Spiel der Finsternis - Christine Feehan - E-Book

Spiel der Finsternis E-Book

Christine Feehan

4,9
9,99 €

Beschreibung

Sie sind die Schattengänger, eine Gruppe herausragender Kämpfer, deren Fähigkeiten von dem Wissenschaftler Dr. Peter Whitney verstärkt wurden. Als ein gefährlicher Diktator die Macht an sich reißen will, sehen sich die in alle Winde zerstreuten Schattengänger mit ihrer bislang schwierigsten Aufgabe konfrontiert: Sie müssen ihn ausschalten und erwählen zwei aus ihrer Mitte, die gleichermaßen von Leidenschaft und Rachegelüsten getrieben sind. Zwei, die nichts mehr zu verlieren haben – außer ihrem Leben und ihrer Liebe zueinander …

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 724




CHRISTINE FEEHAN

SPIEL DER FINSTERNIS

Roman

Deutsche Erstausgabe

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

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Titel der amerikanischen Originalausgabe

SAMURAI GAME

Aus dem Amerikanischen von Ursula Gnade

Deutsche Erstausgabe 04/2013

Redaktion: Uta Dahnke

Copyright © 2012 by Christine Feehan

Copyright © 2013 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München.

Covergestaltung: Nele Schütz Design, München

Satz und eBook: Greiner & Reichel, Köln

ISBN 978-3-641-08667-1V003

www.heyne-magische-bestseller.de

Für Kylie und Brandi Magner

Danke, dass ihr zu FAN gekommen seid;

ich vermisse unsere wunderbaren Mittagessen!

DAS BEKENNTNIS DER SCHATTENGÄNGER

Wir sind die Schattengänger, wir leben in den Schatten.

Das Meer, die Erde und die Luft sind unsere Heimat.

Nie lassen wir einen gefallenen Kameraden zurück.

Wir sind einander in Ehre und Loyalität verbunden.

Für unsere Feinde sind wir unsichtbar, und wir vernichten sie, wo wir sie finden.

Wir glauben an Gerechtigkeit und beschützen unser Land und jene, die sich selbst nicht schützen können.

Ungesehen, ungehört und unbekannt bleiben wir Schattengänger.

Ehre liegt in den Schatten, und Schatten sind wir.

Wir bewegen uns absolut lautlos, im Dschungel ebenso wie in der Wüste.

Unhörbar und unsichtbar bewegen wir uns mitten unter unseren Feinden.

Wir kämpfen ohne den geringsten Laut, noch bevor sie unsere Existenz überhaupt erahnen.

Wir sammeln Informationen und warten mit unendlicher Geduld auf den passenden Augenblick, um Gerechtigkeit walten zu lassen.

Wir sind gnädig und gnadenlos zugleich.

Wir sind unnachgiebig und unerbittlich in unserem Tun.

Wir sind die Schattengänger, und die Nacht gehört uns.

DIE EINZELNEN BESTANDTEILE DES SCHATTENGÄNGERSYMBOLS

STEHT FÜR

Schatten

STEHT FÜR

Schutz vor den Mächten des Bösen

STEHT FÜR

Psi, den griechischen Buchstaben, der in der Parapsychologie für außersinnliche Wahrnehmungen oder andere übersinnliche Fähigkeiten benutzt wird

STEHT FÜR

Eigenschaften eines Ritters – Loyalität, Großzügigkeit, Mut und Ehre

STEHT FÜR

Ritter der Schatten schützen vor den Mächten des Bösen unter Einsatz von übersinnlichen Kräften, Mut und Ehre

Nox noctis est nostri

1.

Der Kongressabgeordnete John Waters strich mit einer Hand über den seidigen Oberschenkel seiner Begleiterin, bis er den Rand ihres Strumpfs erreichte, wo seine Finger nackte Haut berührten. Er beugte sich zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr, damit sie ihn über die dröhnende Musik hören konnte: »Möchtest du noch einen Drink, bevor wir gehen?«

Brenda Bennett schenkte ihm ein geübtes Lächeln und wandte ihr Gesicht zur Seite, damit sie mit ihren Zähnen an seinem Ohrläppchen knabbern konnte, ehe sie ihm zuflüsterte: »Lass uns Red Bull mit Wodka trinken. Ich will heute Nacht viel Zeit mit dir verbringen. Ich habe mir so viele herrliche Dinge ausgemalt, die ich mit dir tun möchte, und ich will nicht riskieren, dass ich einschlafe.« Sie unterbrach sich, ihr Atem warm an seinem Ohr. »Oder du.« Ihre Zunge neckte sein Ohrläppchen.

»Das klingt nach einem guten Plan«, sagte Waters mit einem anzüglichen Blick, den er für sexy hielt.

Mit dem Absatz ihres roten Stöckelschuhs, der vorn offen und sehr sexy war, berührte Brenda spielerisch sein Bein. »Ich werde jetzt mal der Damentoilette einen Besuch abstatten und dafür sorgen, dass ich so gut wie möglich für dich aussehe.«

»Du siehst immer blendend aus«, beteuerte der Kongressabgeordnete seiner Lieblingsbegleiterin. Er tätschelte ihren Oberschenkel und stand auf, um sich einen Weg durch die Menschenmenge zur Bar zu bahnen.

Brenda sah sich nach links um, und ihr Blick traf sich mit dem der Frau, die am Nebentisch saß. Sie nickte ihr kaum merklich zu. Beide standen auf und machten sich auf den Weg durch das Gedränge zur Damentoilette. Das Dungeon war der schärfste Club in der ganzen Stadt, in dem ausschließlich die Elite zu lediglich zwei Zwecken zusammenkam: um Geschäfte zu machen und um Fesselspiele zu spielen und Sex zu haben. Brenda sorgte stets dafür, dass ihre Kunden zufrieden fortgingen und oft mit sehr prallen Brieftaschen wiederkamen. Sie freute sich jedes Mal ganz besonders darüber, den Kongressabgeordneten zu sehen, weil sie von ihm immer den doppelten Lohn bekam.

Brenda lächelte die Frau an, die ihr hineinfolgte, aber besonnen schwieg, während beide die Toilettenkabinen überprüften, um sich zu vergewissern, dass sie allein waren, bevor sie miteinander sprachen.

»Ich habe deinen Anruf bekommen, Sheila. Es war nicht leicht, Waters so kurzfristig hierherzulocken. Seine Frau hat ihm fürchterlichen Stress gemacht. Du musst Whitney sagen, dass er mir eher Bescheid geben soll, wenn ihm etwas so wichtig ist.«

Sheila zuckte die Achseln. Sie wussten beide, dass es letzten Endes keine Rolle spielte, wie schwierig die Aufgabe war. Ihr Boss entlohnte sie großzügig für Gehorsam. »Whitney sagt, du sollst hundertprozentig sicherstellen, dass unser braver Kongressabgeordneter dabei bleibt und seine Stimme für dieses Forschungsprojekt abgibt, bei dem es um Whitneys neue Waffe geht.« Sheila Benet hielt Brenda den dicken Umschlag hin, ließ ihn aber nicht los, als Brenda ihre Finger eifrig um ihn schloss. »Enttäusche ihn nicht, Brenda«, sagte sie warnend. »Er akzeptiert keine Fehlschläge.«

»Habe ich ihn jemals enttäuscht?«, fragte Brenda, und ihre dunklen Augen funkelten vor Wut. »Ich habe ihn noch nie im Stich gelassen. Erinnere ihn daran, dass ich bisher immer eine Möglichkeit gefunden habe, absolut jeden, den er mir je genannt hat, zu verführen oder ihn zu erpressen, damit er tat, was Whitney wollte. Ich erkenne Schwächen auf den ersten Blick, und obwohl Whitney es hasst, mit Frauen zusammenzuarbeiten, weil wir so verflucht minderwertig sind, wird er nicht allzu viele Männer finden, die tun können, was ich tue. Sag ihm das, Sheila.«

Sheila zog ihre Augenbrauen hoch und ließ den Umschlag immer noch nicht los. »Willst du wirklich, dass ich ihm all das ausrichte?«

Brenda kniff die Lippen zusammen, doch Vorsicht ließ sie einen Teil ihres Zorns unterdrücken. »Ich arbeite hart für ihn. Das eine Mal, als ich ihm gesagt habe, er darf Senator Markus nicht so viel Druck machen, hat er darauf bestanden, und selbst damals habe ich, obwohl ich wusste, was passieren würde, den Schwachpunkt des Senators gefunden. Statt sich erpressen zu lassen, hat er sich lieber umgebracht, wie ich es vorausgesagt habe. Whitney muss mich als eine seiner Quellen etwas ernster nehmen, mehr sage ich ja gar nicht.«

Sheila bedachte sie kurz mit einem kalten Lächeln, als sie ihre Finger von dem Umschlag zurückzog und ihn Brenda überließ. »Das ist wahrscheinlich genau der Grund, weshalb er bei deiner Bezahlung einiges draufgelegt hat, Brenda. Vielleicht solltest du bedenken, dass er ein brillanter Mann ist, der diejenigen belohnt, die ihm nützlich sind. Ihm blieb nichts anderes übrig, als dich anzurufen, sowie es so aussah, als könnte Waters bei der Abstimmung zaudern. Sorg dafür, dass der brave Kongressabgeordnete nicht mal auf den Gedanken kommt, ihn im Stich zu lassen.«

Brenda stopfte den dicken Umschlag in ihre Handtasche und sah Sheila mit einem süffisanten Lächeln an. »Keine Sorge. Ich habe jede einzelne Zusammenkunft mit dem ehrenwerten, rechtschaffenen John Waters aufgezeichnet, und ich glaube, er wird nicht wollen, dass die Dinge, die er getan hat, jemals ans Licht kommen. Seine verklemmte Frau und seine selbstgerechte Familie von frommen Kirchgängern, die sich so lautstark über alles Sündige auslassen, sollen bestimmt nichts davon erfahren. Er wird alles tun, wofür ihn Dr. Whitney braucht.«

»Du machst hier ein ziemlich gutes Geschäft, Brenda«, sagte Sheila. »Du wirst von Whitney und von dem Freier bezahlt.« Ihre Augen wurden so kalt wie ein Gletscher. »Bau keinen Mist.« Sie wandte sich abrupt ab, begab sich in die nächste Toilettenkabine und verriegelte sie lautstark, um klarzustellen, dass sie nichts mehr zu sagen hatte. Sie hatte sie gewarnt, und wenn Brenda trotzdem beschloss, wieder zu keifen, dann war das eine Angelegenheit zwischen ihr und Whitney. Aber Leute, die sich seinen Ärger zuzogen, verschwanden im Allgemeinen erstaunlich schnell.

Brenda summte vor sich hin. Auf ihrem Gesicht stand ein schwaches Lächeln. Sie rückte ihre Seidenbluse so zurecht, dass sie gerade weit genug offen stand, um die verlockenden Rundungen zu zeigen. Ihre Brüste wurden durch das Mieder, das sie unter der Seide trug, nach oben geschoben, und der Stoff fiel hübsch über ihre Brustwarzen. Sie senkte den Blick, um ihren leuchtend roten Lippenstift in ihrer Handtasche zu finden. Aus dem Hahn über dem Waschbecken floss plötzlich Wasser. Ihr Blick richtete sich auf den kräftigen Wasserstrahl. Dann zuckte sie die Achseln und blickte auf, weil es sie nicht interessierte, was den Sensor ausgelöst haben könnte. Zu ihrer Verblüffung sah sie im Spiegel direkt hinter sich das Gesicht einer Frau, die dicht hinter ihr stand. Kein Laut war zu hören. Sie hatte gerade noch die Zeit, das platinblonde Haar und die asiatischen Gesichtszüge wahrzunehmen. Ein harter Schlag auf den Hinterkopf ließ sie mit dem Gesicht auf die Kante des Waschbeckens knallen. Sie fühlte überhaupt nichts, als sich Schwärze über sie herabsenkte.

Brendas Körper glitt vom Beckenrand auf den gekachelten Fußboden. Die Finger der Frau steckten in Handschuhen, als sie um Brendas Füße herum eine Handvoll Wasser auf den Boden spritzte, sich hinkauerte, um den Absatz eines der Stöckelschuhe abzubrechen, und den Umschlag aus Brendas Handtasche riss – all das ein einziger lautloser Bewegungsablauf. Kaum hatte sie sich wieder aufgerichtet, entfernte sie eine winzige Kamera, die direkt über dem Spiegel angebracht war, und schien dann im Handumdrehen zu verschwinden.

»Brenda?«, rief Sheila zaghaft.

Das Wasser floss weiterhin in das Waschbecken. Sheila zog die Stirn in Falten und lugte unter der Tür der Toilettenkabine hindurch. Brenda lag auf dem Boden. »Brenda?«, sagte sie noch einmal, und ihre Stimme überschlug sich. Sie bekam keine Antwort. Nur das Geräusch des fließenden Wassers war zu hören.

Sheila starrte weiterhin unter der Tür hindurch, vor Schreck erstarrt. Sie konnte keine anderen Füße sehen, nur Brendas, doch einer ihrer Schuhe lag mit abgebrochenem Absatz neben ihr. Ein schmales rotes Rinnsal rann durch die Fugen zwischen den Fliesen zu einer Pfütze, die immer größer wurde. Sheila keuchte und sprang auf. Hinter ihr spülte die Toilette automatisch, und sie hätte beinah laut aufgeschrien. Ganz langsam stieß sie mit den Fingerspitzen die Tür auf und spähte hinaus. Brenda lag auf dem Boden, und von dem Sturz, als sie auf dem Wasser ausgerutscht war, war ihr Schädel vorn zerschmettert. Ihre Kleidung sah jetzt nicht mehr sexy und verführerisch aus, sondern zeigte sie als das, was sie war – eine hochbezahlte Prostituierte, ihr Körper auf den Bodenfliesen obszön zur Schau gestellt.

Sheila fluchte tonlos, riss schnell Toilettenpapier ab und öffnete Brendas Handtasche, um den Umschlag mit dem Bargeld wieder an sich zu bringen. Er war verschwunden. Ihr Herz machte einen Satz. Whitney würde ihr niemals glauben. Das Geld musste irgendwo an dem Körper versteckt sein, und sie musste es finden, denn sonst würde er glauben, sie hätte es gestohlen. Das sähe ihm ähnlich. Sie kauerte sich neben Brenda und musterte sie aus der Nähe. Es schien keine Stelle zu geben, an der sie den Umschlag hätte verbergen können.

Stimmen direkt vor der Tür ließen sie aufspringen und zur Tür der Toilettenkabine zurückweichen. Sie stieß einen Schrei aus und schlug eine Hand vor den Mund, und ihr Blick glitt panisch über die Leiche, als die Tür des Vorraums aufging, drei Frauen abrupt stehen blieben und in ihren Schrei einfielen. Augenblicklich brach ein heilloses Chaos aus.

Harry Barnes, Senator Lupans persönlicher Assistent, blickte finster, als er seinen BMW auf der kurvigen Gebirgsstraße bis an seine Grenzen trieb. Warum zum Teufel hatte Sheila Benet einen derart lächerlichen Ort als Treffpunkt gewählt? Es gab jede Menge sicherer Orte in der Innenstadt, inmitten der Zivilisation. Er reagierte allergisch auf Gras. Auf Insekten. Auf dumme Kühe. Er stand unmittelbar davor, endlich bei der Frau zum Zug zu kommen, der er schon seit vollen drei Monaten nachstellte, und er dachte gar nicht daran, sich diese Chance entgehen zu lassen, nur weil Sheila plötzlich paranoid geworden war. Sie hätten sich vor der Nase des Senators treffen können, und der alte Mann hätte nichts davon mitbekommen.

Er drückte einen Knopf, und Musik durchflutete den Wagen. Er biss die Zähne zusammen, als er einen Blick auf sein GPS warf. Noch drei Meilen. Dieses dumme Weibsstück. Vielleicht könnte er anrufen, und die Frau, mit der er verabredet war, würde verstehen, dass er sich eine Stunde verspätete. Sheila hatte gesagt, er solle bloß keine Anrufe machen, jemand sei ihnen auf den Fersen, sie würden einen Anruf von seinem Handy orten. Verdammt noch mal. Er schlug mit der flachen Hand auf das Steuer, aus blanker Frustration. Niemand hatte es auf sie abgesehen. Weshalb auch? Wie könnte ihnen jemand auf die Schliche gekommen sein? Und niemand würde es wagen, sein Handy abzuhören.

»Diese verdammte Sheila«, fauchte er und befahl seinem Telefon, die sexy Miss Catherine anzurufen. Sie sah sehr gut aus in ihrem sittsamen kleinen Bleistiftrock und den roten Seidenblusen, wenn sie hinter einem Schreibtisch saß und ihr langes Haar zu einem straffen kleinen Knoten hochgesteckt hatte. In seinem Kopf hatte sich die Vorstellung festgesetzt, sie wie ein Weihnachtsgeschenk auszupacken, und solange er nicht dafür sorgte, dass es passierte, konnte er nicht weiterziehen. Die nächsten zwei Minuten redete er auf sie ein und beschwatzte sie, auf ihn zu warten, er würde dafür sorgen, dass es sich für sie lohnte. Nachdem er das Gespräch selbstgefällig beendet hatte, warf er das Telefon auf den Beifahrersitz. Es war genial gewesen, den Senator als Vorwand zu benutzen. Welche Frau würde es nicht beeindrucken, wie unverzichtbar er für den Senator war? Er war nicht abkömmlich, bevor der Senator bereit war, für heute Schluss zu machen und nach Hause zu gehen.

Mit einem hämischen Grinsten pochte er mit den Fingern auf das Lenkrad und war zufrieden mit sich. »So macht man das«, sagte er laut zu sich selbst und feixte sein Spiegelbild im Rückspiegel an. Für einen Moment hatte er doch tatsächlich vergessen, wie gut er darin war, das Spiel zu spielen. Da er jetzt mit Sicherheit wusste, dass er heute Abend seinen Spaß haben und ihm nichts entgehen würde, besserte sich seine Laune schlagartig. Zumal Whitney ihm eine ansehnliche Summe dafür zahlen würde, dass er den alten Senator bei der Stange hielt. Derzeit war das überhaupt nicht schwierig. Es erforderte nur ein bisschen Katzbuckeln, und der Mann war Wachs in seinen Händen.

Sheila Benets Wagen war am Straßenrand genau an dem Meilenstein geparkt, den sie ihm genannt hatte, und ließ ihm genug Platz, um rechts ranzufahren. Er stieg aus und streckte sich. Es war ein wunderschöner Abend mit einem Sternenhimmel, und der Halbmond schien hell auf sie hinunter.

»Hallo, Sheila, wie läuft’s?«, begrüßte er sie, als er zu ihrem Wagen schlenderte. »Eine schöne Nacht für dieses geheimnisvolle Drama.«

Sheila streckte ihren Kopf aus dem Fenster. Der Motor ihres Wagens lief noch. »Niemand ist dir gefolgt?«

»Ich glaube nicht, dass heute Abend auch nur eine Kuh auf dieser Straße ist. Ich habe in den letzten fünfzehn Minuten keine Scheinwerfer gesehen.« Er widerstand dem Drang, die Augen zu verdrehen, als er seine Hand nach dem dicken Umschlag ausstreckte. »Senator Lupan wird genau das tun, was ich von ihm will. Sag Whitney, in dem Punkt hat er keinen Grund zur Sorge. Der alte Mann kann ohne seinen Sauerstoff kaum atmen. Ich sorge dafür, dass er von allen isoliert und zufrieden ist. Er hat keine Angehörigen; es gibt nur mich, und niemandem ist klar, wie schlimm dieser letzte Schlaganfall wirklich war. Er ist jetzt ganz und gar auf mich angewiesen.«

»Er kann nicht zurücktreten, bevor das erledigt ist, Harry«, schärfte Sheila ihm ein, während sie dem Assistenten des Senators den Umschlag in die ausgestreckte Hand drückte.

»Keine Sorge. Er wird durchhalten, und sei es auch nur, um etwas zu tun zu haben. Er ist krank, aber sein Verstand ist aktiv, und er braucht die Interaktion und die Bewunderung, die ihm sein Posten verschafft. Ich schmeichle seinem Ego und bin ihm in einigen anderen Dingen gefällig, und er folgt mir aufs Wort.« Harry ließ sein charmantestes Lächeln aufblitzen. »Es steht alles bestens, Sheila. Er wird seine Stimme so abgeben, wie wir es von ihm wollen. Ich garantiere es dir.«

»Würdest du dein Leben darauf wetten?«, fragte Sheila und verzog abfällig die Lippen.

Harrys Lächeln verflog, als er sich angewidert von ihr abwandte. Sheila Benet war ein hartherziges Miststück. Er hatte Dr. Whitney noch kein einziges Mal im Stich gelassen. Es spielte keine Rolle, wie widerwärtig die Aufgabe war – er erledigte sie. Bloß weil sie einen direkten Draht zu dem verrückten Doktor hatte, brauchte sich Sheila nicht derart herablassend zu gebärden. Nach all den Jahren, die er für Whitney gearbeitet und über Sheila das Schmiergeld bezogen hatte, sollte man doch meinen, sie hätte versuchen können, nicht ganz so unfreundlich zu sein.

»Harry.« Sheila folgte ihm zu seinem Wagen. »In dieser Branche zahlt sich übertriebenes Selbstbewusstsein nicht aus. Jeder ist käuflich. Dich haben wir uns gekauft, oder etwa nicht?«

Harry sah sie finster an und warf den dicken Umschlag mit den Scheinen angewidert in sein Handschuhfach. Er machte sich nicht die Mühe, das Geld zu zählen. Es stimmte immer. Er ließ seinen Wagen an und knallte die Tür zu, zeigte Sheila den Stinkefinger, fuhr schleunigst los und ließ sie dort stehen.

»Diese blöde, verklemmte Tusse, die hat doch bestimmt schon seit zehn Jahren keinen Kerl mehr im Bett gehabt«, fauchte er, und als er einen Blick in den Rückspiegel warf, sah er, dass sie gerade in ihren Wagen gestiegen war.

Als er wieder auf die Straße schaute, saß eine Frau neben ihm – zierlich, asiatische Gesichtszüge, das Haar unter einer eng anliegenden Kappe. Mit beiden Händen, die in Handschuhen steckten, griff sie ihm ins Steuer, riss es scharf herum und sandte den BMW über die Böschung und den Felshang hinunter in die tiefe Schlucht. Äste schlugen gegen die Scheibe und zertrümmerten das Glas, und auf dem Weg nach unten prallte der Wagen gegen einen Baumstamm und begann sich zu überschlagen. Harry schrie und fluchte unablässig mit seiner heiseren Stimme, hatte jedoch keine Ahnung, was er von sich gab. Als es ihm gelang, sich wieder umzusehen, war er allein im Wagen – die Frau ein reines Hirngespinst.

Als Sheila sah, wie Harrys Wagen direkt auf den Steilhang zusteuerte und hinunterfuhr, fuhr sie rechts ran. Mit klopfendem Herzen machte sie eine Vollbremsung. »O mein Gott. O mein Gott«, murmelte sie.

Ihr Mund wurde trocken. Mit zitternden Händen fuhr sie an den Straßenrand auf der anderen Seite, wo der Wagen in die Tiefe gestürzt war, und stieg aus. Es war ein weiter Weg in die Schlucht. Whitney war gar nicht froh darüber gewesen, Brenda zu verlieren, einen entscheidenden Bestandteil seines Drahts nach Washington, und wenn Harry tot war, würde er wirklich sehr ungehalten reagieren. Keinem anderen war es jemals gelungen, mit Lupan fertig zu werden. Der Senator hielt seinen Assistenten für die einzige Konstante in seinem Leben, den einzigen Menschen, der sich etwas aus ihm machte. Ohne Harry würde er verloren sein. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er etwas anderes täte, als im Bett zu bleiben, wenn Harry tatsächlich starb.

Ihr blieb wirklich nichts anderes übrig, als den Versuch zu unternehmen, in die Schlucht hinunterzuklettern und nachzusehen, ob er noch am Leben war. Sie verfluchte sowohl Whitney als auch Harry tonlos, während sie ihre Stöckelschuhe gegen Sportschuhe austauschte, ihre Warnblinkanlage anstellte und sich vorsichtig dem Rand der Klippe näherte. An einigen Stellen fiel das Gelände sehr steil ab, aber mit etwas Mühe konnte sie es schaffen, nach unten zu gelangen. Mehrfach rutschte sie aus und verfluchte immer wieder die beiden Männer, wenn sie sich fast hinsetzen musste, um bestimmte Stellen zu bewältigen.

Um das Wrack des Wagens herum lag überall Glas verstreut. Zum Glück hörte sie ein Stöhnen. Harry war am Leben. Sie stieß einen Seufzer der Erleichterung aus, als sie sich mit Händen und Füßen zu dem Wagen vortastete, der auf dem Dach lag. Harry hing mit dem Kopf nach unten da, und Blut tropfte von seiner Schädeldecke. Seine Augenlider öffneten sich flatternd, und er starrte sie mit einem flehentlichen Blick an. Ohne ihn zu berühren, dachte sie über ihren nächsten Schritt nach. Harry lag im Sterben. Blut sprudelte aus einer Schnittwunde an seinem Bein, und sein Schädel schien auf einer Seite eingedrückt zu sein.

»Tut mir leid, Harry«, sagte sie und stellte erstaunt fest, dass sie es ernst meinte.

Sie stolperte um den Wagen herum und riss einen Streifen Stoff von ihrem Rock ab, ehe sie das, was von der Beifahrertür noch übrig war, weiter aufzog, damit sie sich hineinbeugen konnte, ohne mit ihrem Körper etwas zu berühren. Es wäre nicht gut, wenn sie am Schauplatz eines weiteren Unfalls gefunden würde. Sie ignorierte Harrys Stöhnen und öffnete das Handschuhfach. Dort war kein Umschlag. Das Geld war fort.

Wut wogte in ihr auf, gefolgt von einem Adrenalinschub, der blankem Grauen entsprang. Sie musste dieses Geld finden. Wenn sie ein zweites Mal zu Whitney zurückkehrte und ihm berichtete, ein Unfall hätte eine weitere Person, die seinen direkten Draht nach Washington sicherstellte, getötet und die erste Rate des Schmiergeldes sei auch diesmal verschollen, war sie tot. Er würde sie umbringen. Sie kannte ihn. Whitney duldete keine Fehler.

Sie fluchte laut. »Wo ist es, Harry? Das Geld. Du verblutest. Sag mir, wo das Geld ist, wenn du meine Hilfe willst.«

Harrys Blick wandte sich dem leeren Handschuhfach zu. Er wirkte schockiert. Für Sheila bestand kein Zweifel daran, dass er glaubte, dort würde das Geld sein. Sie wand sich aus dem Wagen, als er röchelte, und sah angewidert in die andere Richtung, als Blut aus seinem Mund rann. Sie konnte den Anblick von Blut nicht leiden. Sie hatte in Whitneys Auftrag schon viele Morde angeordnet, aber sie machte sich nie selbst die Hände schmutzig. Sie konnte Harrys Atem hören, mittlerweile ein Todesrasseln, und Galle stieg in ihr auf.

Das Geld war weg. Sie hatte keine Ahnung, wo es sein könnte, aber es war fort. Sie konnte dieses Autowrack nicht durchsuchen; wie vor ein paar Wochen in der Damentoilette war auch diesmal das Geld spurlos verschwunden. Kein Polizeibeamter hatte zu Protokoll gegeben, er hätte einen Umschlag mit Geld gefunden, als Brendas Leiche zum Coroner gebracht worden war. Sheila wich von dem zerknautschten Wagen und dem Geruch des Todes zurück. Sie wollte nichts lieber als fortlaufen, doch ihr Herz schlug so heftig, dass sie wie erstarrt dastand.

Wind ließ das Laub an den Bäumen rascheln und brachte die Sträucher in Bewegung. Die Zweige schwankten und knarrten. Ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken. Sie sah sich um und hatte plötzlich Angst. Die Nacht hatte Augen, und sie durfte hier nicht gesehen werden. Sie versuchte zu rennen, und ein Schluchzen entrang sich ihr. Sie glitt aus und krallte sich mit den Händen an dem Steilhang fest, um raufzuklettern. So viel Angst hatte sie noch nie in ihrem Leben gehabt – und zum ersten Mal war es nicht Whitney, vor dem sie sich fürchtete.

Major Art Patterson pfiff leise vor sich hin, als er die Stufen vor dem Pentagon hinuntersprang. Der Himmel hatte sich taubengrau gefärbt, und es war noch nicht wirklich dunkel, aber auch nicht mehr hell. Er liebte die Tageszeit, zu der Sonne und Mond zusammentrafen. Er blickte nach oben. Ein paar vereinzelte Wölkchen zogen träge vorüber, aber sie waren so dünn, dass man die Sterne, die bereits aufgegangen waren, mühelos erkennen konnte. Er blickte grinsend zu dem Mond und den Sternen auf, während er zu seinem Wagen eilte.

Das Leben war schön. Er genoss es, für seinen Boss zu arbeiten. General Ranier war ein Viersternegeneral, knallhart, aber gerecht. Patterson stand voll hinter dem Programm, für das der General verantwortlich war. Die Schattengänger waren Männer und Frauen, die in jeder erdenklichen Form von Kriegsführung ausgebildet waren, auf jedem Gelände, im Wasser, in der Luft, bei allen Wetterverhältnissen. Sie waren die Elite der Elite. Er dachte an sie als »sein« Team. Er hätte einen großartigen Anführer abgegeben, und seine Arbeit für Ranier gestattete ihm, eine sehr große Rolle zu spielen. Er wusste, dass er eine große Bereicherung für das Schattengängerprogramm war.

Er fuhr einen protzigen kleinen silbernen Jaguar und flitzte durch die Straßen zu seinem Treffen mit Sheila Benet. Sie schien so unterkühlt zu sein, doch wenn sie beide zusammenkamen, sprühte sie Feuer. Ihr gefielen die Uniform und die Macht, die er ausübte, und ihm gefiel es, all dieses kalte Eis zu schmelzen. Fast liebevoll streichelte er die schwarzen Ledersitze. Oh ja, er ließ es sich gutgehen. Bloß weil er keine übersinnlichen Fähigkeiten besaß, hieß das noch lange nicht, dass er kein echter Schattengänger war. Whitney hatte nicht nur seine Begabungen erkannt, sondern auch, wie enorm nützlich er für das Programm war.

Ranier hatte sich gegen Whitney gestellt, als dessen Experimente an verwaisten kleinen Mädchen ans Licht kamen, weil er der Überzeugung war, dieser sei zu weit gegangen. Doch damit lag der General falsch. Patterson hatte versucht, ihn von der Wahrheit zu überzeugen – diese Mädchen waren entbehrlich. In keinem der Länder, in denen Whitney sie gefunden hatte, wollte sie jemand haben. Er hatte sie nicht widerrechtlich an sich gebracht, und sie wären ohnehin als Prostituierte auf der Straße geendet. Wenigstens dienten sie so einem höheren Zweck. Whitney gab den Mädchen saubere Betten und Nahrung. Die meisten waren jetzt erwachsen. Patterson hatte einmal einen Blick auf die Einrichtung werfen können, in der sie früher untergebracht waren, und die Bedingungen waren sehr angenehm.

Die Frauen hatten alle eine gute Ausbildung genossen und waren mehrsprachig aufgewachsen, sie waren alle als Soldaten ausgebildet und zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft gemacht worden. Der General liebte sein Schattengängerprogramm und kämpfte mit jedem Atemzug dafür, doch er warf Whitney vor, den Ruf des Programms beschmutzt zu haben. Niemand wollte, dass die Experimente ans Licht kamen, aber sie waren notwendig gewesen, und Patterson glaubte hundertprozentig an das, was Whitney tat.

Der Major stellte seinen Wagen in dem zweistöckigen Parkhaus des Einkaufszentrums ab. Er suchte selten Einkaufszentren auf, aber Sheila hatte darauf bestanden, dass sie sich draußen trafen, an einem sehr öffentlichen Ort. Sie schien viel nervöser zu sein als sonst, was ihr überhaupt nicht ähnlich sah. Er pfiff auf dem Weg zum Aufzug, der ihn in die untere Etage bringen würde, wo er in dem kleinen französischen Café mit ihr verabredet war. Wenigstens war dort der Kaffee gut.

Sie saß bereits an einem kleinen Tisch in einer Ecke, an dem sie relativ ungestört sein würden. Sie hatte sich auf ihre übliche Art gekleidet und trug einen dieser schmalen Röcke, um ihre Hüften und ihre langen Beine zu betonen, die in Strümpfen und Stöckelschuhen so elegant aussahen. Sheila Benet hatte nichts Billiges an sich. Sie hatte Stil. Er saß ihr in jeder öffentlichen Umgebung gern gegenüber. Sie war eine Frau, nach der sich Köpfe umdrehten, mit ihrem hochgesteckten Haar und der adretten kurzen Kostümjacke, die sich an die Rundungen ihrer üppigen Brüste und an ihre schmale Taille schmiegte. Mit ihrem roten Lippenstift und ihrer kurvenreichen Figur erinnerte sie ihn an die Pin-ups aus den vierziger Jahren.

Er beugte sich hinunter, um ihr zur Begrüßung einen Kuss auf die Schläfe zu hauchen. Wenn er sie berührte, achtete er immer sorgsam darauf, nicht so weit zu gehen, dass sie Einwände dagegen erheben konnte. Er wollte, dass sie immer ein kleines bisschen mehr von ihm wollte. Sie war der Typ Frau, dem man nie wirkliche Macht zugestehen durfte, denn sonst würde man sie verlieren. Er war kein Mann auf Dauer, aber die Affäre machte Spaß und sicherte ihm Whitneys Wohlwollen. Oft fragte er sich müßig, ob Whitney mit ihr schlief, doch in dem Punkt war sie sehr verschwiegen.

»Im Allgemeinen ziehst du es vor, mich an dunklen Orten zu treffen«, begrüßte er sie. »Was ist los, Sheila? Du hast gesagt, es sei dringend und du wolltest mich an einem sehr öffentlichen Ort sehen. Gibt es ein Problem?«

»Ich weiß es nicht«, erwiderte sie mit gesenkter Stimme. Hinter ihrer Sonnenbrille bewegten sich ihre Augen unruhig hin und her; sie sah sich prüfend in dem vollen Café um. »Vielleicht. In der letzten Zeit ist es zu rätselhaften Unfällen gekommen, und ich will kein Risiko eingehen, dass auch dir etwas zustoßen könnte.«

Er hatte noch nie erlebt, dass Sheila erschüttert war. Anscheinend meinte sie es ernst. »Ich kann auf mich selbst aufpassen, Süße, aber trotzdem danke für die Vorwarnung. Ich werde mich in Acht nehmen.«

Sie blickte auf, als die Kellnerin auf den Major zukam. Er bestellte Kaffee. Sheila wartete, bis er bedient worden war, und beugte sich erst dann wieder zu ihm vor. »Es geht um eine große Geschichte, Art, eine ganz große Geschichte. Demnächst wird der Befehl ausgegeben, wieder ein Team in den Kongo zu schicken. Der Präsident ist um Hilfe gebeten worden, dem derzeitigen Regime das Rebellenproblem vom Hals zu schaffen.«

Patterson straffte mit finsterer Miene die Schultern. »Woher könnte Whitney das wissen? Niemand sollte etwas davon wissen. Noch nicht einmal er.«

»Er hat überall Ohren, Art. In vielen Kreisen gilt er als sehr vertrauenswürdig. Bis wir beweisen, dass seine Soldaten die Lösung sind, nach der wir alle gesucht haben, wird es Skeptiker und neidische Feinde geben, die nur auf eine Gelegenheit warten, ihn zu Fall zu bringen. Das weißt du selbst. Du brauchst dir doch bloß deinen Boss anzusehen. Ihm ist ein Schattengängerteam unterstellt, und doch verabscheut er den Mann, der die Schattengänger erschaffen hat.«

Art zuckte die Achseln. Er machte sich deswegen keine Sorgen. Solange Ranier Whitney und seine laufenden Experimente an den Frauen und den Soldaten nicht befürwortete, hieß das für ihn, dass er unterm Strich weiterhin beträchtliche Zusatzeinnahmen haben würde. Der Major wollte, dass Whitney auf ihn angewiesen war. In manchen Kreisen hatte Whitney immer noch großen politischen Einfluss und konnte ihm entsprechen helfen, seine Karriere voranzubringen. Die Frauen waren schon immer entbehrlich gewesen und würden es auch in Zukunft sein. Sie hatten keine Familien; in dem Punkt hatte sich Whitney abgesichert. Was also war dagegen einzuwenden, solange sie etwas zu essen bekamen und etwas zum Anziehen hatten? Verdammt noch mal, niemand wusste auch nur von ihrer Existenz – oder interessierte sich dafür. Die Opfer, die sie brachten, hatten den Wissenschaftlern eindeutig zu Einsichten verholfen und ihnen im medizinischen und militärischen Bereich große Fortschritte erlaubt. Ihr Leben diente einem Zweck, wohingegen sie, wäre Whitney nicht gewesen, nutzlos für die Gesellschaft wären, kleine Blutegel, die Männer aussaugten.

Art trank bedächtig einen Schluck von seinem Kaffee, genoss den Geschmack und wartete darauf, dass Sheila ihr Angebot machte. Es würde ein gutes Angebot sein, was auch immer es war, das merkte er ihr an. Sie war übermäßig nervös und unsicher, wie sie ihm unterbreiten sollte, was Whitney von ihm benötigte, und das hieß: viel mehr Geld als sonst. Er blieb stumm und ließ sie sich winden, während sich das Schweigen in die Länge zog.

Sheila räusperte sich. »Nur in einer einzigen Mine auf der ganzen Welt gibt es einen ganz bestimmten Diamantentyp, und selbst dort wird nur in großen zeitlichen Abständen einer dieser Diamanten gefunden. Whitney braucht diesen Diamanten für eine neue Waffe, an der er zur Verteidigung unserer Truppen arbeitet. Es ist eine ganz erstaunliche Waffe, aber sie ist noch nicht fertig. Ohne den Diamanten kann er das Projekt nicht abschließen.« Sie beugte sich näher zu ihm vor und sah ihn mit ihren blauen Augen fest und sehr ernst an. »Er hat versucht, den Diamanten zu kaufen, er hat Millionen dafür geboten, aber Ezekial Ekabela hat den Diamanten. Er hat diese Region des Kongos vor einer Weile unter seine Kontrolle gebracht, nachdem sein Bruder getötet wurde.«

Art spreizte die Hände, presste die Fingerspitzen aneinander und sah Sheila über seine Finger hinweg an. »Sein Bruder war General Eudes Ekabela, der Mann, der sowohl Jack als auch Ken Norton hat foltern lassen. Er wurde von einem Mitglied des ersten Schattengängerteams getötet. Und ich glaube, General Armine hat das Kommando übernommen, nicht Ezekial.«

»Das ist richtig«, sagte Sheila, aber sie wand sich, und Patterson war klar, dass sie gehofft hatte, er hätte es so genau nicht gewusst. »General Armine hat die Rebellenarmee übernommen, bevor Ezekial den Oberbefehl an sich reißen konnte, aber Ezekial Ekabela hat immer noch eine kleine Gruppe von loyalen Anhängern und kann diese Mine immer noch halten. Er versucht, seine Position auszubauen. Er will die Armee für sich haben, und er will die Gebiete, die sie verloren haben, wieder zurückerobern. Er hat den Diamanten an sich gebracht, den Dr. Whitney benötigt.«

»Ich verstehe nicht, wozu du mich brauchst.«

»Der Präsident des Kongos hat unseren Präsidenten um Hilfe gebeten.« Sie hob eine Hand. »Frag mich jetzt nicht, woher ich das weiß. Der Befehl wird lauten einzuschreiten, die Munition und die Fahrzeuge zu zerstören und sowohl Armine als auch Ekabela hinterrücks zu ermorden.«

Patterson schüttelte den Kopf. Es erstaunte ihn immer wieder, dass es Whitney gelang, so viele Informationen abzufangen.

»Whitney hat Ekabela mit Waffen und Geld versorgt, nicht viel, aber genug, um ihn nach mehr gieren zu lassen und ihn in die Lage zu versetzen, die Mine sowohl gegen Armine als auch gegen den kongolesischen Präsidenten zu verteidigen. Wenn das Land mit den Minen wieder an den Präsidenten fällt, werden wir diese Waffe niemals fertigstellen.« Sie beugte sich zu Patterson vor. »Und jetzt kommt etwas Wichtiges, Art, etwas ganz Wichtiges. Ekabela ist bereit, den Diamanten dafür herzugeben, dass er der unangefochtene Oberbefehlshaber der Rebellenarmee wird. Aber er will außerdem noch einen Schattengänger. Er will Rache. Am liebsten wäre ihm einer der Norton-Brüder aus Schattengängerteam zwei – ich habe den Verdacht, in erster Linie deshalb, weil er denjenigen nicht identifizieren konnte, der seinen Bruder getötet hat, und weil Jack Norton unter seinen Soldaten großen Schaden angerichtet hat, aber Dr. Whitney hat ihn davon überzeugt, dass das unmöglich ist.«

»Das verstehe ich nicht«, sagte Patterson mit einem kleinen Stirnrunzeln. »Wieso sollte es für Whitney einen Unterschied machen, welchen Schattengänger er opfert, wenn er Ekabela einen von ihnen überlässt?«

»Die Nortons sind nicht mehr entbehrlich. Insbesondere Jack. Er hat Kinder. Zwillinge, beides Jungen. Sein Bruder wird seinem Beispiel bestimmt bald folgen. Sie müssen mit ihren Kindern Überlebensstrategien trainieren, und Whitney ist absolut sicher, dass sie das tun werden. Die Nortons sind erstklassige Elitesoldaten und haben immer wieder ihren Wert für das Programm unter Beweis gestellt.«

»Zweifellos«, stimmte Patterson ihr zu, wobei er versuchte, einen sehr aufrichtigen Eindruck zu machen.

»Wir brauchen einen Helden in dem Programm, und Dr. Whitney hat Sam Johnson, ›den Springer‹, ausgewählt. Es ist ein entsetzliches Opfer, das er natürlich nicht bringen will, es betrübt ihn zutiefst, aber damit das Programm vorankommt, müssen Opfer gebracht werden. Unter sämtlichen Schattengängern ist Sam derjenige, der noch am ehesten entbehrlich ist. Er kann uns zu keinem Kind verhelfen, und die Kinder sind wichtiger als die Soldaten.«

»Ich verstehe es immer noch nicht.«

»Johnson ist mit einer Frau als Paar angelegt, die für das Programm nicht von Nutzen ist. Solange Whitney ihn nicht in die Finger kriegt, wird er keine andere Partnerin akzeptieren, und daher wird er nie eines der Kinder zeugen, die wir so dringend brauchen.« Sie zuckte die Achseln. »Jedenfalls war es einfach, Ekabela davon zu überzeugen, dass Sam Johnson der Mann ist, der seinen Bruder umgebracht hat.«

Patterson streckte seine Beine aus und sah sich unauffällig in dem Café um. Wie üblich war dieses beliebte Café gesteckt voll. Sein hungriger Blick nahm automatisch die Frauen in seiner Umgebung zur Kenntnis. Eine abgehetzte Mutter, die so aussah, als bräuchte sie einen Mann, um das Gefühl zu haben, schön zu sein; eine Maus von Asiatin, die ihren Tee nippte und eifrig ein Buch über Zen las, während sie mit einem Kopfhörer im Ohr Musik hörte und im Takt mit ihrem Fuß wippte; zwei Freundinnen mittleren Alters, die sich angeregt miteinander unterhielten, ihren Spaß hatten und lachten … So viele verschiedene Typen. Das liebte er an Frauen – dass es so viele gab, unter denen man wählen konnte, und hier in diesem Raum war ein guter Querschnitt versammelt. Er wandte sich Sheila wieder zu und lächelte sie an. Das Gespräch entwickelte sich sehr gut.

Interessierte er sich tatsächlich dafür, dass Sam Johnson mit einer nutzlosen Frau als Paar angelegt war? Nicht wirklich, aber wichtig war natürlich der Umstand, dass der namhafte und unfehlbare Dr. Whitney einen Fehler gemacht hatte, denn sonst wäre das nicht passiert. Und diese Information, die Gold wert war, hatte ihm Sheila unabsichtlich gegeben.

»Dann sagst du also, Johnson wird in den Kongo geschickt und kehrt nicht zurück. Das Team eliminiert die derzeitigen Anführer der Rebellen, und Whitneys Männer sorgen dafür, dass Ekabela als Gegenleistung für den Diamanten einen Schattengänger bekommt, den er endlos foltern kann.«

»Nicht direkt«, sagte Sheila ausweichend. »Ekabelas Männer werden da sein, um sich den Schattengänger zu schnappen, aber wir werden einen Scharfschützen dazu abstellen, dass er Johnson tötet, sobald der Diamant in unseren Händen ist und der Rest des Teams das Land verlassen und sich in Sicherheit gebracht hat. Er wird nicht leiden.«

Art war sehr geschickt darin, Gefühle vorzuspiegeln, die er nicht hatte. Er stieß den Atem aus, schüttelte den Kopf und trank wieder einen Schluck Kaffee. »Das ist Blödsinn, Sheila, und du weißt es. Das brächte das gesamte Team in Gefahr. Woher sollen wir wissen, dass Ekabela nicht Jagd auf mehr als einen Schattengänger macht und den Diamanten sowieso behält?«

»Weil er das Geld braucht. Er braucht es für seine Kriegskasse, und er braucht einen Verbündeten wie Whitney.« Sie sah sich um, senkte ihre Stimme noch mehr und bedeutete ihm näher zu kommen. »Hast du von dem Massenausbruch gehört, zu dem es kürzlich im Gefängnis von Lubumbashi kam? Neunhundertsiebenundsechzig Gefangene sind entkommen. Acht bewaffnete Männer haben die Gefängniswärter angegriffen und den Gefangenen zur Flucht verholfen, als sie einen ihrer Kämpfer befreit haben, der zum Tode verurteilt worden war. Dem Minister war nicht bekannt, dass sie drei Mitglieder der Familie Ekabela in ihrer Gewalt hatten: einen anderen Bruder, einen Sohn und einen Neffen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand deren wahre Identität preisgegeben hätte. Whitney hat es als Teil des Geschäfts auf Treu und Glauben arrangiert, Ekabela bei ihrer Rettung zu helfen. Ekabela braucht Whitney, obwohl er auf verlorenem Posten kämpft. Er wird niemals genug Anhänger finden, um diese Minen über längere Zeit zu halten.«

»Er und seine Leute massakrieren ganze Ortschaften, selbst die Kinder. Er zwingt sie, sich ihm anzuschließen – andernfalls tötet er sie. Dieser Mann ist kein Heiliger. Er hat einen Ruf, vor dem der ganzen Region graut. Das ist kein Mann, mit dem sich Whitney einlassen sollte.«

»Natürlich nicht«, sagte Sheila beschwichtigend. »Natürlich will Whitney nichts mit einem solchen Mann zu tun haben, aber er braucht diesen Diamanten für die Verteidigung unseres Landes, und er kann nicht riskieren, dass das dortige Militär den Mumm aufbringt, diese an Mineralien reichen Gebiete zurückzuerobern. Außerdem lässt sich vorher nicht sagen, ob derjenige, der die Minen als Nächster besitzt, Geschäfte mit ihm machen wird – ein weiteres Risiko, das Dr. Whitney nicht eingehen kann. Du weißt selbst, dass er Ekabela vernichten wird, sowie er den Diamanten in Händen hält. Er wird Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um dafür zu sorgen, dass der Mann stirbt – und mit ihm all seine abscheulichen Gräueltaten ein Ende haben. Der Preis für diese durchschlagende Waffe, die Kriege beenden könnte, und für die Verteidigung von allem, was uns lieb und teuer ist, ist ein Mann. Einer, Art. Du und ich, wir wissen beide, dass dieser Preis gering ist.«

Der Major zog die Stirn in Falten und kratzte sich am Hinterkopf. »Diese Soldaten sind Elitekämpfer, jeder einzelne von ihnen. Sie haben ein umfassendes Training absolviert. Sogar ohne ihre übersinnlichen Fähigkeiten ist allein schon ihre Ausbildung von großem Wert für unsere Regierung. Machst du dir überhaupt eine Vorstellung davon, wie viele Einsätze diese Männer schon hinter sich haben, nur dieses eine Team für sich genommen? Es behagt mir einfach nicht, einen von ihnen dem Feind zu überlassen.«

»Natürlich will es niemand so haben, Art«, sagte Sheila und beugte sich vor, um seine Hand mit ihren Fingerspitzen zu berühren. »Es war eine qualvolle Entscheidung für Dr. Whitney. Die Mission muss durchgeführt werden. Wenn wir diese Schachfigur nicht opfern, werden viele gute Männer sterben.« Sie zog ein kleines Päckchen aus ihrer Handtasche und schob es ihm mit einem Finger über den Tisch zu. »Dr. Whitney braucht bei diesem Vorhaben wirklich deine Hilfe. Sorge dafür, dass Johnson zum Team gehört, wenn die Befehle ausgegeben werden.«

Das, was jetzt kam, liebte der Major. Verhandlungen – seine Stärke. Er runzelte die Stirn. Strich sich mit einer Hand über das Gesicht und schüttelte den Kopf. »Ekabela wird diesen Schattengänger auf dieselbe Weise foltern, wie er es schon mit Jack und Ken Norton getan hat. Ken ist mit Narben überzogen«, sagte Patterson. »Sam Johnson hat seinem Land immer wieder gute Dienste erwiesen und ist dabei weit über seine Pflicht hinausgegangen.«

Sheila zog ein weiteres Päckchen aus ihrer Tasche und legte es behutsam auf das andere.

Patterson musterte ihr Gesicht. Sollte er ihr Druck machen? Sheila biss sich auf die Unterlippe, als er stumm blieb. Gelächter sprudelte in ihm auf. Er hatte sie da, wo er sie haben wollte. Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und schüttelte den Kopf. »Nicht diesmal. Ich habe gelesen, was Ekabela mit Menschen anstellt, die er nicht leiden kann. Wenn ihr ihm gesagt habt, Johnson hätte seinen Bruder getötet, wird er ihn so übel zurichten, dass der Mann um den Tod flehen wird, und ich bezweifle, dass Ekabela ihn wird sterben lassen – oder wenn, dann erst nach sehr langer Zeit.«

Sie zog ein drittes Päckchen hervor und legte es neben die beiden anderen. Ihre Lippen waren fest zusammengekniffen. Patterson nahm das Geld rasch an sich. »Ich kann euch nur raten, einen Scharfschützen bereitstehen zu haben, Sheila«, warnte er sie, obwohl er ganz genau wusste, dass Whitney das Geschäft nicht dadurch gefährden würde, dass er Ekabelas Beute töten ließ. »Ich werde sehen, was ich tun kann, aber Whitney hat alles vermasselt, als er mich dazu gebracht hat, mit dem General zu reden. Seitdem habe ich keine Vertrauensposition mehr. Er lässt sich nicht in die Karten schauen. Er und sein persönlicher Assistent kennen sich schon ewig.«

»Sorge trotzdem dafür, dass die Befehle abgeändert werden, bevor der General sie erhält.«

Patterson stand auf und ließ die Päckchen mit dem Geld in die Innentasche seiner Jacke gleiten, die für genau solche lukrativen Transaktionen maßgeschneidert war. Zufriedenheit wogte in ihm auf. Er wandte sich von dem Tisch ab, um zu gehen.

Sheila stöpselte hastig ihren Ohrhörer ein. »Er hat sich in Bewegung gesetzt. Behaltet ihn gut im Auge. Wenn ihm etwas zustößt, stecken wir alle in Schwierigkeiten.« Sie hatte diesmal ein Team bereitstehen – Whitneys eigene Männer, seine private Einheit von Schattengängern, die auf seiner Lohnliste standen, Männer, die nicht ganz so perfekt waren wie die Elitesoldaten in den Teams, aber dennoch genetisch weiterentwickelt. Die Auswirkungen dieser Weiterentwicklung schienen einen Tribut von ihnen zu fordern, denn sie waren aggressiv und jederzeit zum Kampf bereit.

Mehrere Personen in dem Café waren aufgestanden, um zu zahlen. Sie verstellten Patterson den Weg, und er kam nur langsam voran. Ein großer, schlanker Mann in einem Anzug nahm seine Aktentasche, stand auf und stieß fast mit dem Major zusammen. Er entschuldigte sich und trat einen Schritt zurück, damit der Major seinen Weg fortsetzen konnte. Eine kleine Asiatin wandte sich mit einem Hüsteln von der Registrierkasse ab und hob eine Faust an ihren Mund, um das leise Geräusch höflich zu dämpfen.

Der Major warf einen Blick zurück und grinste Sheila an. »Bis später.« Er drehte sich wieder um, wankte und hob beide Hände zu seiner Kehle. Er gab einen Laut von sich, der nach einem Todesrasseln klang. Dann machte er taumelnd drei weitere Schritte.

Der große Mann ging mit seiner Rechnung in der Hand auf dem Weg zur Kasse an ihm vorbei. Zwei Mitglieder von Sheilas Team hielten auf gegenüberliegenden Seiten des Raums Schritt mit Patterson. Der Major drehte sich noch einmal zu Sheila um. Sie konnte sehen, dass sich sein Gesicht nahezu purpurn verfärbt hatte und seine Lippen blau waren.

»Bewegt euch. Schnell.« Sie schrie fast.

Patterson ging auf die Knie, streckte die Arme nach der Asiatin aus und brachte auch sie beinah zu Fall. Sie wirkte verängstigt und wich zurück, in Sheilas Richtung, stieß mit ihr zusammen und prallte von ihr ab. Sheila versuchte, zu dem Major zu gelangen, doch etliche Kunden, die zu dem gestürzten Mann eilten, der zu ersticken schien, verstellten ihr den Weg. In dem Gedränge wurde Sheila angerempelt und umhergestoßen. Sie kam nicht voran. Sheilas Team erreichte Patterson vor ihr. Die beiden Männer standen neben ihm, als er flach auf den Bauch fiel und keuchend nach Luft schnappte.

»Wählen Sie den Notruf«, befahl ihr einer der Männer.

Sie drehten den Major um. Seine Augen waren weit offen, blicklos, traten hervor. Auch sein Mund war offen, erinnerte sie an einen Fisch, der ein letztes Mal Atem holt. Der Major lag eindeutig im Sterben, wenn er nicht schon tot war. Whitney konnte ihr unmöglich die Schuld daran geben. Sie drängte sich durch die kleine Menschenschar zu Patterson vor, kniete nieder und beugte sich über ihn, während ihre Männer sich um ihn kümmerten. Ihre Finger fanden die Innentasche. Sie hätte beinah laut geschrien. Das Geld war fort. Verschwunden. Vor ihren Augen. In Anwesenheit des Teams. Das war unmöglich.

Sie sah sich die Menge sorgfältig an. Sie hatte dieses Café schon zahlreiche Male genauer unter die Lupe genommen, und die meisten Schaulustigen waren dieselben Leute, die auch sonst nach der Arbeit auf einen Kaffee und einen Plausch mit Kollegen herkamen, um sich zu entspannen, bevor sie den Heimweg antraten. Sie erkannte die kleine Asiatin, die ihr Buch gelesen hatte. Sie und die drei asiatischen Männer, die an einem Tisch saßen und miteinander plauderten, arbeiteten, ebenso wie der große Gentleman mit der Aktentasche, für Samurai Telecommunications auf der anderen Straßenseite. Die beiden Frauen, die miteinander lachten, waren Sekretärinnen in der Anwaltskanzlei Tweed and Tweed.

Sie kannte die Namen von so gut wie allen im Raum und wusste, wo sie arbeiteten. Sie hatte Hintergrundinformationen über jeden zusammengetragen, einschließlich der Angestellten des Cafés. Was würde sie Whitney erzählen? Gott sei Dank war sie schlau genug gewesen, in dem dritten Geldpaket einen Peilsender unterzubringen. Sie kannte Patterson, und sie kannte seine Habgier. Es klang immer so, als sei er sehr besorgt um die Soldaten, doch letzten Endes hatte sein Interesse an seinem Bankkonto immer gesiegt. Sie konnte in ihm lesen wie in einem offenen Buch, und sie hatte genau gewusst, wann er seinen Widerstand aufgeben würde.

Sie blickte auf den Major hinunter. Zwei Angehörige des Teams bemühten sich weiterhin um ihn und versuchten, ihn ins Leben zurückzuholen, aber es war viel zu schnell um ihn geschehen gewesen. Angewidert stand sie auf, wischte sich die Hände ab und ging mit großer Würde an ihren Tisch zurück. Der kleine Funkpeilempfänger steckte dort in ihrer Handtasche. Sie griff hinein und schaltete ihn ein. Das grüne Licht blinkte rasch und sagte ihr, dass sie dem Peilsender sehr, sehr nahe war.

Argwöhnisch sah sie sich um. Zwei Angestellte des Cafés und eine der beiden Sekretärinnen standen in ihrer Nähe. Ein Asiate stand auf ihrer anderen Seite. Jeder von diesen vieren konnte den Peilsender am Körper haben. Sie bewegte ihre Hand ein klein wenig. Der Empfänger drehte vollständig durch, leuchtete hell und wies sie darauf hin, dass sie ihn direkt über die Wanze hielt. Niemand war ihr so nah. Stirnrunzelnd richtete sie ihren Blick auf den Fußboden. Nichts.

Ihr Herz machte einen Satz und begann dann heftig zu pochen. Sie steckte ihre Hand in ihre Jackentasche. Der Empfänger befand sich in ihrer Tasche. Sie sank auf einen Stuhl und wusste nicht, wohin mit sich. Ihr graute davor, was Whitney tun würde, nachdem sie schon wieder versagt hatte.

2.

Endlich ging es los. Azami Yoshiie, genannt »Thorn«, gestattete sich ein kleines Lächeln, als sie aus dem einmotorigen Flugzeug stieg, mit dem sie auf dem winzigen Flugplatz von Superior gelandet war. Sie war über den Lolo National Forest geflogen und hatte sich Zeit gelassen, um das Gelände, von dem sie wusste, dass dort die privaten Wohnhäuser der Teams eins und zwei standen, genau zu sondieren.

Jack und Ken Norton, zwei Mitglieder von Team zwei, besaßen knapp tausend Hektar Land, das vom Lolo National Forest umgeben war. Sie hatten es an die beiden Schattengängerteams verpachtet und dort eine nahezu uneinnehmbare Festung errichtet. Sogar aus der Luft war es fast unmöglich, die Häuser zu sehen. Die Soldaten hatten große Sorgfalt darauf verwandt, ihre Umgebung einzubeziehen und Berge und Bäume dafür zu nutzen, ihre Existenz vor der Außenwelt zu verbergen.

Azami wurde von den beiden Männern begleitet, denen sie mehr als allen anderen traute. Sie flankierten sie, wenn auch mit einem Abstand von dreißig Zentimetern, damit alle drei reichlich Platz zum Kämpfen hatten, falls es sich als notwendig erweisen sollte. Daiki und Eiji Yoshiie waren beide breitschultrige Männer, doch Daiki war einen Kopf größer als Eiji und gut dreißig Zentimeter größer als Thorn. Beide waren beeindruckende Krieger, denen kaum ein Detail entging. Für diesen Job brauchte sie die Besten. Männer, die ruhig, geistesgegenwärtig und furchtlos waren und die schnell reagierten. Sie begaben sich in die Höhle des Löwen und, was noch schlimmer war, steckten ihm ihre Köpfe ins Maul. Die beiden waren aber auch ihre Adoptivbrüder, und sie vertraute ihnen wie sonst niemandem.

»Ehe wir auch nur einen Schritt weitergehen«, sagte sie leise, »muss ich euch noch einmal fragen, ob ihr beide euch dieser Mission voll und ganz verschrieben habt. Das wird der gefährlichste Einsatz sein, den wir bisher in Angriff genommen haben. Nichts anderes lässt sich damit vergleichen. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind auf diesem Gelände hat nicht nur übersinnliche Anlagen, die gesteigert worden sind, sondern ist zudem körperlich weiterentwickelt. Wir wissen nicht, welche Gaben sie besitzen, und wir werden ständig unter Beobachtung stehen und ungeheuer scharfen prüfenden Blicken ausgesetzt sein.«

Daiki, ihr Adoptivbruder, sah sie finster an. »Warum hast du noch Zweifel, Azami?«

»Für dich ist die Gefahr am größten, Daiki, aufgrund der Rolle, die du immer spielen musst. Unsere Firma ist weit über unsere Erwartungen hinaus gewachsen, und es ist mehr als genug Geld für euch beide da, um jetzt auszusteigen, bevor es zu spät ist. Als Direktor der Firma bist du ohnehin eine Zielscheibe, aber wenn ihr euch mit mir in die Höhle des Löwen begebt, dann stehen die Chancen für euch beide, dich und Eiji, schlechter gegen erfahrene Soldaten, die genetisch weiterentwickelt worden sind. Ihr habt die geheimen Unterlagen über sie gelesen. Ihr wisst, womit wir es zu tun haben. Diese Männer zählen zu den gefährlichsten Männern, die es heute auf dem Angesicht der Erde gibt. Sogar Splittergruppen ihrer eigenen Regierung fürchten sie. Gegen dich werden sie zum ersten Schlag ausholen, mein Bruder.«

»Wir haben gelobt, dir zu helfen, Azami«, hob Eiji hervor.

»Und ich habe euch schon vor langer Zeit von diesem Gelübde entbunden«, rief sie ihm ins Gedächtnis zurück. »Ich bin, genauso wie diese Männer, genetisch weiterentwickelt worden. Ich besitze, genau wie sie, übersinnliche Gaben. Dies ist nicht dasselbe wie die anderen Jobs, die wir übernommen haben.«

Daiki zuckte die Achseln. »Diese Menschen könnten unschuldig sein, und wir wollen keine Fehler machen. Wir müssen wissen, wer unsere Feinde sind.« Er sah seiner Schwester in die Augen. »Wir haben unserem Vater diesen Eid geschworen, nicht dir. Du kannst uns nicht davon entbinden. Du hast uns nie dazu aufgefordert, dir bei dieser Aufgabe zu helfen.«

»Wir wollen nicht von unserem Gelübde entbunden werden«, fügte Eiji hinzu. »Es ist wichtig, dass du das weißt. Ich bin bereit zu sterben. Der Tod bedeutet mir nichts. Wenn das Schicksal es so will, dann soll es so kommen. Ich jedenfalls werde mich dafür einsetzen, diesem Übel Einhalt zu gebieten. Wie Daiki und unser Vater habe auch ich gesehen, was dieser Mann einem unschuldigen Kind angetan hat.«

»Wir sind darauf eingeschworen worden, das Böse auszumerzen«, fuhr Daiki fort. »Das Vermächtnis unseres Vaters lebt in uns allen weiter. Er hat uns aufgenommen und uns ein Leben ermöglicht, während wir unser Leben ohne ihn als Sklaven des Sexgewerbes verbracht hätten. Er hat uns seinen Namen und sein Erbe gegeben. Er hat uns den Weg des Samurai gelehrt. Unsere Geschäfte florieren, weil wir in seine Fußstapfen getreten sind. Wir können nicht von diesem Weg abweichen, sobald es gefährlich wird. Wir haben uns auf diesen Tag vorbereitet.«

Thorn atmete tief ein; Stolz auf ihre Brüder schlich sich in ihr Herz. Sie holte noch einmal tief Atem und sog die frische Luft des Hochgebirges ein. Sie sah die Freiheit und die Schönheit der Natur und stellte, wie immer, fest, dass sie sich vollständig frei fühlte, wenn sie die Großstädte hinter sich ließ und weit draußen war. Sie hatte gelernt, in sich zu ruhen und ihre Mitte zu finden, zu wissen, was sie zu tun hatte, und zuversichtlich und selbstbewusst zu sein, aber Whitney war für sie der reinste Dämon, und es war ihr nie gelungen, sich so vollständig von ihm zu befreien, wie sie es hätte tun sollen. Es war notwendig, dem Bösen in ihm entgegenzutreten. Aber nachts, wenn sie allein war, verursachten ihr der Gedanke an ihn und diese entsetzlichen Erinnerungen an ihre Jahre bei ihm trotzdem noch Albträume.

»Azami?«, erkundigte sich Daiki leise.

Sie konnte echte Sorge aus seiner Stimme heraushören und war wie immer, wenn einer ihrer Brüder ihr unerwartete Zuneigung zeigte, gerührt. Sie schenkte ihm ein rasches Lächeln, um ihn zu beruhigen, und achtete darauf, dass ihre Züge heiter und gelassen blieben. Sie konnte erkennen, dass Eiji und Daiki beide besorgt um sie waren. Sie waren seit dem Tag an ihrer Seite gewesen, als sie gemeinsam mit ihrem Vater gesehen hatten, wie sie in einer der schlimmsten Gegenden von Kinshicho im Osten von Tokio aus einem Leihwagen gestoßen wurde. Whitney hatte sie sich an einem Ort vom Hals geschafft, der für Zuhälter, Sexhandel und Pädophile bekannt war, gerade so, wie auch die Eltern ihrer Brüder diese ausgesetzt hatten. Sie war acht Jahre alt gewesen, und ihr Körper war bereits von Narben überzogen. Sie hatte einundzwanzig Kilo gewogen, und die Anzeichen, die auf Folter, Missbrauch und vielfache Operationen hinwiesen, waren aussagekräftig – Anzeichen dafür, dass ein Irrer systematisch Experimente mit ihr angestellt hatte.

Mamoru Yoshiie hatte sie behutsam hochgehoben und ihr lange in die Augen gesehen, bevor er genickt hatte, als sähe er etwas in ihr, was es wert war, gerettet zu werden. Vor diesem schlichten Nicken hatte ihr nie zuvor jemand das Gefühl gegeben, sie sei etwas wert. Er hatte sie zu sich nach Hause mitgenommen, wo sie mit ihm und seinen Adoptivsöhnen zusammenleben sollte. Von jenem Tag an hatte Yoshiie sie großgezogen, als sei sie seine geliebte Tochter, nicht irgendwelcher Abschaum, den er im Schmutz der Straße aufgelesen hatte.

»Es ist wunderschön hier. Ich weiß nicht, warum ich das nicht erwartet habe.« Das war ihre Art, sie zu beruhigen – indem sie die Schönheit ihrer Umgebung hervorhob, wie es ihr Vater oft getan hatte, wenn ihre Albträume Nacht für Nacht den gesamten Haushalt aufgeweckt hatten. Dann hatte er sie nach draußen getragen, wo sie Luft bekam, sich zu ihr gesetzt und sie auf die fernen Berge und den Himmel über ihren Köpfen hingewiesen. Die Jungen hatten sich dicht an sie gedrängt und ebenso beruhigend ihre Schultern berührt.

Sie liefen geradewegs in das mögliche Kernstück eines feindlichen Lagers hinein. Es wäre nicht das erste Mal, und hoffentlich würde es nicht das letzte Mal sein. Über das Gelände war wenig in Erfahrung zu bringen, und sogar ein Satellit, den sie zum Ausspähen über den Lolo National Forest gesandt hatten, hatte nicht mit ergiebigen Daten aufwarten können. Sie hatte keine Ahnung, ob diese spezielle Gruppe von Schattengängern eng mit Whitney zusammenarbeitete oder nicht – aber seine Tochter und sein Enkel hielten sich irgendwo hier oben in diesen Bergen auf. Lily Whitney-Miller war mit einem Schattengänger verheiratet. Sie hatte bei einigen der Experimente mit ihrem Vater zusammengearbeitet. Wenn jemand Whitneys Aufenthaltsort kannte, dann würde es seine Tochter sein.

»Diese Leute sind Profis, deren Fähigkeiten meinen ähneln«, sagte sie zum wiederholten Mal mit ruhiger Stimme. »Geht keine Risiken ein. Macht euch keine Sorgen um mich, wenn etwas schiefgeht, sondern verschwindet schleunigst.«

Daiki sah sie finster an. »Du wiederholst dich, Azami«, sagte er vorwurfsvoll. »Bist du sicher, dass du zu diesem Schritt bereit bist?«

»Ich habe mein ganzes Leben lang auf diesen Moment gewartet. Whitney ist ein Monster, und ihm muss Einhalt geboten werden«, erwiderte sie. »Es ist meine Bestimmung, eine Möglichkeit zu finden, ihn von denen abzuschneiden, die er manipuliert, damit sie ihn unterstützen, und dann erst werde ich in der Lage sein, ihm das Handwerk zu legen.«

»Wir hatten Jahre Zeit, um unsere Rollen einzustudieren«, hob Eiji hervor. »Wir haben der ganzen Welt dieses Theater vorgespielt, und wir werden keinen Fehler machen. Glaube an die Fertigkeiten, die unser Vater uns beigebracht hat, Schwesterchen.«

Daiki beugte sich dicht zu ihr. »In den Augen der Welt sind wir brillante Geschäftsleute, aber unser Vater hat uns gelehrt, wie wir zu leben und zu sein haben, und wir sind außerordentlich gute Krieger. Wir werden weder dich noch uns selbst enttäuschen.«

»Aufgepasst!«, warnte Eiji.

»Mr. Yoshiie?«

Thorn verschlug es den Atem, und sie drehte sich langsam zu dieser tiefen, maskulinen Stimme um. Gleichmut, rief sie sich ins Gedächtnis zurück, als ein kräftig gebauter, muskulöser Mann mit kaffeebrauner Haut und einem lockeren, geschmeidigen Gang auf sie zukam. Seine dunklen Augen zeigten große Intelligenz, und sein lockiges schwarzes Haar stellte für eine Frau eine Einladung dar, ihre Finger durch diese Locken gleiten zu lassen.

Thorn ließ sich selten von etwas erschüttern, und schon gar nicht von dem Erscheinungsbild eines Mannes – schließlich hatte sie jahrelang mit sehr fitten Männern trainiert –, doch aus irgendeinem Grund erschütterte sie dieser Mann, was keinem anderen jemals gelang. Sein Gang strahlte die Zuversicht eines Schattengängers aus, hochqualifiziert und ein außergewöhnlich guter Krieger, der seinen eigenen Wert kannte. Sam »Knight« Johnson, der »Springer«.

Sie hatte seine Akte bis in die kleinsten Einzelheiten studiert. Er war bekannt für sein Geschick im Nahkampf, und er war ein Mitglied des Teams gewesen, das in den Kongo gegangen war, um Ken Norton zu retten. Nichts in den Unterlagen wies darauf hin, welche übersinnlichen Fähigkeiten er besaß oder was Whitney getan hatte, um ihn weiterzuentwickeln, doch sein Gang und diese fließenden Bewegungen ließen sie an eine große Raubkatze denken. Ihr fiel auf, dass er beim Gehen keinen Laut verursachte, und als er stehen blieb, stand er vollkommen still da.

Sam Johnson hatte mehrere Diplome in Molekularbiologie, Biochemie und Astrophysik, aber auch in Nuklearphysik. Er war als Waisenkind bei zahlreichen Pflegefamilien untergebracht worden, bevor General Theodore Ranier und seine Frau Delia die außerordentliche Intelligenz des Jungen erkannt hatten, der ihren Wagen gestohlen hatte. Der General hatte das Gericht überredet, ihm die Verantwortung für Sam zu überlassen, und dann hatten er und seine Frau den Jungen bei sich aufgenommen. Der General hatte dafür gesorgt, dass Sam eine gute Ausbildung erhielt. Erst nachdem er General Raniers Forderung nach einem abgeschlossenen Universitätsstudium erfüllt hatte, hatte Sam die Entscheidung getroffen, in die Fußstapfen des Generals zu treten und sich dem Militär anzuschließen.

Seine Karriere konnte man nur als außergewöhnlich bezeichnen. Er war hochdekoriert, hatte erfolgreich eine Vielzahl von verdeckten Operationen geleitet und sich bei den Rangers einen guten Ruf erworben, ehe er sich dem Schattengängerprogramm angeschlossen hatte. Dort war er neben einem zusätzlichen hochspezialisierten Training auch genetischen Weiterentwicklungen unterzogen worden und hatte erneut Glanzleistungen vollbracht und sich durch Ehrenhaftigkeit und Mut ausgezeichnet. Er hatte mehrere Missionen im Jemen angeführt, bei denen es darum ging, prominente Al-Qaida-Mitglieder als Angriffsziele auszumachen, sie zu suchen, zu finden und auszuschalten, wieder ohne Anerkennung und ohne großes Trara. Er war brillant, ein erstaunlich guter Soldat, und er hatte einen beträchtlichen Beitrag zur Sicherheit seines Landes geleistet, und doch war das der Mann, den Whitney bereitwillig opfern wollte.

»Willkommen in Superior«, sagte Sam mit einer kleinen Verbeugung. »Herzlichen Dank, dass Sie gekommen sind.«