Wahre Geschichten - Werner Mockenhaupt - E-Book

Wahre Geschichten E-Book

Werner Mockenhaupt

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Beschreibung

Der Autor, Konditormeister Werner Mockenhaupt, erzählt Geschichten aus seinem bewegten Leben. Erst im Rentenalter war es ihm möglich, Erlebtes und Erfahrungen weiterzugeben. In seinem dritten Buch berichtet er über weitere faszinierende und ereignisreiche Begebenheiten. Genießen Sie die leichte Kost eines aufgeschlossenen Autors.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 83

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Werner Mockenhaupt

Wahre Geschichten

20 Episoden mit autobiographischen Bezügen

Copyright: © 2017: Werner Mockenhaupt

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

978-3-7439-8205-5 (Paperback)

978-3-7439-8206-2 (Hardcover)

978-3-7439-8207-9 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhalt:

Auf nach Frechen

Bäckergeselle: Vorgestern und gestern

Neue Freunde

Berufs- und Jugendjahre

Meine erste, aber letzte Ballonfahrt

Das kleine Haus in der Steinstraße

Der 2. Weltkrieg ging zu Ende

Das Schwimmbad mit dem Zehn-Meter-Turm

Die Befreiung 1945

Die Theorie machte ihm Schwierigkeiten

Die verunglückte Getreideernte

Mein erster Tag im Ausland

Ein Tag in den Schweizer Alpen

Ski-Lehrgang in der Schweiz

Ein verflixter Sonntag

Plötzlich war mein Auto weg

Es war ein rabenschwarzer Tag

Weihnachtszeit in einer größeren Backstube

Als junger Autoliebhaber hatte ich Pech

Meine Enkelin Fabienne

Ein Telegramm von meinem Opa aus dem Jahre 1952 von Enkelin Fabienne Mockenhaupt (10 Jahre)

Auf nach Frechen

1964 entschlossen wir uns, mit viel Kopfzerbrechen und vielen schlaflosen Nächten, in eine andere Stadt zu ziehen, um uns dort wieder neu selbständig zu machen.

Erst drei Jahre lebten und arbeiteten wir hier in Dülken, ich als selbstständiger Konditormeister, meine Frau als Konditorei - Fachverkäuferin. Es gefiel uns nicht mehr, denn es waren harte Zeiten für uns in dieser kleinen Stadt am Niederrhein, mit sieben Wochentagen und unzähligen Arbeitsstunden. Es ging zwar bergauf, aber sehr langsam. Jeden Morgen mussten wir abgezählte Brötchen an bestimmten Haustüren ablegen, die uns von einem Bäckermeister angeliefert wurden. In unseren gemieteten Räumen gab es wenig Platz. Ich hatte nur einen alten Konditorbackofen, den ich mit übernehmen musste. Zum Brotbacken war er nicht geeignet. Allerdings war die monatliche Miete für uns noch vertretbar, aber eine Erweiterung war nicht möglich.

Natürlich gab es auch Erfolgserlebnisse. Wenn die Brötchenkunden samstags bezahlten und unsere schöne Kuchentheke mit den vielen verschiedenen Sahneschnittchen, Obsttörtchen, Florentiner und all den anderen Konditoreiwaren sahen, ging kaum einer aus den Laden, ohne etwas Süßes mit zu nehmen.

Trotzdem hatten wir uns endlich entschieden in einer größeren Stadt unser Glück zu versuchen.

Von Anfang an hatten wir Köln angepeilt, denn dort lag die Mitte zwischen dem Siegerland, meiner Heimat und dem Niederrhein, der Heimat meiner Frau. Beide Elternpaare lebten noch und auch alle unsere jeweiligen Geschwister. Manchmal hatte ich auch noch Heimweh nach meinem geliebten Niederfischbach.

Über die Fachzeitung erfuhren wir, dass in “Köln-Frechen” für uns ein passendes Lokal sein könnte.

Wir waren zwar noch nie dort gewesen, aber neugierig waren wir schon immer. Eines Nachmittags fuhr ich also, zunächst allein, nach Frechen. Jetzt nur noch Frechen, denn die Anzeige in der Fachzeitung war nicht richtig. Frechen war eine selbstständige Stadt. Wir hätten zwar gerne die große Stadt Köln in unserer Adresse gehabt, aber zunächst akzeptierten wir jetzt auch Frechen. Die Stadt war größer als Dülken, die Geschäfte waren interessanter und die Menschen waren freundlich.

Mir gefiel es sofort in Frechen, obwohl unser Steuerberater aus Niederfischbach sagte:

„Du willst doch wohl nicht immer in Frechen bleiben?”

Das Café lag in der Antoniterstraße, also mitten im Zentrum und hatte dreißig Sitzplätze. Also genau das, was wir suchten. Dann gab es in der dritten Etage auch noch eine freie Wohnung. Die jetzige Mieterin hatte einen zehnjährigen Mietvertrag. Weil ihr Mann verstorben war, suchte sie einen Nachfolger.

Aber nun fing es an schwierig zu werden. Es sollte ein Vertrag entstehen, der von drei Parteien unterschrieben werden sollte. Als ich dann auch noch den geforderten Betrag hörte, musste ich erst mal schlucken. Wir hatten durch eisernes Sparen schon etwas zurückgelegt, aber diese Summe war der Hammer. Ich marschierte also zunächst zum Hauseigentümer, welcher ganz in der Nähe wohnte. Er sagte mir kurz und bündig: “Bevor ich von der Mieterin die Kündigung nicht in der Hand habe, werde ich keinen neuen Vertrag unterschreiben. Für mich war das jetzt auch logisch.

Die Mieterin erklärte mir: „Bevor ich das Geld für das Inventar nicht in der Tasche habe, unterschreibe ich auf gar keinen Fall die Mietkündigung. „Ich hatte noch so etwas wie Vertrauensbasis im Kopf, aber das klappte nicht. Für mich war das alles zu kompliziert und unübersichtlich. Ich war zwar noch ein junger stolzer Konditormeister, aber für hieb-und stichfeste Verträge war das zu wenig. Als ich 1956 meine Meisterprüfung ablegte, ging es noch hauptsächlich um schöne Torten, um verschiedene Sorten Pralinen und attraktive Dekorarbeiten, vielleicht noch etwas um gesetzliche Bestimmungen, aber das war es auch schon.

Mit einem Rechtsanwalt über einen Vertrag zu sprechen kam mir gar nicht in den Sinn.Ich wollte mit dieser Branche nichts zu tun haben. Das hatte mir mein Vater schon eingeredet: „Versuche nach Möglichkeit ohne Rechtsanwälte durchs Leben zu kommen.” Er selbst hat es auch fertiggebracht. Ich setzte mich wieder in mein kleines Auto und fuhr ohne Kommentar wieder zurück nach Dülken. Auch meine Frau unterstützte mich mit meiner Entscheidung. Sie machte weiterhin außer dem Laden unsere Buchführung und kümmerte sich um unseren Sohn Andreas.

Aber siehe da, nach vier Wochen kam ein Brief aus Frechen. Der Eigentümer kritisierte mich, weil ich mich nicht mehr gemeldet hatte. Wir vereinbarten einen Termin, in welchem ich meine Schwierigkeiten schilderte. Er nahm nun alles selbst in die Hand und berücksichtigte auch meine vielen Fragen. Auch die Verhandlungen mit der Mieterin übernahm er.

Am dritten Dezember ging es dann los, mit Kind und Kegel nach Frechen.

In der Zwischenzeit versuchte noch ein Freund aus Düsseldorf, seines Zeichens Kriminalist, mich zu überreden, in Dülken zu bleiben. „Was, du willst nach Frechen”? fragte er mich. Als ich diese Frage bejahte, meinte er: „Bis nach Köln erwischen wir die Übeltäter fast immer, aber in Frechen verlieren wir jede Spur”. Aber erstens konnte ich nicht mehr zurück, und zweitens übertrieb er auch manchmal.

Einige Tage später, waren wir unterwegs, der Blick auf unser gesamtes Hab und Gut, im vor uns fahrenden Möbelwagen. „Auf nach Frechen”, sagte ich zu meiner Frau.

Dort angekommen waren wir froh und zufrieden, dass bis jetzt alles so gut geklappt hatte, bis auf ein kleines Eimerchen mit gezuckerten Sauerkirschen, welches nicht mehr aufzufinden war. Aber dieses einzige Malheur war zu verschmerzen.

Nun waren wir also in Frechen. Wir waren zunächst sehr unsicher, es war alles anders. Wir nahmen die große Rathaustreppe wahr, den Busbahnhof und den Taxistand gegenüber. Wir waren angekommen.

Schon nach kurzer Zeit hatten wir beide das gute Gefühl, dass alles gut gehen würde. Es durfte nur keiner krank werden, wir waren ja noch allein, ohne Mitarbeiter.

Wir gewöhnten uns an alles, an das Lokal Treppchen, das keinen guten Ruf in Frechen hatte, an den Kohlenstaub, der alles beschmutzte, für uns war alles halb so schlimm.

Es hat uns nie leidgetan, 1963 diesen wichtigen und mutigen Schritt unternommen zu haben. Frechen ist unser Zuhause geworden, und wir möchten auch nie mehr irgendwo anders leben.

Das damalige Schlagwort “Auf nach Frechen” ist uns immer noch geläufig.

Bäckergeselle: Vorgestern und gestern

Das Jahr 1946 war eine ungünstige Zeit für diesen Beruf. Aber wenigstens hatten wir zu Hause genug Brot zu essen.

Im ersten Lehrjahr war zunächst meine Hauptbeschäftigung, die Brotteige mit der Hand aus der großen Teigmaschine raus zu nehmen und auf den Backtisch abzulegen. Es gab zu dieser Zeit nur Roggenmehl. Deshalb wurde bei uns auch nur eine Sorte Brot gebacken, nämlich das sogenannte Kommissbrot.

Die einzelnen Laibe wurden dann dicht aneinander in den heißen Backofen geschoben, so dass sie immer als viereckiges Brot zum Vorschein kamen. Meine Aufgabe war dann später, die heißen Brote mit Wasser zu bestreichen. Waren dann zwölf fertige Dreipfundbrote auf dem Brotbrett, musste ich sie auf ein Regal hochstemmen. Mein Onkel Robert war Schneidermeister, und wenn dieser für mich einen neuen Anzug ausmaß, meinte er immer, ich wäre an der linken Seite kleiner, als an der rechten. Das kam daher, weil ich mich immer links mit den zwölf Broten so hochrecken musste.

Ich musste damals noch sehr klein und erbärmlich ausgesehen haben, denn meine Chefin brachte mir jeden Morgen ein Liter Milch in die Backstube. Sie sorgte auch dafür, dass der Meister darauf achtete, dass ich die Milch im Laufe des Tages trank.

So gegen acht Uhr kam dann auch der Seniorchef in die Backstube. Er formte die Brote, welche ich schon vorgewirkt hatte. Wir verstanden uns gut und im Laufe der Zeit waren wir ein gut funktionierendes Team. Während dieser Zeit hat er mir viel aus seiner Jugendzeit als Bäckergeselle erzählt. Für mich waren das immer spannende Stunden.

Es war Ende des 19. Jahrhunderts und die große Zeit der Zünfte. Ein Handwerksgeselle war nur dann ein guter Fachmann, wenn er einige Jahre als Wandergeselle auf Achse gewesen war. Auch mein Seniorchef war zwei Jahre auf der Walz gewesen. In dieser Zeit ist er von Betzdorf an der Sieg bis nach Hamburg getippelt. „Ein fremder Bäcker bittet um Arbeit“, war das geflügelte Wort, welches er noch immer auf der Zunge hatte.

Die Zunftregeln besagten, dass der wandernde Bäckergeselle in jeder Bäckerei für einige Zeit beschäftigt werden sollte oder aber Brot und Gebäck für unterwegs kostenlos zur Verfügung gestellt werden musste. Er erzählte mir dann weiter, dass er sich damals mit einem Metzgergesellen verbündet hatte und dieser immer Fleischwaren im Bündel hatte.