Welterklärung - Johann Henseler - E-Book

Welterklärung E-Book

Johann Henseler

0,0
2,49 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Wenn Jugendliche zu jungen Erwachsenen werden, dann stellen sie grundsätzliche Fragen, die oft schwierig zu beantworten sind. Ein Vater versucht, seiner Tochter auf 11 Fragen fundamentaler Art eine Antwort zu geben: zur Liebe, zum Schicksal, zum Glauben, zum Kapitalismus, zu den Menschenrechten, zu Krieg, zum Menschenbild u.a. Ob die relativ kurzen Einlassungen geeignet sind, wenigstens ansatzweise Heranwachsenden eine Richtung zu weisen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 48

Veröffentlichungsjahr: 2017

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Johann Henseler, Körnerstr.20, 40721 Hilden, email: [email protected]

Inhalt

Warum bin ich so allein?

Ist der Mensch gut oder böse?

Was ist wichtiger, Herz oder Verstand?

Woher weiß ich, wer für mich der wichtigste Mensch ist?

Leben wir im richtigen Wirtschaftssystem?

Muss es nicht die Aufgabe des Staates sein, uns allen ein Ziel zu geben, so dass wir in Sicherheit und ohne Angst leben können?

Gibt es Schicksal?

Glaubst du an Gott?

Muss es Kriege geben?

Kann man die Welt verändern?

Müssen sich alle an die Menschenrechte halten?

1. Warum bin ich so allein?

Antwort:

Eigentlich weißt du ja selbst, dass du nicht allein bist. Du hast deine Freundinnen, deinen Freund und deine Familie.

Ich verstehe dich aber so, dass du dich manchmal oder auch öfter ziemlich einsam fühlst und dass dir darüber auch die Gegenwart anderer Personen nicht hinweghilft.

Woran kann das liegen?

Eine Erklärungsmöglichkeit sehe ich darin, dass dir die Bezugspersonen, mit denen du bisher sehr intensiv zusammen warst, allmählich fremd werden, oder dass du das Gefühl hast, dass sie dir entgleiten. Diesen Prozess der Loslösung durchlebst du gerade und man kann ihn nicht verhindern.

Diese Entwicklung ist allerdings auch von dir gewollt. Er betrifft uns als deine Eltern und deine Freunde und Bekannten.

Wir als Eltern versuchen, für dich da zu sein, wenn du unseren Rat brauchst. Ich weiß, dass ich des Öfteren der Versuchung erliege, dir ungefragt Rat zu erteilen, der von dir manchmal als Vorwurf verstanden wird und vielleicht auch so gemeint war. Ich denke, dass du es bevorzugst, wenn wir etwas zurückhaltender sind, also dir den Prozess deiner Ablösung, der schon schwer genug ist, nicht noch dadurch erschweren, dass wir uns in alles einmischen, uns an dich klammern und alles und jedes bestimmen oder erfahren wollen. Die Zurückhaltung fällt uns manchmal schwer, aber du sollst selbstständig werden, und das erstrebst du selbst am meisten.

Die Freiheit des Erwachsenseins ist allerdings kälter als die Geborgenheit der Kindheit. Du verlierst etwas, aber nur dadurch kannst du etwas gewinnen. Der Verlust der Geborgenheit, die dein Leben bisher entscheidend bestimmt hat, verursacht Trauer, dein Trost liegt nur im Gewinn von etwas Neuem. Der Verlust der Bindung an uns wird nie, so hoffe ich, total sein, ein großes Maß an Intimität wird hoffentlich bleiben. Die Größe des Abstandes zu uns wirst du allein bestimmen müssen.

Was deine Freunde und Bekannten angeht, so hast du schon mehrere Male erlebt, dass Freundschaften zerbrachen oder einfach einschliefen, da das nötige Interesse wahrscheinlich von beiden Seiten fehlte und neue Eindrücke die alten verdrängten. Ebenso hast du erlebt, dass alte Freundschaften wieder auflebten oder dass ganz neue Beziehungen entstanden.

Vielleicht ist die Situation jetzt besonders schwierig, weil die Anzahl der Freunde und Bekannten insgesamt abnimmt und es dir noch nicht genügend gelungen ist, andere dir attraktiv erscheinende Bekanntschaften zu schließen. Vielleicht ist es auch so, dass du andere beneidest, die in Gruppen oder Cliquen sind, in denen du auch gern wärst.

Du bist in dem Alter, in dem sich deine grundlegenden Einstellungen und Überzeugungen festigen. Das schafft Abstand zu denen, die diese nicht teilen. Je tiefer Überzeugungen sind, je wichtiger es einem ist, nach seinen Überzeugungen zu handeln, umso schwerer fällt es, in dem eher zufällig zusammengesetzten Kreis der Bekannten Gleichgesinnte zu finden. In der Grundschule war es sicher kein Problem, fast die ganze Klasse zu mögen. Das geht bei fortschreitender Entwicklung nicht mehr. Da fängt man an, genauer auszusuchen, die Entwicklung alter Freundinnen oder Freunde kritisch zu beurteilen und sich auch von ihnen ggf. zu entfernen. So wie man seine eigenen früheren Verhaltensweisen zunehmend kritischer sieht, ja manche von ihnen nunmehr geradezu unverständlich findet, so verhält es sich auch mit der Beurteilung anderer.

Das ist ein notwendiger Selbstfindungsprozess, der nicht ohne Selbstzweifel abläuft. Man weiß eben nie, ob man immer das Richtige tut und ob alle Entscheidungen zu vertreten sind. Man kann sich Rat bei Entscheidungen holen, aber treffen muss man sie immer selbst. Das schafft ein Gefühl von Einsamkeit, weil man sich dabei oft überfordert fühlt und mit mancher Entscheidung die Trennung von anderen Menschen verbunden ist.

Aber die Trennung schafft auch Chancen, weil du dir neue Partner suchen wirst, denen du vertrauen kannst, mit denen du eine neue, vielleicht tiefere Intimität und Freundschaft aufbauen kannst, Partner, die dir das Gefühl des Alleinseins nehmen. Das sind womöglich nicht so viele, aber es sind sicher wertvolle.

Du solltest nicht die beneiden, die mit jedem und allen befreundet sind, die immer im Mittelpunkt zu stehen scheinen oder dauernd im Pulk herumlaufen. Hinter dieser Geschäftigkeit kann eine allgemeine Oberflächlichkeit stehen, die in ihrer fröhlich erscheinenden Unverbindlichkeit eine noch größere Einsamkeit verbirgt, als du sie verspürst.

Ich meine also, dass dein Gefühl des Alleinseins Ausdruck einer notwendigen Entwicklung zum selbstbestimmten Menschen ist. Bei bewusster Gestaltung schafft diese Entwicklung aber nicht nur Verlustgefühle, sondern eröffnet auch neue Horizonte.

Ich wünsche dir, dass du zu den neuen Horizonten aufbrechen willst.

2. Ist der Mensch gut oder böse?

Antwort:

Die Frage, ob der Mensch gut oder böse ist, also die Frage nach dem richtigen Menschenbild, ist sicher eine der grundsätzlichsten und eine der spannendsten dazu, weil sie unweigerlich auch einen selber mit einschließt: Bin ich gut oder böse?

Wenn man die Frage schlüssig und endgültig beantworten könnte, wie der Mensch ist oder sein sollte, wäre sicher das Ziel der Philosophie erreicht, weil dann die zweifelsfreien Ergebnisse des philosophischen und religiösen Suchens vorlägen und man sich ihrer nur noch zu bedienen bräuchte, um das Richtige zu tun. Mit dieser Frage bräuchte sich die Philosophie dann nicht mehr zu beschäftigen.

Jedoch: Vermuten, was man dem Menschen zutrauen kann, wissen, ob er gut oder böse ist, abschätzen zu können, womit man ihn überfordert - endgültige Antworten wird es dazu nie geben.