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Der Autor schildert in vielen kleinen Episoden sein bisheriges Leben. Durch seine Offenheit und Ehrlichkeit fügen sich die einzelnen Schnipsel zu einem realistischen Gesamtbild des Verfassers zusammen. Man lernt ihn kennen. Der vorliegende Band 3 komplettiert die Reihe von Erinnerungen, die der Autor in Form kleiner Geschichten über sein Leben aufgeschrieben hat. Dieses Alter zwischen 50 und 70 Jahren ist von durchgreifenden Veränderungen geprägt und hat nur noch wenig Ähnlichkeiten mit seinem früheren Laben. Es werden wieder Höhen erklommen und Tiefen überwunden. Zum Schluss kann er summa summarum zufrieden zurückblicken und sich voller Neugier auf die verbleibende Zukunft freuen.
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Seitenzahl: 289
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Mein besonderer Dank gilt Christa Monshausen, die mit Sachverstand dem Text einen letzten Schliff gegeben hat.
Vorwort
1997 bis 1998 Bad Schwalbach-Hettenhain
Trennung von Gabi
1998 bis 1999 Allein in Bad Schwalbach-Hettenhain
1998 bis 2006 Unternehmensberater bei Ploenzke
1999 bis 2006 Meine erste Zeit mit Heidi
2005 bis 2010 Wiesbaden
Aity Beratung GmbH
2010 bis 2012 Rosenheim
2012 bis 2019 Kolbermoor bei Rosenheim
Heidi und Familie
Rentnerdasein
Schlusserkenntnis
Detailliertes Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1997 bis 1998 Bad Schwalbach-Hettenhain
Was nun? Unsichere Zukunft
Völlige berufliche Neuorientierung
Kurlaub in Rumänien
Eine neue Hüfte
Meine 50er Feier
Trennung von Gabi
Angekündigter Auszug
Zwei Prozesse vor dem Amtsgericht
Ein Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt
Fortsetzung nach 17 Jahren
Das katastrophale Ende
1998 bis 1999 Allein in Bad Schwalbach-Hettenhain
Anzeige im Tagblatt
Spezielles Angebot und Alkohol
Myanmar
Hausverkauf, Wohnungsverkauf
1998 bis 2006 Unternehmensberater bei Ploenzke
Temporär freiberuflicher Berater
Neustart bei Ploenzke
Der Paukenschlag von Stuttgart
Dreieinhalb Jahre München
Nebenwohnsitz München
Überraschende neue Lungendiagnose
Zahlreiche unterschiedliche Projekte
Master-Thesis Gutachten
Altersteilzeit – die Rente ist nahe!
1999 bis 2006 Meine erste Zeit mit Heidi
Kennenlernen
Auf zur Ostsee
Zahlreiche Reisen 1999
Zahlreiche Reisen 2000
Immer unterwegs
Besonderes Weihnachtsfest
Heidis 50er-Feier
Hüttentour mit Florian und Sigi
Ägypten – völlig misslungener Urlaub
2005 bis 2010 Wiesbaden
Moritzstraße 31
Indizien für Alzheimer bei meiner Mutter
Von Mölln nach Gettorf
Schlaganfall und seine Folgen
Tumor auf einer Herzklappe
Tod meines Vaters
Erstes Klassentreffen für Mailänder Schule
Europäische Orchideen
Erlebnis Peru
Ende 2007 bis Anfang 2008
Taubertalradeln statt 60er-Feier
Skifahren
Tanzen
Aity Beratung GmbH
Gründung einer eigenen Gesellschaft
Aufsichtsrat der iCAT
Derivate Finanzinstrumente in SAP
Einführung einer Software für Kreditausfälle
Fusionsberatung in München
Umstellung Zahlungsverkehr auf SAP
Bilanzierung und Meldewesen Luxemburg
Abgeltungssteuer für Wertpapiere
2010 bis 2012 Rosenheim
Ellmeierstraße 36
Am Sterbebett der Mutter und Daniels Tod
Suche nach neuer Bleibe
2012 bis 2019 Kolbermoor bei Rosenheim
Kernsanierung eines fast neuen Hauses
Umzug nach Kolbermoor, Karl-Rager-Str. 3d
Die Mangfall tritt über die Ufer
Integration in Kolbermoor
Unterstützung von Flüchtlingen
Bedrohliche Lungendiagnose
Größere Radeltouren
Gudruns Tod
Heidi und Familie
Ziehharmonikabeziehung
Hochzeit
Opi Klaus
Sylt mit Familie
Familienbesuche
Eheprobleme mit Heidi
Schauspielurlaub in Griechenland
Friedensintermezzo
70er Feier
Trennung, Thailand, Wohnung
Hausverkauf
Trennungsunterhalt
Scheidung, Familienverlust
Rentnerdasein
Das Ende der Aity Beratung GmbH
Umzug nach Bad Aibling
Weitere Rentneraktivitäten
Vorbereitungen auf den Abgang
Schlusserkenntnis
Detailliertes Inhaltsverzeichnis
Dieser Band 3 meiner bunten Lebensschnipsel ist die Fortsetzung der Schilderung von Einzelheiten meines Lebens. Band 2 endete mit dem Frühjahr 1997, als ich am Boden lag, mitten im Scherbenhaufen meines Lebens.
Dass ich an dieser zunächst aussichtslos erscheinenden Lebenssituation nicht zerbrach, wissen alle, die mich kennen. Sonst hätte ich wohl auch kaum Stoff für diesen neuen Band gehabt. Wie aber mein zweites Leben begann und dann verlief, ist wieder viele Geschichten wert und füllt dieses ganze Buch. Es endet erneut mit dem Ende einer Ehe und Ende einer Berufstätigkeit, fast so wie Band 2, nur nicht mehr verzweifelt, sondern zuversichtlich.
Auch in Band 3 versuche ich, die wüsten Beschimpfungen und gegenseitigen Vorwürfe während des jeweiligen Endes meiner beiden Ehen so weit wie möglich auszuklammern. Ich habe dicke Ordner von unfassbaren juristischen Schreiben. Manchmal denke ich, dass der bekannte „Rosenkrieg“ keine literarische Fiktion ist, sondern von meinem Leben abgeschrieben wurde.
Ganz aussparen kann ich die Schilderung der diversen Phasen und Wendungen bei den Trennungen jedoch nicht, weil sonst mein Ziel, mein Leben wahrhaft und in allen Facetten darzustellen, die ich bunte Lebensschnipsel genannt habe, zu viele weiße Stellen behielte. Der Leser könnte mich dann nicht mehr im ganzen erkennen. Deshalb gibt es eben auch ein paar schwarze Schnipsel. Schwarz ist auch eine Farbe, gehört genauso zu bunt.
Für manche Leser wird es befremdlich sein, dass ich hin und wieder genaue Zahlen nenne, wenn von Einkommen, Vermögen, Abfindungen und laufende Zahlungen die Rede ist. In unserem Kulturkreis ist so etwas manchmal ungewöhnlich, oft sogar mit einem Tabu verbunden, in anderen (z.B. USA) eher normal.
Ich habe mich dazu entschlossen, einmal, um meine eigenen Erinnerungen im Detail festzuhalten, zum anderen jedoch auch, um die Wahrheit zu dokumentieren. Damit mache ich mich unangreifbar, was für mich wichtig ist, aber den meisten Lesern egal sein dürfte. Fakten sollen die zweifellos noch vorhandenen Emotionen ersetzen.
Band 2 meiner bunten Lebensschnipsel endete mit der auf mich hereingebrochenen Lebenskrise, als die wichtigsten Säulen meines bis dato zufriedenen Lebens weggebrochen waren und ich beruflich, partnerschaftlich und gesundheitlich am Ende zu sein schien. Ich wusste nicht, wie ich die Zukunft meistern, noch nicht einmal, wie ich sie anpacken sollte.
Eine Vorabentscheidung traf ich dann schon mal im Frühsommer 1997. In der DePfa-Bank wollte ich auf keinen Fall bleiben, auch wenn Gabi mit dieser Entscheidung haderte. Ihr wäre es lieber gewesen, wenn ich mit einem weiterhin festen Gehalt und irgendeiner anderen Aufgabe in der DePfa bleiben würde (Pensionsberechtigung!).
Die Verhandlungen über meine Abfindung führte mein Rechtsanwalt, um eine neue berufliche Zukunft musste ich mich aber schon selbst kümmern!
Als ich noch bei der DePfa arbeitete, erhielt ich hin und wieder Anrufe von Headhuntern, also Personalberatern, die eine hochwertige Position anzubieten hatten und bei mir nachfragten, ob ich Interesse an einer Bewerbung habe. Und tatsächlich, es kam jetzt wieder einmal ein solcher Anruf bei mir an. Erstmals lehnte ich diese Einladung zu einem unverbindlichen Gespräch nicht ab, sondern vereinbarte ein Treffen in Frankfurt.
Als ich zum Termin in Frankfurt kam, erwartete mich eine junge Dame und führte mit mir eine Art Vorgespräch zu einem Einstellungsgespräch. Sie war nicht in der Lage, mich fachlich zu beurteilen, auch wenn sie gut vorbereitet auf oberflächlichem Niveau ein wenig meine Erfahrungen abfragte.
Sie machte dann jedoch aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. Sie würde einen jüngeren Kandidaten suchen. Mein Einwand, dass jüngere niemals die fachlichen Qualifikationen besitzen könnten, die sie ja ausdrücklich fordere, ließ sie nicht gelten. Sie könne mich wegen des Alters ihrem Auftraggeber, den sie mir nicht nennen wollte, nicht empfehlen.
Das war ein Schock für mich!
Fortan bekam ich solche „Kopfjägeranrufe“ nicht mehr. Wohlgemerkt, ich war zu der Zeit noch nicht einmal 49 Jahre alt! Bundeskanzler konnte man mit 73 Jahren werden (Adenauer), aber für eine verantwortungsvolle Aufgabe im Bankenbereich war man schon mit knapp unter 50 Jahren zu alt!
Ich bewarb mich dann noch auf ein paar interessante Stellenanzeigen in den Zeitungen, erhielt jedoch nur Absagen. Zum Teil wurden die Absagen sogar begründet, nicht mit dem Alter, sondern ich sei für den Posten überqualifiziert. Na was denn, zu gut und zu alt?
Verzweiflung kam in mir auf. Ich hatte Schmerzen an der Hüfte, konnte deshalb nicht mehr joggen, sogar normales Gehen tat weh und ich humpelte. Gabi hatte einen Liebhaber, meine Ehe war also eine Katastrophe. Und jetzt noch arbeitslos mit sehr schlechten Chancen. Ich wusste nicht, was ich auf dieser verdammten Erde eigentlich noch sollte. Ich trug mich ernsthaft mit Suizidgedanken.
Nun machte ich mir eine Übersicht, in der ich alle Zukunftsalternativen, die ich mir jetzt theoretisch vorstellen konnte, listenmäßig aufschrieb und bewertete, vom aussteigen und ein einfaches Leben allein irgendwo führen, auswandern (vielleicht Italien?), umschulen in einen völlig anderen Beruf (welchen?), sich irgendwie selbständig machen (mit was denn?), Frau umbringen und dann im Gefängnis leben, sich selbst umbringen und damit dem Elend entkommen usw. Ich versuchte, alle Möglichkeiten einmal zumindest nüchtern anzudenken, um rational entscheiden zu können.
In solch einer Weise fällte ich bisher alle schwierigen beruflichen Entscheidungen, insbesondere bei neuen Projekten. Erst alle Fakten zusammentragen, diese dann bewerten und gewichten und dann entscheiden. Das war beruflich immer eine bewährte Vorgehensweise gewesen.
Jetzt aber nicht, ich fällte gar keine Entscheidung, ließ meinen Rechtsanwalt über meine Abfindung verhandeln und machte erst einmal paralysiert nichts.
Dann kam es plötzlich ganz anders als in allen meinen ausgedachten Szenarien! Es eröffnete sich mir eine Alternative, die nicht auf meinem Blatt stand, eine Alternative, die für mich zuvor undenkbar gewesen war. Das steht im nächsten Schnipsel. Zunächst will ich erst einmal schildern, wie es mit der DePfa weiterging:
In Band 2 habe ich schon ausführlich über die Aufhebungsverhandlungen mit der DePfa berichtet.
Die Verhandlungen waren sehr zäh und mühselig. Ich verteuerte meinen Preis, indem ich mir über einen Amtsarzt eine Schwerbehinderung anerkennen ließ. Das war relativ einfach, hatte ich doch allein wegen meiner Lunge schon 50% Behinderung erreicht. Dadurch war mein Arbeitsvertrag schon von Gesetzes wegen kaum kündbar.
Kurzzeitig versuchte die DePfa, mich wegen dieser Behinderung vorzeitig in Rente zu schicken. Sie wollte dann die Rente auf ein für mich interessantes Maß dauerhaft aufstocken. Aber hier spielte dann der Amtsarzt (richtigerweise) nicht mit.
Irgendwann einigten wir uns über die Abfindungssumme in Höhe von 275.000 DM, mit der aber auch alle Regelungen über die zukünftige Steigerung meiner DePfa-Rente endete. Ich behielt nur den Anspruch auf die bisher erworbenen Anwartschaften. Als Termin für das Ende meines Arbeitsvertrages wurde der 30.09.1997 festgelegt. In der DePfa wurde, wie vereinbart, mein Ausscheiden mit Krankheit begründet.
Das waren meine 20 Jahre Berufstätigkeit in der De-Pfa.
Im August 1997, mitten in meiner verzweifelten Krise, erhielt ich einen Anruf von Berthold K., einem Berater der Unternehmungsberatung Ploenzke, mit dem ich in 1993 so erfolgreich mein erstes IT-Projekt, die Einführung von SAP in der DePfa, durchgeführt hatte. Er habe gehört, dass ich möglicherweise eine neue berufliche Zukunft suche. Als ich das bejahte, fragte er mich, ob ich mir vorstellen könne, IT-Berater bei Ploenzke zu werden?
Ich war sehr überrascht und antwortete wahrheitsgemäß, dass ich mir vieles vorstellen könne, aber IT-Berater gehöre bestimmt nicht dazu. Ich hätte doch von IT überhaupt keine Ahnung, außer dem SAP-Projekt, das ich mit ihm zusammen durchgeführt hatte, und der fachlichen Zusammenarbeit mit der SAP zum Thema Bankcontrolling. Aber das war rein fachlich bankbetrieblich und hatte mit IT sehr wenig zu tun.
Berthold antwortete, dass Ploenzke jede Menge sehr guter Informatiker und IT-Spezialisten habe, aber niemanden, der sich in Banken auskenne, schon gar nicht so gut wie ich.
Da man bei Ploenzke in Zukunft den Bankenmarkt besser betreuen wolle, sei ich genau der richtige Mann dafür. Er könne sich sehr gut vorstellen, dass ich mit ihm als Kollegen fruchtbar zusammenarbeite. Und die IT-Kenntnisse, die ich dafür benötigte, würde man mir schon beibringen. Das sei viel effektiver, als den Informatikern meine umfangreichen Bankkenntnisse nahezubringen.
Das überzeugte mich halbwegs. Ich willigte ein, mich mit einem Vorstand von Ploenzke zu treffen.
Das Treffen war symptomatisch und für mich außerordentlich, ja geradezu sensationell!
Wir trafen uns zum Mittagessen bei einem Italiener in der Bahnhofstraße, schräg gegenüber den damaligen Büroräumen von Ploenzke. Ich hatte ein paar Unterlagen dabei, die ich so glaubte, bei einer Bewerbung mitbringen zu müssen, also Lebenslauf, Zeugnisse, Beschreibungen der bisherigen Aufgabenbereiche etc.
Er lehnte diesen ganzen „Quatsch“ ab. Er kenne mich bereits durch die Schilderung von Berthold. Ihm könne er vertrauen. Ich bräuchte mich nicht vorzustellen. Ich sei genau der Richtige, den Ploenzke suche.
Er fragte mich nach einem möglichen Einstellungsdatum. Ich schilderte ihm daraufhin völlig offen und wahrheitsgemäß, dass ich mich noch in Abfindungsverhandlung mit der DePfa befinde und dass es dadurch nicht besonders günstig sei, wenn ich schon offiziell eine neue Arbeitsstelle hätte. Als Arbeitsloser mit ungewisser Zukunft bekäme ich sicherlich mehr Geld.
Er verstand sofort und vereinbarte mit mir, dass wir heute nur einen Handschlag machen und den schriftlichen Vertrag erst abschließen, wenn ich die Verhandlungen mit der DePfa erfolgreich abgeschlossen habe.
Dann fragte er mich nach meinem Gehaltswunsch. Ich war natürlich auf diese Frage vorbereitet. Ich nannte ihm, weil ich annahm, dass er mich wirklich dringend braucht, eine merklich höhere monatliche Summe, als ich bisher bei der DePfa als monatliches Gehalt bekam. Ich log nicht wirklich, denn ich rechnete meine Tantiemen und Gratifikationen, die ich in der Vergangenheit bekommen hatte, einfach durch 12 und schlug diese Summe auf mein bisheriges Gehalt auf.
Er akzeptierte, ohne auch nur verhandeln zu wollen! Dann bot er mir noch an, den 01.01.1998 als Einstellungsdatum zu fixieren und mir von Anfang an einen Dienstwagen zur Verfügung zu stellen sowie auch einen Laptop und ein Diensthandy (das war 1997 schon etwas Besonderes).
Das sei ein Entgegenkommen, weil ich auf das Auto eigentlich nach den internen Vorschriften erst nach Ende der halbjährigen Probezeit Anspruch hätte, aber er sei überzeugt, nein wisse ganz sicher, dass die Probezeit bei mir nur eine Formalie sei.
Zu klären war dann noch die hierarchische Einordnung im Beratungshaus Ploenzke. Ich würde in das normale organisatorische Gefüge wegen meines Gehaltes nicht passen. Er schlug vor, mir den Titel „Senior Management Consultant“ zu geben. Damit würde ich wie seine Bereichsleiter zum Management gehören. Ich würde eng mit Berthold zusammenarbeiten, aber disziplinarisch würde er mich lieber der Bankengruppe von Jürgen D. zuordnen. Da diese Einheit kein SAP berate, würde ich fachlich jedoch nur mit seinem SAP-Spezialisten Berthold kooperieren.
Ich war mit allem einverstanden. Zwar war mir schon ein wenig mulmig vor der völlig neuen Aufgabe, aber wenn Ploenzke meint, ich könne das, wird es wohl auch so sein. Dieser Gedanke beruhigte mich etwas und machte mich zuversichtlich. Und was hatte ich schon zu verlieren?
Eine Woche später war ich schon beim BMW-Händler in Mainz, dem Hauslieferanten von Ploenzke, und konfigurierte meinen Dienstwagen, einem 5er BMW. Dieser stand mir dann in der Tat schon am Freitag, dem 02. Januar 1998, zur Verfügung, obwohl ich feiertagsbedingt erst montags (05.01.1998) mit meiner Arbeit begann!
Suizidgedanken ade. Es ging wieder aufwärts. Und wie! Jetzt hatte ich nur noch 2 Baustellen, meine Hüfte und Gabi. Ich ging die Sache strategisch an, erst musste ich die ständigen Schmerzen loswerden und es eilte. Ich wollte nicht als Kranker bei Ploenzke anfangen.
Noch im September (04.09. - 25.09.1997), als ich noch formal bei der DePfa beschäftigt war, offiziell noch immer krankgeschrieben, machte ich wegen meiner ständigen Schmerzen an der linken Hüfte auf Empfehlung meines Hettenhainer Freundes Helmut B. einen Kurlaub in Rumänien.
Meine Krankenkasse war bereit, mir die medizinisch verordneten Anwendungen zu bezahlen, der Hinflug, der Aufenthalt und alles andere war privat, d.h. dafür musste ich selbst aufkommen, beim Preisniveau in Rumänien kein Problem.
Ich fand ein Hotel in Eforie Nord, das einen gewissen Komfort versprach, also mit 4 Sternen warb. Es war sehr preisgünstig, was vor allem daran lag, dass keine Saison mehr war. Ich wählte nur Übernachtung mit Frühstück, weil ich die Möglichkeiten, verschiedene Restaurants zu besuchen, ausgiebig nutzen wollte, war ich doch vorher noch nie in Rumänien gewesen und wollte ich deshalb nicht nur mein Hotel, sondern die Stadt erleben.
Der Kurlaub verlief ziemlich anders, als ich es mir vorher vorgestellt hatte.
Es begann schon damit, dass in dieser Nachsaison die meisten Hotels und Restaurants bereits geschlossen waren. Auch bei mir im Hotel waren vielleicht zwei Handvoll Gäste. Entsprechend kalt wirkte alles: Riesiger Speisesaal, fast alle Tische leer. Die besten Zeiten hatte das ganze Hotelgebäude auch schon lange hinter sich. Das Personal wirkte nicht besonders motiviert und sprach sehr schlecht englisch, deutsch schon gar nicht.
Das spärliche Frühstück war täglich gleich und recht lieblos angerichtet. Sie schafften es (wie, ist mir völlig schleierhaft), dass bei den gekochten Eiern das Gelbe fest durchgegart war, aber das Weiße noch glibberig. Für mich nicht genießbar, aber täglich gleich.
Abends war Live-Musik von einer Zigeunerkapelle, die recht gut spielte. Aber wenn im ganzen großen Raum nur weniger als 10 Personen lauschen, mit riesigem Abstand zueinander, als hätten wir ansteckende Krankheiten, und niemand tanzt, kommt auch keine Stimmung auf. Zumindest der Wein schmeckte jedoch passabel.
Schockierend war der Strand. Mir war zwar schon vorher klar, dass die Wassertemperatur zum Baden nicht mehr ausreichen würde, aber bei klarem Sonnenschein und mildem Wetter im Sand liegen wollte ich schon. Dazu war jedoch eine intensive Vorbereitung nötig.
Der Strand war so vermüllt, dass man seine 2 m2Liegefläche (Liegestühle gab es nicht) erst durch Entfernung von Plastikgegenständen und verrottenden Lebensmitteln befreien musste. Ich tat das nur einmal, danach hatte ich keine Lust mehr, in meiner unmittelbaren Nähe nur Müll zu sehen.
Strandspaziergänge waren entsprechend auch nicht erquicklich. Ich erfuhr auf Nachfrage, dass der Strand früher von den Staatsangestellten gereinigt wurde. Jetzt, nachdem alles privatisiert sei, sei niemand mehr für den öffentlichen Strand zuständig, und die unmittelbar anliegenden Hotels würden lediglich in der Hauptsaison ihre eigenen Strandbereiche entmüllen.
Weil die meisten Hotels schon geschlossen hatten, war auch die Auswahl an Restaurants recht begrenzt. In meinem Hotel gab es niemals Fisch, immer nur Standardgerichte mit Fleisch. Erst nach intensiver Erkundung des ganzen Ortes fand ich dann ein Privatrestaurant, das auch Fisch anbot. Hier wurde ich dann hin und wieder Gast. Es schmeckte einigermaßen und war unschlagbar preiswert.
Solche Versuche, wie z.B. ein Stieleis, das in einer Eistruhe vor einem Hotel angeboten wurde, oder eine Pizza von einer Pizzeria als Abwechslung zu kaufen, ließ ich nach einmaligem Probieren gleich sein. Das Eis war erkennbar mindestens einmal schon fast völlig aufgetaut gewesen – ich probierte es nur vorsichtig und warf es dann weg. Es hatte für rumänische Verhältnisse ein Vermögen gekostet.
Die Pizza im Straßenverkauf (man konnte nichts wählen, denn es gab nur eine Sorte) hatte einen mehrere Zentimeter dicken weichen wabbeligen Teig und war mit warmer Leberwurst bestrichen. Das war offensichtlich landestypisch, aber das entsprach nicht meinem Geschmack. So kam es, dass ich trotz des einseitigen Angebotes doch meistens im Hotel zu Abend aß.
Mit den Kuranwendungen lief es deutlich besser. Ein Kurarzt verordnete mir Bäder und Massagen. Es gab ein Kurmittelhaus, in dem alle Anwendungen konzentriert waren, ich fand mich gut zurecht. Täglich hatte ich mindestens 2 Anwendungen, wobei die Massage stets den Höhepunkt bildete.
Gleich am ersten Tag bot mir der Masseur, der sehr sprachbegabt war, in hervorragendem Deutsch an, mir für 5 DM eine Ganzkörpermassage zu machen. Das Angebot nahm ich nicht nur an, sondern vereinbarte dann gleich für jeden kommenden Tag meines Aufenthalts eine solche Massage.
Er war ein begnadeter Masseur. Ich genoss es, dass er meine Füße, meine Hände, den ganzen Körper, ja sogar Gesicht und Kopfhaut intensiv bearbeitete. Er brauchte dafür immer wesentlich mehr Zeit, als er eigentlich in seinem Zeitplan für eine Massage aufwenden durfte. Schließlich war er ja Angestellter des Kurhauses.
Ihn kümmerte es auch nicht, dass sich entsprechend viele Leute dann im Wartebereich stauten. Diese private Deviseneinkunftsquelle war ihm wichtiger.
Von ihm erfuhr ich sehr viel, wir redeten über alles Mögliche. Er war noch nie in Deutschland gewesen und hatte seine Sprachkenntnisse lediglich an einer Hochschule erworben, wie auch sein Englisch, Russisch und Italienisch. Weitere, von ihm nach eigenen Angaben nicht so gut beherrschten Sprachen waren Spanisch und Französisch.
Wir freundeten uns so an, dass er an einem Sonntag mit mir per Bus ins nahe Konstanza fuhr. Immer wenn der Bus an einer Kirche vorbeifuhr, bekreuzigte er sich (das machten die meisten anderen Fahrgäste im Bus ebenso). Und wir fuhren an vielen Kirchen vorbei!
Er machte dann eine richtige Stadtführung mit mir, ganz professionell mit historischen Hintergründen etc. Ich genoss diesen Service sehr.
Recht problematisch fand ich sein Verhältnis zu den Sinti und Roma. Er verachtete diese Menschen so sehr, dass er z.B. völlig entsetzt reagierte, als ich ihm erzählte, dass ich mich bei der Musikkapelle im Hotel für das hervorragende Spiel bedankt hatte und ihnen ein Trinkgeld gegeben hatte. Mit solchen Menschen spricht man nicht! Die unterstützt man nicht! Die wohnen vor der Stadt in elenden Unterkünften und dort sollen sie auch bleiben! Oder fortziehen, möglichst weit weg!
Während der 3 Wochen in Rumänien fühlte ich mich recht einsam, denn es gab keine anderen deutschen Gäste, mit denen man sprechen konnte. 3 Bücher hatte ich dabei (alle von Hermann Hesse). Die hatte ich bald ausgelesen. Zeitungen gab es keine, Internet gab es damals auch noch nicht, Laptops oder Smartphones schon gar nicht.
Ich verlegte mich auf ausgiebige Spaziergänge und aufs Gedichte Schreiben. Die meisten dort entstandenen Gedichte habe ich bis heute aufbewahrt, weil sie insbesondere meine damalige Gefühlslage gut abbilden.
Einmal kam ich in richtige Gefahr. In einem Gebiet, in dem sich zahlreiche große Hotels befanden, die nun alle geschlossen waren, begegnete mir in den leeren Straßen ein Rudel Hunde, die sehr aggressiv reagierten, mich umschlossen und bedrohten. Ich fand zwar einen stockähnlichen Ast, aber ob der für eine Verteidigung ausgereicht hätte, ist doch stark zu bezweifeln. Glücklicherweise kam ein weiterer Mann um die Ecke. Daraufhin verzogen sich die Hunde.
Mein Masseur, dem ich die Begebenheit erzählte, erklärte mir, dass diese Hunde verwildert seien, keinem Menschen gehörten und während der Saison von Touristen ausreichend gefüttert würden. Jetzt, da keine Touristen mehr da sind, hungerten sie und wären entsprechend aggressiv und tatsächlich auch gefährlich.
Sie hätten im vorigen Jahr schon einmal ein kleines Mädchen angegriffen und schwer verletzt. Das Kind hätte nur überlebt, weil weitere Menschen dazu gekommen seien und die Tiere verjagen konnten.
Er empfahl mir dringend, nur noch in bewohnten Bereichen spazieren zu gehen, was ich daraufhin auch tat. Ich habe ohnehin seit meiner Briefträgerzeit vor Hunden tendenziell Angst.
Und im Dunkeln sollte ich auch nicht mehr fort gehen, schon allein deshalb nicht, um nicht in den unbeleuchteten Straßen auf dem Gehsteig in ein Gullyloch zu fallen, weil die meisten Gullydeckel geklaut und als Rohstoff verkauft worden sind. Am Tage konnte man den Kanallöchern ausweichen, nachts sah man sie kaum.
Hier noch ein Minibeispiel aus meiner Kurlaubzeit in Rumänien:
Egal, ob ich mich bewegte, auch in Ruhe schmerzte mittlerweile meine linke Hüfte so sehr, dass ich um eine Operation wohl nicht mehr herumkam, auch wenn ich mit meinen gerade mal 49 Jahren für einen solchen künstlichen Ersatz nach Meinung der Ärzte noch sehr jung war.
Die Ursache meiner verschlissenen Hüfte lag nach Ansicht meiner Ärzte in einer angeborenen Fehlstellung, die ich wohl ererbt hatte. Sowohl meine Mutter als auch ihr Bruder hatten das gleiche Problem. Zu meiner Säuglingszeit kannte man das einfache Mittel eines Spreizhöschens leider noch nicht, das mir vermutlich geholfen hätte.
Drängend relevant wurde das Problem nun, als ich bei Ploenzke den Vertrag unterschrieben hatte und am 01.01.1997 den neuen beruflichen Anfang gesund antreten wollte. Es stellte sich die Frage, wo ich die Operation durchführen lassen wollte.
Empfohlen wird allgemein, eine Klinik zu suchen, die für diesen Eingriff eine große Erfahrung nachweisen kann. Die größte lokale Klinik der näheren Umgebung war in Wiesbaden (HSK – Horst-Schmidt-Klinik), aber der dortige Spezialist mit der größten Erfahrung mit Hüftoperationen, Dr. Tolksdorf, hatte die Klinik gerade verlassen. Da er praktischerweise als Leiter der Chirurgie im Kreiskrankenhaus Bad Schwalbach neu angefangen hatte, vereinbarte ich ein Gespräch mit ihm, was damit endete, dass ich mich in seine Hände begeben wollte.
Herr Dr. Tolksdorf versprach, weil ich noch so jung sei, mir die beste am Markt befindliche Hüftprothese einzubauen, unabhängig davon, dass die Klinik nur mit einer Fallpauschale entlohnt wird und dadurch tendenziell aus Kostengründen normalerweise eine billigere Implantatsvariante wählen würde. Und die Aussage, dass eine Endoprothese für gewöhnlich nur 15 bis 20 Jahre halte, seien Erfahrungen mit früheren Implantaten bei alten Leuten, die sich nicht mehr richtig bewegten.
Ich solle durchaus optimistisch sein, dass solche neuen Gelenke vielleicht sogar ein Leben lang halten können. Ich vernahm die Botschaft wohl, war aber skeptisch. (Nachtrag: auch nach bisher 25 Jahren gibt es noch keine Anzeichen, dass das Implantat ersetzt werden muss!)
Terminlich musste es so eingerichtet werden, dass ich zum Arbeitsbeginn bei Ploenzke am 01.01.1998 wieder fit bin. Meine OP wurde auf den 11.11.1997 terminiert (helau!). Mit der anschließenden Reha sollte es gerade so bis zum Jahreswechsel klappen. Wenn alles gut ging!
Die OP verlief ganz ohne Probleme. Eine Tortur für mich war lediglich die erste Woche im Krankenhaus. Ich durfte nur auf dem Rücken liegen, das Bein lag bewegungslos in einer Schale. Das tat meiner Lunge nicht besonders gut, weil ich nicht ausreichend ausschleimen konnte. Und außerdem war ich es seit Jahren gewöhnt, auf dem Bauch zu schlafen. Aber da musste ich durch, half ja nichts. Wie man sieht, überlebte ich auch das!
Ich durfte die Hüfte anfangs noch gar nicht belasten, danach Woche für Woche etwas mehr, d.h. ich lief mit Krücken und übte mit einer Personenwaage, wie stark ich auftreten durfte, wenn ich z.B. 30% oder 50% des Körpergewichtes belasten darf.
Schon wenige Tage nach der Liegewoche war ich so mobil, dass ich mich allein mit einem Rollstuhl durch die Klinik bewegen konnte. Ich machte dadurch erstmals in meinem Leben die Erfahrung, wie es sich anfühlt, behindert und auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein. Viele Kleinigkeiten fielen mir auf, z.B. unerwartete Stufen, ein nicht funktionierendes Behinderten-WC und vieles Weiteres.
Wie es so meine Art ist, begann ich, die Mängel aufzuschreiben und im Anschluss an meinem Klinikaufenthalt einen Bericht darüber an die Klinikleitung zu schreiben. Ich kann halt nicht aus meiner Haut.
In der Klinik bedankte man sich dafür und schrieb, dass man sich freue über mein Feedback. Der Bericht landete dann beim Behindertenbeauftragten und ich bekam ein paar Monate später einen Erfolgsbericht zugesandt, was man von meinen Mängeln inzwischen beseitigt hätte. Es hatte sich zum Wohle der zukünftig Betroffenen also gelohnt, alles aufzuschreiben.
Da es mir so gut ging, drängte ich auf vorzeitige Entlassung aus dem Krankenhaus, was mir dann auch gewährt wurde. Ein Reha-Aufenthalt, der sich üblicherweise an eine solche OP anschließt, kam so kurzfristig nicht zustande. Ich vereinbarte eine ambulante Reha, die ich bei der guten ärztlichen Versorgung in Bad Schwalbach ohne Probleme durchführen konnte.
Zu den einzelnen Anwendungen konnte ich mit dem Taxi fahren, Gabi war ja tagsüber beruflich in Wiesbaden. Sie konnte mir dabei nicht helfen. Die Krankenkasse hatte mir später leider die Taxikosten nicht ersetzt. Ich hätte jede einzelne Fahrt vorher genehmigen lassen müssen. Da ich keine Lust auf Rechtsstreit hatte, blieb ich auf den Kosten sitzen.
Als ich noch mit Krücken ging, bekam ich von meinem zukünftigen Arbeitgeber Ploenzke eine Einladung, schon als Quasi-Beschäftigter an der Weihnachtsfeier für Betriebsangehörige teilzunehmen. Diese sollte ganz vornehm in Wiesbaden im Kurhaus stattfinden. Ich sagte erfreut zu.
Es war eine Feier, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Alles vom Feinsten. Das Essen wurde auf den Punkt für vielleicht 1.000 Leute, ich glaube es waren sogar noch mehr, gleichzeitig von Hunderten Bediensteten serviert. Es gab immer einen Gongschlag, die Türen öffneten sich und alle KellnerInnen kamen gleichzeitig herein und bedienten uns.
Das Essen war hervorragend vom berühmten Gourmethaus Käfer.
Ich lernte bei der Feier viele zukünftige KollegInnen kennen, nahezu alle jünger als ich. Ich fand alle sehr nett und wurde unglaublich freundlich aufgenommen. Sofort entstand ein Zugehörigkeitsgefühl.
Die Feier dauerte noch sehr lange, es gab nämlich verschiedenen Musikkapellen in den unterschiedlichen Sälen des Kurhauses. Ich mit meinen Krücken verließ jedoch bald die Veranstaltung, glücklich, in ein solch gutes Unternehmen geraten zu sein und jetzt schon dazu zu gehören!
Das Jahr 1998 war ein besonderes Jahr für mich. Ich hatte seit November 1997 eine neue linke Hüfte, war gesundheitlich wieder voll auf der Höhe und wieder Mitglied im Lauftreff, auch wenn ich jetzt walkte (ich gründete die Walkinggruppe des Lauftreffs) und mich noch nicht traute, wieder zu joggen.
Und seit 01.01.1998 hatte ich meinen neuen beruflichen Weg als IT-Berater bei der Unternehmungsberatung Ploenzke begonnen. Es war eine berufliche Offenbarung. Ich fühlte mich sehr wohl, behielt jedoch privat weiterhin guten Kontakt zu ehemaligen Kollegen der DePfa-Bank.
Und ich wurde 50, was ja bekanntermaßen wegen der runden Zahl ein Grund zum Feiern ist. Wegen dieser positiven Neuausrichtung, quasi Wiedergeburt meines Lebens, wollte ich richtig und groß feiern.
Ich reservierte mir das Hettenhainer Bürgerhaus, das für solche Zwecke jedem ortsansässigen Bürger zur Verfügung steht. Und ich lud entsprechend viele Leute ein, nämlich meine Verwandten (Eltern, Gudrun mit Anhang, Onkel Kurt mit Magdlen und dann von jeweils einer Seite eine Cousine/ Cousin mit Anhang (also von meiner mütterlichen und der väterlichen Verwandtschaft).
Dazu alle 4 Schwestern von Gabi mit Familie, mein bester Freund aus der Schulzeit, Jürgen, mit Familie, die Studienfreunde mit Familie, einige ausgewählte Freunde vom Lauftreff, die Schwalbacher Wandergruppe, Mitglieder des Tischtennisvereins, ein paar Nachbarn, ExkollegInnen von der DePfa-Bank und ein paar neue KollegInnen von Ploenzke und von meinem laufenden Projekt in der RHB in Frankfurt. Es kamen über 120 Personen zusammen!
Für die von auswärts angereisten Gäste besorgte ich in Bad Schwalbach Hotelunterkünfte und vereinbarte mit dem örtlichen Taxiunternehmen einen Shuttledienst, insbesondere für die nächtlichen Heimfahrten ins Hotel.
Die Restauration bestellte ich in Bad Schwalbach. Es wurde komplett italienisch (keine Pizza) mit einer guten Auswahl an Vor-, Haupt- und Nachspeisen. Auch an Getränken gab es nach Wahl alles, was gewünscht wurde.
Und viele fleißige Hände boten ihre Hilfe an, teils von den Gästen, teils von deren erwachsenen Kindern, sodass die Getränke an den Tischen serviert werden konnten. Alles funktionierte irgendwie automatisch, ohne dass ich mich an diesem besonderen Tag um irgendetwas kümmern musste. Großartig! Ich war sehr dankbar dafür!
Die ganze Feier wurde von dem Lauftreff- und Tischtennisfreund Elmar mit meiner Kamera gefilmt. Er machte es semiprofessionell, sodass ich jetzt nach über 20 Jahren noch viele Einzelheiten vor Augen habe bzw. meine Erinnerung auffrischen kann.
Gudrun war mit einer Freundin gekommen. Beide führten ein selbst geschriebenes Theaterstück auf. Das war gut gedacht, auch gut gemacht, aber endlos und wegen der Länge ein bisschen ein Stimmungskiller.
Als weiteres „Theaterstück“ zur allgemeinen Belustigung musste ich auf die Bühne und wurde mit allerlei derben Spielen durch den Kakao gezogen, was dann die Stimmung wieder aufhellte.
Eva B., Mitglied des Tischtennisvereins und Tochter meines Hettenhainer Freundes Helmut, spielte mit einer Freundin ein Stück aus den Vier Jahreszeiten von Vivaldi – ein sehr schwieriges Stück, worüber ich mich besonders gefreut habe.
Robert V. (Klavier) und Moritz B. (Schlagzeug), beides Kinder von Freunden aus dem Tischtennisverein, spielten Popmusik aus meiner Jugend (Beatles etc.). Auch das war eine sehr schöne Vorführung.
Ein Kollege von der DePfa (Hubert M.) war nebenberuflich Mitglied einer Tanzkapelle. Ihn hatte ich engagiert. Er brachte neben den Musikern als Überraschung noch eine sehr hübsche Sängerin aus der Karibik mit. Die Tanzkapelle war – zumindest nach meiner Erinnerung – der Höhepunkt und animierte viele zum Tanzen, auch einige notorische Nichttänzer.
Es kam der Moment, in dem ich eine Rede halten musste. Ich hatte mir nur ein paar Stichwörter aufgeschrieben und sprach frei.
Meine Themen waren vor allem, wie dankbar ich über den bisherigen glücklichen Verlauf meines Lebens war, also von der Kindheit mit den Auslandserfahrungen, von Schule, Studium, von meiner Bankkarriere, aber auch von den sportlichen Erlebnissen und schließlich von dem guten Verlauf aus meinem anfänglichen beruflichen Knick zum jetzt glücklichen Berater von Banken. Ich dankte meinen Eltern für die schöne Kindheit und für die weiterhin fördernde Begleitung
Nach meiner Rede sprachen mich mehrere Gäste an. Sie hatten etwas vermisst. Ich hätte Gabi zwar erwähnt, aber ihr nicht für die immerhin weit über 20 Jahre Lebensbegleitung gedankt. Ich entschuldigte das mit der Aufregung und dem freien Sprechen anstatt Ablesen einer Rede.
Tatsächlich hatte ich das aber bewusst weggelassen, hatte mir doch noch am Abend vorher Gabi eine Szene gemacht, warum ich nicht ihren Lover aus dem Lauftreff mit eingeladen hätte. Das war der allerletzte Tropfen, der meine längst gefasste Entscheidung, die Ehe sobald wie möglich zu beenden, zum Überlaufen brachte. Ich bin sicher, Gabi hatte eine Danksagung an sie in der Rede nach alledem auch nicht erwartet.
Outen über den Zustand unserer Ehe wollte ich mich während der Feier natürlich nicht, auch wenn alle Bad Schwalbacher Bescheid wussten. Das hätte die Feier getötet. Meinem Drama mit Gabi habe ich ein eigenes Kapitel gewidmet.
Da es neben alkoholfreien natürlich auch alkoholische Getränke im Überfluss gab – verschiedene Weine, frisch gezapftes Bier etc. – hatten sich einige Gäste im Vertrauen auf den nächtlichen Taxidienst fahruntüchtig getrunken. Aber trotz Vereinbarung kam das Taxi nicht, reagierte auf keinen Anruf. Da setzte ich mich notgedrungen selbst ins Auto (ich war bei weitem nicht mehr nüchtern) und fuhr mehrmals nach Bad Schwalbach zu den einzelnen Hotels und lieferte meine Gäste ab. Es ist noch einmal gut gegangen.
Am nächsten Morgen gab es tausend fleißige Hände, die alle Spuren beseitigten. Ich konnte mich unbeschwert zuhause von den angereisten Gästen verabschieden, die alle noch vor ihrer Heimfahrt bei mir vorbeischauten. Ich bin heute noch den vielen Helfern dankbar, die mich so tatkräftig unterstützt hatten, ohne dass ich sie darum bitten musste!
„… Ich setzte Fristen, Ultimaten. Gabi gestand, dass sie von Helmut nicht lassen könne. Meine Antwort: Dann müssen wir uns trennen, denn ich kann damit nicht leben. Gabi konnte sich aber eine solche Dreierbeziehung gut vorstellen, Klaus als Finanzierer eines schönen Lebens, Helmut als Lover…“
So endete in Band 2 meiner bunten Lebensschnipsel meine Schilderung des Lebens mit Gabi.
Nachdem ich von meiner großen Lebenskrise das Berufliche und die Gesundheit in zukunftsfähige Bahnen gebracht hatte, musste ich jetzt die defakto nicht mehr bestehende Ehe, die nur noch eine quälend schwere Last auf meinem Leben war, beenden.
Ich beschloss, meinen bisher ohne Konsequenzen gebliebenen Ultimaten nun endlich Taten folgen zu lassen. Ich wollte allerdings zuvor noch meinen 50. Geburtstag ganz groß feiern, nein, eigentlich mich feiern lassen und mich erst anschließend trennen.
Am 5.09.1998, also genau eine Woche nach meiner großen Feier, machte ich mich nach Gabis Gang zur Arbeit erst einmal frei, indem ich in den Wald ging und mit aller Kraft so laut ich konnte meine angestaute Frustlast herausschrie. Es war ein Ratschlag von Gudrun und befreite mich in der Tat ungemein, machte mich stark für den Beginn des neuen Lebensabschnitts.
Danach fing ich sofort an zu packen. Einen Tag vorher hatte ich mir in Bad Schwalbach zunächst für 2 Wochen eine Ferienwohnung angemietet. Ich packte meine Kleidung und nahm auch alle wichtigen Ordner mit schriftlichen Unterlagen mit.
Conny G., unsere Nachbarin und ganz liebe Putzhilfe, kam gerade an diesem Tag und half mir spontan nach Kräften. Sie sortierte unter anderem aus dem Schmutzwäschekorb alles heraus, was mir gehörte und nahm es mit nach Hause, um es für mich zu waschen!
