Verlag: Greenlight Press Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

CyberWorld 1.0: Mind Ripper E-Book

Nadine Erdmann  

4.81914893617021 (94)
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E-Book-Beschreibung CyberWorld 1.0: Mind Ripper - Nadine Erdmann

Er will nur deine Seele… London 2038: Das Cybernetz ist der größte Freizeitspaß, besonders unter Jugendlichen. Egal, ob man als Avatar in sozialen Netzwerken neue Leute treffen oder in interaktiven Rollenspielen virtuelle Abenteuer erleben möchte, die schöne neue Technikwelt bietet Unterhaltung für jeden Geschmack. Auch Jemma, Jamie und Zack verbringen dort jede Menge Zeit mit ihren Freunden. Doch plötzlich fallen drei Jungen während ihres Aufenthalts in der virtuellen Welt ins Koma. Ihre Körper sind unversehrt, doch ihr Bewusstsein ist in der CyberWorld verschwunden. Wer oder was steckt dahinter? Jemma, Jamie und Zack suchen nach Antworten – und kommen dabei dem Mind Ripper gefährlich nahe…

Meinungen über das E-Book CyberWorld 1.0: Mind Ripper - Nadine Erdmann

E-Book-Leseprobe CyberWorld 1.0: Mind Ripper - Nadine Erdmann

Table of Contents

Mind Ripper

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Nachwort

Leseprobe zu "House of Nightmares"

Impressum

CyberWorld 1.0

Mind Ripper

von Nadine Erdmann

 

 

 

Kapitel 1

 

Die Erde bebte bei jedem Schritt, den die schuppige Kreatur tat. Witternd schnellte der Echsenkopf in die Höhe und zuckte hin und her, bis sich seine glühend roten Augen schließlich auf eine kleine Felsgruppe fixierten.

Hastig zog Jemma ihren Kopf zurück in Deckung. »Jungs, das Biest weiß, wo wir sind. Wir sollten uns also beeilen. Machen wir's wie immer?«

Zack und Jamie nickten.

»Na, dann lasst den Magier mal einen Blick auf das Ungeheuer werfen.« Sam schob sich an Jemma vorbei und spähte um den Felsen.

Der Drache hockte vor dem Eingang seiner Höhle, kaum dreißig Meter von ihnen entfernt, und spreizte angriffslustig seine Schwingen. Messerscharfe Krallen zermalmten das Gestein und bei jeder Bewegung spielten eindrucksvolle Muskeln unter der roten Schuppenhaut. Rauch stieg aus den Nüstern und unter seinen Lefzen stachen lange Reißzähne hervor. Das Biest war riesig. Mit Sicherheit gute fünf Meter hoch und die Spannweite seiner Flügel war wenigstens doppelt so weit. Um seinen Hals hing eine Kette mit einem silbernen Amulett, das in der Sonne glänzte.

»Und, großer Meister?«, fragte Zack ungeduldig. »Wie sieht die Bestandsaufnahme aus?«

»Er ist wunderschön«, seufzte Sam. »Ist echt eine Schande, dass wir ihn töten sollen.«

Zack verdrehte die Augen. »Wir können ja beim nächsten Mal eine Quest für dich suchen, bei der du einen Drachen retten kannst. Einen freundlichen Drachen.« Er kauerte sich neben Sam und warf ebenfalls einen schnellen Blick auf ihren Gegner. »Der da hat schon zweimal Old Marleys Dorf niedergebrannt und dabei fünf unschuldige Dorfbewohner gefressen. Der ist nicht freundlich. Und deshalb machen wir den jetzt platt, okay?«

Nun war es Sam, der mit den Augen rollte, doch er grinste und nickte.

»Und das am besten ziemlich zügig!« Jemma sah kurz auf den digitalen Zeitmesser an ihrem Handgelenk. »Charlie kommt in einer Stunde und ich will vorher noch duschen.« Sie zog ihr Schwert und stupste Sam in den Rücken. »Also los! Sprich irgendeinen mächtigen Zauber, der den Drachen am Boden hält. Am besten lähmst du ihn gleich komplett, denn wenn der da sich in die Lüfte schwingt, haben wir kaum eine Chance.«

Sam bedachte sie mit einem genervten Blick. »Ich weiß! Wir machen so was ja nicht zum ersten Mal.« Er zog einen langen Stab zu sich, an dessen Ende ein faustgroßer Kristall funkelte. »Voco magia!«, murmelte er leise und der Stecken begann am unteren Ende hellblau zu leuchten. Langsam kroch das Licht den Zauberstab hinauf.

»Magier«, brummte Zack kopfschüttelnd. »Bis ihr euer Equipment einsatzbereit habt, hat der Rest der Truppe bereits fünf Schlachten geschlagen und drei Kriege gewonnen.«

Ein kleiner Lichtblitz zuckte aus Sams Zeigefinger und traf Zack in den Oberarm.

»Hey! Spinnst du?«

Sam grinste schadenfroh. »Ich wollte dir nur kurz demonstrieren, dass Magier durchaus noch ein paar andere Tricks auf Lager haben, während sie Energie für ihre mächtigsten Zaubersprüche bündeln. Nur falls du es vergessen haben solltest.«

Grummelnd wies Zack auf den Zauberstab. Das blaue Licht hatte den Kristall erreicht und ließ ihn hell erstrahlen. »Sieht so aus, als wären du und deine Energie endlich genug gebündelt. Können wir dann jetzt?«

Sam grinste noch immer. »Aber natürlich! Der große Magier, Sam der Weise, wird für seine drei tapferen Gefährten den großen bösen Drachen betäuben, auf dass sie ihm mit ihren stählernen Schwertern zu Leibe rücken können.«

»Geht es nur mir so oder entwickelt Sam langsam den Hang zu einer gewissen epischen Breite?«, murmelte Jamie in Jemmas Richtung.

»Zu einer gewissen Breite auf jeden Fall. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die episch ist.«

Lachend knuffte Jamie seiner Schwester in die Seite.

Zack verdrehte die Augen. »Mann, Leute, quatscht keine Opern! Sam, los jetzt, mach hin!« Er schubste ihn aus der Deckung der kleinen Felsgruppe und zog sein Schwert.

Der Drache schien nur darauf gewartet zu haben, dass sich die Eindringlinge in seiner Talmulde endlich zeigten. Sein Kopf zuckte zu der pummeligen Gestalt im braunen Lederwams, die hinter den Felsen hervorstolperte. Triumphierendes Gebrüll donnerte ihnen entgegen und das Untier schlug mit den Flügeln, doch Sam ließ ihm keine Zeit, sich großartig in die Höhe zu schwingen, um einen Luftangriff zu starten. Er riss seinen Zauberstab hoch und zielte auf die Bestie.

»Debilito!«

Ein gleißender Lichtstrahl schoss aus dem Kristall und traf den Drachenkörper, als er kaum einen halben Meter in der Luft war. Sofort erstarrte das Biest, stieß einen ohrenbetäubenden Schrei aus und durchbohrte sie mit feurigen Blicken.

»Angriff!«

Mit erhobenem Schwert stürmte Zack los. Ohne zu zögern folgten Jamie und Jemma. Helle Lichtblitze flogen an ihnen vorbei und trafen den bewegungsunfähigen Drachen in die Brust. Auch wenn Sam für mächtigere Magie warten musste, bis seine Energie wieder aufgeladen war, konnte er ihren Gegner mit ein paar kleineren Zaubern zumindest schwächen.

Zack erreichte den Drachen als Erster und hieb sein Schwert in den muskulösen Hals. Die Bestie brüllte erneut, allerdings eindeutig eher wütend als schmerzerfüllt, denn die Schwertklinge hinterließ in der harten Schuppenhaut nicht mehr als einen kleinen Kratzer. Dafür schien Sams Betäubungszauber schon wieder nachzulassen. Die Vorderklaue zuckte gefährlich, als Jamie mit seinem Schwert dagegen schlug. Behände tauchte er weg und musste gleich darauf einem Flügelschlag ausweichen, denn offensichtlich konnte das Biest auch seine Schwingen wieder bewegen. Der Drache stieß einen triumphierenden Schrei aus und blähte die Nüstern.

»Achtung, er will Feuer speien!«, rief Jemma. »Ich lenke es auf mich!« Rasch entfernte sie sich einige Schritte und schwenkte ihre Waffe. »Hey, hier bin ich! Hier drüben!«

Es funktionierte. Die glühenden Augen fixierten sich auf sie und der Drachenkopf schnellte hervor.

»Protego!«

Gerade rechtzeitig bevor die sengenden Flammen auf sie trafen, spannte sich ihr Schutzschild wie eine schimmernde Kugel um sie, und obwohl Jemma wusste, dass das Feuer ihr nichts anhaben konnte, solange sie so geschützt war, wandte sie sich reflexartig von den Flammen ab und kauerte sich so klein wie möglich zusammen. Das Feuer brauste um sie herum und sie hoffte, dass der Flammenatem des Drachen nicht mehr als vierzig Sekunden andauerte, denn länger hielt ihr Schutzschild nicht. Als Paladin waren ihre magischen Kräfte längst nicht so stark wie die von Sam. Sie besaß keine Angriffszauber, dafür konnte sie sich ganz gut schützen und kannte ein paar sehr nützliche Heilzauber, aber das war auch schon alles.

Plötzlich ließ der Flammensturm um sie herum nach, es krachte und der Boden unter ihren Füßen bebte. Erschrocken fuhr sie herum. Sam hatte das Ungeheuer ein weiteres Mal gelähmt und diesmal war die Bestie nicht in der Luft geblieben, sondern auf den Felsboden hinuntergestürzt.

Jemma packte ihr Schwert und rannte zurück zu dem Biest. Ihr Schutzschild flackerte kurz auf und erlosch. Sam attackierte den Drachen erneut mit seinen Lichtblitzen, während Jamie neben Zack hockte und seine Hände über eine klaffende Wunde an dessen Schulter gleiten ließ.

»Braucht ihr Hilfe?« Jemma musterte Zack und war einmal mehr dankbar dafür, dass keiner von ihnen Schmerz empfinden konnte. Die Wunde sah echt übel aus, auch wenn sie sich unter Jamies Heilzauber langsam wieder schloss. Wie sie selbst war auch ihr Zwilling ein Paladin.

»Nee, geht schon«, brummte Zack, während Jamie leise »Sanare!« murmelte und mit seinen Händen weiter über die Schulter seines Freunds fuhr. »Das Mistvieh hat mich mit seiner Klaue erwischt und ich konnte den Arm nicht mehr bewegen.«

Jemma sah zu der breiten Armschelle, die jeder von ihnen am rechten Handgelenk trug. Zacks leuchtete gelb und verfärbte sich langsam grün. Seine Lebensenergie war also in Ordnung. Gefahr bestand erst, wenn sie rot wurde.

Der Drache stieß ein zorniges Fauchen aus. Alarmiert fuhr Jemma herum, doch noch wirkte der Zauber und das Untier konnte nicht viel mehr als zucken. Sam stand in einiger Entfernung und ließ seine Lichtblitze auf den Drachen niedergehen, während sein Zauberstab sich erneut mit magischer Energie auflud.

Jemma warf einen Blick auf die Fußschellen des Drachen. Sie waren hellgelb, also hatten sie dem Biest zumindest schon ein bisschen Schaden zugefügt. Allerdings waren sie noch weit entfernt davon, es zur Strecke zu bringen. Sie holte aus und schlug ihr Schwert in eine der Vorderklauen. Wütend fauchte der Drache und zuckte so gut der Lähmungszauber es ihm erlaubte von ihr fort. Ein dünner blutiger Schnitt blieb zurück, als Jemma aus der Reichweite der Klaue sprang.

»Sam, du musst das Biest verwundbar machen! Unsere Schwerter haben sonst gegen seine Panzerhaut keine Chance!«

»Den Zauber hab ich schon längst gesprochen! Hat aber wohl noch nicht gereicht.« Er nickte in Zacks Richtung. »Aber als ich ihn ein zweites Mal anwenden wollte, musste ich den Drachen erst mal wieder betäuben, sonst hätte unser tapferer Krieger ins Gras gebissen.« Der magische Kristall am Ende seines Zauberstabs glühte auf und signalisierte, dass er zu einem weiteren Zauber bereit war.

»Forabilis!«

Ein hellroter Lichtstrahl schoss aus dem Stein und traf den Drachen. Der antwortete mit einem hasserfüllten Brüllen und Jemma sah, dass das Gelb seiner Fußschellen dunkler wurde.

»Versucht es jetzt!«, rief Sam. »Vielleicht können eure Waffen jetzt mehr ausrichten.«

»Na, dann los!« Zack packte sein Schwert und trat mit Jamie neben Jemma. Von der Wunde an seiner Schulter war nichts mehr zu sehen. Probeweise schwang er sein Schwert ein paar Mal durch die Luft und stellte zufrieden fest, dass er den Arm wieder ohne Einschränkungen bewegen konnte. Also griff er an. Als Krieger war er der Stärkste unter ihnen und sein Schwert war größer und schärfer als die von Jemma und Jamie. Er holte aus und schlug die breite Klinge so fest er konnte in den Hals der Bestie.

Der Drache heulte auf und Zack grinste voller Genugtuung, als er die klaffende Wunde sah, die sein Schwert hinterlassen hatte. »Tja, mein Lieber, wie du mir, so ich dir!«

Das Grinsen verging ihm allerdings schnell wieder, als das Untier sich schwankend auf die Beine stemmte und mit seinen Klauen nach ihm schlug. Diesmal wich er jedoch rechtzeitig aus, tauchte unter der Pranke weg und sah, wie Jamie und Jemma das Tier attackierten.

»Sam, feure mit der nächsten Energie den mächtigsten Zerstörzauber, den du hast, auf das Biest! Seine Lebensenergie ist nur noch orange! Ein richtig guter Zauber könnte ihn vielleicht schon erledigen!«

»Okay, bin gleich so weit!«

Der Drache hatte seine Beweglichkeit mittlerweile fast vollständig zurückerlangt, nur fliegen schien er nicht mehr zu können. Dafür hatte er zum Glück schon zu viel Lebensenergie verloren. Doch seine Klauen schlugen nichtsdestotrotz noch gefährlich schnell nach den drei Menschen, die ihn immer wieder mit ihren Schwertern zu treffen versuchten. Sein Kopf zuckte herab und er schnappte mit seinen langen Reißzähnen nach Jamie. Der rollte sich in letzter Sekunde aus der Gefahrenzone, während Jemma und Zack versuchten, Kopf und Hals des Drachen mit ihren Schwertern zu treffen, ohne dabei von seinen Klauen erwischt zu werden. Wütendes Gebrüll war die Antwort auf ihre Treffer und der Drache zog seinen Kopf zurück. Seine Nüstern blähten sich und es war nicht schwer zu erraten, was als nächstes kommen würde.

Jamie stieß Zack vom Drachen fort. »Bring dich in Sicherheit!«

Zack war zwar ein starker Krieger, doch er besaß keinerlei Schutzzauber und auch wenn seine Rüstung mehr aushielt als die der anderen drei, würde er einem direkten Feuerstrahl nicht lange standhalten können.

Gerade als die Bestie ihr Maul aufriss und die ersten Flammen aus ihrem Rachen schossen, schrie Sam: »Ignis!«

Ein gewaltiger Feuerstrahl peitschte aus seinem Zauberstab und traf den Kopf des Drachen. Doch statt ihm wie erhofft ordentlich zu schaden, stieß der Drache ein freudiges Gebrüll aus. Er wandte den Kopf, schluckte den Feuerzauber und verwandelte ihn nun seinerseits in eine so mächtige Feuersäule, dass selbst Sam, der gebührenden Abstand gehalten hatte, sich schnell in Sicherheit bringen musste.

»Protego!«, schrien Jamie und Jemma gleichzeitig und stellten sich so gut sie konnten vor Zack. Auch wenn ihre Schutzschilde nur für sie selbst galten, würden sie Zack mit etwas Glück vielleicht zumindest ein kleines bisschen schützen können.

Viel half es jedoch nicht. Das verstärkte Drachenfeuer machte Zack so viel Schaden, dass seine Armschelle sich in rasendem Tempo dunkelorange verfärbte. Sofort ließen Jamie und Jemma ihre Schwerter fallen und begannen mit ihren Heilzaubern, doch die Lebensenergie, die sie Zack zurückgaben, wurde von den Flammen fast genauso schnell wieder zerstört.

»Das verdammte Feuer muss aufhören! Sonst haben wir keine Chance!« Jamie warf seiner Schwester einen gehetzten Blick zu, während seine heilenden Hände über Zacks zuckenden Körper wanderten.

Jemma sah zum Drachen, konnte aber durch die Flammen, die um sie herum tobten, kaum etwas erkennen. Es machte aber leider nicht den Anschein, als würde dem Biest in den nächsten paar Sekunden die Puste ausgehen. Sie wusste nicht, wo Sam war, und ob die Flammen ihn womöglich auch erwischt hatten. Als Magier trug er eine lachhaft schlechte Rüstung, die ihn kaum geschützt haben würde, falls er getroffen worden war.

Jemma biss sich auf die Lippen und schickte einen weiteren Heilzauber auf Zack, der mittlerweile so viel Lebensenergie verloren hatte, dass er sich nicht mehr rühren konnte. Nur seine Augen zuckten mit einer Mischung aus Enttäuschung und Wut zwischen Jamie und Jemma hin und her.

»Lasst mich«, stieß er mühsam hervor. »Tötet das Mistvieh. Wir müssen doch nicht alle sterben.«

»Ich lass dich bestimmt nicht allein!« Verbissen gab Jamie ihm mit einem weiteren Heilzauber ein wenig Lebensenergie zurück. »Wir haben noch nie jemanden sterben lassen!«

Zack lächelte verkrampft und wollte etwas erwidern, doch dazu war er schon zu schwach. Er brachte keinen Laut mehr hervor.

»Ich geh allein.« Jemma sprang bereits auf, während sie mit einem letzten Zauber Zacks Energie noch einmal ein wenig auflud. Zack hatte recht, irgendwer musste den Drachen töten, wenn sie noch den Hauch einer Chance haben wollten, das hier zu überleben. Und so wie es aussah, würde es an ihr hängen bleiben. Sie packte ihr Schwert und sprintete los. Ihr Schutzschild begann zu flimmern und warnte sie, dass es nicht mehr lange halten würde.

Egal! Jetzt nicht daran denken!

Sie musste weiter. Obwohl sie die Hitze der Flammen eigentlich nicht spüren konnte, war ihr heiß, als sie sich durch die Feuerwalze kämpfte, und sie musste erschrocken ausweichen, als eine der Vorderklauen urplötzlich direkt vor ihr auftauchte. Rasch schlug sie einen Haken, ließ das Feuer endlich hinter sich und fand sich unter dem Bauch des Untiers wieder. Erleichtert sah sie, dass die Drachenhaut hier keine dicken Schuppen hatte, sondern nur ledrig aussah. Ohne zu zögern riss sie ihr Schwert hoch und stach mit aller Kraft dorthin, wo sie das Herz vermutete. Der Drache brüllte auf und diesmal war es eindeutig vor Schmerz.

Geschieht dir recht! Hör endlich auf, dein verdammtes Feuer zu speien!

Verbissen zog Jemma ihr Schwert aus dem Echsenkörper und dunkles Blut lief ihr über die Hände, als sie ein weiteres Mal zustach. Wieder brüllte der Drache und wieder zog sie ihr Schwert zurück und stieß noch einmal zu. Ihr Schutzschild flackerte und löste sich auf, doch unter dem Bauch war sie außer Reichweite des Feuers. Aus den Augenwinkeln sah sie ein helles Blitzen und etwas Weißes schlug neben dem Drachen auf dem Boden auf.

Eiskristalle!

Am liebsten hätte sie gejubelt, als sie Sams Frostzauber erkannte. Die splitternden Eisblitze konnten nur bedeuten, dass es ihm gut ging – oder zumindest gut genug, dass er helfen konnte.

Der Drache heulte und brüllte mittlerweile so laut, dass Jemma sich liebend gern die Ohren zugehalten hätte, doch für solche Zimperlichkeiten hatte sie jetzt keine Zeit. Stattdessen stieß sie noch einmal ihr Schwert in den schweren Leib des Ungeheuers und plötzlich verwandelte sich das Gebrüll in ein heiseres Röcheln und endlich – Endlich! – verebbte das Feuer.

Keuchend zog sie ihr Schwert zurück und sah sich um. Jetzt, da das Drachenfeuer erloschen war, konnte sie die Fußschellen des Untiers sehen und vor Erleichterung wurde ihr fast schlecht.

Sie waren schwarz.

Das Biest war tot.

»Jem, verdammt! Komm da weg!« Sams Warnung ließ sie heftig zusammenfahren und erst jetzt merkte sie, dass der riesige Drachenkörper über ihr gefährlich ins Wanken geraten war. Schnell stolperte sie zwischen den stämmigen Beinen hindurch, um nicht unter ihm begraben zu werden. Die tote Bestie schwankte mehr und mehr, bis sie schließlich mit einem dumpfen Krachen auf den Felsgrund aufschlug und leblos in sich zusammensackte.

Sie hatten es tatsächlich geschafft!

Fast zumindest …

Hastig rannte sie zu Jamie und Zack und erschrak, als sie sah, dass Zacks Körper geisterhaft durchscheinend war und hektisch flackerte. Seine Armschelle war so dunkelrot, dass sie nur noch einen Hauch von Schwarz entfernt sein konnte, und sie flackerte hektisch. Jamie versuchte verzweifelt Zack mit seinen Zaubern am Leben zu erhalten, doch auch seine Armschelle hatte sich bereits zu einem dunklen Orange verfärbt. All die Heilzauber und das Aufrechterhalten seines Schutzschilds hatten auch ihn viel Lebensenergie gekostet.

»Hör auf«, wies Jemma ihren Bruder an, als sie sich neben die beiden hockte. »Ich krieg Zack schon wieder hin.«

Doch Jamie schüttelte nur stur den Kopf und murmelte weiter seine Zaubersprüche, um Zack in dieser Welt zu halten.

»Sanare!« Jemma ließ ihre Hände nun ebenfalls über Zacks flackernden Körper gleiten. Ihre Armschelle leuchtete in einem satten Gelb, sie hatte also locker noch genug Kraft, um zu heilen, doch noch nie zuvor hatte einer von ihnen so viel Lebensenergie verloren wie Zack, und sie war sich nicht sicher, ob sie wirklich stark genug waren, um ihn zurückzuholen.

Sie schloss die Augen und murmelte verbissen weiter ihren Zauber. Es musste einfach funktionieren! Sie hatten noch nie jemanden verloren!

Sam kam zu ihnen gerannt. Seine magischen Stärken lagen zwar in Angriffs- und Verteidigungszaubern und seine Heilkräfte waren nur rudimentär, doch im Moment konnte Zack alles gebrauchen, was er kriegen konnte.

Jemma wusste nicht, wie lange sie so dasaßen. Erst als sie ein schwaches Keuchen hörte, öffnete sie wieder ihre Augen. Neben ihr stöhnte Jamie erleichtert auf.

»Sam, du Volltrottel!« Noch hatte Zack nicht genug Lebensenergie zurückerlangt, um sich bewegen zu können, doch seine Augen waren wieder offen und reden ging offensichtlich auch schon wieder ganz gut. Seine Armschelle war immer noch rot, aber sie flackerte nicht mehr so gefährlich und färbte sich zusehends heller.

»Wie kann man nur so dämlich sein und einen Drachen mit Feuer bekämpfen?!« Zacks Energie kehrte nun schneller zurück, da er wieder kräftig genug wurde, um sich selbst zu regenerieren.

»Tut mir leid«, murmelte Sam zerknirscht. »Aber du wolltest, dass ich meinen mächtigsten Zauber auf den Drachen abfeuere. Und das ist nun mal mein Feuerzauber! Ich hab überhaupt nicht daran gedacht, dass das Biest ihn vielleicht schlucken und gegen uns verwenden könnte.«

»Magier!«, grummelte Zack, doch er musste grinsen und es war klar, dass er Sam nicht wirklich böse war. »Mit euren Special Effects macht ihr nur Ärger!«

Empört wollte Sam etwas erwidern, doch Jemma kam ihm zuvor. »Sei nicht ungerecht, Zack. Mit seinem Eisblitzhagel hat Sam schließlich alles wiedergutgemacht und das Biest besiegt.«

Sam warf ihr einen dankbaren Blick zu. »Na ja, deine Schwerthiebe in sein Herz dürften ihm auch nicht besonders gutgetan haben.«

Sie grinste. »Ziemlich cooles Teamwork also, oder?« Sie hob die Hand für ein High-Five und er schlug ein.

Ein wenig steif richtete Zack sich auf und fasste nach Jamies Händen. »Hey, hör auf, mich zu heilen, sonst bist du gleich schwächer als ich.« Er hob seinen Arm mit der hellroten Armschelle und deutete dann auf Jamies, die mittlerweile fast die gleiche Farbe angenommen hatten. »Das Spiel ist vorbei. Mir passiert jetzt nichts mehr und ich regeneriere mich schon selbst.«

Erschöpft ließ Jamie seine Hände sinken und nickte. Auch seine Bewegungen waren steif und schwerfällig.

»So ganz vorbei ist das Spiel noch nicht.« Sam ging zu dem toten Drachen hinüber und ließ bedauernd eine Hand über den schuppigen Hals der Kreatur gleiten. Er mochte Drachen wirklich. Warum mussten sie nur immer wieder als die Bösen herhalten? Seufzend legte er seinen Zeigefinger auf die Kette des Amuletts.

»Aperire!«

Die Kette zersprang und er nahm den Questgegenstand an sich. Der Körper des Drachen begann zu glitzern. Die rote Schuppenhaut löste sich auf und wirbelte in kleinen flirrenden Partikeln in den blauen Himmel bis nur noch das Drachenskelett übrig blieb. Doch auch das funkelte nur noch einmal kurz, bevor es zu Staub zerfiel.

Ihr Endgegner war verschwunden.

Sam kehrte zu den anderen zurück. »Das war's dann wohl.«

Jemma nickte. »Lasst uns das Amulett zu Old Marley bringen.«

Wie immer fühlte sie leichte Melancholie, wenn sich ein Spiel unweigerlich dem Ende näherte. Sie stand auf und zog Jamie auf die Beine. Er schwankte einen Moment, hatte aber schon wieder genug Energie, um Zack beim Aufstehen zu helfen. Der legte seinen Arm um Jamies Schultern und stützte sich auf ihn.

»Nehmen wir die Teleportringe? So nett die Landschaft hier auch ist, im Moment steht mir der Sinn nicht so sehr nach einer elend langen Wanderung zurück zum Dorf.«

»Teleportieren ist schon okay.« Jemma hasste zwar diese Art der Fortbewegung, aber es war nicht zu leugnen, dass sie ungemein praktisch war, daher hob sie ihre linke Hand. Wie die drei Jungen trug sie dort am Ringfinger einen Silberring mit rotem Rubin.

»Old Marleys Hütte!«, sagte sie laut und drehte den Ring dreimal um ihren Finger. Die Welt um sie herum löste sich auf und sie wurde in einen Strudel aus Farben gezogen, doch obwohl sie schon zigmal teleportiert war, konnte sie sich an das Gefühl nur schwer gewöhnen und sie schloss die Augen, damit ihr von den wirbelnden Farben nicht schwindelig und übel wurde.

»Wir sind da.«

Erleichtert öffnete sie die Augen, als sie Jamies Hand auf ihrer Schulter spürte.

Sie befanden sich in einem einfachen Holzhaus, das einem alten Krämerladen glich. An den Wänden standen Regale, die bis in die kleinste Ecke vollgestopft waren mit altertümlichen Schachteln, Dosen, Kisten, bauchigen Flaschen und Einmachgläsern und hinter einem Verkaufstresen stand ein alter Mann in einer schlichten weißen Kutte. Langes graues Haar und ein ebensolcher Bart verbargen den größten Teil seines runzligen Gesichts, doch seine Augen strahlten wohlwollend, als er ihnen entgegenlächelte.

»Wie wunderbar! Meine Helden sind auch von ihrer letzten Quest vollzählig zurückgekehrt!«, spulte der Alte seinen Text ab. »Darf ich hoffen, das bedeutet, ihr wart erfolgreich und habt mein Dorf von dem schrecklichen Untier befreit, das in den Höhlen nördlich von hier haust?«

»Ja, wir haben deinen Auftrag erledigt«, antwortete Zack.

So wie all die anderen Aufträge auch, dachte Jemma.

Unter anderem hatten sie das Dorf von einem gierigen Wolfsrudel befreit, das die Schafherden stark dezimiert hatte, hatten Wunschbeeren im giftigen Sumpf gesammelt und Getreidefelder von strandballgroßen Parasitenkäfern gereinigt. Letzteres war eines von Jemmas persönlichen Highlights gewesen, da die widerlichen Krabbelviecher erschreckende Ähnlichkeit mit Spinnen gehabt hatten und Spinnen konnte sie nicht ausstehen. Aber sie hatten die Quest geschafft, und jetzt, am Ende des Spiels, dachte sie fast ein wenig wehmütig daran zurück.

»Dann habt ihr sicher auch das Amulett dabei als Zeichen eures Sieges?«, holte Old Marley sie aus ihren Erinnerungen.

»Haben wir.« Sam legte das Schmuckstück, das er dem Drachen abgenommen hatte, vor ihrem Questmaster auf den Tresen.

Der lächelte zufrieden. »Ihr habt meinem Dorf einen großen Dienst erwiesen. Wir können nun aufatmen und endlich in Frieden leben.« Er sah die vier der Reihe nach an. »Für euch dagegen ist es an der Zeit, in eure eigene Welt zurückzukehren. Ich bin mir sicher, tapfere Helden wie ihr es seid, werden auch dort gebraucht.«

Zack lachte auf. »Klar! Wäre interessant, für wie heldenhaft man uns hält, wenn wir mit gezogenen Schwertern durch die Straßen von London ziehen, seltsame Zaubersprüche murmeln und sagen, wir hätten den Auftrag, die Kanalisation von tollwütigen Ratten zu reinigen.«

Grinsend zwickte Jamie ihm in die Seite und auch Jemma und Sam mussten bei der Vorstellung lachen. Old Marley ging dagegen nicht auf Zacks Kommentar ein. Offensichtlich war er nicht darauf programmiert, auf sarkastische Einwände zu reagieren.

»Wenn ihr wünscht, könnt ihr euch gern auf unserer Ehrentafel verewigen.«

Neben dem alten Mann erschien ein Aushang mit verschiedenen Namen. Eine Spalte blinkte und zeigte ihnen ihren Platz auf der Highscoreliste.

»Platz neun!« Zufrieden trug Sam ihren Gruppennamen ein. »Nicht schlecht. Wir haben es in die aktuellen Top Ten geschafft!«

»Und wer weiß, wo wir womöglich gelandet wären, wenn nicht jemand unseren pyromanischen Endgegner mit Feuer gefüttert hätte!«, stichelte Zack. »Himmel, wir hätten es vielleicht sogar unter die Top Drei geschafft! Nicht auszudenken!«

Leicht verzweifelt schüttelte Sam den Kopf. »Bin gespannt, wie lange ich mir das jetzt anhören darf.«

»Oh, ich kann sehr ausdauernd sein.«

Sam speicherte ihren Gruppennamen auf der Highscoreliste und Old Marley begann wieder zu sprechen.

»Vielen Dank. So werden eure mutigen Heldentaten auf ewig für die Nachwelt festgehalten sein.«

Zack verzog das Gesicht als hätte er Zahnschmerzen.

»VanguardArts Entertainment bedankt sich, dass ihr Shirewood gespielt habt. Lob und Kritik zum Spiel nehmen wir gern auf unserer Internetseite entgegen oder besucht uns in unserem virtuellen Büro in der CyberWorld.«

Die Highscoreliste verschwand und an ihrer Stelle erschien eine neue Tafel mit mehreren Netzadressen.

Zack verdrehte die Augen. »Wenn der mir jetzt noch was verkaufen will –«

»Solltet ihr Interesse an einem unserer Merchandiseprodukte haben, kann ich euch gleich hier eine beträchtliche Auswahl zur Ansicht bieten.«

Zack stöhnte auf, als auf dem Tresen verschiedene Gegenstände erschienen, die sie aus dem Spiel kannten: Messer, Schwerter, Zauberstäbe, ein kleiner Lederbeutel, in dem sie Wunschbeeren gesammelt hatten, die Silberkette mit dem Drachenamulett –

»Oh, seht mal! Es gibt unseren Teleportring!«, rief Jemma begeistert.

»Nur £5.99 und wenn du jetzt bestellst, wird er dir noch heute frei Haus geliefert«, sprang Old Marley sofort auf ihr Interesse an.

Zack blickte ungläubig von ihrem Questgeber zu Jemma. »Du willst dir nicht wirklich für sechs Pfund diesen Plastikmist kaufen, oder?«

»Der Ring ist nicht aus Plastik«, korrigierte Old Marley. »Der Stein besteht aus geschliffenem Glas und der Ring selbst ist eine Legierung aus –«

»Danke, wir haben keinen Bedarf an weiteren Informationen«, würgte Zack ihn schnell mit dem Satz ab, mit dem man in diesem Spiel alle unerwünschten Gesprächsverläufe beendete. Old Marley verstummte.

»Mir gefällt er!«, sagte Jemma trotzig. »Auch wenn es nur Kitsch ist.« Sie trat an die Auslage, wählte den Ring in einer Größe aus, die ihr hoffentlich passen würde, tippte ihr Accountpasswort ein und gab die Bestellung auf.

»Du hasst das Teleportieren! Warum kaufst du dir dann einen Teleportring?« Verständnislos sah Zack zu, wie sie die Bestellung abschickte.

Jemma wandte sich zu ihm um. »Mir gefällt der Ring und er kann schließlich nichts dafür, dass er als Symbol fürs Teleportieren herhalten muss. Aber im wirklichen Leben kann er das ja nicht. Da wird er mich immer nur an all die herrlichen Stunden erinnern, die ich mit euch in Shirewood verbringen durfte.« Sie schenkte ihm ein zuckersüßes Grinsen.

Zack musste lachen. Er legte ihr einen Arm um die Schulter und zog sie an sich. »Oh Mann, ich wusste gar nicht, wie viel wir dir bedeuten. Wenn das so ist, dann sollten Jamie, Sam und ich wohl zusammenschmeißen und ihn dir schenken, was?«

»Sorry, aber da muss ich passen. Wenn Meg erfährt, dass ich Jem einen Ring gekauft habe, kratzt sie mir die Augen aus.« Sam grinste entschuldigend. »Sie ist ohnehin schon ziemlich angepisst, weil ich die letzten Wochenenden mit euch hier verbracht hab und kaum Zeit für sie hatte. Ich muss da dringend was gutmachen und dafür brauch ich mein Taschengeld.« Er griff mit beiden Händen an seine Schläfen. »Wir sehen uns später im McAllister's. Bin schon gespannt auf Charlies großen Auftritt.« Er schloss die Augen, kniff sich in die Schläfen und verschwand.

»Wir sollten auch rausgehen.« Zack zog seinen Arm von Jemmas Schultern und sah zu Jamie. »Ich komm gleich zu euch rüber.«

»Okay«, seufzte Jamie. »Dann bis gleich.«

Zack lächelte ihm kurz zu, dann fasste auch er an seine Schläfen und löste sich auf.

Jemma merkte, wie Jamie sich ein letztes Mal umschaute und dabei ziemlich niedergeschlagen aussah.

»Na los.« Sie stupste ihrem Zwillingsbruder aufmunternd gegen den Arm. »Zurück in die Wirklichkeit.«

Schicksalsergeben nickte er und verschwand.

Mit einem Seufzen griff auch Jemma an ihre Schläfen, schloss die Augen und loggte sich in das Programm ein. Hinter ihren Augenlidern flammte eine helle Schrift auf und eine Stimme ertönte in ihrem Kopf.

WELCHER BEFEHL SOLL AUSGEFÜHRT WERDEN?

SHIREWOOD VERLASSEN.

CYBERNETZ VERLASSEN.

»Cybernetz verlassen.«

 

 

Kapitel 2

 

Jemma löste die Kontakte von ihren Schläfen und setzte die CyberSpecs ab. In Gedanken noch halb in der virtuellen Welt von Shirewood brauchte sie einen Moment, um sich wieder an die Wirklichkeit ihres Zimmers zu gewöhnen. Müde rieb sie sich über die Augen und massierte kurz ihre Nackenmuskeln. Wie immer, wenn sie Stunden in der CyberWorld verbracht hatte, fühlte sie sich bleischwer, steif vom reglosen Liegen auf ihrem Bett und gleichzeitig so ausgepowert, als hätte sie einen stundenlangen Marathonlauf hinter sich.

Oder einen Kampf auf Leben und Tod gegen einen Cyberdrachen.

Sie musste grinsen und merkte, dass ihre Kehle völlig ausgedorrt war, doch gerade als sie nach der Sodaflasche auf ihrem Nachttisch greifen wollte, polterte etwas im Nebenzimmer.

»Jamie?« Hastig sprang sie auf, sprintete durch das Badezimmer, das sie sich mit ihrem Bruder teilte, und riss die Verbindungstür auf. »Alles klar?«

Jamie saß auf seiner Bettkante und hielt seine linke Hand, die sich zusammengekrümmt hatte. Eine Wasserflasche lag vor seinen Füßen.

»Nur ein Krampf«, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

»Komm, ich mach das.« Jemma schob seine Krücken zur Seite, hockte sich neben ihn aufs Bett und begann vorsichtig seine Hand zu massieren, um die Verkrampfung zu lösen.

»Willkommen zurück in der Realität.« Missmutig ließ Jamie sich auf seinem Bett zurücksinken und starrte an die Zimmerdecke.

»Wieder kein guter Tag heute, hm?«

Er schüttelte den Kopf und fuhr sich mit der rechten Hand über die Augen, während Jemma seine linke weiter lockerte.

»Ich wollte nur was trinken.« Unwirsch versuchte er nach der Flasche zu treten. »Ich hab das blöde Ding nicht mal aufgekriegt.«

Vorsichtig bewegte er die Finger seiner linken Hand. Es tat weh und sie waren noch immer ziemlich steif, doch der Krampf hatte sich gelöst und er zog seine Hand zurück. Mühsam setzte er sich wieder auf, während Jemma ihm die Wasserflasche öffnete.

Er verzog das Gesicht. »Danke.«

»Kein Thema.«

Es klopfte an der Tür.

»Herein!«

»Jamie, ist alles in Ordnung? Ich habe ungewöhnliche Aktivitäten aus deinem Zimmer vernommen.«

»Schon gut, Max. Die ungewöhnliche Aktivität war nur meine Wasserflasche, die runtergefallen ist.« Jamie wandte sich zu ihrem Hightechhausmann um. »Hast dir aber reichlich Zeit gelassen, um nach mir zu sehen. Wirst du langsam alt und schaffst die Treppen nicht mehr so schnell?«

Max lächelte und wenn man nicht wusste, dass er ein hochmoderner Roboter war, hätte man ihn für einen ganz normalen vierzigjährigen Mann halten können. »Sicher nicht. Meine Berechnungen nach dem Aufprall hatten ergeben, dass es nicht dein Körper gewesen sein konnte, der gefallen ist, und meine Wärmesensoren haben mir angezeigt, dass deine Schwester nur zwei Sekunden nach dem Vorfall bereits zu dir unterwegs war.« Sein Blick richtete sich anerkennend auf Jemma. »Ausgezeichnete Reaktionszeit, meine Liebe.«

Jemma grinste. »Danke!«

Mit einem Lächeln wandte Max sich wieder an Jamie. »Du siehst also, dass ich erst jetzt hier erscheine, hat nichts mit mangelnder Fitness oder gar einer Vernachlässigung meiner Sorgfaltspflicht dir gegenüber zu tun. Dir konnte nichts Ernstes passiert sein und ich wusste dich in besten Händen.«

Jemmas Grinsen wurde noch ein bisschen breiter und sie knuffte ihrem Bruder in die Seite. »Wow, jetzt hat er's dir aber gegeben!«

Jamie schüttelte den Kopf, musste aber ebenfalls grinsen. »Warum bist du dann überhaupt hier, Max?«

»Es ist drei Uhr durch und ihr hattet noch kein Mittagessen. Ihr müsst hungrig sein und ich wollte fragen, was ihr essen wollt. Außerdem wollte ich dir die Treppen hinunterhelfen. Dein Körperscan zeigt mir, dass du heute keinen guten Tag hast. Deine Muskeln sind zu verkrampft und dir fehlt die Kraft, zu laufen. Um einen Sturz zu vermeiden, solltest du für den Rest des Tages auf die Krücken verzichten und deinen Rollstuhl nehmen.«

Das Grinsen verschwand aus Jamies Gesicht. »Wie gut, dass du mir immer ganz genau sagen kannst, wie ich mich fühle«, knurrte er. »Aber ich kann selbst beurteilen, was ich hinkriege und was nicht, danke!«

»Natürlich kannst du das. Aber du neigst zu falschem Stolz und zu viel Ehrgeiz und ich möchte nur entgegenwirken, dass du dich überanstrengst oder gar verletzt.«

Jamie warf einen entnervten Blick an die Zimmerdecke.

Mann, wie er das hasste!

Wütend ballte er die Hände zu Fäusten, doch das schmerzte zu sehr und er fürchtete einen weiteren Krampf. Also zwang er sich, seine Muskeln zu entspannen, atmete tief durch und schluckte Ungeduld und Ärger hinunter.

Nicht unterkriegen lassen …

Er hatte einfach nur einen schlechten Tag. Da musste er halt durch. Es nervte nur tierisch, dass diese Tage mittlerweile seit gut drei Wochen andauerten …

»Okay«, seufzte er schließlich. »Bring mich runter, Max. Und was zu essen wäre auch nicht schlecht.«

»Gern.« Geduldig hatte Max auf seine Anweisungen gewartet. Jetzt trat er ans Bett und hob Jamie so mühelos hoch als wäre er federleicht. »Wären ein paar Sandwiches genehm?«

»Hört sich prima an.«

Der Hausdiener wandte sich an Jemma. »Was ist mit dir?«

»Sandwiches sind klasse.«

»Sehr gern.«

Jemma stand vom Bett auf und ging zum Badezimmer hinüber. »Und mach bitte ein paar mehr. Charlie und Zack kommen gleich. Ich geh nur schnell duschen.«

»Kein Problem.«

»Und, Max?«

»Ja?«

»Danke.«

 

 

Die heiße Dusche war eine Wohltat. Auch wenn man im echten Leben natürlich nicht schmutzig werden konnte, während man in der CyberWorld als Avatar spielte, fühlte Jemma sich nach einem anstrengenden Kampf immer irgendwie besudelt und hatte das Gefühl, sich Dreck, Staub, Blut, Schleim, Matsch oder was immer ihr sonst noch an Widerlichkeiten während ihres Abenteuers begegnet war, abwaschen zu müssen.

Nach der Dusche kämmte sie sich rasch die feuchten Haare zurück und schlüpfte in eine bequeme Jeans und ihren weiten Lieblingspulli. Sie hatte sich bisher nur grob Gedanken darüber gemacht, was sie ins McAllister's anziehen wollte. Die endgültige Wahl des Outfits würde sie später mit Charlie treffen, sonst würde sie sich eh nur zigmal unnütz umziehen müssen. Mit knurrendem Magen sprang sie schließlich die Treppe ihres Londoner Stadthauses hinunter in den gemütlichen Wohnbereich.

»Hey, Dad! Ist irgendwas Spektakuläres in der Welt passiert, das ich unbedingt wissen sollte?«

Robert Bennett saß mit seinem Tablet in ihrer geräumigen Sofalandschaft, während auf dem großen Bildschirm ihm gegenüber LondonNewsNetwork, der größte Nachrichtensender der Metropole, lief. Er sah von seiner Arbeit auf und lächelte seiner Tochter entgegen.

»Unsere Regierung diskutiert zum gefühlt hundertsten Mal das Budget für die Sanierung der Parlamentsgebäude, der März ist nasser und kühler als er sein sollte und irgendein siebzehnjähriges Popsternchen ist angeblich schwanger.«

Jemma ließ sich neben ihm aufs Sofa fallen. »Also hab ich nichts verpasst. Obwohl – heißt das schwangere Popsternchen etwa Melody Swan?«

Ihr Dad runzelte kurz die Stirn und nickte dann zögernd. »Ich glaube, ja. Warum? Macht das die Nachricht irgendwie spektakulärer?«

Jemma grinste. »Na ja, vielleicht schon. Sie hat vor ungefähr einem halben Jahr in jede Kamera, die sie finden konnte, lang und breit erzählt, dass sie irgendeiner Gruppe beitreten will, deren Motto 'Kein Sex vor der Ehe' ist. Wenn sie also nicht heimlich geheiratet hat oder ihrem Motto untreu geworden ist, könnte ihre Schwangerschaft natürlich ein Fall von unbefleckter Empfängnis sein. Und da so was meines Wissens nach bisher höchstens einmal vor gut 2038 Jahren vorgekommen ist, musst du zugeben, dass so ein neuer Fall schon ziemlich spektakulär wäre.«

Robert lachte. »Ich denke, die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihrem Motto untreu geworden ist, ist deutlich höher als die einer unbefleckten Empfängnis. Obwohl ich zugeben muss, dass sich diese Gruppe fantastisch anhört. Sie sollte ihre Mitglieder offensichtlich nur ein bisschen besser kontrollieren.« Er grinste seine Tochter an. »Wäre das nicht vielleicht auch was für dich? Wenn du beitrittst und versprichst, keinen Sex vor der Ehe zu haben, würdest du deinen alten Herren damit unendlich glücklich machen.«

Empört schüttelte Jemma den Kopf und boxte ihm gegen die Schulter. »Dad! Ich hab ja im Moment nicht mal einen festen Freund! Solltest du dieses Gespräch nicht eher mit Jamie führen? Obwohl – da kämen deine Bemühungen wohl etwas zu spät.«

»Dafür muss ich mir bei ihm keine Sorgen um eine ungewollte Schwangerschaft machen. Bei dir schon.« Robert sah seine Tochter mit gespielter Verzweiflung an. »Warum kannst du nicht einfach so sein wie dein Bruder?«

Jemma grinste frech und zuckte mit den Schultern. »Bin ich doch! Ich steh genauso auf Jungs wie er!«

Ihr Dad lachte und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. »Dann versprich mir nur, dass du besser aufpasst als dieses Popsternchen mit dem bescheuerten Namen.«

»Mach ich. Großes Ehrenwort.« Sie schaute auf sein Tablet und sah, dass er eine Klientenakte geöffnet hatte. »Habt ihr einen spannenden neuen Fall, dass du sogar am Wochenende arbeiten musst?«

Robert Bennett war Anwalt in einer der größeren Kanzleien der Londoner City. Er seufzte und rieb sich müde über die Augen.

»Spannend wäre das falsche Wort. Eher knifflig. Ein ziemlich hoher Wirtschaftsboss hat Ärger mit dem Finanzamt. Ihm wird Steuerbetrug in Millionenhöhe vorgeworfen, doch er schwört, dass man ihn hereinlegen und seinen guten Namen in den Schmutz ziehen will.«

»Und? Glaubst du ihm?«

»Ja, ich denke schon. Allerdings sprechen die Beweise bisher eher gegen ihn.«

Jemma gab ihm einen Kuss auf die Wange und stemmte sich dann von der Couch hoch. »Wenn er wirklich unschuldig ist, dann wirst du auch einen Beweis dafür finden. Da bin ich mir ganz sicher.«

Robert lächelte. »Danke.«

»Max macht uns Sandwiches. Willst du auch was?«

»Ein Tee wäre klasse. Schwarz und stark.«

»Kommt sofort!«

Sie lief durch den Wohnbereich und wollte gerade in die offene Küche abbiegen, als es an der Haustür klingelte.

»Ich geh schon, Max!«

»Danke, es ist Zack!«

Auch wenn Jemma wusste, dass ihr Hightechbutler keineswegs hellsehen konnte, sondern sich einfach nur kurz in die Bilder der Überwachungskamera am Hauseingang eingeklinkt hatte, war es oft unheimlich, was er alles wusste.

»Hi. Sorry, hab meine Schlüsselkarte vergessen.«

Jemma zog eine Augenbraue hoch und schnaubte. »Ja, klar. Du warst einfach nur zu faul, sie rauszukramen.«

»Yep.« Grinsend schob Zack sich an ihr vorbei durch die Eingangstür und musterte kurz ihr recht gemütliches Erscheinungsbild. »Charlie ist wohl noch nicht hier, was?«

»Nein, wieso?«

»Weil sie dich in diesem Aufzug nie und nimmer an die Tür gelassen hätte.«

»Blödmann!« Sie warf die Tür zu und schubste ihn unsanft in Richtung Küche, in der Max gerade einen Teller mit einem Sandwichberg auf die Küchentheke stellte.

»Max, kannst du Dad bitte einen starken schwarzen Tee machen?«

»Ja, natürlich. Hallo Zack. Schön, dich wieder hier zu haben.«

»Hi Max. Danke. Die Sandwiches sehen lecker aus.«

»Greif zu!« Der Butler stellte ihnen noch einen Kanister mit Orangensaft und ein paar Gläser hin, dann machte er sich ans Teekochen.

»Hey.« Jamie saß auf einem der Barhocker am Küchentresen und drehte sich erfreut zu Zack um, als der hinter ihn trat und seine Arme um ihn schlang.

»Danke, dass du vorhin so um mein Leben gekämpft hast.« Zack gab ihm einen Kuss.

»Gern geschehen.« Jemma schwang sich auf einen Hocker den beiden gegenüber. »Nur falls du nicht gemerkt haben solltest, dass ich auch ein winzig kleines bisschen daran beteiligt gewesen bin.«

Zack grinste und setzte sich neben Jamie. »Nein, keine Sorge. Ich hab's gemerkt und auch dir gilt mein unendlicher Dank.« Er beugte sich vor und gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Selbst Sam bin ich dankbar, aber erwartet nicht von mir, dass ich unseren großen Magier auch küsse. So weit geht meine Dankbarkeit dann doch nicht. Schließlich war es ja zum größten Teil seine Schuld, dass es überhaupt erst so brenzlig wurde.«

Jamie lachte. »Wie lange willst du ihm seinen Fehler noch unter die Nase reiben?«

Zack grinste fies. »Nur so lange, wie es mir Spaß macht.« Er nahm sich ein Sandwich und biss vergnügt hinein.

»Wie war es eigentlich so, fast tot zu sein?« Jemma nahm sich ein Käsesandwich.

Zack zuckte die Schultern. »Ein bisschen klischeehaft, ehrlich gesagt. Je mehr Schaden das Feuer mir gemacht hat, desto mehr wurde ich in meinen Bewegungen eingeschränkt, bis ich mich schließlich gar nicht mehr rühren konnte.«

»Das kennen wir ja alle, wenn unsere Lebensenergie abnimmt«, meinte Jamie. »Aber wie ging's dann weiter?«

»Irgendwann wurde plötzlich alles schwarz und ich dachte, mein Avatar ist tot und ich bin aus dem Spiel geflogen. Ich hab damit gerechnet, dass das Programm mir sagt, dass ich leider gestorben bin und mich vielleicht zu Old Marley zurückschickt. Stattdessen haben sie erst mal noch so was wie eine außerkörperliche Erfahrung ins Spiel eingebaut. Ich hab mich und euch plötzlich aus der Vogelperspektive gesehen. Wie bei den PC- und Konsolenspielen, bei denen man seine Figur mit Maus, Tastatur oder irgendwelchen Kontrollern steuert. Nur konnte ich halt nichts mehr steuern. Ich konnte euch nur zusehen und hören, wie ihr um mich gekämpft habt.« Er schwieg einen Moment. »Das war ganz schön schräg.«

»Ich fand's eher schrecklich.« Jamie vermied es, ihn anzusehen. Er schob seinen Teller fort und zog den Saftkanister zu sich.

»Hey.« Zack legte seinen Arm um Jamies schmale Schultern und zog ihn an sich. »Selbst wenn ich gestorben wäre, wär mir doch nichts passiert. Es ist nur ein Spiel.«

Vergeblich machte Jamie sich am Verschluss zu schaffen. »Ich weiß! Es hat sich aber trotzdem verdammt echt angefühlt!« Wütend schlug er gegen den Kanister. Er bekam das Scheißding nicht auf. Er hatte heute einfach nicht genug Kraft.

Zack seufzte innerlich und strich ihm sanft über die Hände. »Wieder kein guter Tag?« Er drehte den Kanister auf, goss ein Glas ein und schob es Jamie hin.

»Nein.«

»Das wird schon wieder.« Aufmunternd legte Zack wieder seinen Arm um ihn.

Die Türglocke bimmelte und Jemma sprang von ihrem Hocker. »Ich geh schon, Max, das ist sicher Charlie.«

»In der Tat«, bestätigte Max, der gerade ein Tablett mit einer dampfenden Teetasse und einem Sandwich belud, um beides ins Wohnzimmer zu bringen. »Ich wusste gar nicht, dass du jetzt auch mit unserer Überwachungskamera verlinkt bist.«

Jemma musste lachen. »Bin ich nicht. Ich hab einfach nur einen guten Draht zu meiner besten Freundin!«

 

 

»Hi Süße! Himmel, wie siehst du denn aus? In diesen Schlabberklamotten solltest du echt nicht an die Tür gehen!« Hastig schob Charlie sich mit einer riesigen Reisetasche an Jemma vorbei und schloss die Tür so schnell wieder, dass man wirklich den Eindruck bekommen konnte, sie wollte nicht riskieren, dass irgendwer ihre Freundin in ihrer momentanen Aufmachung zu Gesicht bekam. »Man weiß doch schließlich nie, wer davorsteht! Könnte ja mal ein echt heißer Lieferjunge sein!« Sie warf ihr einen vielsagenden Blick zu.

Grinsend schüttelte Jemma den Kopf. »Wenn's ein heißer Lieferjunge gewesen wäre, hätte Max mir Bescheid gesagt.«

»Und was hast du mit deinen Haaren gemacht?« Charlie griff in Jemmas feuchte Mähne und rümpfte missbilligend die Nase.

»Sie gewaschen?«

»Na, das ist zumindest schon mal ein Anfang. Damit kann ich arbeiten. Allerdings müssen wir uns gleich daransetzen, sonst wird es unmöglich, da noch was Gescheites rauszuholen!« Charlie rauschte durch den kurzen Flur in Richtung Küche. »Das McAllister's wird heute mit Sicherheit gerammelt voll sein. Wer weiß, wem man da so begegnen kann!« Verschwörerisch zwinkerte sie Jemma zu.

Die grinste und folgte ihr in den Küchenbereich. Obwohl sie so verschieden waren wie Tag und Nacht, waren Charlie und sie schon seit dem Kindergarten die besten Freundinnen. Jemma war eher ruhig, zurückhaltend und manchmal ein bisschen zu ernst. Charlie dagegen stürmte meist drauflos und nahm vieles locker. Auch äußerlich waren die beiden grundverschieden. Während Charlie dunkelhäutig war, mit schulterlangen schwarzen Locken, braunen Knopfaugen und einer recht kurvigen Figur, war Jemma klein, schmal, hellblond und wurde zu ihrem Bedauern nicht mal im Sommer richtig braun.

»Hi Jungs! Hi Max! Hallo Mr B!«

Robert Bennett saß noch immer mit seinen Unterlagen in der Sofaecke, sah aber lächelnd von seiner Arbeit auf, als Charlie hereingewirbelt kam.

»Hallo Charlie. Ich hab gehört, du hast heute Abend deinen großen Auftritt bei der Talentshow?«

Sie grinste. »Yep, ich werd die Bude ziemlich rocken!«

»Daran hab ich nicht den geringsten Zweifel.«

Charlie ließ ihre Tasche mitten in die offene Küche fallen, schwang sich auf einen der Barhocker und betrachtete begeistert das Tablett.

»Oh, Sandwiches!« Sie schnappte sich eins, biss hinein und verdrehte verzückt die Augen. »Max, die sind 'ne Wucht!«

»Vielen Dank. Es freut mich immer, wenn es euch schmeckt.«

Jamie musste grinsen, als er sah, wie Charlie völlig ausgehungert das Sandwich verschlang. »Dafür, dass dein Dad Leiter eines Großmarkts ist, scheinst du zu Hause nicht viel zu essen zu bekommen.«

»Hör bloß auf … Du hast ja keine Ahnung! Meine Mutter hat heute mal wieder einen ihrer experimentellen Kochtage«, mampfte sie mit einem theatralischen Augenaufschlag zwischen zwei Bissen hervor. »Indisch! Zumindest laut ihr. Wage ich aber zu bezweifeln. Wenn das wirklich indisch war, können es die Inder nur äußerst selten kochen, denn sonst hätte das Land definitiv keine Probleme mit Überbevölkerung. An dem Zeug krepiert selbst die heiligste Kuh, ich schwör's euch!« Sie nahm sich ein weiteres Sandwich, nachdem das erste trotz Redeschwall in Rekordzeit verschwunden war. »Absolut widerlich! Weiß der Geier, was Mum da zusammengekippt hat. Es war pissgelb, hatte die Konsistenz von Erbrochenem und unsere Wohnung stank wie eine Mischung aus Kuhstall und Teergrube. Ich hatte von den ätzenden Dämpfen Tränen in den Augen und unsere Nachbarn werden uns vermutlich wegen Körperverletzung verklagen.«

Angewidert verzog Zack das Gesicht und legte das Sandwich zurück, in das er gerade hatte beißen wollen. »Danke für diese äußerst plastische Beschreibung! Wir essen hier gerade!«

Sie grinste. »Na, dann sei froh, dass es nicht das Zeug von meiner Mutter ist!«

Er rollte die Augen und sah zu Jamie. »Lass uns hoch in dein Zimmer gehen, bevor Charlie hier noch mehr unappetitliche Details preisgibt.«

»Soll ich euch behilflich sein?« Max ließ sofort das Geschirr stehen, das er in die Spülmaschine hatte einräumen wollen, und wandte sich zu Zack und Jamie um.

»Danke, Max. Aber das schaffen wir schon.«

Jamie schlang seine Arme um Zacks Schultern. Der nahm ihn auf den Rücken und sie verschwanden in Richtung Treppe.

Charlie sah ihnen nach. »Schon wieder kein guter Tag?«

Jemma stellte ihr Saftglas ab und schüttelte niedergeschlagen den Kopf. »Nein.«

Tröstend legte Charlie einen Arm um sie. »Hey, das wird schon wieder. Davon lässt Jamie sich doch nie lange runterziehen.« Sie sprang von ihrem Hocker und zog Jemma mit sich. »Komm, jetzt hübschen wir uns erst mal auf. Und dann werden wir den Club heute Abend rocken!«

 

 

In Jemmas Zimmer kippte Charlie den Inhalt ihrer Tasche aufs Bett und begann in den Kleidungsstücken herumzuwühlen, während Jemma den Fernseher einschaltete und einen Musikkanal anwählte.

»Hast du schon von Melody Swans anderen Umständen gehört?« Sie trat an ihren Kleiderschrank und inspizierte unentschlossen seinen Inhalt.

»Ja, und da ich nicht an das Wunder einer unbefleckten Empfängnis glaube, bin ich gespannt, wie sie sich aus der Nummer rausreden will, nachdem sie so groß mit ihren Keuschheitsabsichten rumgetönt hat. Ich hab das eh immer nur für einen riesigen PR-Gag gehalten. Wenn Intelligenz, Aussehen und Können nicht ausreichen, muss man sich eben anders ins Rampenlicht drängen. Aber wenn man dann zu blöd zum Verhüten ist, hat man es echt nicht anders verdient.« Sie grinste schadenfroh. »Wenigstens besteht jetzt die Hoffnung, dass sie uns eine Zeit lang nicht mehr mit ihrem weichgespülten Kaugummipop auf die Nerven geht.«

Sie zog einen knallroten Minirock und eine kunstvoll zerschnittene schwarze Jeans aus dem Kleiderhaufen. »Okay, Grundsatzfrage: eher flippiger Punk?« Sie hielt die Jeans hoch. »Oder sexy Rockröhre?« Der rote Mini.

Jemma zeigte auf den Rock. »Der fällt mehr auf.«

»Gutes Argument!« Die Jeans flog zurück auf den Haufen.

»Ich hoffe nur, du hast was zum Drunterziehen? Das Röckchen ist nämlich reichlich kurz und flattrig.«

Charlie grinste kess und angelte rote Hotpants aus dem Wäschechaos. »Keine Sorge, die hier gehört dazu.«

Die Türglocke bimmelte, doch Jemma wusste, dass Max sich darum kümmern würde, daher zog auch sie eine schwarze, allerdings intakte Jeans und einen dunkelroten, nicht ganz so knappen Rock mit Schottenmuster aus dem Schrank und hielt beides hoch.

»Hose oder Rock?«

»Rock, auf jeden Fall!« Charlie trat zu ihr und sah sich das gute Stück an. »Auch wenn der hier ein bisschen so aussieht wie unsere Schuluniform.«

»Unsere Schulröcke haben ein blaues Schottenmuster und gehen bis zu den Knien!«, sagte Jemma empört. »Der hier ist nur halb so lang!«

»Hey! Kein Mensch sagt, dass Uniformen nicht sexy sein können.« Charlie hielt ihr den Rock an und nickte wohlwollend. »Zieh ihn mal an. Dazu schwarze Strumpfhosen, deine schwarzen Stiefel und ein schwarzes Oberteil. Das kommt bei deinen hellen Haaren mit Sicherheit supergut. Aber nimm ein enges! Nicht eins dieser Schlabberteile, die du so gerne trägst. Hast du irgendwas Knappes, Bauchfreies? Du kannst das immerhin locker tragen.«

Jemma verschwand in den Tiefen ihres Kleiderschranks und wühlte durch ihre Klamotten.

Es klopfte.

»Komm rein!«

Max trat ein und hielt Jemma ein kleines Päckchen hin. »Das wurde gerade für dich geliefert. Ich habe es gescannt, möchtest du wissen, was drin ist?«

Sie nahm das Paket entgegen. »Lass mich raten, ein Ring?«

»Korrekt.«

»Ein Ring?!«

»Bleibt es bei unserer Abfahrtszeit um neunzehn Uhr dreißig?«

»Ja, Max, danke.«

»Sehr gerne.« Er wandte sich ab und zog die Tür hinter sich zu.

»Ein Ring?!«, wiederholte Charlie mit großen Augen. »Hast du mir irgendwas verheimlicht? Wer schickt dir einen Ring?!«

»VanguardArts Entertainment.« Jemma riss das Paket auf. »Oder besser gesagt, deren Merchandiseabteilung. Wow, die sind echt schnell! Ich hab das Ding erst vor knapp zwei Stunden bestellt.« Sie öffnete die kleine Schatulle, in der ihr imitierter Teleportring lag. Er sah wirklich genauso aus wie im Spiel und auch wenn der Rubin nur aus rotem Glas war, war er hübsch anzusehen.

»Nett«, meinte Charlie, als Jemma den Ring überzog. Für den Ringfinger war er ihr etwas zu groß, aber auf dem Mittelfinger saß er perfekt. »Woher hast du ihn?«

»Es ist ein Andenken an das CyberGame, das ich mit den Jungs heute zuende gespielt hab.«

»Dieses mittelalterliche Schwerter-Schwing-Spiel, wegen dem du die letzten Wochenenden kaum Zeit hattest?«

»Genau das.« Jemma schlüpfte aus ihrer alten Jeans und zog sich um.

»Ich werd nie begreifen, was du daran so toll findest.« Auch Charlie begann ihre Klamotten zu wechseln.

»Ach, komm schon! Du findest die CyberWorld doch auch klasse!«

»Ich meine ja auch nicht die CyberWorld an sich. Ich liebe die 3D-Filme! Und die C-Clubs sind klasse, um Leute aus der ganzen Welt mal eben schnell und unkompliziert von Angesicht zu Angesicht zu treffen. Und natürlich die Live-in-Concert-Games. Die sind richtig cool!« Sie verzog das Gesicht. »Aber in mittelalterlicher Montur durch irgendwelche Wälder ziehen, Zaubersprüche vor sich hin murmeln und gruselige Fantasymonster plattmachen?« Zweifelnd zog sie eine Augenbraue hoch. »Also, ich weiß nicht. Ich steh nicht so auf Helden in Strumpfhosen.«

Jemma lachte auf. »Keiner von uns trägt Strumpfhosen! Und heute haben wir ein Dorf von einem gefräßigen Drachen befreit.« Sie grinste. »Ich finde das deutlich cooler, als in deinen MusicGames auf irgendeiner Bühne zu stehen und das letzte Konzert von Melody Swan nachzuträllern.«

»Hey, ich hab noch nie einen Song von Melody Swan gesungen!«

»Sagst du! Wahrscheinlich bist du heimlich doch ihr größter Fan. Und wer weiß, was du in der CyberWorld so alles anstellst, wenn ich nicht bei dir bin, um dich vor den größten Peinlichkeiten zu bewahren!«

 

 

Kapitel 3

 

Um kurz vor acht setzte Max die vier vor dem McAllister's ab und versprach, sie rechtzeitig zur Sperrstunde wieder abzuholen. Das McAllister's war einer der angesagtesten Jugendclubs außerhalb der City im Südwesten Londons und glich einer Bar mit langer Theke und großem Loungebereich. Gemütliche rote Sessel und Sofas konnten bei Bedarf zusammengeschoben werden und einer Bühne Platz machen, wenn das junge Ehepaar, das den Laden betrieb, sich mal wieder eine Aktion hatten einfallen lassen, um ihre Hütte vollzukriegen. Nicht, dass das wirklich nötig gewesen wäre. Auch ohne die Auftritte von Jugendbands aus den umliegenden Stadtvierteln, Karaokeabenden oder den Talentshows, bei denen jeder, der Lust hatte, sich mit seinem Act anmelden konnte, war das McAllister's äußerst beliebt und konnte mit den C-Clubs, seiner Konkurrenz in der virtuellen Welt, locker mithalten.

Nachdem die vier am Eingang von den beiden Hightechtürstehern auf versteckten Alkohol und Drogen gescannt worden waren, durften sie den Club betreten und Charlie steuerte direkt auf die Bar zu, an deren Theke Sean, einer der Besitzer, arbeitete. Er lächelte, als er sie kommen sah.

»Wow, Charlie! Wenn du so klasse singst, wie du aussiehst, dann gehörst du eindeutig zu den Favoriten heute Abend.«

»Danke!«, strahlte sie. »Wo ist Kate?«

Er wies zur Bühne, vor der eine mollige Frau mit dunklen Locken an einem Mischpult herumhantierte. »Sie werkelt schon den ganzen Tag an der Licht- und Soundanlage herum. Ich darf hier nur Gläser polieren und bedienen.«

Charlie grinste. »Ist vermutlich auch besser so«, rief sie ihm über die Schulter zu. »Was die Technik angeht, hast du nämlich echt zwei linke Hände!«

»Süße, das hat dich gerade einen wertvollen Sympathiepunkt gekostet!«

Während Charlie zu Kate hinübereilte, um ein paar Dinge für ihren Auftritt mit ihr zu besprechen, schlängelten Jemma, Jamie und Zack sich durch den Loungebereich auf der Suche nach ihren Freunden. Obwohl die Show erst um neun beginnen sollte, war der Club bereits gut gefüllt. Ein paar Mitschüler grüßten sie und endlich entdeckte Jemma Sam und Meg, die eins der begehrten großen Ecksofas ergattert hatten. Jemma schob einen Sessel beiseite, damit Jamie mit dem Rollstuhl durchkam, und begrüßte ihre beiden Freunde.

»Hi! Cooler Platz! Seit wann seid ihr hier, dass ihr den bekommen habt?«

»Ungefähr seit 'ner Stunde. Ich bin gleich nach unserem Spiel zu Meg gefahren. Wir waren im PizzaShack essen und sind dann direkt hierher.« Sam warf seiner Freundin ein treuherziges Lächeln zu. »Ich hatte immerhin noch was gutzumachen.«

»Ja, das stimmt. Entweder haben wir uns kaum gesehen, weil wir für die ätzenden GCSE-Prüfungen lernen mussten oder du hattest wegen eurem blöden CyberGame kaum Zeit für mich.« Sie grinste und kniff ihm anzüglich in seine recht gut gepolsterte Mitte. »Aber tu jetzt bloß nicht so, als hätte es dir ein wahnsinniges Opfer abverlangt, heute mit mir Pizza essen zu gehen!«

Sam lachte und schnappte ihre Hand. »Nein, die Pizza war klasse!«

»Ich hoffe, nicht nur die Pizza!« Meg zog ihn an sich und gab ihm einen ausgiebigen Kuss.

»Okaaay.« Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Jemma betont in eine andere Richtung und ließ sich neben die beiden aufs Sofa fallen. »Willkommen in der Show 'Was ich nicht unbedingt über die Freizeitaktivitäten meiner Freunde wissen wollte'! Unsere beiden Stargäste heute: Megan Crest und Samuel Evans mit ihrer Version eines Samstagnachmittagvergnügens!«

Alle lachten.

»Neidisch?«, fragte Meg, nachdem sie sich von Sams Lippen gelöst hatte.

Jemma schüttelte den Kopf. »Nein, ich gönn euch euer junges Glück.«

Jamie hatte sich aufs Sofa umgesetzt und Zack schob den Rollstuhl beiseite.

»Wer will was trinken?«, fragte er dann. »Ich geh und hol die Drinks.«

»Cranberrysoda, bitte.« Jemma sah kurz in Richtung Bühne. »Und bring gleich zwei mit. Charlie trinkt sicher auch eins.«

»Für mich 'ne Cola.« Jamie angelte nach einem Flyer, der auf ihrem Tisch lag und die Reihenfolge der zehn Showacts des Abends verkündete. Charlie würde mit Respect der Rocklady Natasha Clay an den Start gehen.

»Ich nehm auch noch eine.«

Sam stemmte sich vom Sofa hoch. »Ich komm mit und helf dir. Das ganze Zeug kannst du unmöglich alleine tragen.«

Jamie reichte Jemma den Flyer. »Charlie ist die Vierte.« Er hatte Mühe, sich das Lachen zu verkneifen. »Weiß sie, dass gleich zwei ihrer Konkurrentinnen mit Songs von Melody Swan auftreten?«

Jemma warf einen kurzen Blick auf den Zettel und schaute dann zur Bühne hinüber. Charlie schlängelte sich durch die Lounge und stürmte auf sie zu. In der Hand schwenkte sie einen der Flyer.

»Ich denke, sie weiß es.«

»Was weiß ich?« Charlie sank neben ihr aufs Sofa.

»Dass du gleich gegen zwei Melody Swans antreten musst.«

Stöhnend klatschte Charlie den Flyer auf den Tisch. »Ja, unfassbar, nicht?«

Meg zuckte mit den Schultern. »Ich weiß echt nicht, was du gegen ihre Songs hast. Ich find sie gar nicht so schlecht!«

Charlie warf ihr einen beruhigenden Blick zu. »Keine Sorge, Süße, das liegt nur daran, dass du bis über beide Ohren in Sam verknallt bist. Dein Gehirn schüttet da zur Zeit irgendwelche seltsamen Endorphine aus, die deinen musikalischen Geschmackssinn lahmlegen.« Sie tätschelte ihr die Hand. »Aber das gibt sich wieder.«

»Dumme Nuss!« Lachend zog Meg ihre Hand fort.

Charlie grinste und richtete sich auf. Noch einmal warf sie kopfschüttelnd einen Blick auf den Flyer mit ihrer Konkurrenz. »Ich glaub, ich brauch jetzt erst mal einen Drink.«

»Wie wäre es mit einem Cranberrysoda?« Zack hatte sich mit einem vollbeladenen Tablett zu ihnen durchgekämpft und stellte es vorsichtig auf dem Tisch ab. Sam folgte mit dem Rest ihrer Gläser und Getränke.

»Oh Mann«, seufzte Charlie. »Du weißt genau, was ich brauche. Wenn du nicht auf Jungs stehen würdest, würde ich dich glatt heiraten.«

Grinsend reichte Zack ihr ein Glas und eine kleine Flasche. »Dann solltest du lieber Jem heiraten. Sie hat mir gesagt, was ich dir mitbringen soll.«

Treuherzig sah Charlie ihre beste Freundin an. »Heiratest du mich?«

Jemma legte einen Arm um sie und spielte mit einer ihrer schwarzen Locken. »Heute nicht, Süße. Heute ist erst mal dein großer Auftritt. Aber vielleicht morgen, okay?«