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In seinem ersten Buch *WIEDERSEHEN MIT EINEM LEBEN* lernten die Leser zwei Kinder vom Dorf und deren Leben vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg kennen. In seinem zweiten Buch *UND IMMER WIEDER DIE ANDEREN* erzählt Rolf Everding von Menschen, denen er in seinem Leben begegnet ist. Er berichtet über prägende Gemeinsamkeiten, die er mit ihnen erlebt hat, und über Augenblicke des Glücks. Es geht um flüchtige Momente und um bleibende Eindrücke. Rolf Everding war in seinem Leben viel unterwegs. Er fügt Teile seiner biographischen Erlebnisse in seine Erzählungen mit ein und schmückt seine Erinnerungen mit wohlwollenden oder vorwurfsvollen Bemerkungen. Es geht um Empörung und um Schlimmes. Er redet sich manche Menschen schön und verurteilt andere. Er zeigt uns Glückspilze und Menschen mit tragischen Schicksalen. Er schreibt über Höhen und Tiefen in seiner Umgebung. Aus manchen Freundschaften hat er sich herausgelebt. Seine Geschichten sind so, wie er sie erlebt hat. Beim Lesen wechseln wohlige Glücksgefühle, Trauer, Entsetzen und Ironie einander ab. *Und immer wieder die Anderen* von Rolf Everding ist ein Buch der autobiographischen Kunst des Geschichtenerzählens.
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2020
Das zweite Buch von Rolf Everding ist sehr persönlich. Er erzählt von Menschen, denen er in seinem Leben nahe gewesen ist. Er berichtet über prägende Gemeinsamkeiten, die er mit ihnen erlebt hat und über Augenblicke des Glücks.
Beobachtungen, die er so nicht verstehen konnte und Tatsachen, die er nicht akzeptiert hat. Es geht um flüchtige Momente und bleibende Eindrücke.
Rolf Everding war viel unterwegs. Er fügt Teile seiner biographischen Erlebnisse in seine Erzählungen ein und schmückt seine Erinnerungen mit wohlwollenden oder vorwurfsvollen Bemerkungen. Es geht um Empörung und um Schlimmes. Er redet sich Menschen schön und verurteilt andere. Aus manchen Freundschaften hat er sich heraus gelebt. Er zeigt uns Glückspilze und Menschen mit tragischen Schicksalen. Er schreibt über Höhen und Tiefen in seiner Umgebung.
Seine Geschichten sind so, wie er sie erlebt hat. Beim Lesen wechseln wohlige Glücksgefühle, Trauer, Entsetzen und Ironie einander ab.
*Und immer wieder die Anderen* ist ein Buch der autobiographischen Kunst des Geschichtenerzählens.
© 2020 Rolf Everding
Umschlaggestaltung: Rolf Everding
Lektorat: Breuer
Satz: Mirko Stranghöner, Detmold
Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN Paperback: 978-3-347-17793-2
ISBN e-Book: 978-3-347-17795-6
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ROLF EVERDING
Und immer wieder die Anderen
Beobachtet und erlebt, gehört und erfunden, gesehen und darüber gelacht, mich empört und es vergessen, weitergedacht und dann erzählt.
Inhalt
1 Im Rollstuhl
2 Ein Nichtraucher
3 Der Schokodoktor
4 Da kriege ich meine Gaby nicht rein
5 Silberne Hochzeit auf dem Hausboot
6 Lesen ist nicht gleich lesen
7 Zwei Tage Hamburg
8 Das habe ich nicht gemacht, das ist passiert
9 Ein Boxer
10 Fußball im freien Fall
11 Das Wattenmeer
12 Polo am Timmendorfer Strand
13 Veganerschelte
14 Der Besserwisser
15 Irish Stew
16 Der Schwanenwärter der Queen
17 Die Schriftstellerin Liane
18 Es reichte nicht
19 In Brügge kocht ein 3-Sterne-Koch
20 Ein Wiedersehen
21 Wohnsinniges
22 Juister Austern
23 Werbung ist gesteuerte Verführung
24 Omas & mehr
25 Auf einer Beerdigung
26 Sternekoch auf Jersey
27 Albert macht Urlaub
28 Krebsfeste am Vätternsee
29 Rolf Benz
30 Nie mehr St. Ives
31 Und dann war da noch Horst
32 La Bohème in England
33 Irlands Pub-Kultur
34 Ein Nazi
35 Meine Tante ist 100 Jahre alt
36 Königin Silvia
37 Kinder hat man
38 Beachgolf auf der Insel
39 Mein Opa
40 Ticket ins Paradies
41 Fußballtrainer beim Öl-Sultan
42 Die Zauberflöte in der Waldbühne
43 Historie auf dem Göta-Kanal
44 Dietmar Hopp in der Provence
45 Urlaub ohne Fernseher
46 Auf dem Fischland Darß
47 Lebertran: „Mund auf und rein!“
48 Michael Stich
49 Kalles lange Haare
50 Als aus einem Fahrrad ein Hausboot wurde
51 GUTES DESIGN in Leipzig
52 Und immer wieder Bornholm
53 Willi ist tot
1 Er war einer der hoffnungsvollsten Golfer seiner Zeit. Eine große Karriere stand ihm bevor. Als er der Liebe wegen in Köln lebte, veränderte ein betrunkener Autofahrer am Silvesterabend sein Leben. Seit diesem Tag ist Anthony Netto querschnittsgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt.
Wir treffen uns zufällig im Terminal des Düsseldorfer Flughafens. Er ist auf dem Weg nach Irland, um einem gelähmten irischen Gutsherrn den von ihm selbst speziell entwickelten Golfwagen für Behinderte zu überbringen. Ich fliege nach Irland, um mit dem Hausboot auf dem Shannon zu schippern und in einem Magazin darüber zu berichten. Im Flieger nach Dublin sitzen wir nebeneinander. Wir beschließen, zusammen nach Kingscourt zu fahren, um den ParaGolfer zu übergeben. Ich habe Zeit. Ich muss erst in drei Tagen auf dem Boot sein.
Beim Aussteigen aus dem Flieger erlebe ich, was es heißt, als Rollstuhlfahrer zu fliegen. „Wer auf die Hilfe anderer so angewiesen ist wie ich es bin, sollte verdammt freundlich sein können, um nicht anzuecken und hilflos stehen gelassen zu werden. Mit Freundlichkeit kommt man weiter, und Freundlichkeit kostet ja bekanntlich nichts“, lacht Anthony. Es sind aber nicht nur Freundlichkeit und Charme, die ihm helfen, seine Ziele zu erreichen. Es ist mehr. Er muss sehr genau planen. Für diesen Flug nach Dublin hat er zum Beispiel organisiert, dass er als Letzter aussteigen kann, dass ein Hebebühnenwagen seinen dreieinhalb Zentner schweren ParaGolfer aus dem Frachtraum hebt, und dass er damit zur Gepäckausgabe gebracht wird.
Vor dem Airport erwartet ihn der Sohn des Mannes, für den Anthony angereist ist. Er stellt sich mir als Ryan Gaynor vor. Wir laden den Golfwagen in seinen kleinen Laster, steigen ein und fahren zum Golfplatz nach Kingscourt.
Ich erfahre, dass Anthony Netto ein Überraschungsgast ist. Der Vater unseres Fahrers war seit seiner Kindheit ein begeisterter Golfspieler. Er hatte vor zwei Jahren einen schlimmen Autounfall. Er ist querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Ein schwerer Schicksalsschlag. Dass er nicht mehr Golf spielen konnte, nahm ihm zusätzlich ein Stück Lebensmut. Irgendwann hörte sein Sohn Ryan von Anthony Netto und vom ParaGolfer für Behinderte. Er telefonierte und bestellte für seinen Vater ohne dessen Wissen das spezielle Behinderten Golf-Cart und Anthony als Überbringer und Trainer gleich mit dazu. Auf der Fahrt zum Golfplatz kommen Zweifel auf. Ob die Überraschung gelingt, ob wohl alles gut geht? Ryan stellt seinen Kleinlaster in eine Waldnische des Golfclubs. Der Vater soll nichts merken, denn der sitzt im Kreis seiner Familie auf der Terrasse des Clubhauses und ahnt nichts.
Anthony setzt sich in den Golfwagen, lässt sich ein Golfbag mit Schlägern aufs Gefährt schnallen und fährt langsam auf die Terrasse in die Nähe von Ryans Vater. Der sitzt im Rollstuhl. Anthony spricht ihn an und fragt, ob man mit so einem Gefährt hier auf diesem Platz wohl Golf spielen dürfe. Der Vater ist überrascht, so einen Golfwagen für Behinderte hat er noch nicht gesehen.
Dann geht alles sehr schnell. Sohn Ryan kommt auf die Terrasse, nimmt seinen Vater in den Arm und sagt ihm, dass dieser Golfwagen für ihn sei und der berühmte Anthony Netto ihm spezielle Golfstunden für einen Neuanfang geben werde.
Beide sind sehr gerührt. Tränen fließen. Auch ich kann meine Ergriffenheit nicht verbergen. Es dauert lange, bis sich alle Beteiligten wieder gefangen haben. Der Vater setzt sich in den ParaGolfer und nimmt erstmals nach dem Unfall vor zwei Jahren eine Golfstunde als Behinderter. Wir bleiben drei Tage bei den Gaynors und verbringen viel Zeit miteinander
Berge und Täler, Höhen und Tiefen hat er in seinem Leben durchgemacht. Seine leuchtend blauen Augen, sein Lachen und die tiefe Sonnenbräune erzählen von den Höhen. Der Rollstuhl, in dem er seit Jahren sitzt, spricht Bände von den Tiefpunkten.
2 Wir waren vier Fußballspieler. Einmal im Jahr fuhren wir auf eine kleine Nordseeinsel und machten vier Tage Urlaub. Wir wanderten am Strand, amüsierten uns in den Dorfkneipen, tranken heimisches Bier und schlossen Freundschaften mit den Insulanern. Einer von uns rauchte, wir anderen drei rauchten nicht. Der Raucher ging uns Nichtrauchern irgendwann auf die Nerven. Kaum waren wir von zuhause weggefahren, dann bat er schon darum mal kurz anzuhalten, er müsse pinkeln. Jeder wusste, dass das nicht stimmte, er wollte rauchen. Auf der Insel qualmte er wie ein Schlot. Wir stellten ihm eine Bedingung: „Entweder hörst du mit dem Rauchen auf, oder wir suchen uns einen neuen vierten Mann.“ Das half.
Er ging zur Volkshochschule in einen Nichtraucherkursus. Sehr bald erzählte er uns ganz stolz, dass er es geschafft habe, und er nicht mehr rauche. Wir haben ihm gratuliert.
„Und was musstest du da machen?“, fragten wir ihn. „Wenn du Nichtraucher werden willst, dann musst du möglichst vielen Menschen erzählen, dass du nicht mehr rauchst. Die Blamage bei einem Rückfall muss sehr groß für dich sein“, erzählte Wespe, wie wir ihn nannten. Großartig, da konnten wir ihm helfen.
Wir gaben eine Anzeige in der Größe von Todesnachrichten mit schwarzem Rand in unserer Heimatzeitung auf. Hans-Hermann Westermann ist ab sofort Nichtraucher! Es freuen sich Kölle, Hafer und Rolf.
Hans-Hermann wusste nichts von dieser Anzeige. Als er morgens in seine Firma kam, gratulierte ihm der Pförtner: „Wespe, du bist Nichtraucher, ich gratuliere!“ „Woher weißt du das?“ „Steht in der Zeitung!“ „Hör auf.“ Hans-Hermann ging weiter. Am Arbeitsplatz begrüßte ihn seine Sekretärin. „Wespe, du bist Nichtraucher, ich gratuliere!“ „Woher weißt du das?“ „Steht in der Zeitung!“ „Hör auf mit dem Quatsch.“ Hans-Hermann begann mit seiner Arbeit.
Aus der firmeninternen Lautsprecherdurchsage hörte er: „Herr Westermann, bitte zur Geschäftsleitung!“ Er ging zum Chef nach oben. Der empfing ihn mit einem Strahlen im Gesicht. „Herr Westermann, Sie sind Nichtraucher, ich gratuliere!“ Hans-Hermann wusste nicht, wie er sich verhalten sollte.
„Jetzt fangen Sie bitte nicht auch noch damit an. Woher wollen Sie das wissen?“ „Ich lese das hier gerade in der Zeitung!“ Er zeigte ihm die Anzeige. Hans-Hermann wusste nicht, was er sagen sollte, musste aber einsehen, dass das wirklich in der Zeitung stand. Auch die Chefsekretärin gratulierte und brachte Sekt. Hans-Hermann erzählte ihnen die Geschichte so, wie er sie auch uns erzählt hatte. Auf uns war er böse. Er sprach sehr lange kein Wort mit uns. Irgendwann planten wir unseren Inselurlaub als vier Nichtraucher. Hans-Hermann hat durchgehalten. Er ist Nichtraucher und wird es wohl auch für immer bleiben.
3 Wir lernten uns kennen, als ich auf beiden Fußrücken einen so starken Sonnenbrand hatte, dass ich weder Strümpfe noch Schuhe anziehen konnte. Ich hatte Fieber und Brandblasen auf der Haut. Es war eine Verbrennung zweiten Grades. Er behandelte mich mit entzündungshemmenden und lokal wirkenden Medikamenten.
Ich hatte schon viel von diesem Arzt gehört und verabredete mich mit ihm und seiner Frau, um seine Story in einem Journal, für das ich schrieb, zu veröffentlichen.
Dr. Paul Okot Opiro wurde in Uganda geboren, und besuchte dort die Grundschule. Er ist ein Farbiger. Wegen politischer Unruhen musste er 1981 das Land verlassen und kam nach Deutschland. In Hamburg machte er sein Abitur, studierte Humanmedizin und war drei Jahre lang in Bad Brückenau in der Chirurgie, der Inneren Medizin, der Urologie und der Gynäkologie. Er hätte sich danach als ein ganz normaler Arzt irgendwo niederlassen können, über sein Leben hätte es nicht viel zu erzählen gegeben. Bis auf die Sache mit Juist.
Im Februar 2003 bekommt er das Angebot, sich als Allgemeinmediziner auf der kleinen Nordseeinsel Juist niederzulassen. Zusammen mit seiner Frau Dr. Heike Göttlicher fährt er in den hohen Norden und lernt das Eiland kennen. Er kommt, er sieht, und er weiß:
„Diese Insel kann meine neue Heimat werden.“ Er kündigt seinen Arbeitsvertrag und nimmt das Angebot an. Die autofreie Insel Juist ist eine siebzehn Kilometer lange und 500 Meter breite Insel in der Nordsee. Autofrei und ohne Stress. Als die Bevölkerung erfährt, dass ein Dunkelhäutiger als Arzt auf Juist praktizieren will, ist die Abneigung groß. Überall im Dorf gibt es massive Ablehnung. Geeignete Praxisräume werden mit Ausreden als “schon vermietet“ bezeichnet, ein geplantes Ärztezentrum wird nicht gebaut. Immer wieder fährt das Ehepaar auf die Insel und sucht Praxisräume, aber vergeblich. Und so stehen sie da mit der Kassenärztlichen Zulassung, aber ohne Praxisräume.
Die Juister zeigen ihnen die kalte Schulter, sie wollen keinen farbigen Doktor. „Was will der hier, ich lasse meine Frau doch nicht von einem Schwarzen untersuchen, der soll dahin gehen, wo er herkommt, in den Urwald“, hört man von bösartigen Einheimischen.
Irgendwann bietet man dem Arztehepaar Praxisräume im historischen Kurhaus an. Das ist den Insulanern schon gar nicht recht. „Jetzt dreht er völlig durch. Der kann lange warten, bis wir zu ihm in das vornehme Kurhaus zur eingebildeten Highsociety gehen.“
Wie bei einer Verschwörung wenden sich auch das DRK und der Rettungsdienst gegen ihn. Dr. Okot Opiro wird sogar vom Bereitschaftsdienst ausgeschlossen. Das Ärzteehepaar sucht sich rechtlichen Beistand und kann alle Vorwürfe, die letztlich darauf abzielen, den schwarzen Doktor von der Insel zu vertreiben, entkräften. Irgendwann gewöhnen sich die Juister an den “Black Man“.
Ein paar Ewiggestrige zerstechen ihm zwar noch einige Male die Reifen seines Notfall -Autos. Das Ärzteehepaar erträgt weitere Schikanen, hält durch und bleibt auf der Insel.
Das Leben als Arzt auf einem Eiland wie Juist ist sehr schwierig. Allein durch die von den Gezeiten abhängige Insellage ohne Krankenhaus, ist es nötig, dass ein Inselarzt umfassend ausgebildet ist. „Wenn ich nicht eine so vielseitige medizinische Ausbildung hätte, und mich nicht in einem halben Dutzend Fachrichtungen auskennen würde, müsste der Rettungshubschrauber täglich auf die Insel kommen, um Patienten aufs Festland zu Spezialisten zu fliegen“, sagt Dr. Okot Opiro. „Die Insel braucht einen geländegängigen Universalisten, so einen wie mich, und den haben sie.“
Das Ehepaar wohnt mittlerweile in einer schönen Wohnung hinterm Deich, die Töchter gehen in die Inselschule, und das Wartezimmer im einst so heftig kritisierten Kurhaus ist immer voll. Die Geschichte gegen die Fremdheit hat ein gutes Ende gefunden. Die Einheimischen nennen ihren Arzt heute liebevoll “Schokodoktor“. Sie gehen gern in seine Praxis und würden ihn am liebsten mal zum Schützenkönig machen. Doch das geht den Okot Opiros dann doch zu weit.
„Wir wollen den Juistern tüchtige Ärzte sein, wir wollen akzeptiert werden und uns hier auf dieser wunderschönen Insel mit seinem gesunden Klima zuhause fühlen dürfen, mehr wollen wir nicht.“
Und sie fühlen sich wohl. Vorurteile Ade!
4 Wir sitzen am Stammtisch. Wir sprechen über Gott und die Welt und kommen nach der erneuten Niederlage von Werder Bremen irgendwann zu Autos. Es geht darum, dass man im Alter von den rassigen Modellen zu den vernünftigen Autos wechseln solle, in die man bequem ein- und aussteigen kann. Alle finden das richtig, nur Hannes nicht. Hannes ist ein beliebter Friseur in unserer Stadt und verteidigt seinen angeblichen Status. „Ich fahre seit Jahren BMW-Limousinen der Oberklasse, und dabei bleibt es. Ich spüre zwar, dass mir das Aussteigen am Berg manchmal schwer fällt, aber meine Frau Gaby achtet auf unseren guten Ruf, und dazu gehört auch die Marke des Autos.“
„Ich habe mir einen TIGUAN gekauft“, mischt sich Heinz-Werner in das Gespräch, „das ist nach meinen vielen Mercedes- und BMW-Modellen das beste Auto, das ich je gehabt habe. Das Ein- und Aussteigen fällt mir leicht, der Kofferraum ist groß, unsere Golfbags passen rein, und 200 Sachen läuft der auch. Kauf dir so einen, der ist nicht so teuer!“
„Das mag ja alles richtig sein, aber der Tiguan ist ein VW“, antwortet Hannes, „und in einen VW kriege ich meine Gaby nicht! Sie will nicht mit einem Auto unter unserem Niveau fahren.“
5 Stolz hält Renate das Steuer in der Hand. Rechts und links säumen Platanen die Seiten des Kanals. Es riecht nach Lavendel. Sie kann kaum glauben, dass sie diese Reise macht. Mit einem Hausboot durch das Elsass. So wie sie es sich vor 25 Jahren gewünscht hatte, so wie sie es zusammen mit ihrem Mann Rüdiger vor 25 Jahren geplant hatte. An ihrem 25-jährigen Hochzeitstag auf einem Boot durch die Kanäle im Elsass zu fahren, das hatten sie gewollt.
