Bis ans Tor zur Hölle - U.H. Wilken - E-Book

Bis ans Tor zur Hölle E-Book

U. H. Wilken

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Beschreibung

Der Autor steht für einen unverwechselbaren Schreibstil. Er versteht es besonders plastisch spannende Revolverduelle zu schildern und den ewigen Kampf zwischen einem gesetzestreuen Sheriff und einem Outlaw zu gestalten. Er scheut sich nicht detailliert zu berichten, wenn das Blut fließt und die Fehde um Recht und Gesetz eskaliert. Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). Er war derzeit der glücklichste Bursche am Colorado. Übermütig tanzte er im seichten Uferwasser, achtete nicht auf die Umgebung. Kalte Augen beobachteten ihn schon seit geraumer Zeit. Er hörte nicht mehr den scharfen Knall des Gewehrschusses. Haltsuchend griff er ins Leere. Schlaff brach er am Uferrand zusammen. Über dem Fettgehölz verwehte Pul­verrauch. »Verdammter!« drang es aus dem Gebüsch. »Nicht schießen, sagte ich!« Eine Weile geschah nichts, dann raschelten Sträucher. Braunhäutige Gestalten schlichen hervor, duckten sich wie Pumas zum Sprung. Mürbes Leder und zerschlissener Baumwollstoff umgaben die sehnigen Körper. Strähniges Haar bewegte sich im glühenden Wind. Machetas reflektierten das Sonnenlicht. Indianer vom Stamm der Yumas. Erneut raschelten Sträucher, knackten Äste. Gemächlich kamen Männer in Reitstiefeln hervor. Abwartend verharrten sie mit Gewehren und Colts am Ufer. Wie Raubkatzen sprangen die Yumas von einem Stein zum anderen und näherten sich dem gegenüberliegenden Ufer. Gelassen beobachteten die Männer vom Ufer aus die Yumas. Keiner sagte ein Wort. Jetzt beugte sich einer der Indianer über den Weißen, der reglos im feuchten Sand lag. Die anderen Yumas rafften alles an sich, was ihnen nützlich schien, Gewehr, Colt, Munition, Proviant, Sattel und Decken. Die Digger-Ausrüstung ließen sie unbeachtet. Wichtig war ihnen noch das Pferd – und natürlich das Gold. Der Indianer neben dem Weißen richtete sich jetzt auf. Groß und schlank stand er im seichten Wasser. Kein Muskel bewegte sich im braunhäutigen Gesicht. Nur in den nachtdunklen Augen war Leben. Sie spähten über den Fluß. Die gleißenden Wasser blendeten. Dennoch sah er, wie einer der Männer drüben nickte. Da hob er die Macheta. Wasser perlte auf der langen Klinge des Buschmessers. Dann schlug

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Die großen Western – 246 –Bis ans Tor zur Hölle

U.H. Wilken

Er war derzeit der glücklichste Bursche am Colorado. Übermütig tanzte er im seichten Uferwasser, achtete nicht auf die Umgebung.

Kalte Augen beobachteten ihn schon seit geraumer Zeit.

Er hörte nicht mehr den scharfen Knall des Gewehrschusses.

Haltsuchend griff er ins Leere. Schlaff brach er am Uferrand zusammen. Über dem Fettgehölz verwehte Pul­verrauch.

»Verdammter!« drang es aus dem Gebüsch. »Nicht schießen, sagte ich!«

Eine Weile geschah nichts, dann raschelten Sträucher.

Braunhäutige Gestalten schlichen hervor, duckten sich wie Pumas zum Sprung. Mürbes Leder und zerschlissener Baumwollstoff umgaben die sehnigen Körper. Strähniges Haar bewegte sich im glühenden Wind. Machetas reflektierten das Sonnenlicht.

Indianer vom Stamm der Yumas.

Erneut raschelten Sträucher, knackten Äste. Gemächlich kamen Männer in Reitstiefeln hervor.

Abwartend verharrten sie mit Gewehren und Colts am Ufer.

Wie Raubkatzen sprangen die Yumas von einem Stein zum anderen und näherten sich dem gegenüberliegenden Ufer.

Gelassen beobachteten die Männer vom Ufer aus die Yumas. Keiner sagte ein Wort.

Jetzt beugte sich einer der Indianer über den Weißen, der reglos im feuchten Sand lag.

Die anderen Yumas rafften alles an sich, was ihnen nützlich schien, Gewehr, Colt, Munition, Proviant, Sattel und Decken. Die Digger-Ausrüstung ließen sie unbeachtet. Wichtig war ihnen noch das Pferd – und natürlich das Gold.

Der Indianer neben dem Weißen richtete sich jetzt auf. Groß und schlank stand er im seichten Wasser. Kein Muskel bewegte sich im braunhäutigen Gesicht. Nur in den nachtdunklen Augen war Leben. Sie spähten über den Fluß. Die gleißenden Wasser blendeten. Dennoch sah er, wie einer der Männer drüben nickte.

Da hob er die Macheta. Wasser perlte auf der langen Klinge des Buschmessers.

Dann schlug er zu.

*

»Seh ich richtig – Sie, Hooker? Ein Americano in einer mexikanischen Kaschemme?«

Ein gutgekleideter Mann stand vor dem Tisch in der halbdunklen Nische.

Lee Hooker verzog das sonnengebeizte Gesicht. Langsam streckte er die langen Beine unter dem Tisch aus, berührte mit den brüchigen Stiefeln die Hosenbeine des Mannes.

»Sieht so aus, nicht wahr?« dehnte er mit weicher dunkler Stimme. »Und was suchen Sie hier, Schneider?«

Cagney Schneider zog einen Hocker zurück und setzte sich.

»Nicht, was Sie denken, Hooker. Keine Puta!«

Hooker langte zum Glas. Seine sehnige Rechte geriet in den trüben Schein des flackernden Tageslichts.

»Was dann?« murmelte er und trank.

»Sie, Hooker.«

Hooker trank ruhig. Seine Überraschung verriet sich einzig dadurch, daß er die Augen ein wenig verengte.

»Na schön«, meinte er und setzte das Glas ab, »jetzt haben Sie mich gefunden, Schneider. Und weiter?«

Bevor Cagney Schneider antwortete, sah er sich um. Tabakrauch umzog in dicken Schwaden die wenigen Karbidlampen. Talglichter blakten auf schmutzigen kleinen Tischen. Überall standen oder saßen Mexikaner herum. En paar junge Mexikanerinnen warteten auf zahlungskräftige Freier.

Schneider verzog das ölig glänzende Gesicht.

»Haben Sie die Mädchen verscheucht, Hooker? Oder haben Sie schon alle durch? Was ist los mit Ihnen?«

»Ich hab Sie was gefragt, Schneider.«

»Ah, ja.« Schneider beugte sich vor. »Ich brauch Sie, Hooker. Für ’nen Höllenjob. Dabei springt für Sie ’ne Menge raus.«

»Mehr als durch Goldschürfen, Schneider? Kann ich mir nicht denken.«

»Nicht so hastig mit ’ner Absage, Hooker. Ich weiß, Sie suchen nach Gold mit einem Partner. Wer das ist, weiß ich nicht. Und ich weiß auch nicht, wo Sie und Ihr Partner nach Gold suchen. Wahrscheinlich im Gebiet der Havasupais oder der Yavapais. Jedenfalls gibt’s Goldvorkommen nur im Gebiet der ›Oberen‹ und der ›Wüsten‹-Yumas. Von anderen Plätzen ist mir nichts bekannt.«

»Alle Achtung«, spöttelte Hooker und rauchte ein Zigarillo an, »da wissen Sie ja schon ’ne ganze Menge, Schneider.«

Schneider winkte bescheiden ab.

»Ich weiß noch mehr, Hooker. In letzter Zeit häufen sich die Überfälle auf Digger. Die Yumas enthaupten nicht nur geflohene Sträflinge. Sie tun das auch mit den Goldsuchern. Und überall wird Gold geraubt. Wohin es gebracht wird, weiß niemand.«

»Das wollen Sie rausbekommen, Schneider? Sie sind Geschäftsmann, ich weiß. Und deshalb haben Sie nach mir gesucht.«

»Ich streit es nicht ab, Hooker. Machen Sie mit?«

Hooker stieß den Rauch ins Talglicht.

»Das klingt nach mehreren Leuten, Schneider. Sie müßten es eigentlich wissen: Ich arbeite höchstens mit einem Mann zusammen. Und den hab ich schon.«

»Sie meinen Ihren Partner, Hooker. Hören Sie doch auf mit dieser unsinnigen Goldsuche! Kaum jemand hat ’ne Chance, Gold zu finden. Suchen Sie mit zwei Mann zusammen nach dem geraubten Gold das lohnt sich wenigstens.«

Hooker lächelte eigenartig.

»Ich werd’s mir überlegen, Schneider – mit meinem Partner.«

»Vielleicht haben die Yumas ihn längst erwischt, Hooker! Dann kann er schlecht überlegen. Sein Kopf ist dann mit den Yumas unterwegs.« Schneider langte über den Tisch, legte die Rechte auf Hookers Hand. »Mann, was gibt’s da noch zu überlegen?«

»Mein Partner wartet auf mich. Ich hab Proviant besorgt! Vielleicht kommen wir auf Ihr Angebot zurück, Schneider.«

Cagney Schneider zog die Hand zurück. Verärgert schüttelte er den Kopf.

»Ich glaub, man muß Ihnen mit Gewalt zum Glück verhelfen, Hooker! Mann, von der Teufelsinsel sind wieder Gefangene geflohen! Ich hab’s vor Kurzem erfahren. Die mexikanischen Polizeireiter sind alarmiert. Keiner der Sträflinge wird über die Grenze nach Mexiko kommen. Die Rurales werden sie abfangen. Oder die Yumas machen Jagd auf die Burschen und köpfen sie.«

»Das tun die Mohave-Yumas, Schneider. Sie haben ein Abkommen mit dem Kommandanten von Fort Yuma. Seit Yarateva ihr Häuptling ist, dienen die Mohaves der Armee als Kopfjäger. Soviel ich weiß, haben die River-Yumas damit nichts zu tun.«

»Irrtum, Hooker! Die auch! Die rauben Gold – und damit alle Welt glaubt, daß es Mohave-Yumas getan hätten, schneiden auch sie den Opfern die Köpfe ab. Wollen Sie noch mehr wissen?«

»Nein.« Hooker blickte auf sein leeres Glas. »Ich muß gleich los. Trinken Sie einen Baconora mit?«

»Rye, Hooker. Bleiben wir bei Ihrer Sorte.«

Schneider hoffte, daß sich Hooker noch umstimmen ließ, doch er irrte.

»Sie sind genau der richtige Mann für den Job, Hooker! Warum lehnen Sie ab, Mann?«

Hooker holte sein restliches Geld hervor und legte es auf den Tisch. Es reichte gerade noch für die Zeche.

»Der Grund, Schneider? Mein Partner.«

Dann erhob er sich und stakste aus der Pulqueria. Auf der linken Schulter den Proviantbeutel, in der Rechten die Winchester 66.

»Dann eben nicht«, knurrte Schneider grimmig. »Ich bring dich schon dazu, Hooker.«

*

Wie Schemen bewegten sie sich durch den Morgendunst.

Über dem Colorado stiegen die Nebel, wehten in grauen Schleiern über das Westufer.

Klamm von der nächtlichen Kühle schälte sich der Mann aus der Schlafdecke, kroch zur Feuerstelle und befühlte die weißliche Holzasche. Die Wärme verriet, daß darunter noch Glut war.

Wenig später züngelten Flammen empor, und der junge Digger legte Holz nach, stellte den Dreifuß über die Flammen und hängte den Topf mit Wasser daran. Dann legte er den Rest Kaffee bereit.

Mit angezogenen Knien saß er still am Feuer.

Weit abseits flatterten Vögel auf, doch am Morgen war das nichts Besonderes.

Der junge Mann wurde auch nicht von seinem Pferd gewarnt. Der Vierbeiner stand am Wasser und döste noch vor sich hin.

Gedankenversunken rieb sich der junge Mann den gekrümmten Nasenrücken, rümpfte dann die Nase und blickte umher.

Eigentlich mußte er ständig mit Gefahr rechnen. In diesem Gebiet wurde Gold gefunden.Tausende von Abenteurern, Goldsuchern und Banditen waren in das Land der Yumas eingedrungen. Und die Indianer machten unter den vielen Fremden keine Ausnahme. Sie brachten jeden um, der ihnen unters Messer geriet.

Doch niemand konnte immer wachsam sein, jedem Geräusch argwöhnen und hinter jedem Schatten einen Feind vermuten. Ständige Gefahr stumpfte ab.

Der Mann am Feuer glaubte sich unbedroht, obwohl er gestern einen Gewehrschuß gehört hatte. Aber das war einige Meilen entfernt, kein Grund, das Zelt abzubrechen.

Als das Wasser kochte, warf er den gemahlenen Kaffee hinein, nahm den Topf vom Dreifuß und ließ den Kaffee ziehen. Umständlich packte er Zwieback aus.

Die Nebel wehten feucht herüber. Drüben hinter den dunklen Bäumen glühte das Morgenrot. Ein Windstoß ließ die Blätter rascheln. Träge flossen die bleigrauen Wasser des Colorado südwärts.

Sie kamen gegen den Wind, näherten sich dem jungen Fipps Montgomery von hinten.

Sie hatten ihre Pferde weit genug zurückgelassen. Jeder wußte, was zu tun war. Und sie wußten auch, daß sie sich beeilen mußten.

Fipps beugte sich über den Topf, schnupperte den Duft des Kaffees.

In letzter Sekunde sah er ein Paar derbe Stiefel schräg hinter sich. Er wollte sich nach vorn abstoßen, über das Feuer hechten – zu spät!

Hart traf es ihn im Nacken.

*

Schüsse peitschten zwischen den Felsklippen. Blei streifte Hooker.

Der langbeinige Mann reagierte darauf mit der Schnelligkeit einer gereizten Klapperschlange. Blindlings warf er sich vom Pferd, ließ die lange Leine des Maulesels los. Aufwiehernd rannte sein Falbe zwischen die hohen Mesquitesträucher.

Hooker rollte durch den kühlen Sand, hielt die Winchester an den Körper gepreßt, fand eine dürftige Deckung.

Als er den Stetson am Lauf hochhob, sirrte Blei haarscharf vorbei. Dann war der Schuß zu hören.

Grimmig verzog Hooker das schmale Gesicht. Kaltes Flirren war in den Augen. Jemand hatte es auf ihn abgesehen – und auf den Proviant. Selbst im Liegen konnte er die dunkle Baumkette am Colorado erkennen. Links der Schneise wartete Fipps auf ihn.

Der Partner hörte sicherlich die Schüsse. Vielleicht gelang es ihm, von hinten an den Schützen heranzukommen, der sich offensichtlich zwischen den Felsklippen eingenistet hatte. Aber auf Dauer nutzte dem Heckenschützen diese Deckung auch nichts. Denn Hooker ließ sich nicht aufhalten.

Schon jetzt schob er sich durch den Sand, zog die Winchester nebenher, robbte auf die Sträucher zu.

Wieder schoß der Unbekannte.

Blei streifte Hookers linken Absatz. Unwillkürlich zuckte er zusammen, zog das Bein an, stieß sich kräftig nach vorn.

Jetzt war er zwischen den Sträuchern, konnte sich aufrichten. Reglos stand er zwischen den haushohen Mes­quites und horchte. Das Echo des letzten Schusses verwehte dünn über der Wüste. Überall raschelte es, als würden hundert Yumas sich anpirschen.

Hart lud Hooker durch. Geduckt ging er los, wich den Sträuchern aus. In einer Lücke sah er sein Pferd stehen, nicht weit davon den Maulesel. Der Burro knabberte an den Blättern und zeigte die langen gelben Zähne. Das Tier schien ihn hämisch anzugrinsen.

Flink wie ein Wiesel glitt der drahtige Hooker auf die Felsklippen zu. Erstaunlich schnell und geschmeidig für einen Mann mit so langen Beinen. Sicher hielten die Hände die Winchester umfaßt. Hookers Hände waren angerauht, aber gepflegt. Er mied Schlägereien. Dafür war er nicht der Typ. Tödlichen Gefahren begegnete er zumeist mit sicher platzierten Schüssen. Seine Treffsicherheit war traumhaft.

Vielleicht wußte das auch der Heckenschütze.

Denn als Hooker den bizarren Felsen schon ziemlich nahe war, hörte er plötzlich den trommelnden Hufschlag eines Pferdes. Hoch wallte der Staub über die Felsklippen.

Hooker kehrte um.

Zu Pferd, mit dem Maulesel an der Reata, näherte er sich dann den Felsen und fand die Stelle, wo der Gewehrschütze gelauert hatte. Patronenhülsen glänzten in der Morgensonne.

»Schweinehund.«

Hooker ritt weiter, näherte sich dem Fluß.

Noch wußte er nicht, daß jemand versucht hatte, ihn aufzuhalten. Und das war diesem Gewehrschützen auch zum Teil gelungen.

Über dem Fluß lastete bedrohliche Stille. Hooker spürte die Gefahr fast körperlich.

Vor ihm zeigte sich in diesem Augenblick noch nichts. Mittlerweile kannte er hier jeden Weg und Steg, jeden Baum und Strauch. Schräg hielt er auf den staubigen Baumgürtel zu.

Seine Wachsamkeit zeigte sich in der Art, wie er im Sattel saß. Vorn­übergebeugt, scheinbar zusammengesunken wie ein übermüdeter Mahn. Die Rechte hielt die Winchester gesenkt. Schaft und Lauf befanden sich dicht am Pferd. Vom Fluß aus war das Gewehr nicht zu sehen, befand sich an der abgewandten Seite.

Wer jetzt in seine Augen sah, mußte erschrecken. Braune, seltsam grünlich schimmernde Augen, kalt wie Eis, Wolfslichtern ähnlich. Und diesen Augen entging nichts. Auch nicht jener Zweig, der sich ganz schwach gegen den Wind bewegte…

Jeder Körper hatte seinen eigenen Geruch. Hooker roch ranziges Fett.

Yumas!

Sie lauerten im Unterholz am Fluß. Gut, daß sich der Wind gedreht hatte.

Die Ausdünstung war so stark, daß er daraus schließen konnte, eine größere Anzahl von Indianern vor sich zu haben. Welchem Stamm diese Yumas angehörten, war ihm in diesen Sekunden unwichtig. Mohaves oder nicht – Yumas waren seine Gegner.

Er hatte nur einen Freund, auf den er sich verlassen konnte – Fipps.

Und jetzt befand sich der Partner in großer Gefahr. Yumas umschwärmten ihn.

Hooker ritt auch jetzt noch gemächlich, hielt die Reata und saß gebeugt im Sattel.

Die Yumas konnten nicht wissen, wie gefährlich Hooker war. Sie kannten ihn nicht. Für sie mußte er ein Weißer wie alle anderen sein. Und seine Ausrüstung verriet ihnen, daß er einer unter vielen Diggern war.

Die Bäume bildeten eine geschlossen wirkende Wand. Tiefe Schatten füllten die Lücken dazwischen.

Aber Hooker wußte, wo die Lücken waren. Seine Lippen wurden schmal, er atmete die Luft des Morgens durch die Nase ein. Unmerklich spannte sich sein Körper. Nur der Falbe merkte davon – denn Hooker preßte die Beine an seinen Leib.

Die Yumas wollten seinen Kopf. Und drüben wartete Fipps.

Auf den Maulesel mußte Hooker verzichten. Der Burro würde ihn aufhalten.

Er ließ die Reata los. Schlaff fiel sie in den Wüstensand.

Jäh trieb er seinen Falben an. Aufwiehernd jagte das Pferd los. Tief duckte Hooker sich im Sattel, zog die Winchester hoch. So galoppierte er auf eine der Lücken zu.

Geheul gellte ihm entgegen.

Pfeile sirrten. Schüsse krachten. Gestalten sprangen vor ihm hoch. Metall glänzte im Sonnenschein. Hohes, sonnenverbranntes Gras umschlug die Hüften der Indianer. Pulverrauch wölkte sich über den dichten Sträuchern. Blei fauchte an Hooker vorbei.

Sie schossen nicht auf sein Pferd. Das wollten sie haben.

Hooker erkannte die Chance, glitt aus dem Sattel, hing an der Seite des Falben.

Die Winchester stieß unter dem Pferdehals hindurch. Feuerstöße verließen den Lauf.

Jeder Schuß saß mit tödlicher Genauigkeit. Yumas brachen vor ihm zusammen.

Der Falbe scheute vor den niedersinkenden Körpern. Im Nu saß Hooker wieder im Sattel, zwang den Falben eisern vorwärts, schoß sich den Weg frei.

Wie ein Phantom sprengte er durch die schwarze Lücke. Die wie Keulen ausschlagenden Hufe des Falben schaufelten sandige Erde hoch, warfen sie den nachspringenden Yumas entgegen.

Er hörte nicht das Röhren des zurückgebliebenen Maulesels. Schrilles Geheul überdeckte alle Geräusche, nur nicht den Knall der Schüsse.

Die Yumas waren gut bewaffnet. Mit Gewehren, die zum Teil aus Armeebeständen stammten.

Hooker durchbrach den Ring der Yumas, trieb das Pferd am Ufer entlang, blickte über den Fluß.

Von Fipps Montgomery war nichts zu sehen. Auch sein Pferd war verschwunden. Vielleicht war Fipps die Flucht gelungen.

In Sekundenschnelle begriff er, daß er hier verschwinden mußte. Ein längerer Kampf mußte für ihn tödlich enden. Es waren zu viele Yumas.

Er ritt wie der Teufel am Ufer entlang. Die Hufe trommelten durch das seichte Wasser. Sträucher deckten ihn.

Er erreichte eine Biegung, verhielt hinter dem Uferrücken. Mit ruhiger Hand lud er nach. Dann horchte er, saß reglos im Sattel. Der Morgenwind zerzauste sein aschblondes Haar. Der Stetson hing am Kinnriemen im Nacken, wies drei Löcher auf.

Die Yumas sammelten sich.

Hooker ritt im Wasser weiter, bis er die vielen Felsen erreicht hatte, die weit in den Colorado hineinragten. Hier verließ er den Fluß.

Die Sonne hatte inzwischen die Felsen erhitzt, so daß die nasse Spur augenblicklich verdampfte.

Die ihm folgenden Yumas stießen ins Leere.

*

Nach Stunden kehrte er zurück. Abseits des Lagerplatzes glitt er aus dem Sattel.

Horchend stand er neben dem Falben, die Winchester feuerbereit. Matt schimmerte der Lauf im Schatten der Bäume. Über ihm wisperte der Wind in den Baumkronen.

Nirgendwo entdeckte er einen Indianer.

Langsam ging er um die Bäume, näherte sich dem Platz, wo Fipps zurückgeblieben war.

Vom Partner war noch nichts zu sehen. Hooker vermißte bereits Fipps’ Pferd.