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Daniela Felbermayr

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Beschreibung

Rory Kensington lernt über eine neue Datingplattform ihren absoluten Traummann kennen. Ryan Price ist nicht nur extrem gutaussehend, gebildet, humorvoll und charmant, er ist obendrein auch Multimillionär und die beiden sind von Anfang auf auf derselben Wellenlänge. Nur, an einer Beziehung mit Rory ist Ryan so überhaupt nicht interessiert, weil er einen gänzlich anderen Frauentyp als sie datet. Stattdessen schlägt er ihr einen Deal vor: weil die beiden sich so ausgezeichnet verstehen und auch im Bett erstklassig miteinander harmonieren, werden sie einfach ... "Freunde für gewisse Stunden". Keine Gefühle, keine Exklusivität ... und vor allem keine Verabredungen, die über das Bett hinausgehen. Nur purer, heißer Sex ohne Verpflichtungen. Rory lässt sich auf Ryans Vorschlag ein. Nachdem sie in der Vergangenheit ziemliches Pech mit Männern gehabt hat, ist eine solche Affäre mit einem Millionär mehr, als sie erwarten kann. Doch schon bald stellt sie fest, dass es gar nicht so einfach ist, sein Herz auszublenden, erst recht nicht, wenn echte Gefühle im Spiel sind. Für Ryan ist alles, was über eine oberflächliche Sexbeziehung hinausgeht, jedoch tabu. Bis sein eigenes Herz jedoch zum Dealbreaker wird.

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THE DEALBREAKER

Verlieben verboten!

 

Daniela Felbermayr

 

Impressum:

2023 by Daniela Felbermayr

Cover unter der Verwendung von Canva und Shutterstock

 

Kontakt: [email protected]

 

 

EINS

 

Man sagt ja, dass Sympathie, wenn man einen neuen Menschen kennenlernt, innerhalb von nur sieben Sekunden entsteht. Im Falle von Ryan Price brauchte Aurora Kensington noch nicht einmal diese sieben Sekunden. Noch, bevor ihr überhaupt erst bewusst war, dass der große, selbstbewusste, durchaus sehr gut aussehende Mann, der vor Testosteron nur so strotzte und von dem vermutlich ein Foto im Wörterbuch neben dem Wort “Alphamann” zu finden war, ihr Blind Date war, noch bevor sie ihn überhaupt richtig wahrnahm, fand sie ihn unmöglich. Als ihr dann klar wurde, dass dieser Mann das Blind Date war, auf das sie sich leichtsinnigerweise eingelassen hatte, war ihr Abend gelaufen. Eigentlich hatte sich Aurora, die Zeit ihres Lebens Rory genannt wurde, nur von den letzten Wochen und Monaten ablenken wollen, die beziehungstechnisch überhaupt nicht liefen. Sie war jetzt seit über zwei Jahren Single und hatte seither kein einziges, brauchbares Date mehr gehabt. In der letzten Zeit schien es sogar, als würden ihre Verabredungen grundsätzlich nur noch in Katastrophen enden. Da waren anhängliche Typen, die ihr nach einem Date nicht mehr von der Pelle rückten oder welche, die den ganzen Abend damit zubrachten, ihr zu sagen, warum Rory nicht ihr Typ war. Ach ja, und dann war da dieser eine Kerl gewesen, der zwar ziemlich nett und auch gutaussehend gewesen war. Von dem Rory dachte, er könnte den bei ihr selbst angeschlagenen Ruf der Männer retten und das Ruder herumreißen. Bis er ihr bei ihrem zweiten Date einen Verlobungsring mitgebracht und sie gefragt hatte, ob sie seine Frau werden wollte. Alles in allem war ihre Ausbeute in Sachen Männer vernachlässigbar, doch ganz aufgeben wollte sie auch noch nicht. Also hatte sie diese neue Datingplattform ausprobiert, die Menschen nicht aufgrund von optischen Parametern matchte, sondern, die Ansichten, Werte und Einstellungen miteinander abglich.

 

Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Sally versuchte Rory eines Abends einmal mehr, die Situation zu definieren. Warum angelte gerade sie sich einen Idioten nach dem anderen? „Vielleicht liegt es daran, dass du dir immer die Schönlinge herauspickst”, meinte Sally, „es gibt da diesen einen, ganz speziellen Typ Mann, auf den du anspringst. Groß, erfolgreich, gutaussehend, selbstbewusst. Dieser Alphamann. Ich glaube, dass du dich zu sehr auf diese Typen konzentrierst. Denn, die sind zwar von der ersten Sekunde an reizvoll, aber ich glaube nicht, dass sie dazu geeignet sind, sich schnell zu binden. Oder sich überhaupt nur auf eine Frau zu konzentrieren. Vielleicht solltest du deine Erwartungen herunterschrauben und nach Männern suchen, denen nicht schon das Testosteron zu den Augen herausläuft.” Rory hatte ihre beste Freundin angesehen. Vielleicht hatte Sally gar nicht so unrecht. Natürlich hatte Rory einen speziellen Typ Mann, den sie bevorzugte, so, wie das jeder Mensch auf der Welt auch hatte. Und ja, sie fand erfolgreiche Anzugträger, die in eine gewisse Schublade passten, sehr anziehend. Im Gegenzug dazu konnte sie mit den vielen Softies, Muttersöhnchen und schrägen vögeln, die die gängigen Datingplattformen bevölkerten, recht wenig anfangen. Von Jahr zu Jahr, nein, von Monat zu Monat, eigentlich aber sogar von Woche zu Woche wurde das Angebot an verfügbaren Singlemännern, die nur annähernd in Rorys Beuteschema passten, überschaubarer. Es war ja nicht so, dass sie nicht dann und wann auf Nachrichten von weniger repräsentativen Kerlen antwortete, aber am Ende des Tages waren … weniger diese Männer … auch nicht besser, als ihre selbstbewussten, überschönen und erfolgreichen Geschlechtsgenossen, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass Rory schnell von ihnen gelangweilt war und ein Date ohnehin nie zustande kam. Gemeinsam mit Sally hatte sie an jenem Abend darüber nachgedacht, wie sie aus ihrer Datingmisere herauskommen konnte und schließlich hatten die beiden eine völlig neue Datingplattform entdeckt. Eine, bei der es nicht um Aussehen, beruflichen Status oder den ersten Gesamteindruck online ging, sondern um einen Matchingfaktor, den die Plattform aus vielen Fragen errechnete, die mit Ja oder Nein zu beantworten waren. Auf „Right! Now!” gab es noch nicht einmal die Möglichkeit, ein Foto von sich hochzuladen, seinen Job anzugeben oder Präferenzen festzulegen, nach denen die Matches gefiltert werden sollten. Man beantwortete einfach so viele Fragen wie nur möglich, die die Plattform stellte und daraus wurden dann mögliche - passende – Partner generiert. Laut „Right! Now!” gab es mehrere tausend Fragen, und je mehr davon man beantwortete, umso genauer fand sich das passende Match. Sehr viel hatte Rory von dieser Vorgehensweise nicht gehalten, aber als Sally gefahren war und sie sich im Bett uralte Folgen von „Wer ist hier der Boss” angesehen hatte, hatte sie doch begonnen, einige Fragen zu beantworten und hatte damit weitergemacht, sobald sie irgendwie ein bisschen Zeit fand. Sie beantwortete die Fragen in der U-Bahn, im Büro, wenn sie zwischen zwei Terminen war und abends vor dem Fernseher und konnte gar nicht mehr sagen, wie viele es denn schon gewesen waren, doch Match hatte sie bislang kein einziges erhalten. Was wohl daran lag, dass niemand, der auch nur halbwegs bei Verstand war, eine Datingplattform nutzte, bei dem ein Algorithmus ihm sein Date aussuchte und man weder Alter, Wohnort noch sonstige Vorlieben festlegen konnte, dafür aber Fragen wie „welche Sorte Ben & Jerrys schmeckt Ihnen am besten”, „würden Sie sich jemals die Augen lasern lassen” oder „nutzen Sie eine Armbanduhr” beantworten musste. Rory dachte schon gar nicht mehr daran, überhaupt ein Match zu bekommen, als sie eines Tages auf dem Rückweg vom Büro in ihr Appartement in Midtown war und eine Nachricht auf ihrem Smartphone aufblitzte: „Herzlichen Glückwunsch. Wir haben dein Right!-Now!-Match gefunden.” Sie konnte gar nicht glauben, dass es tatsächlich so weit gekommen war und Right! Now! tatsächlich ein Match für sie gefunden hatte. Oder …, dass es wirklich noch jemand anderen gab, der sich durch haufenweise Fragen ackerte, in der Hoffnung, jemanden kennenzulernen.

 

Und so saß sie nun an einem hübschen Tisch im Napoli, einer Pizzeria in der 23. Straße und wartete auf einen Mann, von dem ein Algorithmus dachte, er wäre der Richtige für sie.

 

Es war nicht so, dass Ryan Price ihr nicht aufgefallen wäre, wären die beiden sich zufällig irgendwo begegnet. Allein schon durch seine über einsneunzig Körpergröße und den muskulösen Körperbau, das markante, attraktive Gesicht und die hellblauen Augen war er ein Hingucker. Und rein optisch definitiv Rorys Typ. Gleichzeitig aber strahlte er eine so unglaubliche Arroganz aus, die ihn wie eine abstoßende Aura einhüllte. Und die Mine, die er aufsetzte, als er an ihrem Tisch stand und erkannte, dass Rory sein Date war, sprach Bände. Bestimmt hatte er ein junges Topmodel erwartet und war jetzt sauer, dass eine Bäckerin auf ihn wartete. Am liebsten wäre sie sofort aufgestanden und nach Hause gefahren, doch da hatte Ryan auch schon Platz genommen – mit einem Gesichtsausdruck, der eher zu einem Zahnartbesuch mit Wurzelbehandlung gepasst hätte, als zu einem romantischen ersten Date. Für Rory war klar – diese neue Datingapp funktionierte genauso wenig, wie ihre oberflächlichen Kumpane. Am Ende des Tages ging es eben nur ums Aussehen, so war das nun einmal.

„Hör mal, wir können hier auch gerne abbrechen”, sagte Rory nach der mehr als kühlen Begrüßung. Ryan hatte ihr tatsächlich ganz förmlich die Hand gereicht – und sah immer noch drein, als hätte er starke Schmerzen. Ryan sah sie an. „Ist es denn so offensichtlich?”, fragte er und Rory war erstaunt, dass er gar kein Aufheben darum machte, dass er von seinem Date enttäuscht war. Sie seufzte innerlich. Das hier war doch der beste Beweis, dass Sally mit ihrer Annahme, es würde an Rorys Oberflächlichkeit scheitern, falsch lag. Es scheiterte an der Oberflächlichkeit der Kerle, die keine Lust hatten, Frauen jenseits der Dreißig zu daten.

„Ja, das ist es”, sagte Rory. „Und um ehrlich zu sein hält sich auch meine Begeisterung in Grenzen.” Obwohl Ryan rein subjektiv betrachtet ein absoluter Traummann gewesen wäre, fand Rory seine arrogante, selbstherrliche Haltung unmöglich. Er hatte gar nichts sagen müssen, da hatte sie bereits an seiner Mine erkannt, dass er nicht gerade begeistert von der Tatsache war, dass sie sein Date war.

„Es tut mir leid, aber … du bist einfach so überhaupt nicht mein Fall”, rechtfertigte er und Rory sah ihn an. Sie war bestimmt kein Topmodel, aber sie war ziemlich attraktiv und hatte bislang keine Probleme gehabt, jemanden kennenzulernen, mit ihrer hellen, makellosen Porzellanhaut, den großen blauen Augen und den langen, schwarzen Locken. Der Kellner war an ihrem Tisch getreten und Ryan bestellte sich ein Bier. Er blickte Rory an, die ihn fragend ansah. Wenn sie so gar nicht sein Typ war, sah sie absolut keinen Sinn darin, etwas mit ihm zu trinken.

„Na, nur weil ich dich nicht heiraten will, heißt das nicht, dass wir nicht gemeinsam etwas trinken können. Ich hatte einen langen Tag im Büro und einen Bärenhunger obendrein. Und … mich würde schon interessieren, warum diese App gerade uns beide zusammengeführt hat.” Der Kellner stellte ein Glas Bier vor Ryan ab und der nahm einen tiefen Zug daraus. Rory überlegte. Eigentlich hatte Ryan recht. Sie selbst hatte ja auch keine Schmetterlinge im Bauch gehabt, als sie ihn das erste Mal gesehen hatte. Und was sprach dagegen, einmal ein Date zu haben, das völlig anders verlief, als üblicherweise. Das … ehrlich verlief? Wie oft hatte sie schon Verabredungen gehabt, von denen sie gedacht hatte, alles würde passen, und von denen sie nie wieder gehört hatte? Wo lag also das Problem, wenn sie mit Ryan – auch, wenn sie beide nicht das Paar des Jahrhunderts werden würden - etwas trank, sich unterhielt, und dann jeder wieder seines Weges ging? Ihr Magen knurrte außerdem ebenfalls und … was sprach denn wirklich gegen ein Date, das jeglichen Regeln entsprach? Sie würden sich unterhalten, etwas essen, sich verabschieden und sich nie wieder sehen, und keiner musste sich am Tag darauf Gedanken darüber machen, wie er seinem Gegenüber beibrachte, dass es nicht gefunkt hatte – oder auf einen Anruf warten, der ohnehin nie kam.

„Warum eigentlich nicht”, entgegnete Rory und griff zur Speisekarte.

 

 

ZWEI

 

„Und wen hättest du dir jetzt erhofft, hier zu treffen?”

Der Abend war ziemlich gut verlaufen und entgegen ihrer Annahme, sie und Ryan hätten sich nichts zu sagen, ging ihnen praktisch niemals der Gesprächsstoff aus. Sie mochten denselben Wein, bestellten ihre Steaks beide medium rare, konnten keinesfalls auf den Nachtisch verzichten und waren so ziemlich auf einer Wellenlänge. Gesprächstechnisch schossen sie sich die Bälle förmlich zu und Pausen gab es so gut wie keine. Rory hatte ihre anfängliche Abneigung gegen Ryan längst revidiert und sich vermutlich sehr gerne auf ein zweites Date mit ihm eingelassen, doch der schien daran festzuhalten, dass sie überhaupt nicht in sein Schema passte. Umso mehr interessierte es sie nun, wie sie hätte sein müssen. Denn zwischenmenschlich hätte es bei den Beiden nicht besser matchen können. Ryan war Industrieller und finanziell unabhängig, und auch Rory backte ihre Brötchen im wahrsten Sinne des Wortes allein. Sie besaß eine kleine Bäckerei in Midtown, die für ihre Muffins und Cupcakes berühmt war und hatte vor kurzem einen Cateringservice eröffnet, mit dem sie auf Hochzeiten, Geburtstagspartys und Empfängen für kulinarische Köstlichkeiten sorgte. Sie mochten dieselben Dinge, hatten denselben Humor – sie matchten einfach. Ryan nahm einen Schluck Bier und sah sie an.

„Ich date ausschließlich Frauen unter dreißig mit einem osteuropäischen Hintergrund”, sagte er trocken und Rory wusste nicht, ob das ein Scherz war oder ob Ryan es ernst meinte.

„Und nein, das ist kein Scherz”, setzte er nach, als habe er Rorys Gedanken gelesen. „Weißt du, ich mache gar keinen Hehl daraus, dass ich der Meinung bin, dass es bei einer Frau ab dreißig optisch nur noch bergab geht. Meine letzte Freundin war ein 23jähriges Fitnessmodel aus Moldawien …, wenn du einmal so eine Frau im Bett gehabt hast, dann … sind alle anderen auf ewig für dich erledigt, weißt du. Du willst nichts anderes mehr, als junge, straffe, wunderschöne Körper. Makellose Gesichter, die so schön aussehen, dass es weh tut, wenn du sie anblickst. Naja, und … dass Frauen aus Osteuropa zu den Schönsten auf der Welt zählen, ist ja ohnehin eine Tatsache. Deshalb … gebe ich mich mit nichts weniger zufrieden also mit solchen Frauen.” Er sah sie an, so, als habe er ihr soeben eine ganz einfache, mathematische Gleichung erklärt.

„Und warum ist es mit dem 23jährigen Model nichts geworden?”, hakte Rory nach. Sie fand es albern, dass Ryan erwartet hatte, hier so einen Typ Frau zu treffen. Kein junges Topmodel beantwortete in einer App hunderte von sinnfreien Fragen. Diese Frauen hatten anderen Dinge zu tun, als sich durch einen Wust Nebensächlichkeiten zu kämpfen. Sie blickte ihn an. Wenn die Dame eine solche Traumfrau gewesen war, dann hätte Ryan sie doch niemals gehen lassen dürfen.

„Sie ist wieder zu ihrem Ex zurückgegangen und hat mir damit das Herz gebrochen”, sagte er ohne Umschweife. „Mich hat das so sehr getroffen, dass ich sogar körperlich zwei Monate außer Gefecht war. Ich hätte alles für sie getan, aber … ich war ihr eben einfach nicht gut genug.”

„Das tut mir leid”, sagte Rory, meinte ihr Mitleid aber nicht ehrlich. Ryan war zwar nett, humorvoll und gebildet, aber in Sachen Frauen ein oberflächlicher Mistkerl, dem es recht geschah, wenn er mit seinem extrem schrägen Frauengeschmack auf die Schnauze flog.

„Danke. Im Nachhinein betrachtet, ist es wohl ohnehin besser. Sie war unglaublich anstrengend und fordernd. Hat mich in den drei Monaten, in denen wir ein Paar waren, ein Vermögen gekostet, aber …, wenn man jemanden liebt, gibt man doch gerne, nicht wahr?”

Rory murrte zustimmend, weil sie das eigentlich nicht so sah. Für sie war Zuneigung und Liebe etwas, was man mit Geld nicht bezahlen konnte. Aber ihr war völlig klar, dass es keinen Sinn machte, mit einem Mann wie Ryan darüber zu diskutieren, dass diese jungen Dinger, die er scheinbar der Reihe nach datete, gar nicht wirklich an ihm interessiert waren, sondern nur daran, was und wieviel er ihnen schenkte.

„Ich habe ihr ein Auto gekauft, weil sie der Meinung war sie brauche ein schickes, neues Cabrio. Und jeden Samstag sind wir zum Shoppen auf die 5th, wo sie sich etwas Schönes bei Prada, Gucci, Chanel oder Tiffanys ausgesucht hat.”

Rory wusste nicht, was sie zu so viel Naivität sagen sollte. Nur, dass dies eindeutig die erste und letzte Erfahrung war, die sie mit der Datingplattform „Right! Now!” machen würde. Mit der Zeit hatte sie festgestellt, dass die App – was den Matchingfaktor zwischen ihr und Ryan betraf – gar nicht so falsch gelegen hätte. Sie waren sich wirklich sehr ähnlich, konnten sich erstklassig miteinander unterhalten und waren so ziemlich auf einer Wellenlänge. Nur … war das alles eben rein gar nichts wert, wenn einer der beiden Partner in seinen optischen Vorlieben so derart festgefahren war, wie Ryan. Leider war es heutzutage so, dass Aussehen über allem stand, auch, wenn alle immer das Gegenteil behaupteten. Rory selbst hatte schon sehr oft die Erfahrung gemacht, dass Aussehen einfach Trumpf war. Nicht nur beim Dating, sondern auch überall anders. Hübsche junge Dinger hatten es einfacher. Im Job, im Alltag und in der Liebe sowieso. Sie hatte darüber sogar einmal eine Studie gelesen, die besagte, dass es eben evolutionsbedingt war, dass Männer sich schöne, junge Frauen aussuchten, weil sie unterbewusst dachten, dass junge, schöne Frauen, gesündere, bessere und schönere Nachkommen in die Welt setzen würden, als alle anderen. Und in grauer Vorzeit war es eben wichtig, stark und gesund zu sein, um überleben zu können. Die Männerwelt hatte sich also seit der Steinzeit nicht sonderlich viel weiterentwickelt. Mittlerweile fand sie es fast schade, dass Ryan absolut kein Interesse an ihr hatte, denn für sie hatte die App ganze Arbeit geleistet, und das, obwohl sie anfangs am liebsten geflüchtet wäre. Dass sie aber nicht mehr unter dreißig war, und ihre Eltern waschechte Amerikaner ohne irgendwelche Vorfahren in Osteuropa, dafür konnte sie nichts.

 

Der Kellner kam an den Tisch und fragte, ob die beiden noch einen Wunsch hätten was Rory jedoch ablehnte. Kurz darauf kehrte er mit der Rechnung zurück und legte das Mäppchen in die Mitte des Tisches. Ryan sah es an, dann blickte er zu Rory auf.

„Sollen wir teilen? Ich meine, wo wir doch nicht …"

Rory griff nach der Rechnung. „Lass gut sein, ich mach das schon”, sagte sie und war innerlich genervt. Sie war niemand, der sich auf Biegen und Brechen einladen lassen wollte, und üblicherweise bezahlte sie ohnehin immer beim ersten Date, weil sie nicht wollte, dass jemand für ihr Essen aufkam, der sie am Ende des Tages gar nicht leiden mochte. Aber … keine fünfzehn Minuten zuvor hatte Ryan großspurig davon erzählt, dass er seiner Ex ein Auto und haufenweise Zeug der namhaftesten Designer auf der 5th gekauft hatte. Und jetzt … wollte er tatsächlich eine Rechnung beim Italiener im Wert von 78 Dollar teilen? Sie legte zwei Fünfzig-Dollar-Scheine in das Mäppchen und reichte es dem Kellner, der sich für das Trinkgeld bedankte.

„Wow, Rory, ich bin beeindruckt. Es ist noch nie vorgekommen, dass eine Frau mich beim ersten Date einlädt”, sagte Ryan überrascht.

„Ist es auch jetzt nicht – das hier war nämlich kein Date”, sagte Rory und stand auf. Eigentlich wollte sie nur noch nach Hause. Sie war genauso gefrustet wie nach einem herkömmlichen Date bei dessen Ende ihr ein Typ gesagt hatte, dass es für ihn doch nicht so gefunkt hatte, und dass er sich gerne noch etwas umsehen würde. Ryan grinste sie an. „Stimmt, da hast du Recht. Trotzdem danke.”

 

Sie verließen das Napoli und schlenderten die 23. Straße hinab. Rory ärgerte sich, obwohl sie sich zunächst vorgenommen hatte, genau das nicht zu tun. Ryan war so fair gewesen und hatte ihr gleich zu Beginn gesagt, dass sie sich keine Hoffnungen auf mehr zu machen brauchte. Wenn sie so naiv war und dachte, dies hier würde eine Romanze a la Hollywood werden, wo sich die Meinung des Protagonisten im letzten Moment drehte, war sie schief gewickelt. Ryan war mehr als fair gewesen, indem er ihr gesagt hatte, dass sie nicht sein Fall war und gleich von Anfang an die Karten auf den Tisch gelegt hatte. Also unterhielten sie sich noch eine Weile über einen Wohltätigkeitslauf, an dem sie beide teilgenommen hatten, als Ryan plötzlich stehen blieb. Rory sah ihn an. Sie waren vor einem neuen Wolkenkratzer zum Stehen gekommen, der nun vor ihnen aufragte. „Price Building”, besagte ein großes Bronzeornament direkt neben den Eingangsportalen.

„Dieses Date ist echt verrückt”, sagte er und sah Rory aus seinen funkelnden blauen Augen an. „Erst lädst du mich zum Essen ein und jetzt bringst du mich auch noch nach Hause.”

„Das ist immer noch kein Date”, sagte sie. Sie wusste nicht, wie sie es finden sollte, dass Ryan sich in ein Appartementhaus eingemietet hatte, das seinen Nachnamen trug. Ob er damit wohl all die jungen Dinger beeindrucken wollte, die er so abschleppte, weil er ihnen vorgaukeln konnte, dass das ganze Gebäude ihm gehörte?

„Du wohnst hier?”, fragte sie unbeeindruckt.

„Ja, aber nur, wenn ich geschäftlich in der Stadt zu tun habe. Die meiste Zeit verbringe ich in meinem Haus in den Hamptons.”

„Schön”, sagte Rory, immer noch unbeeindruckt. Noch nie im Leben hatte ein Mann derart zwiespältige Gefühle in ihr ausgelöst, wie Ryan. Auf der einen Seite fand sie ihn sympathisch, aufregend und fühlte sich trotz allem unglaublich von ihm angezogen. Und auf der anderen Seite nervte er sie mit seinen Standardabläufen und Versuchen, sie zu beeindrucken, so, wie er es vermutlich bei all den jungen Dingern tat, die auf der Suche nach einem Ernährer, aber nicht nach einem Partner waren. Zumal er sich das alles hätte schenken können, immerhin war er ja so oder so nicht an ihr interessiert. „Also dann”, sagte sie und wandte sich zum Gehen, „hat mich gefreut, dich kennenzulernen. Und danke für den kurzweiligen Abend.” Sie winkte ihm kurz zu und dreht um.

„Rory?”

Sie blieb stehen und wandte sich erneut um, sah Ryan fragend an. „Ja?”

„Lass mich eine Sache tun, die definitiv der Mann macht, beim ersten Date.”

„Das ist kein Da...”, wollte Rory sagen, doch im nächsten Moment kam Ryan, einen Schritt auf sie zu, zog sie in seine Arme und küsste sie leidenschaftlich.

 

 

***

 

Rory wusste nicht, wie ihr geschah. Ryan zog sie unter Küssen hinein ins Foyer, zu den Liften, die sich, einer neben dem anderen auf der rechten Seite des Gebäudes aneinanderreihten und sie auf die Etage brachten, auf der Ryan wohnte. Er zog sie durch einen dunklen Eingangsbereich und sie fanden sich schließlich in einem großen, modern eingerichteten Schlafzimmer wieder, das Rory aber nur schemenhaft wahrnahm. Ryan bedeckte sie mit Küssen, seine Hände waren überall auf ihrem Körper und als er sich an sie presste, spürte sie, wie groß und hart er bereits war. Während er ihr Kleid hochschob und sie von ihren Strümpfen befreite, nestelte sie am Gürtel seiner Jeans herum und öffnete sie. Sie hielt einen Augenblick inne, als sie ihn vor sich aufragen sah. Groß, hart, steif und pulsierend. Sie hatte keinen Schimmer, was hier zwischen ihnen ablief, aber ihr war klar, dass es nicht sehr klug war, jetzt mit Ryan zu schlafen. Sie hätte hier stoppen sollen, sich anziehen und zurück nach Hause fahren, doch dafür war es längst zu spät. Ryan hatte etwas in ihr entfacht, was sich nun nicht mehr löschen ließ und auch, wenn sie wusste, dass sie hinterher todunglücklich sein würde, sie musste hier einfach weitermachen.

 

Sie ging vor Ryan in die Knie und ließ seine Eichel zwischen ihren Lippen verschwinden, was ihm ein wohliges Stöhnen entlockte. Sie nahm in tief in sich auf und saugte sanft und gleichzeitig intensiv, was Ryan dazu bewegte, langsam ihren Mund zu stoßen. Schließlich zog er sie zu sich hoch, küsste sie und drückte sie sanft aufs Bett. Er kam über sie, sie weiter küssend, seine Hände waren überall auf ihrem Körper. Er teilte ihre Schenkel mit seinen Knien und Rory konnte es nicht erwarten, ihn in sich zu fühlen. Endlich drang er in sie ein und füllte sie zur Gänze aus. Während ihre Küsse heißer wurden, begann Ryan, sie erst langsam, dann immer fester und heftiger zu stoßen und sie an den Rand eines Orgasmus zu bringen. Sie spürte, wie Ryans Atem schwerer wurde, wie er lauter, heftiger und schneller stöhnte, während er sie fickte, wie sie noch nie gefickt worden war. Und dann … explodierte die Welt in einem Meer aus Gefühlen und hüllte sie beide ein.

 

„Wow. Das war großartig.”

Rory lag in Ryans Armen auf seiner durchtrainierten Brust und spürte, wie seine langen Finger sanft ihren Oberarm auf und ab glitten. „Ich wusste, dass es mit dir so großartig sein würde”, sagte er. Sie war nicht in der Lage, überhaupt irgendetwas zu sagen, weil sie keinen Schimmer hatte, warum passiert war, was hier gerade passiert war. Am ehesten hätte man es damit erklären können, dass Rory schon ewig nichts mehr mit einem Mann gehabt, und einfach eine Schwäche für Ryan entwickelt hatte. Dass sie in dem Moment, in dem er den ersten Schritt machte, einfach mitmachen musste. Ryan hatte an diesem Abend keine Gelegenheit ausgelassen, ihr unter die Nase zu reiben, dass sie nicht sein Typ war. Dass sie so weit von seinem Typ Frau weg war, wie die Erde vom Mond. Und dann … hatte er sie gerade gevögelt … wie es zuvor kein anderer Mann getan hatte. War es möglich, dass er seine Meinung geändert hatte? Dass er erkannt hatte, dass die Chemie, die zwischen ihnen beiden vorherrschte, größer wog, als irgendwelche Oberflächlichkeiten?

„Ich … habe noch nie so guten Sex gehabt wie mit dir, Rory, und ich wusste, dass das passt, seit ich dich vorhin zum ersten Mal gesehen habe. Das ist das einzige Manko an meinen jungen Ostfrauen … denen fehlt einfach diese Leidenschaft eines Vollweibs beim Sex, weißt du? Die wissen noch nicht, was sie wollen und wie sie mit ihren Körpern umgehen sollen. Gott, ich habe so lang auf eine Frau wie dich gewartet. Die … hübsch ist und im Bett eine Granate. Und ich wusste, dass du es drauf hast. Ich wusste es.” Im nächsten Moment kam er wieder über sie und sie läuteten die zweite Runde ein.

 

In dieser Nacht hatten sie viermal Sex. Guten Sex. Heißen Sex. Sex, wie Rory ihn sich immer vorgestellt, aber nur nie bekommen hatte. Es schien, dass sie und Ryan nicht nur zwischenmenschlich perfekt harmonierten, sondern auch noch im Bett und sie war überwältigt davon, dass die App so derart ins Schwarze getroffen hatte. Aber … war es möglich, dass Ryan seine Prinzipien so schnell über Bord warf? Oder hatte er ihr mit seinen Vorlieben für junge Frauen aus Osteuropa nur ein Märchen aufgetischt. Vielleicht wollte er sehen, wie sie darauf reagierte? Andererseits, wozu hätte er das tun sollen? Er zog sie fest an sich und küsste sie aufs Haar.

„Das hat mir echt gut gefallen mit dir heute, Rory?”, sagte er sanft.

„Ja, mir auch”, wagte sie sich etwas aus der Reserve. „Obwohl ich nicht damit gerechnet hätte, dass der Abend so endet, nachdem, wie er begonnen hat.”

„Ich … würde das gerne bald wiederholen. Was hältst du davon?”

Sie drehte sich zu ihm um sodass sie seinen Atem in der Dunkelheit auf ihrem Gesicht spüren konnte. „An mir solls nicht scheitern”, lächelte sie.

„Wunderbar. An mir auch nicht. Ich wollte schon immer eine Sexbeziehung mit einer tollen Frau wie dir. Wir treffen uns, leben unsere Gefühle, unsere Vorlieben aus, ganz ohne Drama und Verpflichtungen. Wir verbringen einfach eine gute Zeit miteinander, nicht mehr, und nicht weniger. Ist das nicht ein großartiger Deal?”

Rory war heilfroh, dass es dunkel war, denn sie hätte für ihren Gesichtsausdruck nicht garantieren können. Vermutlich war ihr die Farbe aus dem Gesicht gelaufen und ihre Gesichtszüge waren ihr entglitten, sodass ihr die Entrüstung förmlich ins Gesicht geschrieben stand.

„Ja, ein großartiger Deal”, sagte sie und gab sich Mühe, ihre Stimme stark klingen zu lassen. Sie wollte Ryan nicht vermitteln, dass sie mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen miteinander geschlafen hatten.

„Echt? Du bist also dabei? Nur Sex? Nur eine gute Zeit? Keine Verpflichtungen, keine Exklusivität. Einfach nur Sex. Heißer, geiler Sex.”

Rory wollte Ryan erklären, dass das genau das war, was sie NICHT wollte, aber der Umstand, dass sie nackt in seinen Armen lag und sie tatsächlich beim ersten Date schwach geworden war, machte das unmöglich.

---ENDE DER LESEPROBE---