Hot Cop - Samanthe Beck - E-Book
SONDERANGEBOT

Hot Cop E-Book

Samanthe Beck

0,0
6,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 6,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Good Cop - Bad Girl - kann diese Liebe für immer sein?

Laurie glaubt nicht an Mister Für-immer, sie glaubt an Mister Für-den-Augenblick. Doch eine Nacht mit dem sexy Sheriff Ethan Booker lässt sie ihren Grundsatz (fast) vergessen. Ethan will kein One-Night-Stand für Laurie sein, er will ihr Herz gewinnen und ein "Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende". Als ihre Bäckerei "Babycakes" einem Feuer zum Opfer fällt, nutzt er seine Chance: Er hilft Laurie, ihre Existenz zu retten, wenn sie ihm im Gegenzug sechs Dates gewährt.

"Supersüß und supersexy!" Fresh Fiction

Band 2 der Compromise-me-Reihe von Bestseller-Autorin Samanthe Beck

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 336

Veröffentlichungsjahr: 2018

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

TitelZu diesem BuchWidmungPrologKapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Kapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Kapitel 12Kapitel 13Kapitel 14Kapitel 15Kapitel 16Kapitel 17EpilogDanksagungÜber die AutorinDie Romane von Samanthe Beck bei LYX.digitalImpressum

SAMANTHE BECK

Hot Cop

Roman

Ins Deutsche übertragen von Hans Link

Zu diesem Buch

Laurie glaubt nicht an Mister Für-immer, sie glaubt an Mister Für-den-Augenblick. Doch eine Nacht mit dem sexy Sheriff Ethan Booker lässt sie ihren Grundsatz (fast) vergessen. Ethan will kein One-Night-Stand für Laurie sein, er will ihr Herz gewinnen und ein »Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage«. Als ihre Bäckerei Babycakes einem Feuer zum Opfer fällt, nutzt er seine Chance: Er hilft Laurie, ihre Existenz zu retten, wenn sie ihm im Gegenzug sechs Dates gewährt.

Für Hud. Du bist mein Babycakes!

Prolog

SILVESTER MONTENIDO, KALIFORNIEN VOR ZEHN JAHREN

»Schwing deinen sexy Hintern hier herüber. Ich habe etwas für dich.«

Die Aufforderung drang trotz des hämmernden Beats aus der nahen Strandhütte an ihr Ohr. Laurie tanzte mit zwei Männern auf einem niedrigen Teakholztisch, den sie sich aus der Cabana geschnappt hatten. Jetzt kehrte sie den beiden den Rücken zu und stellte fest, dass der süße Blonde, mit dem sie sich früher am Abend unterhalten hatte, zu ihr emporschaute. Er schwenkte eine volle Flasche Champagner.

Das Heilmittel gegen Jungfräulichkeit, hoffe ich, denn ich werde dieses Jahr nicht beenden, ohne flachgelegt worden zu sein.

Der MBA-Student von der Duke schien ein qualifizierter Kandidat für den Job zu sein. Trent? Brent? Wie auch immer. Freigiebig fließende Drinks ließen die Details verschwimmen, außerdem hatte sie heute Abend praktisch mit einer ganzen Horde Männer gesprochen. Mit Bestimmtheit wusste sie nur, dass sie einen entzückenden, südlichen Akzent hatten und dass dieser hier aussah wie eine kompakte Version des Schnuckelchens aus The Fast and the Furious.

Und er war sehr geschmeidig. Wenn er herumschlenderte, drehten sich viele nach ihm um. Er redete mit vielen Mädchen, aber wann immer Lauries Glas fast leer war, erschien er mit einer Flasche und einem betörenden Lächeln auf dem Gesicht. Sie präsentierte ihm ihre Hinteransicht, vollführte eine kleine Drehung und tanzte auf ihn zu. Der silbrige Schein des Vollmondes und die Beleuchtung des Las Ventanas Resorts über ihnen auf den Felsen spendeten genug Licht, dass sie sah, wie sein Blick auf ihren sich wiegenden Hüften ruhte.

Die Aufmerksamkeit fühlte sich ebenso gut an wie das Dröhnen der Musik. Ja, sie konnte jemandem den Kopf verdrehen, selbst auf einer Party voll reicher Ostküstenstudentinnen, in deren Familien die Mitgliedschaft in den Sportmannschaften der Elite-Unis der Ostküste vererbt wurde. Wahrgenommen zu werden war ihre Mission für den heutigen Abend, und sie hatte sich entsprechend angezogen. Chelsea, ihre beste Freundin, hatte sie beschworen, superkurze Shorts anzuziehen, strategisches Hervorblitzenlassen ihres Hinterns, ohne dass es allzu verboten aussah, inbegriffen. Das war allerdings nicht leicht nach Gott weiß wie viel Champagner. Sie streckte ihr Glas aus, um es sich wieder auffüllen zu lassen. »Danke.«

»Ist mir ein Vergnügen, Süße.« Der Typ trat näher und prostete ihr zu, während sein Blick über ihr Tanktop wanderte. Und auf ihrem Dekolleté hängen blieb.

Er war offensichtlich ein Player, was ihr wunderbar in den Kram passte, denn sie wollte spielen. Verdammt, sie war bereit zu spielen, aber trotzdem wünschte sie plötzlich, Chelsea hätte sie heute Abend begleitet. Die Vernunft ihrer besten Freundin balancierte Lauries wildere, rastlosere Natur aus. Chelsea würde nicht tatenlos zusehen, wenn sie einen großen Fehler beging. Unglücklicherweise missbilligte Chelseas Mutter unüberwachte Strandpartys von Studentencliquen, die hier Urlaub machten, und sie behielt ihr einziges Kind genau im Auge. Lauries Mutter dagegen – weniger. Denise war zu beschäftigt damit, herumzulaufen, zu trinken und zu feiern wie ein Pornostar, um auch nur einen Scheißdreck darauf zu geben, was ihre sechzehnjährige Tochter tat. Und heute Nacht plante ihre Tochter … alles zu tun.

»Kommst du von hier?«, fragte Duke.

»Irgendwie schon. Ich bin in meinem letzten Jahr an der Montenido.« Sie zeigte auf das rosafarbene Logo der Universität quer über der Vorderseite des grauen Tanktops, das dazu gedacht war, die aufsehenerregenden Kurven zur Schau zu stellen, mit der die Natur sie im vergangenen Sommer ausgestattet hatte. Praktisch über Nacht hatte sie sich von einem Mädchen in eine Frau verwandelt. Die Veränderung war so groß, dass sie sich manchmal wie eine Hochstaplerin in ihrem eigenen Körper fühlte.

Heute Abend war sie wirklich eine Hochstaplerin.

Dukes Blick wanderte zu ihrem Gesicht. Seine Brauen zogen sich ein wenig zusammen, und eine Wolke der Furcht formte sich am Horizont ihres Geistes. »Was du nicht sagst.«

Ihre Schultern sackten herunter. Verriet ihm irgendetwas an ihrem Aussehen oder ihrem Verhalten, dass sie nicht auf diese Party gehörte? Würde er sie nach Hause schicken wie eine minderjährige Lolita, bevor es Mitternacht schlug?

»Willst du meinen Studentenausweis sehen? Meine Freundin hat mein Portemonnaie, aber ich bin mir sicher, dass ich sie finden könnte …« Hitze schoss ihr in die Wangen bei dem Gedanken, er könnte ihren Bluff auffliegen lassen. Gott, sie hoffte, dass es nicht geschehen würde. Sie strich sich mit einer Hand über ihr Tanktop. Die Garderobe des heutigen Abends spielte eine Schlüsselrolle dabei, ihr zu helfen, coole, lässige einundzwanzig zu verkörpern – oder irgendein Alter, das erwachsener war als langweilige, sinnlose sechzehn. Sie hatte sich auf Chelseas Rat und ihren eigenen Instinkt verlassen. Was war, wenn sie doch mehr wie eine große, nuttige Idiotin aussah als wie eine Collegestudentin?

Duke schüttelte den Kopf. »Auf keinen Fall, Süße. Ich will nicht, dass du irgendwohin gehst.«

Ihr Puls beruhigte sich ein wenig. »Dann würde ich sagen, ich bleibe hier.«

»Wunderbar.« Sein Lächeln wurde breiter. »Also … was ist dein Hauptfach?«

Okay, ein paar Punkte für Chelsea, weil sie das Tanktop vorgeschlagen hatte. Laurie nahm einen Schluck Champagner, um ihre Erleichterung zu verbergen, und eine Welle des Triumphs erfasste sie, noch schwindelerregender als Alkohol. Sie konnte antworten, was immer ihr beliebte, konnte jede Person sein, die sie sein wollte. Die rebellische Laurie Peterson mit ihrer verkorksten Mutter und einem Hang zu Schwierigkeiten existierte hier nicht. »Ich studiere im Hauptfach Tanz.« Um ihm die Flunkerei zu verkaufen, präsentierte sie ihm ein paar ihrer besseren Pussycat-Doll-Tanzschritte.

»Verdammt, Mädchen, ich wette, du bist die Beste in deinem Kurs. Ich könnte die ganze Nacht zuschauen, wie du diesen Körper bewegst.«

Die ganze Nacht? War das eine Art Vorschlag oder … eine Einladung? Unsicherheit lastete einen Moment auf ihr, aber ein weiterer Schluck Champagner sandte schäumende Bläschen in ihr Gehirn und löschte die abtörnende Vorsicht restlos aus. »Du könntest« – sie brach ab und nippte abermals an ihrem Glas – »hier heraufkommen und mit mir tanzen.«

Er leckte sich die Lippen. »Was gibst du mir, wenn ich es tue?«

»Was willst du denn?« Sie fügte dem Ende der Frage ein träges Lächeln hinzu, und noch während ihre Hände klebrig von Schweiß wurden, betete sie, dass sie erwachsen und selbstsicher rüberkam – alles, was sie zu sein versuchte.

Er reichte die Champagnerflasche einem seiner Freunde und sprang auf den Tisch. Die beiden Männer am anderen Ende hüpften hinunter. »Wie wäre es mit einem Kuss?«

»Ein Kuss?« Ihr Herz stolperte in ihrer Brust, und ihre Aufmerksamkeit konzentrierte sich automatisch auf seinen Mund. Dessen Winkel sich nach oben zogen.

Scheiße, Laurie, hör auf, wie ein totaler Anfänger auf seine Lippen zu starren. Benimm dich, als hättest du das hier schon eine Million Mal gemacht.

Die Sache war die, sie hatte es nicht gemacht. Sie hatte einige Jungs geküsst, aber nur Highschoolschüler – niemanden, der tatsächlich wusste, was er tat. Jetzt war ihre Chance gekommen, daran etwas zu ändern, vorausgesetzt, sie vermasselte es nicht. Sie kippte den Rest ihres Drinks herunter, schmiss das Glas in den Sand und drehte sich zu Duke um. Schließlich zog sie eine Augenbraue hoch und warf ihm den frechen Blick zu, den sie für genau einen solchen Anlass eingeübt hatte. »Nur ein Kuss?«

»Fürs Erste.« Er trat näher. »Ein Kuss als Start ins neue Jahr.«

Vorfreude kribbelte unter ihrer Haut, aber keiner solch überwältigender Triebe, wie ihre älteren, erfahreneren Freundinnen sie ihr beschrieben hatten. Vielleicht weil er sie zumindest physisch nicht übermannte. Trotz ihrer nackten Füße waren sie und Duke fast gleich groß. Dann schlang er ihr den Arm um die Taille und schob die Hände in die Gesäßtaschen ihrer abgeschnittenen Jeans, und ihre Frechheit war wie weggeblasen. War sie jetzt an der Reihe? Sollte sie das Gleiche mit ihm machen?

Seine Lippen fanden die Wölbung ihres Halses, und sein Mund machte sich dort ans Werk. Okay, Zeit, irgendetwas zu tun. Nur eine verdammte Amateurin würde wie eine Statue einfach dastehen. Sie tauchte die Finger in die Gesäßtaschen seiner Shorts, aber … verflixt … sie waren zugeknöpft. Ohne innezuhalten, um nachzudenken, zog sie an den Laschen, um sie zu öffnen. Sein erschrockenes Ächzen ließ ihre Hände erstarren. Mist. Sie hatte ihm versehentlich die Unterhose hochgezogen. So viel zum Thema verdammte Amateurin.

»Entschuldige!« Sie riss die Hände zurück und ließ sie unbeholfen über seiner Taille schweben.

»Kein Grund zur Sorge, Süße.« Er zog sie enger an sich. Sein Kichern kitzelte sie am Schlüsselbein. »Ich mag Frauen, die keine Angst haben, sich zu nehmen, was sie wollen.«

Die neckenden Worte gaben ihr neues Selbstbewusstsein. Sie beschrieben genau die Person, die zu sein sie ersehnte. Nicht nur eine Frau, sondern eine furchtlose Frau. Sie wollte dieses Gefühl festhalten. Die Menge um sie herum brach in einen Countdown aus. Mit hämmerndem Herzen legte sie ihm die Hände auf die Schultern und hob ihm das Gesicht entgegen. Er fixierte sie, und sie senkte die Lider. Verführung für Anfänger. »Ich mag Männer, die das Gleiche tun«, brachte sie heraus und öffnete in stummer Einladung die Lippen.

Musik schwoll an. Menschen johlten. Korken knallten wie ein Feuerwerkfinale, und Champagner regnete in funkelnden Tröpfchen auf sie herab. Duke ließ langsam den Kopf sinken. Sie holte tief Luft und wartete mit angehaltenem Atem. Der Moment fühlte sich magisch an. Sie fühlte sich magisch. Schön. Bereit für alles. Definitiv der beste Silvestera…

»Die Party ist vorbei, Leute. Irgendjemand schaltet bitte diese Musik aus.«

Eine dröhnende Stimme durchschnitt die lärmende Feier. Eine Millisekunde später brach die Musik ab, und eine näher klingende, gleichermaßen autoritäre Stimme sagte: »Sie da.« Der Strahl einer Taschenlampe landete auf Duke. »Nehmen Sie die Hände aus ihrer Hose und kommen Sie vom Tisch herunter. Und du« – der Strahl schwang zu ihr herüber – »bleibst, wo du bist.«

Duke erstarrte. »Was zum …?«

Große Fäuste kamen aus dem Nichts und holten ihn, halb helfend, halb zerrend vom Tisch herunter, sodass sie allein dort stehen blieb, auf ihrem Podest der Scham. Sie rieb sich die Schultern, um gegen ein Frösteln anzukämpfen, und blinzelte in die Lasershow von Taschenlampenstrahlen, die kreuz und quer die Nacht durchschossen, geschwungen von einer kleinen Truppe uniformierter Beamter. Ein Stückchen entfernt stand der alte Sheriff Halloran und überwachte die Aktivitäten.

Frohes neues Jahr, du bist aufgeflogen.

»Hände weg, Arschloch«, sagte Duke und versuchte dem imposanten Mann, der immer noch seinen Arm festhielt, einen Ellbogen in die Rippen zu stoßen.

»Deputy Arschloch«, korrigierte ihn die Stimme, ohne ihn loszulassen. »Und ich will irgendeinen Ausweis sehen.«

»Oh Gott. Ist ja schon gut. Tut mir leid.« Duke wühlte mit einer Hand nach seiner Brieftasche und förderte etwas zutage, das wie ein Führerschein aussah.

»Aber im Ernst, lassen Sie mich los, Mann. Ich habe nichts getan.«

Der Deputy untersuchte im Schein der Taschenlampe den Ausweis. Er war größer als Duke – und breiter –, mit einer kühlen Selbstsicherheit, um die Laurie ihn nur beneiden konnte. »Sind Sie sich darüber im Klaren, dass Ihre Tanzpartnerin kaum alt genug ist, um Auto zu fahren?«

»Fick mich.« Dukes Kopf schwang zu ihr herum, während ihre Scham sich in Demütigung verwandelte.

Sheriff Halloran kam näher, gelassen, wenn nicht ein wenig erschöpft. »Hallo, Lauralie. Du müsstest eigentlich längst zu Hause sein, nicht wahr?«

Duke richtete seine Aufmerksamkeit auf Halloran und begann schnell zu reden. »Sie hat mir erzählt, sie ginge aufs College. Woher sollte ich wissen, dass das nicht stimmt? Ich bitte Sie, sehen Sie sie sich an! Scheiße.« Seine Stimme nahm einen verzweifelten Unterton an. »Es ist nichts passiert. Wir haben getanzt. Das ist alles.« Er wies mit dem Arm in ihre Richtung. »Sag es ihm!«

»Es war nur ein Tanz.« Sie hatte nicht vor, den Champagner zu erwähnen oder irgendetwas anderes, das Halloran oder seine Truppe veranlassen könnte, ihre Mutter anzurufen. Dann wäre sie wirklich am Arsch.

»Ich nehme nicht an, dass er dir etwas zu trinken gegeben hat?«, fragte Halloran.

»Nein.« Die Lüge kam schnell und energisch, aber ein lauter Hickser folgte, der peinlich klang. Betrunken.

Jemand seufzte.

Duke murmelte: »Ach, zum Teufel.« Dann kümmerte er sich darum, seinen eigenen Hintern zu retten. »Dies ist nicht einmal meine Party. Ich bin nur ein Gast. Mein Zimmer ist gleich dort oben.« Er deutete mit dem Kopf auf das Resort. »Ich habe weder die Cabana gemietet noch den Alkohol gestellt. Nichts davon. Wenn Sie das bei dem Resort überprüfen wollen, wird Ihnen bestätigt …«

»Ich sag Ihnen was«, unterbrach Halloran ihn. »Sie und ich machen einen Spaziergang hinauf zum Resort und erörtern die Situation. Deputy, kümmern Sie sich um Miss Peterson?«

»Kein Problem, vorausgesetzt, sie kann meinen Anweisungen besser folgen, als sie eine Sperrstunde befolgt.«

Cop-Humor. LOL.

Halloran fasste ihren Tanzpartner am Arm und lenkte ihn zu dem Pfad, der zum Resort hinaufführte. Ihr wurde schwindlig, als sie ihm nachschaute, daher senkte sie das Kinn auf die Brust und konzentrierte sich auf ihre nackten Füße. Wie peinlich für Duke, Silvester unter Bullenaufsicht durch die Lobby eines stinkvornehmen Hotels zu latschen.

Aber die Verlegenheit, in die er geraten war, war nichts im Vergleich zu der unendlichen Kränkung, die sie erlitt, wenn der Oberrechthaber-Cop sie pusten ließ. Ihr Magen krampfte sich vor Übelkeit zusammen, als sie an die Konsequenzen dachte. Minderjährige im Besitz von Alkohol. Öffentliche Trunkenheit. Sie kam nicht aus einer der reichen Familien von Montenido, die einen hochkarätigen Anwalt engagieren würden, um ihrem Teenager aus der Klemme zu helfen. Der Jugendrichter würde ein Exempel an ihr statuieren. Würde ihr definitiv den Führerschein wegnehmen. Wahrscheinlich konnte sie jede Hoffnung fahren lassen, mit einundzwanzig ihren richtigen Führerschein zu bekommen. Oh Gott …

Bloß keine Panik. Reiß dich zusammen und benimm dich, als wärest du nüchtern.

»Wo sind deine Schuhe?«

Die Frage des Deputys schnitt ihren inneren Monolog ab. Sie schaute zu schnell auf und verlor das Gleichgewicht. Die Schwerkraft warf sie auf den Hintern in den Sand, und der Aufprall entlockte ihr einen weiteren verdächtigen Schluckauf.

Ein paar schwarze Schuhe tauchten in ihrem Gesichtsfeld auf, dann hörte sie das leichte Knacken eines Kniegelenks. Er hockte sich hin, verlagerte sein Gewicht auf die Fersen und griff nach ihrem Arm. »Ist alles in Ordnung mit dir, Lauralie?«

Sie rutschte weg, was nur dazu führte, eine Menge Nido Beach in ihre Shorts zu schaufeln. »Nennen Sie mich nicht so.« Ein obszön lauter Schluckauf folgte der Erwiderung. So viel dazu, sich zusammenzureißen und nüchtern zu stellen. Sie hätte den Mund halten sollen, aber sie konnte sich nicht bezähmen. Nur ihre Mutter nannte sie Lauralie, und auch nur dann, wenn sie etwas wollte. Und im Grunde wollte Denise immer etwas, sobald sie den Mund aufmachte.

Der Strahl der Taschenlampe landete auf ihr. Sie zuckte unter dem grellen Licht zusammen. »Können Sie etwas zur Seite leuchten? Sie blenden mich.«

Er reagierte nicht sofort, sondern schaute sie nur weiter abschätzend an. Eine nicht besonders clevere Witzelei lag ihr auf der Zunge, nämlich ob das hier eine längere Belichtungszeit erfordere, aber die kesse Bemerkung blieb ihr im Halse stecken. Ein unbehagliches Gefühl beschlich sie. Er schaute an dem blonden Haar vorbei, das sie zu gefälligen Wellen geföhnt hatte, vorbei an ihrem bewusst kultivierten Make-up. Vorbei an ihrem hochgereckten Kinn und ihren vor der Brust verschränkten Armen. Er schaute sie an. Und wenn er sie weiter anschaute, würde er all das sehen, was sie in harter Arbeit vor jedermann zu verbergen suchte. Unsicherheiten. Ängste. Gerade als sie seine Aufmerksamkeit keine Sekunde länger ertragen konnte, drehte er den Strahl der Taschenlampe von ihr weg.

»Sind das deine, Lolita?«

Noch mehr Cop-Humor. Ihre rosa Uggs stand in einem kleinen Lichtkreis. »Ja.«

Er erhob sich und half ihr auf die Füße, bevor sie sich aus eigener Kraft aufrappeln konnte. Sand rieselte aus ihren Shorts heraus – sogar noch, als er sie zu ihren Schuhen hinüberführte. Auf keinen Fall konnte sie weiteren Sand da drin gebrauchen, daher beugte sie sich, statt sich hinzusetzen, vor und griff nach einem Stiefel. Schlechte Entscheidung, denn die Festlichkeiten des heutigen Abends hatten dazu geführt, dass sie alles andere als standfest war. Im nächsten Moment würde sie umkippen.

Eine starke Hand schloss sich um ihren Arm, direkt über ihrem Ellbogen, und richtete sie auf, als wöge sie rein gar nichts. »Zieh sie an. Ich halte dich fest.«

Die Hitze seiner Finger machte ihr bewusst, wie kalt ihr war. Sie war benommen und unbeholfen, und ihr war eiskalt. Während sie ihre Stiefel anzog, bewegte sie sich so schnell wie möglich, um nicht zu zittern.

»Musst du sonst noch irgendetwas einsammeln, bevor wir gehen, Lauralie?«

»Nein, und ich habe Ihnen gesagt, dass Sie mich nicht so nennen sollen.« Selbst in ihrer gegenwärtigen Verfassung zuckte sie angesichts des zickigen Tons ihrer Stimme zusammen.

»Es ist dein Name, oder?«, versetzte er scheinbar unberührt. Er hielt sie weiter aufrecht, während sie über den Strand zum Parkplatz gingen.

»Sie wissen aber eine Menge über mich. Meinen Namen. Mein Alter.«

»Halloran hat mich ins Bild gesetzt, bevor wir losgezogen sind, dich zu holen.«

»Und Sie sind?«

»Ethan Booker.«

»Ethan Booker von den Bookers aus Montenido?« Aber er brauchte ihre Vermutung nicht zu bestätigen. Jetzt, da sie einen Bezug hatte, war es nicht schwer, diesen Scheißer mit der Dienstmarke als ihren Fünftklässlerschwarm zu identifizieren: den heißen, athletischen Highschooltypen, der mit dem Surfbrett unterm Arm aus dem Wasser zu seinem Handtuch schritt, bei dem ein Pulk Mädchen wartete. Ein Goldjunge aus einer wohlhabenden, hochangesehenen Familie. Und nach den Maßstäben von Montenido bedeutete wohlhabend megareich.

»Ethan Booker vom Büro des Sheriffs von Montenido«, schoss er zurück. In seiner Antwort lag gerade genug Schärfe, um ihr zu sagen, dass sie offensichtlich einen Nerv getroffen hatte – dass es ihm vielleicht nicht gefiel, dass Geld und Privilegien das Erste waren, was die Leute mit ihm in Verbindung brachten.

Ihr Verteidigungsinstinkt bewog sie, nicht lockerzulassen, festzustellen, wie wund der Punkt war, den sie getroffen hatte. »Bitte. Ihre Familie ist stinkreich. Warum schuften Sie im Büro des Sheriffs?«

»Wie sonst würde ich minderjährige Mädchen kennenlernen, denen Hausarrest bis zu ihrem dreißigsten Lebensjahr blüht?«

Hausarrest? In was für einer Gilmore-Girls-Welt verortete er sie? Sie räusperte sich angestrengt. »Werden Sie mich v-verhaften?«

»Wir werden es heute Abend bei einer Verwarnung belassen. Führe mich nicht in Versuchung, meine Meinung zu ändern.«

Vor Erleichterung schwieg sie nur. Sie brachte nicht einmal ein Dankeschön heraus, aus Angst, dass er ein verräterisches Zittern in ihrer Stimme hörte. Er führte sie auf die Beifahrerseite des Streifenwagens, öffnete die Tür und blieb neben ihr stehen, während sie einstieg. »Sicherheitsgurt«, half er ihr auf die Sprünge, bevor er die Tür schloss. Etwas an der Art, wie er mit ihr umging, gab ihr ein Gefühl von Umsorgtsein. Kein normales Gefühl für sie und ziemlich beunruhigend. Sie setzte sich gerade hin, verschränkte die Arme vor der Brust und hüllte sich in ihren Ich-kann-auf-mich-selbst-aufpassen-Umhang.

Er setzte sich hinters Lenkrad und stellte die Innenbeleuchtung auf die hellste Stufe. Dann drehte er sich zu ihr um. »Schnall dich – Scheiße, ich bringe diesen Mistkerl um.«

Sein Blick klebte auf ihrem Hals. Sie klappte die Sonnenblende herunter, um sich im Spiegel anzusehen, und schnappte erschrocken nach Luft. Die Wellen, die sie in einem sexy Jessica-Simpson-Stil frisiert hatte – jedenfalls hatte sie das versucht –, hingen ihr wirr ums Gesicht. Lidschatten, Eyeliner und Mascara, am frühen Abend mühsam aufgetragen, umgaben ihre Augen wie schmutzige Flecken. Und die Kirsche auf dem Kuchen? Eine große rote Schwellung, die auf ihrem Hals erblühte. Ein Souvenir von Duke. Sie spürte das dumme Ding nicht einmal, aber es sah jämmerlich aus. Sie sah jämmerlich aus. Benutzt. Billig.

Die Euphorie, die sie kurz vor Mitternacht empfunden hatte, verkehrte sich nun zu Hohn. Es war nichts Magisches oder Schönes an dem Mädchen, das ihr aus dem Spiegel entgegenschaute. Es stieß ihr sauer auf, als ihr ein anderer Gedanke kam.

Sie sah genauso aus wie ihre Mutter.

Der Impuls, sich zu verstecken, trieb sie dazu, die Schultern hochzuziehen und sich zum Fenster zu drehen, aber Booker fasste sie am Kinn. »Lauralie, sieh mich an.«

Ein kalter, harter Kloß der Demütigung hatte sich in ihrer Kehle verkeilt. Ihre Brust schnürte sich zusammen. Sie hob den Blick und traf auf dunkle, besorgte Augen.

»Hat er dir wehgetan?«

Die zerlumpten Säume ihres imaginären Ich-kann-auf-mich-selbst-aufpassen-Umhangs entglitten ihren Fingern. Sie brach in Tränen aus.

Er ließ sie sofort los und rieb sich das Gesicht. »Scheiße. In Ordnung. Wir beide entspannen uns jetzt. Ich fasse dich nicht an. Niemand wird dich anfassen. Ich werde dir einfach ein paar Fragen stellen, und ich will, dass du mir ehrlich antwortest. Geht es dir so weit gut?«

So weit gut? Versuchs mit verkorkst, verlegen und zornig – größtenteils auf sich selbst. Ihr klapperten die Zähne, sie zitterte unbeherrschbar, aber so weit es ihn betraf? Im Wesentlichen ja. »E-es geht mir g-g-gut.«

»Warum weinst du dann?«

Der behutsame Ton seiner Stimme ließ sie nur umso heftiger weinen. Die Leute gingen nicht behutsam mit ihr um. Sie ging nicht einmal mit sich selbst behutsam um, und es war schwer, die Gründe auf eine Weise zu erklären, die Sinn ergab – vor allem für jemanden wie Booker, der sich niemals danach gesehnt hatte, etwas daran zu ändern, wer er war oder woher er kam. Sie zermarterte sich das Hirn auf der Suche nach einer Antwort, die nicht verrückt klang. Ein Abend wie der heutige gab einem Mädchen jede Menge Gründe zu weinen, aber sie entschied sich für eine ihrer unmittelbareren Sorgen. »Wenn Denise das mit heute Abend herausfindet, wird sie mir keinen Stubenarrest geben. Sie wird mich auf die Straße setzen. Alles, was sie will, ist ein Grund, mich hinauszuwerfen.«

»Denise Peterson ist deine Mutter?«

Offensichtlich war Denise ihr Ruf vorausgeeilt. Was für ein Schock. »Hmhm.« Ein Papiertaschentuch wäre jetzt praktisch gewesen, aber der Halsausschnitt ihres Tanktops tat es auch. Sie wischte sich die Augen ab und wand sich beim Anblick der Schweinerei, die sie auf der hellgrauen Baumwolle hinterlassen hatte. »Keine von uns ist besonders stolz auf diese Tatsache, aber ja, sie ist meine Mutter.«

»Wird sie zu Hause sein, wenn wir dort ankommen?«

»Unwahrscheinlich.« Laurie schniefte, um gegen den Rotz anzukämpfen, der sich durch ihre Nasennebenhöhlen den Weg in die Freiheit suchte, aber dann gab sie es auf und wischte sich auch die Nase ab. Warum auch nicht, zum Teufel? Inzwischen war es unwahrscheinlich, dass er sie mit Miss America verwechseln würde.

Er starrte durch die Windschutzscheibe, aber etwas in der Haltung seines Kiefers verriet ihr, dass er seine nächsten Schritte abwog. Sie hielt den Atem an, während das Schweigen sich in die Länge zog. Er hatte sie nicht auf ihre offensichtliche Lüge, dass sie keinen Alkohol getrunken hätte, angesprochen. Hatte sie nicht pusten lassen oder verhaftet, aber es war wahrscheinlich zu viel zu hoffen, dass er den ganzen Vorfall auf sich beruhen lassen würde, ohne ihre Mutter zu informieren.

»Du bist sechzehn, verdammt. Dieser Mann war fünfundzwanzig.« Frustration hallte in seiner Stimme wider. »Ist dir überhaupt bewusst, wie falsch das ist? Wenn du dich nicht bezähmen kannst, muss jemand anders es für dich tun.«

»Dieser Jemand ist nicht Denise«, flüsterte sie. »Bitte. Ich werde es nicht wieder tun. Ich verspreche es.«

Der Blick ernster Augen bohrte sich in ihre. Dann schüttelte er den Kopf und stieß einen leisen, resignierten Seufzer aus. »Lolita, dies ist deine absolut einzige Freikarte. Ich habe dir gesagt, dass wir es für heute bei einer Verwarnung belassen, also hör zu, denn jetzt kommt es. Von nun an werde ich dich beaufsichtigen. Wenn du in irgendeiner Weise, wie auch immer, die Grenze übertrittst, werde ich deinen kleinen Hintern so heftig hochgehen lassen, dass dir der Kopf schwirren wird. Verstanden?«

Als würde sie dazu Nein sagen. Er hatte sie in die Enge getrieben, und sie wussten es beide. Trotzdem löste sich etwas von dem Druck in ihrer Brust. Von Booker in die Enge getrieben zu werden, fühlte sich seltsam sicher an. Mehr wie eine Vorsichtsmaßnahme denn eine Fessel. Sie nickte.

»Gut. Wie lautet deine Adresse?«

Sie nannte sie ihm, schlang dann die Arme um den Leib, um sich zu wärmen, und saß in der Dunkelheit da, während er nach Nido Terrace fuhr – dem Schmuddelviertel von Montenido. Ein gelegentlicher Schauder ließ ihr immer noch die Zähne klappern. Nach einer Meile murmelte Ethan einen Fluch, drehte die Lüftungsgitter in ihre Richtung und stellte die Heizung höher. Davon abgesehen legten sie den Weg schweigend zurück.

Immer wieder warf sie ihm heimliche Blicke zu. Er war im selben Jahr von der Highschool abgegangen wie ihre Freundin Heidi. Er musste also einige Jahre jünger sein als der Mann vom Strand. Aber während Duke noch immer den hageren, schmalen Körperbau eines Collegejungen hatte, war Booker vollkommen erwachsen. Sie schaute verstohlen unter gesenkten Wimpern auf seinen Schoß und schluckte. Definitiv erwachsen.

Ihr Blick glitt schnell von der beeindruckenden Wölbung weg und landete auf seinem Profil, und sie betrachtete die Neigung seiner Stirn, seinen maskulinen Nasenrücken und sein kantiges Kinn. Sein Wangenknochen schuf eine sexy Parallellinie zu seinem Kiefer. Er war süßer als Duke. Nein. Falsches Wort. Süß implizierte Jungenhaftigkeit, und niemand, der Booker anschaute, sah einen Jungen. Man sah einen Mann. Ein Mädchen auf der Suche nach einem Mann, der wusste, was er tat, konnte es schlechter treffen. Erheblich schlechter.

Er musste gespürt haben, dass sie ihn anstarrte, denn er schaute in ihre Richtung. Sie wandte sich ab, erhaschte ihr Bild im Außenspiegel und begriff, dass sie an der eingerissenen Nagelhaut um ihren Daumen herumkaute – eine nervöse Angewohnheit, die sie sich von Denise abgeschaut hatte. Also zwang sie sich, damit aufzuhören, und führte ihre Hände einer besseren Verwendung zu, indem sie sich mit den Fingern die Haare zurechtwuschelte und dann die Spuren von Make-up unter ihren Augen abrieb. Diese kleinen Bemühungen halfen. Sie sah wieder mehr aus wie sie selbst. Andererseits, war das wirklich hilfreich?

Nein. Nicht, wenn es um einen Mann wie Booker geht.

Diese niederschmetternde Einsicht traf sie wie ein Schlag und hinterließ einen anhaltenden Schmerz. Was hatte sie wirklich zu bieten, abgesehen von der Fähigkeit, ein Tanktop und Shorts auszufüllen? Bookers schwer deutbare Miene gab keinen Hinweis darauf, ob er diese speziellen Talente bemerkt hatte. Sah er in ihr irgendetwas anderes als eine Unruhestifterin?

Warum kümmert dich das?

Sie hätte nicht erklären können, warum, aber es war ihr wichtig. Sie wollte, dass er sie mochte. Der Wagen rollte an den Straßenrand vor ihrem Haus. Booker schaltete den Motor und das Licht aus. »Ist es das?«

»Hm-hm.« Ihr Puls beschleunigte sich. Konnte sie ihn dazu bringen, sie zu mögen? Während sie an einer Strategie arbeitete, ging er um den Wagen herum und öffnete ihre Tür. Sie stieg aus und drehte sich zu ihm um. Mondlicht und Schatten spielten auf seinem Gesicht.

Nimm dir, was du willst, beharrte ihre innere Stimme. Arbeite mit dem, was du hast. Sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, die sie nur etwa auf die Höhe seines Kinns führte, und nahm die Schultern zurück, um ihre weibliche Vorderansicht ins Zentrum zu rücken. Dann atmete sie tief ein und hoffte, dass sein Blick vielleicht an ihr hinabwandern würde. Er tat es nicht.

»Wie kann ich mich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie heute Abend so anständig waren?«

Sie klang ein wenig zögerlich, aber das konnte man für Atemlosigkeit halten statt für Nervosität.

»Indem du dich nicht wieder in Schwierigkeiten bringst.« Keinerlei Zögern.

Sie trat einen Schritt näher, sodass ihre Brüste beinahe seinen Oberkörper berührten. »Ich meinte eine Möglichkeit, wie ich Ihnen hier und jetzt danken könnte.«

Er trat einen halben Schritt zurück, was sie nicht gerade ermutigte. Aber jetzt, da sie schon vorgeprescht war, schien es keinen anmutigen Weg zu geben, einen Rückzieher zu machen. Sie schaute zu ihm auf und fuhr sich langsam mit der Zungenspitze über die Oberlippe. »Denken Sie darüber nach.«

»Ich denke über eine Menge Dinge nach, Lolita, zum Beispiel darüber, dass ich im Gegensatz zu deinem Freund vom Strand den Unterschied zwischen einem Mädchen und einer Frau kenne. Und jetzt rein mit dir.«

Die Zurückweisung schmerzte. Sie schmerzte sehr, wenn sie von einem Mann kam, der sie wie einen streunenden Hund behandelte, aber sie schmerzte auch aus Bookers Mund. »Das ist alles? Einfach: ›Jetzt rein mit dir‹?«

Er nickte, und dann setzte er dem Ganzen die Krone auf, indem er ihr ins Kinn kniff und ihr den winzigsten Hauch eines Lächelns schenkte. »Tu uns beiden einen Gefallen und such dir erst mal jemanden in deiner eigenen Liga.«

Verlegenheit und – wenn sie ehrlich zu sich selbst war – Erleichterung durchströmten sie. Aber sie war nicht in der Stimmung, ehrlich zu sein oder sich wie ein Kind behandeln zu lassen. Sie musste sich bezähmen, um nicht mit dem Fuß aufzustampfen. »Für wie lange?«

Feste Hände schlossen sich um ihre Schultern und drehten sie um. Er versetzte ihr einen kleinen Stoß in Richtung Haus.

»Wir können in zehn Jahren noch einmal darüber sprechen.«

Kapitel 1

»Menschenskind, Booker, du schmachtest seit zehn Jahren nach dieser Frau?« In der Stimme von Bookers künftigem Schwager schwang ein ungläubiger Unterton mit, den nicht einmal der Fahrtwind in dem Jaguar Cabrio unhörbar machte.

»Ich kenne sie seit zehn Jahren«, korrigierte Booker ihn und betrachtete den Vollmond, der wie der Scheinwerfer eines Verhörprofis von der gnadenlosen Schwärze des Nachthimmels auf ihn herableuchtete. »In den ersten paar Jahren hatte es mit Schmachten nichts zu tun. Als ich ein Neuling war, war sie Montenidos Paradebeispiel für gefährdete Teenager – ein Highschoolkid mit dem Körper eines Bikinimodels, null elterlicher Aufsicht und einem ordentlich ausgeprägten rebellischen Zug. Sie hat meinen Beschützerinstinkt geweckt, weil sie jedes miese Arschloch in einem Fünfzig-Meilen-Radius angelockt hat und zu jung war, um es besser zu wissen.«

»Okay.« Aaron neigte seinen kahl geschorenen Kopf, und Mondlicht spiegelte sich auf der Reihe von Silberringen in seinem rechten Ohr. »Ich lasse mich eines Besseren belehren. Aber nach ihrem Abschluss?«

Ja, da war sein Beschützerinstinkt auf einmal heikel geworden, weil er gezwungen gewesen war, sich der unerträglichen Tatsache zu stellen, dass er nicht mehr jeden erwachsenen Mann hochnehmen konnte, der angeschnüffelt kam. Aber für ihn war sie immer noch verbotenes Terrain gewesen. »Du meinst, als sie achtzehn war und ich vierundzwanzig?«

Aaron hatte den Anstand zusammenzuzucken, denn trotz des rasierten Kopfs, des Barts, der Tätowierungen und der Neigung, wie ein Seemann zu fluchen – wenn auch wie ein britischer –, war sein moralischer Kompass unbestechlich. »Das Argument verstehe ich. Trotzdem, hast du in der ganzen Zeit nie gedacht: Verdammt, jetzt ist der richtige Zeitpunkt?«

Und ob er das hatte. Irgendwann während der letzten Handvoll Jahre war Bookers Leben zu einer Übung in Selbstbeherrschung geworden, während er beobachtet hatte, wie sie Männer kostete wie Süßigkeiten. Na schön. Sie verdiente eine Chance, ihre Neugier zu befriedigen. Das Leben hatte ihm die gleiche Möglichkeit geboten, und er hatte sie voll ausgenutzt.

Sie hatte nie ein Interesse daran gezeigt, sich einen Nachschlag zu holen, was es ihm leichter machte abzuwarten, aber das herausfordernde Flackern in ihren Augen, wann immer sie in seine Richtung schaute, sagte ihm, dass er nicht der Einzige war, der den Sog zwischen ihnen spürte. Sog hin, Sog her, er war nicht daran interessiert, nur ihr Mann für eine Nacht zu sein, daher zählte das richtige Timing.

»Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen«, murmelte er.

»Hä?« Aaron bremste an einer Kreuzung hinter einem roten Mercedes ab. »Was ist los, du Penner? Kriegst du die Kurve oder willst du dasitzen und die ganze Nacht deinen Blinker anlassen?«

Booker ignorierte die rhetorischen Fragen, die sich an den Fahrer vor ihnen richteten. Im vergangenen Jahr waren ihm die edlen Gründe ausgegangen, der Versuchung Lauralie Petersons zu widerstehen. Jetzt war er am Ende mit seinem Latein. Er konnte sich nicht einreden, dass sie immer noch spielte. Sie machte ernst – zumindest in beruflicher Hinsicht. Sie hatte die Babycakes Bakery eröffnet und investierte jedes Fitzelchen ihres Talents, ihrer Energie und ihres hart verdienten Kapitals in die Bäckerei. Da ihr Geschäft florierte, nahm er an, dass sie bereit war, ihr Privatleben mit der gleichen Zielstrebigkeit in Angriff zu nehmen.

Nun, bereit war vielleicht eine Übertreibung. Die Frau hatte einen angeborenen Stolz, der dafür sorgte, dass sie immer auf ihren eigenen zwei Füßen stehen wollte. Sie war keine Insel, wohlgemerkt. Sie hatte Freunde. Sie hatte Verwandte – von der verkorksten Variante, aber trotzdem, solche Bande existierten. Doch Gott behüte, dass sie irgendjemanden brauchte.

Sie musste diese spezielle Blockade überwinden, weil nach wie vor Verlangen zwischen ihnen knisterte. Und zwar höllisches Verlangen. Er würde sein Äußerstes geben, um jedes einzelne ihrer Bedürfnisse zu befriedigen, und seit er sich für dieses Jahr vorgenommen hatte, an dem unsichtbaren Strick zu ziehen, der sie miteinander verband, wusste er, dass diese neue Nähe ein Crashkurs in Verlangen sein würde. Für sie beide.

Es sah ganz danach aus, dass sie einen Schubs benötigte. Na schön. Er wusste, wie man schubste, und er wusste, wann es so weit war.

»Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen«, wiederholte er ein wenig lauter. Als er in der Silvesternacht vor zehn Jahren ihren minderjährigen Hintern vom Nido Beach heruntergezerrt und ihr verwegenes Angebot, ihm ihre Wertschätzung zu zeigen, abgelehnt hatte, hatte er ihr gesagt, dass sie das Thema in zehn Jahren wieder erörtern würden. Damals hatte er diese Worte gesagt, um sie zurückzuweisen und um zu betonen, wie lange sie noch brauchen würde, um erwachsen zu werden, ganz gleich, wie körperlich reif sie aussah. Aber zehn Jahre hatten sich verwandelt in … nun … zehn verdammte Jahre, und die Zeit war abgelaufen. Lief heute Nacht ab.

»Ich will nicht unbedingt dein Timing kritisieren – aber hast du nicht gerade den größten Teil des Abends damit verbracht, dir mit meiner Braut einen anzutrinken?«

Booker schaute gerade rechtzeitig hinüber, um den Blick aufzufangen, den Aaron ihm zuwarf. »Na und?«

»Nichts für ungut, Kumpel, aber du bist vielleicht nicht in der besten Verfassung, um diesen Schritt zu tun.«

»Was, du denkst, ich bin nicht ganz beieinander?«

»Ich schätze ja, und es würde dir recht geschehen. Welcher Dussel besäuft sich auch am Silvesterabend mit seiner Schwester?«

»Ich habe mich nicht besoffen. Und nur damit du es weißt, sie hat mich herausgefordert. Wenn sie nicht die Bemühungen unserer Mutter unterstützte, mich rechtzeitig zu ihrer Hochzeit mit einer verfügbaren Frau ihrer Wahl zu verbandeln, hätte ich nicht dazu Zuflucht gesucht, sie unter den Tisch zu trinken.« Als Kate die Wette ausgesprochen hatte – wenn sie die meisten Schnäpse trank, würde sie sein Date für die Hochzeit aussuchen dürfen –, hatte er bereitwillig persönlich das Siegel der Flasche aufgebrochen. Seine Schwester war berüchtigtermaßen allzu zuversichtlich, wenn es ums Wetten ging. Sechzig Kilo und eine Vorliebe für Wein sicherten ihm einen leichten Sieg, und das Einzige, woran vier Gläser Whiskey ihn heute Nacht hindern würden, war, den Platz hinter dem Lenkrad eines Autos einzunehmen. »Ich wünschte nur, meine Mutter ließe sich genauso leicht ausmanövrieren.«

»Deine Mom hat Best Life nicht zu einer Milliarden-Dollar-Marke gemacht, indem sie sich leicht ausmanövrieren ließ«, bemerkte Aaron.

»Nein, das hat sie nicht. Sie hat es geschafft, weil sie höllisch herrisch war und dachte, sie wisse, was das Beste für alle ist. Und jetzt hat sie – was ich dir und Katie zu verdanken habe, weil ihr sie mit dem Hochzeitsfieber angesteckt habt – entschieden, dass das Beste für mich ein Ausflug den Mittelgang in der Kirche hinunter wäre. Es wird höchste Zeit, dass sie eine simple Tatsache akzeptiert: Ich brauche ihre Hilfe nicht, um mein Leben zu managen.« Er verschränkte die Arme vor der Brust. »Ich habe meine eigenen Pläne.«

»Was deine sogenannten Pläne betrifft … willst du breitbeinig und mit dicken Eiern die Party stürmen, oder wollen wir etwas eine Spur Diskreteres anpeilen?«

»Du schaffst uns die Gäste vom Hals. Ich regle den Rest.« Er sah sie bereits vor sich, atemlos und bereit, während er sie gegen die nächstbeste Oberfläche presste und unterdrückte Sehnsüchte von einem halben Jahrzehnt entfesselte. Sie so gründlich vögelte, dass sie das Ereignis auf gar keinen Fall als eine schnelle, aus dem Augenblick geborene Nummer abtun konnte. Er kam zu ihr. Zu ihr, verdammt, und er hatte nicht so lange gewartet, nur um sich nach einer energiegeladenen Begegnung die Tür zeigen zu lassen.

Also ja, er würde die Chemie benutzen, um in ihrem Bett zu landen, aber ab da lag es an ihm, sie davon zu überzeugen, dass sie die Verbindung zwischen ihnen nicht einfach ausschwitzen konnten. Er musste es in ihren Dickschädel und ihr verhärtetes Herz hineinbekommen, dass er beabsichtigte, in der Nähe zu bleiben und herauszufinden, wohin das mit »ihnen« führte. Heute Abend mit dem Trumpf der Überraschung auf seiner Seite hineinzustürmen, könnte klappen. Oder es könnte voll nach hinten losgehen. So oder so, er hatte das Warten satt.

Aarons Augen weiteten sich, als er vor ihrer Wohnung an den Straßenrand fuhr. Leute spazierten über die Wiese des Vorgartens und die kleine Veranda. Musik dröhnte aus den offenen Fenstern des Erdgeschosses und überlagerte die Geräusche von Gelächter und Gesprächen. »Oh, klar. Ich werde einfach meinen Zauberstab schwingen und alle verschwinden lassen.«

»Das Delaney’s kann man von hier aus zu Fuß erreichen. Die Drinks gehen auf dich. Sprich es laut aus und tritt dann beiseite.«

»Du willst, dass ich fünfzig verdammten Personen Drinks spendiere?«

Ethan zuckte nicht mit der Wimper. »Willst du meine Schwester heiraten?«

»Ich werde bis zum Valentinstag nach dieser Melodie tanzen, Book, aber sobald sie ›Ja, ich will‹ sagt, endet der Willst-du-meine-Schwester-heiraten-Scheiß, und ich bin die längste Zeit dein Sklave gewesen.«

Booker lächelte und drückte die Tür auf. »Ich zähle sechs lange Wochen zwischen dem heutigen Tag und dem vierzehnten Februar. Geh voran, Sklave.«

Er musste eine Frau für sich fordern.

»Es hört sich so an, als hättest du die ganze Stadt in deine Wohnung gestopft.«

Laurie drückte sich das Telefon ans Ohr, um ihre Gesprächspartnerin trotz des Getöses der Party hören zu können. Sie hatte nicht die Absicht zuzulassen, dass eine kleine logistische Herausforderung wie Chelseas jüngster, beruflich bedingter Umzug nach Maui sie daran hinderte, das neue Jahr zusammen einzuläuten. »Die Party ist ein wenig größer, als ich geplant hatte.« Hinter ihr ploppte ein Korken aus einer Flasche, gefolgt von einem Brüllen der Anerkennung. »Und lauter. Aber was soll’s, es ist Silvester, und … hey …!«

Sie brach ab, als eine hilfreiche Seele ihre Champagnerflöte füllte und dabei eine großzügige Menge eiskalten Korbels über die Vorderseite ihres mit silbernen Pailletten besetzten Tops spritzte. Die weißen Seidenshorts, die hoch an ihren Oberschenkeln endeten, kriegten glücklicherweise nichts ab, denn ein einzelner Spritzer, und diese Dinger wurden durchsichtig. Ihre silbernen Riemchensandalen überlebten ebenfalls unversehrt – obwohl sich das Gleiche nicht für ihre protestierenden Ballen sagen ließ. Sobald die Party endete, hatte sie vor, die Sandalen von den Füßen zu schleudern.

Normalerweise würde sie vielleicht jemanden einladen, der ihr half, die Krämpfe aus den Füßen zu massieren. Einen strammen Kandidaten mit starken Händen, der wusste, wann er sanft und wann er fest zugreifen und wann er von einer Fußmassage zu einer Ganzkörpermassage übergehen musste, aber in letzter Zeit hatte sie dabei mehr und mehr nur einen einzigen Mann im Sinn, und der kam absolut nicht infrage. Außerdem war er nicht unter den Gästen, daher … Es klingelte an ihrer Tür, und das Läuten durchdrang das Chaos aus Musik und Gelächter.

»Scheiße.« Sie zupfte sich ihr nasses Top von den Brüsten und ging zur Tür, die bereits von einem anderen Gast geöffnet wurde.

»Alles okay?«, fragte Chelsea.

»Nichts, was ein Abstecher in die Reinigung nicht in Ordnung bringt … Scheiße.«

»Was ist jetzt schon wieder?«

Hatte sie ihn mit einem unbewachten Gedanken heraufbeschworen? Vielleicht, denn atemberaubend breite Schultern füllten ihren Türrahmen aus. »Ich glaub’s nicht. Booker steht in meiner Tür.«

»Ethan Booker? Sheriff Ethan Booker?«

»Ja und ja.« Nicht in Uniform, nein, aber er sah auch so autoritär aus und – verdammt seien ihre perversen Hormone – heiß in einem anthrazitfarbenen Pullover mit V-Ausschnitt, der seinen Schultern und seinem Oberkörper in jeder Hinsicht gerecht wurde, und dunkler Hose, die alles andere betonte. Das Verandalicht fiel auf die von der Sonne gebleichten Strähnen in seinem vollen braunen Haar und färbte sie kupfern.

»Was, meinst du, will er?«

»Keinen Schimmer.«