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Was macht ein Mensch, der schon mindestens seit einem Jahr, eher länger, erleuchtet ist? Er lässt Stück für Stück seiner ganzen Seele in seinen Körper kommen. Er spürt, wie die Seele zum allerersten Mal in der gesamten Schöpfungsgeschichte hautnah die menschlichen Erfahrungen erlebt. Die Seele erfährt, was der Mensch erlebt und freut sich mächtig darüber. Der Mensch erfährt das Erlebnis der Seele in seinem Körper. Für beide großen Teile des beseelten Wesens, Mensch und Seele, ist nun alles neu, beide Teile erleben alles zum ersten Mal. Der göttliche Mensch integriert nun alles, was er vor seiner Erleuchtung noch nicht integrieren konnte. Das größte Abenteuer beginn … Jedes Kapitel beschreibt einen Teil dieser aufregenden Entdeckungsreise, die in eine neue Ära der Menschheit führt.
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Seitenzahl: 174
Veröffentlichungsjahr: 2025
Reiner Maria
Verkörperte Erleuchtung
Wie Gott auf Erden lebt
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Die Große Erkenntnis
Meine Weiblichkeit
Eine neue Art des Fühlens
Erhellender Frühling
Die Freude der Seele
Das große Aufgeben
Neue Emotionen
Die neue Liebe
Trennungen
Neue Energie
Bewusste Integration
Erleuchtungsgeschichte
Das Mysterium der Trennung
Wohlfühlen
Verkörperte Erleuchtung
Weiteres
Impressum neobooks
Reiner Maria
Verkörperte Erleuchtung
Wie Gott auf Erden lebt
Ein Buddha muss zwangsläufig
missverstanden werden.
Denn ein Buddha spricht aus
dem Herz, nicht aus dem Kopf.
- Osho -
Geistiger Urheber und Copyright:
Reiner Maria
© 2025, alle Rechte vorbehalten
Erste Ausgabe: Wien, Oktober 2025
Vorwort
Was macht ein Mensch, wenn er ein Jahr erleuchtet ist? Und was, wenn er fünf Jahre erleuchtet ist, oder zehn oder noch länger? Anders als Erleuchtete bis vor hundert Jahren, oder sogar bis vor 50 Jahren, kehrt er der Erde nicht den Rücken und wechselt auf die andere Seite, sondern er bleibt hier. Er zieht sich auch nicht in Wälder oder Berge zurück und kehrt solcherart der Menschheit den Rücken, sondern er lebt mitten unter den anderen Menschen.
Das macht einen großen Unterschied, denn diese Menschen verkörpern ein ganz neues Bewusstsein und tragen es weiter zur gesamten Menschheit. Einfach durch ihre Anwesenheit, durch ihr Sein und ihr Leben, wie immer sie auch leben.
Ab der Zeit, wo sie Ihren erleuchteten Zustand auch realisiert haben, was keineswegs gleich bei oder unmittelbar nach der Erleuchtung der Fall sein muss, beginnt für diese Menschen ein ganz neues Leben. In diesem Leben erfahren sie, was es bedeutet, als Gott auf der Erde unter anderen Menschen zu leben. Sie erfahren, wie es ist, wenn die Seele, die sie sind, immer weiter in ihren Körper eintaucht und dort menschliche Erfahrungen macht. Das ist, gelinde ausgedrückt, überwältigend.
Gleichzeitig erfahren sie auch, wie herausfordernd das Leben als Gott auf Erden ist. Sie spüren das Massenbewusstsein, das an ihnen schiebt und zieht. Ganz besonders die ganz Mutigen, die gewählt haben, in einer Großstadt zu leben. Die spüren das Massenbewusstsein noch viel stärker als die Landbewohner.
Zu den großen Herausforderungen zählt aber vor allem ihr eigenes menschliches Selbst, das die Jahrtausende alten menschlichen Programmierungen nicht so ohne weiters abschütteln kann. Da bedarf es schon einiger Geduld mit sich selbst und einiger Konsequenz.
Das Buch ist im Stil einer Ich-Erzählung geschrieben, die größerenteils in der Gegenwart spielt. (Bezugssystem der Gegenwart.) Das bringt das Buch näher zum Leser und macht es nachvollziehbarer. Es kann dadurch aber der Eindruck entstehen, dass es sich hier um eine Autobiografie handelt. Das ist jedoch definitiv nicht der Fall. Ich schreibe nur über ein paar Dinge meines Lebens, die in direktem Zusammenhang mit verkörperter Erleuchtung stehen. Und ich bringe meine Erfahrungen und Erlebnisse nur als Beispiel dafür, was im Leben in verkörperter Erleuchtung alles passiert und im Kern auch bei anderen passieren wird.
Und das habe ich halt in einer Geschichte verpackt, damit es nicht langweilig und trocken wird. Ich erzähle ja gerne Geschichten. Es ist an meiner Geschichte aber nichts erfunden. Die Teile, die ich beschrieb, haben sich auch so abgespielt.
Insofern ist dieses Buch auch ein Experiment. Ich bin schon neugierig, was die Leser dazu sagen werden. Das Schreiben hat mir jedenfalls große Freude bereitet.
Die Energie in meinem Stammcafé ist exquisit. Sie ist ständig in Bewegung, der Raum ist wie von einer leichten Frühlingsbrise von ihr durchflutet. Sie ist weit und unbegrenzt, nicht eingesperrt. Wann immer ich dieses Lokal betrete, bin ich binnen weniger Minuten ganz bei mir, was die innere Weite und Tiefe in mir öffnet. Deshalb bin ich so gerne und oft in diesem Café. Scheinbar spüre nicht nur ich dieses Wohlgefühl, das Lokal ist immer sehr gut besucht. Nun ja, der Kaffee ist auch exquisit, einzigartig in Wien. Zum Glück ist es äußerst selten überfüllt, so finde ich immer einen guten Platz für mich.
An sich ist dies mein Lokal, ich habe es nicht durch andere gefunden. Dennoch haben andere mich gefunden, und so ist es gekommen, dass manche Freunde mich nicht anrufen oder zuhause besuchen, sondern gleich in mein Cafè gehen, wenn sie mich treffen und mit mir reden wollen. Ansonsten gibt es die eine oder andere Kellnerin, die gerne ein Gespräch über Spiritualität mit mir führt. In dieser Zeit benutze ich mein geliebtes Stammcafé am liebsten zum Tagebuchschreiben. Wann immer ich Tagebuch schreiben will, gehe ich dorthin. Die exquisite Energie dort zieht mich förmlich an, ich habe dort viele Erkenntnisse.
In mein Tagebuch schreibe ich keine Ereignisse und Geschehnisse, ich schreibe immer das, was ich gerade empfinde, und das ist viel. Schließlich befinde ich mich gerade in der Endphase meines Erwachensprozesses, was ich aber noch nicht weiß. Ebenso weiß ich noch nicht, dass mein intensiver Selbstausdruck angewandte Neue Energie ist. Ich schreibe viel Tagebuch und lerne mich selbst dabei im Eilzugatempo kennen. Natürlich verbringe ich dementsprechend viel Zeit in meinem Cafè. Das Personal lässt mich in Ruhe, wenn sie sehen, dass ich beschäftigt bin. Sie sprechen mich nicht an und beschränken sich darauf, mir die gewünschten Getränke und gelegentlich kleine Speisen zu bringen.
An diesem Freitag verspüre ich einen besonderen Drang, mich in meinem Tagebuch auszudrücken, und eile in mein Cafè. Geradeso, als ob ich etwas Wichtiges zu erledigen hätte. Das habe ich auch, es fühlt sich so an. Ich muss etwas bearbeiten, das heißt, ich muss es durch Schreiben aus mir herauskitzeln. Ich spüre Wut in mir, nicht zu knapp. Es ist einfach Wut, sie richtet sich nicht gegen jemand oder etwas Spezielles. Das heißt, irgendwie schon, mir ist nach einer großen Abrechnung zumute. Ich beschimpfe meine Seele und das Universum aufs Übelste. Dann schreibe ich einen bemerkenswerten Satz: „Ihr existiert nur von meinen Gnaden!“ Es werden noch Jahre vergehen, bis ich voll begreife, wie tief wahr dieser Satz ist.
Ich kotze mich also so richtig aus und lasse an wirklich niemandem ein gutes Haar. Irgendwann ist dieser Freitag zu Ende, und ich bin müde. Doch fällt mir auf, dass ich in meiner Wut meine Selbstliebe entdecke. Ich bin so nah bei mir wie kaum zuvor, wütend wie kaum zuvor und entdecke dabei, wie sehr ich mich selbst liebe. Das finde ich großartig.
Am darauffolgenden Samstag spüre ich deutlich, dass ich noch nicht fertig bin, dass noch nicht alles ausgedrückt und aufgeschrieben ist, was wichtig ist. Also eile ich wieder in mein Stammcafé, bewaffnet mit meinem Tagebuch. Zu meiner Überraschung ist meine Wut gewachsen, ich bin fast zornig. Zum Glück schreibe ich nur und spreche nicht, sonst müsste ich laut schreien. Ich schimpfe noch mehr als gestern. Zur Seele und dem Universum sind noch alle möglichen Engel und aufgestiegene Meister gekommen. Alle zusammen nenne ich Saupack, das ich schließlich umbringe.
Ich bin wütend, weil ich noch immer nicht erleuchtet bin, und weil meine materiellen Lebensumstände so schlecht sind. Nur mein Stammcafé leiste ich mir fast täglich etliche Stunden lang, wodurch ich natürlich mehr als einen Kaffee konsumiere. Fast paradox. Die exquisite Energie hier ist etwas, das mir sehr guttut.
Je mehr ich schimpfe, desto mehr komme ich zu mir. Je mehr ich alle anderen und alles andere durch den Dreck ziehe, desto großartiger finde ich mich selbst. Und das ist auch notwendig, denn ich habe im Lauf der Jahre alles Mögliche groß und mich selbst klein gemacht. Ich habe meine Weisheit vor mir selbst
versteckt. Und das arbeite ich heute gründlichst auf. Und in diesem Strudel der Wut und der Abrechnung mit allem und jedem passiert es plötzlich: ich erkenne glasklar, dass meine Seele ich bin. Sie ist nicht etwas irgendwo draußen, sondern ich bin es. Ich, der Mensch, der hier sitzt und sich im Tagebuch auskotzt. Zur selben Zeit verehre ich meinen Körper über die Maßen.
Ich sehe deutlich, wie man nur sehen kann, dass es keine göttliche und menschliche Seite von mir gibt, sondern dass ich, der Mensch, die Seele, also Gott, bin. Und das ist das Ende der Fahnenstange, es gibt nichts Höheres darüber, in der gesamten Schöpfung nicht.
Ich kneife mir in die Nase und sage staunend und ehrfurchtsvoll: „Das ist die Seele.“ Ich streiche über meine Oberschenkel, mein Gesicht und meinen Hals, ich zwicke mich an allen möglichen Stellen meines Körpers, und sage staunend und ehrfurchtsvoll: „Das ist die Seele.“ Ich bin verliebt in mich wie nur was. Ich spüre, dass diese Liebe anders ist als jede andere Liebe, die ich bisher kennengelernt habe. Ich muss sie mir nicht verdienen, sie ist einfach da, in einer riesigen Menge. Ich bin geliebt, und diese Liebe ist gar nicht wegzukriegen.
Wut gibt es natürlich keine mehr. Es gibt nur Frieden und fast unermessliche Freude. Und diese wahnsinnige Liebe zu mir. Und Gewissheit. Dass alles an meiner Großen Erkenntnis richtig ist, steht mit unumstößlicher Gewissheit in mir.
Als ob das noch nicht genug wäre, überfällt mich die nächste Erkenntnis. Mit einem Schlag verstehe ich, was Neue Energie ist. Und ich frage mich, wie mir so etwas Einfaches jemals unklar gewesen sein kann. So lange habe ich sie irgendwie zu greifen versucht, mit meinem Verstand natürlich, ohne den Ansatz eines Erfolges. Und plötzlich steht sie vor mir. Nicht zu übersehen und nicht misszuverstehen.
Damit immer noch nicht genug, spüre ich meine Macht. Es ist natürlich keine Macht über andere, nicht einmal Macht über mich selbst in dem Sinn, dass ich mich beliebig steuern könnte, beliebig Einfluss auf mich ausüben könnte. Nein, es ist die Macht über mein Leben, und die ist groß. Ich kann tatsächlich wählen und entscheiden, was immer ich will. Ich bin dabei keinerlei Einschränkung unterworfen, ich bin völlig frei. Kein anderer Mensch oder Energie, kein Wesen kann mich daran hindern, völlig frei zu entscheiden, was immer ich will. Ohne jegliche Vorbedingung. Für mich und mein Leben natürlich, nicht für andere. Vor meiner Großen Erkenntnis habe ich immer Einschränkungen und Bedingungen gefühlt, jetzt aber habe ich die volle Macht über mein Leben. Es fühlt sich tatsächlich so an, als ob ich unendlich mächtig wäre. Es ist eine göttliche Macht, keine menschliche. Dies ist nur insofern eine Erkenntnis, als ich jetzt etwas weiß, was ich vorher nicht gewusst habe. Aber primär ist es ein Gefühl; ich fühle die Macht, die ich als Gott wirklich habe.
An meiner Großen Erkenntnis ist eine ganze Menge neu, nicht nur die Energie. Meine Macht ist neu, meine Liebe ist neu. Und vor allem ist die Integriertheit insgesamt neu. Wie aus den obigen Zeilen hervorgeht, habe ich das Menschliche und das Göttliche integriert. Die Bedeutung dessen ist kaum zu überschätzten. Mich und meinen Körper einerseits und meine Göttlichkeit andererseits nicht als zwei verschiedene Welten zu erleben, sondern als ein und dieselbe, ist ein echter Meilenstein. Ich suche nicht mehr, auch das kann man nicht hoch genug schätzen. Was sollte ich auch suchen? Meine Göttlichkeit, meine Seele? Die bin ja ich selbst, dieser großartige Mensch, der ab nun nicht nur ein Mensch ist, sondern alles. Ich sehe und erkenne, dass über mir nichts ist. Kein allmächtiger Gott irgendwo da oben, kein aufgestiegener Meister, kein Erzengel, kein anderer nicht-physischer Engel, kein Alien, einfach nichts. Vielmehr bin ich ein strahlender Engel.
Sogar mein Verstand, den ich so lange und so viel gescholten habe, fühlt sich jetzt integriert an. Somit kann ich ruhigen Gewissens den viel zitierten Satz aus meiner Erkenntnis sagen: „Geist, Seele und Körper sind eins. Ich bin das alles.“ Ich bin integriert. Und erlebe gerade eine ganze Menge Neues. Später werde ich erkennen, dass es so überhaupt nicht überraschend ist, dass ich ausgerechnet in diesem Moment die Neue Energie erkenne und verstehe. Ich erlebe so viel Integriertheit, dass ich die Neue Energie, die die Energie der Integration des Menschlichen mit dem Göttlichen ist, erkennen muss.
Meine Wut, die jetzt Vergangenheit ist, war vor allem die Wut auf meine bescheuerten Glaubenssysteme, wie ich jetzt sehe. Wie konnte ich so dumm sein, mir aus allem, was ich gehört und gelesen habe, so einen Mix an begrenzenden Glaubenssystemen zu zimmern? Damit, vor allem damit habe ich heute Nachmittag abgerechnet. Somit war endlich der Weg zu mir frei, und ich konnte neu geboren werden.
Das Universum durfte heute ruhig sterben. Was habe ich nur früher damit angefangen? Wieder so ein unnützer Blödsinn, den ich unhinterfragt von anderen übernommen habe. Das Reden vom und das Glauben ans Universum ist was für spirituelle Kinder, nichts für spirituelle Erwachsene.
In meinem dreijährigen Erwachensprozess habe ich viele Erkenntnisse gehabt, doch die heutige stellt alle vorangegangenen Erkenntnisse in den Schatten. Sie ist größer, mächtiger, substanzieller und tiefgreifender als alles andere. Es ist Samstag, der 12. Dezember 2009. Ich sitze in meinem Stammcafé und bin erleuchtet. Aber das weiß ich noch nicht. Ich weiß noch nicht, dass diese Große Erkenntnis, die mein Leben schon bald substanziell verändern wird, meine Erleuchtung ist.
Alle sprechen vom Erwachen, also von dem schwierigen und oft mühsamen Transformationsprozess, an dessen Ende die Große Erkenntnis steht, die keine Fragen mehr übrig lässt. Wirklich alle, soweit sie sich öffentlich äußern. Ich verfolge viele spirituelle Gruppen auf der halben Welt, die darüber reden. Ich weiß zum heutigen Zeitpunkt also nicht, was Erleuchtung eigentlich ist. Es spricht niemand darüber. Natürlich habe ich Bücher gelesen von Menschen, die behaupten oder in der Vergangenheit behauptet haben, erleuchtet zu sein. Und ich habe nie auch nur einen Funken Resonanz in mir gespürt. Ich habe immer nur gespürt: „Nein, das ist nicht Erleuchtung.“ Ich hingegen erkenne mit einer faszinierend einfachen Deutlichkeit: „Ich bin die Seele. Die Seele wohnt nicht in meinem Körper, sie ist mein Körper. Es gibt kein höheres Irgendwas, von dem so viele reden.“ Ich erkenne also, wer ich wirklich bin. Das ist nicht das, was ich die längste Zeit geglaubt habe zu sein. Diese Erkenntnis braucht keine Verstandeskonstrukte, sie ist aus sich selbst gültig und wahr. Das ist eine Erkenntnis immer. Nun, das alles weiß ich an diesem Samstag nicht, also komme ich nicht auf die Idee, erleuchtet zu sein.
Es ist sehr üblich, dass Menschen nicht wissen, wenn sie erleuchtet sind. Ich erlebe das relativ oft. Und es ist höchst problematisch. Ein Mensch kann mehrere Jahre in diesem entsetzlichen Unwissen leben. Er glaubt, irgendwie spirituell fortgeschritten zu sein, erwachend, sieht aber deutlich, dass da ein signifikanter Unterschied zwischen ihm und allen anderen Erwachenden ist. Also wird er unzufrieden und immer unzufriedener. Entweder hält er sich selbst für verrückt oder alle anderen. Leider passiert viel zu oft ersteres, weil Menschen ganz allgemein sich für klein, dumm und unbedeutend halten. Und erleuchtete Menschen, die nichts von ihrem Erwachtsein wissen, machen dann ziemlich oft Bekanntschaft mit der Psychiatrie. Und damit beginnen ihre Probleme erst richtig.
Wenn diese Menschen alle anderen für verrückt halten, ist das deshalb problematisch, weil sie alles verzerrt wahrnehmen und sich selbst früher oder später maßlos überschätzen. Dabei überschätzen sie sich nicht selbst, denn das kann man nicht überschätzen, sondern ihr Ego, das sie für sich selbst halten. Es gerät also alles aus den Fugen. Bloß deshalb, weil diese Menschen nicht wissen, dass sie erleuchtet sind.
Dabei könnte alles so einfach sein. Es müsste ihnen halt jemand sagen. Wenn solche Menschen auf mich treffen, ist es leicht. Ich sehe ihren Status auf den ersten Blick, und schon ist Klarheit da. Schon weiß der erleuchtete Mensch, dass er erleuchtet ist, und kann damit fortfahren zu realisieren, was das jetzt für ihn und sein Leben bedeutet und mit sich bringt.
Heutzutage begegne ich genauso vielen Menschen, die um ihre Erleuchtung Bescheid wissen, wie solchen, die im Dunkeln tappen. Das liegt daran, dass es heute schon etliche Menschen wissen, und sie ihr Wissen weitergeben. Manchmal erlebe ich die Erleuchtung eines Menschen hautnah mit und kann unterstützen.
Zur Wut ist Folgendes zu sagen. Wut bringt Energie in Bewegung. Bei aufgestauter Energie gibt es nichts Besseres als einen Wutanfall. Viele erwachende Menschen trauen sich nicht, wütend zu sein. Sie glauben, Wut sei irgendwie dunkel, und sie müssten immer freundlich und fröhlich sein. Das ist natürlich heilloser Unsinn. Wahr ist eher das Gegenteil. Wut kommt von der Quelle, vom Kern dessen, der du wirklich bist. Wie könnte das falsch sein? Halte also nie deine Wut zurück. Die Zurückbehaltung schadet dir auf jeden Fall. Nur wenn Wut dein Normalfall ist, wenn du täglich wütend bist, deutet sie auf ein Muster hin, das nicht mehr gut für dich ist.
Mittlerweile ist es Abend geworden. Ich bin fertig mit meinem Tagwerk und glücklich und zufrieden. Ich lehne mich zurück in die hohe, gepolsterte Lehne und genieße meine Große Erkenntnis. Damit habe ich vor ein paar Stunden nicht ansatzweise gerechnet. Ich steige von Kaffee auf Wein um und feiere mit mir. Nach diesem Glas bestelle ich noch eines. Mindestens zigmal lasse ich alles durch meinen Kopf und auch durch mein Gefühl laufen. Es fasziniert mich ohne Ende, dass meine Erleuchtung so menschlich und so körperlich war, dass ich nun als Mensch göttlich bin. Ich fühle mich sehr anders als zuvor an diesem Tag. Ich glaube, dass nun all meine menschlichen Probleme gelöst sind. Noch weiß ich nicht, dass meine Macht ein recht flüchtiges Gefühl ist, während alles andere auf Dauer bleiben wird.
Am späten Abend gehe ich nach Hause. Dabei bin ich beschwingt und glücklich wie schon lange nicht. Dieses andere, neue Selbstgefühl lässt mich fast schweben.
Vor wirklich vielen Jahren, als ich das Wort Erwachen aufgrund meiner guten Deutschkenntnisse zwar buchstabieren konnte, aber nicht den blassesten Schimmer hatte, was es bedeutete, geschweige denn ahnte, dass ich irgendwann damit in Berührung kommen würde, machte ich im Internet, das es schon gab, einen ziemlich langen Psychotest. Aus Spaß und aus Interesse, ich mochte damals solche Tests. Dieser hier war wirklich lang mit sehr vielen Fragen. Soweit ich mich erinnere, war das Ergebnis auch sehr umfangreich und zutreffend.
Eines der zahlreichen Ergebnisse war, dass der Test nicht sagen konnte, ob ich Mann oder Frau war. Keine meiner Antworten ging in eine typisch weibliche oder typisch männliche Richtung. Ich war zwar immer ein ausgeprägt heterosexueller Mann, doch der Test war verwirrt. Ich fühlte mich damals ertappt, denn ich hatte das immer gefühlt. Ich fühlte immer, dass ich mich deutlich von anderen Männern unterschied, ich brachte nie diese typisch männlichen Denk- und Verhaltensweisen zustande, wie fast alle anderen Männer. Auch die Frauen in meinem Leben nahmen mich nicht als typisch männlich wahr, was mir immer Vorteile einbrachte, weil auch Frauen manche typisch männlichen Eigenarten nicht mochten.
Obwohl ich mich ertappt fühlte, störte mich dieses Ergebnis nicht im Geringsten. Ich wuchs mit drei Schwestern und ohne Bruder auf, was mich ebenfalls nie im Geringsten störte. Ich wünschte mir nie einen Bruder. Die Rolle des Hahns im Korb war mir auf den Leib geschrieben. Obwohl, wenn ich es recht bedenke, wäre mir am liebsten gewesen, als Einzelkind aufzuwachsen, das hätte am besten zu mir gepasst. Aber egal, alles war gut, wie es war. Mehr als das, es war perfekt, wie ich viel später in meinem Erwachen sehe.
Ein weiteres Ergebnis des Test erwähne ich noch, es hat zwar nicht unmittelbar mit diesem Kapitel zu tun, ist aber insgesamt wichtig. Der Test sagte, dass ich ein sogenannter Selbstmotivator war. Das bedeutete, dass ich für meine Arbeit keinerlei Motivation von anderen brauchte, dass jede Motivation ausschließlich aus mir selbst kam. Auch das traf zu. Und es ist zentral wichtig. Braucht Gott eine Motivation, göttlich zu sein? Braucht Gott Lob und Anerkennung? Braucht Gott eine Rechtfertigung für sich selbst? Wohl ganz sicher nicht. Und jetzt noch einmal: Gott ist die Seele, die Seele ist jeder Mensch – sofern er sich dessen bewusst ist, dass er die Seele ist, und nicht eine Seele hat.
Es ist Tiefwinter, nachts. Ich arbeite in dieser Zeit sehr viel, hauptsächlich an und rund um meine Website. An diesem Abend gönne ich mir eine Pause von der Arbeit und spiele Spider Solitär. Das ist vielleicht dumm, aber perfekt für mich, also letztlich nicht dumm. Dieses Spiel bewirkt, dass mein Verstand minimal beschäftigt ist und mich nicht mit lästigen Gedankenspielen nervt. Andererseits ist er nur so wenig beschäftigt, dass genug Raum bleibt, um wesentliche Dinge zu erfahren und zu erkunden. Kurze Zeit zuvor hat mich eine Freundin aus Deutschland für einige Tage besucht, mit der ich mich natürlich gut verstanden habe.
Ich sitze und spiele. Während des Spielens gehen mir etliche Gedanken durch den Kopf. Will heißen, sie sind einfach da. In dieser Zeit sind Gedanken nie umsonst da, sie erfüllen immer einen Zweck. Ich weiß zwar schon lägst, dass ich erleuchtet bin, habe auch schon meine erste große Trennung von mir selbst hinter mir, doch gibt es immer noch viel Wichtiges für meinen weiteren Weg, das ich erfahren, erkennen und erleben muss. Also achte ich auf solche Gedanken, die sich über längere Zeit ausbreiten und wachsen. Ich liege nicht auf der Lauer nach solchen Gedanken, aber wenn sie schon einmal da sind, lasse ich sie nicht links liegen. (Dies ist vermutlich mein einziges Plädoyer für Gedanken.)
