans Ende der Rampe ging und verschwand. Darman folgte ihm, seinen DC-17 flach an die Brust gedrückt.

Eins, zwei, drei, vier Schritte und dann fünf – bei fünf befand sich nichts mehr unter den Sohlen seiner Stiefel. Er fiel, und sein Magen schien mit seinen Lungen zusammenzuprallen, sodass ihm einen Herzschlag lang die Luft wegblieb. Er zählte bis drei und drückte den Startknopf des Jetpacks an seinem Geschirr. Die Flügel schnellten aus dem Gehäuse, und der Motor sprang an. Er fiel nicht länger. Er flog. Und die leichte Vibration der Jets ließ seine Nebenhöhlen jucken. Das grün leuchtende Bild von Gaftikars Heideland breitete sich unter ihm aus, und wenn er den Kopf drehte, konnte er das schwache Hitzeprofil von Atins Jets erkennen. Die Conveyor war fort. Die Kiste konnte besser beschleunigen, als er gedacht hatte.

„Schau mal, Mutti“, meldete sich Fis körperlose Stimme über den gesicherten Kanal. „Ohne Hände.“

„Du hast keine Mutti“, meinte Darman.

„Vielleicht adoptiert mich eine nette, alte Dame. Ich bin doch so liebenswert.“

Darman konnte die anderen jetzt nicht mehr sehen, lediglich ihre Sicht-Icons auf dem HUD seines Helms. Die Schwadron teilte sich auf, wobei jeder Mann einer anderen Flugbahn zum RV-Punkt folgte und sich dabei so tief wie möglich über den Konturen der Landschaft hielt. Der Plan bestand darin, im Laufschritt zu landen – buchstäblich – und dann, sobald sich das Terrain veränderte, den Wald als Deckung zu nutzen. Darman brachte die Landung nicht ganz so sauber hin, wie er es erwartet hatte. Er machte einen Purzelbaum über eine Flügelspitze und kam in einem niedrigen, verkümmerten Gebüsch zum Liegen.

Niner musste den Sturz über sein HUD verfolgt haben. „Kannst du nicht ein Mal auf deinen Füßen landen, Dar?“

„Osik.“ Darman war mehr beschämt denn verletzt. Wenigstens hatte er die Vegetation nicht in Brand gesteckt: Die Jets hatten sich beim Aufprall abgeschaltet. Er rappelte sich auf und orientierte sich. „Ich bin okay.“

Über ihre Sichtfelder auf dem HUD konnte er nicht erkennen, wo Fi und Atin waren, aber er konnte sehen, dass sie sich schnell bewegten, und ihre Transponder näherten sich als blaue Quadrate über die Karte der Landezone den RV-Koordinaten, einem gelben Kreuz. Ihm wurde klar, dass er noch fünfzig Meter zu rennen hatte – mit dem Jetpack, dessen Flügel sich wie die eines Insekts zur Seite streckten.

„Alles klar.“ Niner grunzte, offenbar wand er sich gerade aus seinem Geschirr. „Ab jetzt nur noch Kurzstrecken-Comms, Omega. Wo …“

„Wisst ihr, auf Urun Fünf würden euch die Einheimischen zur Dekoration auf die Spitze eines Festbaums stecken.“

Eine unbekannte Stimme klinkte sich in Darmans Comm-Kanal ein. Er konnte die Gestalt per Nachtsicht erkennen, ein schwacher Umriss, der sich erst zu einer Gestalt formte, als er direkt vor ihm stand. Jetzt konnte er auch sehen, wer es war: Ein Mann, der ziemlich genauso aussah wie er, nur dass er, wie alle Nulls, etwas breiter und schwerer war. Die Kaminoaner hatten am Anfang etwas arg mit dem Fett-Genom herumgespielt. Darman fragte sich, wie viele Experimente sie wohl durchgeführt hatten, bis die Mischung stimmte.

A’den, Null ARC N-12, packte ihn am Arm und bedeutete ihm mitzukommen. Er trug derbe Arbeitskleidung: Keinen Helm, keine Panzer und keinen typischen kiltähnlichen Kama. Darman hatte nicht erwartet, ihn in Zivilklamotten anzutreffen.

Und als er sich seinen Weg durch das Unterholz bahnte und die blöden Flügel verfluchte, die sich nicht mehr einziehen ließen, weil sich bei seinem Absturz der Mechanismus verbogen hatte, hätte er genauso wenig die kleinen, flinken Gestalten mit reflektierenden Augen und DC-15-Gewehren erwartet, die plötzlich auftauchten.

Ja, das waren tatsächlich Echsen.

GAR Basis, Teklet, Qiilura, 470 Tage nach Geonosis, Fristablauf für den Abzug menschlicher Kolonisten

Noch nie zuvor hatte General Etain Tur-Mukan das Gefühl gehabt, so wenig ihrer täglichen Pflichten vollbracht zu haben. Aber sie würde es schaffen. Sie musste.

Draußen vor dem Gebäude des Armeehauptquartiers – einem bescheidenen Haus, das einmal einem trandoshanischen Sklavenhändler gehört hatte, der längst zusammen mit dem Rest der separatistischen Besatzungstruppen fort war – stand in grimmiger Stille eine Gruppe von Bauern. An der Tür hielt Etain kurz inne und bereitete sich darauf vor, hinauszutreten und vernünftig mit den Leuten zu reden.

Ihr müsst fortziehen. Wir haben eine Abmachung, erinnert ihr euch?

„Ich finde nicht, dass Sie das in die Hand nehmen sollten, Ma’am“, sagte Levet, der Garnisonscommander. Er hatte seinen gelb gekennzeichneten Helm unter den Arm geklemmt; ein fitter, glatt rasierter, schwarzhaariger Mann Mitte zwanzig, der Darman so ähnlich sah, dass es schon schmerzte. „Lassen Sie mich mit ihnen reden.“

Er war ein Klon wie Dar – haargenau wie Dar, haargenau wie jeder andere Klon in der Großen Armee der Republik, nur dass ihm Dars beständige Geduld und gute Laune fehlten. Er hatte die gleichen dunklen Augen, die Etain einen Stich der Einsamkeit und der Sehnsucht versetzten, erinnerten sie sie doch ständig daran, dass Dar sich … ja, wo eigentlich aufhielt? Im Augenblick hatte sie keine Ahnung. Sie konnte ihn durch die Macht spüren, wie sie es immerzu konnte, und er war unversehrt. Mehr wusste sie nicht. Sie nahm sich vor, Ordo zu kontaktieren, damit der überprüfte, wo Dar sich aufhielt.

„Ma’am“, sagte Levet etwas lauter. „Geht es Ihnen gut? Ich sagte, ich übernehme das.“

Etain musste sich anstrengen, in Levets Gesicht nicht Darman zu sehen. „Die Verantwortlichkeit des Ranges.“ Hinter sich hörte sie ein schwaches, seidenweiches Rascheln, als würde sich ein Tier bewegen. „Trotzdem danke.“

„Du musst vorsichtig sein“, sagte eine tiefe, fließende Stimme. „Sonst müssen wir deinem fiesen, kleinen Sergeant gegenüber Rechenschaft ablegen.“

Jinart streifte um Etains Beine. Das Gurlanin hatte seine wahre Gestalt eines schlanken, schwarzen Raubtieres angenommen, aber als Formwandlerin hätte sie sich ebenso gut in eine exakte Nachbildung von Levet – oder Etain – verwandeln können.

Fieser, kleiner Sergeant. Sergeant Kal Skirata – klein, grimmig, zornig – hatte sie für ein paar Monate hierher verbannt. Sie war bei ihm in Ungnade gefallen. Jetzt, da sie bereits mehrere Monate schwanger war, begann sie zu verstehen weshalb.

„Ich bin vorsichtig“, erwiderte Etain.

„Er macht mich für deine Sicherheit verantwortlich.“

„Du fürchtest dich vor ihm, nicht war?“

„Du auch, Mädchen.“

Etain zog sich behutsam ihre Robe zurecht, um die wachsende Wölbung ihres Bauches zu verbergen, und warf sich noch einen weiten Mantel über. Der Winter hielt Teklet in seiner Umklammerung, was ihr als Entschuldigung für dicke, wallende Kleidung nur entgegenkam. Aber auch ohne diese Extraschicht hätte sie nicht auffällig schwanger ausgesehen. Sie fühlte es einfach, und sie war müde und allein.

Hier würde sowieso niemand danach fragen oder sich darum scheren, wer der Vater war.

„Du hast keinen Grund, die Evakuierung persönlich zu beaufsichtigen“, meinte Jinart. „Je weniger Leute dich sehen, desto besser. Fordere das Schicksal nicht heraus.“

Etain ignorierte sie, und die Türen schwangen auf und ließen eine schneedurchsetzte Bö kalter Luft in die Lobby. Jinart schoss wie ein Sandpanther an ihr vorbei und sprang durch das Gestöber.

„Wahnsinn“, zischte das Gurlanin und bewegte sich in fließenden Sprüngen voran. „Du hast ein Kind, auf das du achten musst.“

„Mein Sohn“, erwiderte Etain, „ist wohlauf. Und ich bin nicht krank, ich bin schwanger.“

Sie schuldete es ihren Truppen. Sie schuldete es ihnen genauso wie Darman, RC-1136, dessen letzter Brief – ein echter Brief, in präziser, disziplinierter Handschrift auf Flimsi geschrieben, mit Klatsch über seine Schwadron und über das Verlangen nach etwas Zeit mit ihr – häufiges Lesen und Falten ertragen musste und sorgsam in ihrer Tunika, nicht ihrem Gürtel, steckte. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen, während sie zu der Straße stiefelte, die der ständige Verkehr in die Schneedecke gerieben hatte. Es war ein prächtiger, sonniger Tag, blendend hell, ideal für einen Spaziergang, wäre dies ein normales Leben gewesen und sie eine gewöhnliche Frau.

Es ist schwer, es ihm nicht zu sagen. Schwer, das Baby nicht zu erwähnen, wenn er fragt, wie es mir geht. Sein Baby.

Jinart bewegte sich weiter in kontrollierten Sprüngen voran. Wahrscheinlich jagte sie auf diese Weise, dachte Etain, fällt so über kleine Tiere her, die sich tief im Schnee vergraben haben. „Skirata wird rasen vor Zorn, wenn du eine Fehlgeburt erleidest.“

Vielleicht nicht. Er war schon wütend genug, als er erfahren hat, dass ich schwanger bin. „Ich werde nicht riskieren, Kal zu verärgern. Du kennst die Politik dabei.“

„Ich weiß, dass er meint, was er sagt. Er wird Qiilura durch ein Kriegsschiff in einen Haufen geschmolzener Schlacke verwandeln, wenn ich ihn verärgere.“

Ja, das würde er. Auch Etain glaubte ihm. Skirata würde ein Loch in die Galaxis reißen, wenn es das Los der Klontruppen in seiner Obhut verbessern könnte. „Noch knapp drei Monate, dann bin ich nicht länger dein Problem.“

„Hiesige Monate oder Standardmonate?“

Etain verspürte immer noch an jedem Morgen Übelkeit. „Wen interessiert’s? Spielt das eine Rolle?“

„Was würden deine Jedi-Meister mit dir tun, weil du mit einem Soldaten verkehrst?“

„Mich wahrscheinlich aus dem Orden schmeißen.“

„Du fürchtest solch belanglose Dinge. Lass sie doch.“

„Wenn sie mich rausschmeißen“, flüsterte Etain, „muss ich mein Kommando abgeben. Aber ich will bei meinen Truppen bleiben. Ich kann diesen Krieg nicht aussitzen, während sie kämpfen, Jinart.

Das Gurlanin schnaubte und ließ dabei kleine Atemwolken in die eisige Luft aufsteigen. „Während eines Krieges wissentlich ein Kind in diese Galaxis zu setzen, es verstecken und dann übergeben zu müssen an diesen …“

Etain hob die Hand, um sie zum Schweigen zu bringen. „Oh, also hast du mit Kal gesprochen, ja? Ich weiß. Ich war wütend und egoistisch und verantwortungslos. Ich hätte Dars Naivität nicht ausnutzen sollen. Sag’s nur. Außer den Mando’a-Beleidigungen wirst du schon nichts sagen, was Kal nicht schon gesagt hätte.“

„Wie soll er denn nur das Kind für dich großziehen? Dieser Söldner? Dieser Mörder?“

„Er hat seine eigenen großgezogen, und er hat die Nulls großgezogen.“ Ich wollte das nicht, glaub mir. „Er ist ein guter Vater. Ein erfahrener Vater.“

Etain war zu weit von Levet entfernt, als dass dieser hätte zufällig mithören können, aber sie hatte sowieso das Gefühl, dass er Klatsch und Tratsch gegenüber taub war. Sie konnte jetzt die Bauern am Begrenzungszaun sehen, still und grimmig, die Hände in die Taschen geschoben. Kaum hatten die Männer sie entdeckt, brach auch schon ihre Empörung über Etain herein.

Wir haben sie bewaffnet.

Ich und General Zey … wir haben sie in eine Widerstandarmee verwandelt, sie für den Kampf gegen die Seps ausgebildet, sie zu Guerillas gemacht, wie es uns gepasst hat, und jetzt … passt es uns nicht mehr. Werfen wir sie doch weg.

Genau deshalb musste sie ihnen gegenübertreten. Sie hatte sie benutzt. Vielleicht nicht wissentlich, aber diesen theoretischen Punkt würden sie nicht erörtern wollen.

„Commander Levet“, sagte sie. „Eröffnen Sie nur das Feuer, wenn Sie der Meinung sind, es bestehe Gefahr für Ihre Männer.“

„Hoffe, es vermeiden zu können, Ma’am.“

„Sie haben DC-Fünfzehner, vergessen Sie das nicht. Wir haben sie aufgerüstet.“

„Allerdings nicht mit der ganzen Bandbreite.“

Ein Kordon Klon-Trooper stand zwischen Etain und der Menge, ebenso weiß und glänzend wie der Schnee um sie herum. In der Ferne konnte sie das Mahlen der Getriebe eines AT-TEs hören, der um die Eingrenzung eines provisorischen Camps stampfte, das aufgestellt worden war, um die Evakuierung zu koordinieren. Die Klon-Trooper, jeder mit dem süßen, vertrauten Gesicht von Darman, hatten ihre Befehle: Die Bauern mussten gehen.

Sie wickelten ihre humanitären Missionen überraschend gut ab, in Anbetracht der Tatsache, dass sie nur zum Kampf gezüchtete Männer waren, die keine Vorstellung von einem normalen Familienleben hatten. Also kein großer Unterschied zu mir. Als Etain hinter sie trat, öffneten sie die geschlossene Reihe, ohne auch nur die Köpfe zu bewegen. Für so etwas besaßen sie ihre 360-Grad-Helmsensoren.

An der Spitze der Menge erkannte Etain ein Gesicht. Sie kannte fast alle von ihnen, zwangsläufig, aber Hefrar Birhan in die Augen zu sehen, war das Schwerste.

„Jetzt bist du mächtig stolz auf dich, was, Mädchen?“

Birhan starrte sie an, betrogen und feindselig. Er hatte ihr ein Obdach geboten, als sie vor der lokalen Miliz auf der Flucht gewesen war. Sie schuldete ihm wesentlich mehr, als ihn mit Gewalt rauszuschmeißen, ihn von dem einzigen Zuhause fortzureißen, das er je gekannt hatte.

„Meine schmutzige Arbeit mache ich lieber selbst, als sie von jemand anderem erledigen zu lassen“, sagte Etain. „Aber ihr könnt von vorn anfangen und die Gurlanins können das nicht.“

„Oh, aha. Das ist also auf einmal der Kurs der Regierung, jetzt, wo wir unseren Zweck erfüllt und den Planeten für euch frei gemacht haben.“

Die Bauern trugen Waffen, wie es alle Bauern tun, meistens alte Gewehre, um mit den Gdans fertig zu werden, welche die grasenden Merlieherden angriffen, aber manche trugen auch die von der Republik verteilten Deezes. Sie trugen sie zwanglos bei sich, einfach mit der Hand gepackt oder in die Armbeuge geklemmt, aber dennoch konnte Etain die wachsende Spannung unter ihnen und in der Reihe der Klone spüren. Sie fragte sich, ob ihr ungeborenes Kind diese Dinge bereits durch die Macht spüren konnte. Sie hoffte nicht. Hier draußen wartete schon genug Krieg.

„Ich dachte, es ist besser, ihr hört es von mir, als von einem Fremden.“ Gelogen: Sie war hier, um ihre Schwangerschaft zu verbergen. Sie musste daran denken, dass diese unangenehme Pflicht ihr gerade recht kam, um Darman zu täuschen. „Ihr müsst gehen, das wisst ihr. Ihr werdet finanzielle Hilfe erhalten, um von vorn anzufangen. Auf Kebolar warten fertiggestellte Farmen auf euch. Das ist eine bessere Perspektive als Qiilura.“

„Das ist kein Zuhause“, sagte ein Mann, der etwas hinter Birhan stand. „Wir gehen nicht.“

„Alle anderen sind bereits vor Wochen gegangen.“

„Bis auf zweitausend von uns, die’s nicht getan haben, Mädchen.“ Birhan verschränkte die Arme: Der Lärm des AT-TEs war verstummt, und in der kalten Luft waren nur die Geräusche der Natur zu hören. Qiilura war so unglaublich still im Vergleich zu den Orten, die Etain bereist hatte. „Und ihr könnt uns nicht dazu bewegen, wenn wir nicht gehen wollen.“

Etain brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass er Gewalt meinte und nicht die Überredungskünste der Macht, und sie spürte eine leichte Welle des Unbehagens durch die Truppen gehen. Man hatte sie und Levet autorisiert – beauftragt – nötigenfalls Gewalt einzusetzen. Jinart schlüpfte an den Truppen vorbei nach vorn und setzte sich auf ihre Hinterläufe, und ein paar der Farmer sahen sie an wie ein exotisches Haustier oder jagdbares Wild. Natürlich: Sie hatten wahrscheinlich noch nie ein Gurlanin gesehen, zumindest nicht bewusst. Es gab nur noch so wenige. Und sie konnten jede beliebige Form annehmen.

„Die Republik wird euch fortschaffen, weil sie uns fürchtet“, sagte Jinart. „In diesem Krieg zählt ihr gar nichts. Wir setzen die Kräfte ein, die wir besitzen. Also geht, solange ihr könnt.“

Birhan sah das Gurlanin einen Moment lang blinzelnd an. Die einzigen vierbeinigen Spezies, die den Bauern unter die Augen kamen, waren ihre Tiere, und die erwiderten kein Wort. „Dies ist ein großer Planet. Es gibt jede Menge Platz für uns alle.“

„Nicht genug für euch. Ihr habt unsere Beutetiere ausgerottet. Wir sind verhungert. Ihr vernichtet uns, indem ihr unsere Nahrungskette zerstört, und jetzt sind wir an der Reihe mit …“

„Genug mit dem Töten“, blaffte Etain. Levet schritt langsam durch die Reihe der Klone und blieb etwas links vor ihr stehen. Sie konnte seine Bereitschaft spüren einzuschreiten. Gurlanins besaßen keine Waffen, aber die Natur hatte effiziente Killer aus ihnen gemacht. „Dies sind schwierige Zeiten, Birhan, und für niemanden gibt es ein Happy End. Ihr werdet sehr viel sicherer sein, dort, wo ihr hingeht. Hast du mich verstanden?“

Sie starrten sich gegenseitig in die Augen. Er war gebrechlich und ausgezehrt, die Augen wässrig und rot unterlaufen von der beißend kalten Luft. Er durfte ziemlich genau in Kal Skiratas Alter sein, aber die Landwirtschaft hier war ein unbarmherziges Gewerbe und hatte ihren Tribut gefordert. „Du würdest nie auf uns schießen. Du bist eine Jedi … steckst voller Friede und Mitgefühl.“

„Versuch, einen Offizier der Armee in mir zu sehen“, sagte sie ruhig. „Dann bekommst du vielleicht ein anderes Bild. Letzte Chance.“ Sie konnte nicht unbegrenzt Ultimaten stellen, und dieses war das letzte. Die Tore des Geländes öffneten sich mit metallischem Schaben, und Levet ließ die Truppen vorrücken, um die Menge abzudrängen. Es war kalt. Früher oder später würden sie die Nase voll haben und ohnehin nach Hause gehen. Für einen Augenblick war das Gefühl des Hasses und der Abscheu in der Macht so stark, dass Etain dachte, die Qiiluraner würden den Aufstand proben, aber es schien auf einen Wettkampf im gegenseitigen Anstarren hinauszulaufen, und den konnte man nicht gegen Truppen gewinnen, deren Augen man nicht sah. Und dann wäre da noch die Kleinigkeit mit der Mauer aus Plastoidpanzerungen, die es zu durchdringen galt.

Levets Stimme dröhnte aus dem Stimmprozessor seines Helms, und Etain hätte schwören können, dass die Zweige der umstehenden Bäume zitterten.

„Gehen Sie auf ihre Farmen und machen Sie sich abmarschbereit. Sie alle. Melden Sie sich in zweiundsiebzig Stunden bei der Landepiste. Machen Sie es sich nicht noch schwerer, als es schon ist.“

„Für euch oder für uns?“, rief jemand aus der Menge. „Würdet ihr all euer Hab und Gut aufgeben und wieder von vorn anfangen?“

„Ich würde gern den Platz mit euch tauschen“, erwiderte Levet. „Doch diese Option habe ich nicht.“

Für einen Augenblick galt Etains Aufmerksamkeit nur dem Klon–Commander. Es war ein seltsamer Moment, aber sie hatte das Gefühl, dass er meinte, was er sagte, und das verunsicherte sie. Etain war es gewohnt, Darman und die anderen Commandos als Kameraden mit Bedürfnissen und Sehnsüchten zu sehen, die zu haben niemand von ihnen erwartet hätte, aber sie hatte noch nie gehört, wie ein regulärer Trooper ganz offen den Wunsch nach etwas äußerte, das über die GAR hinausging. Es war ungewöhnlich ergreifend.

Sie wären alle lieber woanders, auch wenn sie sich gar nicht sicher sind, wo. Sie alle. So wie Dar, wie ich, wie jeder.

Sie spürte Levets kurzzeitige Verlegenheit über seine eigene Offenheit. Aber es war keine Geste, keine Kopfbewegung, die irgendjemandem verraten hätte, dass er es auch genauso meinte.

Ich kann nicht länger an die ganze Galaxis denken. Meine Gedanken sind bei diesen Sklavensoldaten, und mehr Anteilnahme kann ich zurzeit nicht aufbringen. Ich will, dass sie leben. Entschuldige, Birhan, ich bin eine schlechte Jedi, nicht wahr?

Schon vor geraumer Zeit war Etain zu dieser Einsicht gekommen. Es war nicht der Weg der Jedi, aber andererseits war auch noch nie ein Jedi damit konfrontiert worden, eine konventionelle Armee zu führen und Tag für Tag pragmatische Gefechtsentscheidungen zu fällen. Soweit es sie betraf, sollte das auch kein Jedi müssen, und sie würde alles tun, um für die Männer um sie herum etwas zu bewirken.

„Ich gebe euch drei weitere Tage, um euch mit euren Familien beim Landegebiet einzufinden, Birhan.“ Etain hätte gern autoritärer gewirkt, aber sie war klein, dünn und unangenehm schwanger: Die Hände in die Hüften zu stemmen, würde nicht funktionieren. Stattdessen legte sie eine Hand lässig auf den Griff ihres Lichtschwerts und rief die Macht herbei, um eindringlich auf ein paar Köpfe um Birhan herum einzuwirken. Ich bin entschlossen. Ich werde nicht nachgeben. „Wenn ihr euch nicht fügt, werde ich meinen Truppen befehlen, euch mit allen notwendigen Mitteln fortzuschaffen.“

Etain wartete, dass sich die Menge auflöste. Sie würden streiten, sich beschweren, bis zum allerletzten Moment ausharren und dann klein beigeben. Zweitausend von ihnen: Sie wussten, sie hatten mehreren Dutzend gut ausgebildeten und gut bewaffneten Troopern nichts entgegenzusetzen, ganz zu schweigen einer ganzen Kompanie davon. Das war der Rest der Garnison. Und die waren versessen darauf, den Job zu Ende zu bringen und sich wieder ihrem Bataillon, der 35. Infanterie, anzuschließen. Das gehörte zu den Dingen, die Etain am meisten an diesen Soldaten rührte: Sie wollten keine „bequemen“ Jobs, wie sie es nannten, übernehmen, während ihre Brüder an der Front kämpften.

Etain kannte das Gefühl nur allzu gut.

Birhan und der Rest der Bauern hielten einen Moment inne – nur wenige Meter von der Reihe der Klone entfernt – dann drehten sie sich um und trotteten still und verdrossen in Richtung Imbraani von dannen. Jinart saß da und sah ihnen nach, regungslos, wie eine der schwarzen Marmorstatuen vor dem Gebäude der Shir Bank auf Coruscant.

Levet legte seinen Kopf auf die Seite. „Ich glaube nicht, dass sie friedlich abziehen werden, Ma’am. Könnte unangenehm werden.“

„Es ist einfacher, Droiden zu lenken als Zivilisten. Wenn es so kommt, entwaffnen wir sie und schaffen sie von Hand weg.“

„Entwaffnen kann recht ruppig werden.“

Ja, töten war einfacher und schneller. Etain gefiel der amoralische Pragmatismus nicht, der sie in letzter Zeit immer überkam. Als sie gedankenverloren auf den lückenlosen Teppich aus Schnee vor sich blickte, glaubte sie, die schwarzen Flecken, die in ihrem Sichtfeld aufzutauchen begannen, seien ein Streich, den ihr ihre Augen spielten, nur Zellen, die in der Tränenflüssigkeit schwammen. Dann wuchsen sie und formten sich plötzlich zu Gestalten, bewegten sich und wurden zu einem Dutzend oder mehr glänzender schwarzer Kreaturen, die haargenau wie Jinart aussahen.

Es waren die Gurlanins, die bewiesen, dass sie überall sein konnten, unbemerkt. Etain erschauderte. In gleichmäßigem Trott folgten sie den Bauern, die sie nicht wahrzunehmen schienen, bis sich einer von ihnen umdrehte und einen überraschten Schrei ausstieß. Sogleich fuhren auch die anderen herum und gerieten in Panik. Die Gurlanins schienen wieder mit dem Schnee zu verschmelzen, zerflossen zu schimmernden schwarzen Pfützen, die wie Löcher im Schnee aussahen, bevor sie perfekt mit der weißen Landschaft verschmolzen. Sie verschwanden einfach von der Bildfläche. Mehrere Bauern umklammerten ihre Gewehre, zielten wahllos, eröffneten aber nicht das Feuer. Ihnen fehlte das Ziel.

Es war eine offenkundige Drohung. Ihr könnt uns nicht sehen, und am Ende kriegen wir euch. Jinart hatte einst gezeigt, was das bedeutete, als sie sich an einer Familie von Informanten gerächt hatte. Gurlanins waren Raubtiere, intelligent und mächtig.

„Ihr könnt sie nicht in der Macht spüren, nicht wahr, Ma’am?“, flüsterte Levet. Einer der Klon-Trooper schien die Optik seines Gewehrs zu überprüfen, offenbar verärgert, weil er die Gurlanins trotz des breiten Spektrums an Sensoren, sowohl in den Waffen als auch im Helm, nicht hatte ausmachen können. „Wenigstens arbeiten wir zur Abwechslung mal mit den gleichen Einschränkungen.“

„Nein, ich kann sie nicht wahrnehmen, solange sie mich nicht lassen.“ Etain hatte die telepathisch veranlagten Kreaturen einst fälschlicherweise für machtbegabt gehalten, hatte ihre Präsenz als Kitzeln in ihren Adern gespürt, aber sie konnten sich komplett vor allen Sinnen verbergen, wenn sie es wollten – lautlos, unsichtbar, ohne Wärmeprofil, außer Reichweite jedes Sonars … und der Macht. Es beunruhigte sie noch immer. „Perfekte Spione.“

Levet gab einem der Trooper ein Zeichen, und der ganze Zug schwärmte augenblicklich über den Begrenzungszaun hinaus aus. „Perfekte Saboteure.“

General Zey dachte genauso. Auch der Sicherheitsrat des Senats. Es befanden sich Gurlanins auf Coruscant, im Herzen der Geheimdienstmaschinerie der Republik, vielleicht an Hunderten, wenn nicht sogar Tausenden Stellen, an denen man sie nicht sah, wo sie aber Schaden anrichten konnten. Wenn die Republik nicht ihre Abmachung mit ihnen erfüllen würde, und zwar besser früher als später, dann könnten – und würden – sie einen riesigen Hydroschlüssel ins Getriebe werfen, und niemand könnte es kommen sehen.

„Das ist mir neu“, sagte Etain. „Weshalb scheinen wir uns selbst Feinde zu schaffen? Ziehen Spione heran und verprellen sie dann? Ist das nicht, als würde man jemandem ein Gewehr in die Hand geben und ihm dann den Rücken zuwenden?“

„Ich glaube, mir ist das ebenfalls neu“, erwiderte Levet. Sie begaben sich zurück zum Hauptquartier. Armer Mann. Er hatte bisher ein Dutzend Jahre erlebt und nichts als den Kampf kennengelernt. „Aus Politik halte ich mich raus. Ich kann mich nur um das kümmern, was am Ende an uns weitergereicht wird.“

Etain musste einfach fragen: „Würden Sie wirklich den Platz mit einem Bauern tauschen wollen?“

Levet zuckte mit den Schultern, aber die zwanglose Geste konnte ihre Jedi-Sinne nicht trügen. „Landwirtschaft scheint eine ziemliche Herausforderung zu sein. Ich mag freies Gelände.“

Das sagten sie oft, diese Männer, die in Glaszylindern gezeugt worden waren. Dars Kumpel Fi liebte es, die schwindelerregenden Häuserschluchten Coruscants zu erforschen; Null ARC-Trooper wie Ordo hatten für enge Räume nichts übrig. Etain ließ Levet vorangehen und verlangsamte ihren Schritt, um sich auf das Kind, das sie trug, zu konzentrieren, und fragte sich, ob es vielleicht auch ein wenig klaustrophobisch veranlagt sein könnte.

Es ist nicht genetisch, oder?

Wird er vor seiner Zeit sterben? Wird er Dars beschleunigtes Altern erben?

Zuerst hatte sie sich um Darman gesorgt, dann um sich selbst, aber ihre Ängste kreisten nun größtenteils um das Baby und all die Dinge, die sie nicht wusste. Kal Skirata hatte recht. Sie hatte nicht nachgedacht. Sie war so sehr darauf aus gewesen, Darman einen Sohn zu schenken – von der Macht geführt, oder auch nicht – dass sie zu viele Dinge nicht sorgfältig genug in Betracht gezogen hatte.

Die Schwangerschaft zu beschleunigen, kommt mir gelegen – aber was ist mit ihm?

Sie hatte keine Wahl mehr. Sie hatte eingewilligt, das Baby Kal’buir zu übergeben, Papa Kal. Er musste ein guter Vater gewesen sein; seine Klone bewunderten ihn eindeutig, und er behandelte sie, als wären sie sein eigen Fleisch und Blut. Ihrem Sohn – und es bedurfte all ihrer Stärke, ihm keinen Namen zu geben – würde es bei ihm gut gehen. Musste es. Durch die Macht spürte sie, dass ihr Sohn viele Leben berühren und formen würde.

Kal lässt mich ihm nicht einmal einen Namen geben.

Sie hätte fortlaufen können, aber sie wusste, Kal Skirata würde sie finden, egal, wo sie sich versteckte.

Ich will dieses Baby so sehr. Es ist nur vorübergehend. Wenn der Krieg vorbei ist, bekomme ich ihn zurück und … wird er mich überhaupt erkennen?

Jinart streifte um ihre Beine und erinnerte sie plötzlich an Walon Vaus Jagdtier, ein halb wildes Strill namens Lord Mirdalan.

Das Gurlanin blickte mit lebhaften, orangefarbenen Augen zu ihr zurück. „Die letzten Bauern werden in ein paar Tagen gehen, Mädchen, und danach – konzentrierst du dich darauf, ein gesundes Baby zur Welt zu bringen. Sonst nichts.“

Es gab noch so vieles mehr, um das es sich zu sorgen galt, aber Jinart hatte recht – sie wäre damit schon vollauf beschäftigt. Etain ging zurück ins Haus, versenkte sich in Meditation und konnte nicht widerstehen, die Macht zu nutzen, um Darman zu spüren.

Er würde es fühlen. Das wusste sie.

Mygeeto, Outer Rim, Schließfächer der Dressian Kiolsh Handelsbank, 470 Tage nach Geonosis

Walon Vau liebte Ironie, und es gab kaum etwas Hintergründigeres – für einen Soldaten –, als das Erbe an sich zu reißen, das sein Vater ihm vorenthalten hatte, weil er der Armee hatte beitreten wollen.

Auf der metallenen Tür des Schließfachs, eigentlich einem Schrank mit verschiebbaren Regalen, war eine gravierte Tafel angebracht, auf der stand: VAU, COUNTVONGESL.

„Wenn der alte chakaar stirbt, werde ich das sein“, sagte Vau. „Jedenfalls theoretisch. Der Titel wird an meinen Cousin gehen.“ Er blickte über die Schulter, obwohl ihm sein mandalorianischer Helm einen Rundumblick bot. „Sagte ich nicht raus, Delta? Los doch.“

Vau kannte von seiner Schwadron nichts anderes als absoluten Gehorsam. Das hatte er ihnen auf Kamino eingepaukt, wenn nötig auf die harte Tour. Skirata glaubte, man könne Sondereinsatzsoldaten mit Leckerlis und Streicheleinheiten formen, aber so zog man nur Schwächlinge heran. Vaus Schwadronen hatten die niedrigsten Verlustraten, weil er in jedem Mann den animalischen Überlebenswillen festigte.

„Sagten Sie“, antwortete Boss. „Aber es sieht so aus, als könnten Sie Hilfe gebrauchen. Außerdem – sind Sie nicht länger unser Sergeant. Streng genommen. Bei allem Respekt … Bürger Vau.“

Ich bin aus Fürsorge hart mit ihnen umgesprungen. Weil sie hart sein müssen, um zu überleben. Kal hat das nie verstanden, dieser Narr.

Vau hatte dank der gebrochenen Nase, die Skirata ihm verpasst hatte, immer noch Atemschwierigkeiten. Dieser verrückte, kleine chakaar verstand absolut nichts von Ausbildung.

Die nächste Droidenpatrouille würde erst in ein paar Stunden wieder vorbeikommen. Sie ratterten ununterbrochen durch das Labyrinth aus Korridoren, tief unter dem mygeetoanischen Eis, einer Bankenfestung, von der die Muuns behaupteten, sie sei uneinnehmbar. Trotzdem war es sinnvoll, lieber jetzt als später wieder abzuhauen. Delta musste inzwischen schon abgezischt sein. Sie hatten die Bodenverteidigungen sabotiert und Luftangriffe angefordert, und Bacaras Marines rückten wieder an. Sie hatten ihre Mission beendet, und es war Zeit zum Rückzug.

„Ich hätte dir wohl mehr Verstand einpeitschen sollen“, sagte Vau. Er entfaltete eine Plastoid-Biwakplane und verknotete die Enden. Man musste einfach immer auf die extremste Situation vorbereitet sein: Er war sicher gewesen, nur das mitzunehmen, was rechtmäßig ihm gehörte, aber das hier war zu gut, um es sausen zu lassen. „Gut, du und Scorch haltet die Plane zwischen euch, und ich fülle sie auf.“

„Wir könnten doch …“

„Ich stehle. Ihr nicht.“

Es machte nur einen geringen Unterschied, aber für Vau war es von Bedeutung. Skirata hatte einen Haufen Hooligans herangezogen, aber Vaus Schwadronen waren diszipliniert. Sogar Sev … Sev war psychotisch, und ihm fehlten selbst die grundlegendsten Umgangsformen, aber er war kein Krimineller.