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Alice schildert in diesen Buch die Erfahrungen als Zeitarbeiterin in Deutschland. Eindrucksvoll wird die Situation in dieser Branche beschreiben und die Zwänge, in denen sich die Zeitarbeiter befinden, den Anpassungsdruck, die immer wiederkehrende Einstellung auf neue Kollegen/Kolleginnen und das Lernen neuer Arbeitsinhalte und Arbeitsabläufe. Dieses alles zu einem Minimallohn und meistens ohne Anerkennung durch die Gesellschaft.
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Seitenzahl: 58
Veröffentlichungsjahr: 2020
ALICE DIE ZEITARBEITERIN
EIN ARBEITSLEBEN IN DEUTSCHLAND
@2020 Alice Hauk
Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 42, 22359 Hamburg
ISBN:
978-3-347-14734-8 (Paperback)
978-3-347-14735-5 (Hardcover)
978-3-347-14736-2 (e-Book)
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Alle Namen der in dem Buch beschriebenen Personen sind frei erfunden.
INHALT
Einleitung
Biografie
Werdegang
Agentur für Arbeit
Zeitarbeit in Ingolstadt
Auf nach München
Ab jetzt Frankfurt am Main
Letzte Einsatzorte in Thüringen
Erfahrungen
Schlussfolgerung
EINLEITUNG
Ich lebe seit meiner Geburt in Deutschland und möchte Euch von meinen Arbeitsleben in diesem Land erzählen.
Meine Arbeits- Odyssee begann in den Jahren 1999 und endete 2019. Die Agentur für Arbeit, Bewerbungstrainings, Vorstellungsgespräche,
kurzfristige Jobs, Zeitarbeit, Weiterbildungen bei der Agentur für Arbeit waren mein täglich Brot.
Ich möchte Euch von den wirtschaftlichen Belangen und Aufgaben in den verschiedenen Bereichen des Arbeitsmarktes, in dem Zeitarbeiter/innen in diesem Land eingesetzt werden, berichten und vor allen von den vielen einzigartigen und besonderen Menschen, die mir auf meiner Arbeits-Reise begegnet sind und euch auch Ihre Geschichten erzählen.
BIOGRAFIE
Alice, Jahrgang 1956, aufgewachsen in einer nordhessischen Kleinstadt.
Absolventin der 2-jährigen Kaufmännischen Berufsfachschule.
Ausbildung zur "Bankkauffrau" mit 7-jähriger Berufspraxis.
1980 Heirat mit einen Diplom-Ingenieur.
Durch die berufliche Tätigkeit meines Ehemannes lebte ich in München, Ingolstadt, Frankfurt am Main und gegen Ende des Arbeitslebens in Eisenach/Thüringen.
Zwei erwachsene Kinder (Tochter und Sohn) begleiten meinen Lebensweg.
WERDEGANG
Er hatte langes wallendes, weißes Haar, einen gütigen aber auch einen unergründlichen strengen
Blick.
So sah er auf mich von der Decke meiner Kirche herab, wenn ich einmal in der Woche zum Schulgottesdienst ging. Es war Gott.
Von diesem Tag an war er mein Begleiter. Seine Gebote, seine Regeln, seine Feste, seine Rituale und seine Lehren bestimmten mein Leben.
Gott wollte nicht, dass ich an seinem Ort bleiben sollte. Die christliche Schule wurde aufgelöst.
Meine nächsten Schuljahre bestanden aus zwei verschiedenen Hauptschulen, die sich vom Ort und dem Lehrpersonal sehr unterschieden. Ich war oft krank und meine angehende Pubertät machte mir das Leben auch nicht leichter. Gott fehlte mir.
Meine Freude an der Schule kehrte in der 2-Jährigen Kaufmännischen Berufsfachschule wieder.
Ich habe Maschinenschreiben, Stenografie, Buchhaltung, Kaufmännisch Rechnen, Bürotechnik und Wirtschafts-Englisch gelernt. Ich war zufrieden. Meine Lehrer/innen waren es auch.
In dieser Zeit war die Gesellschaft in Bewegung geraten. Es gab viele Proteste gegen den Vietnam-Krieg, Abrüstung, Studentenrevolte und die sexuelle Freiheit aller war ein großes gesellschaftliches Thema. Und es bildete sich die RAF, die jahrelang die BRD mit Gewalttaten in Atem halten sollte.
Die Zeit war Musik aufgeladen, die Mode war neu und einzigartig. Der Zeitgeist war Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und unbegrenzte Möglichkeiten in allen Dingen des Lebens.
Ich trug Minirock, Hotpants, lila Häkellook-Strumpfhosen, weiße Lackstiefel mit Ösen und Schnürbändern, einen bunten Maximantel mit Kapuze, rote und gelbe Schlag-Hosen und einen grünen Kurz-Mantel. Ich las regelmäßig die Zeitschrift "Bravo", richtete mich nach den neuesten Frisuren und war begeistert.
Es gab viele kleine Beat-Gruppen, es gab Disco-Nachmittage. Sonntags in der Kleinstadt, waren die Discos geöffnet, Jungen und Mädchen trugen lange Haare, lange Maxi-Mäntel, rauchten und gaben sich dem Tanz in den Discos hin. Es war berauschend.
Ich habe nicht zu Ihnen gehört, aber ich wusste, es entsteht ein neues Bewusstsein für alle Dinge des Lebens. Ich fühlte, alles war möglich für mich.
Ich wurde in meinen Ansichten bestärkt, durch die Abschlussfahrt (Abschluss der Kaufmännischen Berufsfachschule) nach Berlin.
Diese Stadt lebte, das Jugendgästehaus in der Kluckstraße, die Discos
Big Eden und Big Apple, die Führungen im Reichstag, der Besuch der Schulheiß-Brauerei. Ein einmaliges Erlebnis welches Berlin mir zeigte. Ich schwebte.
Nun begann der "Ernst des Lebens", meine Ausbildung begann. Ich tauchte in die konservative Welt der Bankwirtschaft ein. Es fiel mir sehr schwer. Aber ich schaffte es.
Das Lernen machte mir Spaß und ich schloss die Ausbildung ab. Ich blieb noch einige Jahre in diesen Berufszweig, der mir sehr gut gefiel.
Mein innerlicher Geist, der nach Aufbruch und Veränderung schrie, stagnierte in dieser Zeit und machte der Rationalität meines Arbeitslebens Platz.
Es gab Fortbildungen über Gewerkschaften, bankspezifische Fortbildungen, an denen ich zeitweise teilnahm. Meine stenografischen Fähigkeiten lebte ich wöchentlich in einem Verein aus. Ich absolvierte Wettschreiben des Vereins und regionaler Wettbewerbe. Es machte mir Spaß, ich war erfolgreich.
1980 heiratete ich. Mein Ehemann, den ich auf der Party einer Freundin kennenlernte, war ein vielseitig interessierter und aktiver Diplom-Ingenieur. Mit ihm bekam ich 2 Kinder und wechselte des Öfteren den Wohnort.
Dies umfasst einen Zeitrahmen von 15 Jahren, in denen ich die Aufgaben einer Hausfrau und Mutter sehr gewissenhaft wahrnahm.
AGENTUR FÜR ARBEIT
Viele Menschen sind noch der volkstümlichen Meinung, dass die Agentur für Arbeit den Menschen Arbeitsstellen vermittelt, wenn sie arbeitslos sind oder eine Arbeitsstelle suchen.
Ich plante meinen beruflichen Wiedereinstieg. Mein Weg führte mich also zur obigen Agentur.
"Die Banken bauen Arbeitsstellen ab, da finden Sie keine Arbeit mehr", dieser Satz schallte mir laut und eindringlich entgegen. Ich erledigte die Formalien meiner Registrierung und wartete erst einmal ab.
Durch eine Maßnahme zum beruflichen Wiedereinstieg, erhielt ich einen halbjährlichen Lehrgang mit der Vermittlung von Computerkenntnissen und einem Bewerbungstraining. Das lief folgendermaßen ab: In einem überfüllten Computerraum drängten sich 2 Frauen an einem PC. Kaufmännisches Wissen wurde vermittelt, welches man akustisch kaum verstehen konnte, dreiviertel der Frauen rebellierten weil sie es nicht verstehen würden, organisierten sich in Tratsch-Gruppen und hatten über alles eine andere Meinung. Wir übten trotzdem Computerprogramme ein, die der normale PC-Alltag in der Arbeitswelt schon lange überholt hatte. Ich stand es durch, nahm aber trotzdem einige Neuerungen mit in meinen beruflichen Wiedereinstieg. Hervorzuheben bleibt allerdings noch ein hervorragendes Bewerbungstraining, das der Wirklichkeit des Arbeitsmarktes entsprach. Dieses ist das einzige, was mich aus dieser Maßnahme weiter gebracht hat. Noch erwähnen möchte ich die mitunter kontroversen Unterrichtsmethoden und die sich teilweise gegenseitig aufhebenden Aussagen.
Es hatte sich trotzdem gelohnt. Ich bewarb mich (Förderprogramm des Arbeitsamtes für Frauen mit Kindern) und erhielt eine befristete Anstellung (halbtags) zur Übertragung von landwirtschaftlichen Daten in ein neues PC-Programm.
Nach jedem Arbeitstag erwartete mich noch mein Haushalt mit 2 Kindern und einen Ehemann, der beruflich sehr viel unterwegs war. Ich war zwar erschöpft, aber auch zufrieden mit mir es geschafft zu haben.
Das befristete Arbeitsverhältnis war nach 5 Monaten beendet, die Agentur für Arbeit hatte mich wieder. Um registriert zu bleiben war der Nachweis von Bewerbungen sowie eine persönliche vierteljährliche Meldung bei der Agentur notwendig. Diese Prozedur sollte mich 20 Jahre lang begleiten.
Bei allen Ansprechpartnern der Agentur für Arbeit habe ich immer wieder das gleiche erlebt:
"Sie sind zu alt, Sie sind zu gering qualifiziert, Sie passen da nicht herein, Sie sind langzeitarbeitslos, es gibt zu wenige Arbeitsstellen."
Vier Qualifizierungsmaßnahmen erhielt ich während meiner Arbeitsuche von der Agentur für Arbeit.
Diese sogenannte Qualifizierung bestand in erster Linie aus dem Abarbeiten von formalen Vorgaben, Meldung von An- und Abwesenheit, das Nachweisen von Tests, deren Inhalte man sich selbst erarbeiten musste. Zusätzlich immer wiederkehrende Vorgaben zu Lebenslauf und Bewerbungen, die dem aktuellen Arbeitsmarkt nicht entsprachen.
