Wenn Träume Deine einzige Hoffnung sind! - Mikel Marz - E-Book

Wenn Träume Deine einzige Hoffnung sind! E-Book

Mikel Marz

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Beschreibung

Familie kannst Du Dir als Kind nicht aussuchen! Du musst mit dem leben, was Dich in die Welt setzt und sich dann Eltern nennt. Und wenn Du ganz viel Pech hast, musst Du dann mit vielen Tränen klarkommen, sowie ebenfalls mit Wut, Schmerz, Enttäuschung, Abweisung und viel Traurigkeit umgehen lernen und Dich am besten an jedem noch so schönen Moment hochziehen, damit Du die schlechten Zeiten wieder überstehst. Keiner wird Dich in solchen Zeiten fragen, wie glücklich Du bist, denn das interessiert eigentlich niemanden, weil jeder Dich so erziehen will und wird, wie er glaubt es richtig zu machen, sofern man in meinem Fall überhaupt noch über Erziehung reden durfte. Doch am schlimmsten ist es für einen Menschen, wenn nur noch Kälte, Schmerzen und Erniedrigungen das Leben ausmachen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du ein Kind bist oder schon erwachsen. Gedanken eines Menschen, der es nie anders erlebt hat!

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Seitenzahl: 370

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Besonders hinweisen möchte ich auf die Tatsache, dass es sich bei dem Cover um ein für dieses Buch gestaltetes Foto handelt. Jede Verwendung ohne Zustimmung des Urheberrechts, welches allein beim Autor liegt, ist unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Die Familie kannst Du Dir nicht aussuchen!

Du musst immer erst einmal mit dem leben, was Dich in die Welt setzt und sich dann bei Dir und für Dich „Eltern“ nennt.

Und wenn ein Mensch dann eben Pech hat, muss er nicht selten mit vielen Tränen klarkommen, sowie mit Schmerz, Wut, Enttäuschung, Abweisung und viel Traurigkeit umgehen lernen. Gleichzeitig sollte sich jeder in solch einer Lage, am besten an jedem noch so schönen Moment hochziehen, damit dann die schlechten Zeiten gut überstanden werden können.

Keiner wird Dich in solchen Zeiten fragen, wie glücklich Du bist, denn das interessiert eigentlich niemanden, weil jeder Dich so erziehen will und wird, wie er glaubt es richtig zu machen, sofern man in meinem Fall überhaupt noch von Erziehung reden kann, darf oder sollte.

Doch am schlimmsten ist es für einen Menschen, wenn nur noch Kälte, Schmerzen, Traurigkeit und Erniedrigungen das Leben ausmachen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle mehr, ob Du noch ein Kind bist oder schon erwachsen.

Denke ich zumindest, ich habe es ja nie anders erlebt!

Es sind die Erinnerungen und Tatsachen meiner Zeit, die Zeit der sechziger und siebziger Jahre, in denen noch vieles anders gemacht und bewältigt wurde, als man es sich heute auch nur noch im Geringsten vorstellen kann. Allerdings auch noch in den Jahrzehnten danach, denn alleine das Gesetz, dass Kinder ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung haben, wurde erst im November 2000 erlassen.

Natürlich gibt es unzählige Menschen, die das leider auch heute noch nicht interessiert, denn noch immer gibt es viel zu viel Gewalt gegen Kinder und was noch viel schlimmer ist, es handelt sich dabei um häusliche Gewalt.

Gewalt von den Menschen, in denen Kinder noch die guten Menschen sehen, denn schließlich ist es ihr zuhause. Auch wenn es heute ein Strafmaß gibt, früher war es gar nicht strafbar und ich habe dazu viele Erfahrungen machen müssen. Sehr viele oder vielleicht auch viel zu viele, aber wie schon erwähnt, im Leben kannst Du Dir irgendwann mal später die Menschen aussuchen, die Dich ein Stück im Leben begleiten sollen, aber wenn Du klein bist, dann hast Du dazu noch keine Chance und musst mit dem leben, was sich Familie nennt!

Wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke, dann weiß ich vor allem eines, nämlich das ich doch sehr viel Glück gehabt habe, heute überhaupt noch am Leben zu sein.

Doch mir ist auch bewusst, dass es da draußen unzählige Menschen gibt, denen ein vergleichbares Schicksal zu Teil wurde und die vielleicht nicht die Art von Stärke und Träumen in sich tragen, die ich zum Glück ständig in mir hatte und die mich immer weiter nach vorne gebracht haben.

Dabei war ich eigentlich gar kein Kämpfer, jedenfalls nicht wissentlich, eher aber ein ganz großer Träumer, der ständig nach vorne gedacht hat und stets die Hoffnung im Herzen mit sich trug, dass irgendwann mal alles gut wird.

Aber wann kommt dieses „irgendwann“ und wann ist man an dem Punkt angekommen, wo man sein Leben dann wirklich „gut“ nennen kann?

Meine Träume waren stets so stark, dass ich mit ihnen und vor allem der damit verbundenen Hoffnung leben und überleben konnte.

Deshalb stelle ich mich mit meiner Geschichte und diesem Buch vor Euch und möchte jeden, der sich genauso fühlt, motivieren nach vorne zugehen.

Das wirklich motivierende an der ganzen Sache ist nämlich die Tatsache, dass wir niemals wissen, wann die guten Zeiten kommen, denn die werden ganz sicher irgendwann da sein und was wir dann mit ihnen machen, entscheiden wir ganz allein.

War das noch keine Motivation?

Gut, dann schlage ich vor, es wird erst einmal dieses Buch gelesen und dann kann das jeder für sich selbst entscheiden.

Aufgeben könnt Ihr im Leben auf jeden Fall immer einen Brief, aber niemals Euch selbst!

Wie sagt man so schön, am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende…

1

Ich wurde in den sechziger Jahren in Nordhessen, in der Stadt Kassel geboren, noch etwas genauer gesagt am 14.02.1964 so gegen 13.24 Uhr und das in einem Jahr, was bis heute mit 1.357304 Kindern das wohl kinderreichste Jahr in der Geschichte der gesamten Bundesrepublik Deutschland gewesen ist.

Allerdings frage ich mich auch heute noch sehr oft, ob der Valentinstag nicht irgendwie auch eine Art von Ironie dafür gewesen ist, dass gerade ich unbedingt an diesem Tag an die frische Luft wollte. Schließlich war es die Geburt eines Kindes an dem Tag, der angeblich für die Liebenden etwas ganz Besonderes darstellt. Dabei war ich überhaupt kein Wunschkind, sondern leider nur ein sogenannter Unfall, den man auch schon damals sehr schnell bereut hatte.

Meine Mutter war eine verwöhnte Tänzerin, die zu der damaligen Zeit noch fest in dem Glauben war, sie hätte eine Karriere vor sich gehabt, wenn sie halt eben nicht mit mir schwanger geworden wäre.

Also gab sie mir stets die Schuld für das Ende von ihrem Traum und ließ es mich auch oft genug spüren, was ich aus vielen Erzählungen weiß und vor allem auch auf vielen Bildern sehen kann, denn ich war immer das Kind ohne Lächeln. Wenn meine Mutter und ich auf einem Bild zusammen waren, sah man niemals ein Lächeln, weder bei ihr, noch bei mir. Bei mir waren es eher kritische oder sogar ängstliche Blicke, so als würde halt ein kleines Kind eine fremde Frau anschauen. Zudem stand oder saß ich auch nie bei ihr, sondern wenn dann eher bei meiner Oma, die fast auf allen Bildern zu sehen ist.

Mein Vater trennte sich von uns, nachdem ich gerade mal ein halbes Jahr alt war. Er bekam von mir auch nicht viel mit, denn ich lag nach meiner Geburt dann doch fast sechs Monate im Kinderkrankenhaus, weil ich irgendeine schwere Krankheit hatte und man zu dieser Zeit auch überhaupt noch nicht abschätzen konnte, ob ich es dann schaffen und überleben werde. Ob das ein Grund für die Trennung war, konnte oder wollte mir nie jemand sagen, doch das ist für mich und das Erlebte auch völlig nebensächlich.

Sie schienen wohl in vielen Dingen gar nicht zueinander zu passen und so passierte es dann bei ihnen, dass sie mit einem befreundeten Paar einen regelrechten Partnertausch durchführten.

Unvorstellbar vielleicht, sicherlich auch keine Seltenheit und so wurde es von diesen vier Personen dann halt gelebt und gemacht.

1964 war nebenbei auch das Jahr, in dem der große Boxer Cassius Clay oder Muhamed Ali mit nur zweiundzwanzig Jahren Schwergewichtsweltmeister wurde und reichlich für Furore sorgte.

Zumindest sollte ich das frühzeitig noch oft genug zu spüren bekommen, denn mein neuer Stiefvater konnte mit mir persönlich überhaupt nichts anfangen.

Im Gegenteil, er kam aus einer sehr strengen katholischen Familie, die fremde Kinder eher als Störfaktor oder sogar als den Teufel in Person sahen.

Heutzutage bestimmt für viele Menschen sicherlich nicht vorstellbar, aber auch solch ein Verhalten war früher ganz sicher keine Seltenheit.

Somit baute er keinerlei emotionale Bindung zu mir auf, sondern ließ mich seine Abneigung dann doch schon sehr früh spüren, was mir ebenfalls durch spätere Erzählungen sehr häufig berichtet wurde. Gewalt gegen Kinder war zu dieser Zeit noch regelrecht erlaubt und somit gab es dazu damals noch keinerlei Gesetze, Behörden oder Ämter, die sich im Gegensatz zu heute damit beschäftigt haben, wie und unter welchen Umständen die Kinder dann groß und erzogen werden. Zudem kann ich mich tatsächlich noch an verschiedene Erlebnisse sehr gut zurückerinnern, in denen ich selbst noch wirklich sehr klein gewesen war, was mich oftmals verwunderte. Vielleicht liegt es aber auch einfach an dem Ausmaß von den etlichen gewaltvollen Handlungen, die sich auch für mich schon damals sehr eingeprägt und alles damit eben auch unvergesslich gemacht haben.

Gewalt sollte die Überschrift von meinem Leben werden und überhaupt war es eine Zeit, die sich mit der heutigen nur noch sehr schwer vergleichen lässt.

Vieles war einfach ganz anders und so hatte damals die Handarbeit noch eine überaus große Bedeutung, wo auch Windeln noch mit der Hand gewaschen wurden und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass in der elterlichen Küche immer ein sehr großer Topf auf dem Herd stand, in dem die Windeln dann ausgekocht wurden.

Ich weiß es heute nicht mehr genau, wann ich anfangen konnte, mein Leben richtig wahrzunehmen, aber es sind so viele kleine Erinnerungen da, die allesamt auf jeden Fall immer in meinem Kopf bleiben werden.

Auch wenn man mir im späteren Leben immer wieder bescheinigte, dass ich angeblich doch so ein lieber Junge gewesen sein soll, so weiß ich heute noch, dass auch ich verschiedene Dinge erst ausprobieren musste.

Vor allem habe ich dabei nicht vergessen, dass es in dieser Zeit schon anfing, dass ich das ein oder andere Mal eine gehörige Portion auf den Hintern bekam.

Ich erinnere mich noch sehr genau an den Tag, wo ich eines Morgens ganz allein im elterlichen Wohnzimmer stand und dieses mächtige Tischfeuerzeug auf dem Tisch sah.

Ich konnte kaum laufen, aber die Augen schienen schon alles gesehen zu haben, was für Kinder interessant schien und was wir eigentlich noch nicht in die Hände nehmen sollten. Es war so ein rundes und eigentlich auch sehr schweres Teil und war fast so groß, wie eine Dose aus Metall.

Also blieb es natürlich nicht bei dem Anschauen und so musste auch ich wenigstens das ausprobieren, was mein Stiefvater ja auch jeden Abend ständig machte, wenn er sich seine Zigaretten anzündete.

Schließlich war da so ein kleiner Hebel, auf den man doch nur ständig drücken musste, damit da eine Flamme rauskam. Feuer hat doch immer etwas Mächtiges, vor allem in den Kinderaugen und das sah ich dann eben auch, als diese hässliche selbstgemachte dicke gelbe Tischdecke in Flammen stand.

Es wird wohl ein Instinkt sein, dass auch ein kleines Kind mit drei Jahren dann scheinbar schon weiß, was zu tun ist und so lief ich in das Treppenhaus und schrie, so laut ich nur konnte.

Ich muss dazu erwähnen, wir wohnten damals ganz oben im fünften Stock und ein Kind kann bestimmt sehr laut schreien. Zumindest hörte mich meine Mutter, die im Keller noch Kohlen holen wollte und stürmte in einem Eiltempo nach oben, um dann erstmal den Brand zu löschen. Die Tischdecke war jedenfalls durch den Brand zerstört und dem Wohnzimmertisch sah man es ab diesem Zeitpunkt ebenfalls an, dass ein kleiner Feuerteufel gezündelt hatte.

In dieser Zeit war es dann schon vollkommen üblich, was danach passierte, denn erst gab es die Schläge von meiner Mutter und wie schon etliche Male zuvor, dann später noch einmal in einer Wiederholung von zwei unsagbar kräftigen Männerhänden, die solche Schläge dann noch mit einer gewissen Hingabe verrichteten.

Das war schon lange kein kleiner Klaps mehr auf den Popo, das war schon Schlagen, in widerwärtigster Art und Weise und immer kam es mir unendlich lang vor.

Zumindest in dieser Zeit glaube ich, habe ich mich davon immer wieder einigermaßen schnell erholt und kann mich noch gut an eine der nächsten Taten von mir erinnern.

Meine Mutter hatte nämlich mal wieder die Balkontür von meinem Zimmer offengelassen. Ich denke mal zum Lüften, allerdings fand ich das damals schon sehr interessant und wollte mir natürlich auch mal die Straße von oben anschauen. Schließlich hörte ich ja immer die vielen vorbeifahrenden Autos, also war das für mich eine reine Selbstverständlichkeit, meine Neugier zu befriedigen.

Scheinbar war ich auch damals schon keiner Dummer und erinnere mich noch gut, dass ich mir mit viel Mühe noch einen Stuhl holte, diesen hinter mir herzog, damit ich dann auf die Brüstung vom Balkon steigen konnte, um von oben alles besser sehen zu können.

Irgendwann wird jede Mühe belohnt und so saß ich endlich auf den Blumenkästen, um mir somit in Ruhe mal alles ganz genau anzuschauen.

Es war für mich auch kein wenig nachvollziehbar, warum meine Mutter plötzlich so ganz anders und beherzigt mit mir redete, als sie mich dann dort zwischen den Geranien entdeckt hatte.

Sie redete ganz ruhig, irgendwie auch etwas verstört, so als wenn sie eine verschüchterte Katze oder etwas Ähnliches vor sich hatte und kam dann ganz langsam auf mich zu. Plötzlich schnappte sie mich aber blitzschnell mit einem sehr festen Griff, zog mich wild kreischend in das Kinderzimmer, um mir wieder die gewohnte Tracht Prügel zu verabreichen, die ich dann abends wieder intensiver als Echo von den zwei Männerhänden bekam.

Diese zwei Männerhände waren es auch, die mich meinen Erinnerungen nach, dann eigentlich doch schon fast täglich schnappten und mir immer wieder neue Schmerzen zufügten.

Und ich erinnere mich auch noch sehr gut, dass ich schon damals als kleiner Junge jedes Mal sehr irritiert war, denn ich brauchte scheinbar nur einen falschen Blick zu haben, damit ein weiterer oder neuer Grund zum Schlagen vor lag, denn oft wusste ich gar nicht, warum ich wieder Schläge bekam.

Dabei verstand ich ganz am Anfang ebenso wenig, wem diese Hände denn eigentlich gehörten, weil das Gesicht dieses Mannes zwar ständig präsent war, aber ich nicht zuordnen konnte, ob das jetzt eben mein Vater war oder eher doch der andere Mann, der mich zu dieser Zeit noch jedes zweite Wochenende abholte?

Bei dem war ich nämlich auch noch regelmäßig zu Besuch und dort gab es einen Papagei, einen kleinen Goldhamster, dem ich immer meine Sorgen erzählen konnte und eine Frau, die ich mit „Tante“ anreden sollte.

Irgendwann wurden die Zeiten dann aber für mich noch viel unverständlicher, denn auf einmal schlief ich abends nicht mehr zuhause, sondern nur noch bei meiner Oma. Das war schon alleine deshalb gut, weil dadurch die abendlichen Schläge wegfielen, denn dieser Mann mit den zwei großen Händen mochte mich nicht.

Wesentlich später erfuhr ich dann, dass mich meine Mutter eigentlich in ein Heim bringen wollte, sich dann aber meine Omi erbarmte und mich zu sich für nachts aufnahm.

Sie selbst war ja auch noch berufstätig und deshalb ging es noch nicht, dass ich auch schon tagsüber bei ihr sein durfte oder konnte.

Das war aber egal, denn endlich hatte ich dadurch ein ganz tolles Leben, denn sie schenkte mir eine Liebe, die ich von den vielen Elternteilen nie bekam.

Sie war wohl das Beste, was einem Kind passieren konnte, denn ich war nun der kleine Mann an ihrer Seite. Sie war es auch, die mir immer meine Fragen beantwortete und das waren früher nicht wenige.

Ich wollte schon als Kind immer sehr viel wissen und bombardierte sie manchmal regelrecht mit meinen Fragen oder wie habe ich es früher immer zu hören bekommen, ich habe ihr dann immer Löcher in den Bauch gefragt. Doch das schöne war, sie blieb mir nie irgendwelche Antworten schuldig und erklärte mir auch irgendwann ganz genau, warum ich einen Stiefvater zuhause hatte und halt eben auch noch einen richtigen Vater, der mich alle zwei Wochen zu sich holte. Sie erzählte mir, dass sich meine Eltern getrennt haben, als ich gerade mal ein halbes Jahr alt gewesen bin. Allerdings nicht wie üblich, denn sie machten einfach diesen schon erwähnten Partnertausch mit einem anderen Paar. Somit hatte ich also nun einen Vater, den ich nur vierzehntägig besuchen konnte, durfte, sollte oder musste und eben einen Stiefvater, der es verstand, mir immer wieder neue Schmerzen zuzufügen.

Dazu kam noch die Tatsache, dass er und meine Mutter noch ein Mädchen bekommen hatten, die inzwischen nun schon drei Jahre jünger und somit halt meine Halbschwester war.

Bei meinem Vater und dieser Tante, eigentlich war sie ja meine Stiefmutter, aber ich musste immer Tante zu ihr sagen, war ebenfalls noch ein Mädchen, allerdings fünf Jahre älter als ich und somit war sie meine Stiefschwester.

Na klar, nun hatte ich als kleines Kind natürlich alles ganz klar verstanden, wobei mir die Titel alle nicht gefielen oder ich auch noch nichts damit anfangen konnte. Für mich war das viel einfacher, denn nun hatte ich halt ganz einfach zwei Schwestern, zwei Väter, eine Mutter, eine Tante und ganz wichtig, natürlich meine liebe Omi.

Jedenfalls war sie es, die mit mir überall hinfuhr, ob in den Urlaub oder zu anderen Bekannten und etwas später ging sie mit mir kleinen Knirps sogar in den Wanderverein. Ich durfte überdies dann auch nachts mit ihr aufstehen, wenn Cassius Clay boxte und sie zeigte mir auch früh, wie ich für meinen großen Teddy etwas zum Anziehen häkeln konnte.

Nun konnte sogar ich richtig lachen, wenn ich bei ihr war, obwohl ich immer noch ein sehr umständliches Leben führte. Das lag vor allem daran, dass ich tagsüber noch immer zuhause sein musste und natürlich den üblichen Stress und damit auch die gewohnten Schläge über mich ergehen lassen musste.

Doch jeden Abend wurde ich dafür belohnt, denn dann fuhr ich mit der Straßenbahn wieder zu meiner lieben Omi.

Als ich fünf Jahre alt war, kam meine Einschulung in die Grundschule, so wie sie wohl bei jedem Kind üblich ist, nur hatte ich halt einen Vater mehr als Begleitung dabei.

An den üblichen Tagesprogrammen änderte das allerdings überhaupt nichts, denn ich musste auch weiterhin nach der Schule in die Straßenbahn steigen und in das elterliche Zuhause fahren. Dort bekam ich dann von meiner Mutter als erstes das Essen serviert, was für mich immer ein regelrechter Kampf war.

Ich sollte an dieser Stelle auch schon Mal erwähnen, dass meine Mutter noch nie eine sonderlich gute Köchin war und man wirklich bei vielen verschiedenen Gerichten immer seine Probleme bekam.

Damals gab es leider auch noch keine Kochsendungen im Fernsehen und wenn, sie hätte diese ganz sicherlich nicht angeschaut.

Ich erinnere mich gut an die Essen, wo es zum Beispiel Rosenkohl gab. Obwohl ich dieses Gemüse heute sehr gerne esse, denn ich kann ja kochen, so war es damals ein regelrechter Krieg, bei dem ich immer verloren habe und mit vielen Schlägen bestraft wurde.

Meine Mutter warf den Rosenkohl immer nur in kochendes Salzwasser, kochte ihn dann ziemlich lang und wenn sie ihn danach auf dem Teller in einer großen Portion vor mich stellte, kam nur noch die Erklärung dazu, dass ich erst aufstehen durfte, wenn ich alles aufgegessen hatte. Dabei habe ich heute noch den bitteren Geschmack und den übelriechenden Duft in der Nase. Sämtliche Versuche, heil aus dieser Sache zu kommen, schlugen grundsätzlich fehl und immer gab es die nötigen Schläge mit der ständigen Aufforderung, schneller zu essen.

Irgendwann passierte es mir dann, dass ich mich am Tisch auf meinen Teller übergab, was aber längst überfällig war und nur noch für mehr Ärger sorgte.

Und auch dieser Teller musste dann von mir aufgegessen werden oder besser gesagt, alles was darauf war. Das alles ging so lange, bis ich es irgendwann begriffen hatte. Dabei versuchte ich immer öfter, sehr intelligent vorzugehen und fing immer häufiger an, die Sachen schnellstens in mich rein zu schaufeln, um hinterher dann mit hohem Tempo auf die Toilette zu laufen und dort alles wieder raus zu kotzen.

Doch auch diese Idee brachte langfristig nicht unbedingt den gewünschten Erfolg, denn dafür gab es dann doppelt Schläge und Bestrafungen.

Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, dann fallen mir noch so viele andere unzählige Speisen ein, die sie einfach nicht hinbekam.

Es war ja auch nicht so, dass nur ich die falschen Geschmacksnerven hatte, denn auch die anderen verzogen das ein oder andere Mal ihr Gesicht.

Allerdings war natürlich nur ich es, an dem der Frust dann körperlich abgelassen wurde. Sicherlich passierte es auch mal, dass solch ein Essen dann vor lauter Wut gegen die Wand geworfen wurde, was aber verständlicherweise nur von einem Menschen gemacht werden durfte, nämlich dem strengen Stiefvater. Bei solchen Ausrastern bekam dann allerdings auch die Mutter mal eine Ohrfeige und danach dann natürlich auf jeden Fall auch noch ich.

Heute frage ich mich schon, wo damals die ganzen Tüten von Knorr und Maggi gewesen sind, die das Leben in der Küche heutzutage so einfach machen können und wo es dann auch bei einem Laien fast immer schmecken kann?

Die Antwort kenne ich natürlich auch, so etwas gab es ganz einfach früher noch nicht.

Früher konnten die meisten Menschen nämlich noch kochen und so Tänzerinnen wie meine Mutter waren dann eher die Ausnahmen.

Doch spätestens am Abend wurde ich dann immer wieder verwöhnt, denn meine Omi machte nur die leckersten Sachen für mich und das tollste war, sie richtete sich immer nach meinen Wünschen.

Sie konnte nicht nur wundervoll kochen, sondern auch backen, etwas, was meine Mutter nie gelernt hat. Bis heute nicht.

Ganz besonders schön, waren natürlich auch immer die Wochenenden zu dieser Zeit, denn meine Omi machte einfach alles, wozu und worauf ich Lust hatte. Spaß und Freude waren somit ständig vorprogrammiert und ich weiß heute noch, ich zerrte an diesen vielen Glücksmomenten. Es heilte einfach alle Wunden, denn es war eine warme Fürsorge, die schöner nicht sein konnte.

In der Schule war ich zu Anfang eigentlich immer noch ein Musterschüler, zumindest was die Benotung der einzelnen Fächer anging. Ansonsten war ich dann doch mehr der Klassenclown, der unter den Augen einer sehr strengen Lehrerin auch dafür ständig seine Strafen bekam.

Sie war in der Tat ein altes Fräulein, das wohl nie einen Mann abbekommen konnte und besonders harte Strafen auf Lager hatte.

Bestrafungen, die ich bis heute nicht vergessen habe und wo ich noch alle Bilder dazu im Kopf habe. Meist wurden uns Schülern dann nur die Ohren herumgedreht und sie führte denjenigen am Ohr bis in eine Ecke, wo er bis zum Rest der Unterrichtsstunde verharren musste. Natürlich mit dem Gesicht zur Ecke, damit von ihm nicht noch mehr Schaden angerichtet wurde.

Sie konnte aber auch ganz anders sein und dann war der Zeigestock bei ihr gefragt. Man musste sich dann vorne mit dem Rücken zur Tafel vor sie hinstellen, die Hände nach vorne halten und sich bis zu zehn Schläge darauf geben lassen.

Auch ich kam natürlich öfter dran, denn neben den üblichen Schülerstreichen, hatte ich auch noch so ganz andere Sachen im Gepäck.

Mal waren es die vergessenen Hausaufgaben, die von mir natürlich gar nicht gemacht worden waren oder aber auch mal eine echte Urkundenfälschung.

Dazu stehe ich, denn ich habe mit acht Jahren eine der wohl dümmsten und witzigsten Fälschungen getätigt, die mir im Nachhinein dann bitterböse heimgezahlt wurde.

Ich hatte bereits zum dritten Mal die Hausaufgaben nicht dabei, warum weiß ich heute leider nicht mehr, jedenfalls gab es eine Mitteilung an die Eltern, die dieses Schreiben abzeichnen sollten.

Nun muss ich wohl angenommen haben, ich wäre ganz schlau und hatte mir überlegt, dass ich das doch auch selber machen kann, denn dann würde es wenigstens nicht schon wieder Ärger und vor allem keine Schläge geben.

Ich hatte bei der ganzen Sache nur ein Problem, denn zu meinem damaligen Unverständnis, hatte ich einen anderen Nachnamen, als meine Mutter.

Also legte ich sorgfältig los und begann mit meinem eigenen Nachnamen zu unterschreiben, stellte dann doch nach drei Buchstaben fest, dass ich lieber den anderen Nachnamen von meiner Mutter hätte nehmen sollen. Also zog ich es danach vor, diese ersten drei von mir getätigten Buchstaben einfach nur wieder durchzustreichen, um dann mit dem eben richtigen Namen meiner Mutter zu signieren. Dumm war nur, dass mir ihre Unterschrift so gar nicht gelungen war, die ich bildlich noch heute vor Augen haben.

Dennoch schien ich mir gedacht zu haben, dass auch sie ja mal einen schlechten Tag haben konnte und vielleicht wusste meine Lehrerin auch gar nicht wirklich, wie meine Mutter sonst so unterschrieb.

Zuversichtlich und mit einer ganz großen Portion Naivität im Gepäck, ging ich am nächsten Tag wirklich mit diesem verschmierten Zettel in die Schule und übergab ihn auch sofort. Scheinbar muss es aber dann doch so stümperhaft von mir gemacht worden sein, dass sie meine Fälschung sofort auffliegen ließ, was ich zumindest damals überhaupt nicht verstehen konnte. Was folgten, waren also ganze zehn Schläge auf die Finger und zusätzlich eine Stunde in der Ecke stehen. Leider war das natürlich damit noch lange nicht abgetan, denn in der Pause verständigte sie dann selbstverständlich auch noch meine Mutter persönlich und so wusste ich danach sofort, was mich später noch zuhause erwarten würde.

Und auch das wurde wieder ein Ausraster, den man sicherlich nie in seinem Leben vergessen wird, denn erstmals wurden von ihrer Seite auch die berühmten Kochlöffel hinzu genommen und ich vergesse nie, dass die ersten beiden Löffel ganz schnell an meinem Körper zerbrachen, was sie noch viel wütender machte und sie es dann wieder vorzog, mich mit den Händen zu versohlen. Auch sie konnte schon ganz schön zuschlagen, aber bei ihr musste ich halt immer aufpassen, dass ich nicht so viel Schläge im Gesicht abbekam. Also fuchtelte ich immer mit den Armen nach oben vor dem Gesicht herum, damit ich dort nicht getroffen wurde. Wenn es dann vorbei war, dann eher deshalb, weil sie aus der Puste war und sie das Schlagen sehr angestrengt hatte.

Natürlich hatte ich auch bei ihr immer geweint, aber weniger wegen der Schmerzen, sondern weil meine Mutter immer so böse zu mir war.

Als ich mich an diesem Tag dann in dem Zimmer von dem anderen kleinen Mädchen beruhigt hatte, wollte ich für die spätere Stunde schon vorsorgen, denn ich wusste ja, dass da doch was kam. Ich selbst hatte in dieser Wohnung zwar kein eigenes Zimmer, da ich ja inzwischen bei meiner Omi wohnte, aber ich hatte dann doch wenigstens noch einen kleinen eigenen Schrank, in dem sich noch ein paar wenige Anziehsachen von mir befanden.

Nun kramte ich alle Unterhosen raus und zog sie unter die Hose an, denn ich kannte das ja schon bereits seit langer Zeit, dass die nächste Tracht Prügel nicht lange auf sich warten lassen sollte.

Es kam, wie es doch sowieso immer üblich war und wie ich es auch schon erahnt hatte. Der Stiefvater kam, dieses Mal und das war allerdings vollkommen neu für mich, mit einem Ledergürtel in der Hand in das Zimmer und schlug auf mich ein. Schnell bemerkte er, dass ich ein paar Hosen zu viel am Körper hatte und sorgte dafür, dass ich ganz schnell splitternackt wurde, um dann noch einmal und mit völliger Inbrunst drauf zu hauen.

Ich weiß noch heute, wie sehr mir das weh tat, kann mich noch an jedes Detail erinnern und vor allem daran, wie laut ich schrie, aber davon ließ er sich sowieso nicht beirren. Im Gegenteil, sogar meine Mutter war dann irgendwann der Meinung, ich hätte genug bekommen, aber sie wurde von ihm regelrecht aus dem Zimmer geschubst, damit er wie so oft schon vorher in Ruhe und in seiner Rage weiter machen konnte.

Wo waren damals nur diese hochgelobten tollen Supernannys oder halt eben die Gesetze, dass man kein Kind schlagen darf?

Wo waren die aufmerksamen Menschen, die doch heute nicht selten alles mitbekommen und dann beim Jugendamt anrufen?

Auf die Nachbarschaft konnte ich auf jeden Fall leider nicht zählen, wobei ich heute nicht mehr beurteilen kann, ob Gewalt gegen Kinder nicht etwas völlig Normales gewesen war, doch es musste so gewesen sein. Ich kannte es doch auch gar nicht anders und es gab so viele Momente, in denen später auch andere Erwachsene anwesend waren, die dann auch immer nur Zeugen des Geschehens waren und sich meiner Meinung nach, auch an nichts störten.

Zumindest wohnten wir oder besser gesagt, war die Wohnung im dritten Stock ganz oben und darunter lebte eine ältere Frau, die halt nicht nur schlecht hörte, sondern tagsüber oft einfach nicht da war.

Im Erdgeschoss gab es dann noch eine Druckerei, die aber selbst genug Lärm fabrizierte, sodass man dort sowieso nichts gehört hätte.

Doch ich stelle mir noch heute nicht selten die Frage, warum auch niemand sehen konnte oder wollte, wie weh man mir ständig tat, denn gerade die Schläge von meinem Stiefvater hatten wirklich immer auch genügend Spuren hinterlassen. Noch heute bin ich mir dieser Gefühle intensiv bewusst, die sich schon damals förmlich in mich hinein gebrannt und natürlich auch deutliche Spuren in mir selbst hinterlassen haben. Immer und immer wieder waren es tiefe Schmerzen im und am Körper und dagegen waren die äußerlichen Hämatome noch ziemlich harmlos.

Dabei habe ich auch nicht vergessen, dass ich mich oft heimlich im Bad von oben bis unten betrachtet habe und mir dann, bei dem was ich alles an mir gesehen habe, sehr oft die Tränen in die Augen kamen.

Von meinen Schmerzen hatte ich nämlich immer lange was, aber wenn ich dann gegen Abend zu meiner Omi fuhr, dann waren sie wenigstens nur noch halb so schlimm.

Ebenfalls gut kann ich mich noch an die vielen Weihnachtsfeste erinnern, denn auch diese Tage waren bei mir oftmals ganz anders, als es wohl bei vielen anderen üblich ist. Ich weiß noch, dass meine Omi und ich immer an Heiligabend mit der Straßenbahn zu meinen Eltern gefahren sind. Im Gegensatz zu heute schneite es damals noch oft an diesen Tagen und wir mussten dann doch noch ganz schön weit laufen, denn von der Haltestelle bis zum Haus, waren es damals noch gut fünfhundert Meter zu Fuß.

Dabei war meine Omi immer schwer bepackt mit all den Geschenken, die der Weihnachtsmann zu ihr geliefert hatte und die sie nun an alle verteilen musste.

Tja, der Weihnachtsmann von damals wusste eben auch nicht alles und machte ebenfalls seine Fehler.

Dort angekommen, mussten dann alle immer in der Küche warten, bis das Christkind, was zu dieser Zeit dann doch der Stiefvater war, die Lichter am Baum angemacht hatte und dann erst folgte endlich die Bescherung. Das war natürlich immer ganz toll, mit den großen Augen in das Wohnzimmer zu kommen, den schön geschmückten Baum mit den vielen Geschenken darunter zu sehen und gleichzeitig auch festzustellen, dass dort auch schon die andere Oma und der Opa saßen. Diese beiden mochte ich nie, denn sie waren sehr streng zu mir, allerdings nur zu mir.

Zu dem anderen Mädchen, also meiner Halbschwester waren sie dagegen sehr nett.

Das sah man vor allem auch immer an den Geschenken, denn ich bekam von ihnen immer eine Tafel Schokolade und das kleine Mädchen ganz viele tolle Spielsachen.

Ich bin heute noch ein wenig verwundert über mich selbst, dass mir solche Dinge als Kind und in einem doch so frühen Alter schon aufgefallen waren.

Jedenfalls war da meine Omi komplett anders, denn sie schenkte nicht nur mir, sondern auch meiner Schwester etwas Schönes.

An diesen Abenden brauchte ich auch nie Angst zu haben, weil meine Omi bei mir war und dann tat mir mein Stiefvater nichts.

Weihnachten, wenn ich heute darüber nachdenke, das war einfach nicht normal, vielleicht weil man es heute einfach anders kennt. Damals gab es immer nur den Heiligabend, die Tage danach war dann alles ruhig und ich war immer mit meiner Omi allein.

Einige Male waren wir zu dieser Zeit sogar auch verreist und sind dann nach Mittenwald oder Reit im Winkl gefahren. Da gab es mal so viel Schnee, dass man dort überall Schneetunnel gebaut hatte, weil die Menschen nicht mehr wussten, wo sie mit dem ganzen Schnee hinsollten.

Ich weiß jedenfalls, dass ich Weihnachten immer nur meine Omi hatte und zu gerne hätte ich schon damals die Zeit dann immer angehalten. Doch auch das ging schon damals nicht und so kamen nach den schönen Zeiten auch wieder schlechte Tage.

Und keiner fragte danach, ob ich das will …

2

Es kam ein weiterer schlechter Tag in meinem Leben, der ebenfalls sehr prägend für mein späteres Leben war.

Inzwischen war ich schon acht Jahre alt und in meiner Klasse ging es darum, dass jeder von uns Jungs in dem nahegelegenen Kaufhaus etwas Klauen sollte. Also diese sogenannte Mutprobe, damit man zu den anderen dazu gehören durfte.

Ich bin überzeugt davon, dass sich ein jeder an so etwas erinnern kann, auch wenn es die meisten von uns nicht mehr zugeben möchten.

Egal, ich war jedenfalls die Nummer drei und meine beiden Vorgänger hatten ihre Süßigkeiten schon geklaut und voller Stolz vorgezeigt.

Also ging auch ich in das Kaufhaus und auf dem direkten Weg in die Süßwarenabteilung. Ich kann mich auch heute an jedes noch so kleinste Detail erinnern und könnte darüber sogar einen Film drehen, so gut kenne ich noch die ganzen Begebenheiten, obwohl dieser Markt schon seit Ewigkeiten nicht mehr existiert. Mir war aber klar, wenn die anderen das geschafft haben, dann ganz bestimmt auch ich.

So schwer konnte das ja nicht sein. Zumindest trat ich mit dieser Einstellung an diese Mutprobe heran.

Vorsichtig schaute ich also damals einmal nach links und einmal nach rechts. Dann nahm ich mir eine Tafel Schokolade und steckte sie unter meinen Pullover. Damit die Tafel nicht rausrutschte, hielt ich sie schön fest und ging wieder Richtung Ausgang durch die Kassenzone. Allerdings nicht, ohne dazu noch ständig etwas lauter mitzuteilen, welche fürchterlichen Bauchschmerzen ich doch hätte. Scheinbar dachte ich, dass es eine gute Erklärung dafür sei, warum meine Hand unter dem Pullover war.

Ich erschrak, als mich plötzlich und vollkommen unerwartet aus dem Nichts eine kräftige Hand von hinten an der Schulter packte und mich dann auch noch blöd fragte, wo ich denn so schnell hinwollte.

Heute weiß ich natürlich, man musste kein besonders guter Detektiv sein, um zu wissen, wie blöd ich mich da eigentlich angestellt und verhalten hatte. Was folgte, war ein sehr gesicherter und schwerer Gang in das Büro der damaligen Geschäftsführerin, bei der ich dann schon mal kräftig meine Tränen vergießen musste.

Schließlich lief in mir schon der Film von dem Geschehen danach ab und ich wusste ganz genau, was mich später erwarten würde.

Früher tickten aber die Uhren jedenfalls doch noch ganz anders, denn sie rief damals keine Polizei, was heute üblich und auf jeden Fall auch die Bedingung wäre.

Im Gegenteil, ich höre die mahnenden Worte heute noch in meinen Ohren, als sie streng und doch sehr ruhig zu mir sagte, dass ich nun ein einjähriges Hausverbot hätte und ich nun zu meinen Eltern gehen und ihnen von diesem Vorfall erzählen sollte. Sie würde dann persönlich am Abend bei ihnen anrufen, um sich zu vergewissern, dass ich das auch wirklich gemacht habe.

Es wurde für mich einer der längsten Wege nach Hause. Ich hatte eine furchtbare Angst, denn ich wusste ganz genau, dass ich wieder Höllenqualen aushalten musste.

Zuhause angekommen, gestand ich sofort meine Tat und es verwunderte mich nicht, dass wieder unzählige Schläge meinen Körper schinden sollten, wobei die von meiner Mutter noch ziemlich harmlos waren, im Gegensatz zu den Attacken meines Stiefvaters.

Wie immer lag ich mit meiner Vorahnung nämlich richtig, denn es kam wieder sein Ledergürtel zum Einsatz und wieder prügelte er sich in Rage, was man auch seinem Gesichtsausdruck ansehen konnte.

Es kam mir so vor, als würde sich sein Gesicht dann immer in ein Monster verwandeln, so verzerrt sah es dann für mich aus. Allerdings haute er dieses Mal so schlimm und fest und auch lange zu, dass ich danach nicht mehr richtig laufen konnte und ständig mein rechtes Bein hinter mir herziehen musste. Wie dieser Quasimodo bewegte ich mich schleppend gegen Abend zur Straßenbahn, um zu meiner Oma zu fahren.

Nun war ich auch dort in Erklärungsnot, denn ihr musste ich das natürlich ebenfalls alles erklären und ihr zumindest noch zusätzlich erzählen, warum ich nun solch eine Tracht Prügel bekommen hatte.

Meine Omi kniff ihre Augenbrauen damals ganz eng zusammen und ermahnte mich nur mit dem strengen Zeigefinger nach oben, dass ich so etwas nie wieder machen sollte.

Im Anschluss daran, rief sie dann bei meiner Mutter an und machte ihr schwere lautstarke Vorwürfe darüber, dass mein ganzer Körper mit Blutergüssen übersäht war.

Ich fand das so toll von ihr, denn endlich setzte sich mal jemand für mich ein, da ich tatsächlich noch immer über starke Schmerzen klagte, die auch insgesamt eine ganze lange Zeit anhielten.

Sogar am nächsten Wochenende, an dem ich wieder zu meinem Vater musste, gab es dann dort auch noch den Hintern voll, denn natürlich wurde dieses Vorkommnis schon bei der Übergabe von mir, sofort erzählt.

Das schlimmste an der ganzen Sache war aber für mich, dass die Erwachsenen halt alle auch irgendwie recht hatten. Schließlich hatte ich ja wirklich etwas ganz Schlimmes getan, wofür andere Menschen auch schon ins Gefängnis gegangen waren, aber trotzdem taten die Bestrafungen unsagbar weh.

Es war ja auch nicht so, dass es nach den Schlägen wieder gut war, im Gegenteil, dazu kamen dann ständig noch so Dinge wie Stubenarrest, wo ich dann bis zum Abend im Zimmer bleiben musste und dann ohne Verabschiedung zur Straßenbahn geschickt wurde.

Bei meinem Vater war das auch nicht viel anders, erst gab es Schläge und dann wurde den ganzen Abend nicht mehr mit mir gesprochen. Selbst am nächsten Tag waren er und die Tante dann noch nachtragend und zeigten mir mit strengen Gesichtsausdrücken, was ich doch für ein böser Junge war.

Ja, ich hatte etwas sehr Böses gemacht und habe es dann auch verstanden.

Das wirklich einzig Gute war aber, dass auch früher die Stunden nur sechzig Minuten hatten und deshalb gingen diese Wochenenden auch schon damals dann irgendwann endlich wieder vorbei. Dem Goldhamster, der übrigens Teddy hieß, hatte ich ja dann in dieser Zeit auch alles erzählen können und war wirklich froh, dass er da war, denn wenigstens er hatte mir damals immer zugehört.

Als ich neun Jahre alt wurde, war ich mir ganz sicher, dass ich später auf jeden Fall Polizist werden würde.

Nicht das jetzt jemand denkt, das wollten doch fast immer alle Kinder mal. Nein, ich war ein ganz besonderes Kind und vor allem, sehr ehrgeizig und wissbegierig. Vielleicht war es im Nachhinein auch noch eine Folge dessen, dass ich begriffen hatte, dass man auf keinen Fall irgendwelche Straftaten begehen darf und vielleicht wollte ich somit auch der Held werden, der die Welt etwas besser machen kann und konnte.

Es war die Zeit, in der ich mir schon vieles sehr genau vorstellen konnte und in der ich nebenbei auch immer meine Träume hatte. Überhaupt war ich ein Junge mit unglaublich viel Fantasie und konnte mir dadurch vieles für die Zukunft vorstellen. Ich brauchte nur etwas Positives zu denken und hatte dazu dann schon unwahrscheinlich viele Bilder im Kopf und Gedanken, wie ich diese Vorstellungen am besten realisieren konnte. Dazu kamen dann noch meine wirklich starke Willenskraft und auch meine schon damals sehr ausgeprägte Ehrlichkeit, die mir allerdings schon damals leider nicht selten zum Verhängnis wurde.

Ich trug halt auch schon zu dieser Zeit mein Herz auf der Zunge, war dummerweise unwahrscheinlich gutgläubig und konnte aber andere Menschen mit meinen Träumen und Fantasien jederzeit mitreißen und begeistern.

In meinen Augen gab es in der Zukunft sowieso keinen besseren Polizisten als mich und deshalb stand es außer Frage, dass ich somit auch einer werden würde.

Ich sammelte in dieser Zeit wirklich alles, was ich auch nur ansatzweise mit der Polizei in Verbindung bringen konnte. In meiner Jugendzeit gab es in Kassel schon so einige Ausstellungen und Messen, auf denen sich die Polizei sehr intensiv und stark präsentierte. Das waren dann immer meine ganz großen Highlights, denn ich ging stets zufrieden und auch schwer gepackt mit sämtlichen Infomaterialien und Broschüren nach Hause.

Das alles lernte ich dann auswendig und konnte tatsächlich schon verschiedene Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch eher aufsagen, als das eigentlich damals erforderliche und große Einmaleins.

Nebenher war ich auch schon eine längere Zeit im örtlichen Karateverein, selbstverständlich schon bei der Polizei und begeisterte auch da ständig mit meinem Wissen die ganzen Polizisten und Polizeianwärter.

Auch musikalisch war ich in dieser Zeit ebenfalls sehr angehaucht, denn ich wuchs ja mit dem Musikgeschmack meiner Oma auf, den ich übrigens auch heute noch sehr gut finde.

Es war die große Zeit von Elvis Presley, der damaligen ZDF-Hitparade und sowieso dem deutschen Schlager.

Zu dieser Zeit gab es kaum Lieder, die ich nicht kannte und ich konnte sie alle mit- oder nachsingen und was wirklich total schön ist, all diese Lieder werden auch heute noch nach über fünfzig Jahren wieder gesungen und wurden nie vergessen.

Ich selbst sang zudem auch noch im Kirchenchor und übte mich dann dort später noch an der Trompete, wobei es da wesentlich bessere Bläser als mich gab.

Allerdings schiebe ich das dann doch eher auf den Umstand des eigentlichen Übens zurück. Ich durfte nämlich mit meiner Leihtrompete nur in einem kleinen lauten Heizungskeller üben, in dem die Akustik nicht nur ganz besonders schlecht war, sondern wo es auch ständig sehr warm war und auch unangenehm gestunken hatte. Mehr erlaubte man mir damals einfach nicht und sämtliche Bitten meinerseits wurden dann stets abgelehnt, was sowieso ganz normal für mich war.

Singen durfte ich allerdings immer, wenn auch nicht überall und das machte mir wirklich ganz großen Spaß. Für mich war es auch egal, ob ich alleine trällerte oder im Chor, wenn ich mit den anderen üben und mit ihnen auftreten konnte. Vor allem waren es die ganz besonderen Zeiten zu Weihnachten, wo es natürlich viele Veranstaltungen gab und ich persönlich dann meine ganz besonderen Auftritte hatte.

Ich, der kleine junge Mann, hatte in dieser Zeit die ganz große Ehre, in einer großen vollbesetzten Kirche zwei Lieder ganz allein zu singen.

Es ist ein Ros´ entsprungen und

Stille Nacht, heilige Nacht.

Ich denke gerne an diesen Abend zurück, als ich zum allerersten Mal eine Bühne betrat und mit hochrotem Kopf in die vielen unbekannten Gesichter schaute, die sich zu diesem besonderen Konzert eingefunden hatten. Natürlich ohne meine Familie, denn die interessierte so etwas leider gar nicht und meine Oma hatte damals ein wichtiges Treffen, was sie leider nicht absagen konnte, aber das machte mir auch nichts aus. Ich war es ja gewohnt, dass ich vieles oder eigentlich fast alles alleine machen musste.

Doch noch heute habe ich diesen unsagbar tollen Geruch in der Nase und kann mich noch sehr gut an alles erinnern. Es war ein sehr schönes und unglaublich magisches Erlebnis für mich, was danach auch ungeahnte Folgen hatte, denn im Publikum saß tatsächlich ein sehr bekannter und berühmter Plattenproduzent, was ich aber erst etwas später erfahren sollte.

Ich war überhaupt ein Kind, was sehr gerne und überall singen konnte und es auch voller Inbrunst tat, mich störten dabei auch keine Zuschauer.

Im Wanderverein trällerte ich schnell alle bekannten Wanderlieder und bei meiner Omi gab es stets viele Gesangseinlagen zu Elvis Presley und Howard Carpendale.

Wie schon erwähnt, hatte ich mir natürlich schon vollständig den damaligen Musikgeschmack meiner Oma angenommen und wenn ich heute die vielen jungen Menschen sehe, die zu den ganzen Schlagern von früher Singen und Tanzen, dann war es ja auch sicherlich nicht der verkehrteste Geschmack gewesen.

Zwischenzeitlich hatte ich bei meiner Oma sogar schon mein erstes eigenes Zimmer bekommen und musste nur noch die einzelnen Sendungen mit meinem damaligen alten Kassettenrecorder aufzeichnen, damit ich mir hinterher alles Tausend mal wieder anhören und dazu singen konnte.

An dieser Stelle muss ich doch auch mal erwähnen, wie viel Umstand damals noch damit verbunden war.

Heute ist das ja eigentlich ganz einfach, aber damals musste ich immer ein Mikrofon an die Lautsprecher des Fernsehers halten und dabei auch noch die Aufnahme- oder Stopptaste zur richtigen Sekunde bedienen.

Dabei durfte dann auch um Himmelswillen kein Nebengeräusch entstehen und das Mikrofon ebenfalls nicht zu nah an die Boxen gehalten werden. Schließlich hatte ich damals immer nur einen einzigen Versuch und diese Sendungen wurden in dieser Zeit auch nicht noch einmal wiederholt.