Umweg zur Hölle - Ross Thomas - E-Book

Umweg zur Hölle E-Book

Ross Thomas

4,9

Beschreibung

Artie Wu und Quincy Durant, zwei ehemalige Waisenkinder, die ihre Lektion gelernt haben, leben am Strand von Malibu, Kalifornien. Als Artie Wu beim Joggen über einen toten Pelikan stolpert, haben die beiden kurz darauf den Millionär Randall Piers und seine nymphomane Frau im Haus. Die Ermittler verstricken sich bald in einem Netz aus offenen Rechnungen und alten Versprechen, geknüpft von den schmutzigen Fingern der Mafia und CIA. Durchgesehene Neuausgabe der 1984 erschienenen deutschen Erstausgabe.

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Ross Thomas, Umweg zur Hölle

DasBuch: Artie Wu und Quincy Durant, zwei ehemalige Waisenkinder, die ihre Lektion gelernt haben, leben am Strand von Malibu, Kalifornien. Als Artie Wu beim Joggen über einen toten Pelikan stolpert, haben die beiden kurz darauf den Millionär Randall Piers und seine nymphomane Frau im Haus. Die Ermittler verstricken sich bald in einem Netz aus offenen Rechnungen und alten Versprechen, geknüpft von den schmutzigen Fingern der Mafia und der CIA.

Der Autor:´Ross Thomas, geboren 1926 in Oklahoma, war Journalist, politischer Berater und Mitorganisator von Wahlkämpfen. In den 50er Jahren baut er in Bonn das deutsche AFN-Büro auf, arbeitet danach für verschiedene amerikanische Organisationen. Mit 40 schreibt Thomas seinen ersten Roman. Er wurde mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis und dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Bis zu seinem Tod 1995 entstehen 25 Romane.

Ross Thomas

Umweg zur Hölle

Ein Artie-Wu-und-Quincy-Durant-Fall

Aus dem Amerikanischen

von Edith Massmann

Herausgegeben von

Martin Compart und Jörg Fauser

Mit einem Essay

von Jörg Fauser

Alexander Verlag Berlin

RossThomas im Alexander Verlag Berlin

Bisher erschienen

Die im Dunkeln

Gottes vergessene Stadt

Kälter als der Kalte Krieg

Teufels Küche

Die Übersetzung wurde für diese Ausgabe von Jochen Stremmel redigiert.

Zweite Auflage 2008

Die amerikanische Originalausgabe erschien 1978 unter dem Titel Chinaman’s Chance.

Die deutsche Erstausgabe erschien 1984 im Ullstein Verlag, Frankfurt/M.– Berlin.

© 1984 und 2007 by the Estate of Ross E. Thomas.

Licensed with The Estate of Ross E. Thomas.

© für diese Ausgabe by Alexander Verlag Berlin 2007

Alexander Wewerka, Postfach 19 18 24, D-14008 Berlin

[email protected]

www.alexander-verlag.com

Umschlaggestaltung Antje Wewerka

Alle Rechte vorbehalten

Druck und Bindung Interpress, Budapest

ISBN 978-3-89581-230-9

Printed in Hungary (May) 2008

Ebook: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH

Inhalt

Teil I

Eins

Der Anwärter auf den Kaiserthron war ein dicker, siebenunddreißig Jahre alter Chinese mit Namen Artie Wu, der seit zwei Monaten jeden Morgen gleich nach Sonnenaufgang am Strand von Malibu Beach joggte, selbst jetzt im Juni, wo die Sonne bereits um 4 Uhr 42 aufging. Als er gerade östlich der Paradise Cove Pier entlangjoggte, stolperte er über einen toten Pelikan, fiel in den Sand und machte die Bekanntschaft des Mannes mit sechs Windhunden. Es war der sechzehnte Juni, Donnerstag.

Artie Wu und der Mann hatten sich schon oft gesehen. Seit zwei Monaten, die Wochenenden ausgenommen, begegneten sie sich am Strand, Artie Wu in seinem blauen Jogginganzug, der Mann in Hemd und Hose, beide barfuß. Anfangs hatten sie bloß genickt, später auch mal ein Wort gewechselt, aber kaum mehr als »Guten Morgen« oder »Schönes Wetter heute«.

Die grauen Windhunde hielten sich in einem geschlossenen Rudel dicht hinter ihrem Herrn. Dann und wann allerdings, auf ein wortloses Handzeichen des Mannes, eine irgendwie ruckartige, fast brutale Geste, schossen sie vor und jagten einander im Sechzigmeilentempo – oder wie schnell Windhunde laufen mögen – bis zur Pier. Hatten sie sie erreicht, machten sie halt, drehten um und trotteten mit offenen Mäulern zurück, wobei sie sich mit den langen rosa Zungen die Lefzen leckten und so aussahen, als lachten sie und freuten sich über die wilde Jagd.

Als er über den toten Pelikan stolperte und hinfiel, sagte Artie Wu: »Scheiße«, dann landete er im Sand. Der Mann mit sechs Windhunden war ziemlich nahe, allenfalls zehn, zwölf Meter entfernt, und als er Artie Wu fallen sah, dachte er: Da fällt der dicke Chinese.

Der Mann hatte immer angenommen, Artie Wu wäre ein Nachbar oder wohnte jedenfalls irgendwo in der Nähe, vielleicht in einem der Wohnwagen in Paradise Cove, und wenn er an ihn gedacht hatte, hatte er an ihn immer als »dicken Chinesen« gedacht.

Wenn Artie Wu sich die Mühe machte, darüber nachzudenken, wer er war, was er selten tat, dachte er normalerweise an sich als dicken Chinesen. Das hatte er schon getan, als er sechs Jahre war und von irgendwem im Waisenhaus von San Francisco abgeliefert wurde, wo er blieb, bis er mit vierzehn davonlief. Manchmal allerdings, wenn es ihm in den Kram paßte, dachte er an sich auch als Anwärter auf den Thron des Kaisers von China.

Der Mann mit sechs Windhunden eilte zu Artie Wu, der ausgestreckt im Sand lag, und fragte: »Haben Sie sich verletzt?« Einer der Hunde leckte, wie um seine Anteilnahme zu bekunden, Artie Wu übers Gesicht.

»Ich weiß nicht«, sagte Wu, setzte sich, beugte sich vor, nahm seinen linken Knöchel in beide Hände und drückte fest zu. Der Schmerz war da, nicht gerade furchtbar, aber scharf, und Artie Wu sagte noch mal: »Scheiße«, allerdings eher beiläufig, so daß nur der Schweiß auf seiner Stirn als Beweis für den Schmerz herhalten konnte. Einer der Hunde kostete schnell davon und schmatzte mit den Lefzen, als schmecke es ihm.

»Aus, Franchot«, sagte der Mann, und prompt zog der Hund sich zurück, nahm auf seinen Hinterbeinen Platz und äugte hinaus auf den Ozean, als hätte er da draußen etwas Wunderbares und Merkwürdiges entdeckt.

»Franchot?« sagte Wu.

»Nach Franchot Tone.«

»Nett«, sagte Wu und kniete sich hin, um herauszufinden, ob er unter Schonung des linken Fußes aufstehen konnte. Er war einsneunzig groß und wog 112 Kilo, von denen aber nur an die zehn Kilo echter Speck waren, der sich vor allem in der Bauchgegend breitgemacht hatte, und im Gesicht, was ihn dick und fröhlich aussehen ließ, ja beinahe gütig. Eine Anzahl von Leuten, meist Frauen, hatten ihm gesagt, er sähe aus wie ein lachender Buddha, was er schon lange nicht mehr hören konnte.

Das, was an Kilos übrigblieb, bestand aus schweren Knochen und harten Muskeln – an einem ganz normalen Tag hätte Artie Wu sich problemlos mit Hilfe nur eines Beins hinstellen können. Aber irgendwie hatte der Schmerz seinen Gleichgewichtssinn getrübt, und er mußte den linken Fuß zum Abstützen aufsetzen. Das löste einen heftigen Schmerz in Unterschenkel und Knöchel aus. Also sagte Artie Wu zum drittenmal an diesem Morgen: »Scheiße!« und ließ sich wieder in den Sand sacken.

»Kommen Sie, ich helfe Ihnen«, sagte der Mann.

Artie Wu nickte. »Okay. Danke.« Der Mann half ihm auf und merkte an Wus Zugriff, daß an dem dicken Chinesen entschieden weniger Speck war, als er vermutet hatte.

»Sie wohnen hier in der Gegend?« sagte der Mann.

»Mein Partner«, sagte Artie Wu. »Das gelbe Haus da drüben.«

Sie standen im brettharten Sand am Wasser. Ein paar Schritte strandeinwärts lag die ziemlich steil ansteigende, gut einen Meter hohe Düne, die nach zwanzig, dreißig Metern gegen ein hohes Kliff aus brauner Erde lief, das zum Teil mit grünen Fettpflanzen und grauen Gräsern bedeckt war. Das gelbe Haus stand auf mit Kreosot imprägnierten rund vier Meter hohen Pfählen, die es – bis auf eine mögliche Springflut – vor dem Ansturm der Wellen schützten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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