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Die Leiche von Ex-Model Karen Justice wird im Harlem River gefunden — offenbar hatte die erfolgreiche Immobilienmaklerin zumindest einen ernstzunehmenden Feind. Am Tag der Beerdigung wird Detective Joe Cullen unfreiwillig Zeuge, wie der frischgebackene Witwer Tony sich sehr körperbetont mit der ebenfalls anwesenden Star-Fotografin Diana tröstet. Hat das etwas zu bedeuten? Das Thema »sexuelle Obsessionen« beherrscht auch Teile der sogenannten besseren Gesellschaft — im privaten wie äußerst exklusiven Club Frères werden extreme Sexualpraktiken ausgelotet. Und das findet nicht jede(r) gut …
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Seitenzahl: 502
Veröffentlichungsjahr: 2015
Impressum
Widmung
Epigraph
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Über Jerome Oster
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1. eBook–Auflage 2015
Titel der amerikanischen Originalausgabe »Violent Love«, erschienen 1991 bei Bantam Books, New York Copyright © 1991, 2015 by Jerome Oster Unter dem Titel »Violent Love« zuerst auf Deutsch erschienen 1992 im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg Copyright © 1992, 2015 der deutschen Übersetzung by Jürgen Bürger
Überarbeitete und neu lektorierte deutsche Ausgabe Redaktion Stefan Linster Copyright © dieser Ausgabe 2015 bei spraybooks Verlag Bielfeldt und Bürger GbR, August 2015 2015 8 7 6 5 4 3 2 1
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
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spraybooks Verlag Bielfeldt und Bürger GbR Remigiusstr. 20 50999 Kölnwww.spraybooks.com
ISBN: 978–3–945684–13–9
Für Susan Rice
Ich erhielt Unterstützung verschiedener Art. Meinen aufrichtigen Dank an Diane Cleaver, Lauren Field, Trisha Lester, Kate Miciak, Lily Stein Oster.
»Alle bereit.«
Der Harlem River, geglättet durch den Konflikt von Gezeiten und Strömung. Drei schmale Rennruderboote lauerten wie Wassersprinter.
»Bereit.«
Es wurde Frühling, und hier und da entlang der Ufer waren noch Überbleibsel des Winters zu sehen, schmutzige Flecken von altem Schnee; doch die Ruderer hatten sich für ihre Aufgabe aufgewärmt, die Sweatshirts ausgezogen und sicher verstaut. Die Uni–Mannschaft trug, was ihr Privileg war, betting shirts – T–Shirts, die sie bei früheren Regatten von gegnerischen Mannschaften gewonnen hatten: das Purpurrot von Harvard, Blau von Yale, Penn und MIT und Cornell. Die zweite und dritte Mannschaft trug Lumpen.
»Rudert!«
Die Ruderboote ächzten. Eine Möwe, aufgeschreckt durch das Aufblitzen der Ruder, flog höher und höher. Die Steuerleute klopften mit den hölzernen Handgriffen der Steuerleinen den Rhythmus, riefen die Wechsel aus. Der Steuermann des Tri–Var war eine Frau, und ihre Sopranstimme hallte von Ufer zu Ufer, Manhattan auf der Steuerbordseite, Randall’s Island backbord. Sie waren weit von zu Hause fort, dem Bootshaus in Spuyten Duyvil; es war Frühlingsanfang, zweimal täglich Training, und der Coach machte Dampf.
Drei Meter siebzig lange Eschenholz–Ruder, die Blätter hellblau und weiß, gruben sich ins Wasser. Acht schlanke Schlagmänner, selbst so lang und geschmeidig wie Ruder, streckten die Beine, drückten sich gegen die Stemmbretter ab – metallene Bügel, in denen ihre Füße von Lederriemen gehalten wurden –, glitten auf Schienen befestigten Rollsitzen zum Bug. Auf halbem Weg zurück krümmten sie die Rücken und versuchten die Ruderholme an ihre Bäuche zu heranzuziehen. Und schließlich, wenn sie sich über die Senkrechte nach hinten beugten, konnten die Schlagmänner nicht weiterziehen; mit einer schnellen Drehung der Handgelenke nach unten befreiten sie dann die Blätter aus dem Griff des Flusses. Dort, wo die Blätter sich eingruben, entstanden winzige Wirbel.
Die Handgelenke immer noch gedreht, so dass die Ruderblätter parallel zur Wasseroberfläche standen, rutschten die Schlagmänner auf ihren Sitzen nach achtern, klappten zusammen, bis ihre Knie fast das Kinn berührten, führten die Ruderholme über die Dollborde, drehten die Handgelenke wieder nach vorn, brachten die Blätter für den nächsten Zug in Position.
Schwingen nennen sie das. Gemeinsam schwingen. Ein Moment, der nicht jeden Tag erreicht wird (und den manche Mannschaften niemals erreichen), ein Augenblick vollkommener Harmonie, Einheit und Symmetrie. Jeder Zug ist sauber, jeder Schlag weit und glatt, jedes Ausheben präzise, jedes Einholen gelassen, so dass die nach achtern verlaufende Bewegung der Sitze auf ihren Rollschienen nicht im Widerspruch zur Vorwärtsbewegung des Bootes steht. Gemeinsam schwingen, ohne ein Stocken, ohne den Rollsitz zu schnell zu bewegen, ohne die Ruder zu verwinkeln, ohne vom Kurs abzukommen. Bei einem Ruderboot greift alles exakt ineinander: Alle Köpfe befinden sich in einer Reihe, alle Hände greifen über die Dollborde hinaus, ohne das Gewicht der Körper folgen zu lassen, was zum Kentern des Bootes führen würde, das keinen Kiel besitzt. Gemeinsam schwingend, gemeinsam schlagend, verschmelzen die acht zu einem und der eine mit dem Boot. Wenn man so dicht am Wasser sitzt, bekommt man das Gefühl unwahrscheinlicher Geschwindigkeit; die Möglichkeit des Fliegens scheint zum Greifen nah.
Jetzt, beinahe an der Spitze von Randall’s, nahe am Hell Gate, wo der Harlem in den East mündet, schwingen alle drei Boote. Das erste in Führung, dann das zweite, dann das dritte, dann wieder das erste, eine halbe Länge, vielleicht, vorauseilend, nie mehr. Der Traum eines jeden Coach, drei Boote, die um die Spitzenposition kämpfen, und der Coach, in der Barkasse dahinter, beugte sich über die Windschutzscheibe hinaus und brüllte überglücklich in sein Megaphon.
Dann stockte er, drosch melodramatisch auf die Luft ein und knallte das Megaphon aufs Kontrollpult der Barkasse, denn der Bugmann der Uni–Mannschaft hatte »einen Krebs gefangen«, hatte sein Ruder zu tief ins Wasser gebracht und konnte es jetzt nicht mehr herausziehen, bekam den Ruderholm gegen die Brust. Folge: Das Boot stand bewegungslos im Wasser.
»Scheiße. Scheiße, Scheiße, Scheiße.« Der Coach brüllte den anderen beiden Booten nach, langsam ausgleiten zu lassen, dann gab er dem Steuermann ein Zeichen, die Barkasse zum ersten Boot zu bringen, damit er eine kleine Standpauke halten konnte. Es überraschte ihn, als er sah, dass die anderen Schlagmänner sich umgedreht hatten und jetzt spöttisch auf den ungeschickten Bugmann zeigten. Er hoffte nur, dass er sich hier keine Mannschaft von Petzen heranzüchtete.
Nein, sie zeigten auf etwas im Wasser. Also hatte der Bugmann vielleicht doch keinen Mist gebaut, und es wäre auch nicht das erste Mal gewesen, dass irgendwas aus dem Harlem hochgekommen wäre und sich an einem Ruder verfangen hätte: Matratzen, Kisten, Telefonmasten, Herde und Kühlschränke, Kloschüsseln, Stühle, Sofas, Betten, Fahrräder, Motorräder, Autos und Lastwagen – das Strandgut eines Flusses in der Stadt.
Etwas Weißes.
Etwas Glattes und Weißes.
Eine Schaufensterpuppe. Oder eine dieser Schneiderpuppen, nur ein Torso. (Der Coach hatte es noch nie jemandem erzählt, aber als kleiner Junge hatte er sich in das Nähzimmer im ersten Stock des Hauses seiner Großmutter geschlichen und, na ja, hatte ein bisschen herumexperimentiert an der Puppe, die in der Ecke am Fenster stand. Nichts Abartiges – nur, du weißt schon, ein bisschen rumgefummelt eben.) Oh, Himmel, was jetzt?
Der Bugmann und zwei andere hingen über den Dollborden und kotzten in den Fluss. Waschlappen. Nimm sie nur ein bisschen härter ran, und schon spucken sie ihr Mittagessen aus.
… Oh, Jesus, nein.
Das ist keine Schaufensterpuppe, das ist eine …
Oh, Jesus, es ist eine Frau.
Er konnte nicht anders. Als er feststellte, dass es eine Frau war, wurde ihm schlecht.
Mit Brüsten, mit Schamhaaren.
Aber ohne Hände. Ohne Füße. Ohne Kopf.
Val Fox legte die Hände auf einen imaginären zusammengerollten Sonnenschirm, während sie wie im Damensattel auf der äußersten Kante eines metallenen Klappstuhls saß. Sie war eine Spur zu mollig, um in dieser Haltung sicher sitzen zu können, aber in ihrer Phantasie war sie dünn wie Rauch.
»Ich will nur hoffen, uns steht keine extreme Kältewelle ins Haus.« Tenny Cullen las Vals Einsatz ohne sonderliche Begeisterung. Val war Tennys beste Freundin, aber Val wollte nichts anderes mehr als immer nur proben; sie wollte nie irgendwas anderes machen; sie entwickelte sich allmählich zu einer ausgemachten Proben–Nervensäge. »Dann grassiert wieder die Grippe, und unsere Familie ist anfällig dafür.«
Val reckte geziert das Kinn. »Meine Tante ist an Grippe gestorben. Wird erzählt. Ich bin allerdings fest davon überzeugt, dass sie die alte Dame kaltgemacht haben.« Auch nicht annähernd so schlank, okay, aber todsicher klang sie wie Audrey Hepburn. »Tenny!«, sagte Val, als Tenny nicht mehr soufflierte. »Freddys Mutter sagt jetzt: Sie kaltgemacht?«
Tenny ließ sich zurückfallen. »Wenn du sowieso alles weißt, Val, wozu brauchst du mich dann noch?«
»Um ein Gefühl für die Situation zu kriegen, Dummkopf – sorry, du bist natürlich kein Dummkopf. Du bist mir wirklich eine sehr große Hilfe – um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie’s auf der Bühne sein wird. Für das Timing.«
»Könnten wir uns nicht ne Pizza holen? Und später weitermachen?«
»Tenny. Du hast’s versprochen!«
Ohne die geringste Neugier las Tenny weiter: »Sie kaltgemacht?«
Mit singendem Tonfall: »Ja, mein Gott. Warum sollte sie ausgerechnet an Grippe sterben, wo sie doch erst im Jahr zuvor eine Diphtherie überstanden hat? Und es hatte sie richtig erwischt. Sie war schon ganz blau. Alle dachten damals, sie wäre tot. Aber mein Vater, der hat ihr seelenruhig immer weiter Gin eingeflößt. Dann ist sie so abrupt wieder zu Bewusstsein gekommen, dass sie die Löffelschale abgebissen hat. Also, aus welchem Grund sollte eine Frau an Grippe sterben, die noch so kräftig ist, und was ist überhaupt mit ihrem neuen Strohhut, den ich hätte bekommen sollen? Jemand hat ihn geklaut, und was ich damit sagen will ist, die haben ihn geklaut, die haben sie kaltgemacht.« Val stampfte mit einem Fuß auf. »Tenny!«
»Äh, kaltgemacht? Kaltgemacht, hast du gesagt? Was soll das heißen?«
»Ich spiele jetzt Professor Higgins«, sagte Val. »So sagt man heute. Jemanden kaltmachen bedeutet ihn umbringen. So, und du spielst jetzt Freddys Mutter.«
»Aber du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass deine Tante umgebracht worden ist.«
Val richtete sich auf. »Glaub ich nicht? Die, bei denen sie gewohnt hat …«
Während sich die Pause in die Länge zog, machte sich ein breites Grinsen auf Tennys Gesicht breit und dann las sie laut aus ihrem Manuskript: »Die, bei denen sie gewohnt hat, müssen sie umgebracht haben …«
Val rutschte auf ihrem Stuhl nach hinten, setzte sich normal hin und saß da wie die pummelige Vierzehnjährige, als die sie geboren war und sterben würde, die Zehen ihrer LA Gears hinter die Querstange geklemmt, die Hände unter den Oberschenkeln.
Mit Fistelstimme wiederholte Tenny: »Glaub ich nicht? Die, bei denen sie gewohnt hat, müssen sie umgebracht haben … Val? … Val!«
Vals Blick klebte an Tony Justice, der den Mittelgang zur Bühne herunterkam. Als sie das Gesicht im Fenster der Tür am hinteren Ende des Zuschauerraums gesehen hatte, war sie an die Vignetten auf den Randspalten des Wörterbuchs erinnert worden, das sie zum zehnten Geburtstag von Stephen Fox, ihrem Vater, ihrem richtigen Vater geschenkt bekommen hatte – ihr letzter Geburtstag seines Lebens. Es war nicht ihr erstes Wörterbuch gewesen, aber ihr erstes Erwachsenen–Wörterbuch; es gab Einträge für ficken und Möse und Schwanz. Vals Lieblingsvignette war die Zeichnung Marilyn Monroes, die den Eintrag für Dekolleté illustrierte. Am wenigstens gefiel ihr die Detailskizze des Maules von einem Neunauge. Sie würde nie so schlank sein wie Audrey Hepburn (oder so dünn wie ein Neunauge), aber sie hatte echte Chancen, Brüste wie Marilyn Monroe zu bekommen. In einer zukünftigen Ausgabe des Wörterbuches mochte es eine Skizze von Val Fox sein, die den Begriff Dekolleté illustrierte. Würde in einer zukünftigen Ausgabe des Wörterbuches eine Vignette von Tony Justice den Eintrag Der Letzte Große Journalist illustrieren, wie Newsweek oder eines dieser Magazine ihn erst vor ein paar Monaten in einer Ausgabe tituliert hatte, auf deren Cover er abgebildet war? Auf dem Cover – als wäre er Madonna oder so.
Tenny versuchte es wieder und kam dabei ziemlich nahe an Vals Imitation des echten Vorbildes heran: »Glaub ich nicht? Die, bei denen sie gewohnt hat …«
»Tenny?«, sagte Tony Justice.
Tenny fuhr zusammen und hätte fast das Manuskript fallen lassen. »Oh, äh, hi, Mister Justice.«
»Hi, Tenny.«
»Hab Sie gar nicht reinkommen hören.«
»Würdest du uns bitte eine Minute entschuldigen, Tenny? Ich muss kurz mit Val unter vier Augen sprechen.«
»Ja, klar. Also, okay.«
»Danke, Tenny. Sehr lieb von dir.«
»Öh, Val, ich bin im, du weißt schon, im Arbeitsraum, falls du mich brauchst, okay?«
Val nickte.
Endlich befreit, polterte Tenny die Bühnentreppe hinunter, lief den Mittelgang hinauf und weiter hinaus durch die Tür.
Tony Justice, der Letzte Große Journalist (und nicht zu vergessen Bestsellerautor – Belletristik und Sachbuch – Stammgast in Talkshows, Drei–Stunden–Marathonläufer, Feinschmecker–Koch, Jazzpianist, Ehemann und Stiefvater. Was konnte er nicht? Soweit Val wusste, konnte er ein Flugzeug nicht fliegen und auch keinen Hirntumor entfernen), legte eine Hand auf den Rand der Bühne und sprang mit einer lässigen Bewegung hinauf. Er breitete die Arme aus und lud Val damit ein aufzustehen. Als sie das nicht tat, lächelte er verlegen, es war das Lächeln eines Mannes, der vorübergehende Unbeweglichkeit ertragen kann, da er weiß (abgesehen von allem anderen sah er auch noch besser aus als Kevin Costner und war stets gut gekleidet), dass er auf lange Sicht unwiderstehlich ist. »He, komm schon, nimm mich in den Arm, hm?«
Val stand auf und ließ sich umarmen. Dabei berührte sie ihn weder mit den Händen noch übte sie mit den Armen auch nur den geringsten Druck aus. Trotzdem drückte er sie noch einmal fest, bevor er einen Schritt zurücktrat. »Val …«
Die, bei denen sie gewohnt hat … »Was?«
»Es tut mir schrecklich leid, Val.«
»Was?«
Ein winziges Anzeichen von Ungeduld flackerte in einem Augenwinkel auf, war dann aber wieder verschwunden. »Du weißt, warum ich hier bin, Val.«
Die, bei denen sie gewohnt hat, hätten sie schon wegen einer Hutnadel umgebracht … »Ja.«
Seine Unterlippe zuckte, und jetzt stand eine Träne in seinem Auge.
Er wollte sie zwingen, dass sie es sagte, der Mistkerl. Val riss ihre Hände los. »Sie haben Momma gefunden!«
»Tut mir leid, Val.«
»Tot.«
Tony Justice nickte.
Die, bei denen sie gelebt hat, hätten sie schon wegen einer Hutnadel umgebracht, ganz zu schweigen von einem Hut.
Einige Zeit später am gleichen Abend, ein Stück südlich der Wall Street und dreißig Stockwerke höher, in einem Club, von dem man noch nie etwas gehört hat, weil er keinen Namen besitzt. Die Mitglieder nannten sich untereinander, selbst wenn sie sich kannten, nur Frère, das französische Wort für Bruder, das auch Klubkamerad und Kampfgefährte bedeutet.
Ledersessel, burgunderrote Teppiche, goldgerahmte, entfernt impressionistische Gemälde, Brandy, Zigarren, ein Börsenticker, Männer in Nadelstreifenanzügen, schneeweißen Hemden, dezenten Seidenkrawatten, polierten Schuhen, deren Absätze niemals Zeichen von Abnutzung zeigen – man kann sich schon vorstellen, was für eine Umgebung dies ist.
Wie Leuchtkäfer blitzte Understatement–Schmuck im Halbdunkel auf – Manschettenknöpfe, ein Ehering, eine Krawattennadel, eine Armbanduhr, eine Taschenuhr, eine Handschelle, der Messingreißverschluss einer Ledermaske, der Hosenbeutel aus Kettenhemdmaterial einer ledernen Reithose, der Penisring eines nackten Mannes auf dem Schoß eines anderen Mannes, der sein Vater hätte sein können.
Drei Kammermusiker sägten sotto voce in einer Ecke. Hier perlte ein Lachen auf, dort ein Ausruf; jemand rief eine Begrüßung – »Frère! Frère!«, bis der fragliche Frère in dessen Richtung schaute. Doch im Wesentlichen herrschte das geraunte Murmeln vertraulicher Konversationen, die süßen Nichtigkeiten von Pärchen, die selbstvergessen allein mit sich beschäftigt waren.
Ein Mann betrat den Raum, ein großer, gepflegter Mann mit einem Schnäuzer, der mit seinem Erscheinen die Zahl der anwesenden großen gepflegten Männer mit Schnäuzer auf fünfzig oder hundert oder hundertfünfzig brachte. Nachdem er betont unauffällig festgestellt hatte, dass der, den er suchte, nicht anwesend war, schlenderte der große gepflegte Mann durch den Raum, nickte hier jemandem zu, hob dort grüßend einen Finger und ging dann durch eine schwere ledergepolsterte Tür, die ihm von einem Pagen aufgehalten wurde, der wie Mozart zurechtgemacht war.
Er befand sich jetzt im Allerheiligsten, einem quadratischen Amphitheater mit breiten gepolsterten Rängen. Er trat an die Wand zurück, während sich seine Augen auf die beinahe völlige Dunkelheit einstellten – und damit sein Erscheinen das psychische Gleichgewicht des Raumes nicht störte.
Es gab keine Musik und keine Unterhaltung, obwohl eine größere Zahl Männer, einige paarweise, andere allein, manche liegend, andere sitzend, auf den Rängen verteilt waren. Ihre Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf eine Krankenhausbahre im Zentrum der Arena. Bäuchlings auf dem weißen Seidenlaken, das die Matratze der Bahre bedeckte, den Kopf in den Nacken gelegt, das Kinn gereckt, mit den Händen die Seiten der Matratze umklammernd, die Arme angespannt, die Hüften angehoben, die Beine weit gespreizt, lag ein kleiner, muskulöser schwarzer Mann mit kurzen, geölten Dreadlocks. Er trug nichts außer einem Kupferarmband am linken Handgelenk und einem geflochtenen Fußring am rechten Bein.
Neben der Bahre, den linken Arm auf die Matratze gestützt, die Beine gebeugt, die Muskeln seines massigen Nackens und gewaltigen Kreuzes verkrampft vor Anspannung, tastete ein großer Mann, eins fünfundneunzig oder größer, mit sehr sehr weißer Haut und platinblonden Haaren tiefer in den kleinen schwarzen Mann. Sein rechter Arm war bereits bis über den Ellbogen im After des schwarzen Mannes verschwunden.
Der große gepflegte Mann mit dem Schnäuzer atmete durch die Nase ein und aus, voller Mitgefühl für die Anstrengung und den Schmerz, ging dann eine der vier schmalen Treppen an jeder Ecke des Amphitheaters hinunter, bis er die zweite Reihe über der Arena erreichte. Der große gepflegte Mann setzte seinen Weg weiter den Gang hinunter fort, vorbei an einem ineinander verschlungenen Pärchen, das sich langsam gegenseitig einen runterholte, und setzte sich neben einen weiteren großen gepflegten und glattrasierten Mann, der ganz allein saß, an einem Getränk mit Eiswürfeln in einem Tumbler nippte, eine lange Zigarre rauchte, die Beobachteten beobachtete, gleichzeitig aber auch die Beobachter beobachtete.
»Du hast doch auf dem College gerudert, oder?«, sagte der große gepflegte Mann mit dem Schnäuzer.
Der andere Mann legte den Kopf zur Seite. »Sorry?«
»In einer Mannschaft.«
»Ah. Ja. Ich habe dich nicht direkt verstanden. Ich dachte, du hättest mich gefragt, ob ich etwas Pikantes gemacht hätte.«
Der große gepflegte Mann mit dem Schnäuzer lächelte. »Das würde ich doch nicht erst fragen müssen.«
Der andere Mann erwiderte das Lächeln. »Ja, ich habe gerudert. Vier Jahre als Collegestudent, und dann während des Studiums auf der Business School zwei weitere Jahre in einem Verein. Warum fragst du?«
»Weil du Folgendes dann noch mehr zu würdigen wissen wirst. Karen Justice …«
Und genau in diesem Augenblick schrie der schwarze Mann auf, und der große gepflegte Mann mit dem Schnäuzer beugte sich dichter zu seinem Gesprächspartner, um die Nachricht zu übermitteln.
»Ich muss gleich kotzen.«
»Denk an was anderes. An irgendwas anderes.«
»An Baseball?«
»Egal.«
Ann Jones holte tief Luft, hielt die Luft an, atmete wieder aus. »Ich kann nur denken: In diesem Sarg liegt das, was von Karen übrig ist.«
Joe Cullen schob einen Arm durch Anns Armbeuge und drückte sie, was höchstwahrscheinlich im Augenblick nicht das Richtige war, denn damit lenkte er ihre Aufmerksamkeit auf Arme. »Zähl die Berühmtheiten.«
Als Karen Halley Fox Justice (was von ihr übrig war, und Ann war mit Sicherheit nicht die Einzige, die das dachte) in diesem Sarg in ein Familiengrab – abgemessen von ihren Walfisch fangenden Vorfahren – in Sag Harbor herabgelassen worden war, hatten Ann und Cullen jeder eine ganze Menge gezählt. Tony Justice war immerhin der Letzte Große Journalist, und Karen, nun ja … »die Cher der Luxusimmobilien Manhattans«, wie das City Magazine Karen einmal genannt hatte – eine Anspielung sowohl auf ihre berühmte Schönheit (bevor sie den Laufsteg und das Scheinwerferlicht satt wurde, war sie ein allgegenwärtiges Model gewesen) als auch auf ihre unbescheidene Selbstvermarktung.
Die oberen Zehntausend aus Wirtschaft, Politik, Wohltätigkeitsorganisationen, Kultur und Verlagswesen waren vertreten. Abgesandte der Seventh und Madison Avenues hatten den langen Weg raus ins East End unternommen, ebenso Leute aus dem Great White Way und der Tin Pan Alley. (Karens erster Mann, der verstorbene Stephen Fox – selbst, unheimlich genug, Mordopfer –, war Produzent von Broadway–Musicals gewesen, und der unermüdliche Tony Justice hatte mehrere Bücher über populäre Musik und ihre Musiker verfasst.)
Zum engeren Freundeskreis zählten ein Diplomat, ein Opernsänger, ein Rockstar, ein Grand–Prix–Fahrer, ein Weltklasse–Tennisspieler, ein zurückgezogen lebender Romancier, ein Nachtclub–Komiker. Haute Couture–Mannequins ganz in Schwarz, Schwarz, Schwarz tänzelten hier und da wie trauernde Flamingos. Der Nachmittag war kühl, denn der Winter hatte sich noch einmal zurückgeschlichen, um ebenfalls seine letzte Ehre zu erweisen, aber die überall wimmelnden Reporter und Fotografen waren so sehr damit beschäftigt, Buch über all die Berühmtheiten zu führen, dass Schweißperlen von ihnen flogen wie von den Fellen herumtollender pitschnasser Hunde.
Ann und Cullen zählten ebenfalls die vielen vielen Feinde des Witwers und bemerkten die Ironie, dass Tony Justice offenbar einen solchen Einfluss besaß, dass selbst diejenigen sich verpflichtet fühlten, in der Öffentlichkeit den Tod von Justice’ Ehefrau zu betrauern, deren leise vor sich hin simmernde Unregelmäßigkeiten in ihren Geschäften oder ihren Zuständigkeitsbereichen von Justice aufgedeckt worden waren. »Viele von denen hassen Tony. Was meinst du, einer vielleicht genug, um Karen umzubringen?«
Ann Jones war Reporterin, Joe Cullen ein Cop: Spekulationen darüber, wer wen umgebracht hatte, gehörten zu ihrer zweiten Natur. Obwohl Reporterin – sie hatte ja so ein City–Porträt geschrieben –, war Ann als Privatperson da: Sie und Karen hatten sich direkt bei ihrer ersten Begegnung sympathisch genug gefunden und waren seitdem zwei– oder dreimal im Jahr zusammen essen gegangen. Cullen, obwohl Cop, war als moralische Unterstützung mitgekommen: Er war Anns Freund (ein Wort, das keiner von beiden benutzte, wenn es sich irgend vermeiden ließ, denn es lenkte die Aufmerksamkeit mehr auf ihre Unterschiede – er war achtundvierzig, geschieden und hatte Kinder im Teenager–Alter, sie war vierunddreißig, noch nie verheiratet und wollte ein Baby – als auf ihre Gemeinsamkeiten).
Ein Mann, der mehr an einen Mogul als an einen Geistlichen erinnerte, trat vor ein Mikrophon und begann mit der Würdigung der Verstorbenen.
»Wer ist das?«, fragte Ann.
Cullen zuckte mit den Achseln.
»Sieht aus wie Ray Brand. Hast du gelesen, dass er gestorben ist?«
»Hab’s im Radio gehört.«
»AIDS.«
Cullen nickte.
»Rock Hudson, Ray Brand. Alle Filmstars, in die ich als kleines Mädchen verknallt war, stellen sich als schwul heraus. Kannst du dir vorstellen, was das für mich emotional bedeutet?«
Was auch immer der Trauerredner sagte, der Wind zensierte es, bevor die Worte bis zu den letzten Reihen der Trauergemeinde vorgedrungen waren. »Könnten wir nicht ein bisschen näher rangehen?«, fragte Ann. »Wir sind wie zwei Dramatiker, die am Premierenabend hinter dem Orchester stehen. Oscar und Hammerstein.«
»Ich beobachte gern, wie die Leute reagieren«, erwiderte Cullen. »Das ist Training.«
»Du hast den Fall doch gar nicht bekommen.«
Nein, aber ein unnatürlicher Todesfall konnte Cullen als Cop nicht uninteressiert lassen. Zuletzt war die Verstorbene gesehen worden, als sie nach einem langen Arbeitstag in ihrem Büro an der Madison Avenue in ein Taxi stieg – eine vitale Frau mit einer Aktenmappe in der einen und einem Squashschläger in der anderen Hand. Und das nächste Mal sechs Monate später, in einem stinkenden Fluss treibend, praktisch nur noch ein Torso, mit einem Seil an einen Sandsack gebunden (der aufgeplatzt war, wodurch der Körper überhaupt erst an die Oberfläche auftauchen konnte). Dies alles warf für ihn wie für Ann nicht nur die Frage auf, wer es getan hatte, sondern auch in welcher blinden Wut.
Nach einer Weile meinte Ann: »Was, wenn das dort in diesem Sarg nicht Karen ist?«
»Die Röntgenaufnahme, die charakteristischen Kennzeichen.« Cullen meinte damit die auf allen Titelseiten veröffentlichte Röntgenaufnahme, auf der deutlich der verheilte Bruch am rechten Schienbein der Leiche zu sehen war, ein Bruch, der exakt zur Röntgenaufnahme des rechten Schienbeines aus den Unterlagen eines Orthopäden passte, das Karen Justice sich einmal beim Skilaufen gebrochen hatte; und er meinte die Narbe nach einem Kaiserschnitt, die drei Muttermale auf dem linken Schulterblatt, die polymastische – überzählige – Brustwarze auf der linken Brust – man musste kein Gerichtsmediziner sein, um zu wissen, dass all dies ganz klar signalisierte: Die Leiche war Karen Justice, Karen Justice war die Leiche.
»Kopflose Torsi«, fuhr Ann ungerührt fort. »Ich bin mal auf der ersten Seite eines Krimis einem begegnet, und ich habe gesagt: Auf so eine Scheiße kann ich gut verzichten. Wahrscheinlich will ich’s gar nicht wirklich wissen, aber … wie genau macht man so was? Und womit?«
»Pssst.«
»Ich werde nichts drüber schreiben.« Es war sowohl in ihren als auch seinen Kreisen allgemein bekannt, dass Ann und Cullen ein Paar waren, und daher war es auch kein Geheimnis, woher sie Insiderinformationen hatte, die in ihren Artikeln auftauchten, was wiederum der Grund war, warum er häufig über berufliche Dinge nicht mit ihr sprechen wollte.
»Was auch immer.«
Ann schaute unter der Krempe ihres schwarzen Gaucho–Hutes zu ihm auf. »Was auch immer ist die faule Ausrede eines Schurken. In Dallas sagt dieser Typ zu J. R.: Sie wollen doch keine Toten, Mister Ewing, oder? und J. R. antwortet: Was auch immer.«
Cullen beschäftigte sich mit dem intensiven Studium einer Baumrinde und fragte sich, was für ein Baum das wohl war. Ann wusste es wahrscheinlich: Sie war in einem Vorort aufgewachsen und auf einem College mit einem richtigen Campus gewesen. Er war ein typisches Großstadtkind, für das ein Bürgersteig, eine Straße, die Erde, das Gras – für den das alles einfach nur der Boden war, für den ein Baum ein Baum war.
Wieder Ann: »Habt ihr – also ihr, die Cops, meine ich – eigentlich den Taxifahrer gefunden, der Karen abgeholt hat?«
Auch das hatte in der Presse gestanden. »Bei sämtlichen Taxiunternehmern wurden Fotos herumgereicht. Eine Menge Fahrer haben sich erinnert, sie das eine oder andere Mal abgeholt zu haben, aber keiner in der fraglichen Nacht.«
»Wenn eine Göttin wie Karen Justice in mein Cab steigt, würde ich mich todsicher daran erinnern.«
»Haben ja auch viele. Nur eben keiner in der fraglichen Nacht.«
Eine Frau in einem schwarzen Chanel–Kostüm und mit einer gewaltigen Frisur, hennagefärbt und wild zerzaust, drehte sich zu ihnen um. Um ihrem böse funkelnden Blick zu entgehen, schaute Cullen zu Diana Romano hinüber, die wiederum ihn ansah. Trauer stand ihr gut: schlank, dunkelhäutig mit dunklen dunklen Haaren, eine Frisur wie Elvis, Schmalztolle und Entenarsch (was der letzte Schrei war, den Diana Romano selbst kreiert hatte – laut Ann, deren Job es verlangte, dass sie bei solchen Dingen stets auf dem Laufenden blieb). Und sie trug Pumps im Schottenmuster. »Bruno Magli«, hatte Ann nur geantwortet, als Cullen sie darauf aufmerksam machte, genau wie sie auch Platane oder was auch immer sagen würde, wenn er jetzt auf den entsprechenden Baum zeigte.
Cullen fühlte sich von Diana Romanos Augen … gefangen. Sie war Fotografin, im Augenblick die Fotografin – Herb Ritts, Annie Leibowitz, Bruce Weber, blast ruhig Trübsal –, erst kürzlich war sie für ihre Fotos zu einer Artikelserie im Bulletin über vietnamesische Straßengangs in Chinatown mit einem renommierten Preis ausgezeichnet worden, Fotos, von denen es im Titel hieß, sie würden »den Text nicht nur illustrieren, sondern vielmehr erhellen« – jenen Text von Tony Justice, an dessen Seite sie jetzt stand, ein Freund, der sie in dieser schweren Stunde brauchte, ein Kollege in Not.
Vielleicht, um sich loszureißen – denn er kannte sie ja kaum – nickte Cullen ihr einmal kurz zu, ein Nicken, das sagte – was? – nur Mut? Und Diana Romano erwiderte dieses Nicken: ein perfektes Zwiegespräch.
Ein mindestens genau so perfektes, vielleicht sogar noch perfekteres fand statt, als Tony Justice sich wieder aufrichtete, nachdem er eine Rose auf den Sarg gelegt hatte, in dem sich alles befand, was von seiner Frau noch übrig war. Bis zu diesem Augenblick war er wie versteinert gewesen, aber jetzt schaute er sich um, als wüsste er nicht, wo er war, wüsste nicht, wer all diese Menschen waren; er sah aus, als würde er jeden Augenblick davonlaufen. Diana Romano bemerkte diesen Ausdruck und war in Windeseile an seiner Seite; sie nahm ihn tröstend in die Arme und nickte, als wollte sie sagen, jetzt ist der richtige Augenblick zum Weinen, und sie drückte den Kopf an ihre Schulter, bis die gequälten Schluchzer schließlich abebbten. Selbst diejenigen unter den Trauergästen, die sich gewunden hatten bei den detaillierten Schilderungen ihrer von Tony Justice aufgewühlten Unregelmäßigkeiten, die ihre von Schuld zermarterten Gesichter auf den Titelseiten des Bulletin gesehen hatten, geschossen von Diana Romano, selbst die waren jetzt bewegt.
Auch Val Fox war bewegt, bewegt sich zu fragen: Würden sie? Werden sie? Wie können sie? Wie können sie sich nur, so kurz nach Mommas Tod, auf diese Art und Weise berühren? Sieh nur, ihre Hand auf seinem Arm, auf seinem Rücken, auf seiner Schulter. Sieh nur. Okay, dann war es eben nicht wirklich so kurz nach Mommas Tod, da Momma schon die ganzen sechs Monate tot war, die sie verschwunden gewesen war – das war laut Tony zumindest das, was der Gerichtsmediziner gesagt hätte, wer auch immer das nun wieder war, und woher wusste der so etwas überhaupt? Und wenn er es wirklich wusste, wieso wusste er dann nicht auch, wer sie umgebracht hatte? Und warum? Tony hat gesagt, der Gerichtsmediziner könnte nicht mal mit Sicherheit sagen, dass Momma überhaupt ermordet worden war, als wäre sie vielleicht an einer natürlichen Todesursache gestorben, wie Menschen eben andauernd an Herzinfarkt oder so sterben (Grippe!), genau, und dann kommt eben irgendwer vorbei und hackt ihnen Köpfe und Hände und Füße ab und bindet sie an Sandsäcke und schmeißt sie in den Fluss, richtig? Die, bei denen sie gewohnt hat, hätten sie schon wegen einer Hutnadel umgebracht, ganz zu schweigen von einem Hut – sah der Gerichtsmediziner, sah die ganze weite Welt das denn nicht? Wieso war Val die einzige, die das sah? Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, aus dem sie die einzige war, die sah, dass Tony Justice und Diana Romano so schnell wie möglich heiraten würden.
Also, okay, nicht die einzige. Tenny Cullen sah es auch. Tenny (deren Vater Polizist war, was wahrscheinlich bedeutete, dass sie seine Gene hatte und deshalb gewisse Dinge besser erkennen konnte) hatte noch etwas Anderes gesehen. Sie hatte gesehen, dass es vielleicht abgedreht aussehen könnte, wenn Tony so kurze Zeit später heiratete, nachdem die Leiche von Vals Momma gefunden worden war, aber Val sollte auch nicht vergessen, dass Vals Momma nur wenige Monate nach dem Mord an ihrem Vater wieder geheiratet hatte, und das hatte Val gar nicht abgedreht gefunden, sie hatte es super gefunden. (Vals Vater, Stephen Fox, war von einem Schauspieler ermordet worden, der sauer gewesen war, dass er in einem Stück keine Rolle gekriegt hatte, wo wir gerade davon reden, jemanden nur wegen einer Hutnadel umzubringen.) Val hatte es super gefunden, weil sie froh gewesen war, dass ihre Momma alles wieder einigermaßen in den Griff bekam. Okay, also war es vielleicht wirklich ein bisschen abgedreht, dass der Typ, den ihre Momma heiratete, ausgerechnet Tony Justice war, ein Reporter, der Vals Momma kennengelernt hatte, als er über den Mord an Stephen Fox schrieb. Und es war auch ein bisschen abgedreht, dass Noel Cutler, der Schauspieler, als er schließlich aufgab und sich stellte, er nicht einfach aufgab und sich der Polizei stellte, nein, er gab auf und stellte sich Tony Justice. Trotzdem, war es denn nicht super gewesen, dass Vals Momma ihren Kram so schnell wieder auf die Reihe bekommen hatte?
War’s nicht?
Val sagte, doch, war’s!
Und wär’s nicht ebenfalls super, wenn dein Stiefvater, denn genau das war Tony Justice jetzt, seinen Kram auch so schnell wieder auf die Reihe kriegte?
Na, wär’s nicht?
Val vermutete, ja doch, schon, wär’s wohl.
Cullen las Grabsteine, während Ann sich auf die Suche nach einer Toilette machte, ehe sie nach New York zurückfahren wollten. Tony Justice kam zu ihm herüber, schritt über die Steinplatten, als bewegte er sich auf Eisschollen. Justice folgte ein kleiner, gepflegter Mann, der erheblich größere Schritte machen musste.
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