Wenn es Nacht wird - Jerome Oster - E-Book
SONDERANGEBOT

Wenn es Nacht wird E-Book

Jerome Oster

0,0
6,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 8,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Detective Joe Cullen möchte nichts zu tun haben mit dem übertrieben ausgelassenen Theater der großen und kleinen Partys aus Anlass des St. Patrick’s Day – er nimmt sich frei und macht all die tausend Dinge, für die im Alltag kaum Zeit bleibt: die Wohnung aufräumen, in Ruhe einkaufen, ins (Programm-) Kino gehen und alte französische Filme sehen. Leider kommt alles anders, als er aus dem Café des Kinos Zeuge eines brutalen Mordes auf offener Straße wird. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnt: zeitgleich passiert ein zweiter Mord. Und beides zusammen markiert den Beginn einer Kette von Ereignissen, die vieles ändern werden, auch für Joe Cullen. Genau in diesem Augenblick, genau in diesem beschissenen, gottverdammten Augenblick tauchte die Frühlingssonne hinter einer dicken, fetten Wolke auf, und das Sonnenlicht loderte durch die Balkontür herein, verschlang den Balkon, verwandelte den anderen Mann von einem Menschen in eine Silhouette, ein spinnenartiges Etwas, einen Alien, knochenlos, ektoplasmatisch. Das Licht blendete Cullen für einen Moment, und das wusste der andere. Er drehte wirbelte flog peitschte herum, hatte die Hände vor sich gestreckt, zusammengehalten, zielte richtete griff attackierte schoss ballerte feuerte. Woher die Kanone gekommen war – Cullen hatte nicht den geringsten beschissenen Schimmer. Hatte sie die ganze Zeit über in der Hand des Mannes gelegen oder hatte sie vorn in seinem Gürtel oder hinten in seiner Gesäßtasche gesteckt? Cullen hätte es bemerken müssen. Aber was spielte es schon für eine Rolle, auf lange Sicht gesehen, in einem größeren Rahmen? Der Kerl hatte eine Kanone, er hatte sie von irgendwoher gezogen, er schoss damit, schoss damit auf Cullen, 50 Jahre, nicht einfach nur ein Meilenstein, ein Endpunkt, und das war’s dann, was spielte es schon für eine Rolle? »Der Anfang ist ganz in Osters bewährter Manier gehalten: Riskanter Quereinstieg, unverständliche Gewalttat sehr blutdürstig, sehr brutal, aber nie voyeuristisch. Der Roman ist gekonnt waghalsig aufgebaut und von der ersten Seite an spannend. Alles ist geschmückt mit schier schnörkellosen Ab- und Ausschweifungen, die, obgleich sie sinnlos sind, den Plot ausmachen. Ich habe das Manuskript mit feministischer Faszination und literarischem Wohlwollen gelesen.« So die Autorin und Dramaturgin Uta-Maria Heim, nachdem sie für Rowohlt das amerikanische Manuskript gelesen hatte.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 481

Veröffentlichungsjahr: 2016

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Wenn es Nacht wird

Ein Joe Cullen–Roman #4

Jerome Oster

Übersetzt vonJürgen Bürger

Inhalt

Wenn es Nacht wird

Impressum

1.St. Patrick’s Day I

2.St. Patrick’s Day II

3.Testis unus testis nullus

4.Witwen und Waisen

5.Mary Land, außerhalb von Baltimore

6.Das ist ein Problem

7.Plappermaul

8.Der größte Arsch

9.Guck mal, Madonna!

10.Kirby pass auf

11.Eine Stunde

12.Die einzige Zeugin

13.Mein Viertel

14.Frohes Frühjahr

15.Entführung

16.Das Dilemma

17.Danke

18.Besprechung

19.Wieselpisse

20.When the Night comes

21.Du bist nicht allein

22.Aufsatteln

23.Gonna Make You Sweat

24.Peng!

25.Nichts ändert sich

26.Schrittweise

27.Alles in Ordnung

28.The Glimmering Girl

29.Ich liebe dich

30.Brown Penny

Glossar

Über den Autor

Weitere Bücher von Jerome Oster

Na denn

Diane

Ein Fleck

La Club Hot

Wenn es Nacht wird

Erste eBook–Ausgabe 2016, v1.0

Titel des amerikanischen Originalmanuskripts »When the Night Comes«, 1993.

Copyright © 1993, 2016 by Jerome Oster

Unter dem Titel »Wenn die Nacht kommt« zuerst auf Deutsch erschienen 1994 im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg.

Copyright © 1994, 2016 der deutschen Übersetzung by Jürgen Bürger

Überarbeitete und neu lektorierte deutsche Ausgabe

Redaktion Giacomo Borghese

Copyright © dieser Ausgabe 2016 bei

spraybooks Verlag Bielfeldt und Bürger GbR, Mai 2016

2016 5 4 3 2 1

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

spraybooks Verlag Bielfeldt und Bürger GbR

Remigiusstr. 20, 50999 Köln

www.spraybooks.com

ISBN: 978–3–945684–05-4

1St. Patrick’s Day I

Salome Speed sah James Cobb sterben. Sie sah, wie James das Leben aus dem Leib geschlagen wurde, wie Staub von einem Teppich – mit Füßen, mit Fäusten, durch Schlag um Schlag um Schlag um Schlag mit einem langen, knotigen Knüppel, der von einem Mann in einer Boston Celtics-Jacke und einem albernen Partyhut auf dem Kopf geschwungen wurde.

Sie erinnerte sich: Es war St. Patrick's Day – beziehungsweise der Morgen danach.

Bislang war Salome von vier Männern vergewaltigt worden. Ein fünfter bearbeitete sie gerade, schleifte ihren nackten, blutigen Hintern über den harten, rauen, kalten und nassen Bürgersteig. Sein nach Bier und Erbrochenem und Zigaretten stinkender Atem schlug ihr ins Gesicht. Noch genau so viele oder mehr warteten darauf, dass sie an die Reihe kamen, rülpsten, drängelten, kicherten wie kleine Mädchen. Doch dann jaulte weit weg eine Sirene auf, und noch eine näher, und die Männer zerstreuten sich, hierhin, dahin, dorthin. Nummer Fünf zog sich mit einem Ruck aus Salome zurück, sein Schwanz immer noch hart, feucht glänzend und blutig; er stopfte ihn sich in die Hose und watschelte, wobei er die Hose am Bund hochhielt, wie ein Kasper aus einem Stummfilm zur nächsten Straßenecke, umrundete sie und war verschwunden.

Der Mann in der Celtics-Jacke trat zu Salome und baute sich zwischen ihren Beinen auf, trat gegen ihre Fersen, damit sie die Beine noch weiter spreizte. Die linke Hand steckte in der Jackentasche, und in der rechten hielt er den langen, knotigen Knüppel, ganz klebrig von James' Blut. Der alberne Partyhut saß keck auf seinem Kopf, ein smaragdgrünes Schiff in einem Meer goldener Locken, festgehalten von einer dünnen, silbernen Kordel von der Sorte, mit der man ein Geschenk verschnürt. Sein Gesicht war schmal und weiß, die Zähne krumm und schief, die Augen so fahl, dass sie gelb wirkten im Licht einer der malerischen alten Stablaternen, die nur noch an einigen Straßenecken der Narrows in New York zu finden waren.

Geistesabwesend, und ohne sich den speziellen Problemen dieser Aufgabe zu stellen, versuchte er den langen, knotigen Knüppel in sie hineinzurammen. Als es nicht klappte, schleuderte er den Knüppel fort; er knallte gegen den Laternenmast und polterte in den Rinnstein. Seine Hand kam mit einer bösartig schimmernden schwarzen Kanone aus der Jackentasche. Er richtete sie auf Salomes Gesicht. Er sah ihr direkt in die Augen, sie direkt in seine. Wortlos unterhielten sie sich.

Ich muss es tun, sagte er. Du wirst weder mich noch einen anderen von uns je vergessen.

Nein, stimmte sie zu. Bitte, tu's.

Du willst es?

Bitte … bitte.

Aber sein Verstand arbeitete fieberhaft – er sah die Zukunft. Er konnte Stahlgitter dröhnend zufallen hören, den Elektroschock spüren und das Gas riechen. Er steckte die Kanone weg und lief los, kleine Füße in kleinen, engen Lederstiefeln, braun, fast wie die einer Frau, verängstigt von seiner Vision der Zukunft, von den Sirenen, jetzt mehr und noch näher, und von dem Schrei.

Eine Frauenstimme:

»Die Polizei kommt, Herby! Lass das arme Mädchen in Ruhe! Um Himmels willen, Herby, lass doch das arme Mädchen in Ruhe!«

2St. Patrick’s Day II

Für Joe Cullen war es ein völlig normaler, durchschnittlicher St. Patrick's Day gewesen: Er hatte das eine oder andere in der Wohnung erledigt, war zu einem Treffen der AA gegangen, hatte eine Baseballmütze gekauft, hatte beobachtet, wie ein Schwarzer mit breitem Kreuz einem schmalen Schwarzen mit Goldzahn mitten ins Gesicht geschossen hatte.

Baseballmützen waren schon so lange modern, dass sie fast schon wieder ein alter Hut waren; Mädchen und Frauen, kleine Jungs, erwachsene Jungs, alte Jungs und gute alte Jungs trugen sie drinnen wie draußen, bei Arbeit, Sport und Spiel, zu jeder Jahreszeit. Ein Gletscher, wenn's um Mode ging, kaufte sich Cullen schließlich im Paragon auch eine, die Reproduktion einer Mütze der St. Louis Cardinals aus den vierziger Jahren: marineblauer Kopf, kirschroter Schirm, kirschroter Knopf und die kirschroten, ineinander verschlungenen Buchstaben S, t und L.

»Gute Wahl«, meinte der Verkäufer. »Sind Sie ein Fan der Cardinals?«

Cullen schüttelte den Kopf. »Mir gefallen die Buchstaben.«

»Ich glaube, die Schriftart heißt Baskerville«, sagte der Verkäufer. »Sie sehen aus wie die Initialen eines mittelalterlichen Manuskripts – The Book of Kells zum Beispiel oder das Très Riches Heures de Jean, Duc de Berry.« Mit zurückweichendem Haar und Bierbauch sah er vielleicht ein wenig pastorenhaft aus.

Cullen lachte. »Sportartikel verkaufen ist für Sie nur ein Job?«

»Ich bin Archäologe mit Spezialgebiet Mesopotamien«, erwiderte der Verkäufer.

»Mesopotamien liegt noch mal wo …?«

Der Verkäufer nickte düster. »Im Irak, ja. Es herrscht heute keine besonders große Nachfrage nach Spezialisten für Bewässerungssysteme im Ur der Zeit der Chaldäer. Die Wiege der Zivilisation, und wir haben das Ding gottverdammt geschaukelt, stimmt's nicht? … Und was machen Sie so beruflich?«

»Ich bin, äh, Polizeibeamter. Detective.«

»Mordkommission?«

»Gelegentlich.«

»Zögern Sie immer, bevor Sie sagen, was Sie machen? Ich bin, äh, Polizeibeamter. So als wär das gesellschaftlich nicht akzeptabel?«

Cullen zögerte überhaupt nicht, bevor er antwortete: »Wenn ich zögerte, bevor ich sage, was ich mache, würde mich irgend so ein Drecksack ausknipsen.«

Der Verkäufer hob beschwichtigend eine Hand, »Tschuldigung. Sie haben's echt schwer, ich weiß. Und ich bin nur ein verbitterter alter Akademiker, der Spielsachen verkauft.« Er hielt ihm die Mütze hin. »Wollen Sie die gleich aufsetzen?«

Cullen fühlte sich überhaupt nicht mehr modisch. Zum einen litt er immer noch unter seinem 50. Geburtstag vor drei Monaten, zum anderen war er natürlich (oder übernatürlich) gehemmt, und wieder zum anderen wollte er auch nicht auf dem Grab der Karriere eines verbitterten alten Akademikers tanzen. Also log er: »Die ist für meinen Sohn. Wir haben die gleiche Größe.«

»Dann wollen Sie also eine Tüte.«

»Bitte.«

»Es wird Ihren Sohn vielleicht interessieren: Die Cards haben in den Vierzigern vier Meisterschaftswimpel und dreimal die World Series gewonnen. Zweiundvierzig haben sie die Yanks geschlagen, Dreiundvierzig haben sie gegen sie verloren, Vierundvierzig haben sie die Browns geschlagen – im folgenden Jahr dann gleich noch mal, und 1946 die Red Sox.« Er zuckte mit den Achseln. »Neuere Archäologie – auch eine Art Zeitvertreib.«

»Danke. Das wird ihn bestimmt interessieren. Danke.«

Der Winter hatte die Hacken in den Boden gestemmt und dachte ja gar nicht daran, die Stadt in absehbarer Zeit zu verlassen, aber um schon mal sein Schlendern für wärmeres Wetter zu üben, bummelte Cullen über den Gemüsemarkt am Union Square, wobei er sich die -Tüte unter den Arm klemmte, wurde von Knoblauchketten und Rosmarinsträußen, von Krügen mit dunklem Cider und extrem nahrhaften Brotlaiben, von Schnittblumen und Knospen und Kräutern in Töpfen in Versuchung geführt. Am Abend würde er zweifellos in seinem Supermarkt um die Ecke landen, wo er dann schlaffen Salat und versteinerte Tomaten untersuchte, misstrauisch an mutmaßlichen Hühnchen und angeblichem Rindfleisch schnupperte, versuchte, wenigstens eine einzige Konservendose von irgendwas zu finden, die nicht verbeult war, ein Gewürzglas, in dem sich etwas anderes als Minze befand. Doch er war weit weg von zu Hause, sein Viertel lag im tiefsten Queens, und er hatte keine Lust, noch mehr Tüten quer durch die ganze Stadt zu schleppen. Und es war noch nie sein Ding gewesen, sich selbst was Gutes zu tun; für Freunde und Familienangehörige konnte er jederzeit ein Festessen zaubern, sich selbst jedoch servierte er die Kost eines Knackis, der im Loch saß, in der Einzelzelle schmorte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!