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Das Bel Ami in Berlin war und ist nicht nur ein Bordell. Es ist eines der edelsten Etablissements, die es in Deutschland je gegeben hat. Über viele Jahre waren die Prominenten, Reichen und Mächtigen Stammgäste und ließen die Puppen tanzen. Man amüsierte sich nächtelang, der Champagner floss in Strömen, Geld spielte keine Rolle. Nach über 30 Jahren im Geschäft hat Detlef Uhlmann nun all seine spannenden, skurrilen und unglaublich unterhaltsamen Erlebnisse in einem Buch zusammengefasst. Wie kam er als ausgebildeter Kapitän dazu, Bordellbesitzer zu werden? Wie wurde das Bel Ami zu Deutschlands edelstem Club? Wer ging hier ein und aus? Welche Wünsche wurden erfüllt? Detlef Uhlmann erzählt aus seinem riesigen Fundus an Geschichten und entführt den Leser in die faszinierende Halbwelt von Glamour, Sex und Luxus.
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Seitenzahl: 300
Veröffentlichungsjahr: 2012
DETLEF UHLMANN
Mein Leben als Chef von Deutschlands edelstem Bordell
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen:
1. Auflage 2012
© 2012 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Die Namen und wiedererkennbaren Merkmale der im Buch erwähnten Personen wurden geändert.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Manuskripterstellung: Peggy Teichert
Manuskriptbearbeitung und Redaktion: Matthias Teiting
Umschlaggestaltung: Gerd Uwe Hauth
Umschlagabbildung: Gerd Uwe Hauth
Fotos Innenteil:©Gerd Uwe Hauth
eBook (ePub&Mobi): Georg Stadler, München
ISBN 978-3-86413-150-9
Prolog
I. Streifzüge
Ansichten und Einsichten
Startschuss
20 Ketten und ein Brandloch
Wolfgang – Ein Held
Freistoß
Hausarrest für Gefühle
II. Brasilien
Exotenjagd
Tollhaus
Voodoo – Pisse – Happy End
III. Mittelmeer
Verkokst
Einstellungstest
Katja – Sonne satt
IV. Prag
Grenzerfahrung
Kleider machen Leute
Dickhornschaf und Ente
V. Aufschwung
Vereinigung
Sushi für Fortgeschrittene
Männliche Abgänge
VI. Simone
Frauending
Undercover
Abflug und Einkehr
VII. Krisen
Mei-Mey und ein Baby
Jonas
Meuterei
»Rien ne va plus.«
Epilog
»Mach mal Platz, alter Mann! Hier kommt ja keene Sau mehr durch.«
Er dreht sich nicht um, rutscht bloß den Stuhl näher zum Fenster, vor das die Jungs ihre nasse Wäsche gehängt haben. Tomek, Marek oder Martin – egal. Sie klingen gleich, sie sehen gleich aus. Glatzköpfig, muskulös und tätowiert. Nachts wird mindestens einer von ihnen sein Bett zum Quietschen bringen, meist übernimmt einer der anderen den Rhythmus. Wenn Detlef Glück hat, ist es nach zehn Minuten wieder still. Dann bleiben ihm weitere fünfzehn oder 20 Minuten, um einzuschlafen. Gelingt es ihm nicht, wird ihn das laute Schnarchen von Tomek, Marek oder Martin noch stundenlang wach halten. Die Nächte sind schlimm. Die Gedanken stürzen sich auf ihn wie ausgehungerte Tiere, schlagen ihre Zähne in die immer gleichen Wunden, zerren an den Rändern seines Verstandes.
Ein Wassertropfen löst sich von der Wäsche und tropft auf sein Knie. Er sieht hinaus, das Licht schwindet allmählich, kleine Eisblumen haben sich in den Ecken der Scheibe gebildet. Hinter ihm werden Stühle gerückt, Papier raschelt, Karten klatschen auf den Tisch.
»Wir spiel’n mit null ouvert und ramschen! Wer is’n vorne?«
»Wenn de schon alles selber bestimmst, kannst de dit ja wohl och!«
«Krieg dich ein, Mann, und fang an!«
Er verlässt seinen Platz vor dem vergitterten Fernster und dreht sich um. Das Papier mit den silbernen Schneeflocken, in das Simone das Weihnachtspaket gewickelt hatte, liegt auf dem Boden. Sein Versuch, dem Raum weihnachtliche Stimmung zu geben, ist kläglich gescheitert. Der Tisch ist wieder nackt und grau. Marek sieht noch immer eingeschnappt aus. Die Jungs scheinen alles um sich herum vergessen zu haben: den Knast, die Enge, den vierten Mann im Raum.
Er legt sich auf sein Bett und bedauert, dass er nie viel Spaß am Lesen gehabt hat. Hilflos überlässt er sich den Gedanken. Simone. Warum hat sie sich vorhin nicht umarmen lassen? Wird er auch sie noch verlieren? Was hat er ihr auch noch groß zu bieten? Nichts von dem ist geblieben, was sie immer an ihm geliebt hat. Geld, Reisen, spannende Bekanntschaften, Witz und Charme, ein unerschütterliches Selbstbewusstsein. Er ist bloß noch ein alter Mann im Knast, 25 Jahre älter als sie. Warum ist sie die ganzen Jahre bei ihm geblieben, hat ihm einen Sohn geboren, ihm die unzähligen Affären und Lügen verziehen? Wenn es nur der Luxus und ein aufregendes Leben waren, dann gibt es jetzt tatsächlich keinen Grund mehr, zu bleiben.
Sie ist immer noch schön. Wann hat er ihr das das letzte Mal gesagt? Vermutlich, als der Prozess gegen ihn begonnen hat. Als ihm bewusst wurde, wie schlecht es um ihn steht. Hat er je geglaubt, jemand könneihnlieben? Ihn, Detlef Uhlmann? Er hatte Geld, sehr viel Geld, und er hat es großzügig ausgegeben, für Autos, Frauen, Drogen und rauschende Feste, für seine Frau, sein Kind und seine Freunde. Alle haben etwas davon gehabt, haben sich ein Leben auf seinem Erfolg aufgebaut, haben genossen, profitiert und ihn dafür geliebt. Dafür! Er selbst hat sich dafür geliebt, hat sich für den witzigen, charmanten, großzügigen und selbstbewussten Mann gehalten, dem die Welt zu Füßen lag, der es verblüffend leicht zu einem der bekanntesten Bordellbesitzer Deutschlands gebracht hatte. Nun scheint nichts mehr davon wahr zu sein. Sein Selbstbild entpuppt sich als Lüge, als Farce, als Mantel über der eigenen Unzulänglichkeit. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich wie ein Trottel, ein Gescheiterter, wie einer, der dem Spiel von der Ersatzbank folgt.
Jonas, seinem Sohn, ist es wahrscheinlich egal, was er trägt: Armani-Anzug oder Anstaltskluft. Trotzdem hat er immer geglaubt, Jonas mit teuren Geschenken über seine häufige Abwesenheit hinwegtrösten zu müssen. Er hat sich die Liebe seines Kindes kaufen wollen. Wo ist Jonas heute gewesen? In der Schule oder bei einem Freund? Schämt er sich, weil sein Vater im Gefängnis sitzt, oder ist es ihm einfach egal?
»Scheiße Mann, vorhin haste Pik nich’ bedient!«
»Du hast doch’n Arsch offen. Kuck doch nach, wenn de willst!«
Detlef dreht sich zur Wand.
Vorhin im Besuchszimmer hat er kaum etwas sagen können, hat Simone nur schweigend zugehört. Sie hat von Kündigungen gesprochen, Kontosperrung, geplatzten Verträgen und offenen Rechnungen und auch von Diederich, dem Berater, dem er wie ein Trottel vertraut hat. Ihre Hände sind nervös über den Tisch gewandert, immer wieder in ihrem blondierten Haar verschwunden, die ohnehin zerzauster waren als sonst. Seine Frau, seine schöne Frau. Die herausgewachsenen Ansätze ihres Haares hat er als Anklage empfunden.
Der Beamte im Besuchszimmer sah in regelmäßigen Abständen demonstrativ auf seine Armbanduhr. Detlef ist sich sicher gewesen, dass der Mann ganz genau wusste, wie viele Minuten es noch waren.
Hätte Simone nur einmal ihre Hände still gehalten, er hätte sie berührt. Vielleicht war ihr das bewusst, und sie hat ihm deshalb keine Gelegenheit dazu gelassen. Deutlich hat er die Panik in ihrer Stimme hören können. Jede Gesprächspause ist angefüllt gewesen mit Vorwürfen. Er habe sich über den Tisch ziehen lassen wie ein Anfänger, weder für sie noch für sein Kind vorgesorgt. Das ganze Ausmaß der Katastrophe sei ihr erst in den letzten Tagen deutlich geworden, als sie sich durch die Berge von Aktenordnern gearbeitet habe. Er bewundert den Ehrgeiz und Scharfsinn, den sie dabei entwickelt hat, Eigenschaften, die ihm vorher nie an ihr aufgefallen sind. Im Besuchszimmer wäre er bereit gewesen, alles zuzugeben, alle Schuld auf sich zu nehmen, von bitterer Reue zu sprechen, nur um einmal ihre Hand halten zu dürfen, ihre Hand mit den Fingernägeln, an denen der rote Lack abgeplatzt war.
Die Armbanduhr des Beamten hat dann endlich das gewünschte Urteil verkündet. Die Zeit war um. Als hätte dieser Satz den mühsam gehaltenen Damm gebrochen, rannen Simone nun doch die Tränen übers Gesicht. Er hat sie nicht berühren dürfen, stand nur hilflos da.Alles wird wieder gut!Immer wieder hat er diese Floskel wiederholt, an die er doch selbst nicht mehr glaubt.
»Mir reicht’s. Ich hör auf!«
Seine Zellengenossen rücken geräuschvoll die Stühle und machen sich nachtfertig. Detlef beobachtet verblüfft, wie Tomek das Weihnachtspapier vom Boden aufhebt und es wieder über den Tisch legt.
»Pennt der Alte schon?«
»Kann dir doch egal sein.«
Die Nacht beginnt – und der Alte schläft nicht.
Es war Freitagabend, und die Metropol-Party begann in wenigen Stunden. Ein großer Saal gefüllt mit jeder Menge hübscher Mädchen. Die eigentliche Herausforderung bestand darin, die Richtige herauszufischen. Es war noch immer warm, und ich entschied mich für ein kurzärmliges Hemd aus Leinen falls es nötig sein würde, zu tanzen , außerdem bestäubte ich meinen Körper mit einem Puder, das die Transpiration verhindern sollte. Im Radio sang Rod Stewart »Do You Think I’m Sexy?« Was für eine Frage, dachte ich amüsiert. In den vergangenen 20 Jahren hatte ich darauf stets dieselbe, befriedigende Antwort bekommen. Ich zweifelte schon lange nicht mehr.
»Du tanzt umwerfend!«, brüllte ich. Sie riss die Augen auf und schaute mich verständnislos an. Ich verfluchte die Bassrhythmen, die durch den Saal dröhnten, und versuchte es noch einmal.
»Umwerfend!« Deutlich formte ich jede Silbe mit den Lippen und zeigte mit dem Finger auf sie. Jetzt lächelte sie und strich sich eine Strähne aus der schweißnassen Stirn.
»Möchtest du was trinken?« Ich kletterte von meinem Barhocker und stand nun dicht neben ihr. Sie atmete schnell und tanzte selbst im Stehen weiter.
»Martini, mit viel Eis!«, rief sie.
Sie stürzte das Glas hinunter und mengte sich wieder unter die Tanzenden. Ab und an sah ich ihre Arme, die sie nach oben warf, oder ihren Kopf, den sie so heftig herumschwang, dass ihr langer blonder Zopf sich auflöste und ihre Haare einen eigenen Rhythmus entwickelten. Ich verharrte auf meinem Platz und wartete ab. Das Tempo konnte sie unmöglich noch lange durchhalten. Sie trug eine hautenge, hellblaue Satinhose, ein bauchfreies Top und eindeutig keinen BH darunter. Kurzer Blickkontakt. Ich hatte mich nicht geirrt. Ein junger Mann schob sich in ihren Radius und wackelte mit den Hüften, als ginge es um sein Leben. Meine Schöne sprang an und balzte mit. Ich war jetzt sicher, sie würde meine Miss Freitagabend werden. Vera sang und die Menge sang mit. Die Anvisierte hüpfte auf mich zu und rief in den Lärm: »Na, komm schon, tanz mit mir!«
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