Zeitpralinen II - Johann Henseler - E-Book

Zeitpralinen II E-Book

Johann Henseler

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Beschreibung

Mit Schrecken lesen die Freunde in einem Tagebuch, zu welchen abgrundtiefen Gemeinheiten ein Kind fähig sein kann. Aber auch sie selbst erleben tiefe Enttäuschungen, vor allem, wenn sie sich verliebt haben. Die Zeitpralinen helfen manchmal, manchmal aber entstehen durch sie hoffnungslos erscheinede Schwierigkeiten. Jedoch können sich die Freunde aufeinander verlassen.

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Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt Teil 1

1. Lynns Problem

2. Lynns Rache

3. Vannis Scherze

4. Mias Ausflug

5. Lynns neue Pralinen

6. Ein neues Geburtstagsgeschenk für Kim

7. Kim wird eingeweiht

8. Das Opfer

9. Einige Veränderungen

10. Die Zeit

Inhalt Teil 2

11. In der Eisdiele

12. Der Diebstahl

13. Mark ärgert

14. Pläne

15. Der Zusammenstoß

16. Friedensverhandlungen

17. Tagebuch 1

18. Tagebuch 2

19. Tagebuch 3

20. Unerwartetes

21. Hilfe für Vanni

22. Jochen

23. Babsi

24. Ohne Pralinen

11. In der Eisdiele

Neugier

Am nächsten Tag erzählte Lynn beim Eis essen den Freundinnen ihren Traum.

„Ich glaube nicht, dass die Zeit nochmal im Traum mit mir spricht oder mir noch mehr Zeitpralinen schenkt. Sie hat mir ihre Lektion erteilt. Und jetzt ist wahrscheinlich Schluss, ob ich will oder nicht! Einiges werden wir wahrscheinlich nie erfahren!“, schloss sie ihren Bericht.

„Dann können wir nachholen, was wir aufgeschoben haben!“, sagte Vanni: „Nämlich genau nachzusehen, was Herr Jungbrunn in seinem Schrank aufbewahrt hat.“

Und Kim ergänzte: „Und zwar so schnell, wie möglich!“

Die Rüpel

Drei Jungen saßen nicht weit entfernt von den Mädchen an einem Tisch und waren recht ausgelassen und daher so laut, dass sie die anderen Gäste störten. Lynn kannte einen von ihnen, er war eine Klasse höher als sie, die anderen waren wohl seine Freunde. Kims Vater bat die drei Jungen schließlich höflich darum, dass sie auf die anderen Gäste etwas Rücksicht nehmen sollten. Die Bitte interessierte die drei Jungen jedoch nicht.

„Wir bezahlen unser Eis und sind deswegen ganz normale Gäste!“, rief der Größte von ihnen. „Ich habe gehört, wie Sie denen da“, und er wies auf die drei Mädchen, „das Eis "auf Kosten des Hauses’ gegeben haben. Das sind also gar keine zahlenden Gäste!“

„Ja!“, schrie sein Kumpel. „Die kann man deswegen leicht rausschmeißen!“

Und der Größte fuhr fort: „Spendieren Sie uns gefälligst auch ein Eis! Sonst…“

Während die Drei laut ihre Sätze in den Raum riefen, flüsterte Vanni Kim ins Ohr: „Gib mir mal bitte den Kellerschlüssel!“

Kim fasste in ihre Tasche und gab Vanni geistesabwesend den Schlüssel.

„Sonst können wir auch noch ein bisschen lauter werden!“, fuhr der Anführer drohend fort.

Kim kochte vor Wut.

Vannis Strafe

Vanni verschwand in Richtung Keller, während die Jungen grölend lachten.

Die Geduld von Kims Vater war jetzt zu Ende. Er ging vor die Theke und bewegte sich auf die Jungen zu, die von ihren Stühlen aufstanden.

Da erstarrte die Welt.

Vanni hatte im Keller eine Weltstillstandspraline gegessen. Sie lief wieder nach oben in das Eiscafé, dort hinter die Theke, und schaufelte riesige Portionen Eis auf drei Waffelhörnchen. Dann rannte sie mit den Eiswaffeln vorbei an Kims Vater zu den drei Jungen und stülpte sie umgekehrt auf deren Köpfe, so dass es aussah, als hätten die Jungen Zwergenmützen auf.

Sie wartete, bis der Weltstillstand vorüber war, und rief dann laut in den Raum: „Guckt mal, da sitzen drei Eiszwerge!“

Unterschiedliche Reaktionen

Die meisten Gäste lachten, einige riefen: „So eine Schweinerei!“, und die Jungen waren vollkommen überrascht. Als sie merkten, dass sie ausgelacht und verspottet wurden und dazu Kims Vater auf sie zuging, liefen sie zur Tür und flüchteten aus der Eisdiele. Beim Hinauslaufen zeigte der Größte auf Vanni und schrie: „Dich krieg ich auch mal zu fassen!“, und warf ihr einen hasserfüllten Blick zu.

Das Erlebnis mit den drei Jungen nahmen die Freundinnen nicht sehr wichtig, sie fanden es kurz danach so witzig, dass sie ständig darüber lachen mussten. Allerdings kündigte Kims Vater an, dass er mit den drei Mädchen am nächsten Tag, wenn er mehr Zeit hätte, über diesen Vorfall sprechen wolle. Seine Miene verriet, dass es keine freundliche Unterhaltung werden würde.

Ordnung

Die drei Freundinnen aßen ihr Eis noch zu Ende und eilten dann die Treppe hinunter. Kim, die den Schlüssel wieder in Verwahrung genommen hatte, öffnete das Schloss. Sofort wühlten alle neugierig in den alten Sachen herum, wobei Einiges auf den Boden fiel. Jede rief den Anderen irgendetwas zu, was sie Interessantes gefunden habe, ohne dass die davon überhaupt Notiz nahmen, weil jede mit ihren eigenen Fundsachen beschäftigt war. Nach kurzer Zeit herrschte im Kellerraum ein unbeschreibliches Durcheinander von Papieren, Pappschachteln, Heften und allerlei Krimskrams.

Schließlich schaute Lynn um sich und stieß seufzend aus: „So geht das nicht!“

Die anderen hörten auf zu kramen und sahen zu ihr hin.

„Was geht so nicht?“, fragte schließlich Vanni.

„Wir machen ja alles nur noch schlimmer!“, antwortete Lynn. „Wir müssen das alles erst mal ordnen, sonst wissen wir in einer Woche noch nicht, was wichtig ist oder was Müll ist! Wir stellen in eine Ecke alle Pappschachteln, in die andere Papiere, hier in die dritte alle Hefte und Bücher und in die letzte den restlichen Krimskrams!“

Während sie nun ordneten, meinte Vanni: „Zuhause habe ich in meinem Kinderzimmer ein fürchterliches Durcheinander. Da räume ich nie auf. Komisch, hier bin ich auf einmal ordentlich!“

Pralinensammlung

Nach kurzer Zeit lagen die verschiedenen Stapel in den Zimmerecken, Tisch und Stühle waren frei.

„Wir nehmen uns als Erstes den Stapel mit den Pappschachteln vor. In denen hatten wir vor einigen Tagen ja Pralinen gefunden. Wir sammeln am besten einmal alle Pralinen, die wir haben, damit wir einen Überblick erhalten, welche und wie viele wir insgesamt noch haben!“, schlug Lynn vor.

„Ich habe die restlichen Pralinen, die ich für Herrn Jungbrunn ausgetauscht habe, auch dabei!“, ergänzte Kim. „Wenn wir dann alle zusammen haben, können wir ja entscheiden, was wir damit anstellen.“

Damit waren alle einverstanden.

Die meisten Pappschachteln waren leer. In einigen lagen Pralinen, die dann alle in eine Schachtel gelegt wurden: hellblau eingepackte Weltstillstandspralinen, silbrig eingepackte Neubeginn-Pralinen, rot eingepackte 30-Minuten-Vergangenheitspralinen, schwarz eingepackte Vergessenspralinen und grün eingepackte Unwirksamkeitspralinen. Außerdem fanden sie noch gelb eingepackte Pralinen, die sie noch nicht kannten, auf denen groß und deutlich stand: „Du wirst sehen, was passiert!“ Darunter waren ein Herz, ein Blitz und ein Goldstück abgebildet.

„Was soll das jetzt wieder heißen?“ Vanni war verärgert. „Wir wollen doch gerade wissen, was passiert! Jetzt wissen wir überhaupt nicht, was diese Praline bewirkt. Und was Herz, Blitz und Goldstück damit zu tun haben, weiß ich auch nicht!“

Auch die Anderen wussten dazu nichts zu sagen.

„Wir ordnen erst in den nächsten Tagen alles andere, dann sehen wir weiter!“, meinte Lynn und sie verabschiedeten sich.

12. Der Diebstahl

Gemeinsamkeit

Am nächsten Tag fehlte Vanni in der Schule.

Kim nahm Lynn in der Pause zur Seite. „Gestern hat mich Vanni wegen der gelb eingepackten Pralinen angerufen: "Ich halte das nicht aus!’, hat sie gestöhnt. "Ich möchte unbedingt wissen, was passiert, wenn wir die gelb eingepackten Pralinen ausprobieren! Ich kann an gar nichts anderes mehr denken. Wir können die anderen Sachen auch noch nachher ordnen! Die sind jetzt nicht so wichtig!’ Deswegen habe ich drei davon mitgebracht, ich hab sie in meiner Jackentasche.“

„Aber ohne Vanni können wir das nicht ausprobieren, das wäre gemein!“

„Ich habe ja nicht gewusst, dass Vanni heute fehlt!“

„Egal, ohne Vanni probieren wir das nicht aus!“

„Das will ich auch nicht. Vielleicht ist sie morgen schon wieder da! Wir können sie mal anrufen und sie fragen, was sie hat.“

Schreck

„Wo hast du denn deine Jacke, Kim?“

„Wo sie immer ist, wenn ich sie in der Pause nicht gebrauche, am Garderobenhaken im Flur! Warum willst du das wissen?“

„Mit den drei Pralinen?“

„Na klar!“

„Hoffentlich sind sie auch noch alle drin!“

„Was? Glaubst du, dass die einer rausgenommen hat?“

„Du weißt doch, dass manchmal Sachen aus den Jacken im Flur verschwinden. Frau Schmitz hat uns ermahnt, nichts Wichtiges in den Taschen zu lassen, weil es gestohlen werden könnte.“

Kim war erschrocken. „Am besten sehen wir gleich nach. Die Pause ist sowieso zu Ende.“

Sie hasteten die Treppe hinauf. Kim fasste in ihre Jackentasche und stieß hervor: „Es sind keine mehr drin!“ „Dann hat sie einer weggenommen!“, rief Lynn wütend. „Und wir wissen noch nicht mal, was diese Pralinen bewirken! Was machen wir jetzt?“

Vorsichtsmaßnahme

„Zum Glück ist noch der Schlüssel zu unserem Kellerraum in der Jacke! Stell dir vor, den hätte auch einer geklaut! Der hätte dann alle Pralinen aus unserem Kellerraum mitnehmen können“, stöhnte Kim.

„Ach, der hätte doch gar nicht gewusst, dass wir noch viel mehr Pralinen haben und dass das der Schlüssel von einem Kellerraum in eurem Haus ist“, meinte Lynn.

„Aber am besten schließen wir jetzt den Kellerschlüssel in mein Schließfach ein, da ist er in Sicherheit“, entschied Kim. „Einstecken kann ich ihn nicht, denn wir haben noch Sport, und dann hängt meine Kleidung in der Gemeinschaftsgarderobe. Den Schließfachschlüssel lege ich deswegen in mein Etui für die Buntstifte, das im Schulranzen ist. Da kann ich ihn nicht verlieren. Und da findet ihn auch keiner. Außerdem ist der Ranzen in der Klasse und die ist während der nächsten Pause und während des Sportunterrichts abgeschlossen. Nach dem Unterricht nehme ich den Kellerschlüssel wieder aus dem Schließfach und dann mit nach Hause.“

Sie mussten sich beeilen, dass sie vor Unterrichtsbeginn alles schafften, und beide achteten genau darauf, dass sie nicht belauscht oder beobachtet werden konnten, bis dass Kim ihren Schließfachschlüssel in ihrem Etui für die Buntstifte versteckt hatte.

Mark

Während der ganzen Sportstunde tuschelten Lynn und Kim darüber, wer wohl die Pralinen aus der Jackentasche entwendet hatte, aber sie kamen zu keinem Ergebnis.

Sie hörten selbst dann nur mit einem halben Ohr hin, als Frau Schlüter Mark, den besten Sportler der Klasse, rügte, dass er zu spät zum Unterricht erschien, weil er seine Sportsachen in der Klasse vergessen hatte. „Und dazu brauchst du so lange? Die Hälfte der Stunde ist ja schon vorbei!“, schimpfte sie.

„Das hat so lange gedauert, weil ich noch Frau Schmitz suchen musste. Sie hat ja den Klassenzimmerschlüssel und ich habe sie zuerst nicht gefunden, bis ich ins Lehrerzimmer gegangen bin. Sie hat ihn mir dann gegeben und ich musste ihn nachher zurück ins Lehrerzimmer bringen.“ Frau Schlüter gab sich damit zufrieden. Mark war nun mal ihr Lieblingsschüler.

Mark war der größte und stärkste Schüler der Klasse, allerdings nicht der klügste. Er hatte immer einen großen Kreis von Jungen um sich, die ihn bewunderten und sein Verhalten imitierten. Die Jungen, die ihn nicht so toll fanden, wurden von ihm geärgert und hatten, wie viele Mädchen auch, Angst vor ihm. Seine Todfeindin war Kim, die sich vor allen über ihn lustig machte, ihn ärgerte und dabei nicht die geringste Angst vor ihm hatte. Er hatte ihr deswegen schon mehrmals Prügel angedroht, dann aber lieber nichts unternommen, weil ihre beiden Freundinnen sich neben ihm aufbauten und ihn anschrien, dass er es dann mit allen drei Mädchen zu tun kriegte. Vor der sportlichen Vanni hatte er sowieso Respekt und er wollte nicht zwei seiner Bewunderer fragen, ob sie ihm bei einer Prügelei helfen würden. Das fand er zu erniedrigend und auch zu riskant, weil er nicht wusste, ob er sich auf sie überhaupt verlassen konnte. Aber er hegte einen Groll gegen Kim und nahm sich vor, dass er etwas gegen sie unternehmen würde, sobald sich die Gelegenheit dazu ergeben sollte.

Das Versteck

Nach dem Unterricht liefen Lynn und Kim besonders schnell in die Klasse zurück, damit sie sich sicher sein konnten, dass keiner die Schultasche anrührte. Erleichtert atmete Kim auf, als sie aus dem Buntstifte-Etui ihren Schlüssel für ihr Schließfach herauszog.

Zu Lynn gewandt, sagte sie lächelnd: „Ich sagte ja: absolut sicher!“