The Rising of the Shield Hero – Light Novel 02 - Kugane Maruyama - E-Book

The Rising of the Shield Hero – Light Novel 02 E-Book

Kugane Maruyama

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Beschreibung

Naofumi wurde als Held des Schildes in eine fremde Welt beschworen. Obwohl er während der »Welle« ein Dorf vor den Angriffen der Monster beschützt hat, stehen die meisten Menschen ihm immer noch feindselig gegenüber. Um seine Kampfkraft zu steigern, kauft er ein Monsterei. Aus diesem schlüpft ein Filolial – eine Vogelart, die es liebt, Kutschen zu ziehen. Naofumi tauft das neue Teammitglied »Filo«. Doch etwas ist komisch: Filo wächst rasend schnell und ist alles, aber keinesfalls gewöhnlich!

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Inhaltsverzeichnis

Prolog:Der Schmerz des Teilens
Kapitel 1:Die Monsterei-Lotterie
Kapitel 2:Danksagungen
Kapitel 3:Filo
Kapitel 4:Im Wachstum
Kapitel 5:Deftige Tritte
Kapitel 6:Ein Mensch mit Flügeln
Kapitel 7:Die Fähigkeit zur Metamorphose
Kapitel 8:Zuckerbrot und Peitsche
Kapitel 9:Die Belohnung
Kapitel 10:Das Reisegewerbe
Kapitel 11:Das Reisen mit einer Kutsche
Kapitel 12:Gerüchte über die Helden
Kapitel 13:Beraubt bis aufs Leben
Kapitel 14:Das Erlernen von Magie
Kapitel 15:Der Sinn des Siegels
Kapitel 16:Die Invasion der Pflanzen
Kapitel 17:Die Produktverbesserung
Kapitel 18:Die Seuche
Kapitel 19:Curse Series
Kapitel 20:Der Schild des Jähzorns
Epilog:Als Schild …
Extrakapitel:Ein Geschenk für ihn

Prolog: Der Schmerz des Teilens

An jenem Tag erwachte ich im Lagerraum des Schlosses.

Alles war von einer widerlichen Staubschicht überzogen. Dennoch … konnte man es kaum als schlechte Art des Aufwachens bezeichnen.

»Zzz … Zzz …«

Vom Strohbündel neben mir vernahm ich ruhige Atemzüge. Dort schlief ein Mädchen mit dem Namen Raphtalia.

Aber zunächst sollte ich wohl wiederholen, was bisher geschehen ist.

Mein Name ist Naofumi Iwatani. Ich bin Student im zweiten Jahr.

Ich bin Japaner, in Japan geboren und ein absoluter Otaku*.

Klingt irgendwie merkwürdig, wenn man das über sich selbst sagt.

In einer Bibliothek war ich auf ein Buch mit dem Titel Traktat der Waffen der vier Heiligen gestoßen. Als ich es durchblätterte, geschah etwas Unheilvolles: Mit einem Mal fand ich mich in die Welt des Buches und in die Rolle des darin vorkommenden Schildhelden versetzt.

Diese Welt war von einem rätselhaften Unheil heimgesucht worden: Aus einem Riss zwischen den Dimensionen waren in einer sogenannten »Welle« massenhaft Monster hervorgeströmt.

Ich erfuhr, dass ich als Held beschworen worden war, um die weiteren noch folgenden verheerenden Angriffswellen abzuwenden. Für die Erfüllung dieser Aufgabe erhielt ich einen Schild, den ich – wer weiß, um was für einen Fluch es sich dabei handeln mochte – nicht ablegen konnte. Somit hatte ich ein Riesenproblem: Da ich an diese Waffe gebunden war, konnte ich nichts anderes als verteidigen.

Aufgrund meiner Erfahrungen aus Onlinegames beschloss ich, mich allein aufs Abwehren zu konzentrieren und den Angriff meinen Gefährten zu überlassen.

Voller Herzklopfen trat ich mein großes Abenteuer an, geriet jedoch in eine niederträchtige Falle und wurde das Opfer falscher Anschuldigungen. Infolgedessen traute mir niemand mehr und man jagte mich ohne Gefährten und Geld aus dem Schloss.

Schön wäre gewesen, hätte ich nun auch die Welle nicht mehr bekämpfen müssen, doch dem war nicht so.

Gerade darum waren die Helden ja gegen ihren Willen in diese Welt beschworen worden: Damit sie sich jenen monatlich wiederkehrenden Wellen entgegenstellten.

So wurde ich verpflichtet, unter Einsatz meines Lebens Leute zu verteidigen, die ich nicht verteidigen wollte. Und ich wurde Opfer extremer Anfeindungen, während ich verzweifelt versuchte, Geld zu verdienen.

Nun zu dem Mädchen, dass gerade neben mir im Stroh schlief: Raphtalia war eine Subhumanoide, die ich mir als Sklavin gekauft hatte.

Ja, es gab Sklaven in dieser Welt. Im Reich Melromarc dienten als solche menschenähnliche Wesen, die Tierohren oder -schwänze hatten.

Als ich sie gekauft hatte, war sie noch ein Kind gewesen, doch Raphtalia war unversehens zu einem Mädchen herangewachsen, das allem Anschein nach kaum jünger war als ich selbst. Junge Subhumanoide wuchsen offenbar mit jedem gestiegenen Level rapide heran.

Anfangs hatte ich Raphtalia nur als Sklavin für mich kämpfen lassen wollen, doch als Motoyasu mich selbstgefällig zu einem Duell herausgefordert hatte, hatte sie an mich geglaubt und uneigennützig zu mir gehalten. Ich hatte daher den Entschluss gefasst, ihr zu vertrauen, sodass sie mittlerweile zu einer mir wichtigen Gefährtin geworden war.

Ehrlich gesagt, wäre es mir ziemlich egal gewesen, wenn die Leute dieser Welt alle draufgegangen wären. Aber letztendlich war in mir dann doch das Gefühl aufgekommen, ihnen wenigstens ein bisschen helfen zu wollen.

»Ah …«

Raphtalia rieb sich die Augen und setzte sich auf.

»Guten Morgen, Herr Naofumi.«

»Ja … Morgen.«

Sie war ein wirklich schönes Mädchen.

Ihr Gesicht schien wie von Künstlerhand geformt, ein anderes Wort als »schön« wäre ihm nicht gerecht geworden.

Ihr leicht welliges braunes Haar fiel ihr bis auf den Rücken. Ihre Augen waren groß, klar und hatten die Farbe von schwarzem Tee. Sie waren wirklich einmalig.

Es war schwer, sich einen solch unschuldigen Blick zu bewahren. Diese kindlich wirkenden Augen wollten so gar nicht zu ihrem äußeren Erscheinungsbild passen und machten Raphtalia zusätzlich besonders.

Gemeinsam hatten wir hochgelevelt und Geld verdient, bis die erste Welle gekommen war … Für diese Welt war es jedoch bereits die zweite.

Ich erzähle später noch davon, wie wir den Kampf glücklich überstanden hatten.

Die Probleme gingen allerdings erst danach richtig los.

»Dann lass uns mal frühstücken gehen.«

»Hm, ob wir wohl im Speisesaal des Schlosses was bekommen?«

»Kann sein … Gehen wir nachsehen.«

Und so schob ich meine Gedanken an die bisherigen Erlebnisse beiseite, und wir machten uns auf den Weg.

Ich war übrigens noch immer nicht von meinem Stigma reingewaschen – die Menschen des Reichs behandelten mich auch weiterhin schlecht. Als wir etwa vor der Saaltür ankamen, stellte sich uns ein Wächter in den Weg. Knurrend erklärte er, dass die Helden gerade speisten und wir später wiederkommen sollten, wenn die Soldaten fertig waren. Gern hätte ich ihm eine verpasst – hätte mich mein Schild mit seinen Beschränkungen nicht daran gehindert. Denn ich war letztendlich auch einer der Helden!

Als wir schließlich gegessen hatten, wurden wir zum Thronsaal geführt.

Wir hielten uns im Palast auf, weil wir am Vortag die Welt vor der Welle beschützt hatten und dafür eine Belohnung erhalten sollten. Sie hätten uns allerdings ruhig sagen können, dass sie uns erst am nächsten Tag bezahlen würden … Und für diesen Drecksack, der mir nur Ärger machte, setzte ich mein Leben aufs Spiel!

Zudem waren da noch diese Möchtegernhelden, die ich nicht einmal sehen wollte. Ich würde noch ein Magengeschwür kriegen, wenn das so weiterging.

Drecksack war meine heimliche Bezeichnung für den König Aultclay Melromarc, der … Welche Generation war er noch mal? Ach, eigentlich war mir das auch egal. Jedenfalls war er derjenige, dem ich die Beschwörung in diese Welt verdankte.

Als man mich fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt hatte, hatte er nicht einmal versucht, die Wahrheit herauszufinden – für ihn war ich sofort schuldig gewesen. So ungerecht war er.

Gestern hatte er schließlich erneut seine Macht geltend gemacht und einen Riesentumult verursacht.

»Ihr sollt nun eure Belohnung für euren Kampf gegen die Welle bekommen sowie euren Sold.«

Mit dem Geld sollten wir Vorbereitungen für die nächste Welle treffen. Diese Form der Unterstützung hatte er uns zugesichert.

Mit raschen Schritten trat einer seiner Berater mit Säckchen vor.

»Überreiche ihnen ihren Sold!«

Mein Blick fiel auf die Beutel.

Für unsere monatlich anfallenden Kosten müssten wir doch sicher wenigstens 500 Silbermünzen bekommen.

Was würde ich davon kaufen?

Als Erstes wäre wohl eine neue Waffe für Raphtalia fällig. Bei der Gelegenheit könnte ich auch eine gute Rüstung kaufen. Ach, und es wurde Zeit, meine Utensilien zur Medizinherstellung zu erneuern. Auf die alten hatte der Schild reagiert, und mich interessierte brennend, was wohl dabei herauskäme, wenn ich ihn das Zeug absorbieren ließ.

So träumte ich von meinen künftigen Einkäufen, während ich das Geld in den Beuteln klimpern hörte.

Mir wurde der Inhalt meines Säckchens vorgezählt.

Eins, zwei, drei … Ja, es waren tatsächlich genau 500.

»Herr Motoyasu erhält für seine Taten und die Erfüllung seiner Aufträge 4.000 Silbermünzen.«

Hey!

Ich konnte es nicht fassen. Mein Blick wurde von dem gewichtig aussehenden Beutel angezogen, den Motoyasu in Händen hielt. Hätte ich mich beklagt, wäre ich nur wieder mit spitzen Bemerkungen überhäuft worden, daher schwieg ich – aber ich spürte, wie sich meine Hand unwillkürlich zur Faust ballte.

Der vollständige Name des Jungen, den sie Motoyasu nannten, lautete Motoyasu Kitamura. Er kam wie ich aus dem Japan einer anderen Welt. Seine Waffe war die legendäre Lanze, weswegen sie ihn den Helden der Lanze nannten. Und er war einundzwanzig.

Die anderen Helden waren offenbar alle mit irgendeinem Game vertraut, das dieser Welt ähnelte. Ihr Wissen darüber hatten sie jedoch nicht mit mir geteilt, sondern es genutzt, um mich hereinzulegen und zu Fall zu bringen.

Jedenfalls sollen Motoyasus Weibergeschichten wohl unschön für ihn mit einem eifersüchtigen Messerstich geendet haben – woraufhin er in diese Welt versetzt worden war. Das hatte er jedenfalls so berichtet, ob es der Wahrheit entsprach, konnte ich nicht sagen.

Motoyasus Truppe bestand nur aus weiblichen Gefährten. Er war ein Frauenheld sondergleichen und hatte sich einen richtigen Harem zusammengestellt.

Gestern Abend hatte er mich zum Duell herausgefordert, da er davon überzeugt gewesen war, dass ich Raphtalia gezwungen hatte, als Sklavin für mich zu kämpfen. Er war entschlossen gewesen, sie vor mir zu retten.

Bei einem Duell kämpfen beide Parteien um etwas, das sie dem Rivalen keinesfalls überlassen können. Die Bedingungen dieses Duells konnten mir jedoch nur zum Nachteil gereichen, und Motoyasu wusste zudem sehr gut, dass ich über keinerlei Möglichkeiten verfügte, ihn mit einer Waffe anzugreifen.

Natürlich war ich nicht verpflichtet gewesen, seine Herausforderung anzunehmen, also hatte ich abgelehnt. Doch dann zwang mich besagter Dreckskönig, das Duell auszufechten. Überdies verkündete er, Raphtalia die Freiheit zu schenken, sollte ich den Kampf verlieren, während Motoyasu keinerlei Nachteil drohte.

Es war ein überaus unfairer Kampf.

Das bedeutete jedoch nicht, dass ich mich einfach geschlagen gab. Verzweifelt suchte und fand ich Wege, Motoyasu in die Enge zu treiben. Doch dann kam es zu einer feigen Einmischung und ich wurde in die Knie gezwungen.

Gerettet worden war ich letztendlich von Raphtalia, die aus freiem Willen Motoyasus helfende Hand abgewiesen hatte und zu mir zurückgekehrt war.

In diesem Sinne gehörte er also zu den Übeltätern, die zu meinem Unglück beitrugen. Meinen Feinden.

Ich muss zugeben, dass er gutaussehend war. Er war der Aufreißertyp, der jede Menge Verhältnisse mit Frauen hatte.

Er trug einen prächtigen silbernen Brustharnisch und gehörte offensichtlich zu den Gewinnern unter den Helden.

»Nun zu Ren. Wie erwartet bist du der Welle entgegengetreten und hast Unsere Aufträge erfüllt. Zuzüglich deiner Belohnung sollst du daher 3.800 Silbermünzen erhalten.«

Was, der auch?!

Ren spielte den Coolen, doch als er seinen Beutel entgegennahm, war ihm anzusehen, wie wenig es ihm schmeckte, hinter Motoyasu zurückzustehen. Er fluchte sogar leise: »Liegt wohl daran, dass die Prinzessin ihn favorisiert …«

Sein voller Name war Ren Amaki. Er war ebenfalls aus Japan in diese Welt gerufen worden, und er war der Held des Schwertes.

Wie alt war Ren noch mal gewesen? Sechzehn?

Er kam aus einem anderen Japan als dem, das ich kannte … In seiner Heimat war die Wissenschaft wohl weit fortgeschritten, sodass man dort virtuelle Computerwelten betreten konnte, sogenannte VRMMO**.

Es schien Japan also mehr als einmal zu geben, und ich, der aus einer älteren Zeit kam, hätte gern einmal in Rens Welt vorbeigeschaut.

Für sein Alter war er groß, und er war der Schwertkämpfer-Schönling mit dem weiblichen Gesicht. Charakterlich … Ich vermutete, in Wirklichkeit war er heißblütig und seine Coolness lediglich Fassade. Insgeheim blickte er auf andere herab und wahrscheinlich glaubte er an so etwas wie: »Mit dem Wissen aus dem Spiel, das ich kenne, rette ich diese Welt. Ich bin der eigentliche Held.«

»Und nun Itsuki … Von deinen Taten redet man im ganzen Reich. Du hast deine schwierigen Aufgaben vortrefflich gemeistert. Auch du sollst 3.800 Silbermünzen erhalten.«

»Das ist wohl angemessen«, murmelte Itsuki, warf jedoch eindeutig einen neidischen Blick zu Motoyasu hinüber.

Er hieß Itsuki Kawasumi und war siebzehn, ein Jahr älter als Ren. Er wirkte zunächst wie ein sanfter, höflicher junger Mann, doch dieser Eindruck verflüchtigte sich rasch.

Seine legendäre Waffe war der Bogen.

Ich hatte nicht viel mit ihm gesprochen und kannte ihn daher nicht gut. Wie Motoyasu und Ren verfügte auch er über Spielwissen und stammte aus einem anderen Japan.

Von allen Helden wirkte er am jüngsten, obwohl Ren ein Jahr jünger war.

Aber worum handelte es sich eigentlich bei den erwähnten Aufträgen? Ich hörte davon zum ersten Mal.

»Hm, der Schild muss sich wohl ein bisschen mehr anstrengen!«

Jetzt verwendete der nicht einmal mehr meinen Namen! Wer war schon der Schildheld?

Ich ärgerte mich so sehr, dass ich schon glaubte, mir würde eine Ader im Kopf platzen.

Das sagst ausgerechnet du, nach allem, was du gestern abgezogen hast?!

Als ich meinen Beutel entgegennehmen wollte, wurde er mir aus irgendeinem Grund vorenthalten.

»Als Bezahlung für die Aufhebung des Sklavensiegels werde ich deinen Verdienst einbehalten!«

Du elender …

Raphtalia hob die Hand. »Entschuldigt bitte, Eure Majestät …«

»Was gibt es, Subhumanoide?«

»Worum handelt es sich bei diesen Aufträgen?«

Raphtalia war es also auch aufgefallen. Sie sah darüber hinweg, dass ich keine Belohnung bekommen sollte und betrachtete die Angelegenheit unter einem anderen Gesichtspunkt.

»Wir haben die Helden beauftragt, die im Reich anfallenden Probleme zu lösen.«

»Aber warum hat Herr Naofumi keinen solchen Auftrag erhalten? Ich höre zum ersten Mal davon!«

»Pah, was kann der Schild schon ausrichten?!«

Sei still, du dreckiger …!

Im Thronsaal brach verhaltenes Gelächter aus.

Ach, Mist! Ich halte das nicht mehr aus und ihr geht es sicher genauso.

»…«

Doch entgegen meiner Erwartung hörte ich nur das Knacken ihrer Fingerknöchel, während sie ihre Fäuste ballte. Als ich zu ihr hinüberblickte, erkannte ich, dass sie so versuchte, ihren aufkommenden Zorn zu bekämpfen. Wortlos stand sie da und zitterte.

Ja. Sie scheint es zu unterdrücken.

Die anderen drei Helden fingen an, über mich herzuziehen.

»Na, er hat ja auch wirklich überhaupt nichts geleistet.«

»Stimmt, oder? Bei der Welle war nichts von ihm zu sehen. Was hat er eigentlich gemacht?«

»So unfähig zu sein, ist eine Schande für die ganze Heldengruppe.«

Ich kochte vor Wut. Sollte ich nicht wenigstens eine sarkastische Erwiderung von mir geben?

»Die Dorfbewohner sich alleine zu überlassen und sich nur auf den Endgegner zu fokussieren … Da habt ihr wirklich Großes geleistet, ihr seid wahrhaftige Helden!«

Ja, die Typen hatten während der Welle ihr Augenmerk einzig auf den Boss gerichtet. All den Menschen, die unmittelbar den tödlichen Angriffen ausgeliefert gewesen waren, hatten sie keinerlei Beachtung geschenkt. So war es Raphtalia und mir zugefallen, die Dorfbewohner zu retten.

»Ha! So was ist die Aufgabe der Ritter.«

»Leider gehören die jedoch der Schneckenfraktion an. Hätten wir uns auf deren Hilfe verlassen, hätte es viele Tote gegeben … Aber das verstehen Endgegner fokussierte Typen wie ihr wohl nicht.«

Motoyasu, Ren und Itsuki drehten sich zum Anführer der Ritter um. Der nickte mit wutverzerrtem Gesicht.

»Es ist vollkommen richtig, dass die Helden sich um die Bekämpfung der Monster direkt am Ursprung kümmern, sonst entsteht nur noch größerer Schaden. Also bildet Euch bloß nichts ein!«

Du Sack … Ausgerechnet du sagst das?

Hier im Schloss spielte er sich groß auf, aber mehr steckte nicht dahinter. So ein Wichtigtuer! Und überhaupt, auch ich gehörte zu den Helden. Was hatte der Schild seiner Ansicht nach sonst für eine Bedeutung?

»Wie auch immer. Wir haben noch allerhand Verpflichtungen, daher empfehlen wir uns.«

Es hatte keinen Sinn, sich hier aufzuregen. Es war wohl das Beste, wenn wir uns einfach verzogen.

»Halt, Schild!«

»Ach? Was gibt’s denn noch? Ich habe nicht die Zeit, wie ein Möchtegernkönig den ganzen Tag im Schloss auf der faulen Haut zu liegen.«

»Du bist eine herbe Enttäuschung. Geh mir bloß aus den Augen! Und lass dich hier nicht noch einmal blicken.«

Wa…?! Dieses Arschloch strapazierte meine Nerven enorm!

»Da haben wir aber Glück, Herr Naofumi«, während Raphtalia ihre Worte formulierte, strahlte sie übers ganze Gesicht.

»Was?«

»Wir müssen nicht mehr herkommen und hier sinnlos unsere Zeit verschwenden. So können wir uns wichtigeren Dingen widmen!«

»Hm … Hast recht.«

Ich hatte das Gefühl, dass ich mich immer mehr auf Raphtalia verlassen konnte.

Sie drückte fest meine Hand. Bestimmt war sie auch wütend. Allein wäre es nicht auszuhalten gewesen, aber gemeinsam, das spürte ich, würden wir diese Herausforderung meistern.

»Einen Moment bitte«, rief Itsuki dem Drecksack zu.

»Was gibt es, Held des Bogens?«

Was sollte das jetzt? Der hatte doch sicher eh nichts Vernünftiges beizutragen.

»Es geht um das Unrecht, das Naofumi gestern widerfahren ist«, sagte er. »Wie denkt Ihr über diese Angelegenheit?«

Sofort verfinsterte sich die Atmosphäre im Saal.

»Worauf möchtest du hinaus?«

»Bei dem Heldenduell um Raphtalia gab es einen Regelverstoß, aber trotzdem wurde ihr … Wie hieß das noch mal …? Ah, das Sklavensiegel entfernt. Und nun soll Naofumi dafür die Rechnung tragen?«

Was war hier los? Itsukis Blick war ungewöhnlich stechend. Er schien den König ernsthaft ins Verhör nehmen zu wollen.

»Stimmt, das habe ich auch gesehen. Den Regeln nach zu urteilen, hatte Naofumi Motoyasu besiegt.«

»Hey, ich habe nicht verloren!«, protestierte Motoyasu, aber Ren und Itsuki sahen ihn nur kühl an.

»Bitte bedenkt, dass von Eurer Antwort abhängt, ob wir die Geschehnisse zuvor ebenfalls hinterfragen sollten: Wie viel Wahrheit steckt wirklich hinter dem Vorwurf bezüglich des Sexualdelikts?«

»Ah … Nun …«, stammelnd wich der König Itsukis Blick aus.

»Ihr irrt euch, werte Helden Itsuki und Ren, das war ganz anders«, ertönte ein weibliche Stimme im Saal. Die Besitzerin trug protzigen Schmuck, dickes Make-up, und ihre zweifelhaften Absichten standen ihr ins Gesicht geschrieben.

Genau, sie war die Wurzel allen Übels! Sie hatte mich in Verruf gebracht. Dieses Miststück war das Letzte!

Main Suphia. Eigentlich hieß sie wohl Malty, aber was kümmerte mich ihr Name?

Ihr Charakter war so mies wie ihr Haar rot. Niederträchtig durch und durch, allein ihr Äußeres war schön.

Von den Abenteurern, die das Reich versammelt hatte, hatte einzig sie sich mir als Gefährtin anschließen wollen. Doch dann hatte sie mir all mein Geld geklaut, war zu Motoyasu gelaufen und hatte mich als Vergewaltiger hingestellt. So ein abscheuliches Wesen besaß sie.

Mittlerweile hatte ich das Bedürfnis, diese Teufelin, der ich nur noch mit Verachtung entgegentreten konnte, ausnahmslos Bitch zu nennen.

Zu allem Überfluss war sie auch noch die Prinzessin dieses Reichs.

In jenem Buch, dem Traktat der Waffen der vier Heiligen, dessentwegen ich in diese fremde Welt gerufen worden war, war auch eine Prinzessin vorgekommen, die sich wie eine Schlampe verhielt. Ich hatte den Verdacht, dass es sich um ebendiese handelte.

»Der Held des Schildes hatte bei dem Duell, Mann gegen Mann, unter seinem Umhang Monster versteckt. Darum hat mein Vater, der König dieses Landes, so geurteilt, wie er es verkündet hat.«

Was redete sie für einen Blödsinn? Mann gegen Mann hatte ich kämpfen sollen, obwohl ich keinerlei Möglichkeit zum Angreifen besaß. So etwas konnte man kaum als ein faires Duell bezeichnen, eher als dreckige Schikane. Und genau darum hatten sie mich ja auch dazu gezwungen.

Itsuki und Ren wirkten nicht überzeugt.

»Ich verstehe den Gedanken, aber …«

»Dem kann man so unmöglich zustimmen!«

Diese Bitch bastelte sich nur irgendwelche Ausreden zurecht. Da zeigte sich die pure Verschlagenheit!

»Es war trotzdem ein Regelverstoß, dass du hinterrücks Magie auf ihn abgefeuert hast.«

»Gut, er hat vielleicht nichts geleistet, aber offenbar hat er ja auch gar keine Aufträge von der Gilde bekommen. Eine minimale Unterstützung steht ihm doch wohl zu, oder? Und es entspricht auch den Tatsachen, dass er anstelle der Ritter das Dorf verteidigt hat, oder etwa nicht?«

Main schnalzte leise mit der Zunge.

Wie schändlich zu versuchen, die Sache vertuschen zu wollen. Sie hatte es hier mit Helden zu tun und hätte wissen müssen, dass die bei so einer Angelegenheit nicht schweigen würden.

Wie die Dinge standen, sprach die Beweislage zu meinen Gunsten. Zudem hatte es zum Zeitpunkt der falschen Beschuldigung keine weiteren Zeugen gegeben.

»Alsdann. Du sollst einen Minimalsold erhalten. Nimm ihn lieber an.«

Auf Geheiß des Königs wurde mir mein Beutel überreicht.

»Und nun lasst uns bitte gehen, Eure Majestät«, sagte Raphtalia. »Und den werten Helden möchte ich für ihr aufrichtiges Urteil danken!« Leichten Schrittes ging sie mir voraus aus dem Thronsaal.

»Seht, wie sich der Verlierer davonschleicht!«

Ren und Itsuki zuckten bloß schweigend mit den Schultern: Motoyasu musste gerade reden.

Ja, da hob sich augenblicklich meine Stimmung, wenn nicht alle immer nach seiner Pfeife tanzten!

Sowohl Ren als auch Itsuki schienen Zweifel an Motoyasu zu hegen. Dennoch machten sie weiterhin gute Miene zum bösen Spiel – unverzeihlich!

»Und jetzt lass uns zum Zelt des Sklavenhändlers gehen, damit er mir ein neues Sklavensiegel aufspricht.«

»Bitte?«

Wir verließen gerade das Schloss, als Raphtalia sich mit diesen Worten zu mir umdrehte.

»Sonst wirst du mir nie voll und ganz vertrauen können, Herr Naofumi.«

»Nicht doch … Das Sklavensiegel brauchen wir nicht mehr!«

»Doch, doch.«

»Hm …«

»Du bist jemand, der nur jemandem vertraut, der an dich gebunden ist. Versuch gar nicht erst, es abzustreiten.«

Vielleicht hatte ich bei ihrer Erziehung etwas falsch gemacht. Sie lag mit ihren Worten zwar nicht vollkommen falsch, aber Raphtalia … Ihr könnte ich auch ohne dieses Siegel vertrauen. Wenn sie nur an sich selbst denken würde, hätte sie direkt nach dem Duell zu Motoyasu überlaufen können. Bei mir zu sein brachte ihr nicht wirklich Vorteile, so wie mich hier alle hassten.

»Hör zu, Raphtalia.«

»Was denn?«

»Wollen wir das mit dem Fluch nicht einfach bleiben lassen?«

»Nein, ich will es so.«

Warum war sie nur so fixiert darauf?

»So erhalte nämlich auch ich den Beweis dafür, dass du mir vertraust.«

Als ich das hörte, merkte ich instinktiv, wie sehr ich sie beschützen wollte.

Gefühle stiegen in mir auf … War das Liebe? Doch etwas hielt mich zurück.

Äußerlich mochte sie erwachsen wirken, aber es war noch nicht lange her, da hatte sie noch wie ein Kind ausgesehen. Eine Besonderheit der Subhumanoiden war: Stieg ihr Level in jungen Jahren schnell an, wuchsen sie schneller, als es ihrem Alter entsprach.

Raphtalia hatte bei der ersten Welle ihre Eltern verloren. Ich denke, bei meinen Gefühlen handelte es sich daher um Elternliebe.

Ja, das mussten elterliche Gefühle sein. Ich musste ein guter Ersatz für ihren Verlust werden.

»Na dann, lass uns losziehen!«

Nach ihren entschlossenen Worten hatte ich keine Argumente mehr, sie aufzuhalten. Ich würde sie gewähren lassen.

Und so gingen wir zu jenem Zelt, in dem mit Sklaven gehandelt wurde.

*Nerd, extremer Fan

**Virtual Reality Massively Multiplayer Online

Kapitel 1: Die Monsterei-Lotterie

»Wenn das mal nicht der werte Held ist! Was kann ich heute für Euch tun?«

Der Sklavenhändler in seinem feinen Anzug hieß uns mit weit ausladender Geste willkommen.

»Huch?«

Bewunderung lag in seiner Stimme, als er Raphtalia sah.

»Eine erstaunliche Verwandlung«, sagte er, warf mir einen Blick zu und ließ dabei deprimiert die Schultern sinken. »Wer hätte geahnt, dass sie zu einer solchen Schönheit heranwachsen würde?«

Damals hatten mir alle misstraut. Ich hatte zwar etwas Geld besessen, aber ich war in Not gewesen, weil ich über keinerlei Angriffskraft verfügte. In dieser Situation hatte er mich angesprochen und mir angeboten, mir einen Sklaven zu verkaufen.

Er war ein dicklicher Gentleman mittleren Alters und der Inbegriff von dubios.

Irgendwas in meinem Blick hatte ihm wohl zugesagt, sodass er mir auf seine Art etwas Gutes tun wollte. So war ich zu Raphtalia gekommen.

»Was willst du mir damit sagen?«

»Ich hatte gedacht, Ihr wärt mir ähnlicher. Da habe ich mich wohl getäuscht.«

Was meinte er? Aber ich würde ihn nicht danach fragen.

Wenn er sich geringschätzig verhielt, könnte das negative Folgen für unsere Geschäftsbeziehung nach sich ziehen. Ja, so etwas in der Art sollte ich wohl erwähnen.

»Es geht nicht darum, die Sklaven allein am Leben zu erhalten«, entgegnete ich mit bedrohlicher Stimme. »Es geht darum, ihre Qualität zu steigern. Du vertrittst wohl die Ansicht, Sklaven seien nur zum Benutzen und Wegwerfen da?«

»H… Herr Naofumi?« Raphtalia blickte besorgt zu mir hoch.

Ich hatte ebenfalls das Gefühl, dass ich mich ein wenig hinreißen ließ, aber ein bisschen mehr als beim letzten Mal konnte ich mir schon herausnehmen.

»Hi hi hi!« Der Kerl grinste, als gefiele ihm meine Antwort. »So ist das also? Mir läuft es kalt den Rücken runter!«

»Nun, dann wollen wir Eure Sklavin mal schätzen … So ein hübsches Ding ist sie geworden, und ganz unschuldig ist sie ja bestimmt auch nicht mehr … Wie wäre es mit 20 Goldmünzen?«

»Wer redet hier denn bitte davon, dass ich verkauft werden soll?! Außerdem bin ich noch Jungfrau!«

Der Sklavenhändler stieß erstaunt die Luft aus.

»Was höre ich da?! Na, dann machen wir 35 Goldmünzen draus. Ob ich wohl überprüfen dürfte, dass sie wirklich noch unberührt ist?«

»Herr Naofumi!«

35 Goldmünzen?

»Herr Naofumi?! Hey, jetzt sag doch bitte was!«

35 Goldmünzen? Für die Summe könnte ich locker den Level-75-Wolfsmann kaufen!

Als sie mich so gedankenverloren sah, machte sie ein furchterregendes Gesicht und packte mich fest an den Schultern.

»Herr Naofumi … Wenn du mit dem Unsinn nicht aufhörst, werde ich wirklich böse!«

»Was ist los? Was guckst du denn so?«

»Ich werde hier geschätzt, und du lässt das einfach so stehen?«

»Wenn ich mich nicht unbeeindruckt gebe, werde ich nicht ernst genommen.«

Ich hatte keine Wahl, ich musste ihrer Frage ausweichen. Sie durfte nicht erfahren, was mir gerade durch den Kopf gegangen war. Ich würde ohnehin nicht das Mädchen verkaufen, das mir als Einziges auf dieser Welt vertraute.

Aber …

»35 Goldmünzen …«, murmelte ich.

Da verstärkte Raphtalia ihren Griff.

»Au! Au!«

Raphtalias Stärke … Konnte sie damit bereits meine Verteidigungskraft überwinden? Das würde beim Kämpfen noch sehr nützlich werden.

»Dir wär’s wohl egal, wenn ich auf der Stelle wegliefe?«

»Ich mach bloß Witze. Ich habe mich eben gefreut, dass du so hoch geschätzt wirst!«

»A… Also … Herr Naofumi!«

Raphtalia wurde plötzlich ganz still und verlegen.

»Nun, Sklavenhändler, so viel steht fest: Ich werde Raphtalia nicht verkaufen. Wie könnte ich, sie ist für mich wie eine Tochter.«

»Tochter?«

»Mach dir keine Gedanken. Lass mich nur reden.«

»Wa…?«

Ich konnte mich noch so sehr wie ein Vater verhalten, ihre leiblichen Eltern konnte niemand auf der Welt ersetzen. Und ihr gefiel es sicher nicht, wenn ich plötzlich anfing, es zu versuchen.

»Verstehe … Sehr bedauerlich! Nun, was kann ich stattdessen für Euch tun?«

»Ah, sind die Gerüchte über mich zu dir vorgedrungen? Bezüglich des Tumults im Schloss?«

Da feixte der Sklavenhändler wieder. »Sie sind mir zu Ohren gekommen. Das Siegel wurde aufgehoben, nicht wahr?«

»Das hat ja schnell die Runde gemacht … Aber wenn du eh bereits wusstest, weswegen ich hergekommen bin, was schätzt du erst lange rum?«

Beinahe hätte ich es mir wegen nichts mit Raphtalia verscherzt.

»Nur weil der König leichtfertig daherredet, wird doch nicht gleich die Sklaverei in diesem Land abgeschafft. Nicht doch, nicht doch.«

Am Vorabend hatte der verdammte König sich mal wieder die Gesetze seines Reichs zurechtgebogen und mir meine Sklavin Raphtalia für eine Weile entrissen. Letztendlich steckte nur wieder Motoyasus Eigensinn dahinter.

»Hm? Die Adligen werden doch wohl keine Sklaven kaufen?«

»Aber natürlich! Vor allem der Adel! Die haben allerlei Verwendungsmöglichkeiten für Sklaven. Ja, ja.«

»Dieser Drecksack … Begünstigt den Lanzenhelden derart und schmeißt mit anklagenden Worten um sich … Schafft er sich damit keine Feinde unter den Adligen?«

Das wäre doch zu komisch, wenn das tatsächlich der Fall wäre! Aber für das Königreich wäre es vielleicht sogar am besten.

»Das Reich ist ideologisch nicht wie aus einem Guss. Einige Adlige haben bereits verlauten lassen, dass solche Maßnahmen für sie Beschwernisse zur Folge hätten.«

»Ist seine Macht wirklich derart groß?«

Handelte es sich hier um eine Diktatur? In dem Fall hätte sie keine zehn Jahre mehr. Früher oder später würde es Aufstände geben, und sie würde zusammenbrechen. Aber vorerst regierte eben dieser Drecksack das Land, und es sah so aus, als würde die Bitch seine Nachfolge antreten.

»Nun, was das betrifft: Es gibt durchaus jemanden mit mehr Macht in diesem Land …«

»Ähm … Wir waren aber eigentlich gerade bei dem Sklavensiegel.«

»Ach ja, jetzt, wo Ihr es sagt …«

Wir waren abgeschweift. Wenn man es recht bedachte, konnte es mir egal sein, was aus diesem miesen König wurde, da ich ohnehin nicht gedachte, ihn wiederzusehen.

»Dann seid Ihr gekommen, um ein Sklavensiegel wirken zu lassen, richtig? «

»Ah, das geht also?«

»Jederzeit.« Der Sklavenhändler schnippte und sofort kam, genau wie damals, als wir die erste Sklavenregistrierung vorgenommen hatten, der Untergebene mit dem Tintenfässchen herbei.

Raphtalia löste beschämt ihren Panzer und entblößte den für das Siegel benötigten Bereich ihres Oberkörpers.

»U… Und?«

»Was denn?«

Sie seufzte.

Hm? Weswegen sah sie so enttäuscht aus?

Und was hatte der Seufzer zu bedeuten? Hatte ich irgendwas falsch gemacht?

Dann wurde ihr erneut mit einem Pinsel die mit meinem Blut vermischte Tinte aufgetragen. Das Muster, das entfernt worden war, erschien aufs Neue leuchtend auf Raphtalias Brust. Sie biss die Zähne zusammen und ertrug den Schmerz.

In meinem Gesichtsfeld tauchte das Sklaven-Icon auf.

Ich warf einen Blick auf den Eintrag über Befehle und Zuwiderhandlungen. Diese konnte ich wohl gefahrlos heruntersetzen. Raphtalia hatte sich schließlich nur dazu entschlossen, wieder meine Sklavin zu werden, damit ich ihr glaubte. Jetzt war es an mir, ihr Vertrauen entgegenzubringen. Vielmehr wäre es gar nicht nötig gewesen, das Siegel wirken zu lassen. Es diente lediglich als formelles Symbol.

»Na dann.«

Während ich darüber nachdachte, wie ich fortfahren sollte, fiel plötzlich mein Blick auf den Teller mit der verbliebenen Tinte.

Als ich ihn berührte, reagierte mein Schild.

»He, kann ich die haben? Ich bezahl auch dafür.«

»Selbstverständlich.«

Ich strich den Tintenrest auf meinen Schild.

Im Nu hatte er ihn absorbiert.

Bedingungen erfüllt für: Slave User Shield
Bedingungen erfüllt für: Slave User Shield II
Slave User Shield
Fähigkeit nicht freigeschaltet … Ausrüstungsbonus: Sklavenentwicklungsunterstützung (klein)
Slave User Shield II
Fähigkeit nicht freigeschaltet … Ausrüstungsbonus: Sklavenstatusanpassung (klein)

Ein Sklavenhalterschild also … Nun, das verwunderte mich kaum.

Es erschien ein eigener Zweig dafür am Baum, der vom Small Shield ausging. Allzu stark konnte er demnach nicht sein. Der Ausrüstungsbonus hatte dennoch seinen Reiz.

Entwicklungsunterstützung?

Und wieso hatte das bisschen Tinte gleich zwei Schilde freigeschaltet?

Mein Schild war eine der legendären Waffen und hatte die Kraft, sich zu entwickeln, wenn ich ihn Stoffe aller Art absorbieren ließ. Wenn ich anschließend den Schild eine Weile in einer bestimmten Form trug, wurden Fähigkeiten freigeschaltet, die dann dauerhaft meinem Status hinzugefügt wurden. Indem ich alle möglichen Schilde errang und ihre Ausrüstungsboni anhäufte, wurde ich mit der Zeit weit mächtiger als gewöhnliche Menschen.

Bis jetzt hatte ich Skills erhalten, Fertigkeiten sowie Ausrüstungsboni, die einen Statusboost mit sich brachten.

Noch war vieles rätselhaft. Doch wenn ich überleben wollte, würde ich lernen müssen, den Schild zu beherrschen.

Ich blickte Raphtalia ruhig an.

»Was denn?«

Hatte ich dem Schild nicht schon einmal ihre Haare gegeben? Damals hatte ich auf einen Raccoon Shield gehofft, aber vielleicht hätte ich damals eigentlich den Slave User Shield II bekommen sollen, und es hatte bloß die Tinte gefehlt. Nun waren gleich zwei freigeschaltet worden. Ja, das war durchaus möglich. In dem Fall …

»Raphtalia, darf ich ein bisschen Blut von dir haben?«

»Was hast du vor?«

»Ach, ich will nur was ausprobieren.«

Raphtalia legte den Kopf schief. Dann ritzte sie sich mit dem Messer in die Fingerspitze, nur ein wenig, wie ich es zuvor auch für das Tintengemisch gemacht hatte. Ich hielt ihr meinen Schild hin, und sie ließ das Blut darauf tropfen.

Bedingungen erfüllt für: Slave User Shield III
Slave User Shield III
Fähigkeit nicht freigeschaltet … Ausrüstungsbonus: Sklavenentwicklungsunterstützung (mittel)

Ha! Volltreffer!

»Herr Naofumi? Worüber freust du dich so?«

»Ach, ich habe nur einen interessanten Schild bekommen.«

»Oh, das ist schön!«

Ich verwandelte den Schild in den Slave User Shield, um ihn freizuspielen.

»Und jetzt … Hm?«

Wir hatten hier alles erledigt und ich wollte gerade aufbrechen, da sah ich in einer Ecke des Zeltes eine mit Eiern gefüllte Holztruhe stehen.

An die erinnerte ich mich gar nicht. Was es damit wohl auf sich hatte?

»Was ist das?«, fragte ich den Sklavenhändler.

»Ach, das gehört zu unserer Fassade, dem Geschäft, das ich nach außen hin betreibe.«

»Und was für ein Geschäft ist das?«

»Monsterhandel«, erwiderte er mit seltsam angespannter Stimme.

»Monster? Heißt das etwa, auf dieser Welt gibt es auch Monsterbändiger?«

»Ihr seid sehr scharfsinnig, und darauf kommt es ja vor allem an. Wusste der werte Held etwa nichts von diesem Umstand?«

»Zumindest bin ich noch keinem begegnet, glaub ich …«

»Herr Naofumi«, sagte Raphtalia und hob die Hand.

»Was?«

»Filolials werden von Monsterbändigern gezüchtet!«

Ich konnte mich gerade nicht erinnern, diesen Monsternamen schon mal gehört zu haben. Worauf wollte sie hinaus?

»Und worum handelt es sich dabei?«

»Das sind die Vögel, die in der Stadt anstelle von Pferden die Wagen ziehen!«

»Ach, die!«

Und ich hatte geglaubt, sie wären eine Tierart dieser Welt. Aber offenbar zählten sie zu den Monstern.

»In meiner Heimat gab es auch Dorfbewohner, die mit der Monsteraufzucht ihr Geld verdienten. Ihre Weiden waren voller Monster, deren Fleisch sie verkauften.«

»Ach, tatsächlich?«

Viehhaltung und Ähnliches fielen in dieser Welt also in die Kategorie Monsterbändigung. Dann hatten Tiere wohl keine eigene Bezeichnung, sodass alle Lebewesen abgesehen von den Menschen als Monster klassifiziert wurden.

»Und was hat’s nun mit den Eiern auf sich?«

»Wenn die Vögel nach dem Schlüpfen nicht von Menschen aufgezogen werden, werden sie nicht zahm. Darum handle ich mit ihnen.«

»Ach so!«

»Wollt Ihr Euch die Monsterkäfige ansehen?«

Was man auch begehrte, er verkaufte es. Geschäftssinn hatte er zweifellos, dieser Sklavenhändler!

»Erst mal nicht. Und was steht auf dem Schild?«

Ich konnte die Schrift nicht lesen, aber auf der Truhe befand sich ein Pfeil und es standen zahlenähnliche Symbole darauf.

»Für 100 Silbermünzen könnt Ihr an der Monsterei-Lotterie teilnehmen!«

»100 Silbermünzen? Das ist aber teuer.«

Wir hatten 508 Silbermünzen. Das war also doch ein recht hoher Preis.

»Das kommt daher, dass es sich hierbei um teure Monster handelt.«

»Ich will mich erst mal nur informieren. Es sind also Filolials, ja? Und was nimmst du durchschnittlich für die?«

»Ausgewachsene Tiere gibt es ab 200, hängt vom Gefieder und der Rasse ab.«

»Küken müssten dann ja billiger sein, stimmt’s? Und dann sind es ja nur die Eier, und du sparst dir die Aufzuchtkosten … Na, ich weiß ja nicht, ob sich das für mich lohnt …«

»Nein, nein, unter ihnen befinden sich noch andere Eier!«

»Verstehe … Darum hast du von einer Lotterie gesprochen.«

Das hieß, es gab sowohl Nieten als auch Treffer.

Eine Niete zu ziehen, wäre schlimm. Ein Treffer, und man stünde hinterher besser da.

»Aber Treffer sind bestimmt gar nicht in der Truhe, hm?«

»Ich muss doch sehr bitten! Denkt der werte Held etwa, ich würde solche gemeinen Geschäfte tätigen?«

»Hab ich recht oder nicht?«

»Ich betreibe mein Gewerbe mit Stolz! Zwar führe ich Kunden gelegentlich mit Halbwissen hinters Licht, aber falsche Angaben auf meinen Produkten? Davon halte ich gar nichts!«

»Du betrügst also gern, machst aber ungern falsche Angaben …«

Ich fragte mich ernsthaft, was für eine Logik dahinterstecken sollte.

»Also? Was ist der Hauptgewinn?«

»Ich werde es so erklären, dass der werte Held es leicht verstehen kann: ein Reitdrache.«

Reitdrachen … Waren das jene Drachen, auf denen die Generalsklasse der Ritter ritt?

»Also ein pferdeähnliches Monster, ja?«

»Nein, hierbei handelt es sich um den fliegenden Typ! Die sind nämlich beliebt … Da versuchen meine adligen Kunden gern mal ihr Glück.«

Ein Flugdrache also … Da geriet man schon ins Träumen.

»Herr Naofumi?«