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Verdingbuben waren Kinder aus schwierigen Verhältnissen, die in Heimen oder bei Bauern fremdplatziert wurden. Ihr Alltag war oft geprägt von Lieblosigkeit, Gewalt und fehlender Zukunftsperspektive. Ich war solch ein Verdingbub.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2021
Ich möchte meinem himmlischen Vater und Jesus Christus danken, dass er mir die Kraft und Gnade geschenkt hat, dieses Buch zu schreiben. Möge sein Name dadurch geehrt werden. Es ist mein Gebet, dass jede Person die dieses Buch liest, die lebensverändernde Kraft Gottes erleben darf.
Das vorliegende Buch möchte ich meiner lieben Frau Rosemary widmen, meinen wertvollen Töchtern und Söhnen Beatrice, Andrea, Nathalie, Manuel und David, ausserdem meinen Schwiegersöhnen und Schwiegertöchtern sowie meinen Enkelkindern.
Ebenso widme ich es meinem geistlichen Vater Apostel John Sagoe und Mama Sandra Sagoe, Freunden und Verwandten.
Ein herzlicher Dank geht an Hauke Burgarth, der Lektorat und Korrekturen vorgenommen und das Buch bis zum Druck fertiggestellt hat. Ebenso einen herzlichen Dank an Tabea Amon für das Durchlesen des Manuskripts und die orthografischen Korrekturen. Ein besonders herzlicher Dank geht an meine wunderbare Frau Rosemary: Sie hat das Manuskript für mich niedergeschrieben und mich unermüdlich unterstützt.
Geleitwort
Vorwort
Teil I Die ersten dreissig Jahre
Kind ohne Kindheit
Als Verdingbub und im Heim
Das Kapitel Freizeit
Mit 600 «Vaterunser» umgekehrt
Teil II Der Weg zum Ziel
Gottes verändernde Liebe
Innere Heilung
Biblische Gleichnisse
Wahrheit und Leben
John E. Sagoe und sein Dienst
Mit diesen Worten möchte ich jedem, der das vorliegende Buch liest, empfehlen, es bis zum Ende zu lesen. Ich glaube, dass diese Geschichte ein mächtiger Segen für dich sein wird.
Du wirst sehen, wie Gott durch seine mächtige Hand jemanden aus dem Nichts hin zu einem gesegneten Leben führen kann. Gott ist ein Gott, der Leben transformiert.
Ich kenne Peter Kocher bereits viele Jahre. Er ist ein Mann, der Gott von ganzem Herzen liebt, ihm sein Leben komplett ausliefert und es hingibt. Ich glaube, dass seine persönliche Geschichte sehr berührend ist durch seinen Glauben an Gott. Ich glaube, Peter ist ein Mann, der die Fähigkeit hat, an Gott festzuhalten, egal, in welcher Situation er gerade ist.
Er ist jemand, dem du vertrauen kannst. Ich erinnere mich an die Anfangszeiten, als Peter in die New International Church kam. Er hat mit viel Leidenschaft, Hingabe und Treue die Gebete am Anfang der Gottesdienste geleitet. Es ist wunderbar zu sehen, dass er ein Mann ist, der nicht nur auf das Äussere sieht. Ob die Dinge positiv oder negativ, gut oder schlecht verlaufen: Er ist jemand, der Gott trotzdem bedingungslos über alles liebt. Ich glaube an solche Menschen und an ihren Glauben. Wenn wir mehr Menschen wie Peter in der Schweiz hätten, die dem Auftrag, den Gott ihnen gegeben hat, bedingungslos folgen und darin treu sind, dann wäre unsere Nation nicht mehr dieselbe.
Möge Gott dich segnen, wenn du dieses Buch liest, und möge Gott dich auf die nächste Ebene erheben.
Apostel John E. Sagoe
Im vorliegenden Buch möchte ich gerne mein Leben als Verdingbub bis hin zu meinem neunundzwanzigsten Lebensjahr zum Ausdruck bringen. Ein Wort der Weisheit voran: Richte nie eine Person, bevor du ihre Geschichte kennst und für sie gebetet hast.
Meine Kindheit und Jugendjahre konnte ich erst wirklich beginnen aufzuarbeiten, nachdem Bundesrätin Simonetta Sommaruga sich am 11. April 2013 öffentlich im Namen des gesamten Bundesrates bei den ehemaligen Verdingkindern entschuldigt hatte. Bei der Gedenkfeier waren ca. 700 Personen anwesend. Zusammen mit meiner Frau nahm ich daran teil. Durch die Ansprache kamen bei vielen Menschen Emotionen hoch von dem, was sie in ihrer Kindheit und Jugendzeit erlebt hatten, bei einigen sogar ihr ganzes Leben hindurch. Die anwesenden Leute im Saal begannen zu weinen, andere schrieen, andere wiederum bekamen Wutausbrüche und beschimpften die Behörden und die Bauern für deren Vergehen an unschuldigen Kindern.
Jesus hat gesagt: «Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern [einem Kind] getan habt, das habt ihr für mich getan!» (Matthäus 25,40) – das gilt für Gutes oder Böses.
Jesus kannte die Gedanken der Menschen und hielt ihnen vor: «Ein Staat, in dem verschiedene Herrscher um die Macht kämpfen, steht vor dem Untergang. Eine Stadt oder eine Familie, in der man ständig in Zank und Streit lebt, hat keinen Bestand» (Matthäus 12,25). Eine solche Auseinandersetzung hatte stattgefunden zwischen Behörden, den Bauern und den Verdingkindern. Die Behörden waren bestrebt, den Betroffenen als Genugtuung einen finanziellen Betrag von jeweils 25'000 Franken auszubezahlen. Doch Vergehen solcher Art kann man weder mit einer Entschuldigung noch mit Geld wiedergutmachen. Dadurch können zerstörte Seelen und Körper nicht heilen.
Das Thema der Verdingkinder wurde wie erwähnt bis im Jahr 2013 totgeschwiegen. Die ganze Strategie, Kinder fremd zu platzieren, war durch Behörden initiiert worden. Kinder von verwahrlosten Familien oder von solchen, die nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung hatten, um sie zu ernähren, wurden in Heimen und bei Bauernfamilien fremd platziert. Das ist so traurig! Den Bauern wurde dadurch zu billigen Arbeitskräften verholfen.
Im Laufe der Zeit gab es einige Menschen, die den Mut hatten aufzustehen, und die sich wehrten, um dieses düstere Kapitel der Geschichte ans Licht zu bringen. Der Gedenkanlass war ein Aufruf gegen das jahrzehntelange Verdrängen. Es war erst der Anfang, dies alles aufzuarbeiten. «Beschimpfungen ertrug Jesus, ohne mit Vergeltung zu drohen, gegen Misshandlungen wehrte er sich nicht; lieber vertraute er sein Leben Gott an, der ein gerechter Richter ist» (1. Petrus 2,23).
Es gibt nur ein Rezept und nur eine Lösung, um Heilung der Seele zu empfangen, für die ich die Hand ins Feuer legen kann; und das ist Jesus Christus, mein Erlöser, mein Heiler, mein Befreier, mein Wiederhersteller und mein Rückerstatter. Von ihm werde ich geliebt, angenommen und durch ihn kann ich vergeben. Ihm diene ich von ganzem Herzen. Preis sei Jesus! Durch die Gnade Gottes konnte ich allen Menschen vergeben, die mein Leben zerstört hatten. Das war der Beginn, meine Kindheit und Jugendzeit aufzuarbeiten.
Durch die Gnade Gottes durfte ich in meiner Seele komplette Heilung und Wiederherstellung empfangen. Es erforderte viele Gespräche und Gebete, und es waren Schmerz und Tränen damit verbunden. Das Buch «Begegne deiner Seele» von Apostel John E. Sagoe half mir, in dieser Angelegenheit Frieden und Heilung in meiner Seele zu empfangen. Materielle Dinge wie Geld, ein Haus, oder ein schneller Ferrari bringen dir nichts. Wenn deine Seele leidet, bist du ein zerstörter Mensch. Während ich jetzt diese Zeilen schreibe, darf ich sagen: «Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so seid ihr wirklich frei» (Johannes 8,36). Heute kann ich über die Vergangenheit sprechen, und es wehrt sich nichts mehr in meiner Seele. Gott hat mich völlig von meinen seelischen Schmerzen geheilt.
Das Wort aus 1. Korinther 15 lehrte mich Gott schon früh in meinem Glaubensleben. So konnte ich durch die gesamten schweren Zeiten hindurch standhalten. Mein Glaube ist tief in Gott verwurzelt. Amen!
«Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit, dies Bewegliche muss anziehen das Unbewegliche» (1. Korinther 15,53).
Die Covid-19-Pandemie 2020 hat auch viele positiven Seiten. Wenn wir unsere Augen auf die richtigen Dinge richten, können wir sie entdecken. So nutzte ich die Zeit und begann, mein eigenes Buch zu schreiben. Die Glaubenserfahrungen, die ich mit Jesus machte, basieren auf meiner jeweiligen Erkenntnis des Wortes Gottes. Möge meine Geschichte Leben berühren, Menschen ermutigen und verändern.
Zum Titelbild
«Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuss nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. Der HERR behüte dich vor allem übel, er behüte deine Seele. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!» (Psalm 121)
Mich fasziniert an diesem Bild, die Schöpferhand und die gewaltige Macht Gottes zu sehen, die dahintersteht. Er ist der Schöpfer des Universums, der die ganze Welt, die Berge und das Meer erschaffen hat und alles, was darin lebt. Jedes Tier, jeden Menschen. Das ist grossartig und berührend.
Psalm 121 ist wie ein roter Faden, der sich durch mein ganzes Leben zieht. Gott schenkte mir Gnade, immer zu ihm aufzuschauen und meine Hilfe von ihm zu erwarten. Seine Hand war schon über meinem Leben, lange bevor ich ihn kennenlernen durfte. Ich bin Gottes Augapfel.
Als ich im Juli 2019 auf dem Operationstisch lag für eine Nierentransplantation, legte mir der Heilige Geist das folgende Lied in mein Herz. Dieses Lied ist der Grund, warum das Buch in deinen Händen entstand.
Auf Englisch heisst das Lied «Blessed Assurance», und der Refrain «This is my story». Tatsächlich ist dies meine Geschichte, und ich möchte sie erzählen, Jesus zur Ehre. Der deutsche Text des Liedes von Heinrich Rickers lautet folgendermassen:
Seligstes Wissen: Jesus ist mein!
Köstlichen Frieden bringt es mir ein.
Leben von oben, ewiges Heil,
völlige Sühnung ward mir zuteil.
(Refrain) Lasst mich’s erzählen, Jesus zur Ehr;
wo ist ein Heiland, grösser als er?
Wer kann so segnen, wer so erfreun?
Keiner als Jesus! Preis ihm allein!
Ihm will ich leben, o welche Freud!
Herrliche Gaben Jesus mir beut:
Göttliche Leitung, Schutz in Gefahr,
Sieg über Sünde reicht er mir dar.
Völlig sein eigen! Nichts such ich mehr;
Jesus, er stillet all mein Begehr.
Treu will ich dienen ihm immerdar,
bis ich gelang zur oberen Schar.
Am 28. Juli 1949, einem heissen Sommertag, wurde ich im Friedweg 28 in Biel als Sohn von Albert Kocher und Dora Mägli geboren. Mein Vater arbeitete als Gärtner bei der Stadtgärtnerei in Biel. Als ich drei Jahre alt war, erkrankte mein Vater. Er litt an einer psychischen Erbkrankheit. Seine Persönlichkeit hatte sich rasant verändert, sodass er in die Psychiatrische Klinik in Münsingen eingeliefert werden musste, wo er auch mit Medikamenten behandelt wurde und bis zu seinem Tod im Jahr 1991 hospitalisiert war. Aus meiner frühen Kindheit habe ich keine Erinnerungen an meinen Vater.
Als ich älter wurde und begann zu verstehen, warum wir keine Familie sein konnten, begann ich zusammen mit meiner Grossmutter meinen Vater regelmässig in der Klinik zu besuchen. Allerdings erkannte er mich nicht als seinen Sohn. Das war für mich als Kind eine sehr traurige und deprimierende Feststellung. Ich hatte zwar einen Vater, aber er konnte nicht für mich da sein. Ich habe nie erfahren, was es heisst, einen Vater an der Seite zu haben, geschweige denn einen Vater zu kennen, der mich liebte und für mich sorgte. Diese Umstände waren für mich sehr schwer zu verkraften und verursachten in mir seelisches Leid und eine riesengrosse innere Leere.
Die Veränderung
Meine Mutter liess sich 1953 von meinem Vater scheiden, da war ich vier Jahre alt. Ein neuer Zeitabschnitt begann. Sie fand eine Arbeitsstelle bei der Uhrenfabrik Omega in Biel. Für mich blieb nicht mehr allzu viel Zeit übrig, meistens verbrachte ich die Wochentage in der Kinderkrippe. Als alleinerziehende Mutter war es nicht einfach für sie, zu arbeiten und den Lebensunterhalt zu verdienen, daneben den Haushalt zu schmeissen und auch noch für ein Kind da zu sein. Meine Mutter war durch die Arbeit sehr beschäftigt und somit durfte ich jeweils für drei bis vier Wochen im Jahr zu meiner Grossmutter mütterlicherseits in die Ferien gehen. Meine Mutter konnte dadurch eine Verschnaufpause einlegen.
Das waren für mich schöne Zeiten, die mir in guter Erinnerung blieben. Am Sonntag durfte ich jeweils zusammen mit meiner Grossmutter in die Kirche, um den Gottesdienst zu besuchen. Einige Knaben läuteten von Hand mit den Kirchenglocken den Gottesdienst ein. Das faszinierte mich als kleinen Jungen. Im Gottesdienst durfte ich neben meiner Grossmutter sitzen. Ich verstand noch nicht viel davon, worum es im Gottesdienst ging. Eines jedoch ist mir geblieben, als meine Grossmutter mir immer wieder sagte: «Jetzt musst du gut zuhören, Peter, der Herr Pfarrer spricht von Jesus.» Diesen treuen Jesus durfte ich später kennenlernen. Jeden Abend, als sie mich zu Bett brachte, betete sie mit mir. Gott hielt seine schützende Hand von Anbeginn meines Lebens über mich. Während mehrerer Jahre durfte ich im Sommer bei meiner Grossmutter die Ferien verbringen.
«Doch Jesus sagte: ‹Lasst die Kinder zu mir kommen und haltet sie nicht zurück, denn Menschen wie ihnen gehört Gottes himmlisches Reich›» (Matthäus 19,14).
Als ich fünf Jahre alt war, geschah etwas, das mich sehr prägte. Zusammen mit meiner Mutter spazierte ich eines Tages am Ufer des Bielersees. Es war an einem kalten Wintertag, und der See war zugefroren. Ich spielte am Ufer mit Steinen, da brach plötzlich das Eis unter mir ein, und ich stürzte ins kalte Wasser. Glücklicherweise konnte mich meine Mutter retten. Bei eiskalten Temperaturen mussten wir mit meinen triefend nassen Kleidern zuerst mit dem öffentlichen Bus fahren und dann noch zu Fuss nach Hause gehen. Als Folge davon erlitt ich eine Hirnhautentzündung und verbrachte zwei Monate in Spitalpflege. Ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern. Im Zimmer waren ca. zwanzig kranke Kinder untergebracht. Die Krankenschwestern schoben mich jeweils auf einer rollbaren Trage zum Untersuchungszimmer des Arztes.
Die Krankenschwestern von damals waren nicht so liebevoll, fürsorglich und psychologisch ausgebildet, wie sie es heutzutage sind. Ich wusste nie, was auf mich zukam. Ich hatte Angst und habe geschrien, als der Arzt mir eine Spritze verabreichte. Drei Krankenschwestern mussten mich festhalten. Ein anderes Mal, als der Arzt mir wieder eine Spritze geben wollte, sagte ich ihm mit meiner ganzen kindlichen Einfachheit: «Aber nicht so viel …!». Er nahm es locker und beruhigte mich mit: «Nein, nein …»
Diese Zeit im Spital war für mich eine einschneidende Erfahrung, die ich im zarten Alter von fünf Jahren machen musste, und sie hinterliess deutliche negative Spuren in meinem Leben. Aber das Schlimmste kam erst noch: Weil ich keiner Krankenversicherung angeschlossen war, musste meine Mutter den Spitalaufenthalt mit seinen Kosten von mehr als 1'000 Franken selbst berappen. Dies waren in der damaligen Zeit vor fünfundsechzig Jahren zwei ganze Monatslöhne! Und das war nicht einfach. Jedenfalls warf mir meine Mutter bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 2008 immer wieder vor: «Du, Peter, hast mein Leben zerstört.»
Was geht bei derartigen Aussagen einer Mutter ihrem Kind gegenüber in ihr vor? Das bleibt für mich unbegreiflich. Ich bin Gott einfach dankbar, dass er mich befreit hat von jeder Ungerechtigkeit, und dass ich meiner Mutter vergeben konnte.
Ab 1954 verbrachte ich die Wochenenden mit meiner Mutter zusammen in Moutier, wo sie zusätzlich in der Pension Känzig bei ihrer Tante als Köchin arbeitete, um ihr Budget aufzubessern. Zu dieser Zeit lernte sie meinen Stiefvater Karl Meier kennen.
Im Jahr 1955 heirateten sie, und wir zogen um nach Belprahon, wo sie ihr eigenes Haus bauten. Mein Stiefvater errichtete auch eine Scheune und einen Hühnerstall. Wir lebten von der Selbstversorgung und bewirtschafteten einen kleinen Bauernhof mit einer Kuh, ein paar Ziegen, einem Schwein, vielen Kaninchen, Hühnern und Enten. Dazu gehörte auch ein grosser Gemüsegarten. Das meiste Gemüse verkaufte meine Mutter an die Pension, bei der sie ein paar Jahre früher als Köchin gearbeitet hatte, aber auch auf dem Gemüsemarkt. Wenn meine Mutter mich rief, bei der Gartenarbeit mitzuhelfen, tat ich das mit Freude. Es machte mir Spass, das Wasser mit der Kanne herzutragen, um die Setzlinge zu giessen und dann zusehen zu können, wie sie wuchsen. Meine Mutter und mein Stiefvater besassen einen Bernhardinerhund, der vor allem als Transporthelfer diente. Es gehörte zu meinen Aufgaben, am schulfreien Mittwochnachmittag mit «Bäri», so war sein Name, und einem Anhänger bei der Pension die Lebensmittelabfälle für das Schweinefutter abzuholen. Wenn ich ihm erklärte, er solle hier auf mich warten, bis ich die Abfälle abgeholt hatte, gehorchte er, und blickte mich verständnisvoll an. Leider wurde mein lieber Bäri nach einem Jahr krank und starb.
Später, als achtjähriger Junge, als ich in der zweiten Klasse war, musste ich jeweils mittwochs und samstags mit Velo und Anhänger die Lebensmittelreste von verschiedenen Restaurants für unsere Tiere einsammeln. Tierfutter in 50-Kilo-Säcken und Holzkohle zum Heizen musste ich mit dem Anhänger transportieren und schleppen. Das Fahrrad, mit dem ich herumkurvte, war nicht das allerbeste; das kann man sich bestimmt vorstellen. Es war ein altes Damenvelo ohne Gänge, und unter anderem waren auch die Bremsklötze abgenutzt. Wenn ich am Hang bremsen musste, sass ich auf dem Velorahmen und
