Das Christmas-Bundle: Drei Weihnachtsromane in einem E-Book - Samanthe Beck - E-Book

Das Christmas-Bundle: Drei Weihnachtsromane in einem E-Book E-Book

Samanthe Beck

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Beschreibung

Drei romantische und prickelnde Weihnachtsgeschichten in einem E-Book

Sexy Santa

Als Chelsea Wayne Santa in eine leere Abstellkammer zerrt und über ihn herfällt, geht sie davon aus, dass sich unter dem roten Mantel und dem Rauschebart ihr On/Off-Freund und Kollege befindet. Umso überraschter ist sie, als sich der heiße Santa als Rafe St. Sebastian entpuppt. Ein Mann, der für seine Härte im Business und seine Fertigkeiten im Schlafzimmer bekannt ist - und ihr neuer Boss!

A Love for Christmas

Als eine Wahrsagerin Kelly Byrne kurz vor Weihnachten prophezeit, dass sie ihre wahre Liebe schon längst getroffen hat, hat sie nur ein Ziel: noch vor dem Fest herauszufinden, welcher ihrer Exfreunde in der Weissagung gemeint sein könnte. Daher macht sie eine Liste mit ihren Verflossenen und datet einen nach dem anderen - nur um immer wieder enttäuscht zu werden und sich bei ihrem besten Freund auszuweinen. Was sie nicht weiß: Dieser ist schon lange in sie verliebt ...

Maybe this Christmas - Und dann war es so viel mehr

Emma Callaway ist schon lange in ihren besten Freund verliebt. Aber für Asher Westmore kommt seine Karriere an erster Stelle. Als der Eishockey-Star sich jedoch kurz vor Weihnachten schwer verletzt, sieht die Physiotherapeutin ihre Chance gekommen. Denn Asher kehrt das erste Mal seit Jahren für längere Zeit zurück nach Glenwood Falls und bittet sie, ihn wieder fit zu machen. Emma will ihm endlich ihre Gefühle gestehen, doch da erhält sie ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann. Und es führt sie fort aus Glenwood Falls und fort von Asher ...


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Seitenzahl: 1006

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Sammlungen



Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

Sexy Santa

Liebe Leserinnen

Widmung

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Danksagung

A Love for Christmas

Widmung

Freitag, 15. Dezember, früher Nachmittag

Freitag, 15. Dezember, später Nachmittag

Samstag, 16. Dezember, Vormittag

Samstag, 16. Dezember, Abend

Sonntag, 17. Dezember, Vormittag

Sonntag, 17. Dezember, Nachmittag

Sonntag, 17. Dezember, Nachmittag

Sonntag, 17. Dezember, Abend

Montag, 18. Dezember, Vormittag

Montag, 18. Dezember, Nachmittag

Montag, 18. Dezember, Abend

Montag, 18. Dezember, Nacht

Dienstag, 19. Dezember, Vormittag

Dienstag, 19. Dezember, Nachmittag

Mittwoch, 20. Dezember, Abend

Mittwoch, 20. Dezember, Abend

Donnerstag, 21. Dezember, Morgen

Donnerstag, 21. Dezember, Nachmittag

Donnerstag, 21. Dezember, Abend

Freitag, 22. Dezember, Vormittag

Samstag, 23. Dezember, Nachmittag

Samstag, 23. Dezember, Abend

Samstag, 23. Dezember, Abend

Samstag, 23. Dezember, Abend

Sonntag, 24. Dezember, Nachmittag

24. Dezember, spät

25. Dezember, früher Morgen

Danksagung

Maybe this Christmas

1

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Danksagung

Die Autorinnen

Samanthe Beck

Die Romane von Samanthe Beck bei LYX

Lauren Layne

Die Romane von Lauren Layne bei LYX

Jennifer Snow

Die Romane von Jennifer Snow bei LYX

Impressum

SAMANTHE BECK / LAUREN LAYNE / JENNIFER SNOW

Das Christmas-Bundle

Drei Weihnachtsromane in einem E-Book

Sexy Santa / A Love for Christmas / Maybe this Christmas

Zu diesem Buch

Drei romantische und prickelnde Liebesgeschichten zu Weihnachten

Sexy Santa

Als Chelsea Wayne Santa in eine leere Abstellkammer zerrt und über ihn herfällt, geht sie davon aus, dass sich unter dem roten Mantel und dem Rauschebart ihr Freund und Kollege Paul Barrington befindet. Umso überraschter ist sie, als sich der heiße Santa als Rafe St. Sebastian entpuppt. Ein Mann, der für seine Härte im Business und seine Fertigkeiten im Schlafzimmer bekannt ist – und ihr neuer Boss!

A Love for Christmas

Als eine Wahrsagerin Kelly Byrne kurz vor Weihnachten prophezeit, dass sie ihre wahre Liebe schon längst getroffen hat, hat sie nur ein Ziel: noch vor dem Fest herauszufinden, welcher ihrer Exfreunde in der Weissagung gemeint sein könnte. Daher macht sie eine Liste mit ihren Verflossenen und datet einen nach dem anderen – nur um immer wieder enttäuscht zu werden und sich bei ihrem besten Freund auszuweinen. Was sie nicht weiß: Dieser ist schon lange in sie verliebt …

Maybe this Christmas

Emma Callaway ist schon lange in ihren besten Freund verliebt. Aber für Asher Westmore kommt seine Karriere an erster Stelle. Als der Eishockey-Star sich jedoch kurz vor Weihnachten schwer verletzt, sieht die Physiotherapeutin ihre Chance gekommen. Denn Asher kehrt das erste Mal seit Jahren für längere Zeit zurück nach Glenwood Falls und bittet sie, ihn wieder fit zu machen. Emma will ihm endlich ihre Gefühle gestehen, doch da erhält sie ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann. Und es führt sie fort aus Glenwood Falls und fort von Asher …

Diese Gesamtausgabe enthält die bereits erschienenen Romane Sexy Santa, A Love for Christmas und Maybe this Christmas – Und dann war es so viel mehr

SAMANTHE BECK

Sexy Santa

Ins Deutsche übertragen von Christine Heinzius

Liebe Leserinnen,

David Gandy, im Bett, nackt, abgesehen von einer Weihnachtsmannmütze. Wenn das nicht sofort ein Bild heraufbeschwört, dann tun Sie sich den Gefallen und googeln Sie »David Gandy Naked Santa«. Und machen Sie sich auf was gefasst.

Dieses Bild, liebe Leserinnen, war die Inspiration für »Sexy Santa« (und für eine Unmenge anderer Dinge, die hier unerwähnt bleiben sollen). Ich gebe zu, die Weihnachtsmannmütze wurde wahrscheinlich mit Photoshop ins Bild geschmuggelt. Egal. Ich habe mir die Mütze nicht sehr lange angesehen. Mein erster Gedanke war: Meine Güte, man stelle sich nur mal die Schlange vor, wenn man sich in einem Einkaufszentrum auf den Schoß dieses Weihnachtsmanns setzen dürfte. Dann fing ich an zu grübeln … Was, wenn sich unter dem traditionellen roten Mantel ein superheißer Typ verbirgt? Würden wir das überhaupt erfahren?

Und weil ich es liebe, meine Figuren in peinliche Situationen zu bringen, habe ich überlegt … Was, wenn meine Heldin ihn bei einer Betriebsweihnachtsfeier in eine Abstellkammer zerrt, weil sie ihn für jemand anders hält, und ihm richtig fröhliche Weihnachten wünschen möchte?

Ich habe einen tollen Job, nicht wahr?

Das ist er wirklich. Ich hatte so viel Spaß dabei, mir verbotene Abenteuer auszudenken für meinen Gandy-inspirierten Weihnachtsmann, Rafe St. Sebastian, und die arme, glücklose Chelsea Wayne, die ein Mal über ihren braven Schatten springt und direkt auf, nun ja, der bösen Liste des Weihnachtsmanns landet. Ich hatte sogar noch mehr Spaß daran, ihr zu beweisen, dass der falsche Weihnachtsmann tatsächlich der Richtige ist.

Ich hoffe, »Sexy Santa« bringt Sie während der Weihnachtsferien zum Lächeln! Mögen es entspannte, glückliche und sehr, sehr sexy Weihnachten sein.

Xoxo

Für Heather, weil sie sanft darauf bestanden hat, den Roman nicht Fifty Shades of Santa zu nennen.

1

5. Dezember

12:27

Paul,

ich habe das Weihnachtsmannkostüm in dein Büro gelegt, falls du deine Meinung doch noch änderst. Wir sehen uns auf der Feier.

Chelsea Wayne

Direktionsassistentin

Las Ventanas Hotel

Am anderen Ende des Flurs blitzte etwas rot auf und erregte Chelseas Aufmerksamkeit. Heilige … Weihnachtsfeier. Sieht ganz so aus, als hätte sie sich dieses Jahr eine Überraschung verdient.

Der Anblick von Paul in dem Kostüm, das sie bestellt hatte, war herzerweichend und bescherte ihr ein komisches Gefühl im Magen. Der Champagner könnte ebenfalls schuld daran sein, dass ihr ganz schummrig wurde, aber der Hauptgrund war, dass er dieses lustige Kostüm, da war sie sich sicher, für sie angezogen hatte. Sie wusste nur zur gut, dass er bei der Betriebsweihnachtsfeier nicht den Weihnachtsmann spielen wollte. Als sie es ihm das erste Mal vorgeschlagen hatte, hatte er sofort abgelehnt und gesagt, dass es für einen Geschäftsführer nicht angemessen sei.

Und doch stand er jetzt da, im roten Mantel mit flauschiger Mütze, Bart und Stiefeln, eine Demonstration seiner Zuneigung, die ihr verhungertes Herz im Moment dringend nötig hatte. Der Arbeitsstress im Hotel war in letzter Zeit so enorm gewesen, dass er die Intimität aus ihrer frischen Beziehung verbannt hatte.

Keine vernünftige Frau würde so eine süße Geste nicht belohnen. Sie stieß sich von der Wand ab und ging auf ihn zu. Er drehte sich um, als spüre er sie kommen, doch bevor er auch nur »Ho, ho, ho« sagen konnte, legte sie ihre flache Hand mitten auf seinen ausgestopften Bauch und schob ihn in die Abstellkammer. Die Tür knallte hinter ihnen zu.

»Ich habe ein Geschenk für den Weihnachtsmann und es ist nicht bürotauglich.« Sie ließ ihm keine Zeit, etwas zu sagen. Alles, was aus seinem Mund kam, neigte dazu, den Moment zu ruinieren, und sie wollte nicht, dass er diesen Moment ruinierte. Sie stellte sich in ihren roten Pumps auf Zehenspitzen und küsste ihn, als gäbe es kein Morgen.

Einen Augenblick stand er stocksteif, sicherlich bis in seine Santasocken geschockt durch ihr untypisch forsches Verhalten, aber sie ließ ihre Tasche auf einen Stapel Klapptische fallen, griff mit beiden Händen den Samt und küsste ihn weiter. Durch das Kostüm, die Polsterung und den Bart sah er größer, fremder aus, als küsste sie einen Unbekannten. Andererseits war es schon länger her, seit sie sich das letzte Mal geküsst hatten. Richtig geküsst.

Vielleicht hatte sich deshalb in ihm genauso viel angestaut wie in ihr, denn er stöhnte jetzt leise auf, legte eine Hand in einem weißen Handschuh an ihren Hinterkopf und übernahm die führende Rolle. Und was sie als lustiges, freches Dankeschön begonnen hatte, wandelte sich zu einem langen, intensiven Begehren, wie er es noch nie zuvor gezeigt hatte. Ihr ganzer Körper bettelte darum, es zu befriedigen.

Mit einer dominanten Bewegung schob er sie gegen die Tische, und sie spürte, wie pure, feminine Lust sie durchströmte. Etwas fiel zu Boden. Ihre Tasche, aber der Gedanke daran verschwand, während Hände sich unter ihrer Bluse vorarbeiteten und ihre Brüste umfassten, sie anhoben, bis die Brustwarzen über den Spitzenrand ihres BHs ragten. Die kleine Neckerei ließ sie aufstöhnen, dann noch einmal, als seine Daumen die harten, bebenden Spitzen berührten und sie ihre ebenfalls bebenden Oberschenkel anspannte.

Der anständige, vernünftige Teil von ihr konnte nicht glauben, dass sie etwas so Verrücktes in einer Abstellkammer taten, während sich auf der anderen Seite der dünnen Wand ihre Kollegen versammelten. Sie zog sich zurück, um nach Luft zu schnappen und ihren Kopf freizubekommen, aber ein wilder, draufgängerischer Teil von ihr, den sie zu lange ignoriert hatte, übernahm die Kontrolle über ihre Stimme. »Beeil dich«, flüsterte sie, »wir haben nicht viel Zeit.«

Von ihrer eigenen Warnung angetrieben, drehte sie sich zur Seite und beugte sich über den Tischstapel, um in ihrer Tasche nach dem kleinen Kondompäckchen zu suchen. Verdammt, sie kam nicht dran. Sie lehnte sich so weit vor, wie sie sich traute, und streckte sich. Ihre Fingerspitzen erreichten gerade so die Tasche und … »Oh, mein Gott!«

Geschickte Hände rissen ihren Rock bis zur Taille hoch. Nackte Hände umfassten ihre Hüften und ein heißer Mund erkundete ihre bloß gelegte Haut. Ihre Beine gaben nach. Was tat er denn da?

Keine sanften Küsse. Nei-hein. Was auch immer er machte, Lippen, Zunge und – Himmel hilf – Zähne waren beteiligt. Der falsche Bart kitzelte ihre Oberschenkel, aber sie konnte ihre Erregung nicht auf die Requisiten schieben. Er war derjenige, der sie dazu brachte, sich zu winden. Er.

Sein Mund wanderte weiter nach unten und alle weiteren Fragen verschwanden aus ihrem Kopf, wie auch jegliches Gefühl von Anstand und Würde. Sie bog ihren Rücken und streckte sich auf Zehenspitzen, betete, dass er so die Stelle erreichte, die nach seiner Aufmerksamkeit verlangte. Und dann legte er den Kopf schief und … Oooooh, danke, Weihnachtsmann, für deine schnelle, gnadenlose Zunge … Sie atmete heftig aus. Wohl etwas zu laut, denn sie hörte ein strenges »Schsch«.

»’tschuldigung.« Sie schloss die Augen, biss sich auf die Lippen und kämpfte gegen den Drang zu schreien.

Trotz ihrer Bemühungen konnten manche Geräusche einfach nicht unterdrückt werden. Ihr stockendes Atmen erfüllte den Raum, begleitet vom Quietschen der Tische bei jeder ihrer Bewegungen und den Lauten seiner feuchten Zunge, die in ihrem Slip aktiv war.

Er neckte sie immer weiter, ließ sie unkontrolliert zittern, während er sie zum Wahnsinn trieb, wieder und wieder, bis sie so heftig nach hinten wippte, dass sie fast den Stapel Tische umgeworfen und sie beide zu Boden gerissen hätte. Gott sei Dank packte er sie vorher und hielt sie fest, während sein leises Lachen über ihre Haut huschte.

Okay, es war lustig. Das unbequeme, enge Liebesnest, das Weihnachtsmannkostüm, die Blicke ihrer armen Kollegen, würde jetzt jemand die Tür öffnen. Ihr entwischte ein Kichern.

»Schsch.« Ein kurzer Tadel, dann biss er in ihren runden Po und schob zwei Finger in sie hinein. Langsam. Tief.

Sie biss die Zähne zusammen, um ein dankbares Stöhnen zu unterdrücken, und schluckte ein Wimmern hinunter, als er sich zurückzog, um mit einem nassen Finger Kreise auf ihre Haut zu malen.

Wo hatte sich dieser Paul in den letzten Monaten versteckt? Verrucht, verspielt und verstörend. Dieser Paul wollte jeden Zentimeter von ihr erforschen und nichts – mein Gott, absolut nichts – schien tabu zu sein. Sie liebte es, und zum ersten Mal in ihrem Leben war ihr alles andere egal. Alles, was wichtig war, waren die Gefühle, die sich in ihr zu einem Höhepunkt aufbauten.

Sie streckte den Arm, griff nach ihrer Tasche und wühlte mit der freien Hand darin, bis sie die Innentasche gefunden hatte. Kondom. Als stumme Bitte spannte sie ihre inneren Muskeln um seine Finger an und drückte das kleine Päckchen gegen ihn. Die Hülle wurde aufgerissen, Kleidung bewegt und schon lagen diese Hände wieder an ihren Hüften.

Er zog ihren Slip herunter. Sie wappnete sich. Die Zeit verging. Eine ewige Sekunde. Zwei. Ihr Puls pochte und ihre Nervenenden zuckten. Worauf wartete er?

Rechts und links ihres Rückgrats strichen flache Hände über ihre Bluse, und dann bewegte er sich nach unten, hielt inne, um die empfindlichen Pobacken zu drücken. Er griff an ihre Hüften und hob sie leicht an, und sie passte ihre Haltung an, um den tieferen Winkel zu bieten, den er wollte. Seine Hände wanderten innen über ihre Oberschenkel, lange Finger glitten für allzu flüchtige Berührungen darüber, immer und immer wieder. Sie wiegte sich unter seiner Berührung, es war ihr egal, wie wild sie wirkte. Sie konnte sich nur auf diese Hände konzentrieren. Warum war ihr bisher nie aufgefallen, wie groß und warm und talentiert sie waren? Wie sie mit wahnsinnig langsamen Streicheleinheiten fast einen Orgasmus aus ihr heraus…

»Ooohhh!« Nicht bloß fast. Ihr Körper spannte sich an, als die erste Welle sie durchströmte. Anscheinend hatte er darauf gewartet, denn er drang mit einem einzigen Stoß in sie ein, der ihren Orgasmus über jegliche Messlatte hinausschießen ließ. Dann folgten schnelle und harte Stöße. Über das Rauschen des Blutes in ihren Ohren hinweg hörte sie, wie er ihren Namen leise und fast unverständlich murmelte. Sie hing an der Kante des obersten Tischs und schrie auf, als die Lust auf sie traf, über ihr zusammenschlug und sie mitriss.

Nachdem die letzte Welle durch sie hindurchgerauscht war, lag sie minutenlang da, wie eine Katze im Sonnenlicht, zu träge, um sich zu bewegen. Als er sich langsam und vorsichtig aus ihr zurückzog, erschauerte sie leicht, aber das geschah unwillkürlich. Vielleicht stöhnte sie, als er ihren Slip hochzog. Sie keuchte auf jeden Fall, als er auf diese gentlemanartige Geste einen raschen, lauten Schlag auf ihren Hintern folgen ließ. Was zur…? Hallo, der Weihnachtsmann hat dir gerade den Po versohlt. Ihr überraschtes Lachen hallte in dem kleinen Raum wider.

Noch ein »Schsch« war die Antwort darauf.

So streng. Aber diese magischen Hände zogen ihren Rock nach unten, und sie unterdrückte noch einen Seufzer. Die Pause ist vorbei. Sie richtete sich auf, steckte ihre Bluse in den Rock und strich ihn glatt. Er reichte ihr die Tasche. Sie nahm sie, dann lehnte sie sich vor, um ihm einen letzten Kuss auf seine vom Bart umrahmten Lippen zu geben. »Warte ein paar Minuten, bis du zur Feier gehst.« Sie öffnete die Tür einen Spaltbreit und spähte in den Flur. Die Luft war rein. »Frohe Weihnachten, Paul«, flüsterte sie und schlüpfte aus der Abstellkammer.

Eines Tages wird es dir leidtun, wenn du nicht bald aufhörst, ein Liebesleben wie aus einem Leserbrief an Penthouse zu führen.

Rafe St. Sebastian stand im Weihnachtsmannkostüm vor dem Festsaal des Las Ventanas und hörte im Geiste die Warnung seiner kleinen Schwester Arden. Als sie es damals gesagt hatte, hatte er vehement widersprochen. Nicht dass sein Liebesleben einem Leserbrief an Penthouse glich. Er sah keinerlei Anlass, das zu leugnen. Er hatte allerdings Ardens Behauptung widersprochen, es würde ihm mal leidtun. Er arbeitete hart. Er spielte hart. Er bereute gar nichts. Und auch wenn er gern glaubte, recht attraktiv zu sein, so machte er sich nicht vor, dass sein Aussehen oder sein Charme allein der Grund für seine Beliebtheit waren. Sein sozialer Status, das Vermögen seiner Familie, sogar der langjährige Ruf als St. Sebastian Playboy weckten ebenso Interesse und Aufmerksamkeit. Das störte ihn auch nicht. Beide Beteiligten ließen sich offenen Auges darauf ein, und niemandem tat es hinterher leid.

Leider hatte Arden dieses Mal recht. Es tat ihm leid, weil alles darauf hindeutete, dass seine letzte Sex-Eskapade auf einem Irrtum beruhte, dem Miss Chelsea Wayne erlegen war.

Er hatte sie bereits in der Prüfphase vor dem Kauf gesehen. Ihr Foto auf der Las-Ventanas-Website hatte fast so viele Klicks wie die virtuelle Tour durch das Resort. Interessante dunkle Augen, volle, lächelnde Lippen und das sexy Grübchen auf der linken Wange waren fraglos einen Extraklick wert.

Heute Morgen um neun Uhr hatte Rafe St. Sebastian den Kauf von Las Ventanas unter Dach und Fach gebracht und Paul Barrington erlaubt, seinen engsten Mitarbeitern von dem Verkauf zu berichten, noch bevor er allen Angestellten öffentlich auf der Weihnachtsfeier verkündet wurde.

Als Chelsea ihn in die Abstellkammer gedrängt hatte, hatte er eigentlich vorgehabt, nach dem Kuss aufzuhören. Einerseits, weil er auf ihren Lippen Champagner geschmeckt hatte, aber vor allem, weil eine schnelle Nummer mit der Direktionsassistentin ihrer neuesten Erwerbung seinen Vater wohl kaum davon überzeugen würde, dass sein Sohn dazu geeignet sei, Vorstandsvorsitzender von St. Sebastian Enterprises zu werden.

Strategische Überlegungen bestimmten jede Entscheidung von Luc St. Sebastian. Rafe dagegen verließ sich meist auf sein Bauchgefühl und ging hin und wieder auch gerne ein Risiko ein. Beides hielt sein Vater für impulsiv und leichtsinnig.

Die Impulse, die Chelsea angetrieben hatten, waren sogar Rafe etwas zu draufgängerisch erschienen, aber als sie ihren weichen, begierigen Mund auf seinen gepresst hatte, war es unmöglich gewesen, auf die Bremse zu treten. Er erinnerte sich noch, dass er dachte, zwei Erwachsene, die einverstanden sind … Danach hatte er gar nichts mehr gedacht.

Vielleicht war es der Versuch gewesen, der Langeweile einer weiteren, höchstwahrscheinlich öden Betriebsfeier etwas entgegenzusetzen, oder möglicherweise auch ein Akt der Rebellion. Er wollte das Ruder von St. Sebastian Enterprises übernehmen und ging davon aus, Vorsitzender des Vorstands zu werden, aber die Vorstellung, dass er zu einer exakten Kopie seines Vaters würde, machte ihn nervös. Sie hatten völlig unterschiedliche Ansichten und Lebenseinstellungen. Er nahm gern Chancen wahr, sowohl privat als auch beruflich. Sein Vater machte keinen Schritt, der nicht überlegt, vorher komplett durchdacht und darauf ausgerichtet war, den Interessen der Firma zu dienen.

Rafe fand es erstickend, auf diese bedachte und pflichtbewusste Art zu arbeiten. Er war dieses Jahr brav gewesen, vor allem um seinem Vater zu beweisen, dass er es konnte, bis zu dem Augenblick, in dem Chelsea ihn in eine Abstellkammer gezerrt und ihm Frohe Weihnachten gewünscht hatte.

Und, mein Gott, sie hatte ihn gewollt, mit einer Aufrichtigkeit, die er anziehend fand. Keine Spielchen. Keine Hintergedanken. Einfach nur reine, pure Lust. Seine bloße Berührung hatte sie für ihn brennen lassen und eine feurige Reaktion entzündet, die er nicht erwartet hatte. Innerhalb von Minuten waren sie beide außer Kontrolle geraten. Zum Glück war sie vorbereitet gewesen. Dankbar hatte er das Kondom genommen, das sie ihm gegeben hatte, als sie sich über den Tischstapel beugte, jede Linie ihres Körpers einladend. Eine Einladung, die er unmöglich ablehnen konnte, obwohl eine nervige Stimme in seinem Hinterkopf ihm sagte, dass diese großen braunen Augen nicht zu der Art von Frau gehörten, die mit Fremden in Abstellkammern herummachte. Er hatte ihren roten Rock hochgeschoben und ihre Einladung auf eine Art angenommen, die sie nie vergessen würde. Sie hatte gekeucht und sich gewunden, entweder vor Überraschung oder weil der Bart sie kitzelte.

Er liebte ihre ungehemmte Reaktion, wollte mehr und machte langsam weiter, quälte sie beide. Ihr erregtes Stöhnen hatte den kleinen Raum erfüllt, gefolgt von einem erschrockenen Schrei, als eine besonders energische Bewegung von ihr sie beide fast umgeworfen hätte. Er hatte sie gerade noch auffangen können, dann steckte ihn ihr raues Lachen an.

Das Spielerische hätte die Spannung etwas lockern und sie vorsichtiger machen sollen, aber nein. An diesem Punkt gab es nur noch eine Erlösung, und er hatte sie ihnen nun wirklich verschafft. Er war ein durchaus erfahrener Mann, aber seit sehr langer Zeit hatte ihn keine Frau mehr so scharf gemacht, dieses alles umfassende Begehren geweckt.

Der gestohlene Moment schien die perfekte Vorfeier, bis sie ihn ganz am Schluss, als sie ihn küsste, »Paul« nannte und hinausging. Zuerst hatte er nur dagestanden und gedacht: Was zur Hölle? Im nächsten Augenblick hatte ihn die Bedeutung wie ein Sturm der Kategorie fünf getroffen. Er hatte die Tür aufgerissen und den Flur abgesucht, in der Hoffnung, sie noch zu erwischen und den Irrtum aufzuklären. Leider war sie verschwunden, und ihm wurde missmutig klar, dass es zu spät war. Sie war bereits auf der Feier.

Gleich würde er in einem Raum voller neuer Angestellter von St. Sebastian auf die Bühne treten, wo er Chelsea sehen und ihr mit einem Blick etwas sagen würde – aber was? Nichts passiert, alles in Ordnung?

Scheiße. Er war erledigt. Aber er war verdammt noch mal nicht gelangweilt.

2

Entspann dich. Niemand wird erraten, dass du gerade Sex in einer Abstellkammer hattest.

»Deine Kleider sind zerknittert, du bist eine Viertelstunde zu spät und du strahlst wie ein Christbaum.« Laurie Petersons Stimme versuchte die Klänge von »Santa Baby« zu übertönen. »Da muss ich einfach fragen: Wer zum Teufel bist du und was hast du mit meiner besten Freundin gemacht?«

Chelsea verdrehte die Augen und ging auf den langen Tisch zu, an dem das Team der Caterer noch letzte Hand an das Büfett legte. »Entschuldigung. Ich musste ein Feuer löschen.«

»Du musstest hier ein Feuer löschen, an deinem freien Tag?«

»Hm-hm.« Genau genommen war das Feuer in ihrem Slip ausgebrochen, unnötig, auf solche Details einzugehen. Entschlossen, Laurie von diesem Thema abzulenken, bevor sie die ganze Wahrheit aus ihr herauslockte, trat Chelsea näher an den Tisch voller Weihnachtssterne, wo ihre Freundin stand, Cupcakes aus einer Transportbox holte und auf die Etageren legte. Sie hatte jeden kleinen Kuchen wie ein Geschenk dekoriert, mit Fondantpapier und zierlichen Zuckergussbändern. »Die sehen umwerfend aus. Danke, dass du unseren Auftrag noch dazwischengeschoben hast.«

»Das Geschäft läuft wirklich gut«, sagte Laurie mit dem halb benommenen, halb zufriedenen Gesichtsausdruck einer frischgebackenen Selbstständigen. Sie arrangierte die letzten Cupcakes auf einer der Etageren, betrachtete alles durch schmale braune Augen und nickte. »Aber ich werde doch meine Leute bei LV nicht hängen lassen. Hätte ich nicht drei Jahre hier gearbeitet, hätte ich nie das Geld und die Fähigkeiten gehabt, meine eigene Firma aufzumachen.«

Stolz stieg in Chelseas Brust hoch wie die Kohlensäure in einer offenen Champagnerflasche. Laurie hatte immer davon geträumt, ihre eigene Bäckerei zu eröffnen, ähnlich wie Chelsea immer davon geträumt hatte, das Las Ventanas zu leiten. Jetzt standen sie hier, zwei Frauen, die ihre Träume wahr werden ließen – Laurie als Besitzerin von »Babycakes«, Montenidos hippster, süßester, leckerster Bäckerei, und Chelsea als Direktionsassistentin von Las Ventanas, der angesagtesten Ferienanlage in Südkalifornien.

Laurie packte ihre Freundin am Arm und zog sie an die Bar, wo sich die ersten Kollegen bereits versammelt hatten. »Versuch nicht, das Thema zu wechseln. Warum bist du so rot und so durcheinander?«

Chelsea wunderte sich, dass die Hitze ihrer Wangen nicht die stilisierte Las-Ventanas-Eisskulptur neben der Bar zum Schmelzen brachte. Zugleich konnte sie nicht aufhören zu lächeln. Die Chance, Laurie zu schockieren, bot sich nicht jeden Tag. Sie beschloss, sie wahrzunehmen. »Wenn du es unbedingt wissen willst, ich war zu spät dran, weil ich Sex in einer Abstellkammer hatte.«

»Oh. Mein. Gott. Meine verantwortungsvolle, seriöse beste Freundin hat bei der Weihnachtsfeier Sex in der Abstellkammer. Ich bin entsetzt. Mit wem?«

Chelsea verdrehte die Augen. »Was denkst du denn?« Sie war seit fast sechs Monaten mit Paul zusammen. Wie üblich zog Laurie es vor, so zu tun, als gäbe es die Beziehung gar nicht. Um ihn zu verteidigen, ergänzte Chelsea: »Nicht bloß Sex in der Abstellkammer, wilden, leidenschaftlichen Sex in der Abstellkammer.«

»Mit Paul? Unmöglich.«

»Ach komm schon. Ich weiß, er ist nicht dein Fall, aber er kann hemmungslos und spontan sein. Zumindest ab und zu.«

»Er ist glatt und brav mit Krawatte, aber er ist nicht der hemmungslose und spontane Typ.« Sie zeigte mit einem Finger auf Chelsea. »Was bedeutet … Moment mal … der wilde, leidenschaftliche Sex in der Abstellkammer war deine Idee.«

Chelsea blinzelte zustimmend und schaute sich dann rasch um, um sicherzugehen, dass sie keine unerwünschten Zuhörer hatten. Jetzt kamen immer mehr Angestellte in den Saal. Ein leises Murmeln wetteiferte mit der Musik. »Schuldig.«

»Ich bin so stolz auf dich, dass du einmal in deinem Leben deine Tugendhaftigkeit abgelegt hast.«

»Paul hat etwas so Süßes und Unerwartetes getan, dass ich einfach nicht anders konnte.« Lauries fragender Blick ließ Chelsea weiter erläutern. »Ich habe ihn im Flur erwischt, in dem Weihnachtsmannkostüm, das ich für ihn bestellt habe.«

Laurie zog die Augenbrauen hoch. »Paul Barrington als Weihnachtsmann verkleidet? Bist du sicher?«

Chelsea ging voran zum Büfett, nickte und winkte auf dem Weg Leuten zu. »Ich weiß, das klingt ganz untypisch. Er hat mich damit auch überrascht, weil ich nicht gedacht hätte, dass er auf so etwas Lust hat. Er stand in letzter Zeit stark unter Druck. Er musste eine Betriebsprüfung der gesamten Firma durchführen. Viele Überstunden und Meetings außer Haus. Zusätzliche Arbeit ohne Ende.«

Paul war angespannt, abwesend und manchmal richtig kühl gewesen. Die Aufmerksamkeit, die er ihr zu Anfang ihrer Beziehung geschenkt hatte, war in dem Augenblick verschwunden, als ihr Chef, Mr Merriman, in den Ruhestand gegangen war und die Eigentümer Paul zum leitenden Manager befördert hatten. Sie hatte ihn schon vor Wochen gefragt, weil sie befürchtete, dass nicht der Arbeitsstress, sondern sie selbst das eigentliche Problem war, aber er hatte beteuert, dass zwischen ihnen alles wieder in Ordnung käme, sobald die Prüfung vorüber sei. Dies war noch ein Grund, warum das, was heute geschehen war, etwas so Besonderes war.

»Ich bin mir sicher, dass du auch eine Menge vom Druck abbekommen und mehr gearbeitet hast, Chels.«

Da hatte Laurie nicht unrecht. »Paul erwartet, dass jeder seinen Teil erledigt, und, ja, er delegiert viel, aber er hat sich selbst um die Betriebsprüfer gekümmert. Das wollte er nicht auch noch mir aufbürden. Da ist etwas im Busch. Er hat noch nicht gesagt, was, aber es ist etwas Großes …« Sie schüttelte den Gedanken ab. Fragen zur Arbeit konnten warten. »Na, egal, jedenfalls hat es mich total angetörnt, ihn heute als Weihnachtsmann zu sehen. Sagen wir einfach, ich hebe das Kostüm gut auf.«

»Gute Idee«, sagte Laurie, die offensichtlich versuchte, sich diesen neuen Paul vorzustellen. »Ich sollte vielleicht auch eins bestellen. Und jemanden finden, der das verdammte Ding dann auch trägt.«

Laurie mangelte es nicht an Weihnachtsmannkandidaten. Sie sah Männer ähnlich wie Cupcakes, es gab unendlich viele Varianten, die viel zu verführerisch waren, um sich auf eine zu beschränken.

»Ich kann es nur empfehlen.« Chelsea grinste.

»Jetzt gibst du aber an.«

»Kann sein, aber darf ich das nicht, nachdem ich gerade den besten Sex meines Lebens hatte?«

»Der beste Sex deines Lebens in einer dunklen, engen Abstellkammer? Ernsthaft?«

»Ich meine es vollkommen ernst.« Chelsea nahm sich eine Erdbeere von der Obstpyramide, die den Anfang des Büfetts markierte, und schaute sich im Saal um. Er war inzwischen voll. Gruppen von Mitarbeitern standen und saßen zusammen, redeten und lachten. Der Moment konnte gar nicht besser sein für den Auftritt des Weihnachtsmanns.

Vielleicht diente ihr Gedanke ihm als Stichwort, denn der Mann der Stunde kam durch die Tür, winkte und warf sich einen großen roten Sack über die Schulter. Die Mitarbeiter klatschten und jubelten dem unerwarteten Gast zu.

Chelsea lächelte ihre Freundin an. »Ich bin gleich wieder da. Ich will nach vorn gehen, wo er mich sehen …«

»Ach du Scheiße«, flüsterte Laurie und packte sie am Arm.

»Was?«

Die großen Augen ihrer Freundin waren auf den Eingang des Festsaals gerichtet, und etwas tief in ihr ließ Chelsea erstarren. Sie drehte sich um und sah stumm zu, wie der Weihnachtsmann den Saal betrat, gefolgt von … Paul.

Chelseas Herz hämmerte gegen ihre Rippen, während es sie heiß und kalt überlief. Champagner brannte in ihrem Magen und drohte hochzukommen. Sie duckte sich hinter Laurie, schluckte hart und beobachtete Paul, der dem geheimnisvollen Weihnachtsmann auf die Bühne folgte und ans Mikrofon trat. Die Lichter am Kronleuchter tanzten über dem Fremden im roten Mantel, während Paul darauf wartete, dass der Applaus verebbte.

Laurie beugte sich zu ihr. »Irgendeine Idee?«

Chelsea starrte, versuchte durch das Kostüm hindurchzusehen, aber vergeblich. »Nein«, flüsterte sie. Jetzt, da die beiden Männer nebeneinanderstanden, sah sie, dass der Weihnachtsmann ein paar Zentimeter größer war als Paul seine Schultern breiter zu sein schienen, aber das war unter dem dicken Mantel schwer zu erkennen.

»Okay, keine Panik. Das ist wahrscheinlich bloß irgendein Kerl, den Paul engagiert hat, um die schmutzige Arbeit zu erledigen. Äh … also nicht mit dir in der Abstellkammer, sondern … du weißt, was ich meine.«

»Er kannte mich«, sagte sie leise.

»Wie kannst du dir da sicher sein?«

»Er hat in einem sehr entscheidenden Moment meinen Namen gesagt. Oh Gott, was, wenn er einer der Eigentümer ist?« Der Gedanke ließ Chelsea bis ins Mark erschauern. Abgesehen davon, dass sie ihre Karriere bei Las Ventanas ruiniert hätte, entsetzte sie diese Vorstellung, weil diese Männer verheiratet waren. Manche hatten Kinder in ihrem Alter. Bitte, betete sie stumm, lass ihn Single und ohne Macht über meine Karriere sein. Mit geschlossenen Augen legte sie ihre Stirn an Lauries Schulter. »Ich glaube, ich werde ohnmächtig.«

Laurie griff nach ihrer Hand. »Atme ein paarmal tief durch.«

»Hallo«, begann Paul und aus dem Stimmengewirr im Raum wurde ein leises Murmeln. »Ich hoffe, dass Sie Ihre wohlverdiente Weihnachtsfeier genießen. Es war ein großartiges Jahr für Las Ventanas, und ohne Sie hätten wir das nicht geschafft. Deshalb möchten wir uns bei allen mit einem Weihnachtsbonus bedanken.«

Der Weihnachtsmann klopfte auf seinen roten Sack.

Applaus brandete im Raum auf. Chelsea versteckte sich hinter Laurie. Sie hätte dem unbekannten Weihnachtsmann gern vorgeworfen, sie ausgenutzt zu haben, aber das konnte sie nicht. Nicht ganz. Sie hatte ihn erst Paul genannt – was ihm gezeigt hätte, dass sie ihn verwechselt hatte –, kurz bevor sie gegangen war. Aus seiner Sicht musste sie irgendeine sexhungrige Frau mit einer seltsamen Vorliebe für Weihnachtsmänner sein, die ihn in eine Abstellkammer gezerrt und ihr Bestes gegeben hatte, um auf der Geschenkeliste ganz unten zu landen. Gut gemacht.

Paul setzte seine Rede fort. »Es ist mir zwar eine Freude, Ihnen die Weihnachtsboni zusprechen zu können, aber über meine nächste Ankündigung freue ich mich noch mehr. Seit heute Morgen gehört Las Ventanas offiziell zur weltbekannten Gruppe der St. Sebastian Luxury Resorts.«

Schlagartig wurde es still im Saal. Chelsea wurde plötzlich einiges klar. Die detaillierte Betriebsprüfung, bei der sie in den letzten Wochen geholfen hatte? Das war gar keine Betriebsprüfung gewesen. St. Sebastian hatte überprüft, ob es sich lohnt, sie zu kaufen. Jetzt ergab alles einen Sinn.

»Heißen Sie zusammen mit mir den Weihnachtsmann auf unserer Feier willkommen, und für diejenigen, die nicht an ihn glauben, lassen Sie mich sein Alter Ego vorstellen …«

Mit einer einzigen fließenden Bewegung, die Chelsea unwillkürlich an die Entschiedenheit denken ließ, mit der er ihren Rock hochgezogen hatte, nahm der Weihnachtsmann Bart und Perücke ab und enthüllte …

»… Rafe St. Sebastian«, fuhr Paul fort, »CEO der St. Sebastian Luxury Resorts.«

3

»Ach du Scheiße«, sagte Laurie noch einmal.

Verdammter Karriereselbstmord. Ich hatte aus Versehen Sex mit einem der mächtigsten Männer der Branche.

Chelsea schloss die Augen und konzentrierte sich darauf einzuatmen.

St. Sebastian war der große Name in der Welt der Luxushotels. Die Reichen, Berühmten, Privilegierten und diejenigen, die sich für ein paar kostbare Tage so fühlen wollten, stürmten die Hotels von St. Sebastian, um dort einen exklusiven Urlaub zu verbringen.

»Ich bin am Ende, das war’s.«

»Nicht unbedingt«, flüsterte Laurie. »Es war ein Irrtum, aber dafür kannst du nichts. Nimm ihn einfach beiseite und erklär ihm alles. Wirklich, es könnte schlimmer sein. Wenn du schon den falschen Weihnachtsmann in eine Abstellkammer zerrst und dich von ihm reich beschenken lässt, dann solltest du deinem Glücksstern danken, dass er sich als Single, erfolgreich und unglaublich sexy erweist.«

»Kein Wunder, dass er sich nichts dabei gedacht hat, dass sich eine wildfremde Frau auf ihn stürzt – bloß ein weiterer Tag im Leben von Rafe St. Sebastian.«

Wenn man den Hochglanzmagazinen Glauben schenkte, verbrachte der CEO von St. Sebastian Luxury Resorts mehr Zeit damit, in Begleitung von Models, Schauspielerinnen oder Erbinnen von einem seiner auserlesenen Hotels zum nächsten zu jetten, als in seinem nobel ausgestatteten Büro zu sitzen. Er musste nur eine seiner dunklen Augenbrauen hochziehen und schon standen die Frauen praktisch Schlange, um mit ihren Fingern durch sein üppiges Haar zu fahren, seine vollen Lippen zu küssen und in den Tiefen seiner meerblauen Augen zu versinken. Augen, die jetzt den Festsaal durchsuchten, zweifellos nach der enthusiastischsten seiner neuen Angestellten.

Chelsea zog Laurie zur Tür. »Was, wenn er Paul etwas erzählt? Was mache ich dann?«

»Er wird nichts sagen«, versicherte Laurie ihr, während sie aus dem Festsaal gingen.

»Das weißt du nicht, aber selbst wenn du recht hast, ist es egal. Paul so etwas zu verschweigen ist unehrlich.« Sie legte eine Hand auf ihren Bauch. »Ich muss es ihm sagen und kann nur hoffen, dass er mir einen solch schrecklichen Irrtum verzeiht. Ich ruf dich später an.«

Mit wackeligen Beinen lief Chelsea zu den Aufzügen. Zum Glück war die Etage der Geschäftsführung verlassen, als sie dort ankam, sodass sie unbemerkt in Pauls Büro gehen konnte. Sie setzte sich in einen der dunkelroten Ledersessel für Gäste und ließ den Blick durch das vertraute Zimmer und über die Möbel schweifen. Ein massiver Eichenholzschreibtisch, hohe, eindrucksvolle Bücherregale. Nicht gerade die passende Umgebung für ihr extrem heikles Geständnis. Sie ging in Gedanken immer noch Varianten durch.

Hey, Paul, auf dem Weg zur Party ist mir was Lustiges passiert. Na ja, nicht wirklich lustig, aber ich bin mir sicher, dass wir eines Tages darüber lachen werden … Nein, nicht gut.

Paul, vielleicht erinnerst du dich, wie ich dir gesagt habe, selbst deine Mutter würde dich in diesem Weihnachtsmannkostüm nicht erkennen? Hm-hm. Die Mutter lassen wir da lieber raus.

Bevor sie sich für eine Einleitung entschieden hatte, öffnete sich die Tür und Paul kam ins Büro. Er blieb stehen, als er sie sah. »Chelsea. Hallo. Ich nehme an, Cindy hat dir gesagt, dass ich mit dir sprechen möchte?«

Gott, er klang müde. Seine normalerweise glatt nach hinten gekämmten Haare waren durcheinander und seine gletscherblauen Augen wanderten durch den Raum, als hätten sie Angst, irgendwo zu lange hinzusehen. Noch einmal dachte sie an all den Druck, der auf ihm lastete, und ihr Magen verknotete sich, weil sie ihm noch mehr Stress bereiten würde. Es gab keine Möglichkeit, es ihm schonend beizubringen. Am besten legte sie einfach los. »Nein. Ich bin hier, weil, ähm, ich dir etwas sagen muss.«

»Ich zuerst«, unterbrach er sie. »Ich muss etwas loswerden. Es ist längst überfällig.«

Nach Monaten des Schweigens und der Geheimniskrämerei, was sie auf den – haha! – Witz einer Betriebsprüfung geschoben hatte, hatte er jetzt etwas zu sagen, das nicht warten konnte? Wenn er so dringend reden musste, warum hatte er dann keine läppischen drei Minuten seines Tages übrig gehabt, um ihr zu erzählen, dass er das Weihnachtsmannkostüm jemand anders gegeben hatte?

»Cindy ist schwanger.«

Chelsea fiel die Kinnlade runter. »Cindy Ruffy, unsere Personalchefin?«

Paul nickte.

Dem Schock folgte Unbehagen. Warum verkündete er das nicht dem gesamten Team? Warum musste er ihr das unter vier Augen sagen? Aber noch während sie darüber nachdachte, tadelte sie sich selbst dafür. Die Frau war unverheiratet und soweit Chelsea wusste, hatte sie keinen Freund. Ihre Schwangerschaft würde Fragen aufwerfen, vor allem unschmeichelhafte, weil Cindys Über-Leichen-gehen-Vorgehensweise ihr bei Las Ventanas nicht viele Fans beschert hatte. Vielleicht hoffte sie, dass es weniger Gerüchte gäbe, wenn die Nachricht nach und nach Verbreitung finden würde?

Paul schien auf eine Reaktion zu warten, also sagte sie: »Oh, ich hatte keine Ahnung. Ich wusste nicht, dass sie eine Familie gründen wollte, aber wenn sie glücklich ist, freue ich mich für sie. Weiß man, wer der Vater ist?«

»Ja, Chelsea. Ich. Was soll ich sagen? Ich bin der Vater.«

Sie hatte schon öfter den Ausdruck gehört, dass etwas einem die Sprache verschlägt, es aber nie selbst erlebt. Sie hatte diese merkwürdige Lähmung noch nie erfahren, bei der die Lippen und die Zunge vom Hirn getrennt zu sein schienen. Nach ein paar Fehlstarts erwachten ihre Synapsen endlich. »Du und Ruff-Ruff?«

Er runzelte die Stirn. »Ich weiß, dass es ein Schock ist, aber ich hatte Besseres von dir erwartet.«

»Gleichfalls«, sagte sie, äußerst stolz darauf, dass man ihrer Stimme nicht anmerkte, dass ihr Herz brach. Dann, bevor sie etwas dagegen tun konnte, ruinierte sie es mit der Klischeefrage. »Liebst du sie?«

»Ich glaube schon.«

»Du glaubst es?«

»Bitte nicht, Chelsea. Du bist ein süßes Mädchen. Engagiert. Großzügig. Zuverlässig. Ich will dich nicht verletzen.«

Es klang so, als würde er über einen Golden Retriever sprechen. »Dann sei ehrlich zu mir. Ich habe eine Erklärung verdient.«

Er strich über seine Haare und seufzte. »Cindy und ich haben viel gemeinsam. Wie ich hat sie nicht ihr ganzes Leben in der heilen Welt von Montenido verbracht. Sie ist kühn und weltgewandt.«

Kühn? Weltgewandt? »Sie kommt aus Fresno.«

»Sie nimmt sich, was sie will, und lässt sich durch nichts aufhalten. Ich bin genauso. Ich habe sie gebeten, mich zu heiraten, und sie hat Ja gesagt.«

Die Wahrheit saß wie ein kalter, harter Klumpen in ihrem Hals. Weder die Schwangerschaft noch Pauls Gefühle waren erst in den letzten Tagen entstanden. Das hier lief schon eine Weile, aber er hatte die Neuigkeit zurückgehalten, bis das Timing für ihn passte. »Während ich mir also wie ein braver, kleiner Helfer den Arsch abgearbeitet habe für den Verkauf, von dem ich nicht mal etwas wusste, und du behauptet hast, du würdest in Meetings festsitzen, hast du in Wirklichkeit mit ihr geschlafen.«

Er ließ sich in den Sessel neben ihr fallen und nahm ihre Hand. »Ich habe das nicht geplant. Niemand hat Schuld. Keinem können Vorwürfe gemacht werden. Ich habe deine Unterstützung und Loyalität zu Beginn meiner Karriere wirklich zu schätzen gewusst, aber jetzt stehen wir an so unterschiedlichen Punkten. Das musst du doch auch spüren. Ich hatte gehofft, du würdest es verstehen.«

Sie zog ihre Hand weg und stand auf. »Ich verstehe es vollkommen.« Er hatte sie ausgenutzt, sie zu seinem Vorteil mitgezogen, und sie war so eifrig darin gewesen, ihm zu gefallen und die Zuneigung zurückzugewinnen, die er ihr vorenthielt, was sie deutlich gemerkt hatte, sie war erbärmlich leicht auszunutzen gewesen. Sicher, ihre Beziehung hatte nicht lange gedauert, aber sie hatte alles gegeben. Das tat sie immer.

Chelsea bewahrte sich ihren letzten Rest an Stolz, schüttelte den Kopf und ging rasch zur Tür. Sie würde nicht weinen. Nicht hier. Sie wollte nicht, dass er sie dabei sah. »Ich verstehe, dass du nicht der Mann bist, für den ich dich gehalten habe. Lebewohl, Paul.«

»Warte. Du hast vorhin gemeint, du hättest mir etwas zu sagen?«

Sie lachte, ein bisschen hysterisch, und öffnete die Tür. Sie musste nichts gestehen. Was sie jetzt zu sagen hatte, war schnell, spontan und direkt auf den Punkt. Ohne sich umzudrehen und ihn anzusehen, antwortete sie: »Ich kündige fristlos. Aus offensichtlichen Gründen lehne ich das abschließende Gespräch mit der Personalchefin ab.«

4

Rafe breitete eine Handvoll Umschläge mit den Weihnachtsboni auf Barringtons Schreibtisch aus. »Die müssen noch verteilt werden.« Vom Gästesessel aus betrachtete er gedankenverloren den bombastischen Schreibtisch und die schweren Bücherregale. Nicht sein Geschmack. Das Ambiente erinnerte ihn an eine Billigversion des Büros seines Vaters im New Yorker Firmensitz von St. Sebastian Enterprises.

Barrington schaute auf die Umschläge. »Lassen Sie sie hier. Ich werde sie den Angestellten zukommen lassen.«

»Einer ist für Chelsea Wayne. Ich habe sie heute schon gesehen. Ich würde ihn ihr gern selbst geben. Können Sie mir ihr Büro zeigen?«

»Sie ist nicht hier. Chelsea hat kurz nach der Feier gekündigt.«

Mist. Hatte sie wegen dem, was in der Abstellkammer passiert war, gekündigt? Wenn ja, welchen Grund hatte sie Barrington genannt? Er konnte nicht zulassen, dass Gerüchte über sein Fehlverhalten diesen Deal beschmutzten. Die Bedingungen seines Vaters, damit er als Vorstandsvorsitzende seinen Platz für ihn räumte, waren sehr klar: drei komplette Käufe, fehlerlos ausgeführt und reibungslos in das Unternehmen integriert. Las Ventanas war Nummer zwei. Zumindest bis heute Nachmittag, als er dem Rausch, ein Risiko einzugehen, nachgegeben hatte. Jetzt schoss sein Ziel außer Reichweite wie ein Flugball, den er eine Sekunde zu lang aus den Augen gelassen hatte.

»Gekündigt? Das ist aber ziemlich plötzlich, oder nicht?« Sein Tonfall war trotz seiner Sorge ruhig, er sah Barrington fest an, bis der den Kopf hob und den Blick erwiderte. »Sie war schließlich ein aufsteigender Stern bei Las Ventanas. Wir hatten Pläne mit ihr.«

Barrington schaute zur Seite und räusperte sich. »Ich musste ihr eine unangenehme persönliche Nachricht überbringen. Da sie unprofessionell und unreif ist, hat sie darauf mit ihrer Kündigung reagiert.«

Rafe gewann wieder festen Boden unter den Füßen, der Ball flog wieder in die richtige Richtung. Ihr Weggehen hatte nichts damit zu tun, dass sie ihn verwechselt hatte. Trotzdem war ihre Kündigung ein Problem, das, noch frustrierender, Barrington gar nicht zu erkennen schien. »Ich bin überrascht, dass Sie so gelassen sind, Paul. Mir kam zu Ohren, dass Sie und Chelsea einander nahestehen. Sehr nahe, hieß es sogar.« Da es ihm von Chelsea selbst zu Ohren gekommen war, war er sich bei dieser Aussage recht sicher.

Barrington kicherte und wedelte mit dem Zeigefinger. »Ihre Quellen sind gut, allerdings nicht ganz auf dem aktuellen Stand. Wir hatten in den letzten Monaten eine lockere Beziehung, aber ich habe heute mit ihr Schluss gemacht.« Er seufzte, als würde ihn die Anstrengung, diese unangenehme Mitteilung zu machen, noch belasten. »Chelsea hat es schlecht aufgenommen. Sie hat gekündigt.«

»Und das haben Sie zugelassen? St. Sebastian sieht in ihr eine zentrale Figur. Die Verkäufer haben uns gesagt, dass sie eine entscheidende Rolle dabei gespielt hat, das Potenzial von Las Ventanas als Familienhotel auszuschöpfen. Vorher war es bloß ein weiteres nettes, aber unauffälliges Hotel, das auf dem gesättigten Markt romantischer Locations in Montenido starkem Konkurrenzdruck ausgesetzt war.«

Barrington runzelte die Stirn. »Chelsea und ich waren bei dem Projekt Partner. Wir haben beide erkannt, dass die großartige Lage und die vielen Suiten mit mehreren Zimmern Las Ventanas für ein gehobenes, familienfreundliches Hotel prädestinierte. Und ja, unter meiner Führung hat sie einen Plan entwickelt, um erfolgreich unsere Zielgruppe anzusprechen. Doch bei allem Respekt, ich glaube, Sie überschätzen den Beitrag einer einzelnen, zweitrangigen Angestellten.«

Bei allem Respekt bedeutete normalerweise »komplett ohne«, und in diesem Fall galt das sowohl für ihn als auch für Chelsea. »Für Sie ist eine Direktionsassistentin eine zweitrangige Angestellte?«

»Sie ist enthusiastisch und voller Ideen, aber sie ist auch noch sehr unerfahren. Als die Eigentümer mich zum Geschäftsführer ernannt haben, wurde mir schnell klar, dass es ein Vollzeitjob ist, ihr Mentor zu sein. Es brauchte jemanden mit Geschäftssinn, um all ihre Ideen zu prüfen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Es brauchte schon jemanden mit meinen Fähigkeiten, um diese Ideen umzusetzen.«

Was zur Hölle hatte sie bloß in diesem Vollpfosten gesehen? Eine Führungspersönlichkeit von St. Sebastian verstand die Rolle des Managements so, dass es talentierte, enthusiastische Leute ins Team integrierte und ihnen die Ressourcen zur Verfügung stellte, die sie für ein erfolgreiches Arbeiten brauchten, und nicht, ihren Beitrag kleinzureden und sich deren Verdienste auf die eigenen Fahnen zu schreiben. An dieser Philosophie hielten er und sein Vater unerschütterlich fest, was bedeutete, dass Barrington gehen musste. Nicht sofort, denn wenn man den Geschäftsführer schasst, riskiert man einen Massenexodus, weil dann jeder befürchtet, dass sie jetzt alle entlassen würden, aber er würde schon mal mit einer diskreten Suche beginnen. Er würde Barrington gerne rausschmeißen, sobald er den richtigen Nachfolger gefunden hatte. Bis dahin jedoch vermittelte Chelseas plötzliche Kündigung den anderen Angestellten eine negative Botschaft. Das musste unbedingt verhindert werden. Bei allem Respekt.

»Sie ist gut in ihrem Job und bei Gästen und Kollegen gleichermaßen beliebt. Zuzulassen, dass sie direkt nach Bekanntgabe des Kaufs geht, sieht so aus, als hätten wir sie entlassen oder als hätte sie lieber gekündigt, als für St. Sebastian zu arbeiten. Beide Erklärungen sind nicht akzeptabel, da sie beide problematisch sind, was das Verhalten der anderen Angestellten angeht. Reden Sie es ihr aus. Überzeugen Sie sie wenigstens von einer Verlängerung.«

Paul sah aus, als hätte er seine Zunge verschluckt. »Wie um alles in der Welt soll ich das denn anstellen?«

Rafe stand auf und zuckte mit den Schultern. »Nutzen Sie Ihren Geschäftssinn, um das herauszufinden.«

»Das ist nicht so einfach. Da gibt es eine … Komplikation.«

»Es ist nicht schwierig. Ich erkläre es ihnen. Überreden. Sie. Sie. Zu. Bleiben.«

»Ich bin mit einer anderen Angestellten zusammen«, platzte Paul heraus. »Ich bin mit Cindy Ruffy verlobt. Unter diesen Umständen ist es am besten, wenn Chelsea geht.«

Scheiße. Wenn sie auch nur einen Funken Stolz hatte, würde sie verdammt sicher nicht bleiben. »Gutes Timing, Paul. Sie erzählen es ihr bei der Weihnachtsfeier, direkt nachdem wir den Kauf öffentlich gemacht haben. Was haben Sie sich dabei gedacht?«

»Ich habe gewartet, bis der Kauf unter Dach und Fach war, damit sie nicht kündigt, solange noch so viel Arbeit zu erledigen war. Aber ich konnte nicht mehr warten. Cindy und ich gründen eine Familie. Das wird bald zu sehen sein, und sie will heiraten, bevor …«

»Verstanden«, unterbrach Rafe ihn, ohne sich die Mühe zu machen, seine Ungeduld zu verbergen. Barrington konnte in seiner Wertschätzung nicht viel tiefer sinken. St. Sebastian wollte diesen Typ definitiv nicht. Je früher sie einen Ersatz fänden, umso besser. Sie hatten die Information über den bevorstehenden Kauf lange genug zurückgehalten, genauso würden sie es mit der Nachricht von Chelseas Kündigung halten.

In Gedanken bereits bei den nächsten Schritten, ging Rafe zur Tür. Was für ein Durcheinander. Sein Vater würde sich die Chance nicht entgehen lassen, ihm zu sagen, dass er ein folgenreiches zwischenmenschliches Chaos, das unter der Oberfläche von Las Ventanas brodelte, übersehen hatte. Aber es war in den Griff zu kriegen. Er blieb an der Tür stehen und drehte sich zu Barrington um. »Wir machen es so: Wir, das heißt, die Mitarbeiter der Unternehmensskommunikation von St. Sebastian – und nicht Sie oder Miss Ruffy oder sonst wer – werden uns um die Nachricht von Chelseas Kündigung kümmern. Wir werden für morgen früh eine Mitteilung erarbeiten. Falls ich vorher das Geringste darüber höre, sind Sie und Miss Ruffy gefeuert. Verstanden?«

»A-aber das ist total unfair! Chelsea könnte etwas weitererzählen.«

»Dann sollten Sie hoffen, dass sie Besseres zu tun hat, als ihr Privatleben auszubreiten.«

Er hoffte es auf jeden Fall.

»Mein ganzes Leben ist gerade explodiert«, schluchzte Chelsea. Sie saß auf einem Metallbarhocker in der weißen Küche von »Babycakes«, ein Glas Cabernet in der einen Hand und das letzte Viertel eines doppelt glasierten Karamell-Brownie-Cupcakes in der anderen. Bis jetzt hatte sie gedacht, dass man sich bei »Babycakes« einfach glücklich fühlen musste. Um ihre Laune zu heben, genügten normalerweise schon die Vanille- und Zimtdüfte und der kunterbunte Anblick, den die Kuchenvitrine bot. Aber nicht heute Abend. Gott sei Dank war die Bäckerei seit einer Stunde geschlossen. Kunden wollten keine verrückte Frau sehen, die sich mit Wein und Kohlenhydraten zu trösten versuchte.

Laurie nahm Chelseas Glas und stellte es auf die Theke, dann reichte sie ihr ein paar Taschentücher und legte einen Arm um ihre Schulter. »Sicher, der Tag heute landet auf der Liste schlimmer Tage, aber echt, dein Leben ist nicht explodiert.«

»D-doch, ist es.« Sie aß das letzte Stück Cupcake und wischte sich mit dem Taschentuch über die Wangen. »Lass mich die Explosion noch mal für dich rekapitulieren. Der Mann, mit dem ich zusammen war, hat mich betrogen und für die Eiskönigin der Personalabteilung verlassen, die zufällig auch die Mutter seines ungeborenen Kindes ist. Um mir die Erniedrigung zu ersparen, ihrem Glück zusehen zu müssen, habe ich einen Job gekündigt, den ich liebe, was genau betrachtet vielleicht unnötig war, denn nach meiner Einlage in der Abstellkammer wäre ich wahrscheinlich sowieso gefeuert worden, sobald der neue Eigentümer einen Grund dafür gefunden hätte.« Sie zerknüllte das Taschenbuch. »Mein Gott, wann bin ich so ein Loser geworden?«

Laurie drückte sie. »Du bist kein Loser. Du hattest dir einen Loser ausgesucht. Das ist ein Unterschied.«

»Nicht für mich. Ich habe genug davon, dass man auf meinem Herzen herumtrampelt.« Sie warf das Taschenbuch in den Mülleimer. »Ich habe genug von der Liebe.«

»Wegen Paul Barrington? Das wäre so, als würdest du nie wieder Kuchen essen, weil du ein schlechtes Yes-Torty hattest.«

»Paul ist ein Yes-Torty?«

»Die menschliche Entsprechung. Ein Yes-Torty ist kein echter Kuchen und du und Paul, das war keine echte Liebe.«

»Wäre Paul mein einziger miserabler Freund gewesen, könnte ich ihm vielleicht die Schuld zuschieben, aber das ist er nicht. Schau dir nur mal meine Vergangenheit an. Chad Dunkleman hat mich beim Abschlussball sitzen gelassen und Tammy Ballsmore in der weißen Stretchlimousine, für die ich die halbe Miete bezahlt hatte, nach Hause gebracht. Wir waren drei Jahre zusammen.«

»Tammy hatte nicht umsonst einen gewissen Ruf, Chad war besoffen, und du hast die Vorstellung, deine Jungfräulichkeit in der kitschigen weißen Limousine zu verlieren, im Grunde immer gehasst. Du kannst unmöglich bereuen, auf etwas Besseres als die Limousine nach dem Abschlussball mit Chad Dunkleman gewartet zu haben.«

Chelsea zuckte mit den Schultern. »Ich habe also bis zur Uni gewartet, bloß damit mein nächster Freund ein Semester in Spanien verbringt und mit einem Mädchen abhaut, das er in einer Disco in Barcelona kennengelernt hat.«

»Hey, wenigstens hast du nicht die Reise bezahlt.«

»Nein, aber ich habe mit ihm stundenlang Spanisch geübt, damit er sich für das Stipendium qualifiziert.« Sie nahm einen großen Schluck aus ihrem Weinglas und wünschte, der Alkohol würde auch ihr Herz betäuben. »Jede meiner Beziehungen folgt demselben Muster. Ich vertraue. Ich gebe. Ich werde verlassen. Also, mir reicht’s. Das Universum versucht mir eine Botschaft zu vermitteln und heute habe ich sie gehört, laut und deutlich. Ich musste bloß alles verlieren, um es endlich zu kapieren. Keine Männer mehr. Keine Beziehungen mehr. Keine Liebe mehr.«

»Du kannst das, was mit Paul passiert ist, doch nicht als Zeichen des Universums werten. Jeder hat irgendwann mal Liebeskummer.«

»Du nicht.«

Laurie versuchte gar nicht erst, das zu leugnen. »Das liegt daran, dass ich weiß, wie ich mein Herz schützen muss.« Sie tippte mit einem roten Fingernagel voller Schneeflocken auf die Stahltheke. »Nicht weil ich Männer aufgegeben hätte.«

»Mit fehlt das Herzschutz-Gen.«

»Nein, tut es nicht. Du hast bloß noch nicht gelernt, wie man es einsetzt. Warum auch? Deine Mom hat ihre Highschool-Liebe geheiratet. Für sie war dein Dad Mister Für-immer.« Sie malte Anführungszeichen in die Luft. »Herzerwärmend, aber heutzutage nicht sehr realistisch. Für dich dagegen ist jedes Date so, als wärst du auf der Suche nach Mister Für-immer, anstatt darin einfach nur die Chance auf ein bisschen Spaß und Knistern zu sehen und idealerweise guten Sex mit Mister Für-den-Augenblick zu genießen.«

Chelsea stützte einen Ellbogen auf die Theke und legte das Kinn in die Hand. »Mehr willst du nicht von einer Beziehung? Sexy Spaß mit Mister Für-den-Augenblick?«

Laurie nickte. »Nenn mich oberflächlich, aber so ist es, mehr erwarte ich nicht. Wenn der Typ mehr von mir will, muss er es sich verdienen.«

»Und wie schafft er das?«

»Es hat noch keiner geschafft, doch jeder Mann kann zumindest unter Beweis stellen, ob er mehr zu geben hat.«

»Aber wenn bisher noch kein Mann deinem Standard entsprochen hat, ist dein Standard dann vielleicht zu hoch?«

»Ich bin nicht diejenige, die heute Abend in ihren Wein heult«, bemerkte Laurie. »Du dagegen lässt dein Herz viel zu leicht erobern. Anstatt einem Mann klarzumachen, dass er erst mal beweisen muss, ob er die emotionale Investition überhaupt wert ist, behandelst du ihn, als wäre er der Hauptgewinn.« Sie stupste Chelsea an der Schulter. »Du bist der Hauptgewinn. Fang an, dich selbst auch so zu behandeln.«

Chelsea drehte den dünnen Stiel ihres Glases. »Ich fühle mich nicht wie ein Hauptgewinn. Ich fühle mich wie ein Depp.«

»Du bist kein Depp, Chels, aber du lebst nach all den Regeln für nette Mädchen, die deine Mutter dir eingebläut hat, und das bist du einfach nicht.«

»Ich bin kein nettes Mädchen?«

Laurie stupste sie noch einmal. »Du weißt, was ich meine. Du bist eine Versorgerin.«

»Äh. Nein. Soweit ich weiß, bin ich arbeitslos.«

»Ich meine, du versorgst Leute. Ein Teil von dir sucht nach Bestätigung, und zwar indem du die perfekte Tochter, die perfekte Angestellte, die perfekte Freundin bist. Es ist kein Zufall, dass du so gut in deinem Job bist. Bei der Hotellerie geht es darum, die Bedürfnisse der Gäste vorherzusehen und zu erfüllen. Du bist ein Naturtalent. Aber diese Fähigkeiten, die dich in deinem Job so gut machen, wirken sich auch auf deine Beziehungen aus und … na ja … du wirst ausgenutzt.«

Die Wahrheit wog schwer. Chelsea ließ den Kopf auf die Theke fallen und legte ihr heißes Gesicht auf den kühlen Stahl. »Ich fühle mich wieder wie ein Depp. Ich denke, ich brauche ein paar neue Regeln.«

Laurie klopfte ihr auf den Rücken. »Das stimmt, weil dieses nette Mädchen noch eine andere, verborgene Seite hat. Sie hat gerne Spaß, ist ein bisschen frech und möchte herauskommen und spielen.«

Chelsea schniefte. »Glaubst du?«

»Das weiß ich. Sie hatte Überfallsex mit Rafe St. Sebastian in einer Abstellkammer.«

»Wow. Hast du den Ausdruck für mich erfunden?«

»Ja.« Laurie polierte ihre Fingernägel an ihrem Pullover und blies dann darauf.

»Okay, es ist bloß so, dass das, was ich getan habe, ein Irrtum war. Ich wusste nicht, dass er es war.«

»Nun, beim nächsten Mal solltest du …«

»Oh nein. Kein nächstes Mal.«

»Warum? Nicht nur, dass er der personifizierte Orgasmus ist, sondern auch einer mit der Macht, eine Frau taub, stumm und blind vor Lust zu machen.«

Chelsea verdrehte die Augen, obwohl sie spürte, wie sie rot wurde. »Siehst du mich wirklich als Freundin von jemandem wie Rafe St. Sebastian, Playboymilliardär?«

»Wer hat was von Freundin gesagt? Du spielst nach den neuen Regeln, erinnerst du dich? Du suchst nicht mehr nach Mister Für-immer. Du suchst nach Mister Für-den-Augenblick. Du suchst nach Spaß, Knistern und Wahnsinnssex. Er erfüllt alle drei Kriterien. Die böse Chelsea will spielen und er ist das perfekte Spielzeug. Sieh ihn als einen wichtigen, ersten Schritt auf der Reise zu persönlicher Größe und Selbsterfahrung.«

Das wäre allerdings eine kurze Reise, weil sie vor Scham sterben würde, wenn sie ihn jemals wiedersah. Obwohl das stimmte, vermutete sie, dass diese Erklärung Laurie enttäuschen würde, also sprach sie eine andere Wahrheit aus: »Im Moment sind andere Dinge wichtiger, als ein Spielzeug zu finden. Selbst die böse Chelsea hat Verpflichtungen und braucht ein Gehalt, um ihnen nachzukommen.«

Das Grinsen verschwand von Lauries Gesicht. »Wie schlimm ist es?«

»Mein Stolz hat nicht auf den Kontostand geschaut, bevor ich gekündigt habe. Ich habe gerade einen Weihnachtsbonus ausgeschlagen, den ich eigentlich schon für Geschenke ausgegeben hatte.« Geschenke wie die Rolex, die Paul sich wünschte und die sie hatte gravieren lassen, sodass sie sie nicht zurückgeben konnte. »Visa wird im Januar heftig an meine Tür klopfen.«

»Ich kann nicht viel zusammenkratzen, aber ich kann dir etwas leihen.«

Chelsea schüttelte den Kopf. Laurie steckte alles, was sie übrig hatte, in »Babycakes«. Sie konnte kein Geld annehmen, das für den Traum ihrer besten Freundin gebraucht wurde. »Danke, aber ich werde hoffentlich direkt einen neuen Job finden. Heute Nachmittag habe ich mit einem Personalvermittler gesprochen, wegen der offenen Stelle des Geschäftsführers im Tradewinds Hotel. Ich habe morgen im Hauptsitz in Los Angeles ein Vorstellungsgespräch mit den Eigentümern, Mr und Mrs Templeton.«

»Das ist toll.« Laurie nahm ein Geschirrtuch und wischte die Theke ab. »Wo ist das Hotel?«

Chelsea bereitete sich auf einen weiteren Aufschrei vor. »Maui.«

»Maui!« Ihre Freundin ließ das Küchentuch fallen. »Chels, als ich gesagt habe, du solltest eine neue Lebensphase beginnen, habe ich damit nicht gemeint, dass du packen und Tausende von Meilen weit wegziehen sollst.«

»Ich packe noch keine Koffer. Es ist bloß ein Vorstellungsgespräch. Ich habe den Job noch nicht.«

»Du wirst ihn bekommen. Und dann wirst du mir fehlen.«

Chelsea streckte sich, umarmte ihre Freundin und vergrub ihr Gesicht in Lauries Locken. »Ich werde dich auch vermissen, aber ich glaube, ein Tapetenwechsel wird mir guttun.« Sie ließ sie los. »Klingt besser, als arbeitslos und pleite in Montenido herumzuhängen und Cindy und Paul zuzusehen, wie sie heiraten und eine Familie gründen.«

»Du würdest in Montenido herumhängen und dabei zusehen, wie Paul und Cindy einander auf die Nerven gehen, was unweigerlich geschehen wird, und Gott sei Dank bist du nicht an ihrer Stelle.«

»Ich mag dich wirklich, aber mir ist schon klar, dass du als meine Freundin die Pflicht hast, so was zu sagen wie, Paul und Cindy verdienen einander und es wird sicher schiefgehen. Anstatt etwas zu sagen wie: ›Ich hab’s dir doch gesagt‹ und ›du bist ein Idiot‹.«

»Es wird zwischen ihnen schiefgehen, und du bist kein Idiot.« Laurie brachte ihr Weinglas zur Spüle.

»Nun, ich fühle mich aber wie ein ziemlich großer Idiot. Ein paar Tausend Meilen Entfernung könnten meine Perspektive ändern, doch im Moment …«

»Im Moment brauchst du ein bisschen Abstand. Das verstehe ich. Nach Maui zu ziehen sollte reichen.«

Chelsea hob ein Küchentuch hoch. »Hoffentlich. Das ist jedenfalls der Plan.«

»Tradewinds … Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ist das nicht eines dieser Hotels extra für Singles?«

»Mauis spektakulärstes Ziel für Singles. Flirten, Anbandeln und während des Traumurlaubs die eigenen Fantasien wahr werden lassen. Der perfekte Job für eine Frau, die ihre böse Seite erforschen will, findest du nicht?«

»Ja. Aber trotzdem. Maui.«

»Ich weiß.« Der Gedanke, ihre Familie und Freunde, alle, die sie liebte, hinter sich zu lassen, schnürte ihr die Kehle zu. Sie schluckte. »Egal, ich sollte jetzt gehen. Danke, dass ich mich bei dir ausheulen durfte.«

»Mein Sofa ist frei.«

Chelsea war kurz versucht, das Angebot anzunehmen, aber dann schüttelte sie den Kopf. Ihre Wohnung lag ganz in der Nähe und die Bürgersteige waren gut beleuchtet. Sie war Laurie an diesem Abend lange genug zur Last gefallen. »Ich muss zu Hause noch ein paar Dinge erledigen.«

Ihren Lebenslauf aktualisieren.

Ihren Facebookstatus auf »Abserviert« setzen.

Eine absurd teure Uhr einer Wohltätigkeitsorganisation spenden.

Nach Maui zu fliehen klang immer besser.

5

»Lass mich das kurz rekapitulieren. Kaum dass du den Deal abgeschlossen hattest, kündigt die Direktionsassistentin, weil ihr Freund, der Geschäftsführer, seine Verlobung mit der Personalchefin verkündet, die außerdem noch von ihm schwanger ist, und du hast nichts davon vorhergesehen?«

Rafe zuckte beim Tonfall seines Vaters zusammen, aber er unterdrückte den Drang, schneller zu werden, während sie am nebligen Ufer entlangliefen, hinter dem Grundstück, das ihm und Arden gehörte. Er würde niemals schnell genug sein, um dieser Ansprache zu entfliehen. Er wusste zwar, dass dieses Gespräch unausweichlich war, aber trotzdem ärgerte er sich über das Timing seines Vaters. Wenn sein Tag einmal begonnen hatte, hatte er kaum noch einen Moment für sich allein. Es gefiel ihm nicht, dass er diese wertvolle kurze Zeit am Morgen, in der er ganz allein über seinen Privatstrand lief, dafür opfern musste, sich gegenüber Luc zu verteidigen. Aber er würde es trotzdem tun.

»Das ist nicht gerade die Art von Information, die bei einer Kaufprüfung ans Licht kommt.«

»Da sehe ich anders. Zu einer Kaufprüfung gehört mehr, als nach der Unterschrift den Weihnachtsmann zu spielen.«

Über ihren Köpfen kreischte eine Möwe und Rafe lief Schweiß über den Rücken. Wurde ihm womöglich gerade eine Falle gestellt? Sein Vater demonstrierte oft seine außergewöhnliche Fähigkeit, an Informationen zu gelangen, aber soweit er wusste, war er kein Hellseher. Er hatte unmöglich erfahren können, was in einer Abstellkammer passiert war, während er den Weihnachtsmann »gespielt« hatte. »Es gab einen vernünftigen geschäftlichen Grund dafür, sich als Weihnachtsmann zu verkleiden.«

»Das ist mir klar. Eine kleine Geste, um die Angestellten positiv zu stimmen. Sehr clever. Aber die eingehende Prüfung eines Deals Anwälten und Buchhaltern überlassen? Nicht clever. Du wirst die wahren Probleme nie in den Büchern finden. Die findet man, indem man Zeit vor Ort verbringt, mit den Leuten redet, zuhört, nachforscht …«

»Wenn ich zu viel Zeit in einem Hotel verbringe, das nicht uns gehört, bringt das andere auf die Idee, dass wir es kaufen möchten, und dann lassen die Konkurrenten nicht lange auf sich warten.«

»Sei kreativ. Denk dir eine Geschichte aus und arbeite mit einem vertrauenswürdigen Insider zusammen, um dir die ganze Sache genau anzusehen. Jeder Eigentümer, der ernsthaft verkaufen möchte und vom Wert seines Besitzes überzeugt ist, wird dir das ermöglichen. Wenn du bei Las Ventanas so vorgegangen wärst …«

»Ich brauche bei diesem Deal keinen, der hinterher alles besser weiß, Luc. Entspann dich.« Eine Brise kühlte Rafes Gesicht. Er atmete die salzige Luft ein und versuchte sich an seinen eigenen Rat zu halten. »Alles ist unter Kontrolle. Eine offizielle Mitteilung an die Angestellten wegen des Weggangs der Direktionsassistentin geht morgen früh als Erstes raus. Unser Headhunter sucht bereits diskret nach einer Nachfolgerin.«

»Und nach einem neuen Geschäftsführer«, ergänzte sein Vater, »und schließlich noch nach einem neuen Personalchef, weil ein Dreieck zusammenbricht, wenn eine Ecke wegfällt.«

»Ja«, stimmte Rafe zu.

»Ist noch irgendwer übrig oder sollen wir aus Las Ventanas unser erstes Selbstbedienungshotel machen?«

Und da war er, der patentierte Sarkasmus des Luc St. Sebastian. Die Hitze, die Rafe in seinem Nacken verspürte, hatte nichts mit dem Wetter oder der körperlichen Anstrengung zu tun. »Ich habe dir gesagt, dass ich das erledige.«