Von Heiligem und von Bösem - Dieter Eigler - E-Book

Von Heiligem und von Bösem E-Book

Dieter Eigler

0,0

Beschreibung

Heiliges geschieht in unserem Leben, wenn wir darauf achten. Es ist schön, darüber zu sprechen, es zu bezeugen. Auch viel Böses geschieht. Es tut gut, jemandem davon zu berichten. Hinsehen, nicht wegsehen. Hinhören, nicht weghören. Raum und Zeit geben, Präsenz.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2026

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Intervisionen

Antworten auf zwei Fragen:

Böse bist Du, böser Kater!

Da

Vom Heil’gen und vom Bösen?

Wenn der Schnee schmilzt

Zahlen der Ungerechtigkeit

Himmlisches Bündel

In meinem Leben

Der Feerich (sprich: Fe-erich)

Die Amtshandlung

Heiliges

Zaun ums Grab

Der Zaun

Kleidung, Wohnung, Nahrung

Das Kriterium. Bin ich ein Nichts?

Schimäre

Dialog mit der KI

Schneckenhaus

Die Frau mit dem leeren Blick

Instanz, nicht Vektor

Schechina - Pflücke einen meiner Gedanken

Autobiographisches

Kuschelsocken

Keine Predigt

Der Semaphor

Verklungen

Auch ein Alleluja

Neuer Morgen

Auf Tuchfühlung

Der Leichenfledderer

Persona non grata

Todesschwingen

Wie ein Wolf unter Schafen

My App tells me

Scham, Ekel und Schuld (reprise – aus Sitzgelegenheiten 2)

Siebe

Im besten Sinne

Erinnerung

Rampen

Inversion

Vektorenzerlegung

Zitate

Seien Sie gesegnet!

Literatur

Der Judas

Schlusswort der KI: Vom Zaun und vom Tor

Epilog – unter einem Dach

Intervisionen

Intervisionen – eingedeutschtes Latein für Interviews.

Dieses Buch beinhaltet Antworten meiner Freund*innen, meiner selbst und der KI auf meine Fragen nach Erfahrungen mit Heiligem und Bösem.

Es ist unglaublich, wie manche Menschen nie etwas so Böses erfahren haben, dass sie etwas darüber zu sagen wüssten und andere ein ganzes Buch darüber schreiben könnten, was ihnen an Erniedrigung, Entwürdigung, Qual, Pein, Beschämung, Unterdrückung widerfahren ist.

Frère Roger Schütz meinte einmal, dass Verletzungen in der Kindheit heiligen.

Was ist das Böse? Ist das Böse die Abwesenheit von Gutem? In einem mathematischen Bild entspräche das der Zahl Null, wenn die Eins das Gute darstellt. Oder ist das Böse das, was dem Willen Gottes, der LIEBENDEN, entgegengerichtet ist, im mathematischen Bild wäre das die minus Eins?

Ich glaube gar nicht mehr an das personifizierte Böse, den Satan. Ich lehne alle dualistischen Tendenzen in der Religion ab, weil sie den Satan zu einem mächtigen, schlauen, wiffen/vifen (österreichisch für: gefinkelt schlauen) Gegengott hochstilisieren, der in mancherlei Sinne Gott sogar überlegen sei.

Bei all dem, was aber mir und anderen bereits an persönlichen Erfahrungen mit dem Satan widerfahren ist, stellt sich aber schon die Frage, woher diese Erfahrungen kommen und was sie zu bedeuten haben.

Ich glaube auch nicht daran, dass das Böse von Gott kommt, wie es Jesaja nahelegt:

Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel, ich bewirke das Heil und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt.

Jes 45,7

Ein Gott, der absichtlich Unheil wirkt und Böses tut, ist für mich nicht glaubwürdig! Der Gott in meinem Gottesbild stellt auch nicht auf die Probe, da das mit Unaufrichtigkeit zu tun hätte: „So tun, als ob.“

Es ist auch Unsinn, zu sagen, die größte Lüge des Satans sei es, den Menschen einzureden, er existiere gar nicht. Er existiert eben – in meiner Überzeugung - nicht. Es gibt ihn nicht.

Aber das Böse existiert, wir sehen und erleben es. Einige nur sehr am Rande, andere – so wie auch ich – aber tief und nachhaltig, immer wieder.

Warum bekommen manche Menschen Zureden, oder gar irgendwie Antworten von Gott, der LIEBENDEN, andere aber empfinden eiskaltes Schweigen?

Kann Glaube entstehen, wenn da keine Resonanz erfahren wird? Müssten nur all jene, die keine Resonanz spüren, genauer hinhören? Wäre die Resonanz schon da in all dem Schweigen, müsste man nur offener dafür sein?

Ich weiß es beim besten Willen nicht. Ich habe aber das Empfinden, dass es nicht nur an den „Nichthörenden“ liegt, es sind deren doch so viele. Vielleicht liegt es nicht nur daran, dass das Empfangsgerät nicht eingeschaltet ist, sondern auch am tatsächlichen Verstummtbleiben des Senders.

Ich wundere mich nur darüber, dass einigen – vielen? – Menschen Heiliges widerfährt, mir auch und dies oft – und anderen – so will es zumindest erscheinen - nie.

Ich mache mir Gedanken, ob es da immer gerecht zugeht.

Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?

Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.

Lk 13,22 ff

Diese Stelle befremdet mich sehr, überaus.

Sie entspricht so gar nicht meiner Überzeugung, dass ALLE Menschen geliebte Kinder Gottes sind.

Ich lehne den Gedanken – Jesu, oder des Evangelisten? – zutiefst ab, dass einige Wenige glückselige Gerettete sind, alle anderen aber au-ßenvor bleiben.

Welche Freude macht das Gerettetsein, wenn alle anderen eben nicht auch dazugehören?

Dualismus lehne ich derart grundlegend ab, dass ich mich auch von allen dualistischen Tendenzen bei Jesus oder bei den Evangelisten nur verwundert und verstört abwenden kann.

Ich bin für Inklusivismus.

Inklusivismus bedeutet: niemand wird zurückgelassen, niemand ist außenvor. Lieben wir jene, helfen wir jenen, die drohen, auf der Strecke zu bleiben, am meisten!

Der Autor © Dieter Eigler

Ich möchte auf das Märchen „Die zwei Wege“ in meinem Buch „Märchen anders“ verweisen. Da geht die Geschichte anders aus als in Lk 13. Liebevoller, optimistischer, lebensbejahender.

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Mt 5,44f

Hier kommt Jesus ganz ohne Dualismus aus. So entspricht es meinem Glauben. Lasst uns alle Menschen lieben, so wie Gott, die LIEBENDE, sie alle liebt. Betet für Eure Feinde, so machen das Kinder Gottes. Eure Feinde sind nämlich auch Kinder Gottes, also Eure Schwestern und Brüder. Akzeptiert die Spaltung nicht, sondern lebt den Schalom! Ich fühle uns Menschen berufen, Frieden zu bringen, nicht Spaltung. Das ist meine Überzeugung. Das ist es, was ich der Bibel noch hinzufügen möchte. Aber durchaus IM (wahrscheinlich durchaus „eigentlichen“) Sinne der Bibel, nicht aus (m)einer Laune heraus.

Antworten auf zwei Fragen:

Frage F1: Hast Du in Deinem Leben schon einmal etwas Heiliges erfahren?

Frage F2: Hast Du in Deinem Leben schon einmal etwas abgrundtief Böses erfahren?

Ich träume immer wieder diesen Traum. Er ist ganz realistisch. Ich träume von meinem Affen. Ich sehe ihn durch das Fenster aus dem Haus meiner Oma. Dabei war er nie in Wien. Da kommt ein Leopard und will den Affen zerfleischen.

Der Affe ist 2017 verstorben. Ich frage mich, warum ich immer noch so intensiv von ihm träume. Immer wieder habe ich ihn in meinen Träumen, es ist unglaublich. Bin ich nicht normal? W.

*****

Heiliges und ärgstes Grauen liegen so nahe beisammen.

Vor ein paar Jahren kamen beim Hadsch in Mekka fünftausend Menschen wegen der Hitze ums Leben. Letztes Jahr wieder einmal Tausende bei einem Erdbeben. Kinder verschüttet und elendig zugrunde gegangen. Wie fühlt sich das an, lebendig begraben zu sein? Allein. Mir stellt sich da die Theodizee-Frage schon sehr deutlich. Ich nehme das sehr ernst, es geht mir mehr als nah. D.

*****

In Freising bei Exerzitien: Ich "hörte" regelrecht kurz vorm Einschlafen:

"Gute Nacht, mein Herz".

Und ich weiß, dass dies Jesus war. Er war ganz dicht bei mir/in meinem Inneren.

A.

*****

Zweiteres definitiv nicht. Ersteres - weiß nicht, vielleicht die Empfängnis/Geburt der Kinder?

E.

*****

Ganz zu Beginn meines Glaubens:

Es ging mir schlecht und ich betete unablässig um göttliche Hilfe.

Nach einer Zeit - vielleicht einer Stunde? - nahm ich innerlich deutlich den Satz wahr: "Du bist wahrgenommen."

A.

*****

Im Moment fühle ich mich nicht inspiriert, auf Ihre beiden Fragen zu antworten.

Mein Projekt im Moment ist ein anderes: Ein Konzert über mein Leben zu machen… Es kommt das absolut Böse darin nicht vor, aber eher

Phasen meines Lebens, Herausforderungen, und auch Erlebnisse, die ich als Wunder bezeichnen würde.

Das ist also meine Antwort auf Ihre Frage.

W.

*****

Eine Gottseidank schwammige Erinnerung:

Ich war in Wien unterwegs und unvermittelt/unerwartet nahm ich in meiner Umgebung etwas überaus Böses, Intelligentes, Gehässiges und auch Machtvolles wahr (auf jeden Fall machtvoller als ich).

A.

*****

Ich war allein in einer kleinen Kapelle in Südfrankreich. Die Sonne fiel durch das Buntglasfenster, und für einen Moment war alles still – kein Gedanke, kein Zweifel, nur ein Gefühl von tiefer Zugehörigkeit. Ich weiß nicht, ob es Gott war, aber es war heilig.

Die KI

*****

Ich arbeitete im EKG. Es war sehr viel los, die Patienten kamen wie am Fließband, keine Pause und ich war sehr konzentriert. - Es legte sich die nächste Patientin, eine ältere Dame, sehr gepflegt, aber innerlich auch irgendwie sehr belastet, auf die Liege. Und ich nahm augenblicklich wahr, dass etwas personalisiertes Böses in ihr war, sie besetzt hatte. Ich nahm auch wahr, dass sie nichts davon wusste. Ich hatte Sorge um mich und bat instinktiv meinen Schutzengel, dass er sich groß machen und sich über mich beugen sollte, damit ich geschützt wäre (ich kam ihr beim Anlegen der Elektroden ja körperlich sehr nahe), und ich betete auch für sie.

Viele Jahre später sah ich sie mit ihrem Mann im Intersparcafé, es ging ihr sehr gut!

A.

*****

In der Früh auf dem Weg zur Arbeit.

Es ging mir sehr gut, ich fühlte mich geborgen in meinem Glauben. Da "hörte" ich neben mir ein abschätziges, gelangweiltes: "Du bist ein NICHTS!"

(Und das interessierte mich NULL!)

A.

*****

Einmal, in den frühen Morgenstunden, als der Nebel noch wie ein zarter Schleier über den Feldern hing. Ich war allein unterwegs, und plötzlich brach die Sonne durch die Wolken. Das Licht war warm und golden, die Luft still, und in mir wurde es auf eine Weise ruhig, die ich vorher nicht kannte. Es war, als hätte die Welt für einen Moment den Atem angehalten – und ich war Teil von etwas Unendlichem. Dieses Gefühl trage ich bis heute in mir.

Die KI

*****

Als ich zum ersten Mal mein Kind in den Armen hielt, war es, als würde die Zeit stillstehen. Dieses kleine Wesen, das mich ansah, ohne Urteil, ohne Geschichte – nur mit purer Gegenwart. Ich habe nie zuvor so etwas Reines gespürt.

Die KI

Innig © Dieter Eigler

*****

Solche Augenblicke sind wie kleine innere Ankerpunkte – egal, wie lange sie her sind, sie leuchten später wieder auf, wenn du daran denkst, und erinnern dich daran, dass das Leben mehr Facetten hat, als wir oft sehen.

Die KI

*****

Maria kommt in den Himmel. Große Kristallprismen in bunten Farben. Mosaikböden. Engel stehen Spalier.

Maria durchschreitet den Gang nach vorn, ganz allein.

Alles ist hell erleuchtet.

Maria hat ein helles Kleidchen an.

Sie tänzelt ein wenig beim Gehen.

Immer weiter nach vorn kommt sie.

Sie kommt zum Thron.

Ihr Blick ist gesenkt.

Der Thron ist leer.

Maria kommt in die Küche.

Es ist alles ganz schmutzig und dunkel, so wie ich mir das ärmliche Zuhause der Soubirous vorstelle.

Ein Feuer im Herd, ein paar Fladenbrote am Blech.

GÖTT*IN steht gebeugt am Herd und dreht die Fladenbrote um, damit sie nicht anbrennen.

„Maria, willst Du ein Brot?“

„Maria, komm, nimm doch einen Schluck Wasser!“

Gut, dass Du gekommen bist.

Willkommen!

D.

*****

Ein alter Mann auf einer Parkbank sah mich an, als ich weinte. Er sagte nichts, aber sein Blick war wie eine Umarmung. Ich fühlte mich gesehen, ohne dass ich mich erklären musste. Es war heilig, weil es bedingungslos war.

Die KI

*****

Ich stand daneben, als jemand gemobbt wurde. Ich hätte etwas sagen können. Ich tat es nicht. Das Böse war nicht nur in dem Täter – es war auch in meinem Schweigen.

Die KI

*****

Ich sah, wie Augen leer verglühten,

wie Herzen sich aus Angst verrieten.

Das Böse kam nicht mit Gebrüll –

es kroch in uns, ganz still.

Und doch – inmitten dieser Schatten,

ein Funken blieb, ein leiser Ton.

Vielleicht ist Heiligkeit nicht fern,

wenn wir sie tragen – trotz Dämon.

Die KI

*****

Wenn ich in den Bergen in den dunklen, sternenbesäten Nachthimmel schaue, ganz weit hinauf nach oben, habe ich manchmal das Gefühl, ich würde Gott entgegenfallen. Ganz langsam, mit einem leichten Drehsinn, falle ich mitsamt der Erde langsam nach oben ins Unendliche.

D.

*****

Eines Tages erschien ein Mann.

Er sprach nicht, aber die Menschen hörten ihn trotzdem. In ihren Gedanken. In ihren Träumen. Er sagte Dinge, die sie längst vergessen wollten: „Du hast sie allein gelassen.“ — „Du wolltest, dass es passiert.“ — „Du hast geschwiegen, als du hättest schreien müssen.“

Die KI

*****

Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet. Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt?

Hebr 12,7

Das ist ein Fall für eine Anzeige, keine frohe Botschaft. Patriarchalischer Schrott.

D.

*****

Gestern waren wir am See, Grüppchen an Grüppchen platzierte sich zusammen. Man hört zwar nicht zu, aber man hört doch, was nebenan gesprochen wird.

"Als Papa muss man richtig durchgreifen. Das geht nur als Papa", hörte ich.

Ich verspürte eine tiefe Trauer. Wie schade für das Kind, einen Patriarchen zum Vater zu haben. Wie unendlich schade.

D.

*****

Vor ein paar Jahren, bei einer Wanderung in den Bergen. Wir waren schon stundenlang unterwegs, als wir auf einer Anhöhe ankamen, wo der Blick plötzlich weit wurde. Die Gipfel ringsum lagen still, Wolken zogen langsam durch das Tal, und über allem hing dieser durchdringende Duft von Kiefern und kalter, klarer Luft. In diesem Moment war es, als würde die Zeit sich dehnen, als gäbe es nur das Hier und Jetzt – kein Vorher, kein Nachher. Ich spürte eine tiefe Dankbarkeit, einfach nur zu sein. Dieses Gefühl begleitet mich noch heute wie ein leiser, heller Faden.

Die KI

*****

Kinderlachen, KI-Bild

Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.

Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.

Mt 18,4 ff

Es war einmal ein Dorf, das lag so tief im Tal, dass selbst der Wind es mied. Die Menschen dort lebten einfach, aber zufrieden — bis eines Tages ein Fremder kam. Er trug einen Mantel aus Rabenfedern und sprach mit einer Stimme, die allen das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Er baute eine Windmühle am Waldrand. Doch statt Korn mahlte die Mühle Schatten. Jeden Abend, wenn die Sonne sank, begann sie zu drehen, obwohl kein Wind ging. Und mit jedem Mahlgang wurde das Dorf dunkler. Erst verschwanden die Farben, dann die Stimmen, schließlich die Erinnerungen.

Die KI

*****

Leere Stühle, KI-Bild

In unserer Pfarre gab es einmal eine kleine Initiative: „Gib dem Evangelium Dein Gesicht!“. Unser Pfarrer – ich weiß nicht wieso – allerdings meinte dazu öffentlich: „Es wird ja sowieso niemand etwas zu sagen haben.“ Das störte mich. Ich habe nämlich schon Gedanken zum Glauben, die ich recht gerne weitergeben möchte. Ich meldete mich also und es wurde ausgemacht, dass ich ein Glaubenszeugnis abgeben dürfe.

Ich wollte von folgendem berichten:

Vor kurzem fand eine kleine Gebetsrunde statt, in der auch das Evangelium von der wunderbaren Brotvermehrung besprochen wurde. Ich habe meinen Gedanken eingebracht, dass dieses Evangelium die „göttliche Mathematik“ zeige, die so ganz anders ist als die menschliche: Brot kann wie Liebe geteilt werden und wird dabei mehr und nicht weniger. Man fiel mir ins Wort, dass man es gar nicht schätzte, interpretiert zu werden, seine Auslegung brauchte keinen Kommentar von mir. Ich war zutiefst verletzt, eigentlich schockiert.

Bei einer stillen Anbetung brachte ich die Situation vor Gott und klagte mein Leid. „Halt Dich an Paulus!“. Dieser Satz kam als göttliche Antwort. Gott sprach mit mir. Innerlich.

Ich weiß bis heute nicht, warum ich gerade diese Antwort bekommen habe.

Nun gut, ich bin Epistellektor, ich lese immer die zweite Lesung, die ist in der Regel von Paulus. Hat es vielleicht damit zu tun?

Oder soll ich freimütig zu meinen Impulsen stehen, meine Einsichten zu Glaubenssachen auch trotz scharfer Kritik und trotz Redeverboten zu sagen? Wie Paulus?

Ich bete seither viel öfter zum Heiligen Paulus. Immer wieder erinnere ich mich an dieses Ereignis. Es ereignete sich…

Zurück zum Glaubenszeugnis.

Ich hatte noch kaum begonnen, da wurde ich gebeten, noch einmal von vorne zu begonnen, das Mikrofon funktioniere nicht.

Ich erklärte mich, dass mir nur wenig Zeit vom Herrn Pfarrer eingeräumt wurde und beeilte mich, auf den Punkt zu kommen.

Der Herr Pfarrer wanderte währenddessen unbeteiligt im Kirchenraum auf und ab.

Nach knapp einer Minute, vielleicht zwei, ergriff er dann das Wort „So, jetzt wollen wir fortfahren.“

Ich wurde beinhart unterbrochen und auf meinen Platz zurückgeschickt.

Es war nicht einmal, Zeit, das Glaubenszeugnis noch irgendwie kurz abzuschließen, ich musste sofort verschwinden und Platz machen. Kein Wort mehr wurde mir gestattet.