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Sechs Dates. Keine Namen. Keine Versprechen.
Hotelerbin Arden St. Sebastian ist nur aus einem Grund auf Hawaii: ihr Job. Doch als der attraktive Fremde sie in der Bar anspricht und ihr einen Drink spendiert, wirft sie alle guten Vorsätze über Bord und verbringt eine heiße Nacht mit ihm. Arden und der Unbekannte schließen einen Handel: sechs Tage, keine Namen und danach gehen sie getrennte Wege. Mit diesem Deal, so glaubt Arden, kann sie nicht verlieren - doch sie hat die Rechnung ohne ihr Herz gemacht.
"Ein perfekter Lesegenuss: humorvoll, romantisch und heiß, heiß, heiß!" Pocket Book Reviews
Nach Sexy BOSS und Hot Cop nun Perfect Stranger - der dritte Band in der Compromise-me-Serie von Bestseller-Autorin Samanthe Beck
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Seitenzahl: 295
Veröffentlichungsjahr: 2018
SAMANTHE BECK
Perfect Stranger
Roman
Ins Deutsche übertragen von Hans Link
Sechs Dates. Keine Namen. Keine Versprechen.
Hotelerbin Arden St. Sebastian ist nur aus einem Grund auf Hawaii: ihr Job. Doch als der attraktive Fremde sie in der Bar anspricht und ihr einen Drink spendiert, wirft sie alle guten Vorsätze über Bord und verbringt eine heiße Nacht mit ihm. Arden und der Unbekannte schließen einen Handel: sechs Tage, keine Namen und danach gehen sie getrennte Wege. Mit diesem Deal, so glaubt Arden, kann sie nicht verlieren – doch sie hat die Rechnung ohne ihr Herz gemacht.
All jenen gewidmet, die für einen Urlaub auf Maui mehr als reif sind …
Schultern. Arden St. Sebastians schweifender Blick blieb an einer Klippe maskuliner Schultern in einem lässigen weißen Hemd hängen. Und weil der Besitzer dieser Schultern an einem Tisch am anderen Ende der Hotelbar saß und ihr den Rücken zukehrte, tat sie, was jede heterosexuelle Frau mit lebhafter Fantasie und unterversorgtem Sexualtrieb tun würde, wenn sie auf ein solch atemberaubendes Monument männlicher Schönheit traf. Sie stellte sich vor, ihm das Hemd auszuziehen und mit den Händen über die Wölbungen der Schultern zu streichen und dann die Zähne in seinen Bizeps zu senken.
Der Typ zum Anbeißen saß mit einem älteren Paar zusammen, aber sie waren in ein Gespräch vertieft, sodass es ihr freistand, hemmungslos zu sabbern und den Anblick gebräunter Haut zwischen seinem Hemdkragen und dem von der Sonne gesträhnten braunen Haar zu genießen, das sich an den Spitzen ein wenig wellte, als hätte er einen Friseurtermin versäumt.
Die Frau am Tisch rührte sich – sie hob die Hand, um ihre zweireihige Perlenkette anzufassen –, und Arden begriff, dass die Frau sie dabei ertappt hatte, wie sie hinschaute. Hoppla.
Sie zwang sich, den Blick abzuwenden, aber nach kurzer Pause wanderte er zurück. Ein wenig hoffte sie, dass die Zielscheibe ihrer Aufmerksamkeit ihren Blick spüren und sich umdrehen würde, damit sie sein Gesicht sehen konnte.
Das sanfte Pling einer eingehenden SMS zerschmetterte ihre von Hormonen genährte Hoffnung. Was war denn jetzt schon wieder?
Tolle Neuigkeiten. Die Templetons haben bestätigt, dass ihr Neffe Samstagabend verfügbar ist.
Arden betrachtete blinzelnd die Nachricht von ihrem Vater, dann kippte sie den Rest ihres Maui Mimosa hinunter und bedeutete dem Barkeeper, ihr einen neuen zu bringen. Wie viele würde sie brauchen, bevor sie es für eine tolle Neuigkeit hielt, mit dem Neffen der Geschäftspartner ihres Vaters ein Blind Date zu absolvieren?
Mehr, als sie konsumieren konnte, ohne einen schrecklichen Kater zu riskieren. Trotzdem nahm sie dankbar das zweite Glas von dem Barkeeper entgegen und rechtfertigte es als den Ferienteil ihres »Arbeitsurlaubs«.
Zwei Monate nachdem er in den Ruhestand getreten war, trieb ihr Vater sie regelrecht in den Wahnsinn. Der ehemalige Präsident und CEO von St. Sebastian Enterprises hatte ein neues Projekt gebraucht, auf das er sich konzentrieren konnte, nachdem er die Geschäftsleitung an Rafe, ihren älteren Bruder, übergeben hatte, und bei Gott, er hatte eins gefunden.
Sie.
Er hinterfragte nicht nur jede Entscheidung, die sie als Corporate-Identity-Managerin für die St. Sebastian Luxury Resorts traf, er hatte sich jetzt auch vorgenommen, ihr Privatleben zu überwachen. Das musste aufhören.
Sie tippte ihre Antwort mit ein wenig mehr Nachdruck, als der Touchscreen erforderte.
Ich brauche keinen Vater, der meine Dates arrangiert.
Nicht? Hat es sich mit dem letzten Herrn deiner Wahl so gut entwickelt? Warte. Ich habe einen Anruf.
Uh. Seine Worte trieften förmlich von seinem typisch französischen Sarkasmus. Sie warf ihr Telefon auf den glänzenden schwarzen Tresen, den sie im Zuge eines umfassend neu gestalteten Erscheinungsbildes der Resortkette durch einen ausgefalleneren ersetzen wollte. Die frustrierte Geste erregte die Aufmerksamkeit des Barkeepers. Sie brachte ein Lächeln für ihn zustande und erwog, aus ihrem Drink einen Doppelten zu machen.
Ein kleiner Erpresserzwischenfall mit einem Mann, mit dem sie vor einigen Monaten ein paarmal ausgegangen war, und plötzlich sollte sie nicht mehr in der Lage sein, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln? Glücklicherweise hatten die Behörden daheim in Kalifornien herausgefunden, wer hinter dem Plan steckte, und ihn zum Schweigen gebracht. Sie wusste nicht einmal, wie ihr Vater von der ganzen demütigenden Schweinerei erfahren hatte. Sie hatte weiß Gott ihr Bestes getan, die Sache vor all ihren Bekannten geheim zu halten – mit Erfolg, wie sie gedacht hatte –, aber anscheinend hatte der Ruhestand Lucs unheimlichem Zugang zu Informationsquellen keinen Abbruch getan. Hoffentlich würde er es für sich behalten, denn das Letzte, was sie brauchte, waren Rafe oder ihre Mutter, die sich auf sie stürzten und sie dafür schalten, sich unwissentlich mit einem Kriminellen eingelassen zu haben. Oder die beiden würden sie mit irregeleiteter Sorge überschütten und mit Versuchen verärgern, ihr Leben zu regeln, aufgrund der fälschlichen Annahme, sie könne es selbst nicht richtig führen. Oder eine noch nervigere Kombination aus beidem würde über sie hereinbrechen.
Ihr linkes Auge zuckte, was sie als Warnzeichen für Spannungskopfschmerzen zu erkennen gelernt hatte. Und das war schlicht und einfach Mist. In der Regel verspannte sie sich nicht. Sie hatte es gut und war sich dessen bewusst, aber wegen der in letzter Zeit auf sie einwirkenden Stressfaktoren war sie in einen ungesunden Zustand verfallen, in dem es nur Arbeit und überhaupt keine Freizeit mehr gab. Ein Zustand, dem sie während dieser Woche in Maui ein Ende zu machen hoffte. Sie hatte sich fest vorgenommen, auf dieser Flucht ihre innere Mitte wiederzufinden. Bedauerlicherweise schien es, dass siebentausend Meilen Entfernung nicht genügten, um dem Stress davonzulaufen.
Sie brauchte Ablenkung. Noch während ihr der Gedanke durch den Sinn ging, reckte sie den Hals, um die Schultern näher zu erkunden. Das Pling einer neuen SMS erklang, und obwohl sie sich befahl, die Störung zu ignorieren, irrte ihr Blick zum Telefon ab. Luc war wieder da.
Dein Bruder hat jemanden gefunden, der ihn glücklich macht UND unser Geschäft unterstützt. Ich sehe keinen Grund, warum du das nicht auch hinkriegst.
War ja klar. Sie würde es niemals schaffen, den Namen St. Sebastian aus ihrem Privatleben herauszuhalten. Ihr Vater betrachtete sie offensichtlich als Firmeninventar, weshalb sie auch einen Samstagabend für ein Blind Date mit dem Neffen der Leute opfern sollte, die ihm dieses Resort verkauft hatten. Es wäre ja noch schöner, dass sie sich jemanden aussuchte, der nicht von Vorteil fürs Geschäft war. Aber es war das Unterschwellige in Lucs Annahme, was ihr wirklich Sorgen machte. Es wäre ja auch noch schöner, wenn jemand sie einfach um ihrer selbst willen wollte.
St. Sebastian hat den Templetons einen guten Preis für das Resort bezahlt. Wie bin ich in diesen Deal hineingeraten?
»Wusch« machte es, als sie die Nachricht abschickte, aber das Geräusch hinterließ in seinem Kielwasser ein kleines Kribbeln von Schuldgefühlen. So abgebrüht er war, ihr Vater liebte sie. Er zog einfach keinen Trennstrich zwischen Geschäft und Familie. Für ihn war das ein und dasselbe, und er hatte nahezu sein ganzes Leben damit verbracht, Dinge zu planen, zu verhandeln, anzuschieben, um den Status der Familienresorts als Unterkunft der Wahl für Personen aufrechtzuerhalten, die an begehrten Orten Weltklassequartiere suchten.
Ich habe Millionen für ein Resort ausgegeben, einfach um dir ein Date fürs Dinner zu sichern. Sei bitte pünktlich.
Ein Augenrollen wäre verschwendet, da ihr Vater sie nicht sehen konnte. Stattdessen knüllte sie ihre Cocktailserviette zusammen und benutzte sie als improvisierten Stressball. Nicht gerade effektiv.
Name? Ort? Zeit?
Sie drückte auf Senden und beugte sich dann über den Tresen, um sich von dem kleinen Stapel eine weitere Serviette zu nehmen. Nun, zwei, wie es sich fügte, denn die kleinen Teufel klebten zusammen. Sie zog sie zu sich heran, kramte einen Stift aus ihrer Handtasche, die sie über die Rückenlehne ihres Barhockers gehängt hatte, und kritzelte ein paar Notizen zur geplanten Gestaltung der Möbeloberflächen und zum Lichtkonzept für die Lounge darauf.
Ihr Vater simste ihr die Details des Dates – Nicholas Bancroft in der Hotellounge um neunzehn Uhr – und schloss mit der Information, dass er hoffe, sein Geschäft in New York bis Mitte der Woche abzuschließen, und erwarte, sie in Maui zu treffen, bevor sie abreiste. Er freue sich darauf, ihre vorgeschlagenen Veränderungen für ihr neuestes Resort im Detail zu prüfen.
Im Detail? Oh, welch Glück. Sie hob ihren Stift und betrachtete die Ideen, die sie hingekritzelt hatte, während sich ihr Magen vor Angst verkrampfte.
Sie konnte Farbschemata begründen, die Bedeutung von Dekostoffen erklären und die Gegebenheiten vor Ort perfekt in ihre Entwürfe einbeziehen. Psychologie und Ökonomie waren die Basis für ihre Entscheidungen – ihr Job war wahrlich keine beliebige Einkaufsorgie, ganz gleich, was die Leute dachten. Aber gerade jetzt, während sie darüber nachgrübelte, was die nächsten Tage bringen würden, machte sich ein bleierner Schmerz hinter ihrer zuckenden Augenpartie breit. Scheiße. Wie hatte sich ihre friedliche Woche auf Maui zu einer Mission des Unternehmens St. Sebastian entwickeln können?
Die Notizen auf der Serviette waren lachhaft. Sie schloss die Augen und rieb sich das linke mit dem Handballen. Ein Date? Sie brauchte kein Date. Sie brauchte eine Flucht. Eine verschwitzte, stresslindernde Nacht voller Orgasmen ohne irgendwelche Fragen, bis auf die nach den Stellungen, die sie bevorzugte. One-Night-Stands waren aus vielerlei Gründen nicht gerade ihre Art, aber egal … Sie musste flachgelegt werden.
Das Kratzen von Stuhlbeinen auf poliertem Marmor sagte ihr, dass jemand einen Platz an der Theke ergattert hatte. Sie öffnete die Augen, als der Barkeeper zu dem neuen Gast eilte. Sein freundliches polynesisches Gesicht zeigte ein breites Lächeln, und er streckte die Hand zur Begrüßung aus.
Gute Manieren hinderten sie daran, sich umzudrehen, um den Neuankömmling frech zu checken, aber sie beobachtete aus den Augenwinkeln, wie er über die Theke griff, um dem Barkeeper die Hand zu schütteln. Oh … diese Hand. So verdammt maskulin. Breite Handfläche, lange Finger, ein starker Daumenballen. Sie hatte eine Schwäche für große Hände, und der Anblick dieser hier ließ ihr den Mund trocken werden. Wie würde es sich anfühlen, wenn diese Hand sich unter ihr Sommerkleid schob, ihre übereinandergeschlagenen Beine auseinanderdrückte und langsam ihre Schenkel spreizte, bis sie offen und empfänglich für seine Berührung waren? Der Stift fiel ihr mit einem kaum hörbaren Klirren aus den Fingern.
»Schön, Sie zu sehen, Mann. Noch einen Drink?«
»Klar.«
Ein einziges vollkommen harmloses Wort, aber die tiefe Stimme strich über sie hinweg wie Samt. Nerven an empfindlichen Stellen erwachten und sagten Hallo. Zum Teufel mit gutem Benehmen. Nichts, aber auch gar nichts hätte sie daran hindern können, den Kopf zu drehen, um den Auslöser des Kribbelns besser sehen zu können.
Hallo, in der Tat. Der Mann, den sie zuvor an dem Tisch entdeckt hatte, schaute sie an. Ein schneller Blick über die Schulter verriet ihr, dass das ältere Paar, mit dem er zusammen gewesen war, gegangen war. Er war jetzt allein, und er war von Nahem noch faszinierender als aus der Ferne. Sie scannte seinen Mund, denn ein geschickter Mund war genauso wichtig wie gute Hände.
Er sah mehr als geschickt aus. Breite, ausdrucksvolle Lippen zogen sich an einer Seite zu dem denkbar schwächsten Grinsen in die Höhe, das den Bartschatten auf seinem Kinn noch subtiler erscheinen ließ. Er hatte sexy Kerben in den Mundwinkeln, die aufgrund hoher Wangenknochen und eines kantigen Kinns besonders erotisch wirkten. Gerade dunkle Brauen lagen über Augen, deren Blick so klar und intensiv war wie erstklassiger Whiskey.
Die ideale Ablenkung. Dieser Mann war eine lebende, atmende Antwort auf ihre Gebete. Der Rest des Raums versank im Dunkel, während der Mann, der ein Stück weiter saß, in eine Art himmlisches Licht getaucht wurde. Die hohen Klänge eines Engelschores erklangen in ihren Ohren. Amen. Halleluja.
Um seine Augen erschienen Fältchen. Das Grinsen wurde zu einem Lächeln, bei dessen Anblick ihr ganz flau im Magen wurde. Und dann hob er die Brauen zu einer stummen, aber unmissverständlichen Einladung. Willst du?
Nick betrachtete den faszinierendsten Mund, den er seit langer Zeit gesehen hatte und der sich jetzt ebenfalls zu einem Lächeln verzog. Die Frau ein paar Hocker neben ihm richtete sich auf und strich ihr langes dunkles Haar nach hinten. Trägerloses schwarzes Sommerkleid, nackte Schultern. Zarte hohe Brüste ließen ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen in der Erwartung, eine davon an seinen Lippen zu spüren. Wenn er die Brustwarze in den Mund nahm, würde sich der schlanke Rücken der Frau durchbiegen? Und ihr fester, runder Hintern? Er konnte sich bereits vorstellen, wie er sie in den perfekten Winkel hob, um tief in sie einzudringen.
Anscheinend konnte sie es sich ebenfalls vorstellen, denn der Blick, den sie ihm zuwarf, bestand aus einem einzigen Ja. Unter dem hautengen Vorhang ihres Rocks nahm sie langsam die Beine auseinander. Er lehnte sich zurück und bereitete sich darauf vor, aufzustehen und die wenigen Schritte zu tun, die notwendig waren, um zu der langbeinigen Schönheit mit der unverhohlenen Anerkennung in ihren aquamarinfarbenen Augen zu gelangen und sich vorzustellen.
Gerade als er im Begriff war, sich zu erheben, strich sie sich mit der Hand über den Hals und … schaute weg.
War er ausgemustert? Er blieb sitzen und wartete darauf, dass sie die Verbindung erneut aufnahm, aber sie griff nach ihrem Stift und schrieb weiter auf eine Cocktailserviette. Eine Enttäuschung, die in keinem Verhältnis zu der verlorenen Chance stand, landete wie ein Stein in seinem Magen. Er wollte sie. Heute Nacht. Aus Gründen, die er nicht ausschließlich auf die Beine schieben konnte oder die Augen oder auch die Brüste.
Er kannte sie überhaupt nicht. Sie hatten kein Wort gewechselt, aber er spürte, dass sie ein fröhlicher Typ war mit Freude am Spielen. Es funkelte in ihrem Blick und dem Mund, der sich so bereitwillig zu einem Lächeln verzogen hatte. Er konnte sich leicht vorstellen, wie sie sich nackt in seinen Armen anfühlte, den Rücken an seine Brust gepresst, während sein Schwanz sich glücklich in die Spalte ihres Hinterns schmiegte und er eine Spur von Küssen an der Seite ihres Halses hinterließ. Und wie sie lachte und zappelte, um dem Kitzeln seiner Lippen zu entfliehen. Er interpretierte wahrscheinlich viel zu viel hinein, denn er war klug genug zu wissen, dass eine optisch ansprechende Ansammlung von Merkmalen nicht wirklich viel über die Persönlichkeit eines Menschen verriet, aber sie sah … nach Spaß aus. Bemerkenswert, wenn man bedachte, dass sie allein in einer Hotelbar saß. Dennoch vermittelte sie diesen Eindruck. Und dann hatte sie sich aus welchem Grund auch immer zurückgezogen. Schluss, aus, vorbei.
Ihm gefiel das Spiel, und gemessen an seinen Resultaten spielte er es gut. Er hätte schwören können, dass er ihr Interesse von der anderen Seite des Raums aus gespürt hatte. Wie ein Magnet hatte es ihn zur Theke gezogen, nachdem er seiner Tante und seinem Onkel Gute Nacht gesagt hatte, aber offensichtlich hatte er ihre Signale falsch gedeutet. Das Schicksal bescherte ihm nicht oft eine solche Enttäuschung, aber gelegentlich passierte es.
Keine große Sache. Wirklich nicht. Er hatte einen gut bezahlten Job, war gepflegt – kurz strich er sich über seine Bartstoppeln am Kinn – okay, einigermaßen gepflegt, und er lebte in einem tropischen Paradies voller Frauen in Bikinis, die sechs Tage und sieben Nächte Inselabenteuer suchten. Er hatte mehr als genug interessante Gelegenheiten, was er zu genießen wusste. Außerdem ging es heute Abend nicht um Gelegenheiten. Er war ins Resort gekommen, um mit seiner Tante und seinem Onkel etwas zu trinken, während sie auf der Insel waren, nicht um sich mit einer Urlauberin in den Laken zu wälzen … die allerdings als Unterwäschemodel durchgehen konnte, obwohl sie vielleicht nicht das Geringste unter ihrem Kleid anhatte. Er hätte es gern herausgefunden, aber die entschlossene Konzentration, mit der sie etwas auf die Serviette kritzelte, vereitelte das.
Wahrscheinlich war es das Beste so. Er hatte dank Tante Evelyn heute Abend sowieso genug von irgendwelchen Verkupplungsversuchen. Sie war höllisch versessen darauf, eine Frau zu finden, die ihn an den Haken bekam, und ihre jüngste Bemühung drehte sich darum, ein Blind Date mit der Tochter des Mannes für ihn zu arrangieren, der ihr Resort gekauft hatte. Er hatte nur deswegen zugestimmt, weil er gespürt hatte, dass sich hinter der enthusiastischen Kuppelei seiner Tante Sorge verbarg. Es war nicht notwendig, aber es gab auch keinen Grund, ihr die Bitte abzuschlagen. Also gut, er würde die Hotelerbin zum Abendessen ausführen – und zum Frühstück, was das betraf, wenn sie so gut zusammenpassten, wie sein Onkel und seine Tante zu denken schienen –, aber er würde sie definitiv nicht zu seiner Freundin machen. Er mochte seine Beziehungen kurz, einfach und dramenfrei. Die Notaufnahme bot alles an Drama, was er brauchte.
Apropos, er nahm das Handy hervor und checkte seine Nachrichten. Er hatte heute Nacht keine Bereitschaft, aber als er vorhin seinen Dienst beendet hatte, waren ein paar Patienten aufgenommen worden, und als Chefarzt der Notaufnahme im Maui Memorial wurden gewöhnlich ihm die Fragen gestellt, falls sich welche ergaben.
Während er den Posteingang durchging, kam der Barkeeper mit seinem Bier herbeigeschlendert. Er reichte ihm außerdem eine gefaltete Cocktailserviette. Nick hob das Bierglas an die Lippen und faltete die Serviette auseinander.
Verführerisch, aber es ist mehr nötig als ein freches Grinsen, um den Deal abzuschließen. Spendieren Sie mir einen Drink, dann werden wir sehen.
Sein Puls schnellte in die Höhe, und ein heißer Energieblitz pulsierte durch seinen Körper. Er schaute auf und gab dem Barkeeper ein Zeichen.
Neues Spiel, neues Glück.
Arden nahm ihren Stift von der Serviette – sie hatte sich an dem Profil des heißen Typen versucht – und tat ihr Bestes, sich cool zu geben, als sie spürte, dass der Barkeeper zurückkam. Doch als er ihr den Drink hinstellte, war es um alle Coolness geschehen.
Das lächerlich große Aquarium von einem Glas quoll über von Fruchtspießen und Schirmchen. Leuchtsticks in allen Regenbogenfarben ragten aus einem stahlblauen Daiquiri hervor. Ein gebogener roter Strohhalm vollendete diese geschmacklose Körperverletzung aus Rum, Ananas und weiß Gott was sonst noch.
Gegen ihren Willen musste sie lachen, aber es gelang ihr, ihn nicht anzusehen. Ein Mann wie er, mit diesen Händen und diesem selbstsicheren Lächeln? Er hatte es zu leicht. Sie würde nicht herumzicken, aber sie würde es genießen, ihn dazu zu zwingen, sich Mühe zu geben. Sie schloss die Lippen um den Strohhalm. Langsam, um maximale Wirkung zu erzielen, saugte sie an dem frostigen Getränk … und musste beinahe würgen. Selbst ein großzügiger Schuss Ananassaft konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Mix mindestens achtzigprozentig war. Sie schluckte und hustete.
Eine warme, feste Hand strich ihr über den Rücken und bot ihr Trost. »Ist er zu stark?«
Sie schüttelte den Kopf und schluckte noch einmal, bevor sie ihre Stimme wiederfand. »Oh-uh, ich habe um einen Drink gebeten. Das hier ist wahrlich ein Drink. Ich bin beeindruckt.« Dann sah sie ihn an. In seinen Augen lag Erheiterung.
»Es war meine Absicht, Sie zu beeindrucken.«
Sein Lächeln forderte sie dazu heraus, dazubleiben und zu sehen, welche anderen beeindruckenden Dinge er für sie in petto hatte. Regionen ihres Körpers, die sich anfühlten, als seien sie seit Monaten vom Stress gelähmt gewesen, erwachten flatternd zum Leben und riefen: Ja, Arden, du wirst diesem Mann heute Nacht erlauben, dir das Gehirn aus dem Schädel zu vögeln.
»Habe ich Sie genug beeindruckt, damit Sie mir Ihren Namen verraten?«
Ihr Name? Eine ganz normale Frage, aber wenn sie sie beantwortete, änderte das die Lage sofort, denn Arden war ein wenig zu auffällig an diesem Ort, wo die silbernen Buchstabenfolgen auf dem Rand der Cocktailservietten ihren Nachnamen ergaben – den gleichen Nachnamen, der die Wand hinter der Rezeption und die diskrete Beschilderung auf dem Gelände zierte. Und ihr gefiel die Dynamik zwischen ihnen in diesem Moment viel zu sehr, um daran etwas zu ändern. Ihr gefiel die Bewunderung, die in seinen Augen leuchtete, und die unkomplizierte Einladung, die seine Haltung ausstrahlte. Es gefiel ihr, dass die Bewunderung und die Einladung auf nichts Komplizierterem gründeten als seiner Vorliebe für Brünette oder ihrem Lächeln oder darauf, wie das Sommerkleid ihr Dekolleté aufs Beste zur Geltung brachte. Sie wusste nicht, was genau ihn zu ihr hinzog, aber sie wusste, dass eine Sache dabei nicht die geringste Rolle spielte – ihr Name. Er kannte ihn nicht, und plötzlich wollte sie, dass es so blieb. Nur für heute Nacht, warum sollte sie da nicht Jane Smith oder Mary Williams heißen?
Weil du es hasst zu lügen? Sie verabscheute es. Sie schätzte Ehrlichkeit. Aber wenn sie mit der Wahrheit herausplatzte, wäre das ein todsicherer Stimmungskiller. Hey, wenn es dir egal ist, lassen wir die Namen doch einfach beiseite. Nein, die Situation verlangte eine clevere Form der Ehrlichkeit – eine ehrliche Lüge. »Mein Name ist« – etwas Rassiges würde vielleicht helfen – »Tatjana Swetlana.«
Wieder wurden Brauen hochgezogen, aber diesmal nicht einladend. Eher wie Lügendetektoren. Trotzdem, seine Hand blieb auf ihrem Rücken, und er grinste weiterhin unbefangen. Ließ sich nicht beirren. Gott. Sie rollte die Schultern, um sich zu entspannen, und wartete ab, ob er mitspielen würde.
»Swetlana, hm?«
»Von den sibirischen Swetlanas.«
»Das erklärt Ihren starken sibirischen Akzent.«
Seine Antwort, spontan und amüsiert, sagte ihr, dass er nichts dagegen hatte zu spielen. Nicht im Mindesten. Sie hätte ihn beinahe abgeklatscht. »Da.« Und das war so ziemlich ihr ganzes Russisch. Babuschka, Tolstoi, Wodka. Vor Verlegenheit musste sie leise lachen. »Ähm … dawai?«
Er lehnte sich an die Theke. »In Ordnung, Zarin, wir spielen nach deinen Regeln. Wer bin ich, und woher komme ich?«
Sie vermisste sofort das Gefühl seiner Hand auf ihrem Rücken, aber seine Haltung lud sie ein, ihn zu inspizieren, von seinen dichten Haaren, die aussahen, als seien sie achtlos aus der Stirn gekämmt worden, bis zu den Spitzen seiner … meine Güte … er musste mindestens Schuhgröße sechsundvierzig haben.
Bedächtig verlangsamte sie ihren Blick auf der Rückreise und betrachtete lange Beine in legeren Khakis. Die Hose schmiegte sich um schlanke Hüften, verbarg aber nicht die Wölbung kräftiger Schenkel.
Und da wir gerade von kraftvollen Wölbungen sprechen. Sie nahm die beeindruckende Wölbung wahr, die zwischen seinen Lenden. Dieses winzige Flattern der Erwartung in ihrem Bauch wanderte zu Stellen südlich ihres Nabels. Sie zwang ihren Blick, sich weiterzubewegen und die sich deutlich abzeichnenden Muskeln unter seinem Hemd zu studieren. Ein muskulöser Unterarm lag angewinkelt auf dem Tresen, nahe genug, dass sie das sonnengebleichte Haar auf seiner gebräunten Haut sehen konnte.
Sie bezweifelte, dass er seine Tage hinter einem Schreibtisch verbrachte. Sie war in Gesellschaft von Chefs aufgewachsen – ihr Vater und ihr Bruder waren zwei der bemerkenswertesten –, und nichts an ihm schien ihr auf ein Angestelltendasein hinzudeuten. Er verbrachte definitiv Zeit im Freien. Sie schaute in sein Gesicht. Definitiv. Sonne und Meer hatten ihre Spuren hinterlassen, aber andererseits war dies Hawaii. Fast jeder sah hier nach einer Woche aus wie ein Mensch, der viel im Freien war. Doch diese Hände. Ihre Berührung, gepaart mit der achtlosen Frisur und dem unrasierten Kinn, ließ sie an einen Maler denken oder an einen Musiker. Sie konnte sich leicht vorstellen, wie seine Fingerspitzen präzise über die Saiten einer Gitarre tanzten oder über die Tasten eines Klaviers. Aber er wirkte ausgeglichener, schien nicht das launenhafte Temperament eines Künstlers zu besitzen. Nichts erschütterte ihn. Er stand fest mit beiden Beinen auf dem Boden und passte sein Vorgehen den Umständen an. Außerdem hatte er ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, wie sie es von ihrem Vater und ihrem Bruder kannte – Männer, die es gewohnt waren, Risiken einzugehen und Probleme zu lösen. Er hatte sich sein Selbstbewusstsein nicht auf einer Vorstandsetage verdient, sondern irgendwo anders. Na schön, sie stützte ihre Einschätzung auf fünf Minuten Gespräch, aber irgendetwas sagte ihr, dass er in einer Situation, in der wichtige Entscheidungen getroffen werden mussten, seinen Mann stehen würde. Soldat? Feuerwehrmann? Fallschirmsprunglehrer?
Sie entschied sich für das beste Szenario, das ihr auf die Schnelle einfiel. »Sie sind Astronaut. Ihr Name ist Luke Sky… ähm …« Nein. Nicht Luke Skywalker. »…rider.« Total bescheuert.
»Meine Freunde nennen mich kurz Rider?«
Glücklicherweise war er nicht bescheuert. Sondern ein guter Spieler. Gut genug für sie beide. Sie neigte den Kopf. »Natürlich. Sie leben auf der internationalen Raumstation, und das zweiundfünfzig Wochen des Jahres, aber wenn Sie frei haben, kommen Sie nach Maui, um abzurocken.«
Würde er gekränkt sein? Sie sagte ihm durch die Blume, dass er, sobald sie es miteinander getrieben hatten, im Weltraum verschwinden sollte. Ehrlichkeit war eine Tugend, aber vielleicht war das eine Spur zu ehrlich gewesen?
»Wow. Was hat mich verraten? Meine Begeisterung für himmlische Körper?«
Sie lachte schallend los, ehe sie sich den Mund zuhalten konnte. Gott, dieser Mann. So viel Spaß hatte sie seit Monaten nicht gehabt.
Sorgen, die sich noch vor Minuten so drückend angefühlt hatten, erschienen jetzt unwichtig. Druck von ihrem Vater? Weg. Stress infolge der Gier eines verrückten Exfreundes? Puff. Dieser Typ brauchte nicht zu wissen, wer sie war, und was er mit ihr vorhatte, betraf nur die nächsten Stunden. Aber oh, was für Stunden das sein würden. Ihre Familie schien ihr gerade ganz weit weg zu sein. Der Abend erstreckte sich vor ihr wie gestohlene Zeit. Absolute Freiheit. Niemand würde etwas erfahren, und sie würde niemals Rechenschaft dafür ablegen müssen.
Sie beugte sich so weit vor, dass sie den reinen Duft einfacher Männerseife inhalieren konnte, und legte die Hand auf seinen Unterarm. »Haben Sie irgendetwas Spezielles auf Ihrer To-Do-Liste, während Sie hier sind?« Zeit, das nächste Level anzusteuern. Sie ließ eine Fingerspitze an seinem Handgelenk hinabwandern. »Vielleicht eine Aktivität, derer Sie sich nicht erfreuen können, wenn Sie oben im Weltraum sind?«
Er neigte den Kopf, sodass sein Gesicht direkt über ihrem schwebte. Sie konnte jede einzelne seiner irrwitzig langen Wimpern zählen. »Wie … ein Drink mit meiner Tante und meinem Onkel?«
Der Spaßvogel. Gab er ihr eine Dosis ihrer eigenen Medizin zu schmecken? Die Dinge zu verlangsamen als Revanche für die Cocktailserviette? »Das haben Sie doch gerade hinter sich gebracht, oder?«
»Stimmt.« Er schob seine Finger zwischen ihre, als wolle er klarmachen, dass sie im selben Boot saßen. Ihr kam der Gedanke, dass die meisten Menschen, die sie kennenlernte, sich nicht so frei fühlten, sie gleich zu berühren, aber es gefiel ihr. Bei ihm. »Jetzt, da Sie es erwähnen, verspüre ich diesen überwältigenden Drang …«
»Ja.« Keine Frage. Eine Antwort. Ihre Antwort war Ja. Ein Ja zu diesen großen Händen. Den Schultern. Allem. Sie wollte keinen Gang runterschalten.
»… schwimmen zu gehen.«
»Schwimmen?« Ihr Lächeln erstarrte. »Jetzt?«
Einer seiner Mundwinkel zuckte. »Es ist mehr nötig als ein freches Grinsen, um den Deal abzuschließen.«
Scheiße. Ihre eigenen Worte als Retourkutsche. Er spielte das Spiel so gut, dass sie nicht umhinkonnte zu lachen. Also schön. Es war an ihr, sich mehr Mühe zu geben. Ihre Villa hatte einen eigenen Pool. Sie stand auf und nahm ihre Handtasche von der Rückenlehne des Hockers. »Ich kenne genau den richtigen Ort dafür.«
»Klasse.« Er stand ebenfalls auf und zog sie so eng an sich, dass sie seinen Ständer durch die Schichten ihrer Kleider spüren konnte.
Sehr lang. Sehr heiß. Seeeehr hart. Einer von ihnen stöhnte leise. Okay, sie. Das Stöhnen kam von ihr.
Von ihm kam ein Flüstern, das sie erschaudern ließ. »Und Zarin, nachdem wir geschwommen sind, würde ich es wirklich schätzen, dich so hart kommen zu lassen, dass man dich noch im Weltraum hören kann.«
Mit ihren langen Beinen machte sie große Schritte, selbst in den ultrahohen Sandaletten. Die Zarin hatte offensichtlich keinerlei Mühe, sich schnell zu bewegen. Nach einer ersten Runde von Eisbrecherorgasmen würde er sie dazu überreden, wieder die High Heels anzuziehen. Die zusätzliche Größe, die sie ihr verliehen, bot einige interessante Möglichkeiten. Wie zum Beispiel sie auf den Zehenspitzen zu lieben, während die Wand ihre Schreie dämpfte.
Im Moment hüpften diese provozierenden High Heels praktisch über den sanft beleuchteten Pfad, der zu dem Bereich führte, in dem die Einzelvillen gestanden hatten, damals, als das Resort noch Teil des Tradewinds-Unternehmens gewesen war. Er wusste nicht, welche Veränderungen St. Sebastian vorgenommen hatte, seit sie das Resort Anfang des Jahres von seiner Tante und seinem Onkel gekauft hatten, aber damals, in den Tradewinds-Tagen, waren die Villen abgeschirmte Oasen des Luxus gewesen. Wer sie mieten wollte, musste eine astronomische Summe hinblättern.
Er bezweifelte, dass in den Adern der Zarin auch nur ein Milliliter russischen Blutes floss, aber vielleicht lag er mit seinem Spitznamen gar nicht falsch. Er hob den Blick von ihren sich wiegenden Hüften und ertappte sie dabei, dass sie über die Schulter zu ihm schaute. Sie lächelte und zog ein wenig an seiner Hand.
»Hier entlang.« Der Weg gabelte sich, und sie ging nach rechts zu einer Reihe Palmen, die die große Villa umgaben. An einem Sicherheitstor blieb sie stehen und ließ ein weiteres Lächeln aufblitzen, aber es schwebte unsicher auf ihren Lippen. Als würde sie trotz ihres Flirts in der Bar und ihrer Eile hierherzukommen so etwas nicht oft tun. »Warte kurz. Ich habe eine Schlüsselkarte.« Sie stöberte in ihrer Handtasche. »Irgendwo.«
Die warme Brise wehte ihr ein paar Haarsträhnen ins Gesicht. Er strich sie zurück, während sie sich dem Tor zuwandte. So wanderten seine Fingerspitzen über ihre Wange. Die Bewegung trug ihm ein Erschauern und ein kurzes, verlegenes Lachen ein. Oder ein nervöses.
Weder das eine noch das andere gefiel ihm. Er hatte zwar nichts dagegen, ein gutes Tempo vorzulegen oder die Führung zu übernehmen. Eigentlich bevorzugte er beides, aber er war nicht jemand, der andere überfuhr. Obwohl es ihn schier umbrachte, musste er ihr unbedingt klarmachen, dass sie das Spiel ändern konnte, wann immer sie wollte. Er war ein großer Junge. Er würde keinen Wutanfall bekommen, falls seine Eier blau anliefen. Er trat hinter sie, legte ihr die Hände auf die Schultern und senkte den Mund an ihr Ohr. »Es hat keine Eile, Zarin. Wie der Zufall es will, steht ein Spaziergang im Mondlicht mit einer schönen sibirischen Prinzessin ebenfalls auf meiner To-Do-Liste.«
Sie erstarrte und holte langsam Luft. »Es mangelt offensichtlich an mondbeschienenen Pfaden dort oben in der Raumstation.«
»Mhm-hmm. Und an schönen sibirischen Prinzessinnen.«
Die Brise flirtete abermals mit ihrem Haar, und er atmete Düfte von Vanille und Kokosnuss ein. Ihm lief das Wasser im Mund zusammen. Sie bewegte sich, und ihr Hintern streifte seine Vorderseite. Kurz trübte sich seine Sicht. Die unbeabsichtigte Berührung tat so gut, dass er eine Hand auf ihre Taille legte und sie dort liegen ließ. Nicht stark genug, um sie festzuhalten, falls sie zur Seite treten wollte, aber genug, um ihr zu sagen, wo er sie wollte.
Ein langer Atemzug entwich ihr bebend, und sie entspannte sich. Er belohnte sie beide mit einem Stoß seiner Hüften und hätte fast gestöhnt, als er spürte, wie gut sein Schwanz zur Wölbung ihres Hinterns passte. Als ein Versuch, ihr Raum zu lassen, war dies total misslungen, aber er konnte sich nicht dazu überwinden zurückzuweichen. Vor allem nicht, als er die andere Hand von ihrer Schulter zu ihrem Handgelenk wandern ließ und zielsicher die Finger dort liegen ließ, wo er ihren Puls rasen fühlte.
Ohne seinen Griff zu lockern, hob sie langsam die Hand. Zwischen ihren Fingern hielt sie eine Schlüsselkarte. »Hab sie gefunden«, hauchte sie.
Er drückte zum Zeichen seiner Dankbarkeit ihre Hüfte, dann ließ er sie los. Sie zog die Karte durch das Lesegerät. Das Schloss des Tors öffnete sich mit einem Klicken. Er griff um sie herum, hielt ihr das Tor auf und ließ sie vor sich hindurchtreten.
Ein großer rechteckiger Swimmingpool schimmerte vor der luxuriösen Villa aus Glas und Holz. Beides sah fast genauso aus wie früher, als er, um seiner Tante einen Gefallen zu tun, hier einen Hausbesuch gemacht und bei Rafe St. Sebastian Grippe diagnostiziert hatte. Er hatte St. Sebastian ziemlich schnell wieder auf die Beine gebracht, obwohl dieser undankbare Patient jegliche Kooperation hatte vermissen lassen. Der Mann hatte das Resort gekauft und sich mit der Managerin verlobt – einer Frau, mit der seine Tante ihn zu verkuppeln versucht hatte –, daher fand er, dass St. Sebastian ihm zumindest ein Bad im Swimmingpool schuldig war.
An diesem Abend verwandelten Unterwasserlampen den Pool in einen klaren, makellosen Saphir, und strategisch platzierte Außenleuchten tauchten die Liegestühle aus Teakholz, die an einer Seite aufgereiht waren, in sanftes Licht. Die Polsterauflagen waren zusätzlich mit weißen Kissen versehen. Seine Gastgeberin ging zur nächstbesten Liege hinüber, legte ihre Handtasche auf den kleinen Holztisch daneben und hockte sich auf die Armlehne. Sie legte den Kopf schräg und musterte ihn.
Das Licht färbte ihr Haar mitternachtsblau. Der Wind, der vom Ozean herüberwehte, drückte ihr das Kleid an den Leib und ließ ihre Brustwarzen sehen, die sich trotzig gegen den dünnen Stoff stemmten. »Wir können mehr als nur einen Punkt deiner Wunschliste erfüllen. Mondlichtspaziergang, ein Bad und vielleicht … noch etwas anderes?«
Jetzt versuchte sie, ihn zu drängen, aber ob das von der Nervosität oder dem Verlangen herrührte – oder etwas von beidem –, ließ sich nicht mit Gewissheit sagen. Er war voller Verlangen, aber er konnte es im Zaum halten, bis er sich sicher war, dass sie genauso empfand. Ein Bad wäre ein guter Anfang. Nicht nur, weil ihm die Idee gefiel, dass sie am Ende nackt und nass war, ein Bad im Swimmingpool ermöglichte es ihr auch, sich zu verstecken, falls sie schüchtern war. Und es gab ihr die Chance, die Ware zu prüfen, denn er war nicht schüchtern, und obwohl die Wissenschaft darauf beharrte, dass Männer stärker auf visuelle Reize reagierten, reagierten seiner Erfahrung nach Frauen nicht weniger darauf. Die Reaktionen waren vielleicht weniger offensichtlich, aber er konnte sie durchaus deuten.
»Versuchst du, mir das Bad im Swimmingpool auszureden?« Er schlüpfte aus einem Schuh. »Was ist los? Gibt es in Sibirien keine Swimmingpools? Ich gewinne langsam den Eindruck, dass du wasserscheu bist.« Er schlüpfte aus seinem anderen Schuh. »Keine Sorge, bei mir bist du sicher.« Mit dieser Beteuerung knöpfte er sein Hemd auf und streifte es ab.
Oh ja, Frauen reagierten auf visuelle Reize. Sie biss sich auf die Unterlippe, und ihr Blick wanderte über seine Brust und dann seine Bauchmuskeln hinab. Als ihre Aufmerksamkeit dort anlangte, wo er die Daumen in den Hosenbund gehängt hatte, öffnete er den Knopf, zog den Reißverschluss herunter und streifte die Hose zusammen mit seiner Unterwäsche von den Beinen. Er richtete sich auf und bemerkte, dass ihre Augen wie Laserstrahlen auf das fielen, was er gern als das Beste der Waren betrachtete. Ihr offener Mund ließ darauf schließen, dass sie ihm zustimmte. Sie flüsterte etwas, das stark so klang wie: »Danke, Gott.«
In dem Wissen, dass er ihre volle Aufmerksamkeit hatte – oder dass Teile von ihm sie hatten –, beugte er sich vor und zog sein Portemonnaie aus der Gesäßtasche seiner Hose. Er richtete sich wieder auf, klappte es auseinander und zog ein entscheidendes Teil Equipment daraus hervor. Dann ging er auf sie zu.
Ihre Augen weiteten sich, und ihre Zunge huschte heraus, um ihre Lippen zu befeuchten. Erst als er direkt vor ihr stehen blieb, hob sie den Blick zu seinem Gesicht. Er warf das Kondom auf den Tisch neben ihrer Handtasche. »Etwas für später.«
Sie blinzelte ihn an. »Nur eins?«
Er kniete sich hin und strich mit den Händen an ihren Waden hinauf. »Große Worte von einer Frau, die immer noch all ihre Kleider anhat.«
»So viele sind es eigentlich gar nicht. Kleid, Slip …« Ihre Stimme verlor sich, als seine Hände ihre Knie umrundeten und an ihren Schenkeln emporwanderten, um ihr Kleid anzuheben.
»Und trotzdem trägst du beides immer noch.« Mit sanftem Druck ließ er seine Hände ruhen.
Ihre Schenkel spreizten sich ein wenig und schufen einen schattigen Tunnel, der unter dem weit hochgeschobenen schwarzen Sommerkleid verschwand. »Ich fürchte, die Landschaft hat mich abgelenkt.«
»Abgelenkt, hm? Sibirische Unterwäsche muss sehr kompliziert sein, wenn sie deine volle Konzentration erfordert.«
Ihre Lippen zuckten. »Sehr kompliziert.«
