Wildes Begehren - Christine Feehan - E-Book

Wildes Begehren E-Book

Christine Feehan

4,8
11,99 €

Beschreibung

Leidenschaftlich, wild, geheimnisvoll

Nach »Wilde Magie« und »Magisches Feuer« nimmt Christine Feehan in »Wildes Begehren« die Leser erneut mit in die faszinierende Welt der Leopardenmenschen und erzählt eine atemberaubende Geschichte voller Gefahren und Leidenschaften.

Conner Vega flüchtete einst in die USA, weil er die schwerste Schuld auf sich geladen hatte, die es den Gesetzen des Dschungels zufolge für einen Leopardenmenschen gibt: Er betrog seine Gefährtin. Doch nun muss er in seine Heimat, den Regenwald Panamas, zurückkehren, um seinen magischen Stamm der Gestaltwandler vor skrupellosen Drogenhändlern zu schützen und den gewaltsamen Tod seiner Mutter zu rächen. Im Zuge seiner Mission trifft Conner auch Isabeau Chandler wieder – die Leopardenfrau, die er vor Jahren hinterging, obwohl er sich für die Ewigkeit an sie gebunden hatte. Isabeau hasst Conner mit jeder Faser ihres Herzens, dennoch ist das Band ihrer Liebe nicht völlig durchtrennt. Und tatsächlich überwältigt das Feuer der Leidenschaft die beiden erneut. Doch Conners Mission fordert ihm alles ab. Als sich die Situation zuspitzt, steht er am Scheideweg. Wird er Isabeau erneut verraten?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 687




Inhaltsverzeichnis
Widmung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Danksagung
Die Autorin
Werkverzeichnis
Copyright
DAS BUCH
Der charismatische Gestaltwandler Conner Vega, der einem der gefährlichsten Stämme der Leopardenmenschen angehört, flüchtete einst in die USA. Denn er hatte die schwerste Schuld auf sich geladen, die es für seinesgleichen den Gesetzen des Dschungels zufolge gibt: Er hinterging seine Gefährtin. Doch nun kehrt er in seine Heimat, den Dschungel Panamas, zurück, um einen riskanten Auftrag auszuführen. Die unbarmherzige Drogenbaronin Imelda Cortez plant, ihre Ware durch den Regenwald der Leopardenmenschen zu schmuggeln. Da ihre Leute dieser grünen Hölle nicht gewachsen sind, zwingt Imelda die Ureinwohner, die heiße Ware zu transportieren, indem sie deren Kinder entführt und zu töten droht. Einzig Conner ist in der Lage, sich die schöne Verbrecherin gefügig zu machen und auszuschalten. Die heikle Mission ergreift voll und ganz Besitz von ihm – zumal Imelda auch für den gewaltsamen Tod seiner Mutter verantwortlich ist. Doch dann überwältigen ihn seine Gefühle von einst, denn er trifft Isabeau Chandler wieder – die Frau, die er so schmählich betrog. Obwohl Isabeau Conner mit jeder Faser ihres Herzens hasst, sind die beiden doch auf ewig aneinander gebunden – und ihre Leidenschaft entflammt erneut. Conner findet sich schon bald am Scheideweg wieder: Wird er Isabeau noch einmal verraten?
DIE LEOPARDENMENSCHEN-SAGA
Wilde Magie Magisches Feuer Wildes Begehren
DIE AUTORIN
Christine Feehan wurde in Kalifornien geboren, wo sie heute noch mit ihrem Mann und ihren elf Kindern lebt. Sie begann bereits als Kind zu schreiben und hat seit 1999 zahlreiche Romane veröffentlicht, für die sie mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. Mit über sieben Millionen verkauften Büchern weltweit zählt sie zu den erfolgreichsten Autorinnen der USA. Weitere Serien von Christine Feehan bei Heyne:
Der Bund der Schattengänger
Die geheimnisvollen Drake-Schwestern
Mehr über Autorin und Werk unter: www.christinefeehan.com
Für Jennifer Wade in Liebe …
1
Zuerst hörte er die Vögel. Es mussten Tausende sein, unzählige Arten, jede mit einer eigenen Melodie. Für ein untrainiertes Ohr klang das Gezwitscher wahrscheinlich wie ohrenbetäubender Lärm, für ihn dagegen wie Musik. Tief in seinem Innern erhob sich brüllend der Leopard, dankbar, den Duft des Regenwaldes wieder einatmen zu können. Er stieg aus dem Boot auf den wackligen Landungssteg und betrachtete die Bäume, die wie grüne Türme ringsherum emporragten. Sein Herz schlug höher. Wo immer er sich auch befand – der Regenwald blieb seine Heimat. Im Grunde jeder Regenwald, aber hier, in der Wildnis Panamas, war er geboren worden. Als Erwachsener hatte er den Urwald von Borneo zu seiner Heimat gemacht, doch seine Wurzeln lagen hier. Ihm war gar nicht bewusst gewesen, wie sehr er Panama vermisst hatte.
Er wandte den Kopf und sah sich um, genoss die Gerüche und Geräusche des Dschungels. Jeder Laut, vom vielstimmigen Gesang der Vögel über die Schreie der Brüllaffen bis hin zum Summen der Insekten übermittelte eine Fülle von Informationen, wenn man sie zu entschlüsseln verstand. Und darin war er ein Meister. Conner Vega straffte die Schultern, es war nur eine kleine Bewegung, doch sein ganzer Körper schien zum Leben zu erwachen; jeder Muskel, jede Zelle reagierte auf den Wald. Er konnte es kaum erwarten, sich die Kleider vom Leib zu reißen und frei in der Wildnis herumzulaufen, wie seine Natur es verlangte. In seiner Jeans und dem einfachen T-Shirt wirkte er recht zivilisiert, doch direkt unter dieser dünnen Hülle lauerte das Ungezähmte.
»Der Wald ruft dich«, sagte Rio Santana mit einem Blick auf die wenigen Menschen am Ufer. »Aber warte noch, bis wir außer Sichtweite sind. Im Moment haben wir Publikum.«
Conner gönnte weder ihm noch den anderen einen Blick. Sein Herz pumpte das Blut durch seine Adern, dass es rauschte wie der Saft in den Bäumen; er vibrierte vor Energie, genau wie der wuselnde Insektenteppich auf dem Waldboden. Sein Leopard wollte die Freiheit der Heimat genießen, und die vielfältigen Grüntöne – in allen Schattierungen der Welt – begannen bereits zu bunten Schemen zu verschwimmen.
»Reiß dich zusammen«, stieß Rio zwischen den Zähnen hervor. »Verdammt, Conner, jeder kann uns sehen. Nimm deinen Leoparden an die Kandare.«
Panama-Jaguare gehörten zu den wildesten, unberechenbarsten Unterarten ihrer Gattung, und Conner war das Produkt der Gene dieser Großkatzen. Von allen Männern im Team war er der gefährlichste – blitzschnell, heißblütig und todesmutig. Er brachte es fertig, einfach im Wald zu verschwinden und dort Nacht für Nacht das Lager der Gegner zu terrorisieren, bis diese aus Angst vor dem geisterhaften, unsichtbaren Feind fluchtartig ihre Zelte abbrachen. Er war so unbezahlbar wie unberechenbar – und sehr schwer im Zaum zu halten.
Bei dieser Mission waren Conners Fähigkeiten besonders gefragt. Er gehörte zu jenem Stamm der Leopardenmenschen, die im Urwald von Panama heimisch waren, und das würde von großem Nutzen sein, falls sie diesen scheuen – und überaus gefährlichen – Gestaltwandlern begegnen sollten. Außerdem war es für das Team von Vorteil, dass Conner die hiesigen Indianerstämme kannte. In dem in weiten Teilen unerforschten Regenwald konnte selbst Gestaltwandlern die Orientierung schwerfallen. Doch da Conner in diesem Dschungel aufgewachsen war und ihn als seinen Spielplatz betrachtete, konnte er ihnen den Weg weisen, wenn es schnell gehen musste.
Mit einer langsamen, stockenden Bewegung, die an einen Leoparden auf der Lauer erinnerte, wandte Conner den Kopf. Bald würde sich seine Gestalt ändern – sehr bald. Die Hitze, die er verströmte, transportierte den Geruch des Raubtiers, das fauchend um seine Freiheit kämpfte, den eines starken, schlauen Leoparden auf der Höhe seiner Kraft.
»Es ist ein Jahr her, dass ich das letzte Mal im Regenwald gewesen bin.« Conner stellte Rio seinen Rucksack vor die Füße. Seine Stimme klang heiser, beinahe krächzend. »Und von zu Hause war ich noch länger weg. Lass mich gehen. Wir treffen uns dann im Basislager.«
Es war ein kleines Wunder und zeugte von Conners Disziplin, dass er auf Rios Nicken wartete, ehe er eilig auf die Baumreihe am Ufer zuging. Kaum zwei Meter hinter der Waldgrenze waren vom Sonnenlicht nur noch ein paar Sprenkel auf den üppigen, fleischigen Pflanzen übrig. Der Waldboden unter den Füßen – Schichten aus Holz und Pflanzen – fühlte sich vertraut schwammig an. Conner knöpfte sein Hemd auf, das bereits schweißgetränkt war. Die drückende, schwüle Hitze war den meisten Menschen unangenehm, auf ihn jedoch wirkte sie belebend. Nicht umsonst trugen die Eingeborenen kaum mehr als ein Lendentuch. Hosen und Oberteile waren schnell durchnässt und scheuerten auf der Haut, was zu Ekzemen und wunden Stellen führte, die sich im Regenwald schnell entzünden konnten. Conner streifte sein T-Shirt ab, zog die Stiefel aus, rollte das Oberteil zusammen und stopfte es in einen der Stiefel, damit Rio die Sachen mitnehmen konnte.
Dann richtete er sich wieder auf, sog die Luft ein und betrachtete die Vegetation ringsum. Die Bäume ragten wie Kathedralen in den Himmel und bildeten ein so dichtes Blätterdach, dass der Regen Mühe hatte, die vielförmigen Blätter zu durchdringen und die dichten Büsche und Farne am Boden zu bewässern. Orchideen und andere Blumen wetteiferten mit den Moosen und Pilzen, die jeden Zentimeter der Baumstämme bedeckten; auf der Suche nach Luft und Licht strebten alle dem Baumkronendach entgegen.
Während Conner die Jeans auszog und sie in den anderen Stiefel steckte, wand sich der Leopard bereits unter seiner juckenden Haut. Nichts auf der Welt brauchte er mehr, als ungestört in seiner anderen Gestalt umherzustreifen. Es war so lange her. Ohne Rücksicht auf seine bloßen Füße rannte Conner in den Wald, sprang über einen faulenden Ast und wünschte die Verwandlung herbei. Er konnte schon immer schnell die Gestalt wechseln; das war eine Notwendigkeit, wenn man umgeben von Raubtieren im Dschungel lebte. Conner war nicht ganz Leopard und nicht ganz Mensch, sondern eine Mischung aus beidem. Seine Muskeln verzerrten sich und ein befreiender Schmerz durchzuckte ihn, als der Leopard Gestalt annahm und mit dicken Muskelsträngen unter dem dichten Pelz zum Vorschein kam.
Wo Füße gewesen waren, tappten nun Pranken über den gepolsterten Waldboden. Conner lief über mehrere umgestürzte Bäume und durch dichtes Unterholz. Drei Meter weiter war das Sonnenlicht gänzlich verschwunden. Der Dschungel hatte ihn verschluckt, und er atmete erleichtert auf. Während das Blut heiß durch seine Adern strömte, hob er den Kopf und ließ die Tasthaare arbeiten wie ein Radar. Zum ersten Mal seit vielen Monaten fühlte er sich wohl in seiner Haut. Er streckte sich und trottete tiefer in den vertrauten Urwald hinein.
Conner bevorzugte die Leopardengestalt. Als Mensch hatte er zu viel Schuld auf sich geladen, um sich noch wohlzufühlen. Das bewiesen die tiefen Kratzspuren auf seiner Wange, die ihn für alle Zeit brandmarkten.
Er dachte nicht gern darüber nach, wie er zu diesen Narben gekommen war und warum er Isabeau Chandler erlaubt hatte, ihn damit zu zeichnen. Er war bis in die Vereinigten Staaten geflüchtet und hatte eine möglichst große Distanz zwischen sich und seine Frau – seine Gefährtin – gebracht, doch es war ihm nicht gelungen den Ausdruck in Isabeaus Gesicht zu vergessen, als sie die Wahrheit über ihn erfuhr. Die Erinnerung daran verfolgte ihn Tag und Nacht.
Er hatte sich eines der schlimmsten Verbrechen schuldig gemacht, das man in seinem Volk begehen konnte. Er hatte seine Gefährtin belogen. Dass er sie noch nicht als solche erkannt hatte, als er den Job übernahm sie zu verführen, um über sie an ihren Vater heranzukommen, spielte dabei keine Rolle.
Der Leopard hielt den Kopf in den Wind und bleckte stumm die Zähne. Seine Tatzen sanken lautlos in die verrottenden Pflanzen auf dem Boden. Er schlich durch das dichte Unterholz, und sein Fell glitt an den Blättern zahlreicher Büsche entlang. Hin und wieder stellte er sich auf die Hinterbeine und zog die Krallen an einem Baumstamm herunter, um sein Revier zu markieren und seine Ansprüche anzumelden, damit die anderen Männchen wussten, dass er wieder daheim war und dass sie mit ihm rechnen mussten. Er hatte diesen Auftrag angenommen, weil er ihn von Borneo fernhielt, dem Regenwald, in dem Isabeau lebte. Er wagte es nicht, dorthin zurückzukehren, denn er wusste, dass er dann wohl die zivilisierte Hülle abstreifen und als Leopard nach ihr suchen würde. Und Isabeau wollte nichts – absolut gar nichts – mit ihm zu tun haben.
Leise knurrend versuchte Conner diese Gedanken zu verscheuchen. Er sehnte sich nach ihr. Tag und Nacht. Obwohl ein ganzer Ozean sie trennte. Nun, da er wusste, dass seine Gefährtin lebte und wo sie zu finden war, spielte Entfernung keine Rolle mehr. Conner besaß alle Eigenschaften, die für Leoparden typisch waren: Reflexe, Aggression und List, sowie das Ungezähmte und die Eifersucht, doch vor allem anderen den Drang, seiner Gefährtin stets nahe zu sein. Auch wenn der Mann in ihm verstand, dass man nicht mehr nach den Gesetzen des Dschungels leben konnte, war es ihm im Regenwald nicht möglich zu verhindern, dass seine primitiven Bedürfnisse sich stark und drängend zurückmeldeten.
Conner hatte geglaubt, dass es ihm guttun würde, wieder zu Hause zu sein, doch stattdessen überkam ihn das Wilde in ihm mit einer solchen Wucht, dass er irgendetwas zerfleischen und seine Qual in den Himmel brüllen wollte. Er musste Isabeau aufspüren und für sich beanspruchen, ob es ihr passte oder nicht. Doch unglücklicherweise gehörte seine Gefährtin ebenfalls zu den Gestaltwandlern, was bedeutete, dass sie das gleiche hitzige Temperament hatte, inklusive der Fähigkeit, tief und ausdauernd zu hassen.
Conner schaute an den riesigen Bäumen empor in das dichte Blätterdach, das das Licht abhielt. Leuchtend bunte Blumen rankten sich um die Baumstämme und kämpften mit den Moosen und Pilzen um einen Platz an der Sonne. Vögel huschten von Ast zu Ast und hielten das Baumkronendach in ständiger Bewegung, so wie Millionen von Insekten es mit dem schwammigen Waldboden machten. Versteckt hinter breiten Blättern hingen klobige Bienenstöcke, und Schlangen, die im verflochtenen Gezweig beinahe unsichtbar waren, wanden sich um gekrümmte Äste.
Conner wollte all diese Schönheit in sich aufsaugen und vergessen, was er seiner Gefährtin angetan hatte. Sie war so jung und unerfahren gewesen, eine leichte Beute. Ihr Vater, ein Arzt, kannte den Weg ins feindliche Lager. Und über die Tochter kamen sie an den Mann heran. Ganz einfach. Isabeau war sofort von Conner fasziniert gewesen, nicht nur aufgrund seiner animalischen Anziehungskraft, sondern auch, weil sie ein früheres Leben miteinander geteilt hatten – was sie damals beide nicht wussten.
Unglücklicherweise war Conner Isabeaus Zauber genauso schnell erlegen. Eigentlich hatte er sie nur dazu bringen sollen ihm zu vertrauen, nicht dazu mit ihm zu schlafen. Doch er war wie besessen gewesen, hatte einfach nicht die Hände von ihr lassen können. Er hätte es wissen müssen. Sie war so jung gewesen. So unschuldig. Und er hatte das schamlos ausgenutzt.
Er hatte an nichts anderes gedacht als an sein eigenes Vergnügen. Auch nicht daran, was passieren würde, wenn die Wahrheit herauskam – wenn Isabeau erfuhr, dass sie nicht einmal seinen richtigen Namen kannte. Und dass sie nur ein Mittel zum Zweck gewesen war. Ein raues Stöhnen entfuhr Conner bei diesen Gedanken.
Nie hatte er sich an einer unerfahrenen Frau vergriffen. Nie im Leben – ob als Mensch oder Leopard -, bis Isabeau gekommen war. Sie war noch nicht durch das Han Vol Don gegangen, die erste Brunst des weiblichen Leoparden, und ihre Leopardin hatte sich noch nicht gezeigt. Das war auch der Grund, warum er nicht erkannt hatte, dass Isabeau zu seinem Volk gehörte und seine Gefährtin war. Dabei hätte er es merken müssen. An den erotischen Bildern, die blitzartig vor seinem inneren Auge auftauchten, sobald sie in der Nähe war, und an der Tatsache, dass er in ihrer Gegenwart nicht klar denken konnte. Allein das hätte ihn stutzig machen müssen. Doch er befand sich erst im zweiten Lebenszyklus und wusste die Anzeichen nicht zu deuten. So wurde das Verlangen, das in ihm brannte, mit jeder Begegnung heftiger. Er hatte sich immer im Griff gehabt, doch wenn er Isabeau sah, erfasste ihn ein so wildes Begehren, dass es ihm den Verstand raubte, deshalb hatte er diesen absolut unverzeihlichen Fehler begangen.
Er hatte sie unbedingt haben wollen. Sich nach ihr verzehrt. Sich ihren Duft auf der Zunge zergehen lassen. Ihn tief in die Lungen gesogen. Und schließlich hatte er mit ihr geschlafen. Sie mit voller Absicht verführt. Sich an ihr ergötzt, bis sie sich ihm ins Mark gebrannt hatte. Er hatte seinen Instinkten nachgegeben und damit ihrer Beziehung unheilbaren Schaden zugefügt.
Über seinem Kopf kreischte warnend ein Brüllaffe und warf einen Zweig nach ihm. Conner beachtete ihn gar nicht, sprang nur locker ins niedrige Geäst und stieg den Baum empor. Mit erschrockenem Gezeter stoben die Affen auseinander. Von Ast zu Ast springend, erreichte Conner den Hochweg im Kronendach. Die überlappenden Zweige machten das Vorankommen leicht. Vögel schwangen sich aufgestört in die Lüfte, Eidechsen und Frösche huschten beiseite, sogar ein paar Schlangen hoben den Kopf, doch die meisten interessierten sich nicht für Conners zielstrebiges Vordringen ins Innere des Waldes.
Weiter vorn war wieder Wasserrauschen zu hören. Den Fluss hatte Conner längst hinter sich gelassen, doch nun näherte er sich einem kleineren Zulauf mit drei aufeinanderfolgenden Wasserfällen. Er erinnerte sich noch, wie kühl das Wasser in den Auffangbecken war. Als Kind hatte er oft in ihnen gebadet und sich dann auf den Felsvorsprüngen von der Sonne trocknen lassen.
Die Hütte, in der er Rio und den Rest des Teams treffen würde, lag direkt vor ihm. Sie war auf Stelzen gebaut und schmiegte sich ins Laub dreier Bäume. Auf diese Weise wurde sie ein Teil des Netzwerks aus Zweigen und bot Leoparden leichten Zugang. Im Schatten des größten Baums nahm Conner wieder Menschengestalt an.
Links neben der Hütte, vor einer kleinen Dusche im Freien, warteten fein säuberlich zusammengelegt seine Kleider. Das Wasser war kalt und erfrischend, und Conner machte sich das zunutze, um sich nach dem Lauf durch den Dschungel den Schweiß vom Körper zu waschen und die Muskeln zu dehnen. Während er die Sachen überstreifte, die Rio bereitgelegt hatte, schnurrte sein Leopard fast vor lauter Freude, wieder zu Hause zu sein.
Auf der kleinen Veranda des Baumhauses hielt Conner einen Moment inne, nahm die Witterung auf, und erkannte in ihr die vier Männer, die drinnen auf ihn warteten. Rio Santana natürlich, der Teamleiter. Dann Elijah Lospostos, der Neuzugang im Team, den er noch nicht so gut kannte wie die anderen, der aber anscheinend extrem fähig war. Er hatte erst ein paarmal mit dem Mann zusammengearbeitet, doch dass Elijah kein Drückeberger war, dabei sehr schnell und lautlos arbeitete, wusste er bereits. Schließlich waren da noch Felipe und Leonardo Gomez Santos aus dem brasilianischen Regenwald; Brüder, die exzellente Rettungsarbeit leisteten. Auf sie war auch unter schlimmsten Bedingungen Verlass, sodass Conner sie als Kollegen allen anderen vorzog. Beide waren sehr aggressiv, hatten aber dennoch eine Engelsgeduld. Sie verstanden ihr Handwerk. Er freute sich, dass sie mit von der Partie waren, egal, wie der Auftrag lautete. Und da Rio solchen Wert darauf gelegt hatte, dass er auch dabei war, hatte Conner das Gefühl, dass der Job schwierig werden würde.
Er stieß die Tür auf, und die vier Männer begrüßten ihn mit einem knappen Lächeln, doch ihr Blick blieb ernst. Das und die Anspannung im Raum fielen Conner sofort auf, und sein Magen zog sich zusammen. Ja – dieser Job würde schwer werden. So viel dazu, wie schön es war, nach Hause zu kommen.
Er nickte seinen Kollegen zu. »Schön, euch wiederzusehen.«
»Wie geht’s Drake?«, fragte Felipe.
Drake war wahrscheinlich der beliebteste von allen Leoparden, mit denen sie zusammenarbeiteten. Bei ihren Rettungseinsätzen war er oft der Teamleiter, denn er war ruhiger und disziplinierter als die anderen. Männliche Leoparden waren berüchtigt für ihre Reizbarkeit, und wenn viele auf engem Raum zusammen waren, führte das schnell zu Reibereien. Es sei denn, Drake war in der Nähe. Der Mann war ein geborener Diplomat und Anführer. Doch bei einem Einsatz war er so schwer verletzt worden, dass sein Bein mit Platten zusammengeflickt werden musste, die ihn daran hinderten, sich zu verwandeln. Alle wussten, was das zu bedeuten hatte. Früher oder später würde er ohne seine andere Hälfte nicht mehr weiterleben können.
»Er scheint sich gut zu erholen.« Drake war in die Vereinigten Staaten gegangen, weit weg vom Regenwald. Um die Trauer über seinen Verlust besser bewältigen zu können, hatte er einen Job bei Jake Bannaconni angenommen, einem Leopardenmenschen, der in den USA lebte und nichts von den Sitten und Gebräuchen ihres Volkes wusste. Conner war Drake in die Staaten gefolgt und hatte ebenfalls für Bannaconni gearbeitet. »Wir hatten ein paar Schwierigkeiten, und Drake ist noch einmal verwundet worden, am selben Bein, aber Jake Bannaconni hat dafür gesorgt, dass die Platte durch ein Knochentransplantat ersetzt wird. Alle hoffen, dass es funktioniert.«
»Heißt das, Drake kann sich vielleicht eines Tages wieder verwandeln?« Überrascht zog Leonardo eine Augenbraue in die Höhe und der sorgenvolle Blick seiner schwarzen Augen erhellte sich.
»Das würden wir uns wünschen«, erwiderte Conner. Dann schaute er Rio an. »Da Drake noch im Krankenhaus liegt, wollte ich eigentlich nicht kommen, aber du hast gesagt, es sei dringend.«
Rio nickte. »Ich hätte dich nicht darum gebeten, wenn wir dich nicht wirklich bräuchten. Aber keiner von uns kennt sich hierzulande aus.«
»Hast du die Einheimischen informiert?« Damit meinte Conner die Ältesten seines Dorfes. Sein Stamm lebte sehr zurückgezogen und war schwer zu finden, dennoch verfügten Leopardenmenschen über die Möglichkeit, einander mitzuteilen, wenn sie fremdes Terrain betraten.
Rio schüttelte den Kopf. »Der Vermittler hat uns davon abgeraten. Offensichtlich sind zwei von den hiesigen Leoparden abtrünnig und arbeiten nun für diese Frau.« Er warf ein Foto auf die raue Tischplatte. »Man nennt sie mujer sin corazón.«
»Frau ohne Herz«, übersetzte Conner. »Imelda Cortez. Ich habe von ihr gehört. Jeder, der in diesem Teil des Landes aufwächst, kennt die Familie. Sie nennen sie auch víbora, die Schlange. Am besten geht man ihr aus dem Weg. Und wenn sie behaupten, sie habe kein Herz, so ist es ihnen ernst damit. Seit Jahren ermordet sie die Indianer in dieser Gegend und stiehlt ihnen ihr Land, um dort Koka anzubauen. Den Gerüchten zufolge dringt sie immer tiefer in den Urwald vor, um weitere Schmuggelpfade zu erschließen.«
»Die Gerüchte stimmen«, sagte Rio. »Was weißt du noch über sie?«
Conner zuckte die Achseln. »Imelda ist die Tochter des verstorbenen Manuel Cortez. Das heißt, ihre Grausamkeit und Überheblichkeit wurden ihr in die Wiege gelegt. Nach dem Tod ihres Vaters hat sie seine Geschäfte übernommen. Sie zahlt einen Haufen Bestechungsgeld an die örtliche Miliz und Beamte kauft sie gleich im Dutzend.«
Er sah Rio direkt in die Augen. »Worum es auch geht, du hast alle gegen dich. Wahrscheinlich stehen sogar einige meiner eigenen Leute auf Imeldas Gehaltsliste. Du wirst niemandem vertrauen können. Bist du sicher, dass du die Sache durchziehen willst?«
»Ich schätze, ich habe keine andere Wahl«, erwiderte Rio. »Angeblich ist Imelda ein männermordender Vamp, sie bevorzugt den sehr maskulinen und dominanten Typ.«
Es wurde still im Raum, und die Spannung stieg. Conners goldene Katzenaugen wurden so dunkel wie purer Whiskey und begannen gefährlich zu funkeln. An seinem Kinn zuckte ein Muskel. »Dann bist du ja genau der Richtige, Rio. Ich mache so was nicht mehr.«
»Du weißt doch, dass ich das nicht übernehmen kann. Rachael würde mich umbringen, und ehrlich gesagt bin ich auch längst nicht so dominant wie du. Alle Frauen fliegen auf dich.«
»Ich habe auch eine Gefährtin, selbst wenn sie mich nicht ausstehen kann. Ich werde sie nicht noch mehr enttäuschen, als ich es bereits getan habe. Die Antwort lautet Nein.« Conner wandte sich bereits zum Gehen.
»Viele der Informationen stammen von deinem Vater«, meinte Rio ganz ruhig.
Conner blieb mit den Rücken zu ihm abrupt stehen und schloss kurz die Augen, ehe er sich wieder umdrehte. Er wirkte wie ausgetauscht. Er sprühte vor Wut und ging mit geschmeidig schnellem Schritt auf Rio zu, so bedrohlich, dass die anderen drei Männer hastig aufsprangen. Doch Conner beachtete sie gar nicht; die goldenen Augen fest auf sein Ziel gerichtet, blieb er direkt vor Rio stehen. »Raul Fernandez hält sich an die überkommenen Regeln. Er würde nie einen Außenseiter um Hilfe bitten. Niemals. Und er hat nicht mehr mit mir geredet, seit er mich vor vielen Jahren vor die Tür gesetzt hat.«
Rio zog eine gegerbte Lederhaut aus seinem Rucksack. »Man hat mir gesagt, dass du mir nicht glauben würdest, deshalb soll ich dir das hier geben. Angeblich wüsstest du dann Bescheid.«
Conners Finger krallten sich in das dichte Fell. Er bekam keine Luft mehr, und seine Kehle brannte vor Schmerz. Er wandte sich von den anderen ab, stellte sich in den Türrahmen und atmete die frische Nachtluft. Zweimal öffnete er den Mund, brachte aber nichts heraus. Er zwang sich, tief Luft zu holen. »Worum geht es?«
»Es tut mir leid«, sagte Rio.
Alle wussten, was so ein Leopardenfell zu bedeuten hatte, und die Art, wie Conner es an sich gedrückt hielt, zeigte, dass er die Person kannte und liebte, zu der es gehört hatte.
»Conner … Mann …«, begann Felipe, dann stockte er wieder.
»Worum geht es?«, wiederholte Conner, ohne irgendjemanden anzusehen. Er konnte es nicht. Seine Augen brannten wie Feuer. Er stand mit dem Rücken zu den anderen, drückte den Pelz seiner Mutter ans Herz und versuchte, an nichts anderes zu denken als an den Auftrag.
»Imelda Cortez hat vor, ihre Ware durch den Regenwald zu schmuggeln. Ihre eigenen Männer kann sie dafür nicht gebrauchen, denn sie kommen mit der fremden Umgebung nicht klar. Die Wege werden zu schlammig, sie verirren sich, die Moskitos fressen sie bei lebendigem Leib und selbst kleine Wunden entzünden sich schnell. Sie hat eine ganze Reihe von Leuten durch Verletzungen, Krankheiten und feindliche Eingeborene verloren. Sobald ihre Männer tief im Wald sind, sind sie für Giftpfeile eine leichte Beute.«
»Deshalb braucht sie die Hilfe der Indianerstämme, die sie seit Jahren dezimiert, doch dort hat sie nicht viele Freunde«, erriet Conner.
»Richtig«, erwiderte Rio. »Imelda musste sie unter Druck setzen, damit sie für sie arbeiten. Daher hat sie damit angefangen Kinder zu entführen. Die Eltern möchten ihren Nachwuchs nicht in Einzelteilen zurückbekommen, deshalb transportieren sie Imeldas Drogen über die neuen Wege, wo sie höchstwahrscheinlich nicht von Regierungsbeamten aufgespürt und abgefangen werden. Mit den Kindern als Geiseln hat Imelda zusätzlich noch den Vorteil, ihre Kuriere nicht bezahlen zu müssen.« Rio zog einen versiegelten Umschlag aus seinem Rucksack. »Das hier ist auch für dich.«
Conner drehte sich wieder um, mied aber den allzu wissenden Blick seines Freundes und streckte nur den Arm aus. Rio drückte ihm den Brief in die Hand.
»Ich muss wissen, ob dein Vater glaubt, dass die Leopardenmenschen verraten worden sind«, sagte Rio. »Haben die beiden Schurken, die für sie arbeiten, Imelda ihre wahre Identität etwa preisgegeben, oder nehmen sie nur ihr Geld?«
Das brachte Conner endlich dazu aufzuschauen. Seine Augen hatten fast keine Iris mehr und tief in ihnen loderte es wie Flammen. Die schlimmste Sünde, die ein Leopard begehen konnte, war es, einen Außenstehenden einzuweihen. Er riss den Umschlag auf und zog ein einzelnes Blatt Papier heraus. Es dauerte einen langen Augenblick, bis er die Botschaft seines Vaters gelesen hatte. Das Summen der nachtaktiven Insekten wirkte überlaut in dem kleinen Raum. An Conners Kinn zuckte ein Muskel. Die Stille dehnte sich.
»Conner«, drängte Rio schließlich.
»Vielleicht solltest du deine Meinung über diese Mission ändern«, meinte Conner, während er das Fell andächtig zusammenfaltete und wieder in den Rucksack steckte. »Aus der schlichten Geiselbefreiung ist ein Mordauftrag geworden. Einer von den beiden abtrünnigen Leoparden hat meine Mutter getötet. Und Imelda weiß von unserem Volk.«
Rio fluchte und ging zum Herd hinüber, um sich eine Tasse Kaffee einzuschenken. »Wir sind also in Gefahr.«
»Zwei unserer eigenen Leute haben uns an Imelda verraten.« Conner schaute auf, rieb sich die Augen und seufzte. »Wenn wir unsere Geheimnisse vor dem Rest der Welt schützen wollen, bleibt mir keine Wahl. Anscheinend möchte Imelda eine ganze Armee von Leoparden zusammenstellen. Die beiden Söldner haben versucht, andere anzuwerben, nicht nur vom ortsansässigen Stamm, sondern auch von außerhalb. Um zu verhindern, dass sie noch andere mit ihrem Geld anlockt, haben die Ältesten den Standort des Dorfes tiefer in den Regenwald verlegt. Die Einzigen, die es noch erreichen könnten, sind jene beiden Leoparden in Imeldas Diensten, und die würden auf der Stelle getötet, sobald sie es wagten, sich dem Dorf zu nähern.« Conner lächelte und bleckte die scharfen, weißen Zähne, doch das hatte nichts mit Humor zu tun. »So dumm werden sie nicht sein.«
»Woran ist deine Mutter gestorben?«, fragte Felipe leise.
Es dauerte einen weiteren langen Augenblick, bis Conner antwortete. Draußen schrie ein Brüllaffe, und mehrere Vögel antworteten ihm. »Nach dem, was mein Vater schreibt, hat einer der Söldner, Martin Suma, sie umgebracht, als sie versuchte, die Entführung der Kinder zu verhindern. Sie war gerade zu Besuch bei Adan Carpio, einem der zehn Ältesten des Embera-Stammes, als Imeldas Männer über das Dorf herfielen und die Kinder verschleppten. Suma hat die Männer angeführt und als Erstes meine Mutter getötet, denn er wusste, dass sie die größte Gefahr darstellte.« Conner bemühte sich um einen ausdruckslosen Tonfall. »Suma hat mich nie zu Gesicht bekommen, falls ihr euch deswegen Sorgen machen solltet. Ich habe lange genug in Borneo gelebt, um wie einer von dort zu wirken. Felipe und Leonardo sind aus Brasilien, Elijah könnte von überallher sein, nur wenige kennen sein Gesicht, und du stammst aus Borneo. Niemand wird Verdacht schöpfen. Ich schleiche mich in Imeldas Haus, hole die Kinder heraus, übergebe sie euch und knöpfe mir dann die zwei Schurken und ihre Chefin vor. Das ist meine Angelegenheit, nicht eure.«
»Wir machen das zusammen«, erwiderte Rio, »als Team.«
»Du hast diesen Auftrag angenommen in dem Glauben, dass es sich um eine Befreiungsaktion handelt, und dabei soll es auch bleiben. Den Rest kannst du mir überlassen.« Conner wandte den Kopf und sah dem Teamführer direkt in die Augen. »Es ist doch nicht so, dass jemand auf mich wartete, Rio, und du hast Rachael. Du musst heil zu ihr zurückkehren.«
»Dies ist doch kein Himmelfahrtskommando, Conner. Wenn du nicht mit dir reden lässt, beenden wir unsere Zusammenarbeit an dieser Stelle«, entgegnete Rio. »Wir gehen zusammen rein, erledigen den Job und machen uns wieder aus dem Staub.«
»Aber deine Ältesten erlauben keine Rache, wenn einer von uns in Leopardengestalt getötet wird«, sprach Conner den wunden Punkt an. Rio war von seinem Stamm verstoßen worden, nachdem er den Mörder seiner Mutter umgebracht hatte.
»Dieser Fall liegt anders«, widersprach ihm Rio. »Suma hat deine Mutter wissentlich ermordet. Meine Mutter ist von einem Großwildjäger erschossen worden, der sie für eine Leopardin hielt. Ich kannte die Strafe und habe ihn trotzdem aufgespürt. Hier aber geht es um Gerechtigkeit. Suma hat nicht nur eine Artgenossin getötet, sondern darüber hinaus das ganze Volk in Gefahr gebracht. Das könnte für uns das Ende bedeuten. Wir erledigen den Job gemeinsam. Aber vor allem anderen müssen die Kinder gerettet werden.«
»Um schnell sein zu können, brauchen wir Vorratsdepots entlang einer vorher festgelegten Route. Wir könnten die Kinder tief in den Dschungel führen, bis Imelda ausgeschaltet ist, aber ohne Proviant und Ausrüstung schaffen wir es nicht auf sicheres Gebiet«, sagte Conner. »Ich gehe in den Wald und markiere die passenden Stellen, so dass sie von oben zu sehen sind, dann werft ihr alles Nötige mit dem Hubschrauber ab. Außerdem müssen wir uns ein paar Fluchtwege überlegen und auf der Karte einzeichnen, damit wir an diesen Wegen Kleidung, Waffen und Proviant verstecken können.«
»Uns bleibt nicht viel Zeit. In sechs Tagen bietet sich eine gute Gelegenheit, Kontakt zu Imelda herzustellen. Der Chef der Tourismusbehörde gibt eine Party, zu der sie kommen wird. Wir haben dafür gesorgt, dass auch ein brasilianischer Geschäftsmann, Marcos Suza Santos, eingeladen ist. Wir geben uns als seine Bodyguards aus. Das ist unsere einzige Chance, eine Einladung in Imeldas Haus zu ergattern, sonst müssen wir dort einbrechen. Und da wir nicht genau wissen, wo die Kinder versteckt sind, könnte das sehr riskant werden.«
»Ist der Mann ein Verwandter von euch?«, fragte Conner die beiden Brasilianer.
»Unser Onkel«, antworteten die Brüder gleichzeitig.
Conner straffte die Schultern und kehrte zum Tisch zurück. »Haben wir irgendwelche Hinweise, wie Imeldas Festung angelegt ist?«
»Adan Carpio ist derjenige, der den ersten Kontakt zu unserem Team hergestellt hat«, sagte Rio. »Er hat uns mit Skizzen vom Grundstück, den Sicherheitseinrichtungen auf dem Gelände und dergleichen versorgt. Nur leider ist nichts vom Inneren der Villa dabei. Er versucht, von Einheimischen, die früher im Haus gearbeitet haben, Informationen zu bekommen, doch anscheinend kommen nur wenige lebend aus dem Arbeitsverhältnis raus.«
»Ich kenne Adan, ein guter Mann«, erwiderte Conner. »Im Regenwald findet man nicht viele wie ihn. Neben seiner eigenen Sprache beherrscht er auch Spanisch und Englisch, was die Verständigung leichtmacht. Was er sagt, stimmt. Man kann ihn beim Wort nehmen. Adan steht in der Dschungelhierarchie ganz weit oben und genießt bei allen Stämmen, auch meinem eigenen, großen Respekt.«
Rio wusste, dass das aus dem Mund eines Leoparden ein großes Lob war. »Sein Enkel zählt zu den Verschleppten. Insgesamt wurden sieben Geiseln entführt, darunter drei von den Embera und zwei vom Stamm der Waounaan – Söhne, Töchter oder Enkel von Ältesten. Imelda hat damit gedroht, sie stückweise zurückzuschicken, falls irgendjemand versucht sie zu befreien, oder falls die Stämme sich weigern für sie zu arbeiten.«
Conner blieb die Luft weg. »Diese Frau meint es ernst. Also bleibt uns nur ein einziger Versuch für die Befreiung. Adan kennt den Wald wie seine Westentasche und bringt Spezialeinheiten aus aller Welt das Überleben im Dschungel bei. Der Mann fällt nicht so leicht um, er ist ein Gewinn für uns, glaubt mir. Ihr könnt ihm vertrauen.« Conner wischte sich mit der Hand über das Gesicht. »Nun zu den beiden Schurken, die unser Volk verraten haben … ist Adan sicher, dass sie auf Imeldas Gehaltsliste stehen oder handeln sie womöglich aus eigenem Antrieb?«
Rio nickte. »Die meisten Informationen über diese beiden stammen von deinem Vater …«
»Du meinst Raul oder Fernandez. Ich nenne ihn schon seit Jahren nicht mehr Vater«, fuhr Conner dazwischen. »Ich habe den Mädchennamen meiner Mutter angenommen. Auch wenn er mir geschrieben hat, Rio, wir stehen uns nicht nahe.«
Rio runzelte die Stirn. »Können wir ihm dann trauen? Würde er uns eine Falle stellen? Oder vielleicht dir?«
»Weil wir uns gegenseitig verachten?«, fragte Conner. »Nein, unserem Volk gegenüber ist er loyal. Seine Informationen sind sicher richtig. Aber sicher ist auch, dass nicht er unser Auftraggeber ist. Es würde ihm nie in den Sinn kommen, für die Rettung dieser Kinder zu bezahlen. Er hat sich bloß an unseren Klienten drangehängt, damit wir diese Verbrecher nicht lebend entkommen lassen. Doch er wird kaum mit uns zusammenarbeiten und uns auch nicht anderweitig unterstützen.«
Wieder breitete sich eine lange Stille aus. Dann seufzte Rio. »Und wer steht auf deiner Abschussliste?«
»An erster Stelle Imelda Cortez. Ihr kann keiner über den Weg trauen, jetzt, wo sie über uns Bescheid weiß. Selbst wenn wir diese Kinder befreien können, heißt das nicht, dass sie sich nicht wieder welche holt. Außerdem die beiden gedungenen Leoparden, die unser Geheimnis verraten haben.«
»Die zwei werden uns als Artgenossen erkennen«, gab Rio zu bedenken. »Und sie werden merken, dass du aus der Gegend stammst.«
Conner zuckte die Achseln. »Sie werden auch euren Geschäftsmann als Artgenossen erkennen. Deshalb muss Santos sich ja von seinesgleichen beschützen lassen. Alles andere wäre verrückt. Und was mich angeht, im Regenwald an der Grenze zwischen Panama und Kolumbien leben drei Stämme von Leopardenmenschen, aber wir haben nicht viel miteinander zu tun. Rauls Name wird den Verrätern bekannt sein, denn er ist einer der Ältesten im Dorf, doch ich benutze den meiner Mutter. Außerdem wissen nur wenige von mir – meine Mutter und ich, wir wohnten außerhalb des Dorfes.«
Die anderen hielten erschrocken den Atem an. Gefährten blieben zusammen – für immer. Ungerührt musterte Conner seine Kollegen. »Ich habe den Alten zeit meines Lebens gehasst. Aber ich schätze, ich bin genau wie er.«
Conner spürte, wie sein Magen sich weiter verkrampfte. Er hatte keine Wahl. Er ging zum Fenster und starrte in die Dunkelheit. Die Schlinge hatte sich um seinen Hals gelegt und schnürte ihm langsam, aber sicher die Luft ab. Wenn sie die Kinder befreien wollten, musste er bei Imelda seinen Charme spielen lassen, damit Marcos Suza Santos und seine Bodyguards in jene Festung eingeladen wurden, die sie ihr Zuhause nannte. Er mochte ja der romantischen Vorstellung nachgehangen haben, wie er nach Borneo zurückkehren und Isabeau Chandler aufspüren würde, woraufhin sie ihm vergab und bis ans Ende ihrer Tage mit ihm glücklich wäre. Aber für Männer wie ihn gab es kein Happy End. Das wusste Conner. Er konnte nur nicht akzeptieren, dass er sich Isabeau aus dem Kopf schlagen musste.
Unter dem Kronendach war es totenstill, doch trotz der Finsternis konnte er noch die vielfältigen Formen der Blätter ausmachen; ihm brach der Schweiß aus, und eine eiserne Hand schien sich um sein Herz zu legen. Er würde eine andere Frau verführen. Ihr in die Augen sehen und sie berühren. Sie ködern und Isabeau ein weiteres Mal betrügen. Seinem langen Sündenregister die nächste Untat hinzufügen.
»Schaffst du das?«, fragte Rio, der offenbar seinem Gedankengang gefolgt war.
Mit einer langsamen, animalischen Bewegung wandte Conner den Kopf. Sein Blick war ablehnend, voller Selbsthass. »Ich bin wie gemacht für den Job.« Es gelang ihm nicht, die Bitterkeit ganz aus seiner Stimme zu verbannen.
Rio schnappte nach Luft. Er selbst konnte sich nicht vorstellen Rachael zu hintergehen. »Einer von den anderen könnte deinen Part übernehmen, wenn du ihn anlernst.«
Felipe und Leonardo blickten einander an. Seit wann war Charisma lernbar? Zwar strahlten sie alle eine animalische Anziehungskraft aus, doch bei Conner war sie besonders ausgeprägt, schon seit seiner Geburt stellte er alle anderen in den Schatten. Sobald er den Raum betrat, fiel er sofort auf. Statt Conner zu verstecken, zogen alle Nutzen aus seinem Talent. Denn er konnte gelangweilt, amüsiert und gleichgültig aussehen, und das alles zur gleichen Zeit.
Elijah regte sich zum ersten Mal, was die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. Er war früher im Drogengeschäft gewesen und kannte alle Beteiligten vom Hörensagen. Auch er war ein gefährlicher Typ mit charismatischer Ausstrahlung. »Vielleicht könnte ich den Job übernehmen. Ich habe den richtigen Lebenslauf. Mein Name würde dieser Imelda Cortez bestimmt etwas sagen, wenn ich ihn verraten würde. Doch damit bekäme Santos’ Ruf einen Knacks.« Er warf einen schnellen Blick zu Felipe und Leonardo hinüber. »Es tut mir leid; ihr wisst, dass ich die Wahrheit sage. Imelda wird Erkundigungen über uns einziehen, und mein Name ist weltweit jeder Polizeidienststelle bekannt. Aber vielleicht macht meine Anwesenheit es für sie auch noch interessanter uns einzuladen. Ich könnte den Verführer spielen.«
Rio musterte seinen Schwager. Elijah hatte von Vater und Onkel ein Drogenimperium geerbt. Als Elijahs Vater versucht hatte, sich aus den illegalen Geschäften zurückzuziehen, hatte der Onkel seinen Bruder getötet und dessen Kinder, Elijah und Rachael, nach seinen Vorstellungen großgezogen. Elijahs ganzes Leben war eine Gratwanderung zwischen Leben und Tod gewesen. Er war noch nicht bereit für eine Schlüsselposition bei einer Mission. Zweifellos würden sein Aussehen und seine faszinierende Persönlichkeit auf Imelda anziehend wirken, doch noch fehlte ihm jener Charme, der Conner angeboren schien. Die vier Narben auf Conners Wange erhöhten diesen Reiz nur noch.
Rio gestattete es sich, Conner zu mustern. Er selbst hatte ihn dafür ausgewählt, Isabeau Chandler zu umgarnen. Und schließlich war er es gewesen, der ihren Vater umgebracht hatte. Conner hatte noch versucht, Chandler zu retten, doch der hatte eine Waffe gezogen, um den Leiter des Terroristencamps zu schützen. Er hatte Rio keine Wahl gelassen. Conner stand dabei in der Schusslinie und redete noch auf den Mann ein, doch Isabeaus Vater weigerte sich, seine Chance zu nutzen. Also hatte Rio abgedrückt und so zwar Conners Leben gerettet, doch die Seele seines Freundes schien unrettbar verloren.
Isabeau war völlig schockiert gewesen. Nie würde er vergessen, was für ein Gesicht sie gemacht hatte, als sie begriff, dass Conner sie benutzt hatte, um Zutritt zum Camp zu bekommen. Jedes Mal, wenn Rio daran dachte, schauderte es ihn, und nun bat er Conner, das Gleiche noch einmal zu tun. Imelda war zwar keine Unschuld wie Isabeau, trotzdem blieb es ein lausiger Job, egal, wie man es betrachtete.
Conner zuckte die Achseln. »Danke für das Angebot, Elijah, aber es bringt nichts, wenn wir uns beide die Finger schmutzig machen. Du hast noch eine Chance. Meine habe ich längst vertan. Als Frauenheld kannst du deiner Gefährtin nicht imponieren. Das klappt einfach nicht.«
»Ich habe mir schon oft genug die Finger schmutzig gemacht«, bemerkte Elijah. »Es gibt einiges, worauf ich nicht sonderlich stolz bin.«
»Das geht uns allen so«, erwiderte Conner, »aber das habe ich nicht gemeint. Dies ist etwas anderes, obwohl Imelda zum Abschaum der Menschheit gehört. Wenn du sie verführst und mit ihr schläfst, wirst du deiner Gefährtin, solltest du sie irgendwann finden, nicht in die Augen sehen können.«
Rio öffnete den Mund, doch er konnte nichts dagegen sagen. Mit einer so schweren Sünde auf dem Gewissen hätte er nie zu Rachael zurückkehren können, dennoch bat er Conner schon wieder, sich diese Last aufzubürden. Was er tat, war nicht richtig, doch ohne Einladung gab es keinen Weg in Imeldas Festung.
»Du hast das schon einmal gemacht«, betonte Elijah. »Es ist nicht fair, dich wieder in diese Situation zu bringen.«
»Ich weiß bereits, wer zu mir gehört. Isabeau Chandler ist meine Gefährtin«, entgegnete Conner. »Aber nach dem, was ich ihr angetan habe, wird sie mir keine zweite Chance geben. Und eine andere Frau will ich nicht, denn dann würde ich ihr die Chance nehmen, selbst glücklich zu werden. Ich weiß nur zu gut, wie so etwas ausgeht.« Conner klang verbittert und er gab sich alle Mühe, seinen Ton zu ändern. Lässig zuckte er die Achseln. »Ich habe nichts mehr zu verlieren, Elijah, du dagegen alles. Ich mache das jetzt noch ein letztes Mal, aber falls es wieder nötig werden sollte und du den Job immer noch willst, kannst du es dir ja überlegen.«
»Wenn du absolut sicher bist.«
»Dies ist meine Angelegenheit. Der Mann, der laut Raul für den Mord an meiner Mutter verantwortlich ist, arbeitet für Imelda Cortez. Sein Name steht zusammen mit dem seines Partners auf unserer Liste. Ich schnappe mir beide. Imelda dürfte niemandem von den Leopardenmenschen erzählt haben. Schließlich möchte sie dieses Wissen zu ihrem Vorteil nutzen, deshalb haben wir im Moment noch die Möglichkeit, alles unter der Decke zu halten.«
Rio nickte. »Wahrscheinlich versucht sie noch mehr Leoparden zu rekrutieren.«
»Da wird sie in meinem Dorf kein Glück haben«, meinte Conner im Brustton der Überzeugung. »Raul hat es tiefer in den Wald verlegt, wo Suma und Ottila Zorba, so heißt der andere, sich nicht hintrauen. Der Name Suma ist mir geläufig, doch den Mann selbst kenne ich nicht. Er hat nicht in unserem Dorf gewohnt. Seine Eltern werden ihn außerhalb des Regenwaldes zur Schule geschickt haben. Wahrscheinlich ist er erst wiedergekommen, als ich fort war. Obwohl Suma anscheinend meine Mutter kannte, wird er die Verbindung nicht herstellen können. Und Zorba gehört zu einem anderen Stamm.«
»Wenn sie woanders keine Rekruten findet«, sagte Rio, »wird Imelda die beiden irgendwann doch in dein Dorf schicken. Sie hat viel Geld. Die meisten Menschen, die im Wald leben, interessiert das zwar nicht, doch einige der Jüngeren könnten auf Abenteuer aus sein.«
»Wenn ich die beiden Schurken nicht als Erster erwische, werden die Ältesten sie unauffällig zur Strecke bringen, ehe sie die Jüngeren ansprechen können.« Conner schaute in die Runde. »Wenn ihr alle sicher seid, dass wir in Aktion treten sollten, lasst uns mit der Planung beginnen. Wissen wir, wie die Kinder aussehen? Wie viele Mädchen sind es? Mehr als Jungen? Und seid gewarnt, Imelda setzt zur Bewachung ihrer Festung mit Vorliebe Kinder ein. Sie drückt ihnen einfach eine Waffe in die Hand und stellt sie in die vorderste Verteidigungslinie. Sie weiß, dass es den Beamten schwerfällt, Kinder zu töten.«
»Glaubst du, dass sie die kleinen Geiseln auch von Kindern bewachen lässt?«
»Ich will nur darauf hinweisen, dass es sein könnte und wir uns darauf einstellen sollten, das ist alles.«
Rio reichte Conner eine Wasserflasche und trommelte, die Stirn nachdenklich gerunzelt, mit den Fingern auf den Tisch. »Elijah, ist eigentlich bekannt, dass du keine krummen Geschäfte mehr machst?«
Der schüttelte den Kopf. »Nein, als mein Onkel starb, dachten alle, ich hätte ihn getötet, um das ganze Geschäft für mich allein zu haben. Aber ich habe nach und nach alles verkauft, was illegal war, und bin aus dem Drogen- und Waffenhandel ausgestiegen. Mit Menschenhandel hatten wir nie etwas zu tun. Es gibt allerdings Gerüchte, jedenfalls gelte ich nach wie vor als äußerst skrupellos.«
»Dann lass uns diesen Ruf nutzen, anstatt dich unter falschem Namen als Leibwächter auszugeben. Du könntest als Freund von Santos auftreten«, sagte Rio. »Das wird Imelda in der Hoffnung, mit Santos einen dicken Fisch an der Angel zu haben, noch bestärken.«
»Bleiben noch drei von uns als Bodyguards«, bemerkte Conner. »Verfügt ein Mann wie Santos normalerweise über mehr?«
»In der Regel wird er von vier Männern und zwei Hunden begleitet«, erwiderte Felipe. »Aber ich wollte sein gewohntes Team nicht in Gefahr bringen. Wir hätten den Leuten doch gar nicht erklären können, was wir vorhaben.«
»Und dein Onkel hat der Sache zugestimmt?«, fragte Conner. »Weiß er überhaupt, worauf er sich einlässt?«
Felipe nickte. »Oh ja. Und er weiß auch, dass Imelda eine Bedrohung für uns darstellt.«
»Dann sag uns doch, wer wirklich unser Auftraggeber ist, Rio«, forderte Conner. »Du hast uns erzählt, dass Adan Carpio den Kontakt hergestellt hat. Aber sein Stamm kann nichts von uns wissen. Und mein Vater hätte uns nie um Hilfe gebeten. Also, wer wusste von uns und woher? Ich möchte alle Karten auf dem Tisch liegen haben, ehe wir weitermachen.«
2
Es entstand eine lange Pause. Die Männer wechselten vielsagende Blicke, und die Spannung im Raum stieg unaufhaltsam. Schließlich brach Conner das Schweigen. »Du weißt gar nicht, wer uns angeheuert hat? Du hast über die nichts herausgefunden, ehe du uns alle auf fremdem Territorium zusammengetrommelt hast? Zumindest fremd für euch.«
Rio seufzte. »Adan Carpio hat mir sein Wort gegeben, dass er hinter dem Klienten steht, Conner. Und du hast selbst gesagt, dass sein Wort Gold wert ist.«
»Moment mal, Rio«, unterbrach Elijah. »Soll das heißen, du hast keinerlei Nachforschungen über unseren Auftraggeber angestellt und diese Mission einfach in gutem Glauben angenommen?«
Rio zuckte die Schultern und schenkte sich noch eine Tasse Kaffee ein. »Carpio hat mich kontaktiert, und er gab mir zusammen mit den Sachen von Conners Vater und der Hälfte der Bezahlung für die Rettungsaktion noch einige spezielle Hinweise. Ich habe dann jedes Detail nachgeprüft und festgestellt, dass alles stimmte, also habe ich das Team zusammengerufen.«
»Sag mir, dass man nicht ausdrücklich nach uns verlangt hat«, forderte Conner.
»Nur nach uns beiden, Conner. Das Codewort, das sie benutzt haben, um uns zu finden, war zwar alt, aber immerhin haben sie es gekannt.« Rio drehte sich um, lehnte sich mit der Hüfte an die provisorische Küchentheke und betrachtete Conner über den Rand seiner dampfenden Tasse hinweg. »Carpio hat gesagt, der Klient kennt dich und weiß, dass du diese Art von Arbeit machst.«
Die Männer sahen sich an, und Conner schüttelte den Kopf. »Das ist unmöglich. Niemand weiß, wer wir sind. Hat er etwa meinen Namen gekannt?«
»Das nicht, aber der Auftraggeber hat dich ziemlich genau beschrieben und sogar eine Zeichnung von deinem Gesicht angefertigt, wonach Carpio dich natürlich erkannt hat. Dann hat er versucht, über deinen Vater den Kontakt zu dir herzustellen, und da du deinem Vater für den Notfall meine Adresse gegeben hattest, hat er sie an Carpio weitergereicht.«
»Aber du weißt nicht, wer der wahre Auftraggeber ist?«, fragte Conner beharrlich.
Rio schüttelte den Kopf. »Carpio wollte es nicht verraten.«
»Das gefällt mir nicht«, mischte Felipe sich sichtlich beunruhigt ein. »Wir sollten abhauen.«
»Am Anfang habe ich auch so gedacht«, sagte Rio, »aber Carpio schien mir ein Mann von Ehre zu sein, und er hat sich für den Klienten verbürgt. Und schließlich stimmen die Informationen. Imelda Cortez’ Männer haben tatsächlich sieben Kinder entführt. Und den Pelz deiner Mutter haben wir alle gesehen. Ich gebe ja zu, dass wir vorsichtig sein müssen. Aber Carpio bringt seinen Klienten zu uns. Die beiden müssten gleich da sein. Felipe und Leonardo, ihr haltet vorn Wache, Elijah hinten. Lasst sie durch und überprüft anschließend die Umgebung, um zu sehen, ob ihnen jemand gefolgt ist oder einen Hinterhalt legt.«
Conner schüttelte den Kopf. »Wir haben uns doch darauf geeinigt, dass wir stets wissen wollen, mit wem wir es zu tun haben. Ohne Ausnahme. Warum diese Geheimniskrämerei?«
»Adan hat gesagt, der Klient möchte persönlich mit uns reden. Wenn wir nach diesem Gespräch nicht zufrieden sind, können wir den Vorschuss abzüglich der entstandenen Unkosten zurückgeben und verschwinden.«
»Und das hast du ihm geglaubt?«, fragte Felipe. »Das ist doch eine Falle. Sie haben eine Beschreibung von Conner, aber keinen Namen? Mensch, Rio, irgendjemand hat es auf ihn abgesehen. Man hat ihn hergelockt, und du präsentierst ihn wie auf einem Silbertablett.«
»Das sehe ich anders«, widersprach Rio. »Adan Carpio hat mich nicht angelogen. Das hätte ich gewittert.«
»Dann wird er benutzt. Wer auch dahintersteckt, er hat die Verbindung zwischen Carpio und Conner entdeckt und sie dazu benutzt, Conner ins Land zu locken.« In Felipes Stimme lag Verachtung. »Wir müssen ihn in Sicherheit bringen. Auf der Stelle.«
Rio schaute auf seine Uhr. »Sie werden bald da sein, Conner. Ihr könnt alle außer Sichtweite bleiben, ich rede mit ihnen.«
Conner schüttelte den Kopf. »Ich bleibe bei dir. Wenn sie nur zu zweit sind, werden wir im Notfall mit ihnen fertig. Falls ihnen jemand durch den Wald gefolgt sein sollte, können die anderen sich darum kümmern. Ich lasse dich nicht ohne Rückendeckung zurück. Wenn einer etwas von mir will, soll er ruhig kommen.«
Felipe schüttelte den Kopf. »Ich bleibe bei Rio, Conner.«
Conners stechender Blick ließ ihn verstummen. »Mein Leopard ist dicht unter der Oberfläche, Felipe. Ich bin sowieso schon gereizt, deshalb kann ich schnell und instinktiv reagieren. Ich weiß es zu schätzen, dass du das Risiko auf dich nehmen willst, aber das hier ist meine Sache und das Tier in mir ist kampfbereit.«
Felipe zuckte die Achseln. »Wir geben Bescheid, wenn sich ungebetener Besuch ankündigt.«
Conner wartete, bis seine drei Kollegen gegangen waren, dann drehte er sich zu Rio um. »Was geht hier vor?«
Rio schob eine Tasse Kaffee über den Tisch. »Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht so genau. Ich weiß nur, dass Carpio mir die Wahrheit gesagt hat, aber einiges von dem, was er erzählt hat …« Mit dem Fuß zog Rio einen Stuhl heran und ließ sich darauf fallen. »Die Beschreibung deiner Person war alles andere als schmeichelhaft, und deine Narben wurden nirgends erwähnt. Carpio hat von ihnen auch nichts gesagt.«
»Er hat mich ein paar Jahre nicht gesehen. Was für eine Beschreibung?« Ein schwaches Grinsen kräuselte Conners Lippen, erstarb aber wieder. »Ich dachte, ich gelte als attraktiv.«
Rio schnaubte. »Da war von ›abscheulich‹ die Rede. Ehrlich. Du wärst ein skrupelloser Bastard, der sich für den Job bestens eigne. Die Zeichnung mit deinem Gesicht hat mir zu denken gegeben. Sie war immerhin so gut, dass Carpio dich erkennen konnte, also hat unser Klient, wer immer es ist, dich schon einmal gesehen und kann dich identifizieren.«
»Zumindest weiß er, dass ich ein skrupelloser Bastard bin und ihn bei der ersten falschen Bewegung umbringe«, erwiderte Conner, der immer noch am offenen Fenster stand und sehnsüchtig in den Wald schaute.
Der Wind drehte sich ein wenig, konnte die Stille am Waldboden aber kaum beleben. Einige Blätter zitterten leicht. Irgendwo sangen Vögel. Affen kreischten. Sie waren nicht mehr allein in diesem Teil des Waldes. In Conners Kehle begann es leise zu grummeln, daher griff er nach seiner Tasse und nahm einen kleinen Schluck. Der Kaffee war heiß und brachte ihm den ersehnten Kick. Sein Leopard erwachte wieder zum Leben; ohne seine Gefährtin war er reizbar und launisch, und die Rückkehr in die Wildnis hatte sein primitives Verlangen noch gesteigert. Er wollte es rau und hart. Spitze Krallen, die ihn dabei zeichneten. Conner fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, um sich den Schweiß abzuwischen.
»Geht’s dir gut?«
Was zum Teufel sollte er darauf antworten? Sein Leopard verlangte aufgebracht nach Freiheit, während er voll konzentriert sein musste. »Gut genug, um dir den Rücken freihalten zu können, Rio.«
Conner starrte weiter aus dem Fenster und behielt den Wald im Auge. Ein Leopard hustete leise, und ein anderer antwortete. Felipe und Leonardo teilten ihnen mit, dass sie sich auf zwei Gäste gefasst machen mussten. Rio ging neben der Tür in Stellung. Conner blieb, wo er war, mit dem Rücken zum Eingang, und vertraute auf Rio, während er die Umgebung des Hauses nach Bewegungen absuchte, die ihm verrieten, dass sich jemand heimlich anschlich, während der andere die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog.
Die Tür öffnete sich, das merkte er an dem plötzlichen Luftzug, und ein köstlicher, unverkennbarer Duft füllte seine Lungen. Ihr Geruch. Instinktiv sog Conner ihn ein. Sein Leopard war kaum noch zu bändigen. Seine Gefährtin war gekommen, seine Frau. Diesen Geruch hätte er überall erkannt. Sein Körper reagierte unwillkürlich; das Blut strömte heiß erregt durch seine Adern, ließ sein Glied anschwellen und jagte seinen Puls so hoch, dass es ihm in den Ohren dröhnte.
Mit der Stiefelspitze stieß Rio die Tür wieder zu und drückte Adan Carpio den Lauf seiner Pistole an die Schläfe. Er würde sich hüten, die Gefährtin eines Leoparden zu bedrohen. »Eine falsche Bewegung von ihr und du bist tot.«
Conner drehte sich nur halb um. Er konnte sich kaum bewegen, so tief getroffen war er vom Schock und der spürbaren abgrundtiefen Verachtung.
Lügner. Das Wort stand im Raum wie ein unüberwindliches Hindernis.
Conner atmete tief ein und sog ihre Verachtung in seine Lungen. Sie sah ihm unverwandt ins Gesicht, und als ihr vor Zorn glühender Blick über die vier Narben auf seiner Wange glitt, brandmarkte sie ihn aufs Neue.
Verräter.
Die Zeit verlangsamte sich, und er bekam einen Tunnelblick, der ihn jedes Detail an ihr überdeutlich wahrnehmen ließ. Ihr Gesicht. Dieses wunderschöne, ovale Gesicht mit der strahlenden Haut, die so weich war, dass jeder Mann, der sie sah, sie sofort berühren wollte. Ihre großen Augen, die manchmal golden schimmerten, aber eigentlich bernsteinfarben waren, oder auch grün, smaragdgrün. Je nachdem, wie nah ihre Katze unter der Oberfläche war. Und dann dieser lange, gebogene Wimpernkranz, der ihre katzenhaften Augen betonte.
Isabeau Chandler.
Sie hatte ihn verfolgt in den Nächten, in denen es ihm gelungen war, ein paar Stunden zu schlafen. Mit diesem langen, glänzenden Haar, fast spürte er die rotbraune Fülle noch zwischen den Fingern. Diesem Mund mit den vollen Lippen, die weicher waren als alles, was er kannte – diesem äußerst talentierten, traumhaften Mund. Er erinnerte sich noch, wie es sich anfühlte, wenn ihre Lippen über seinen Körper glitten und ihm das Paradies bescherten. Ihm Erfüllung und Frieden brachten. Und schließlich ihr Körper. All diese weiblichen Rundungen, genauso verlockend wie ihr Gesicht. Seine Frau.
Verflucht sollte sie sein. Sie gehörte ihm, nicht diesem Hurensohn, der so dreist und arrogant neben ihr stand. Ihr Körper und ihr Lächeln, alles, jeder verdammte Quadratzentimeter gehörte ihm allein. Ihr Begleiter hatte noch nicht einen Muskel gerührt. Conner sah ihn gar nicht richtig an; wer der Mann war, interessierte ihn nicht. Schließlich war er schon so gut wie tot. Sie hätte es wissen müssen, denn so verlangte es das Gesetz des Dschungels, das über allen anderen stand. Ihr Gesetz.
Conner spürte, wie sich jeder einzelne Muskel anspannte. Ganz langsam wandte er den Kopf, Zentimeter um Zentimeter, in der stockenden Art der großen Raubkatzen. Ansonsten verhielt er sich ganz still, denn sein Leopard war kaum noch zu zügeln, nachdem er die starken Finger gesehen hatte, die um Isabeaus geschlungen waren. Dann verlagerte er den Blick, und ein einziger Laut entfuhr ihm – ein Knurren aus dem Rachen seines wütenden Leoparden, das seiner Kehle entschlüpfte. Das furchterregende Geräusch hatte nichts Menschliches mehr an sich. So klang es, wenn ein Tier ein anderes bedrohte, wenn ein Leopard seinen Rivalen herausforderte. Die leise Warnung erfüllte den ganzen Raum.
»Tu’s nicht«, mahnte Rio. »Treten Sie zurück, solange Sie noch können«, riet er Adan.
Conner hörte ihn wie aus weiter Ferne. Seine Welt war zusammengeschrumpft, auf diese eine Frau. Nichts und niemand konnte ihn aufhalten, nicht einmal Rio. Sein Leopard war zu schnell. Er wusste es, und sie wussten es auch. Eine Kehle herauszureißen dauerte nur Sekunden. Das leise vibrierende Geräusch hielt an, wurde aber nie lauter als nötig, damit sich die Nackenhaare sträubten. Conner war bewusst, dass es in der zivilisierten Welt nicht erlaubt war, jemanden zu töten, doch das war nicht wichtig. Wichtig war nur, diesen anderen Mann von der Seite seiner Gefährtin zu entfernen.
Isabeau ließ die Hand ihres Begleiters los, und Rio riss ihn zurück, weg von ihr.
»Entschuldigen Sie, wie war noch der Name?«, sagte sie sanft.
Sie verhöhnte ihn, forderte ihn geradezu heraus, sie abermals anzulügen. Ihre leise, verführerische Stimme erregte ihn und weckte Erinnerungen daran, wie ihr Mund seinen Körper erkundet hatte. Dankbar dafür, dass sie in seiner Gegenwart wenigstens den Körperkontakt mit dem anderen Mann beendet hatte, biss Conner die Zähne zusammen. Sein Leopard kämpfte um die Vorherrschaft.
»Warum hast du mich kommen lassen?«
Isabeaus Augen glitten voller Verachtung und Ekel über ihn hinweg. »Weil du der einzige Mensch in meinem Bekanntenkreis bist, der hinterhältig und falsch genug ist, um diese Kinder befreien zu können. Du kannst das sehr gut. Ich bitte dich nur, mir ein paar Minuten zuzuhören; ich denke, das bist du mir schuldig.«
Conner starrte sie mehrere lange Augenblicke stumm an, ehe er zur Tür deutete. Rio zögerte. Der einzige Mensch, dem es gelingen konnte, Conner Vega zu töten, war Isabeau Chandler, denn gegen sie würde sein Freund sich nicht zur Wehr setzen. Rio wollte ihn auf keinen Fall mit ihr allein lassen, und Conner bemerkte sein Widerstreben.
»Sie hat ihre fünf Minuten verdient«, sagte er.
Daraufhin machte Rio Carpio ein Zeichen, vor ihm aus der Hütte zu gehen. Conner wartete, bis die Tür wieder ins Schloss fiel, dann drehte er sich ganz zu Isabeau herum und erlaubte es sich, wieder zu atmen. Ihr Aroma war so köstlich, durchdringend, überwältigend. Vibrierend wie das Summen der Insekten im Wald strömte die Lebenskraft durch seine Adern. Der Saft, der in den Bäumen kreiste, und das ständig in Bewegung befindliche Laubdach über ihm erfüllten ihn mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Verlangen und Unruhe. Der ständige, gleichmäßige Regen trommelte im Takt mit seinem Herzen. Er war zu Hause – im Dschungel -, und seine Gefährtin war mit ihm im selben Raum.
Isabeau bewegte sich weg von ihm, ein vorsichtiges Zurückweichen vor seiner Raubtiernatur, und Conner folgte ihr mit dem Blick – wie ein wildes Tier seiner Beute. Er wusste, dass seine Reglosigkeit sie nervös machte, blieb aber wie angewurzelt stehen, zwang sich, sich nicht auf sie zu stürzen, obwohl jede Zelle in seinem Körper danach schrie. Er ließ Isabeau nicht aus den Augen, war vollkommen auf sie konzentriert und berechnete jedes Mal, wenn sie ihre Position veränderte, automatisch die Distanz zwischen ihnen.
»Hast du eine Ahnung, wie gefährlich es ist, hier bei mir zu sein?« Conner bemühte sich, leise zu sprechen, doch die Drohung klang durch.
Isabeau musterte ihn voll Verachtung und Abscheu. »Hast du eine Ahnung, wie schmutzig ich mich fühle, wenn ich nur mit dir im selben Raum bin?«, konterte sie. »Wie soll ich dich diesmal nennen? Sagst du mir deinen richtigen Namen?«
Eigentlich durfte er ihn nicht preisgeben, aber verflucht, welchen Unterschied machte das schon? Isabeau gehörte ihm, und sie befand sich im Dschungel. Sie hatte ihn angefordert – nach ihm geschickt. »Conner Vega«, antwortete er, den Blick auf sie geheftet; wehe, sie wagte es, ihn der Lüge zu bezichtigen. Seine Stimme klang anders als sonst, aber wenigstens hatte er ihren Begleiter nicht getötet. Er hatte sich lange genug beherrscht, und es Rio möglich gemacht, den Mann aus der Gefahrenzone zu bringen. In seinen Augen flackerte schiere Mordlust. In ihren die pure Verachtung.
Isabeau zog eine Augenbraue hoch und schürzte die Lippen. Sie war heiß erregt und wütend. Conners Herz machte einen Satz, sein Glied schwoll dick an, und ein gieriges Verlangen überfiel ihn. Sein Verbrechen war unverzeihlich. Intellektuell konnte er das verstehen, doch das Tier in ihm weigerte sich, es zu akzeptieren. Isabeau gehörte ihm – nur das zählte für den Leoparden. Sie lebte in seiner Welt, und sie war seine Gefährtin. Außerdem sonderte ihr Körper im Augenblick so viele Pheromone ab, dass jedes männliche Wesen im Umkreis von hundert Meilen angelockt wurde. Mit einem leichten Schaudern holte Conner tief Luft, grimmig bemüht, nicht die Beherrschung zu verlieren.
»Stimmt das?«
»Ja. Warum hast du mich kommen lassen, Isabeau?«
Zischend stieß Isabeau den Atem zwischen den kleinen weißen Zähnen hervor. Ihre Leopardin war ein wenig anders – von einer selteneren Art. Wahrscheinlich gehörte sie zu den kleinen Verwandten, den Nebelpardern. Davon gab es nur noch sehr wenige. Sie war kurvenreich, aber stromlinienförmig, die Muskeln unter ihrer Haut arbeiteten geschmeidig, wie bei allen Artgenossen, und ihr dichtes, langes Haar ließ sich kaum bändigen. Allerdings fiel Conner auch auf, dass sie sich ihrer Kraft genauso wenig bewusst war wie der Tatsache, dass sie von ihm nichts zu befürchten hatte. Ihre Angst vor ihm war ärgerlich und hässlich – wie eine Sünde. Eine Frau sollte sich nicht vor ihrem Mann oder seiner Stärke fürchten müssen.
»Ich habe Borneo verlassen, weil ich es nicht riskieren wollte, zufällig wieder mit dir zusammenzutreffen. Die Pflanzen und Arten, die ich für meine Arbeit benötige, kann ich auch in diesem Regenwald finden. Allerdings brauchte ich einen Führer und der Embera-Stamm war so freundlich, mir einen zur Verfügung zu stellen.«
Und dieser Führer war sicherlich ein Mann. Unfähig, den von ihrem Duft erregten Leoparden zu bändigen, begann es in Conners Brust zu rumoren, sobald er sich Isabeau in der Nähe eines anderen Mannes vorstellte, deshalb wandte er sich von ihr ab. Dann schloss er die Augen und bemühte sich, das Bild, wie sich ihr Körper an einen anderen schmiegte, der nicht seiner war, nicht hochkommen zu lassen.
Als er anfing auf und ab zu gehen, um sich von dem zunehmend