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Manche Katzen fallen vom Himmel. Besonders, wenn man eine davon plötzlich als sterbendes kleines Fellknäuel mitten auf einem Feldweg findet und sie mit nach Hause nimmt, um sie aufzupäppeln. Willys Tagebuch beschreibt auf humorvolle Weise den Weg zurück ins Leben und die Erlebnisse eines Katzenkindes auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Eine wahre Geschichte mit überraschendem Ausgang!
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Seitenzahl: 88
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Dieses Buch ist allen Katzen gewidmet,
die das Jahr nicht überlebt haben
und denen, die Willy auf seinem zukünftigen
Lebensweg begleiten oder begleitet haben:
Molly
Salsa
Lola,
Caruso,
Herr Schiefkopf,
Frau Basedow,
Herr Rötli,
Frau Güllegrube,
Luigi Cannelloni,
Herzibobbele
und Franzi.
Mein Dank geht
an den Bauernhof am Ort,
und an den Willy-Fanclub im Internet.
Ohne Euch wäre dieses Tagebuch
nicht entstanden!
Erster Tag: Dunkelheit
Aufbruch in ein neues Leben
Die drei von der Napfstelle
Personalentscheidungen
Es werde Licht!
Halb verdaut ist gut gekackt
Spaß mit dem Personal
Neue Freunde
Mit der linken Pfote aufstehen
Morgenstund hat Miez im Bett
Wochenende
Pack die Badehose ein
Spiele ohne Grenzen
Der Napf ist nicht genug
Ausschlafen?
Geschenke, Geschenke!
Kriminaltango
Farbenstreiche
Morgengymnastik
Tombola
Politische Bildung
Fütterung der Raubtiere
Die Dame von Welt und ihre Geschäfte
Diät?
Ausflug mit Hindernissen
Feinschmecker
Die Liebe ist ein seltsames Spiel
Schon wieder Geschenke!
Bauernhofkatzen
Fiese Zeitgenossen
Küchenmathematik
Alles „anders“
„Wir haben uns alle geirrt, es ist ein Mädchen!“
Hinter dem Horizont
Quellenangaben
Ich weiß nicht, wie ich hierhergekommen bin. Ich weiß nur, dass ich einen Tritt bekommen habe, auf einmal auf diesem einsamen Feldweg saß und niemand da war. Meine Mama nicht und meine Geschwister auch nicht. Ich kann nichts sehen, ich kann nur hören. Und plötzlich höre ich Schritte, die auf mich zu gehen. Ich habe Angst.
Vielleicht sollte ich doch mal in die Richtung gehen, woher die Schritte kommen? Na ja, schlimmer als jetzt kann es kaum noch werden, und trotzdem dass ich so elend schwach, durstig, hungrig und müde bin will ich wissen, was mich da erwartet.
Ich höre eine Stimme die sagt
„Hey, das Kleine sieht ja aus wie der Killerwal aus dem Spielfilm! Genauso mutig ist es, es kommt direkt auf mich zu. Ich denke Willy passt als Name ganz gut zu dir“.
Kurze Zeit später höre ich dieselbe Stimme sagen: „Kein Wunder dass es auf mich zu kommt, die Augen sind total verklebt und es sieht überhaupt nichts. Sag mal, wo kommst du denn her? Wo sind deine Mama und deine Geschwister?“ Na, du Schnellmerker, jetzt hast du anscheinend erkannt, dass ich blind bin.
Ich spüre den Geruch einer anderen fremden Katze neben mir und die Stimme sagt: „Du, Herr Schiefkopf, ist das eins von Deinen Kindern?“ Aber so schnell wie er gekommen ist, verschwindet dieser Geruch auch schon wieder.
Plötzlich berühren mich zwei warme Hände und heben mich hoch.
„Wir sollten das Kleine mal zur Bäuerin bringen, die hat für den Notfall Augensalbe von der Tierärztin im Regal und total verdreckt ist es auch, sieh dir mal das Fell an.“
Irgendwie habe ich das Gefühl, die Hände, die mich umschließen, wollen mir nichts Böses. Also halte ich mal still und warte ab, was da noch so kommt.
Ich werde ein Stück weitergetragen. Hier riecht es nach ganz vielen anderen Tieren, die ich nicht kenne. Zwischendrin macht eins von diesen Tieren Geräusche, das hört sich wie „MUH“ an.
Kurze Zeit später sagt eine andere freundliche Stimme „Wo habt ihr denn das her, das kenne ich gar nicht.“ Und dann merke ich, dass ich oberhalb meiner Nase links und rechts etwas Glitschiges aufgetragen bekomme und die Stimme, die mich trägt sagt:
„Jetzt bekommst du erst mal deine Augen von der Bäuerin behandelt, so kann man das nicht lassen und anschließend tragen wir dich wieder an den Platz zurück, an dem wir dich gefunden haben. Vielleicht wartet deine Mama schon auf dich, ich hab da eine Katze laufen sehen, die so ähnlich aussieht wie du.“
Ich werde wieder ein paar Schritte getragen, auf den Boden gesetzt und höre nur, wie zwei Menschen diskutieren, was sie jetzt mit mir machen sollen.
„Sollen wir es mitnehmen oder nicht? Wir lassen es vorläufig hier, es kann ja sein, dass die Mama es wieder holt. Morgen sehen wir nach, ob das Kleine noch da ist.“
Ich spüre noch wie unter mich ein Schälchen geschoben wird und man drückt leicht meinen Mund hinein.
„Komm, frische Kuhmilch für dich. So schwach wie du bist musst du bestimmt hungrig sein, das ist ganz was Feines und schmeckt richtig gut!“
Ich mag gar nichts weil ich müde bin und mich kaum bewegen kann, auch wenn ich zum Abschied noch einmal sanft gestreichelt werde.
Ich weiß nicht wo ich bin, ich weiß nicht, was war und was sein wird. Die Stimmen entfernen sich langsam und ich bin wieder allein. Keine Geschwister und keine Mama, die ich rufen könnte.
Ich bin schwach, kann mich kaum auf den Beinen halten und ich habe wieder Angst. Das Einzige was ich höre, sind laute Geräusche von vielen eisernen Tieren, die ganz schnell in der Ferne vorbeilaufen. Die Menschen sagen Autos dazu. Es wird langsam kühl um mich herum, es ist dunkel und ich schlafe ein …
Werde ich jetzt sterben?
„Sieh mal, es liegt noch an derselben Stelle in der prallen Mittagssonne! Ob es noch lebt? Es bewegt sich nicht mehr.“
Die beiden Stimmen, die ich gestern schon gehört habe beginnen zu diskutieren, was sie mit mir machen sollen.
Mit letzter Kraft hebe ich meinen Kopf, als sie sagen „Sieh mal es lebt noch! Komm, wir nehmen es jetzt mit zur Tierärztin, sonst überlebt es den Tag nicht.“
Ich werde behutsam von dem harten Boden, auf dem ich geschlafen habe, aufgehoben und sanft gestreichelt.
„So, jetzt suchen wir mal was, mit dem wir dich transportieren können, weil wir keinen richtigen Katzenkorb dabei haben. Eine Pappschachtel tut es für den Moment auch, bis wir zu Hause sind.“
Ich werde in die Schachtel gesetzt und über mir wird der Deckel geschlossen, das fühle ich.
Nach ein paar Schritten in dieser komischen engen Schachtel werde ich ganz fürchterlich durchgerüttelt. Das nennen die Menschen Fahrrad fahren, aber mir gefällt das überhaupt nicht. Ich protestiere zwar mit letzter Kraft aber es nützt nichts, das Rütteln geht weiter.
Zum Glück dauert die Fahrt nicht lange und ich werde von der Schachtel, in der ich mich kaum umdrehen kann in einen komfortablen Korb mit Kissen umgeladen. Oh, ist das weich, so was kenne ich gar nicht aber es fühlt sich richtig angenehm an. Viel Platz und Luft zum Atmen habe ich hier auch, das ist schon viel schöner.
Das, was allerdings jetzt kommt kenne ich nicht und würde es mir sehr gern ersparen: Tierarzt! In meinem Fall eine Tierärztin, aber ich glaube das macht keinen großen Unterschied.
So neugierig ich auch bin, irgendwie ist das alles sehr komisch. Überall fremde Stimmen und ein seltsamer Geruch nach allen möglichen Tieren, trotzdem auch ein Geruch von unglaublicher Sauberkeit.
„Wen haben wir denn da, das sieht ja übel aus! Die wurde wahrscheinlich auf dem Bauernhof ausgesetzt, das habe ich schon einige Male erlebt. Die Katzen vom Bauernhof sehen niemals so aus. Lass dich doch mal ansehen was du bist.“
Ich werde auf den Rücken gedreht, obwohl ich diese Stellung überhaupt nicht mag und mir werden meine Hinterbeine auseinandergedrückt.
„Ah, da haben wir einen kleinen Buben vor uns, ich schätze ihn auf ungefähr vier Wochen.
Ob er Augen hat? Also links sehe ich ganz hinten so etwas wie ein Auge und rechts überhaupt nichts. Im Moment ist alles voll Eiter und ich sehe fast nur rohes Fleisch, da müssen wir vorerst abwarten und im schlimmsten Fall könnte er blind bleiben. Jetzt bekommt er erst mal Antibiotika und weil er komplett ausgetrocknet ist, Wasser unter die Haut, auch wenn das fürchterlich weh tut. Im Fell hat er keine Parasiten, aber entwurmt wird er auf jeden Fall. In zwei Tagen sehen wir uns wieder, dann bekommt er die nächste Antibiotikaspritze.“
Die Tierärztin nimmt mit zwei Fingern mein Fell am Rücken, zieht es hoch und es bleibt einfach so stehen, das scheint nicht normal zu sein und weh tut es mir auch.
Vielleicht habe ich deswegen schon die ganze Zeit Durst?
Muss man Tierärzte mögen?
Ich habe ihr nicht die Erlaubnis gegeben, wegen einer angeblichen Körpertemperaturmessung mir ein kaltes metallenes Ding in den Hintern zu schieben; wir sind doch schließlich nicht bei „Shades of grey“ oder wie das heißt.
Aber jetzt werde ich auch noch in meinen Rücken gestochen und habe höllische Schmerzen dabei. Au, das tut so wahnsinnig weh, ich will mich nicht in den Rücken stechen lassen, aufhören!
Nein, gut Zureden ist mir auch egal, dann muss ich eben schreien, was das Zeug hält.
Zu allem Überfluss meint die Tierärztin „Der Bauch fühlt sich sehr hart an, ich mache zur Sicherheit einen Einlauf, nicht dass wir da auch noch Probleme bekommen.“
Einlauf? Was ist das? Schon wieder bekomme ich etwas Kaltes in meinen Hintern geschoben und es gurgelt ganz fürchterlich in mir. Ich versuche zwar, mich zu wehren aber es sind einfach zu viele Hände, die mich festhalten.
Nach zwei oder drei Stichen in meinen Rücken höre ich noch „Alle drei Stunden ein Fläschchen mit Milchersatz und zweimal täglich Augentropfen, dann sollte es dem Kleinen vielleicht bald besser gehen. Wir können nur hoffen, dass er überhaupt durchkommt. Im Moment steht er wegen seines ausgetrockneten Körpers ziemlich auf der Kippe. Dann bis übermorgen, da sehen wir uns hoffentlich wieder.“
Es scheint ziemlich schlimm um mich zu stehen, wenn ich so die Worte dieser Tierärztin höre. Aber Fläschchen und Milch hört sich gut an, bei diesen Augentropfen bin ich mir nicht ganz so sicher.
Erschöpft wie ich bin, lasse ich aber alles über mich ergehen. Und so schwach ich auch gerade bin, mein Lebenswille ist trotzdem ungebrochen.
„Du bist also ein Bub“ sagt die Stimme, die mich hierher gebracht hat. „Dann werden wir dich wohl Willy nach dem berühmten Orca aus dem Film nennen, das passt gut zu dir.“ Woher will der jetzt wissen, was zu mir passt und ob mir dieser Name überhaupt gefällt? Na gut, es hätte schlimmer kommen können und ich kann froh sein, dass sie mich nicht Samson oder Püppi getauft haben. Die andere helle Stimme, die ich gestern schon gehört habe, sagt noch „Du bist ja wirklich vom Himmel gefallen“, und ich verstehe nicht, was sie damit meint.
Zurück ins Körbchen, wo werde ich denn jetzt hingebracht? „
