Das Auto - Carolina Baur - E-Book

Das Auto E-Book

Carolina Baur

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Beschreibung

In einer von Männern dominierten Welt zeichnet dieses Buch die faszinierenden Lebensgeschichten von Frauen nach, die die Automobilbranche maßgeblich geprägt haben. Es zeigt eindrucksvoll, wie sie sich ihren Platz in der Industrie erkämpften, trotz tief verwurzelter Vorurteile und Geschlechterstereotype und zu innovativen, erfolgreichen Unternehmerinnen wurden. Der erste Teil widmet sich den weiblichen Persönlichkeiten hinter großen Namen wie Laura Ferrari und Annita Lamborghini. Frauen, die nicht nur Ehefrauen oder Mütter waren, sondern als kompetente und unternehmerisch denkende Managerinnen aktiv an strategischen Entscheidungen beteiligt waren, während ihre Männer sich auf die Entwicklung außergewöhnlicher Automobile konzentrierten. Der zweite Teil führt uns auf eine historische Reise vom 18. Jahrhundert bis heute durch Kämpfe um Freiheit, Emanzipation und gegen gesellschaftliche Vorurteile. Im dritten Teil wird das Automobil als kulturelles und technologisches Konzept neu beleuchtet: von den Ursprüngen der Supercars bis zur zentralen Rolle großer Karosseriebauer erzählt anhand prägender Anekdoten und Schlüsselmomente. Durch die weibliche Perspektive verleiht das Buch außergewöhnlichen Frauen endlich die Sichtbarkeit, die ihnen zusteht und sendet eine klare, entschlossene Botschaft: Frauen haben, und wie, die Geschichte des Automobils mitgeschrieben.

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Seitenzahl: 263

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Der Weg ist noch lang, doch Manuela Gostner, Rennfahrerin aus Leidenschaft, will einfach nur fahren und gewinnen – frei von Vorurteilen und Klischees unserer sogenannten bürgerlichen Gesellschaft.

Sie blickt nie zurück, denn mit jedem Schritt beweist unsere Kapitänin, dass man mit Taten etwas verändern kann – um allen Frauen dieser Welt Würde und Wert zurückzugeben.

Inhaltsverzeichnis

L’Automobile è femmina

Vorwort

1 Die großen Liebesgeschichten

1.1 Anneliese Abarth - Eine Frau aus einer anderen Zeit

1.2 Laura Ferrari - Eine Frau fürs Leben

1.3 Lina Lardi degli Adelardi - Die edle Dame

1.4 Fiamma Breschi - Die Dame mit der violetten Tinte

1.5 Elisabeth Haskell - Eine verliebte Frau

1.6 Renata Kettmeir - Madame Bugatti

1.7 Cristina Elisabeth Pagani - Die Frau der Kohlefaser

1.8 Corinna Schuhmacher - Die wahre Amazone

2 Die Unternehmerinnen

2.1 Annita Lamborghini - Die Säule von Lamborghini

2.2 Angelica Dallara - Die Frau des Windes

2.3 Caterina Dallara - Die Königin der IndyCar

2.4 Silvia Nicolis - Die Hüterin der Geschichte

2.5 Alessandra Zinno - Die Prinzessin des Autodroms von Monza

3 Die Profi-Rennfahrerinnen von gestern und heute

3.1 Die Gräfin Elsa Albrizzi - Das Auto ist eine Frau

3.2 Michela Cerruti - Die Frau der Rekorde

3.3 Maria de Villota - Das Leben ist ein Geschenk

3.4 Sophia Flörsch - Die Frau, die zweimal lebte

3.5 Corinna und Manuela Gostner - Die fliegenden Schwestern

3.6 Elisabeth Junek - Die Pionierin des Automobilrennens

3.7 Danica Patrick - Der Liebling der Medien

3.8 Vicky Piria - Das Mädchen mit dem Traum Rennfahrerin zu werden

3.9 Sabine Schmitz - Die Königin des Nürburgrings

3.10 Prisca Taruffi - Ikone der Mille Miglia

3.11 Susie Wolff - Die schnellste Frau der Welt

4 Fünf Frauen in der Geschichte der Formel 1

4.1 Maria Teresa de Filippis - Die Teufelin

4.2 Maria Grazia Lombardi - Die Dame am Steuer

4.3 Desiré Randall Wilson - Die Lady

4.4 Divina Galica - Wonder Woman

4.5 Giovanna Amati - Die Missverstandene

5 Die Journalistinnen der Formel 1

5.1 Patricia Pilchard - Die Pionierin

5.2 Maria Leitner - Die Wegbereiterin

5.3 Claudia Peroni - Die talentierte Blondine

5.4 Federica Masolin - Die Schönste im ganzen Land

5.5 Mara Sangiorgio - Der tanzende Stern der Boxengasse

6 Eine Ferrari Karosserie in Rosa

6.1 Scuderia Belle Epoque und AWA Drei Frauen, eine Leidenschaft

7 Notizen zur Geschichte

7.1 Die Rolle der Frau in der Gesellschaft

7.2 Citroën - Die Fabrik der Frauen

7.3 Seit wann und warum wir rechts fahren

7.4 Der Führerschein: Ursprung und die ersten Fahrerinnen

7.5 Die erste Frau mit Führerschein

7.6 Das Auto: Fünf kreative Frauen

8 Notizen zur Geschichte des Automobils

8.1 Automotive - Ein Wunderland

8.2 Wenn eine Automarke zur Legende wird

Abarth

Alfa Romeo

Bugatti

Cisitalia

Dallara

Ferrari

FIAT S.p.A. - Fabbrica Italiana Automobili Torino

Lamborghini

Lancia

Maserati

Pagani

8.3 Die Legende lebt weiter: Die italienischen Karosseriebauern

8.4 Der Zauber der Autorennen des 20. Jahrhunderts

8.5 Formel 1 ... was für eine Leidenschaft!

8.6 Die Scuderia Ferrari

8.7 Das Nicolis-Museum - Eine Zeitreise

8.8 Das Autodromo Nazionale Monza: Einhundert Jahre seit seiner Gründung (1922 - 2022)

Danksagungen

Bibliografie

L’Automobile è femmina

Der Originaltitel dieses Buches lautet: L’automobile è femmina – E dietro ogni motore… una donna, was auf Deutsch so viel bedeutet wie: „Das Auto ist weiblich – und hinter jedem Motor steht eine Frau.“

Im Italienischen ist das Wort „automobile“ weiblich – und das nicht zufällig, sondern eng mit kulturellen Vorstellungen und Symbolen verbunden.

Diese sprachliche Festlegung geht unter anderem auf den berühmten Schriftsteller und Politiker Gabriele D’Annunzio zurück, der das Automobil mit weiblichen Eigenschaften wie Eleganz, Sinnlichkeit und Lebendigkeit zuschreibt.

Ganz anders sahen das die italienischen Futuristen, eine avantgardistische Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts, die Technik, Geschwindigkeit und Energie vergötterte. Ihr Gründer, der Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti, betrachtete das Automobil als Symbol für Kraft, Aggressivität und männliche Energie.

Nachdem D’Annunzio 1926 einen Fiat 509 Cabriolet als Geschenk von Senator Giovanni Agnelli, Mitbegründer von FIAT, erhalten hatte, begann er, das Automobil als feminine Erscheinung wahrzunehmen – eine Sichtweise, die sich schnell festigte. So wurde dank ihm das Wort „automobile“ weiblich und wandelte sich vom Adjektiv zum Substantiv. Kein Wunder also, dass viele italienische Automobile Frauennamen tragen: Giulia, Giulietta, Flavia, Silvia, Serena, – Namen, die ebenfalls für Schönheit, Eleganz und Persönlichkeit stehen.

Im September 2017 wurde mit Unterstützung der Region Lombardei im Vittoriale degli Italiani in Gardone Riviera am Gardasee – dem ehemaligen Wohnsitz von Gabriele D’Annunzio – das neue Museum „L’Automobile è femmina“ eröffnet, das der Leidenschaft des Dichters für Automobile als Symbole der Modernität und des Fortschritts gewidmet ist.

Vorwort

Ich widme dieses Buch allen Frauen, die eine bedeutende Rolle für den Erfolg der Automobilgeschichte spielten.

Ich bewundere diese entschlossenen Persönlichkeiten, die in einer Ära tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels ihren Aufgaben als Ehefrau, Mutter und Tochter treu blieben.

Mit meinem Buch möchte ich daran erinnern, welche Anstrengungen und Opfer diese Frauen auf sich genommen haben, um ihrer Rolle in einer von Männern dominierten Welt gerecht zu werden.

Einige sind besonders begabt und zeichnen sich durch ihre Arbeit aus, andere wirken im Hintergrund, und führen oftmals ein Schattendasein, während Männer im Rampenlicht stehen. Diese Geschichte reicht vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart – und ist noch längst nicht zu Ende.

Aber sie wussten, worauf sie sich einließen. Sie gaben niemals auf, überzeugt davon, es zu schaffen. So brachte es auch Maria Teresa de Filippis, die erste Rennfahrerin in der Formel 1, auf den Punkt: Sie war froh, dass es ihr zumindest teilweise gelungen war, das herablassende, zynische Lächeln der Männer von ihren Lippen zu vertreiben.

Oder wie die beiden Ferrari-Challenge-Rennfahrerinnen Corinna und Manuela Gostner, die fliegenden Schwestern, die es leid sind, immer wieder gefragt zu werden, wie sie ihre Rolle als Mütter mit der als Rennfahrerinnen vereinbaren.

Wie Susie Wolff, die schnellste Frau der Welt, die bereit war, vor Hunger zu sterben, nur um weiterhin Rennen zu fahren, selbst wenn einige Fahrer ihr immer wieder zuriefen: „Geh zurück in die Küche“, weil sie glaubten, dass dort ihr Platz sei.

Erstaunlich, dass solche Fragen nie einem Mann gestellt werden.

Auch andere junge Frauen traten in die Fußstapfen dieser berühmten Rennfahrerinnen und verschafften sich dank ihrer Fähigkeiten den Respekt ihrer männlichen Kollegen.

Wir leben noch immer in einer von Männern dominierten Welt, in der Frauen viel zu oft Schmähungen und Beleidigungen ertragen müssen. Die männliche Arroganz kennt scheinbar keine Grenzen – denn auch heute noch meinen manche Rennfahrer, Mädchen sollten mit Puppen und Jungen mit Spielzeugautos spielen. So weit, so klischeehaft. Doch ich hoffe, dass diese früh verinnerlichten Geschlechterstereotype bald mit einer aussterbenden Männer-generation verschwinden.

Es war auch eine Zeit, in der von Frauen vor allem erwartet wurde, schön zu sein, Hausfrau zu werden, Kinder großzuziehen und sich als schmückendes Beiwerk, fast wie eine Trophäe, präsentieren zu lassen.

Schließlich gibt es die Geschichte zweier Frauen, deren Schicksale untrennbar miteinander verbunden sind: Ferruccio Lamborghinis erste große Liebe und Ehefrau Clelia, die bei der Geburt ihres Sohnes Tonino verstarb, und Annita, seine zweite Frau. Mit großem Geschick und Weitblick unterstützte Annita ihren Mann beim Aufbau eines Imperiums – ohne dabei je ihre Rolle als Mutter zu vernachlässigen. Annita nahm Ferruccio alle Sorgen ab, sodass er sich vollkommen der Verwirklichung seiner Projekte widmen konnte – das ehrgeizigste von allen war der Bau von Luxus-Supercars.

Oder Renata, die Frau von Romano Artioli, die sich als kluge Unternehmerin erwies und ihrem Mann dabei half, seinen Traum zu verwirklichen, die Marke Bugatti zu kaufen.

Silvia, die Tochter von Luciano Nicolis, dem Gründer des Nicolis-Museums, hat die Idee des Museums grundlegend verändert – ebenso wie viele andere Frauen, die in verschiedenen Bereichen die Arbeit ihrer Väter oder Ehemänner revolutioniert haben.

Vergessen wir aber nicht die Mütter dieser großen Männer des Automobilismus, die das Genie ihrer Kinder erkannten und förderten – und das in einem historischen Kontext, der alles andere als einfach war.

Die Anerkennung gebührt ihnen, weil sie Werte vermittelten, die ihren Kindern halfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, ohne Angst vor Fehlern zu haben, und ihnen die nötige Freiheit gaben, ihre eigenen Träume zu verfolgen. Und wenn unsere berühmten männlichen Protagonisten zur Legende geworden sind, dann haben sie das auch ihren Müttern zu verdanken.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Beispiel ließ sich die Mutter von Pininfarina, dem berühmten Karosseriebauer, bei den Haushaltsaufgaben von ihren Kindern unterstützen. Wenn sie von der Arbeit nach Hause kamen, hatte jedes seine eigene Pflicht. Pinin, so genannt, weil er der Kleinste im Haus war, musste in der Küche Kupfertöpfe, Kasserollen und Pfannen polieren. Seine Mutter lehrte ihre Kinder dabei Unabhängigkeit und Selbstwertgefühl.

Nachdem Enzo Ferraris Mutter ihren Ehemann und einen weiteren Sohn verloren hatte, gab sie ihm die Freiheit, nach Turin zu gehen und seinen Traum zu verwirklichen: ein großer Rennfahrer zu werden.

Ebenso die Mutter von Carlo Abarth erkannte schon früh das technische Talent ihres Sohnes und förderte es gezielt.

Nach den Müttern folgten Freundinnen, Ehefrauen, Töchter und Enkelinnen – all diesen Frauen sowie allen anderen, die sich mit großem Mut, Willen, Leidenschaft und Durchhaltevermögen der Automobilwelt genähert haben, können wir nur mit tiefster Dankbarkeit begegnen. Sie alle haben die Geschichte des Automobils maßgeblich geprägt.

„Wollen heißt können“, und das wussten die Frauen schon damals. Die Männerwelt hingegen tut sich auch heute noch schwer mit dem Wandel der Rollen in Partnerschaft, Familie und Beruf. Doch eines ist offensichtlich: Nur gemeinsam können wir eine Zukunft gestalten, in der Frauen Verbündete der Männer und nicht deren treue Untertanen sind. Nur so könnte die Automobilwelt vielleicht weiblicher werden.

Das Schreiben dieses Buches gab mir die Gelegenheit, all diesen Frauen – unseren Heldinnen – zu danken. Sie wollen trotz aller Hindernisse dabei sein, damals wie heute. Diese starken Frauen zeichnen sich durch Durchsetzungsvermögen, Mut und Unabhängigkeit aus – und sie sagen klar: „Wir sind auch dabei, denn wir zählen und sind genauso viel wert wie ihr.“

Abschließend bin ich der Meinung, dass die Automobilwelt auch heute noch eine Männerdomäne ist – eine elitäre Welt, in der die Macht fest in den Händen der Männer liegt und Frauen sich ständig beweisen müssen, um ebenso akzeptiert zu werden wie früher.

Ich möchte nun eine Anekdote erzählen, die vielleicht eine urbane Legende ist, aber dennoch den Kern meines Buches wunderbar trifft.

Eines Tages war das Ehepaar Churchill in London unterwegs. Die Menschen winkten ihnen zu und tauschten einige Worte mit dem Premierminister. Ein Straßenkehrer hingegen begrüßte besonders herzlich Mrs. Churchill, und die beiden traten beiseite, um ein vertrauliches Gespräch zu führen. Danach fragte Churchill seine Frau neugierig, worüber sie sich so lange mit einem Straßenkehrer unterhalten habe. „Ach“, antwortete sie lächelnd, „er war vor langer Zeit in mich verliebt.“ Churchill, etwas überrascht, entgegnete: „Siehst du, wenn du ihn geheiratet hättest, wärst du heute die Frau eines Müllmannes.“

Die Frau von Churchill sah ihren Mann erstaunt an und sagte dann die legendären Worte: „Aber nein, Liebling, wenn ich ihn geheiratet hätte, wäre er heute Premierminister.“

1 Die großen Liebesgeschichten

1.1 Anneliese Abarth - Eine Frau aus einer anderen Zeit

Anneliese wächst in Vöcklabruck, einer Bezirkshauptstadt in Oberösterreich, zusammen mit ihren fünf Geschwistern auf. Sie ist jung, schön, stark, entschlossen und ehrgeizig. Als junges Mädchen möchte sie ihrer Familie nicht zur Last fallen, also macht sie sich auf den Weg, um Arbeit zu finden. Als ihr ein Job als Model angeboten wird, zögert sie nicht und ergreift die Gelegenheit sofort.

Sie will unbedingt aus dem kleinen Österreich fliehen und beschließt, einen befreundeten Offizier zu heiraten, um ihm nach Tanganjika zu folgen – dem heutigen Festlandteil der Vereinigten Republik Tansania. Sie ist noch keine 20 Jahre alt, und obwohl dieser Mann nicht ihre große Liebe ist, bietet er ihr die Möglichkeit, neue Menschen, andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen – und vor allem, Abenteuer zu erleben. In ihrer Freizeit geht sie mit ihrem Mann und Freunden Sporttauchen. Als Frau eines britischen Offiziers macht sie problemlos ihren Führerschein und fährt täglich mit ihrem Citroën DS19 durch die wilde Natur. Ihre Leidenschaft für das Autofahren bestimmt ihr Leben so sehr, dass sie sogar mit einem Lotus an einer Rallye teilnimmt. Leider ändert sich plötzlich die politische Lage im Land, was die einst ruhige Kolonie erschüttert. Anneliese ist gezwungen, das Land zu verlassen, da die Ehefrauen der Offiziere, vor allem weiße Frauen, ein leichtes Ziel für subversive Gruppen darstellen könnten. So kehrt sie in ihre Heimat Österreich, nach Wien, zurück, wo sie sich später von ihrem Mann scheiden lässt. Anneliese hat eine Begabung für Sprachen und spricht fließend Englisch, Französisch und Italienisch. Sie findet eine Stelle in einem großen Unternehmen, wo sie dank ihres organisatorischen Talents das Management übernimmt und die Kommunikation mit ausländischen Geschäftspartnern leitet.

Die Leidenschaft für schnelle Autos ist ihr in die Wiege gelegt, da ihr Großvater diese Begeisterung an sie weitergab. Sie hört stets gerne die Geschichten der Rallye-Helden, die Rennergebnisse und die Porträts der Sieger im Radio. Anneliese liest auch gerne Zeitungen, in denen alle Neuigkeiten über die Mobilitätshelden zu finden sind, wie zum Beispiel Rekorde und Bestleistungen der Gewinner in den verschiedenen Motorsportkategorien. Dabei lernte sie die beruflichen Erfolge von Carlo Abarth kennen, der nicht nur Rennfahrer war, sondern auch seine eigenen Autos entwarf. Für Anneliese ist Carlo in jeder Hinsicht ein faszinierender Mensch, mit seinem majestätischen und respektvollen Auftreten sowie seinem einzigartigen Kleidungsstil. Anneliese weiß, dass der Unternehmer Franz Steinbacher von Carlo Abarth die erste Exklusivvertretung für den Verkauf seiner Autos in Österreich erhielt. Das elegante Autohaus befand sich in der Wiener Walfischgasse, in der Nähe des Hotels Sacher. Anneliese ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen und bat ihn, ein Treffen mit Carlo Abarth für sie zu arrangieren.

Daraufhin organisiert Franz Steinbacher ein gemeinsames Mittagessen in Carlos Lieblingsrestaurant, der Roten Bar im Hotel Sacher.

Anneliese möchte bei dieser Begegnung nichts dem Zufall überlassen und bereitet sich sorgfältig vor. Sie kleidet sich dezent und schlicht und achtet auf ihr Make-up, denn sie weiß, dass der erste Eindruck entscheidend ist. Sie ist sich bewusst, dass Carlo Abarth ein Mann ist, der klassische Eleganz schätzt, und wählt ihre Kleidung entsprechend.

Es ist ein kalter und windiger Tag im Frühjahr 1964, als sich Anneliese voller Neugier auf den Weg zu ihrem Termin macht.

Während des Mittagessens führen sie ein zurückhaltendes Gespräch, und sie ist sehr überrascht, wie humorvoll Carlo ist. Sie hatte eher einen konservativen und melancholischen Mann erwartet, doch Carlo besitzt eine starke, natürliche Ausstrahlung. Während er spricht, beobachtet Anneliese ihn aufmerksam und findet seinen Charme unwiderstehlich. Carlo genießt die Bewunderung, die Anneliese ihm entgegenbringt, während sie innerlich denkt: „Das ist der perfekte Mann für mich, er wird die große Liebe meines Lebens sein.“

Auch Carlo fühlt sich zu ihr angezogen und verliebt sich in sie, sodass er noch zwei weitere Tage in Wien bleibt, um Anneliese endgültig für sich zu gewinnen.

So begann diese große Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die eine unermessliche Leidenschaft für Rennwagen teilten.

Carlos Liebe zu Anneliese ist so stark, dass er seine zweite Frau verlässt. Er war bereits zweimal verheiratet, und für Anneliese ist diese Situation keineswegs einfach, denn Carlos zweite Frau ist eng mit seiner ersten befreundet. Beide werden alles tun, um ihr das Leben zur Hölle zu machen.

Anneliese begleitet Carlo stets zu wichtigen Anlässen und nimmt mit Begeisterung an Testfahrten und Autorennen teil. Sie wird seine Muse und eine Stilikone für die Sportbekleidung von Abarth, für die Carlo 1969 den Mode-Oscar in der Kategorie „Autoboutique“ erhält.

Zudem wird sie eine große Stütze in Carlo Abarths Leben. Trotz ihres jungen Alters erweist sie sich als eine reife, starke, intelligente und verständnisvolle Frau. Sie ist immer an seiner Seite, weil sie es versteht, ihn zu unterstützen, zu beraten, zu trösten und zu lieben – auf die Weise, wie es nur eine verliebte Frau kann.

Während der Beziehung blieb sie stets im Schatten ihres Mannes, ohne eine Gegenleistung zu verlangen oder zu erwarten. Sie verstand, dass im Leben eines Mannes – und wir sprechen hier von einem Genie wie Carlo Abarth – die Leidenschaft seinen geliebten Autos, Motoren und Rennstrecken gehörte.

Doch seine tiefste Liebe galt Anneliese. In ihr fand Carlo eine Zuflucht, in der er – nach Siegen wie nach Niederlagen – Ruhe, Gelassenheit und Verständnis erlebte.

Anneliese blieb ihrem Mann bis zu dessen Tod am 24. Oktober 1979 in Wien eng verbunden.

In der Zeit danach drehte Anneliese mehrere Filme und Sportreportagen und widmete sich der Organisation von Oldtimer-Rennveranstaltungen. Später lebte sie in Monte Carlo, dann in Florida, bevor sie schließlich in ihre österreichische Heimat nach Kitzbühel zurückkehrte. Heute lebt sie in Bordighera in Ligurien, Italien. Dank ihrer zahlreichen Aktivitäten erhielt sie verschiedene Auszeichnungen.

Anneliese ist die Hüterin eines bedeutenden Erbes, das sie von Carlo übernommen hat – und sie bewahrt es mit großer Hingabe und tiefem Respekt.

Zu Ehren ihres Mannes gründete sie die Carlo-Abarth-Stiftung, deren Präsidentin sie ist. In dieser Rolle trägt sie den SkorpionAbarth weiterhin in die Welt hinaus.

Mit bemerkenswerter Beharrlichkeit engagiert sich Anneliese für das Vermächtnis ihres Mannes – unterstützt von den noch lebenden Fahrern des einstigen Rennteams und getragen vom Beistand zahlreicher treuer Fans.

1.2 Laura Ferrari - Eine Frau fürs Leben

Racconigi ist ein kleines Dorf in der Provinz Cuneo im Piemont und der Geburtsort von Laura Garello. Als junges Mädchen erlernte sie den Beruf der Schneiderin und zog im Alter von neunzehn Jahren nach Turin, um dort zu arbeiten.

Laura ist blond, schön und elegant als sie eines Tages unter den Arkaden der Porta Nuova spaziert, begegnet ihr ein gutaussehender junger Mann – niemand Geringeres als Enzo Ferrari. Ihre Blicke treffen sich, und es ist Liebe auf den ersten Blick. Wir befinden uns am Anfang des Jahres 1921.

Leider stehen Lauras Eltern – ebenso wie Enzos Mutter – der Beziehung anfangs skeptisch gegenüber, auch wenn sie sich mit der Zeit einigen. Bereits zwei Jahre später stehen die beiden am Traualtar.

Lauras Liebe zu ihrem Ehemann ist unendlich, doch sie hofft, dass Enzo eine Anstellung bei der Straßenbahngesellschaft findet. Bald erkennt sie jedoch, dass ihr Vorhaben scheitern wird. Enzo hat nur seinen großen Traum im Kopf: Motoren, Rennen und den Aufbau eines eigenen Rennstalls.

Als fleißige und intelligente Ehefrau zieht Laura mit ihrem Mann nach Modena, wo er sein eigenes Unternehmen gründet.

Darüber hinaus folgt sie ihm überall hin – sogar in die Boxengasse der Rennställe – und wird während ihrer Zeit bei der Scuderia Ferrari zu einer wertvollen Mitarbeiterin. Ihr Mann wird niemals eine ihrer Entscheidungen in Frage stellen, und viele Ingenieure werden ihre Arbeitsstelle verlieren.

Während sich Enzo um seine geliebten Autos kümmert und mehrheitlich zwischen der Werkstatt und den Rennen anzutreffen ist, übernimmt Laura den administrativen Teil des Unternehmens. Die Beziehung verläuft jedoch nicht immer harmonisch. Es kommt immer wieder zu Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten, doch ihre Einwände erweisen sich als konstruktiv. Enzo vertraut seiner Frau, und gemeinsam gelingt es ihnen, die Herausforderungen des Alltags zu meistern.

In seinem Buch Le mie gioie terribili (Meine schrecklichen Freuden) beschreibt Enzo Ferrari seine hohe Wertschätzung für Frauen: Für ihn sind sie scharfsinniger, aufmerksamer, präziser und detailorientierter – Eigenschaften, die in der Automobilindustrie von großer Bedeutung sind. Zudem ist er überzeugt, dass in einer Ehe nicht der Mann die Frau, sondern die Frau den Mann wählt. Am 19. Jänner 1932 bringt Laura ihren einzigen Sohn Dino zur Welt. Schon früh zeigt er eine tiefe Leidenschaft für Technik und Motoren, die ihn später zum Ingenieur werden lässt. Doch die familiäre Harmonie hält nicht lange an: Die Beziehung zu Enzo wird zunehmend belastet und schließlich nahezu unerträglich. Einer der Hauptgründe ist Enzos außereheliche Beziehung zu einer anderen Frau – Lina Lardi –, mit der er ein Doppelleben führt.

Trotz allem bleibt Laura an Enzos Seite, während Dino inmitten dieser Spannungen aufwächst – ein sensibles Kind, das nicht nur mit familiären Konflikten, sondern später auch mit einer schweren Krankheit zu kämpfen hat.

Der wohl schlimmste Tag für Laura ist der 30. Juni 1956, als Dino im Alter von nur vierundzwanzig Jahren an der unheilbaren Muskeldystrophie stirbt.

Die unermessliche Trauer über den Verlust ihres einzigen Sohnes führt Laura immer wieder an den Rand emotionaler Zusammenbrüche. Doch dank ihrer Leidenschaft für die roten Ferraris und der Liebe, die trotz allem zwischen ihr und Enzo nie ganz verschwindet, gelingt es den beiden, diese tiefe Tragödie zu überstehen. Sie bleiben sechzig Jahre lang ein Paar.

Sicherlich ist diese Ehesituation für Laura nicht einfach, sie arbeitet weiterhin an der Seite ihres Mannes, der ein paralleles und geheimes Leben führt und ein Kind mit einer anderen Frau hat.

Sie ist die Einzige, die für Enzo viele Rollen erfüllte: Ehefrau, Mutter, Sekretärin, Verwalterin, Beraterin und Geliebte.

Später erkrankt auch Laura an derselben Krankheit wie ihr Sohn – Muskeldystrophie – und ist schließlich ans Bett gefesselt. Doch dank des Fernsehens kann sie weiterhin die geliebten Rennautos ihres Mannes, die Ferraris, beim Großen Preis der Formel 1 verfolgen.

Auch wenn sie sich nicht mehr zu den Rennen äußern kann, sprechen ihre blauen Augen und ihr Lächeln Bände – von Qual und Freude zugleich, die nur Enzo zu deuten weiß. Kurz darauf verliert Enzo seine geliebte Laura. Er wird erneut mit jenem tiefen Schmerz und der großen Trauer konfrontiert, die er schon beim Tod seines Sohnes empfunden hat.

Enzo führte ein sehr abwechslungsreiches und intensives Leben: Er hat ein Imperium aus dem Nichts aufgebaut und Berühmtheit erlangt, denn seine „Ferraris“ sind Teil des kollektiven Traums geworden. Dennoch war ihm bewusst, dass alles im Leben seinen Preis hat. Für seinen weltweiten Erfolg hatte er den Verlust seines ersten Sohnes und seiner Frau Laura hinnehmen müssen – ein tiefer Schmerz, von dem man sich nie ganz erholen kann.

Niemand wusste, dass Laura ihre goldene Handtasche verpfändete, um die Arbeiter bezahlen zu können. Diese Handtasche war etwas ganz Besonderes – ein Hochzeitsgeschenk von ihren Verwandten. Enzo hat diese Geste niemals vergessen, und wir erfahren davon nur, weil er sie in seiner Autobiografie erwähnt.

Als Laura am 27. Februar 1978 in Modena starb, wurde Enzo schmerzlich bewusst, dass es mit dem Tod kein Zurück mehr gibt. Erst in diesem Moment erkannte er, wie einzigartig und bedeutend die Frau war, die er verloren hatte.

1.3 Lina Lardi degli Adelardi - Die edle Dame

Es ist der Sommer des Jahres 1924 und Enzo Ferrari rast mit seinem Sportwagen über die Bergstraßen des Apennins bei Modena. Als er plötzlich einen Bekannten mit seiner Tochter spazieren gehen sieht, wird Enzo langsamer, hält an und grüßt die beiden. Lina, ein ausgesprochen hübsches Mädchen, ist gerade einmal vierzehn Jahre alt, doch Enzo ist sofort von ihr angetan. Vorerst beruht diese Bewunderung allerdings nicht auf Gegenseitigkeit, da Enzos hochmütige Haltung bei Lina wenig Anklang findet.

Im Alter von neunzehn Jahren begann Lina als Angestellte in den Büros der Karosseriewerkstatt Orlandi in Modena zu arbeiten.

Zufälligerweise war es auch die Werkstatt, in der Enzo die Verkleidung seiner Autos anfertigen ließ. Als er eines Tages in die Werkstatt kommt und Lina erneut sieht, verliebt er sich augenblicklich in diese Schönheit. In der Zwischenzeit war sie von einem Teenager zu einer attraktiven jungen Frau herangewachsen, die zudem einen kultivierten Umgang pflegte.

So beginnt die große Liebesgeschichte zwischen Enzo und Lina. Die junge Frau zieht in ein Landhaus in der Nähe von Maranello. Zwischen ihnen gibt es kaum Reibereien oder Unstimmigkeiten, wie es bei seiner Frau Laura der Fall ist.

Lina hat einen anderen Charakter. Sie versteht es, Enzo zu beraten, seine Entscheidungen zu respektieren und zu unterstützen. Sie wird für ihn zu einer Bezugsperson im Sport und schafft es sogar, seinen ruppigen Charakter abzuschwächen und seinen Modestil zu verfeinern.

Sie ist eine gebildete Frau, die es versteht, Enzo die Kultur und das Lesen näherzubringen. Stets bleibt sie an seiner Seite – zurückhaltend, doch spürbar präsent. Auch wenn sie sich im Hintergrund hält, wird sie zu einer stillen, aber positiven Kraft in seinem Leben.

Am 22. Mai 1945 wird ihr Sohn Piero geboren – ein Kind, das später eine zentrale Rolle im Erbe seines Vaters spielen sollte.

Lina gibt nie Interviews, obwohl Enzo längst ein reicher und einflussreicher Mann ist. Stattdessen konzentriert sie sich auf ihre Ausbildung und die Erziehung ihres Sohnes. Piero wächst behütet und glücklich auf, auch wenn ihm früh bewusst ist, dass sein Vater eine andere Familie hat.

Auch wenn sie nicht der klassischen italienischen Familie entsprechen, lässt Papa Enzo seinem Sohn dennoch die Nähe und Zuneigung zu dessen Großmutter Adalgisa nicht fehlen. Denn es ist letztlich sie, die maßgeblich über Pieros Zukunft entscheidet. In der festen Überzeugung, dass ihr Enkel im Familienbetrieb mitarbeiten soll – und sich niemals dem Rennsport zuwenden wird, setzt sie sich durch, obwohl Piero eine große Leidenschaft für Motorräder hat.

Nach Lauras Tod werden sie noch zehn weitere glückliche und zufriedene Jahre miteinander verbringen, denn Enzo stirbt 1988 im Alter von neunzig Jahren. Nach dem Tod ihres geliebten Mannes führt sie ein friedliches Leben und findet Trost in der Liebe ihres Sohnes Piero und ihren Enkelkindern.

Bis wenige Tage vor ihrem Tod sah Lina noch fern und verfolgte die Formel 1 sowie die legendären roten Ferrari – denn sie wusste, dass hinter ihnen der Mann stand, in den sie sich verliebt hatte.

Diese große Liebesgeschichte wird in der Stadt Lissone (MB) in der Lombardei als szenische Erzählung mit dem Titel Inchiostri d'amore präsentiert. Die Veranstaltung wurde vom Mnemosyne-Verein aus Monza konzipiert und gefördert, um ein verliebtes Paar zu ehren, das im Rennsport des 20. Jahrhunderts Berühmtheit erlangte: Enzo Ferrari und Lina Lardi.

1.4 Fiamma Breschi - Die Dame mit der violetten Tinte

Sie ist noch ein kleines Mädchen, gerade neun Jahre alt, als ihr Onkel sie in einem Fiat Topolino zu Hause in Florenz besucht. Eines Tages lässt ihr Onkel den Schlüssel im Zündschloss stecken. Das Auto fasziniert sie so sehr, dass sie der Versuchung einfach nicht widerstehen kann: Sie steigt ein und startet den Wagen. Die Jahre vergehen, und sie wächst zu einer jungen, hübschen Frau heran. Mit vierzehn Jahren, dank ihrer Leidenschaft für Fahrzeuge, kann sie bereits Auto fahren.

Mit siebzehn Jahren sieht sie zum ersten Mal den Rennfahrer Luigi Musso, einen gutaussehenden, charmanten Spross aus einer wohlhabenden römischen Familie, der gerade in der Toskana verweilt. Fiamma verliebt sich in Luigi, doch dieser nimmt sie zu diesem Zeitpunkt nicht einmal wahr.

Doch Luigi gehört nun zum größeren Freundeskreis von Fiamma, und am nächsten Tag schleicht sie sich während eines Ausflugs in Luigis roten Lancia.

Als sie ihren Führerschein bekommt, machen sie eine Spritztour, und einmal lässt sie Luigi sogar fahren. Nach zwei Kurven hält er an und fragt: „Aber wer hat dir eigentlich den Führerschein gegeben? Das würde ich gerne wissen!“. Daraufhin erklärt ihr Luigi nochmals die Regeln des Straßenverkehrs und gibt ihr noch einige wichtige Tipps, die sie dankend annimmt.

Doch ihre Wege trennen sich: Luigi widmet sich weiterhin dem Rennsport, lässt sich jedoch zunehmend von Partys und Glücksspiel bestimmen. Fiamma hingegen, schön wie eh und je, wird von einem Regisseur entdeckt und versucht sich als Schauspielerin.

Im Jahr 1954 zog sie schließlich nach Rom und spielte in zwei Filmen mit: In Amore si pecca in due und Desiderio e sole. Sie verkehrt in eleganten Salons und pflegt Umgang mit bekannten Persönlichkeiten wie der Schauspielerin Delia Scala, dem Regisseur Roberto Rossellini und dem Schauspieler Vittorio Gassman.

Doch eines Tages trifft sie Luigi Musso in einem Restaurant in Rom wieder und sie verlieben sich unsterblich ineinander. Sie sind zwei Seelenverwandte, die von der starken Anziehungskraft der großen Liebe unaufhaltsam zueinander gezogen werden. Die Liebe Fiamma gegenüber ist so tiefgründig, dass Luigi seine Frau und seine Tochter verlässt. Von nun an sind die beiden unzertrennlich. Ihre Beziehung ist immer wieder Thema in der Boulevardpresse, doch das Paar kümmert sich nicht darum, was in der Öffentlichkeit gesagt wird.

Es ist die Zeit, in der sich schöne Frauen in den Boxengassen der Formel 1 aufhalten. Sie ist bei jedem Rennen dabei und unterstützt ihren Liebsten, wo immer sie kann.

Eines Tages jedoch, der schlimmste Tag ihres Lebens, nimmt das Schicksal ihr die große Liebe.

Es ist der 6. Juli 1958. Fiamma befindet sich in ihrem Hotel, als sie die schreckliche Nachricht vom Tod ihres Geliebten erfährt. Luigi Musso ist bei einem tragischen Unfall während des Grand Prix von Frankreich in der berühmten Calvaire-Kurve auf der Rennstrecke von Reims ums Leben gekommen.

Der Schmerz ist unerträglich und sie hat nur einen Wunsch: ihrem Leben ein Ende zu setzen. Kurz steht sie am Fenster, bereit, den Sprung zu wagen – doch zum Glück ist sie in diesem Moment nicht allein.

Beba Andrea Berruet, die Lebensgefährtin des argentinischen Rennfahrers Juan Manuel Fangio, und Lulu, die Ehefrau des französischen Rennfahrers Maurice Trintignant, sind mit ihr im Zimmer. Gemeinsam gelingt es ihnen, Fiamma festzuhalten und sie so vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Mit Luigis Tod hört auch ihr eigenes Leben auf wirklich zu existieren. Fortan überlebt sie nur noch – Unbeschwertheit, Heiterkeit und Glückseligkeit sind nur noch ferne Erinnerungen, schöne Momente, die an jenem verfluchten Tag plötzlich und brutal ein Ende fanden.

Fiamma jedoch wird weiterhin nur ihn lieben, denn nur mit Luigi wollte sie den Rest ihres Lebens verbringen.

Zu dieser Zeit, der traurigsten Zeit ihres Lebens, ist sie noch sehr jung. Gerade einmal vierundzwanzig Jahre alt, erkrankt sie an einer schweren Form von Hepatitis. Enzo Ferrari, den sie aus früheren Zeiten kannte, beginnt ihr Briefe zu schreiben, um sie aufzumuntern. Diese Briefe, die sie ein Leben lang sorgfältig bewahren wird, tragen eine besondere Eigenheit: Alle sind mit einem Füllfederhalter geschrieben, der ausschließlich violette Tinte enthielt.

Sie kannte ihn bereits, denn ihr Partner war Rennfahrer bei der Scuderia Ferrari. Besonders erinnerte sie sich an Enzo, weil er stets eine dunkle Brille trug und ein ausgezeichneter Menschenkenner war. In dieser schweren Zeit wurde Enzo für sie zu einer großen Stütze. Er versuchte, sie aufzumuntern, indem er ihr riet, wieder regelmäßig zu essen und lange Spaziergänge zu machen. Auf die Briefe folgten bald endlose Telefongespräche zwischen den beiden.

Fiamma ist eine sehr zurückhaltende, vertrauenswürdige Person – vielleicht genau deshalb näherte sich Enzo ihr allmählich an. Die Freundschaft zwischen den beiden wurde immer stärker. Enzo erkannte die besonderen Fähigkeiten, die diese Frau mitbrachte, und wollte sie in seiner Firma in Maranello einstellen. Sie wurde für ihn zu einer wichtigen Beraterin, der er viele Ratschläge anvertraute – und oft machte Enzo ihr sogar einen Heiratsantrag.

Fiamma verfügte über eine ausgeprägte Rhetorik und einen bemerkenswerten Umgang mit Menschen. Deshalb ernannte man sie zur Sonderbeauftragten für Montecarlo und zur Beraterin bei der Auswahl der Fahrer sowie der neuen Farbgestaltung der Karosserien seiner Autos.

Kurzum, sie wurde seine persönliche Muse. Schlau und mutig, scheute sie sich nicht, sich auf der Jagd nach talentierten Fahrern durch die Boxengassen der Konkurrenz zu schleichen – um am Ende des Tages Enzo Ferrari darüber Bericht zu erstatten.

Wenn Enzo etwa einen gelben Ferrari entwirft – sei es das markante Fly-Gelb, ein Modell mit langer Nase oder die aktuelle Zweifarbigkeit, die wieder in Mode gekommen ist – dann ist das ganz Fiamma zu verdanken. Gelb war schon immer ihre Lieblingsfarbe, nicht zuletzt, weil der Helm ihres geliebten Luigi diese Farbe trug. Doch ihre Kreativität kannte keine Grenzen: 1966 entwarf sie sogar ein maßgeschneidertes Kofferset für den Ferrari 275 – das perfekte Accessoire für stilvolles Reisen.

Sogar Enzo ließ sich von ihr überzeugen, seinen Modestil zu modernisieren, denn als öffentliche Persönlichkeit war ihm ein passendes Auftreten wichtig.

Ihrer Meinung nach sollte er bei der Farbwahl mutiger sein, um einen zeitgemäßeren Eindruck zu hinterlassen. So brachte Fiamma ihm bunte Krawatten aus Florenz der Firma Gucci mit – die Enzo ohne Widerrede trug. Außerdem setzte sie durch, dass er fortan nur noch lange Socken trug.

Sie lebt in Florenz und Enzo besucht sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Zwar sind es nur seltene Besuche, nicht zuletzt wegen der zeitaufwendigen Anfahrt von Maranello, doch gerade deshalb sind sie umso bedeutungsvoller.