Unser Amerika - Dieter Kronzucker - E-Book

Unser Amerika E-Book

Dieter Kronzucker

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Beschreibung

Zwischen 1981 und 1986 schickte der Korrespondent des ZDF in Washington, Dieter Kronzucker, neben aktuellen Tagesberichten seine «Bilder aus Amerika» nach Deutschland. «Unser Amerika» ist die Buchausbeute seiner journalistischen Arbeit. Kronzucker vergleicht unsere Vorstellung von der Supermacht mit den alltäglichen Wirklichkeiten und den erstaunlich raschen Veränderungen auf dem Subkontinent. «Unser Amerika» ist eine Sympathieerklärung für den Lebensstil, die Großmut und das Vorwärtsstreben dieser immer noch so jungen Nation – gleichzeitig aber eine kritische Betrachtung ihrer eigensüchtigen und selbstherrlichen Politik und Einstellung gegenüber den Juniorpartnern im Bündnis. Kronzucker führt eine Nation vor, die zum einen aufgelöst ist in ihre gesellschaftlichen Gruppen und ihre tiefgreifenden regionalen Unterschiede, zum anderen so vereint wirkt in ihren republikanischen Idealen, ihren materialistischen Hoffnungen und ihrer Vaterlandsliebe. Amerikas «Wende» unter Ronald Reagans Amtszeit, der erstaunliche Aufstieg aus einer der tiefsten Rezessionen nach dem Krieg, aber auch die problematische Rüstungspolitik des Pentagon – der Autor läßt die Geschichte auf anschauliche Weise Revue passieren. «Unser Amerika»: Das sind 1001 Geschichten – traurig, anrührend, erheiternd. Der Autor hat Amerika mit der Fähigkeit zum Staunen und der Neugier eines erstklassigen Journalisten erlebt. Die skurrilen Einzelgänger, die großen Erfinder und die stillen Aussteiger, die Prediger und Missionare, die Verlorenen und Verurteilten, die Dynamik der Wirtschaftsbosse, aber auch die ökologischen Konsequenzen rücksichtsloser Natureroberung – Kronzuckers Panorama der amerikanischen Gesellschaft führt eine Welt im aufregenden Wandel vor. Das Buch spricht «Amerika-Neulinge» genauso an wie alte Kenner des Kontinents.

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Seitenzahl: 455

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Dieter Kronzucker

Unser Amerika

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Über dieses Buch

Sechs Jahre lang schickte der Korrespondent des ZDF in Washington, Dieter Kronzucker, neben aktuellen Tagesberichten seine «Bilder aus Amerika» nach Deutschland. «Unser Amerika» ist die Buchausbeute seiner journalistischen Arbeit. Kronzucker vergleicht unsere Vorstellung von der Supermacht mit den alltäglichen Wirklichkeiten und den erstaunlich raschen Veränderungen auf dem Subkontinent.

Kronzucker führt eine Nation vor, die zum einen aufgelöst ist in ihre gesellschaftlichen Gruppen und ihre tiefgreifenden regionalen Unterschiede, zum anderen so vereint wirkt in ihren republikanischen Idealen, ihren materialistischen Hoffnungen und ihrer Vaterlandsliebe.

Amerikas «Wende» unter Ronald Reagans Amtszeit, der erstaunliche Aufstieg aus einer der tiefsten Rezessionen nach dem Krieg, aber auch die problematische Rüstungspolitik des Pentagon – der Autor läßt die Geschichte auf anschauliche Weise Revue passieren.

«Unser Amerika»: Das sind 1001 Geschichten – traurig, anrührend, erheiternd. Der Autor hat Amerika mit der Fähigkeit zum Staunen und der Neugier eines erstklassigen Journalisten erlebt. Die skurrilen Einzelgänger, die großen Erfinder und die stillen Aussteiger, die Prediger und Missionare, die Verlorenen und Verurteilten, die Dynamik der Wirtschaftsbosse, aber auch die ökologischen Konsequenzen rücksichtsloser Natureroberung – Kronzuckers Panorama der amerikanischen Gesellschaft führt eine Welt im aufregenden Wandel vor. Das Buch spricht «Amerika-Neulinge» genauso an wie alte Kenner des Kontinents.

Über Dieter Kronzucker

Prof. Dr. Dieter Kronzucker, geb. 1936, gehört zu den großen Persönlichkeiten des deutschen Fernsehjournalismus und ist als Korrespondent und Moderator seit Jahrzehnten auf den Bildschirmen präsent (u.a. WDR, ZDF, SAT1).

Inhaltsübersicht

VorwortUnser AmerikaEine Welt wird getauftStellt Euch vor – AmerikaPennsylvania DutchTusculum in TexasSchurz & CompanyWie kommt es in Peoria an?Von den Roßtagen zu den WagondaysLeben in zwei KulturkreisenVorbild und FeindbildWie uns die anderen sehenRisse im BündnisDas Reich des BösenWir sitzen mit am TischEin Besuch in BitburgAlles ist LokalpolitikNot im Herzen der NationTown-Meeting in WarrenMr. Smith goes to WashingtonDie Südafrika-SanktionScherbenhaufen LibanonSponsor a Contra: Die Reagan-DoktrinRonald Reagans GeiseldramaRegierung als VerschwörungDie Stimme AmerikasDie imperiale PräsidentschaftDie amerikanische DimensionSpaceshuttleEin Krieg der SterneDer EntrepreneurBoom and BustDie japanische HerausforderungDie WagenburgHelden gelten wieder wasDas Hemingway-ComebackGunfight in MissouriTodesstrafeEin konservatives RechtDie Porno-DiskussionRechts von ReaganDas umstrittene SchulgebetReligionsfernsehenEin Imperium namens MarriottIm Zeitalter der ReaganomicsEine neue GenerationDie Tradition des ErbarmensDie Entdeckung der AmerikanerWinnetou und die anderenNation in der NationHopi – das alte VolkEl Morro – Initialen der GeschichteLa Raza – die neue RasseChavez im RosenkriegDie Low RidersSie kamen in KettenSt. Augustine ist schwarzBlack CowboyDie RegenbogenkoalitionAdams MorganOn the RoadEin Paradies mit FehlernArcosanti – eine Stadt der ZukunftWas verloren istLola Montez in NevadaDer kleine BürgermeisterStar WarsMardi GrasHoneymoonHerzlichen GlückwunschSki HeilKentucky Rye and DryWein auf EisAppetit ist GeschmacksacheDas Telefon und die KomfortgesellschaftCruisingNachwort[Bildteil]

Vorwort

DER TITEL ‹UNSER AMERIKA› entspringt zunächst einem persönlichen Bekenntnis, und er drückt die Verbundenheit einer deutschen Generation mit den USA aus. Auch soll er auf den Anteil und die Rolle der Deutschen in Geschichte und Gesellschaft der Vereinigten Staaten verweisen. Er versteht sich durchaus politisch – als Anspielung auf eine Partnerschaft ohne Alternative. Und schließlich hat er mit der Ausstrahlung und dem Export der amerikanischen Lebensart zu tun. Die ‹Amerikanisierung› der Deutschen ruft oft Allergien hervor, die bisweilen zum «linken» oder «rechten» Antiamerikanismus geraten können. Dem will ich in diesem Buch den ganz gewöhnlichen «Amerikanismus» gegenüberstellen, so wie ich ihn erfahren habe: Dies Buch summiert die Erfahrung eines Deutschen, der von Berufs wegen auf die Suche nach dem amerikanischen Selbstverständnis ging.

Meine Faszination mit Amerika hat zunächst mit meiner Generation und mit meiner engeren Heimat Bayern zu tun, die zwischen 1945 und 1949US-Besatzungszone war. Natürlich haften in meiner Erinnerung «Feinderfahrungen», frühe Trübungen im noch unklaren Amerikabild. Einmal schlugen die Bomben in München sehr nahe ein. Welche Bewunderung brachte ich dem Großvater entgegen, der Stabbrandbomben vor ihrer Zündung wieder ins Freie beförderte. Und da war dieser Abend im Zirkus Krone, auf den ich mich so gefreut hatte, und der dann mitten in der Vorstellung in Alarmsirenen endete.

Nach der Kapitulation saß der. Vater im Gefangenenlager, und die Mutter war stets unterwegs, um die Familie über Wasser zu halten. Sie handelte mit «Nymphenburger Fehlfarben», Porzellan, das angeblich mangelhaft war. Ich klaubte derweil im Dante-Stadion Zigarettenstummel zusammen; machte aus achtlos weggeworfenen faulen Bananen eine Art Brotaufstrich. Ein Freund aus dem Land der Skipetaren braute aus allen möglichen Essenzen ein spirituelles Getränk. Wir nannten ihn deshalb «Pantschen-Lama». Ein anderer war der «King» unter den Halbstarken, weil er irgendwie an einen Sack amerikanischen Eispulvers geraten war.

Aber die Erinnerung an Not und Angst jener Jahre verblaßte schnell vor dem Ansturm des American Way of Life. Schokolade aus schwarzen Händen, Baseballschläger und Football-Bälle, Care-Pakete und Comic-Strips, Schulspeisungen, Demokratisierung mittels Schülerzeitung und Schülermitverwaltung – und vor allem Jazz; wir haben Armstrong und Sinatra nicht nur begeistert gehört. Wir wollten diese Musik nachahmen.

Wir «Teenager», ein Ausdruck, den wir gerne übernahmen, spielten schlecht und recht in Münchens amerikanischen Offizierskasinos auf. Sie wirkten paradiesisch: weiches Weißbrot, Kaugummi, Coca-Cola, am liebsten aber Doughnuts, die gezuckerten Hefeteigkringel. Schon damals stiegen auch Zweifel am amerikanischen Geschmack auf – mein Freund, der Fliegerleutnant Rick, strich immer Marmelade auf die Spiegeleier.

In der Henry-Kaserne in München lernte ich dann Sergeant Higgenbotham kennen, der im Soldatensender American Forces Network (AFN) mit tiefer Stimme romantische Geschichten zwischen leiser Musik erzählte. Eine Zeitlang durfte ich damals Tonbänder vom Archiv in der Schwabinger Kaulbachstraße ins Studio bringen.

Im Sommer 1983 ging für mich in Los Angeles ein Traum in Erfüllung. Das Palladium-Theater in Hollywood und das ZDF richteten eine Gala aus zum vierzigjährigen AFN-Jubiläum. Ich durfte moderieren – die vertrauten und bewunderten Sängerinnen und Sänger von damals traten auf –, nur das Publikum im Saal des Palladium war dünn gesät: Da erst verstand ich, daß AFN für die Deutschen viel wichtiger war als für die Amerikaner in ihrem eigenen Land. Für meine Generation war diese neue Musik ein Signal der Befreiung und des Aufbruchs. Wenn wir AFN hörten, dann sagten und dachten wir: «Unser Amerika».

Am 1. August 1946 unterschrieb Präsident Truman ein Gesetz zur Förderung des «international good will» – guter Wille durch den Studentenaustausch in den Bereichen der Erziehung, Kultur und Wissenschaft. Ein junger Senator aus Arkansas namens William Fulbright hatte eine entsprechende Vorlage eingebracht. Daraus wurde das größte akademische Austauschprogramm der Welt. Seit 1946 haben in diesem Rahmen 50000 Amerikaner im Ausland studiert und gelehrt, über 100000 junge Ausländer kamen in die USA. Viele meiner Freunde und Kollegen hatten sich seinerzeit für ein Jahr Fulbright-Studium in den USA qualifiziert. Sie zehren heute noch als Fünfzigjährige davon.

Ich selbst mußte mir damals etwas anderes einfallen lassen, um in die USA zu gelangen, und gründete eine Reiseagentur mit dem Namen SATTS, Special American Tourists Travel Service. Die Agentur hat mir weder Lob noch Geld eingebracht, aber sie erlaubte mir in frühen Jahren mehrere Reisen durch Amerika. Ich traf auf einen jüdischen Amerikaner namens Sam Spiegel, der mich als Deutschen empört des Hauses verwies. Bei der Traktor-Firma Caterpillar wurde ich mit offenen Armen aufgenommen und konnte eine Reise für verdiente Mitarbeiter nach Europa organisieren. In New York fand ich einen «deutschen Verein», der ganz verschämt seine Traditionen pflegte, und der Flughafendirektor von Los Angeles lud mich eine Woche lang in seine Villa auf Catalina Island ein. In San Francisco verschreckte mich ein Jazzmusiker mit seinen liebevollen Annäherungen, und in Philadelphia zeigte mir eine kaufmännische Angestellte stolz die schäbige German Town. Schließlich arbeitete ich zwischen 1981 und 1986 als ZDF-Korrespondent in Amerika.

In Cleveland Park, einem Stadtviertel von Washington, verbrachten unsere Kinder entscheidende Jahre. Sie gingen mit den Angehörigen vieler Klassen und Rassen zur Schule. An der Abiturfeier meiner Tochter Sabine an der internationalen Schule von Washington nahmen Schwarze und Weiße, Asiaten und Mexikaner und ein Cherokee-Indianer teil. Die Abschiedsansprache hielt Professor Daniel Robinson von der Georgetown University: «Erst später im Leben wird euch aufgehen, wie außerordentlich und einmalig eure Schulgemeinschaft war. Dann werdet ihr nicht mehr die Klasse von 1985 sein, sondern Weiße und Schwarze, Arme und Reiche, Europäer und Amerikaner. Ihr solltet jedoch für das Leben behalten, daß die Welt nur besser wird, wenn ihr euch in mindestens zwei Kulturkreisen bewegt.»

Dieses Buch soll einen Kulturkreis vorstellen, in dem wir zwar in vielerlei Hinsicht heimisch sind; zugleich aber soll es das zeigen, was uns Europäern an diesem fernen Land immer wieder fasziniert hat: das Fremde, ja, Unerklärliche einer staunenswerten Nation und ihrer aufregenden Geschichte. Es ist eine Geschichte der republikanischen Revolution – der ersten der Neuzeit – und ihrer fortwährenden Anziehungskraft zumal auf die Deutschen. Neben den Engländern stellen wir den größten ethnischen Block im Vielvölkerstaat USA. Dies ist zwar ein fernes Land, und doch ist es uns näher als vielen europäischen Nachbarn: Unser Amerika.

Unser Amerika

Eine Welt wird getauft

ES SOLL EIN DEUTSCHER MÖNCH aus Radolfzell gewesen sein, der im Jahre 1516 Amerika den Namen gab: Der Kartenzeichner Martin Waltzmüller, oder Waldseemüller, hielt den Kosmographen Amerigo Vespucci aus Venedig für den Entdecker der Neuen Welt: Nach diesem Amerigo taufte er den ganzen Kontinent. Amerika trägt seinen Namen aus Versehen. Schon 1497 allerdings wurde im ‹Narrenschiff› von Sebastian Brand über eine «goldene Insel mit nackten Menschen» berichtet. Auf den Frankfurter Buchmessen, die es damals schon gab, kursierten bald Legenden von einer neuen Welt, von einem Arkadien oder Garten Eden.

Christoph Kolumbus, der eigentliche Entdecker, kam erst später zu kartographischem Nachruhm. Aus den Trümmern der spanischen Kolonialherrschaft wollte der Befreier Simón Bolívar ein lateinamerikanisches Großreich schaffen. Es sollte Kolumbien heißen. Ein Bruchstück dieses Reiches hat immerhin seinen Namen behalten. Der Befreier Bolívar selbst setzte sich ebenfalls ein nationales Denkmal: Oberperu wurde zu seinen Ehren in Bolivien umgetauft.

Ein Bolivianer ist heute ein Einwohner Boliviens. Ein Kolumbianer ist ein Einwohner Kolumbiens – und ein Amerikaner? Ein «Amerikaner» ist im weltweiten Sprachgebrauch ein Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika. Der damit verbundene Vormachtsanspruch wird von den anderen Nationen der Neuen Welt bestritten, der Name aber kaum. Auch die sprachverwandten Kanadier nennen ihre Nachbarn «the Americans» und die patriotischen Mexikaner sagen «los americanos».

24 Jahre bevor der Kartenzeichner Waldseemüller einem historischen Versehen erlag, war dem Entdecker Christoph Kolumbus eine ebenso folgenreiche Verwechslung unterlaufen. Weil er glaubte, die Gestade Indiens erreicht zu haben, nannte er die Eingeborenen «Indios».

Auch diese Bezeichnung blieb haften. Im englischen Sprachraum hießen diese Ureinwohner in Amerika lange «red indians», um sie von ihren indogermanischen Namensvettern zu unterscheiden. Die Deutschen fanden eine einfachere Lösung – wir nennen die einen Inder und die anderen Indianer.

Nach der Entdeckung im Jahre 1492 setzten zunächst die spanischen, dann die französischen und zuletzt die englischen Kolonialherren zur Eroberung an. Sie nahmen den Indianer von allen Seiten in die Zange.

Schon hundert Jahre vor den englischen «Pilgervätern» im Osten Nordamerikas drangen die Spanier aus dem Süden auf den großen Kontinent vor. Sie suchten die legendären «sieben Städte von Cibola», wo selbst die Straßen mit Gold gepflastert sein sollten. Die Konquistadoren drangen von Mexiko bis in die Prärien des heutigen Mittelwestens vor. Gold fanden sie nicht – doch sie hinterließen Spuren. So hielt sich bis heute die Bezeichnung «pueblo» sowohl für die ortsansässigen Indianer wie auch für ihre Siedlungen am Rio Grande.

Da schon keine Schätze in diesem «Neu-Mexiko» zu holen waren, wollte man den «hombre colorado» für den Christengott gewinnen – wie üblich mit Feuer und Schwert. Viele Indianervölker wurden damals samt ihren angestammten Wohngebieten «umgetauft». Von Santa Fé bis San Francisco, von San Antonio bis zu den vielen «Santos» im Tal des Rio Grande, übernahmen abendländische Heilige das Seelen-Regiment. Im Vergleich zu den seßhaften Indianern gaben sich die Nomaden besonders rebellisch. Sie wurden denn auch «Apachen» genannt – das heißt «Feind». Die Indianer-Ausrottung ist keine «amerikanische» Eigenart; sie wurde vielmehr von Europäern initiiert.

Wer sich in die Knechtschaft der Weißen begab, blieb am Leben. So haben die eher friedfertigen Pueblos die spanische Herrschaft überdauert – geblieben ist von den Eroberern im Süden und Südwesten Amerikas ein Netz spanischer Namen, die das Land von «Madrid» in New Mexico bis «Mexico» im Bundesstaat Missouri übersäen.

Anders die Engländer. Ihre Berührungsangst und ihre Verachtung der Indianer hatten zu ihrer Vertreibung oder Ermordung geführt, ihre Namen jedoch wurden übernommen. Massachusetts, Connecticut und Illinois sind Bundesstaaten der USA – und indianische Namen. Die Chesapeake Bay und der Potomac-Fluß bei Washington erinnern an verschwundene Ureinwohner. Tallusahachee und Naragansett blieben Ortsnamen, obwohl sie auch im Englischen Zungenbrecher sind.

Bei aller Grausamkeit, die auch die Franzosen an den Tag legten, zeigten sie den Ur-Amerikanern doch den größten Respekt. Sie haben sich zeitweise mit ihnen als gleichwertige Kampfgenossen verbündet.

Mit Hilfe der Irokesenföderation des Ottawabundes haben sie hundert Jahre Frieden in ihrem Territorium erlebt; ihr «Louisiana» war ein Modell für eine mögliche Gemeinschaft von Weißen und Roten. Die Kolonialkriege von 1689 und 1763 machten sowohl mit diesem friedlichen Modell wie mit den großen Indianerbünden ein Ende. Die Franzosen mußten das amerikanische Schlachtfeld weitgehend den Engländern überlassen. Sie hinterließen Städtenamen wie St. Louis und New Orleans, brachten ihre historische Präsenz in Erinnerung in den heutigen Bundesstaaten Michigan, Louisiana und Missouri – dort liegt, gleich neben dem Städtchen «Hannibal» das kleine «Paris».

Wenn es auch mit Gold und Edelsteinen haperte in diesem Teil der Neuen Welt, so ließen sich doch aus den Produkten der Indianer Profite machen. Ihr Tabak und ihr Mais, ihre Kartoffel und die Baumwolle wurden in Europa verkauft. Die Indianer versagten jedoch bei Bestellung ihres angestammten Reichtums: Als «Eingeborenenersatz» wurden Hunderttausende von Sklaven aus Afrika importiert. Die Schwarzen haben indes keinem Landstrich in Amerika als Taufpaten gedient. Sie blieben vielmehr anonyme Bewohner der Neuen Welt.

Erst vor 20 Jahren, während der großen Gettoaufstände, haben sie ihren Anspruch auf Amerika geltend gemacht. Mit den Feuern von «Watts», einem Stadtviertel in Los Angeles, schrieben die Schwarzen Brandzeichen in die amerikanische Geschichte; diese «riots», Aufstände, waren auch Meilensteine auf ihrer anhaltenden Suche nach Gleichberechtigung. –

Mit der politischen Unabhängigkeit im Jahre 1776 übernahmen die Amerikaner weißer Abkunft den Status von Einheimischen. Sie wurden «Amerikaner», verdrängten die Ureinwohner vom historischen «ersten Platz» und vertrieben die Kolonialherren zurück nach England. Die Väter und Söhne der jungen Nation überzogen die Vereinigten Staaten mit einer neuen Namenswelle für die neuen Städte. Jefferson und Madison, Hamilton und vor allem Washington standen dabei Pate.

Die Orientierung an klassischen politischen Idealen der Antike führte zu Stadtgründungen wie Cincinnati oder Tusculum, wie Troya oder immer wieder Athen. Das Capitol, Sitz des Kongresses, entspricht nicht nur in seiner Architektur einer nationalen Vorstellung von Washington als dem neuen Rom der Neuen Welt. Die Neue Welt wollte so neu nicht sein, sondern anknüpfen an die große Antike. Die Tradition von Romania und Germania, das Christentum und das Abendland sollten in Amerika erneuert werden. Die Revolutionäre von 1776 waren humanistisch gebildet, sie lasen Aristoteles, Macchiavelli und Montesquieu.

Wenn Amerikaner sich miteinander verständigen, können sie das in europäischen Sprachen tun. Die Hochkulturen von Mexiko und Peru und die komplexen nordamerikanischen Zivilisationen der Anasazi und Hopi haben hingegen keinen nominellen Eindruck hinterlassen. Ja, ihre Spuren wurden so sehr verwischt, daß die derzeitige Welle der Wiederentdeckung Alt-Amerikas sich der Archäologie bedienen muß.

Doch auch die historischen Hoffnungen, die von den Gründervätern in die Städtenamen gelegt wurden, sind verflogen und vergessen. Vielleicht tragen die Nummernschilder auf den Autos deshalb immer noch einen erklärenden Untertitel – also etwa: «New Mexico, land of enchantment», oder «North Carolina, land of the first flight», oder «Idaho, the potato land». Doch die Beschwörung großer ideengeschichtlicher oder heroischer politischer Traditionen ist nicht mehr modern. Im Gegenteil, je banaler, je beliebter: Die Einwohner einer Stadt nahe der mexikanischen Grenze nannten ihren Ort «Truth or Consequences» – nach einer längst vergessenen Rundfunkquiz-Sendung. Ernie Blake, ein Schweizer, der in New Mexico ein neues Skigebiet in den Sangre de Cristo-Bergen erschloß, konnte wie Kolumbus seine Welt neu benennen: Ihm fiel die «Friedrich Wilhelm von Steuben»-Abfahrt ein.

So geht es im ganzen Land zu. Viele Jahre lang hieß ein Dorf in Missouri «Wie geht’s?». Und der Filmstar Robert Redford nannte das weitläufige Skigebiet, das er sich selbst gekauft hat, «Sundance Kid» – nach einem seiner erfolgreichen Filme. So steht es nun in den neueren Landkarten: Immer noch kann Amerika täglich neu erfunden werden. Und immer noch veralten auch die schönsten Definitionen an der rapiden Fortschreibung der Geschichte. Hier wechseln Namen, Helden und Bösewichter schneller als sonstwo in der Welt.

In den Bergen von Oregon wollte ein Sektengründer aus Indien sein himmlisches Reich auf Erden nach eigenem Gutdünken schaffen. Sein «Rajshnishpuram» war 1985 voll des emsigen Lebens und verwandelte sich ein Jahr später zu einer Geisterlandschaft.

Die erste europäische Vorstellung von Amerika war die einer vorgeschobenen Landmasse am Rande Indiens. Im durchaus noch anerkannten Weltbild des Ptolemäus gab es nicht genug Platz für einen weiteren Kontinent, für Amerika. Zunächst galt auch der Ausdruck «Neue Welt» dem sich verjüngenden Europa der Kolonialreiche, die «Alte Welt» waren Rom und Hellas. In den europäischen Landkarten von heute liegt Amerika immer noch an der Peripherie. Die Amerikaner sehen sich freilich anders: als neues Weltzentrum.

Dem modernen Selbstverständnis entspricht die Sicht der Welt aus der Perspektive des New Yorker Zeichners Saul Steinberg. Da markieren die Wolkenkratzer von Manhattan oder wahlweise die Achse zwischen Weißem Haus und Capitol den Mittelpunkt der Welt. Das weite Hinterland fällt über die Küsten in die Konturenlosigkeit von Nichtamerika ab. Am Bildrand sind gerade noch die Umrisse von Inselgruppen zu erkennen. Sie lassen sich als Großbritannien, die koloniale Ahnenschaft, oder als Japan, die kapitalistische Konkurrenz, erahnen.

Amerika, so sieht es aus, ist dabei, sich einen eigenen wirklichen Namen zu geben: Welt. Wenn die Amerikaner ihre nationalen Wettbewerbe in Baseball und Football austragen, nennen sie das «Weltmeisterschaften». Und die Popstars sangen 1985 in einem Benefizkonzert für Afrika «We are the world», wir sind die Welt.

Stellt Euch vor – Amerika

Nicht weit von jenem Küstenstrich entfernt, wo sich die Gebrüder Wright 1904 erstmals mit ihrem Motorflugzeug «Kitty Hawk» in die Lüfte erhoben, liegt die Landestelle der ersten englischen Expedition auf dem Boden der Neuen Welt. Die Pioniere nannten den Landstrich ‹Virginia› zu Ehren ihrer unverheirateten Königin. Erst 33 Jahre später erlaubte Elizabeth I. weiter nördlich eine zweite Niederlassung und nannte sie Neuengland. Captain John Smith, ein Führer der frühen Kolonisten in Jamestown, beklagte sich in einer Niederschrift von 1629 über die «damned Dutch». Dieser eher abfällige Name blieb den Deutschen erhalten, obwohl die ‹Dutch› ja eigentlich die Holländer sind. Sie galten den Engländern damals als Konkurrenten, als Feinde. Es war ein Peter Minnevit aus Wesel, der den Indianern die Insel ‹Manhattan› für 60 holländische Gulden abkaufte und ein Neu-Holland gründete. Sechs Jahre später baute er für 50 schwedische Siedler ein «Fort Christina» am Delaware-Fluß.

Die ‹Dutch› waren bei allen kolonialen Vorstößen in die Neue Welt dabei. Aber sie hoben sich nicht ab. Sie nahmen nicht teil an der kolonialen Landnahme, an der philosophischen oder ideologischen Diskussion über ihre moralische Rechtfertigung oder ihren wirtschaftlichen Nutzen.

Für die Spanier entwickelte sich Amerika zur Schatzkammer, für die Engländer und Franzosen zum Faß ohne Boden. Die spanische Krone konnte sich über die Maßen bereichern, das britische und das französische Königshaus mußten im Gegenteil immer wieder aus der Staatsschatulle zulegen.

Aus der Sicht der Einwanderer und Kolonisatoren war Amerika ein Hindernis, das man kühn überwand oder an dem man kläglich scheiterte. Der deutsche Dichter Lenau schrieb enttäuscht nach einem mißlungenen Siedlungsversuch von den ‹verschweinigten› Staaten von Amerika.

In den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts haben sich die Deutschen vor allem aus der Ferne mit Amerika auseinandergesetzt. Die deutschen Einwanderer hingegen paßten sich mit wenigen Ausnahmen den Gegebenheiten an. Ihr Beitrag zur Konsolidierung der ersten Kolonien lag mehr im handwerklichen und technischen Bereich. William Rittenhouse aus Mühlheim baute die erste Papiermühle. John Bausch aus Württemberg stellte Brillen her, Ottmar Mergenthaler erfand die Linotype. Henrich Millers druckte in seinem Pennsylvanischen Staatsboten als erster im Jahre 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung ab. Der deutsche Zeichner Thomas Nast entwarf den Elefanten als Symbol der republikanischen Partei und den Santa Claus, den amerikanischen Weihnachtsmann. Deutsche Bauern führten die Erdbeere und die Himbeere ein. Johannisbeeren und Stachelbeeren sind auf dem Boden der Neuen Welt allerdings nie so recht gediehen.

Die Einwanderer aus deutschen Landen gründeten ihre Turnvereine und Männerchöre. Selten haben sie versucht, sich zur Spitze der Gesellschaftspyramide hochzuarbeiten. Die deutschen Immigranten kamen von unten, sozialhistorisch betrachtet. Die meisten hatten kein Geld, um die Schiffsreise zu bezahlen; um den Überfahrtkredit abzuarbeiten, mußten sie sich bei der Ankunft oft auf unwürdige Weise verdingen. Im 18. Jahrhundert diente dazu ein sogenanntes «Freikauf-System». Diese Art der Sklavenhalterei auf Zeit wurde vom zeitgenössischen Schulmeister Gottlieb Mittelberger beschrieben: «Wenn die Schiffe nach langer Seereise in Philadelphia anlegten, durften nur die zahlenden Passagiere von Bord gehen. Die anderen mußten auf dem Schiff bleiben und sich von potentiellen Käufern oder ihren Agenten besichtigen und untersuchen lassen. Die Kranken hatten oft gar keine Chance. Die Gesunden konnten je nach Eignung und Stärke Kontrakte aushandeln, die sie vier, fünf oder sechs Jahre lang an einen Arbeitgeber fesselten. Kinder waren prinzipiell bis zum 21. Lebensjahr zur Sklavenarbeit verdammt.»

Zur Ergänzung dieses düsteren Bildes sei festgehalten, daß die Aufkäufer selber oft deutschstämmig waren und daß viele Einwanderer in diesem Handel mit ihrem Leben eine Chance sahen, der lebenslangen Fron im absolutistisch beherrschten Deutschland zu entfliehen.

Als die Kolonien rebellierten, ging die britische Krone dazu über, den kleinen und großen Fürsten im zerstückelten Deutschland männliche Untertanen abzukaufen und sie in den Krieg in Übersee zu schicken. Auf diese Weise gerieten über 30000 Hessen und Württemberger, Bauern und Soldaten nolens volens nach Amerika. Obwohl eine solche Vermietung von Truppen damals durchaus üblich war, gilt «Hessian» immer noch als ein Schimpfwort für Söldnertum und Landsknechtsmentalität. Als die Bundesrepublik Deutschland 1951 wieder erste Truppeneinheiten aufstellte, plädierte US-Präsident Eisenhower für eine Freiwilligenarmee mit dem historischen Argument: «Wir wollen keine Hessen haben.» Der deutsche Soldatenmarkt lieferte im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auch an Frankreich. So mußten in der Neuen Welt Pfälzer und Trierer gegen Hessen und Braunschweiger kämpfen.

Vielleicht waren es diese frühen Erfahrungen, die besonders bei den Deutschen in Amerika die Idee der Freiheit so tief verwurzelten. Sie gehörten zu den glühenden Gegnern des Sklaventums und der Indianer-Unterdrückung. Auch in Deutschland selbst galten die amerikanischen Revolutionäre von 1776 als Menschheitshelden.

Ein halbes Jahrhundert später allerdings regte sich im Deutschland der Restauration politischer Ärger über die «Monroe-Doktrin», die da forderte: Amerika den Amerikanern. Eberhard Straub schrieb dazu: «Die allgemein verbreitete Theorie vom unreifen Amerika, das zur Führung der Welt nicht begabt, nicht erzogen sei, gewann um so mehr Anziehungskraft, je nachdrücklicher Amerika seit dem späten 19. Jahrhundert sich als Weltmacht bemerkbar machte, je eindeutiger Europa dem Einfluß der Vereinigten Staaten weichen mußte.»

In seinem glänzenden Artikel über ‹Die wechselnde Erfindung Amerikas› in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schildert Straub auch die Abneigung der europäischen Aufklärer gegenüber Amerika: «Längst enttäuscht von Amerika, dessen Eingeborene weder edle Wilde noch entwicklungsfähige Naturkinder waren, mußten die Europäer eine Argumentation finden, die dem jungen Amerika seine Jugend beließ, aber Europa vor der Degeneration bewahrte. Die Aufklärer moralisierten, daß auf Grund natürlicher Gesetze Amerika zu ständiger Unreife verurteilt sei, den Gedanken der Freiheit gar nicht fassen könne. Amerika erschien den Aufklärern als trauriges Land, in dem die Vögel nicht singen und die Hunde das Bellen verlernen, in dem auch der Europäer rasch degeneriert, zum ewigen, traurigen Kind herabkommt.»

Bewunderung und Verachtung Amerikas wechselten sich über zwei Jahrhunderte hinweg ab. Nur am stetigen Auswanderungsstrom änderte dies wenig: In ihrer übergroßen Mehrheit suchten zumal die Deutschen in Amerika die Freiheit, die sie daheim nicht fanden. Zu Hause waren sie religiös verfolgt, politisch unterdrückt, wirtschaftlich ausgebeutet worden. In den USA sollte alles anders werden. Diese Hoffnung hielt bis nach 1945. Als einer meiner Jugendfreunde die Prüfungen für ein Austauschstudium 1956 erfolgreich bestand, gab er eine Party. Er wohnte in München zur Untermiete in einem kümmerlichen Hinterzimmer und hatte ein Pappschild auf die Tür geklebt mit der Aufschrift: «Stellt Euch vor, Amerika!»

Da also die meisten Deutschen aus politischer Begeisterung oder aus existentieller Verzweiflung im Laufe der Jahrhunderte nach Übersee gingen, verwundert es nicht, daß sie versuchten, möglichst schnell Amerikaner zu werden. Ausnahmen von dieser Regel sind selten. Um so prominenter erscheinen diese Ausnahmen in der Geschichte der deutschen Einwanderer – die Stämme der «unangepaßten» Deutsch-Amerikaner. Es gibt sie immer noch, und sie sind Teil der US-Folklore geworden, ein Stück Alte Welt mitten in der Neuen.

Pennsylvania Dutch

Wenn man die sanft gewellten Hügel sieht und die altertümlichen Kutschen, die sauberen Bauernhöfe und die fruchtbare Erde, die emsigen Zugtiere und die schon vergessen geglaubte Arbeitsweise – dann drängt sich ein Wort geradezu auf: heil. Eine heile Welt haben sie sich anscheinend geschaffen, die meist deutschsprachigen Einwanderer im Süden des amerikanischen Bundesstaates Pennsylvania. Und ihre Nachkommen haben diese Welt bis heute so bewahrt. Das Land war schon vor ihnen gottgesegnet von den frommen Quäkern unter William Penn – «Penn» wie Pennsylvania.

Die Amish und die Mennoniten und die anderen glaubensstrengen Schweizer, Rheinländer und Friesen haben dann aus dem Dutch-Land ein Stück Paradies gemacht. «Paradise» heißt denn auch der Hauptort der Gefolgsleute von Menno Simons und Jacob Ammon – «Menno» wie Mennoniten und «Ammon» wie Amish.

Beide stammten aus der Wiedertäuferbewegung, die Anfang des 16. Jahrhunderts in der Schweiz entstand. Etwa zu der Zeit, als die spanischen Konquistadoren angeführt von Pizarro und Cortés unter den Indianern der Neuen Welt wüteten, wurden die Wiedertäufer in Europa auf Scheiterhaufen verbrannt oder an Steine gefesselt und ertränkt. Vor der religiösen Verfolgung floh eine erste Gruppe von Mennoniten 1683 nach Pennsylvania. Dieses Datum gilt als der offizielle Beginn der deutschen Einwanderung – just im Jahre der Schlacht am Kahlenberg, die nun auch den Osten Europas für die Auswanderung öffnete. Auf Einladung von Penn kamen die Mennoniten und ihre Glaubensbrüder, die Amish, dann in Scharen nach Amerika. Die allermeisten von ihnen stammten aus Rheinland-Pfalz. Sie haben ihren deutschen Dialekt, ein wenig verfälscht, bis heute bewahrt.

In den Hügeln von Pennsylvania, die sie so sehr an ihre Heimat erinnerten, führen etwa 10000 Familien noch immer ein Leben nach Altväterart. Von der Geburt bis zum Tode wird ihr Leben bestimmt von Gebet, Armut und Bescheidenheit. Die strengere der beiden Glaubensgemeinschaften ist seit jeher die der Amish. Sie dürfen keine Traktoren benutzen zum Bestellen der Felder, keine Gürtel oder Knöpfe tragen, da dies als verwerflicher Zierat betrachtet wird. Und die Kinder fangen schon früh an, bei der Arbeit zu helfen.

Die Amish haben einklassige Schulen und unterrichtet wird nur bis zum 14. Lebensjahr, getreu dem Bibelspruch: «Die Weisheit der Welt ist Narretei vor Gott.» Die Amish kommen deshalb immer wieder in gesetzliche Konflikte mit dem Staat, der ja eine längere Schulpflicht vorschreibt.

Die Kinder sind schon wie kleine Erwachsene gekleidet und ihr Spielzeug ist karg: Ein kleiner Ball, ein Stückchen Schnur, keine Puppen und keine mechanischen Geräte. In den Schulen geht man auf Socken, die Schuhe müssen draußen bleiben.

Die Häuser der Amish haben keine Elektrizität, kein Fernsehgerät und natürlich keine Waschmaschine. Montags ist Waschtag, und dann kann man an den schwarzen Kleidern auf den Wäscheleinen genau erkennen, wo in Pennsylvania die Amish wohnen.

Zu seinem 14. Geburtstag bekommt jeder Junge ein Pferd. Sein Leben als Landwirt beginnt: sechs Tage pro Woche vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung. Diese Art Feldbestellung hält nicht stand im Wettbewerb mit der mechanisierten Landwirtschaft im übrigen Amerika. Aber mit der zunehmenden Liebe für das Naturreine finden die Amish auf dem Markt in der Stadt Lancaster genügend Abnehmer für ihre teuren Produkte.

Das Hauptverkehrsmittel ist der gedeckte Wagen. Nur von Pferden gezogen und ganz in schwarzem Holz, ist das moderne Rücklicht eine Konzession an die Verkehrssicherheit. Meist ist der Einblick in die schachtelförmige Kutsche verhangen, schon wegen der neugierigen Touristen und Fotografen. Nach dem Glauben der Amish ist es Sünde, sich abbilden zu lassen. Wenn sonntags eine große Zahl von schwarzen Kutschen vor einer dieser blitzsauberen Farmen geparkt sind, ist das ein äußeres Anzeichen für eine Versammlung im Gebet. Immer 35 Familien bilden einen Distrikt. Alle 14 Tage kommen sie zusammen. Der Gottesdienst dauert vier Stunden und beginnt mit einer Hymne aus dem ‹Ausbund›. Danach folgt das Lobelied. Gepredigt wird in einem altmodischen Hochdeutsch. Nach dem Gottesdienst serviert die jeweils gastgebende Familie ein ländliches, schmackhaftes Mahl.

Da gibt es alle Früchte des Landes, püriert oder als Marmelade, auf selbstgebackenem Kuchen oder als Kompott. Hausgemachter Käse, selbstgeschöpfter Honig, frische Zitronenlimonade, dazu einige Sorten von Kürbis, dem Gemüse der indianischen Ureinwohner. Geselligkeit kommt jedoch nicht auf, schon weil die Männer zuerst essen, aufgereiht nach Alter. Doch die Atmosphäre ist friedlich und würdig. Wer das Deutschland des 17. Jahrhunderts nacherleben will, der muß auf einer Amerikareise haltmachen auf halbem Wege zwischen den Wolkenkratzern von New York und den Verwaltungsgebäuden von Washington.

Aufgeschlossener gegenüber modernen Zeiten sind die Mennoniten. Die Familie Brennerman ist schon so lange in der Region ansässig, daß Straßen und Plätze ihren Namen tragen. Paul Brennerman ist wie ein ganz gewöhnlicher Amerikaner angezogen, wenn er den Traktor fährt. Sie scheuen auch die Kamera nicht. Aber auch sie führen alles andere als einen liederlichen Lebenswandel. Auf den 200 Morgen Land hält Paul Brennerman Hühner und Kühe. Seine Vorfahren haben ihr Geld noch mit Tabak verdient – obwohl den Mennoniten selbst das Rauchen untersagt ist.

Arbeit und Gebet bestimmen auch den Lebenslauf der Familie Brennerman. Zwei Söhne, eine Tochter, eine Schwester und Frau Elizabeth – ein sittsames Häubchen auf dem Kopf. Pfarrer Stahl steht dieser Mennoniten-Gemeinschaft vor. Auch er kann noch auf deutsch predigen, aber die meisten anderen in der Gemeinde können nur noch auf deutsch singen. Paul Brennerman macht da keine Ausnahme. Immerhin ist er schon in der sechsten Generation Amerikaner. Ein paar von den Alten können nach der Kirche allerdings noch einen Schwatz auf altdeutsch halten. Glaubt Paul Brennerman, daß seine Kinder bei diesem Leben bleiben? «Ich bin Bauer, weil ich auf einer Farm groß wurde. Aber mit diesem Leben ist auch Überzeugung verbunden, und ich hoffe, daß die Kinder das mitbekommen haben.»

Wird er mit der modernen Landwirtschaft mithalten können? «Ja, erst einmal sind wir Selbstversorger, wie das auf einem Bauernhof so üblich ist; ob das Brot oder Fleisch ist, und dann sind natürlich unsere Bedürfnisse nicht so groß wie die der anderen, mit denen wir konkurrieren.»

Brennerman hat einen Stand in der Markthalle der nächsten Kleinstadt. Seine Produkte sind sehr begehrt. Zwar sind die Kartoffeln, die Zwiebeln und der Spinat teurer als im Supermarkt, dafür aber wurden bei der Erzeugung keinerlei Chemikalien verwendet.

Die Mennoniten haben auch anderes anzubieten als Lebensmittel. Hier werden handwerklich sorgfältig gefertigte, bunte Steppdecken versteigert. Der Zuspruch ist ungeheuer, und die Preise für die «Quilts», wie diese kunstvoll und mühsam gefertigten Decken genannt werden, steigen Jahr für Jahr. Die Kunst der Quiltnäherei ist eigentlich einmal aus der Restverwertung von Stoffetzen entstanden; je älter die Stücke, um so kostspieliger sind sie heute.

Überhaupt ist das Interesse am Dutchland in den letzten Jahren so gestiegen, daß der jährliche Touristenstrom einer Invasion gleichkommt. Geschäftstüchtige Unternehmer haben gar Vergnügungsparks in die Landschaft gesetzt. Da wird dann das Dutchland plötzlich zum Wonderland. Im letzten Jahr mußten die Amish und Mennoniten vier Millionen Touristen über sich ergehen lassen. Darunter auch viele Schwarze, die diese rein weiß besiedelte Gegend mit ihrer scheinbar mittelalterlichen Kultur besonders faszinierend finden. Die verschiedenen Veranstalter schleusen die Besucher durch die Souvenirindustrie, wo es Amish und Mennoniten als Puppen zu kaufen gibt. Ein echtes, lebendes Exemplar werden diese Besucher nur versehentlich sehen. Dafür gibt es dann Führungen durch Museen und Erklärungen am Modell.

Wie empfindet Paul Brennerman den Zustrom all dieser Touristen? «Es ist ein ungemein großes Wirkungsfeld, um Bekenntnis auf den Glauben abzulegen. Menschen sind ein großes Potential, sie sind der Reichtum dieser Welt, und Menschenliebe ist ein Teil meines Lebens.»

Neben den ungefähr 200000 Mennoniten und Amish haben sich Reste anderer Flüchtlinge vor der Gegenreformation in Europa gehalten: die Moravianer und die Schwenkfelder, die Dunker und die Heiligen des 7. Tages, die Salzburger und die Rosenkreutzler. Der Einfachheit halber werden sie alle die ‹Pennsylvania Dutch› genannt.

Für die Deutschen im Südwesten der Nation, die Zehntausende der Germans von Texas, gibt es hingegen keinen besonderen Namen. Doch sie sind da, und sie legen Wert auf ihre Herkunft.

Tusculum in Texas

Ein ländliches Fest im Herzen von Texas: Die Leiningers feiern den Schulabschluß der achtzehnjährigen Theresa. Sie ist die jüngste von neun Kindern, die allesamt zu diesem Anlaß angereist sind. Vater Paul Leininger hat ein paar Wandermusikanten angeheuert. Im Garten hinter seinem kleinen Hof singen sie alle das Lied von der texanischen Schönheit und der texanischen Tradition – «Remember the Alamo».

Es war im texanisch-mexikanischen Kriegsjahr 1836, als eine Gruppe von Freiwilligen aus Texas und aus dem mittleren Westen sich vor einer Übermacht mexikanischer Regierungstruppen in eine alte spanische Mission, «Alamo», zurückzog. Sie wurde Mann für Mann niedergemacht. Unter dem Eindruck der heldenhaften Verteidigung kam es bereits sechs Wochen später zur Vergeltungsschlacht und zur texanischen Unabhängigkeit von Mexiko. Neun Jahre lang war Texas dann «the lone star state», bevor es 1845 in die Vereinigten Staaten aufgenommen wurde.

Paul Leininger meint, daß in El Alamo neben Nationalhelden wie Jim Bowie und Davy Crockett namenlos gebliebene deutsche Einwanderer mitgekämpft hätten. Er erzählt von einem Friedrich Ernst, der 1831 aus Oldenburg in die Nähe von San Antonio gekommen sei, wo sich diese amerikanische Nibelungensage abgespielt hat. Jedenfalls stießen die deutschen Einwanderer, die gleich nach der Unabhängigkeit in großen Schüben nach Texas kamen, auf Landsleute. Sie suchten und fanden in Texas das wahre Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Dreimal so groß wie das heutige Deutschland, nur spärlich besiedelt von Indianern und Mexikanern, erhofften sich die weißen Pioniere hier endloses Land und grenzenlose Freiheit. Gar mancher Texaner mit sandfarbenem Haar aus der Wild West-Folklore wird deutscher Abstammung gewesen sein.

Beim Grillfest im Kreis der Familie Leininger meint Mutter Joanine, daß es mit dem Reichtum nicht so weit her war damals. Von den 10000 Deutschen, die allein 1845 kamen, habe es ein Drittel nicht einmal von der Küste am Golf von Mexiko hoch in das ‹hillcountry› geschafft. Gleichwohl – im hügeligen Land hinter San Antonio ließen sich die Deutschen in geschlossenen Gemeinschaften nieder. Wenn der Lebensunterhalt auch zunächst kümmerlich war, so gelang doch in der Weite von Texas, was den Deutschen im restlichen Amerika nur selten beschieden war – die Erhaltung einer gewissen ethnischen Selbständigkeit.

In Mainz organisierte sich ein Adelsverein sogar mit der Vorstellung einer eigenstaatlichen Kolonie in Texas. Schon damals nämlich war die rapide Amerikanisierung der Deutschen in den USA auch zu Hause bekannt. Der Mainzer Adelsverein transportierte 7000 Kolonisten in das hillcountry und achtete argwöhnisch auf ihre kulturelle Geschlossenheit dort. Tatsächlich sind New Braunfels und Fredericksburg bis heute «deutsch» geblieben. Mit ihrer pseudo-europäischen Souvenirindustrie, mit verwässertem Bier und einer «typisch deutschen», wenngleich faden Bratwurst locken die Einwohner von New Braunfels erfolgreich Touristen an.

Die Familie Leininger wohnt in einer Gemeinde, die noch um die Jahrhundertwende doppelt so viele Mitglieder wie heute zählte. Nur der ausgedehnte Friedhof mit den vielen deutschen Namen erinnert noch an Charlottenburg. In der Nachbarschaft liegen Siedlungen wie Weimar und Schulenburg, Breslau und Waelder. Republikanische Ideale flossen in Namensgebungen wie Börne und Bettina (von Arnim).

Paul Leininger zählt zu seinen Vorfahren die deutschen Latin-Farmers. Das waren Lehrer und Anwälte, die in Deutschland eine humanistische Bildung genossen hatten und aus Enttäuschung von der Alten in die Neue Welt gingen. Sie waren auf der Suche nach einer Spielwiese für ihre Philosophie von einem alternativen Leben. Dabei schwebte ihnen eine Schäferidylle frei nach Rousseau vor – zurück zur Natur. Diese frühen Aussteiger nannten den utopischen Versuch Tusculum. «Von Tusculum ist nichts mehr übrig. Statt einer Idylle fanden unsere Vorfahren Armut und Krankheit und harte Arbeit als die einzige Möglichkeit zu überleben», sagt Paul Leininger und zitiert einen spöttischen Spruch aus der Zeit: «Die Latin-Farmers wissen nur, wie man Rauhreif erntet.»

Wie die meisten hier sprechen auch die Leiningers nur noch ein paar Brocken Deutsch. Mutter Joanine sagt: «Aber auch drüben in New Braunfels beherrschen sie nur noch die Sprache, denken tun sie amerikanisch. Unsere Verbindung zu Europa ist längst abgerissen. Die Kulturgüter, die unsere Vorfahren mitgebracht haben, sind allerdings noch vorhanden.»

Die klassizistischen Bauten im Hansaviertel von San Antonio sind für die deutsche Überlieferung genauso ein Beispiel wie die vorzügliche Zimmermannsarbeit in altem Mobiliar. Brotschränke und Spinde aus dem 19. Jahrhundert, auch deutsche Stickereien werden heute hoch gehandelt in Texas. Im Haus der Leiningers sieht es eher karg aus. Da steht kein künstlerisch wertvolles Erbstück, und es gibt auch keine Ahnengalerie. Das Vermächtnis der Leiningers an die texanische Gesellschaft ist geistiger Art. Sie alle sind Lehrer, wie es die meisten der Latin-Farmers waren.

Mutter Joanine sagt: «Alle meine fünf Schwestern, meine Mutter und meine Tante sind Lehrer. Ich glaube, Lehrer zu sein, das muß man geerbt haben. Dazu muß man geboren sein.» In Charlottenburg und Börne, das heute ohne Umlaut geschrieben wird, wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts deutsch unterrichtet. Im Jahre 1917 legte Gouverneur Ferguson ein Veto gegen Fremdsprachen in Texas ein. Das war eine Maßnahme sowohl gegen die Mexikanisierung des Bundesstaates wie auch gegen das feindliche Deutschland.

Während des texanischen Öl-Booms ersetzte schließlich technisches Know-How alte Vorstellungen von allgemeiner Bildung. Noch mehr als in den anderen Bundesstaaten ging der Bedarf an Lehrern und Gelehrten zurück; Wissen mußte praktisch anwendbar sein. Bei einem Lehrergehalt von nur 1100 Dollar im Monat müssen sich die Leiningers einschränken. Weil die öffentlichen Schulen den Leiningers nicht gut genug sind, haben sie alle neun Kinder nacheinander zu den katholischen Schwestern von Sankt Ludmilla geschickt.

Eltern und Kinder müssen deshalb in der Landwirtschaft ein Zubrot verdienen. Paul Leininger züchtet Vieh. Joanine gibt nebenher Privatunterricht, sorgt eigenhändig für das tägliche Brot. Auch die Zutaten für das Festessen zu Ehren Theresas kommen meist vom Hof: Götterspeise aus grünem Paprika, Bohneneintopf, Grillwurst und Maiskuchen. Auch an diesem festlichen Tag muß Theresa gelegentlich nach ihrem Jungstier schauen, den sie später im Jahr auf einer großen Auktion versteigern will. So haben alle Kinder ihr Studium mitverdienen müssen. «Unsere Kinder», sagt Mutter Leininger, «haben unsere Wertvorstellungen mit auf den Weg bekommen. Lesen und Schreiben, das kann man überall lernen, in jedem Schulsystem. Wir aber bereiten sie aufs Leben vor. Das, was wir ihnen mitgeben, soll unsere Kinder für die Herausforderungen des Lebens wappnen. Hoffentlich werden sie aufrichtige Menschen.»

Ob denn die Kinder auch alle in den Lehrberuf gegangen sind? «Nur das Nesthäkchen, nur Theresa.»

Theresa feiert in der Kirche des nächst größeren Ortes Schulabschluß. In Amerika heißt der Schulabschluß Commencement, ‹Beginn›. Für Theresa beginnt ein Lehrerleben, wie es in der Familie Tradition hat. Die Achtzehnjährige spricht kein Wort Deutsch mehr – und doch trägt sie ein wenig deutsches ‹Tusculum› in Texas weiter.

Schurz & Company

Das Dorf Liblar bei Köln hat sich ein Denkmal gesetzt, das zwischen dem alten Marktplatz und dem ehemaligen Wasserschloß der Grafen Metternich steht. Es zeigt den berühmtesten Sohn des Ortes, Carl Schurz. Wie viele andere Deutsche hatte auch er nach der mißlungenen Revolution von 1848 die Flucht nach Amerika angetreten. Unter den sieben Millionen Deutschen, die in drei Jahrhunderten nach den USA ausgewandert sind, gehört er zu den wenigen, die dort auch politisch prominent wurden. Vor ihm hat nur Friedrich Wilhelm von Steuben die Geschicke des Landes lenken helfen. Als Generalinspekteur der Armee Washingtons machte er aus einem bunten Haufen von Freiheitskämpfern eine disziplinierte Armee.

Nach ihm ist den Vereinigten Staaten erst wieder mit Henry Kissinger ein namhafter, in Deutschland geborener Politiker zugewachsen.

Politische Flüchtlinge wie Schurz brachten Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Ideale mit nach Amerika. Sie waren glühende Gegner des Sklaventums und marschierten an der Seite des Nordens in den amerikanischen Bürgerkrieg. Schurz, der mit Abraham Lincoln befreundet war, machte nach 1865 eine politische Karriere. Er konnte die Deutschen in Amerika für die republikanische Sache gewinnen; seine nicht ganz ernst gemeinte Wahlparole lautete: «Liberty and Lagerbier». Die große deutsche Gemeinde folgte ihm in jede Wendung seiner Laufbahn; sie half ihm bei der Wahl zum Senator von Missouri, sie jubelte, als er 1877 Innenminister wurde. Schurz war der lebende Beweis dafür, daß auch Einwanderern aus Deutschland der Weg an die Staatsspitze offenstand. Später, als Agent des Norddeutschen Lloyd, förderte Carl Schurz die Masseneinwanderung aus der alten Heimat. Er kämpfte gegen die Welle des Antiamerikanismus, die im Reich unter der Herrschaft von Kaiser Wilhelm I. aufbrandete. Erst mit Schurz’ Tod im Mai 1906 verblaßte die politische Präsenz der Deutschen in Amerika.

Das halbe Jahrhundert des Carl Schurz in Amerika ist identisch mit der kurzen Blüte deutscher Kultur in der Neuen Welt: Franz Lieber schuf nach dem Vorbild des Deutschen Brockhaus das erste amerikanische Lexikon. Prinz Carl von Solms-Braunfels gründete in Texas zusammen mit Hans Ottfried von Mäusebach eine Art Staat im Staate. Levi Strauß aus Bayern schneiderte für die Goldsucher von Kalifornien robuste Hosen aus blauem Segeltuch, die ersten Blue jeans. Leopold Damrosch aus Posen gründete das Symphonieorchester in New York. Albert Bierstadt aus Düsseldorf wurde berühmt mit seinen Gemälden vom Capitol und seinen pathetischen Bildern des Wilden Westens.

Um 1900 hatte New York mehr deutschsprachige Einwohner als München, Chicago mehr als Frankfurt. 52 Millionen Amerikaner führen heute ihre Ahnenschaft auf Deutschland zurück. Das sind fast 30 Prozent der Gesamtbevölkerung. Im 19. Jahrhundert war dieser starke deutsche Anteil in Amerika auch sichtbar. Da gab es selbstverständlich neben dem Little Italy, der China-Town oder dem French Quarter auch ein Little Germany. Die gemeinsame Sprache, mehr noch die Unkenntnis der neuen Sprache, der neuen Sitten, förderte den Drang der Immigranten zusammenzubleiben, und in einer Art Kettenreaktion holten sie in euphorischen Briefwechseln Verwandte und Bekannte nach. Die Lebensmittel in den Läden entstanden nach deutscher Art, deutsche Bücher und Zeitungen lagen wie selbstverständlich aus – im Theater gelangten Goethe und Schiller zur Aufführung. Als besondere Attraktion wirkten die Bierhallen, auch für die anderen Amerikaner. Deutsche «Gemütlichkeit» schien sprichwörtlich. In Milwaukee, Cincinnati und New York gab es insgesamt 250 solcher Bierhallen: Ein ewiges Oktoberfest. Geblieben ist nur eine der Hallen, in Cincinnati, zusammen mit einem Denkmal für den Rattenfänger von Hameln.

Carl Schurz konnte die Millionen deutscher Immigranten für seine politischen Ziele nutzen. Aber auch seine Frau Margarethe hinterließ Spuren; sie war Amerikas erste Vorschullehrerin und führte das Wort «Kindergarten» in den amerikanischen Sprachschatz ein.

Die Menge der Deutschen, ihre Organisationen und Vereine weckten Besorgnis unter anderen amerikanischen Volksgruppen. Die Neigung der Deutschen, geschlossene Gemeinden zu gründen, erregte schon mehr Unmut. In den Heimatvereinen sahen viele Amerikaner eine Art Geheimbündelei. Es war bereits Benjamin Franklin, einer der Gründungsväter der USA, der die Schließung deutscher Schulen forderte und von einer wachsenden Überfremdung sprach. Die meisten Deutschen waren Handwerker und oft genug der einheimischen Konkurrenz überlegen. Im Jahre 1883 schließlich begingen die Deutschen in Amerika mit großem Pomp ein besonderes Jubiläum: «200 Jahre Einwanderung». Im Vorwort zu einer Festschrift hieß es: «Es mag am deutschen Wesen noch einmal die Welt genesen.»

Es ist ein Zitat aus dem Buch von Julius Göbel über das Deutschtum in den Vereinigten Staaten von Amerika. Es wurde dann 1904 vom Altdeutschen Verband in den USA herausgegeben – «nicht nur als Mahn- und Weckruf, sondern auch um einem gemeinsamen dumpfen Unterbewußtsein und Drang in den Seelen der Deutschen in Amerika scharfen und heilsamen Ausdruck zu verleihen.»

Solche arroganten Worte entsprachen nicht mehr dem politischen Trachten eines Carl Schurz. Er hatte sich sein Leben lang gegen das Vorurteil durchzusetzen, das die Deutschen als «Störenfriede und Ränkeschmiede» in den USA darstellte. Ein politischer Gegner von Schurz, der republikanische Senator Drake, klagte sie an, «als eine Schar Unwissender, die nicht einmal englisch könnten, nur ihre deutschen Zeitungen lesen und unter der Führung von bestochenen und intriganten Cliquen stehen». Der wilhelminische Nationalismus, der überschwappte nach Amerika, verhalf derlei Anwürfen zu einer gewissen Glaubwürdigkeit.

Dabei war gerade Schurz’ Karriere ein Beispiel für deutsche Anpassungsfähigkeit. Als er im März 1869 seinen Sitz im Senat der Vereinigten Staaten errungen hatte, schrieb er: «Ich bin eben erst 40 Jahre alt. Vor wenig mehr als 16 Jahren erst war ich in Amerika gelandet, ein Heimatloser, ein aus dem großen Schiffbruch der revolutionären Bewegung in Europa Geretteter. Werde ich je imstande sein, diesem Lande meine Dankesschuld abzutragen und die Ehren, mit denen ich überhäuft wurde, zu rechtfertigen?»

Seine politische Laufbahn war auch in Europa mit Interesse verfolgt worden. Reichskanzler Bismarck wollte ihn kennenlernen. Es kam zu einer Begegnung. Bismarck sah in den Vereinigten Staaten eine aufstrebende Weltmacht und wunderte sich darüber, wie es möglich sei, daß eine menschliche Gesellschaft halbwegs geordnet sein könne, in der so wenig Ehrfurcht vor den Behörden herrschte. Mit herzlichem Lachen nahm er Schurz’ Erklärung auf: «Das amerikanische Volk hätte kaum soviel Selbstvertrauen und Fortschritt entwickeln können, wenn an jeder Pfütze in Amerika ein Geheimrat oder Schutzmann gestanden hätte, um die Leute davor zu bewahren, hineinzutreten. In einer wenig regierten Demokratie können die Dinge im einzelnen schlecht stehen, im ganzen aber gut.»

Der eiserne Kanzler soll dann nach der Meinung Amerikas über Deutschland gefragt haben. Schurz sagte, daß man sich in Amerika mit der deutschen Einheit wenig beschäftige.

Im Jahre 1913, kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs, ließ ein gemischt amerikanisch-deutsches Komitee auf den ‹Morningside Heights› in New York ein Denkmal für Carl Schurz errichten. Darunter steht: «Dem Verteidiger der Freiheit und dem Freund der Menschenrechte.»

Während des Ersten Weltkriegs verschwand der deutsche Einfluß in der amerikanischen Politik, verblaßte der ‹German Cultural Imprint›. Die Bierhallen wurden abgerissen, die Heimatbünde lösten sich auf, und eine neue Generation von Deutschen in Amerika gliederte sich so unauffällig wie möglich in die Bevölkerung ein. Immerhin – viele Carl-Schurz-Gesellschaften überlebten den Ersten Weltkrieg. Sie förderten das Engagement des Namenspatrons, das er zeit seines Lebens für die Lage der Schwarzen und der Indianer gezeigt hat und für die Idee des Liberalismus. Doch noch einmal sollte die Rolle der Deutschen in Amerika ins Zwielicht geraten: Mit dem Aufstieg Hitlers fiel die Berlin-Vereinigung – eine der Carl-Schurz-Gesellschaften – unter die Schirmherrschaft der Nationalsozialisten. Die anderen Anhänger von Schurz in Amerika waren empört. 1935 übermittelten sie dem deutschen Botschafter in Washington folgende Erklärung: «Nichts kann taktloser sein, als den Namen Carl Schurz für die Sache Hitlers einzuspannen, denn Schurz stand in seinen Gedanken und seiner Philosophie in vollkommenem Gegensatz zur Ideologie der Nationalsozialisten.»

Während des Zweiten Weltkriegs verschwand schließlich der Name Schurz aus der Geschichtserinnerung der Amerikaner. Und doch wurden die Vereinigten Staaten noch einmal zur Fluchtburg für Deutsche und Österreicher. Walter Gropius brachte die Bauhaus-Architektur mit, Otto Klemperer seinen Dirigentenstab, Arnold Schönberg die Zwölftonmusik, Thomas Mann seine Dichtung, Fritz Lang sein Regietalent, George Grosz seine Malerei, Kurt Weill seine Musik und Marlene Dietrich – sich selbst und den Mythos ewiger Schönheit.

Zu den jüdischen Flüchtlingen vor dem Dritten Reich wie Albert Einstein, Bruno Walter und Hannah Arendt zählte auch ein Junge, der 1923 in Fürth das Licht der Welt erblickt hatte: Henry Kissinger. Aus der Heimat blieb ihm sein Akzent und die Liebe zum Fußball.

Am Anfang waren es die Handwerker, am Ende die Intellektuellen, die das Ingenium ihrer Heimat in die amerikanische Gesellschaft einbrachten. Fleiß und Bodenständigkeit, Ingenieursphantasie und Verläßlichkeit – wenn wir Deutsche diese Charakterzüge in Amerika wahrnehmen, dann erkennen wir auch Spuren von uns selbst.

Wie kommt es in Peoria an?

Den letzten Auftritt vor seiner ersten Präsidentschaftswahl hatte Ronald Reagan 1980 auf einer Bühne der Stadt Peoria. Im Vorort Eureka war er zur Schule gegangen, hier hatte er den Spitznamen ‹Jelly Bean Kid› angenommen – wegen seiner Leidenschaft für diese sehr amerikanische Bonbonsorte. «Reagan plays well in Peoria» steht auf einem Spruchband.

Wie gut einer oder etwas in Peoria ankommt, ist nicht nur in diesem Städtchen im Mittelwesten ein geflügeltes Wort. Um die Jahrhundertwende herum nämlich wurden das Orpheum und viele andere kleine, heute verschwundenen Theater von Peoria als Testbühnen für die großen Häuser von Chicago, St. Louis und New York benutzt.

Bevor die «Vaudeville»-Gruppen auf Tournee gingen in den Wilden Westen, spielten sie in Peoria auf, unter den Aktricen die große Sarah Bernhardt und die Tänzerin Lola Montez. Wenn es in Peoria «ankam», wenn die Kritiker in den Lokalzeitungen, darunter ein halbes Dutzend deutsche, zustimmten, dann wurde das Stück gewöhnlich im ganzen Land ein Erfolg.

Peoria lag Ende des 19. Jahrhunderts ganz unter deutscher Kulturhoheit. Das war für Max Grünbeck im Jahre 1976 mit ein Grund, eine Städte-Partnerschaft mit Peoria zu schließen. Max Grünbeck war damals Bürgermeister in Friedrichshafen, sein Nachfolger, Martin Herzog, pflegt die Partnerschaft weiter. Es gibt noch eine weitere, historisch bedeutsame Verbindung. Der junge Graf Zeppelin durfte mit Erlaubnis des Präsidenten Abraham Lincoln im amerikanischen Bürgerkrieg Aufklärungsballons über den feindlichen Linien beobachten. Das gab Zeppelin den Anstoß für die Entwicklung des Fesselballons. Jedes Jahr fliegen mehrere Delegationen aus der Zeppelinstadt vom Bodensee nach Peoria. Vor dem Rathaus spielt dann ein Blasorchester auf: eine «Oompah-Band».

Wie bei solchen Partnerschaften üblich, reisen meist nur die Honoratioren. Der «Kommunale Brückenschlag» hat noch längst nicht die Qualität des deutsch-französischen Verhältnisses. Dennoch ist die «jumelage» zwischen Peoria und Friedrichshafen ein deutsch-amerikanisches Vorbild. Im Rathaus von Peoria hängt die Fahne von Friedrichshafen. Die Städte gleichen sich auch in der politischen, konservativen Zusammensetzung. Peoria hat 135000 Einwohner. Die Lage am schiffbaren Illinois-Fluß hat früh eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung gefördert. Getreide und Traktoren sind die großen Exportprodukte, die über den Illinois hinunter nach New Orleans gehen.

Die deutschen Delegationen besuchen regelmäßig deutschstämmige Farmer. Deren Getreide- und Mais-Silos sind bis obenhin voll, und die Ernte muß auf den Markt, auch wenn die Preise nicht stimmen. Vom Getreideembargo Jimmy Carters gegen die UdSSR haben sich die Farmer nie erholt.

Auch ein Besuch der Deutschen bei der Firma Caterpillar ist obligatorisch. Die Traktorhalden sind größer geworden auf Grund der wachsenden Konkurrenz aus Japan; und das Verbot Ronald Reagans, sich an der neuen Erdgasleitung zwischen der Sowjet-Union und Westeuropa zu beteiligen, hat Caterpillar einen großen Kunden gekostet. Seit diesen beiden Entscheidungen in Washington betrachten die Bürger von Peoria ihre Präsidenten besonders mißtrauisch. Das spürt auch der Bürgermeister von Peoria, Dick Carver. Also sucht er nach Sündenböcken. Und da kommen die Deutschen durchaus gelegen – die «linken» Deutschen. Der loyale Anhänger Reagans beschwert sich: «Wir Amerikaner können Bilder im Fernsehen nicht begreifen, die uns antiamerikanische Protestdemonstrationen zeigen. Wo es doch wir Amerikaner sind, die den Sowjets auf ihrem Vormarsch Einhalt gebieten wollen und unsere Verteidigung großzügig auf Deutschland ausdehnen.»

Die vorwiegend deutschstämmige Bürgerelite von Peoria teilt diese Meinung. Noch um die Jahrhundertwende haben deutschstämmige Geschäftsleute den Handel in der Stadt beherrscht, und es ist der Maler Elmar King, vormals König, der in einem aufwendigen Bildband das Peoria der Jahrhundertwende nachempfunden hat. Bis in die zwanziger Jahren war Peoria eine zweisprachige Stadt. Das Haupthotel wurde inzwischen von «Schwarzwald» in «Black Forest» umgetauft. Im Ratskeller spielen für den deutschen Besuch die Kaiser-Wilhelm-Drummers auf, mit deutschen Pickelhauben auf dem Kopf und dem amerikanischen Adler auf der Brust. Sie sind die Clubband der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft. Die Arbeiterstadt Peoria hält einen amerikanischen Rekord, der auf deutsches Brauchtum verweist: auf je 120 Einwohner eine Kneipe.

Friedrichshafen ist unter dem amerikanischen Bombenhagel einst zerstört worden. Peoria fiel von alleine in sich zusammen – nach der Stadtflucht in den fünfziger Jahren. In die Ruinen im Stadtkern sind Schwarze gezogen; Bürgermeister Dick Carver will die Innenstadt allerdings wieder sanieren. Aber die Schwarzen haben dafür kein Geld. Die besser gestellten Bürger der Stadt haben sich jedenfalls längst auf die Anhöhe über dem Illinois-Fluß zurückgezogen, unter ihnen die meisten deutscher Herkunft. Sie fühlen sich für die Innenstadt nicht zuständig. Ihre Anhänglichkeit gilt der Villengegend und nicht mehr Peoria selbst. In den Worten des Managers Charles Lieber: «Unser Weg zurück nach Peoria ist länger als der Flug nach Deutschland.» Die sozialen Verhältnisse, der immer noch rapide gesellschaftliche Wandel, die Mobilität der amerikanischen Arbeitnehmer: Dies alles hat dafür gesorgt, daß eine Voraussetzung ethnischer Identität – nämlich derselbe Wohnort – zumindest für die deutschen Einwanderer in den Städten der USA entfallen ist. Auf dem Land schreitet dieser Prozeß langsamer voran. Hier halten sich die Brauchtümer länger.

Von den Roßtagen zu den Wagondays

Am letzten Sonntag im August ist Roßweihe am Tegernsee. Dieser religiöse Brauch hat sich über die Jahrzehnte zu einem Volksfest entwickelt. Hunderte von edlen Pferden und altertümlichen Kutschen ziehen in langer Prozession bei Rottach-Egern den See entlang. Wenn der Roßtag wegen Regen um eine Woche verlegt werden muß – also eigentlich grundsätzlich –, fällt dieses Fest zusammen mit der Fahnenweihe auf der anderen Seeseite. Beim anschließenden Schützenfest mit Parade werden die Bräuche und Trachten aus dem Mittelalter vorgeführt. Bürgermeister Rixner schreitet mit schwerer Amtskette dem Zug voran. Er kann auf einen Vorfahren gleichen Namens zurückblicken, der im Jahre 1566 Bademeister im nachbarlichen Bad Kreuth war – zu einer Zeit also, als die gewaltige Kunde von der Entdeckung einer Neuen Welt auch ins Tegernseer Tal gedrungen war.

Umgekehrt fand die «Entdeckung» des Tegernsees durch die Amerikaner erst im Zweiten Weltkrieg statt. Für die Nationalsozialisten war der See ein ‹Lago di Bonzo›, hier auch feierten der SA-Chef Röhm und seine Gesellen bis in die Nächte hinein, hier wurden führende SA-Funktionäre in einer Nacht der Trunkenheit von der SS überrascht und erschossen: Hitlers Auftakt zum Massenmord.

Die Schönheit des Sees und die Bequemlichkeit seiner Herbergen wurde nach 1945 von den Amerikanern kräftig genutzt. Der Jazzmusiker Benny Goodman verbrachte hier seine Sommer beim Fischen. Die amerikanischen Hochkommissare und später die Botschafter weilten hier während ihrer Ferien. Eine Beziehung auf Gegenseitigkeit aber entstand erst am 10. Mai 1985. Da haben Bürgermeister Peter Rixner und sein Amtskollege Jerry Seiffert aus der Stadt Ketchum in Idaho eine Städtepartnerschaft geschlossen. Gestiftet hat diese Partnerschaft ein Soldat aus Idaho namens Dan Henry:

«Ich war im Vietnam-Krieg, dann wurde ich nach Heidelberg und später nach Tölz versetzt. Als man mich zur Beförderung in die USA zurückholen wollte, bin ich in allen Ehren aus der Armee ausgestiegen und in Tegernsee geblieben.»

Den größten Teil des Jahres verbringt Dan Henry auf einer Alm hoch über dem Tal. Der Wirt hat ihm das kleine Austraghäusl zur Verfügung gestellt. Auf der Alm ist Henry bekannt wie ein bunter Hund, wenn er dem Wirt hilft, Bier und Schweinshaxn zu servieren. Seine Glatze à la Kojak oder sein Westernhut machen ihn unübersehbar. Dort auch hat er den Bürgern vom Tegernsee so viel von seiner Heimat im Wood River Valley erzählt, daß Bürgermeister Rixner und viele andere sich schließlich vor Ort von der fernen Schönheit überzeugen wollten.