Unerwartete Begegnungen - Manfred Hellweg - E-Book

Unerwartete Begegnungen E-Book

Manfred Hellweg

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Beschreibung

Auf der Suche nach den Vorfahren meiner Familie habe ich völlig unerwartet Menschen getroffen. Leider konnten sie mir auch nicht weiterhelfen. Die Suche ist aber noch nicht zu Ende. Ich gebe niemals auf!

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Seitenzahl: 90

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Ein fiktiver Roman. Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist nicht gewollt, daher zufällig.

Vorwort

Als damals in der Nachkriegszeit viele Familien aus den ostdeutschen Gebieten in meine Heimat, das Ruhrgebiet kamen, sich hier eine neue Existenz aufbauten, habe ich mich gefragt: „Gab es wirklich so viele Rittergüter, Gutshöfe und feudale Anwesen in Ostpreußen, Westpreußen usw.?“

Die meisten beklagten sich, dass sie alles Hab und Gut verlassen mussten und beantragten hier bei den Behörden eine Wiedergutmachung. Das konnte ich nicht verstehen. Die Freundin meines Onkels versuchte auch auf diese Weise für ihre Familie eine Wiedergutmachung für ihren Gutshof in Ostpreußen zu erhalten. Auch eine in der Nachbarschaft lebende Freifrau von . . . . . . . wollte auf ihr Rittergut im Grenzgebiet Polens nicht verzichten.

Dadurch kam ich auf die Idee Nachforschungen über die Herkunft meiner Familie zu stellen.

Unerwartete Begegnungen

Über die vielen Erzählungen meiner Eltern habe ich mir in meiner Jugend noch keine Gedanken gemacht, wenn sie über ihre Vorfahren sprachen. Aus welchem Land ihre Vorfahren auch kamen, hat mich damals auch nicht sonderlich interessiert.

Wenn sie aber so richtig ins Schwärmen kamen, konnte ich in ihren Gesichtern lesen, wie in einem Buch. Je nach Stimmung, lustig, traurig, oder aber auch sehr nachdenklich, die Stimmen und ihre Augen verrieten mir, ob es Sehnsucht oder Freude war.

Hier im Ruhrgebiet, dem Schmelztiegel der Nation, kamen nach dem Zweiten Weltkrieg unzählige Einwanderer aus den umliegenden Staaten zusammen. Ob Flüchtling, Vertriebener oder Einwanderer, jeder brachte aus seinem Land und aus seiner Kultur besondere Merkmale und Angewohnheiten mit.

In der Schule bemerkte ich es zuerst. Später dann, als ich bei den Pfadfindern war, und selbst im Schwimmverein wurde ich mit den oft anderen Mentalitäten konfrontiert.

Auf dem Wochenmarkt hörte ich dieses Stimmengewirr sehr deutlich. Dabei stellte ich fest, dass wohl die meisten Sprachen aus Osteuropa stammten. Mit der Zeit erkannte ich, ob sie polnisch, russisch oder auch deutsch mit östlichem Akzent sprachen.

Für die sogenannten damaligen „Ostgebiete Deutschlands“ habe ich mich nie wirklich interessiert. Unter Westpreußen konnte ich mir nichts vorstellen. Ich wusste auch nicht, wo das liegt. In der Schule hatte ich im Geschichtsunterricht wieder einmal nicht gut aufgepasst. Nachdem ich dann aber meine Frau kennengelernt habe und von ihrer Familie erfahren hatte, dass auch ihre Vorfahren aus dem Osten stammten, wurde ich neugierig.

Bei Familienfeiern ging es meistens lustig zu und in fortgeschrittener Stunde merkte man ihnen an, wie tief die Sehnsucht nach der Heimat ihrer Großeltern in ihnen verankert war, mehr als sie eigentlich zugaben.

Lieder in ihrer Muttersprache wurden gesungen, manchmal kamen dabei auch Begriffe, die sie vielleicht schon vergessen hatten, wieder in Erinnerung. Es gab dann meist großes Gelächter, gefolgt von einem Trinkspruch aus der Heimat, den ich damals noch nicht verstand.

Die für mich neue Freundlichkeit und Herzlichkeit kannte ich in meiner Familie nicht. Die Geschwister meines Vaters trafen sich immer abwechselnd mal bei dem einen oder anderen, zum sogenannten „Gemütlichen Beisammensein“.

Wir Kinder waren natürlich dabei, hatten fast Narrenfreiheit, während die Männer sich beim Skat mit Bier und Schnaps unterhielten.

Jahre später wurde mir bewusst, dass alle Brüder meines Vaters den gleichen Beruf hatten. Alle waren gelernte Maurer, Polier oder Maurermeister.

Ein Bruder fiel natürlich aus der Rolle. Er hatte sich für den Beruf des Buchbinders entschieden, machte auch seinen Buchbindermeister. Wie sich aber dann herausstellte, hatte er mit dieser Wahl bei seinen Brüdern keine Chance, anerkannt zu werden. Er fühlte sich als Außenstehender, und entschied sich dann für ein Leben in Südfrankreich, weit weg von der Familie.

Wir waren gerade frisch verheiratet, als er wie aus dem Nichts bei uns auftauchte, um uns zu besuchen. Wir waren sehr überrascht über sein Auftauchen, wir kannten ihn überhaupt nicht, freuten uns sogar über seinen Besuch.

Dann kamen seltsame Sprüche wie z. B.: “Warum wir in einer Mietwohnung wohnen und kein eigenes Haus haben.“

Mit welchem Recht mischte er sich in unser Leben? Ich hatte meiner Frau von ihm erzählt. Was er von uns wollte, war uns nicht klar.

Er versuchte uns zu erklären, dass alle seine Brüder Maurer waren, und in dieser Zeit sei es normal, dass jeder seiner Brüder ein eigenes Haus sein Eigen nennen könnte.

Gerade sie hätten doch die Möglichkeit, hier und da mal eine Fuhre Steine usw. an entsprechender Baustelle abzuladen. Das machten doch alle so, denn Hilfe unter Brüdern war nicht strafbar. So wären doch viele an ein eigenes Haus gekommen. Aber keiner seiner Brüder sei so clever wie er. Das Wort BETRUG gab es wohl nicht in seinem Wortschatz!

Er hatte wohl damals in unserer Stadt eine eigene Buchbinderei, bevor er nach Frankreich auswanderte. Da ist wohl so einiges schiefgelaufen, denn Frau und Sohn hat er hier zurückgelassen.

Mit zwei seiner Schwestern hat er sich auch überworfen. Eine dieser Schwestern hielt in all den Jahren wohl Kontakt zu ihm, zufällig war das meine Patentante. Nur um diese Schwester machte er sich eigentlich Sorgen. Sie war einige Jahre älter als er, vielleicht war das der Grund.

Ich bekam das Gefühl, dieser Besuch war nicht so grundlos wie es aussah. Was war los mit ihm und seiner Schwester? Welches Geheimnis verband beide? Es konnte eigentlich nur etwas mit der Vergangenheit, seinen Eltern oder Großeltern zu tun haben.

Im weiteren Gespräch erfuhren wir auch, dass seine Vorfahren aus Löbau in Westpreußen, nahe der ostpreußischen Grenze stammten, dort große Ländereien besaßen und diese nach dem Ersten Weltkrieg für immer verloren haben.

Es war das erste Mal, dass ich überhaupt etwas über meine Vorfahren erfuhr.

Unter Westpreußen konnte ich mir nichts vorstellen, von Ostpreußen hatte ich schon gehört, aber ich dachte, das sei eine Landschaft in Polen.

Im Laufe des Gesprächs wurde mein Onkel immer aufgeregter. Er konnte es einfach nicht begreifen, warum seine Geschwister den elterlichen Bauernhof am Rande unserer Nachbarstadt verkauft haben.

Über den Verkauf sei er nicht unterrichtet worden. Seine Lieblingsschwester kannte seinen Aufenthaltsort in Frankreich doch. Den Erlös dieses Hofes hatten sie anscheinend untereinander aufgeteilt, wie sich herausstellte.

Nachdem er mich jetzt richtig aufmerksam gemacht hatte, erinnerte ich mich an einiges. Manchmal sind meine Eltern, mit meiner Oma und mir, mit der Straßenbahn die wenigen Kilometer zu dem Bauernhof gefahren. Dort traf ich auch auf meine Cousins und Cousinen.

Wir hatten viel Freude mit den auf dem Hof lebenden Tieren. Draußen, vor der Scheune, an einem langen Tisch, saßen dann alle und tranken Kaffee, aßen Kuchen und hatten viel Spaß.

Dann kam eine Zeit, da war es mit dem Besuch auf dem Bauernhof vorbei. Warum weiß ich nicht? Es muss mit dem Verkauf zu tun gehabt haben. Wir Kinder wurden nicht aufgeklärt und so haben wir diese Besuche dann wohl auch schnell vergessen.

Als mein Onkel sich dann von uns verabschiedete, übergab er mir noch einige Briefe seiner Schwester an ihn, mit der Bitte, sie aufzubewahren. Er meinte, vielleicht könnten sie mir noch nützlich sein. Ich habe sie an mich genommen, in eine Schublade gelegt, und im Laufe der Jahre total vergessen.

Nach dem Fall der Mauer 1989 bekam ich plötzlich Post aus der damaligen DDR. Sein Sohn meldete sich aus Zwickau. Bis dahin wusste ich nicht einmal, wo er in der Zwischenzeit geblieben war. Durch die Trennung seiner Eltern hatten wir nie wieder Kontakt.

In meinen Gedanken aber war er immer. Als ich von meinem Cousin ein Lebenszeichen bekam, habe ich ihn eingeladen uns zu besuchen. Im Laufe des Gesprächs kam er sehr schnell auf diese Briefe zu sprechen. Ich fragte mich, wieso wusste er von den Briefen meines Onkels.

Er bat mich, sie ihm auszuhändigen, es seien ja schließlich Briefe seines Vaters. Nachdem ich sie gefunden und ihm übergeben hatte, ging er sehr schnell zu einer im nächsten Ort gelegenen Sparkasse. Was er dort gewollt hatte, hat er uns nicht gesagt, nur dass er uns am nächsten Tag wieder verlassen würde. Und schon war er wieder weg.

Seit dieser Aktion habe ich nie wieder etwas von meinem Cousin gehört. Er verschwand genauso lautlos aus unserem Leben, wie damals sein Vater. Mit meiner Frau habe ich noch mehrmals über diese seltsamen Besuche meines Onkels und seines Sohnes gesprochen. Wir konnten sie aber überhaupt nicht richtig einordnen.

Oft haben wir auch über unsere Großeltern gesprochen, und uns gewundert, wie verschieden sie waren. Meine Frau hat meine beiden Omas nie kennengelernt. Ich hatte nur meine Oma mütterlicherseits, die mir sehr nah stand, und eine Oma „Stadt“, (weil sie in der Innenstadt wohnte) väterlicherseits. Einen Opa habe ich nie gekannt.

Meine Frau dagegen hatte eine Oma, väterlicherseits, jeweils Oma und Opa mütterlicherseits. Der Opa stammte aus Posen, eine Gegend in Polen. Aus einem sehr kleinen Ort, mit Namen Kobelnik, nur einige Häuser und Bauernhöfe.

Mit ihrer Oma und ihrem Opa habe ich mich sofort verstanden. Sie gefielen mir und ich glaube, ich ihnen auch. Wenn ihr Opa von seiner Heimat Polen erzählte, schwärmte er und er bekam meistens feuchte Augen. Seine Freundlichkeit und die Erinnerung an seine Heimat ging mir so zu Herzen, dass ich ihn fragte, ob wir nicht einmal nach Kobelnik fahren sollen, ich würde gerne einmal seine Heimat sehen wollen.

Jedes Mal winkte er ab, kniff seine Augen zu kleinen Schlitzen, und meinte nur, nee Junge, lass mal sein, da ist nichts los. Dabei hätte ich so gerne mit ihm die weite Reise nach Posen angetreten. Ich hatte mir jedenfalls fest vorgenommen ihn immer wieder mal zu fragen und nicht aufzugeben.

Dabei ertappte ich mich, wenn ich in der letzten Zeit nicht einschlafen konnte, verfolgten mich Gedanken, wie mich diese Nachforschungen verfolgten.

Es reizte mich immer, nach unseren Wurzeln zu forschen.

Opa Adam konnte auch so schön von seiner Heimat erzählen. Einige Verwandte lebten noch dort. Meine Frau erzählte mir, immer wenn ihre Großeltern Post aus der alten Heimat bekamen, waren sie fröhlich.

Ihrem Opa zuzuhören, wenn er Geschichten aus seiner Militärzeit erzählte, machte einfach Spaß, er hatte die Begabung alles positiv zu sehen.

Für mich war vieles fremd. Zwei Welten trafen aufeinander. Die Zusammenkünfte in meiner Familie waren meistens emotionslos. Es wurde Skat gespielt, die Frauen saßen in einem anderen Raum und unterhielten sich.

Das hatte ich schon fast vergessen, es war zu lange her. Während es bei den Treffen in der Familie meiner Frau immer hoch herging. Meistens wurden fröhliche Lieder gesungen, aber auch melancholische. Ein Stück Heimat spürte man und alle schienen glücklich.

Für mich war das eine andere Welt, eine ganz besondere Welt, die ich in dieser Form so nicht kannte. Ich erfuhr auch, dass aus der polnischen Verwandtschaft vor langer Zeit einige nach Übersee ausgewandert waren. Niemand wusste genau, wohin, ob in die USA oder nach Kanada.

Erzählt wurde auch, ein Onkel sei nach Jahren wieder in die Heimat zurückgekehrt und hätte dort ein Hotel gekauft, das es bis heute noch geben würde. Bestätigen konnte das aber auch niemand, so blieb es ein Gerücht.