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Geschichten, aus dem Leben einer starken Frau, mit vielen Bildern: Siegrid, genannt 'Siggi', ein kleines Mädchen, dass von seinem Vater geschlagen wurde, entwickelt sich zu einer selbstbewussten, selbstständigen, starken Frau. Mit Männern hat sie es schwer. Obwohl sie ein paar Jahre lang eine glückliche Familie hatte, brach sie immer wieder aus und suchte das Abenteuer. Mehrmals glaubte sie, sie hätte die große Liebe gefunden, doch ihre Beziehungen hielten nie lange. Einsam war sie jedoch nie. Sie hatte viele Leidenschaften: Westernreiten, Artistik, Wildwasserrafting, Tauchen, Rallyefahren … Ihre größte Leidenschaft wurde 'Line Dance'. Diese Leidenschaft lebt sie noch heute aus, mit über 70 Jahren! Krankheiten, wie Arthrose, Schlaganfälle und Parkinson hielten sie nicht auf. Ihre Lebensphilosophie lautet: "Gute Freunde sind mehr wert als große Gefühle, die doch irgendwann vergehen, sie helfen Dir wieder aufzustehen, wenn es Dir mal schlecht geht." - Mit ihrer Mutter Lisbeth hütete sie viele Jahre lang ein Geheimnis, das sie in diesem Buch preisgibt.
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Seitenzahl: 118
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Siegrid Hoffmann
Imprint
Das Geheimnis Siegrid Hoffmann
published by epubli GmbH, Berlinwww.epubli.de Copyright: © 2015 Siegrid Hoffmann ISBN 978-3-7375-5954-6
Cover/E-Book-Konvertierung:
„Siggi“, rief Mutter, wie so oft am frühen Morgen zum wiederholten Male, „steh endlich auf, du kommst sonst wieder zu spät zur Schule!“ „Ja doch Mama, ich komme ja gleich“. Sie rief noch zweimal, bevor ich endlich aufstand.
Ich machte mir schnell mein Pausenbrot und ging los. Meine Freundin Karin, die im Nachbarhaus wohnte, war natürlich schon weg. Ich nahm wie fast immer den kürzeren Weg entlang der Bahngleise und an der gewohnten Stelle wollte ich sie überqueren. Doch da sah ich den Schienenwärter kommen der die Gleise abging. „Verdammt“, fluchte ich laut“, jetzt komme ich doch wirklich wieder zu spät“, denn es war verboten über die Gleise zu gehen.
Ich hockte hinter einem Gebüsch und wartete bis er vorbei war, sprang dann über die Hecke und rannte über die Gleise.
Ich klopfte sachte an die Klassentür. „Herein Siggi, na was für eine Ausrede hast Du denn heute?“ „Meine Mutter hat vergessen mein Pausenbrot zu machen, musste die Bemme selbst schmieren.“
Zum Glück hatten wir in der 1. Stunde Mathematik. Der Mathelehrer war auch gleichzeitig der Schuldirektor und außerdem der Sportlehrer. Da ich in beiden Fächer gut bzw. in Sport sogar sehr gut war, fiel die Schelte nicht so schlimm aus.
Sport war mein liebstes Unterrichtsfach und ich hatte ein Hobby, die Sportakrobatik. Angeschlossen bei der Betriebssportgemeinschaft Lokomotive hatten wir 2-3 Mal in der Woche Training. Sport wurde in der DDR gefördert, und man konnte sich darauf verlassen, für wichtige Veranstaltungen schulfrei zu bekommen.
Jedoch meine Russischlehrerin, die auch unsere Klassenlehrerin war, bei ihr hatte ich keine Hausaufgaben gemacht und sie wollte mir deswegen nicht frei geben. Ich ging sofort zu meinem Lieblingsschuldirektor und klagte ihm mein Leid. Natürlich bekam seine Lieblingsschülerin frei. Meine Russischlehrerin kochte vor Wut. Da gab ich mir wieder Mühe, denn sie war keine schlechte Lehrerin und ich mochte sie.
Die Veranstaltung weswegen ich frei haben musste, war eine Deutsche Meisterschaft.
Ich war 11 Jahre alt. Ein Jahr zuvor nahm mich eine Freundin mit in den Akrobatikverein, da gab es eine Vierergruppe Frauen.
Eines Tages brach sich der Obermann der Gruppe ein Bein. Sie ließen uns Kinder, einen nach dem anderen hinaufklettern. Als ich an die Reihe kam, sagte die unterste, „die schleicht wie eine Katze, die nehmen wir.“
Meine Akrobatiklaufbahn begann. Wir wurden insgesamt 6 x Deutscher Meister.
Ich hatte keine leichte Kindheit und doch war da immer die Vorfreude auf das Zusammensein mit meinen Sportfreunden. Diese Erlebnisse haben mich immer wieder mit den weniger schönen ausgesöhnt.
Mein Vater, war ein sehr strenger und oft ungerechter Mann. Später erfuhr ich den Grund, warum er zu mir so streng war.
Es war während des Krieges, meine Mutter Liesbeth und ihr Mann Otto waren ein glückliches Paar. Doch da war der Krieg und Otto musste an die Front. Einige Jahre war alles gut, doch bei einem Heimaturlaub stritten sie sich heftig, warum weiß ich nicht. Otto musste zurück zur Front. Er ließ lange Zeit nichts von sich hören.
Da tauchte in unserer Stadt ein Schauspieler auf. Er spielte am Theater und er lernte meine Mutter kennen. Sie verliebten sich ineinander.
Neun Monate später kam ich zur Welt. Doch auch er musste in den Krieg. Ich habe viele wundervolle Liebesbriefe, die er an meine Mutter geschrieben hatte, welche ich nach ihrem Tod ausgehändigt bekam.
In jedem Brief fragte er, „wie geht´s dem kleinen Erdenbürger, hast Du schon einen Namen für sie, schick mir doch bitte ein Foto von Ihr.“ In einem Brief fragte er, „wie ist das eigentlich mit dem Unterhalt, du benötigst doch sicher eine Vaterschaftserklärung?“
Irgendwann kamen jedoch keine Briefe mehr. Mutter war todunglücklich. Er war halt ein Vollblutschauspieler und wollte sich wohl nicht binden. Außerdem war meine Mutter ja verheiratet mit Otto.
Am 11.11.1944, leider nicht um 11 Uhr sondern um 14 Uhr, wurde ich geboren. „Ein Faschingskind“, sagte meine Mutter, „im Fasching gezeugt (Februar) und im Fasching geboren.“
Eines Tages stand Otto vor unserem Haus. Wir hatten ein hübsches Häuschen mit einem Vorgarten. Davor stand Mutter Liesbeth mit Klein Siggi auf dem Arm.
„Das Kann doch nicht mein Kind sein?????…“, muss er wohl gedacht haben
Der Alltag holte uns bald wieder ein. Für mich brach keine gute Zeit an. Ich bekam oft Schläge. Er ließ seine Wut an mir aus, weil seine Frau Fremdgegangen war.
Das bekam ich bis zu meinem 18. Lebensjahr zu spüren. An diesem Tag jedoch nahm ich all meinen Mut zusammen und sagte zu ihm, „solltest Du mich noch ein einziges Mal schlagen, mache ich eine Anzeige bei der Polizei.“
Von da an hatte ich Ruhe vor ihm, er schlug mich nie wieder.
Acht Jahre nach meiner Geburt kam ein Brüderchen zur Welt.
„Sein Sohn“; wenn „er“ was verbockt hatte bekam „ich“ die Prügel. Aber zum Glück hatte ich ja meinen Sport.
Wir waren fast jedes Wochenende unterwegs.
Ich hatte eine Beste Freundin, Irmi. Ich glaube, wir beide haben unserem Trainer viele graue Haare eingebracht. Er war ein guter Trainer aber wir waren inzwischen14 Jahre alt (Pubertät). Irmi gehörte auch dem Sportverein an.
Während wir auf einem Bahnsteig auf den Zug warteten, ließ die Gruppe auf Kommando alle gleichzeitig die Koffer fallen. Die Leute haben sich erschrocken und geschimpft.
Manchmal setzten Irmi und ich uns in ein anderes Abteil, getrennt von der Gruppe, weil wir allein sein wollten, ohne die wachsamen Augen unseres Trainers.
Der Zug hatte in einem Ort einen kurzen Aufenthalt, wir zwei wollten nicht im Abteil sitzen bleiben und gingen ein Stück durch den Ort. Natürlich verpassten wir den Zug. Das Dumme war, wir hatten die Koffer im Abteil gelassen und unsere Gruppe bemerkte nicht, dass wir nicht mehr im Zug waren und unsere Koffer fuhren weiter bis zur Endstation. Wir bekamen ihn später jedoch zurück.
Ihr merkt schon, der andere Teil meines jungen Lebens war sehr viel vergnüglicher.
Meine Freundin Irmi ist leider schon ziemlich früh verstorben. Sie hat die Wende nicht verkraftet. Sie verlor ihren geliebten kleinen Wäscheladen, den Sie viele Jahrelang in der DDR als Filialleiterin der HO hatte. Nach der Wende gab es keine HO (Handelsorganisation) mehr. Sie fing leider an zu trinken, wurde zur Alkoholikerin und ich lebte schon in Arnstadt und konnte ihr leider nicht helfen. Aber wer weiß, ob ich das überhaupt hätte können, denn ihr Ehemann der ein sehr liebenswürdiger Mann war und immer für sie da war, konnte es ja leider auch nicht.
Noch mal zurück zu „meinen“ weniger schönen Stunden.
Ich weiß nicht mehr genau in welchem Alter, ich glaube 8 oder 9 Jahre, musste ich oft schon den ganzen Haushalt schmeißen. Meine Mutter war sehr oft krank und lag manchmal mehrere Wochen und auch Monate im Krankenhaus. Sie hatte Nierensteine und wenn sie Koliken bekam, schrie sie vor Schmerzen so laut, dass ich es kaum ertrug. Sie tat mir so leid.
Sie war eine gute Mutter und eine sehr liebe Frau. Auch wenn sie mir, gegenüber meinem Vater nicht viel helfen konnte, denn in den ersten paar Jahren nach dem Krieg, kam es schon mal vor, dass er sie auch schlug. Später allerdings nicht mehr, denn er hat sie wohl trotz allem sehr geliebt. Sie hat viel leiden müssen und ist im Alter von 59 Jahren an Nierenversagen gestorben.
Ich musste täglich einen 4-Personenhaushalt versorgen. Kochen, das ganze Haus putzen, bei minus 20 ° C im Hof Wäsche waschen in einer Wanne auf einer Wäscherumpel, denn eine Waschmaschine gab´s noch nicht.
Das war ein hartes Leben für ein kleines Mädchen. Aber heute weiß ich, es hat mich stark gemacht.
Liesbeth und Otto
Die Kindheit war vorüber. Ich war ein bildhübsches Mädel von 18 Jahren, nach dem sich die Männer den Kopf verrenkten. Meine Mutter hatte mir das Nähen
beigebracht. Das war in der DDR sehr wichtig, denn schöne Stoffe gab es genug, nur die Bekleidungsindustrie war eine Katastrophe.
Ich kaufte mir vom ersten Gehalt eine Nähmaschine und fing an meine Garderobe selbst zu nähen. Egal ob Kleid, Rock, oder Hose, ich schaute mir im Westfernsehen die Modelle an und nähte alles nach was mir gefiel.
Die Mutter meiner Freundin Irmi war auch Schneiderin, so trugen wir beide immer die neuste Mode. Sonntagnachmittag ging`s zum Tanztee und Samstagabend zum Ball.
Ich konnte mir damals schon nicht vorstellen, mal ein Wochenende zu Hause zu bleiben um abends vor dem Fernseher zu sitzen, wie die meisten Menschen, wenn sie verheiratet sind. Und so ist es auch noch heute mit meinen 70 Jahren.
Ich trug das erste Minikleid in der Stadt und das erste Heiße Höschen. Es machte mir Spaß Leute zu schockieren. Das tue ich übrigens immer noch.
Nach einer Lehre in einer Baumwollspinnerei, die ich abbrach, weil das entschieden nichts für mich war, jobte ich in mehreren Berufen, als Näherin, Verkäuferin, Straßenbahnschaffnerin und als Kellnerin. Das letztere gefiel mir sehr gut. Es machte mir richtig Spaß. Wir waren ein tolles Kollektiv in einem sehr schönen Haus, es nannte sich „Haus des Handwerks“. Handwerker sind ein nettes Völkchen. Sie waren mir die liebsten Gäste. Ich hatte auch einen sehr sympathischen Chef, mit dem ich heute noch befreundet bin.
Vor einigen Jahren, ich lebte nicht mehr in meiner Heimatstadt, ist das Haus abgebrannt.
Ich stand davor und es kullerten die Tränen, denn die Menschen sowie das Haus waren für mich zu einem zweiten Zuhause geworden. Wenn ich an den Wochenenden in meine Heimatstadt Mühlhausen fuhr, war mein erster Weg ins Haus des Handwerks und erst danach zu den Eltern.
Haus des Handwerks vor und während des Brandes
Im Alter von 20 Jahren bekam ich eine Kur wegen meiner Schuppenflechte, die mich zeitweise ganz schön nervte. Musste oft langärmelige Sachen tragen, während andere Mädels luftige Sommerkleidchen anhatten. Das war oft kein Vergnügen. Deshalb fuhr ich im Urlaub immer ans Schwarze Meer. Sonne und das salzhaltige Meer taten der Haut gut. Danach hatte ich eine Zeitlang Ruhe.
Eine Kur die ich bekam, ging ins Erzgebirge über Weinachten/Silvester. Natürlich gab es zu Silvester eine Party. Ich trug ein raffiniertes schwarzes Kleid. Alle Blicke richteten sich auf mich als ich eintrat; meine gingen hin zur Band. Die Blicke des Schlagzeugers trafen sich mit den meinen. Da sprühten die Funken.
Wir landeten in der Nacht noch im Bett.
Dazu muss ich etwas erklären: Die Leute dachten immer ich wäre eine wilde Hummel, denn mein Outfit war meistens sehr sexy. Also erwartete mein Schlagzeuger wohl eine tolle Nacht. Er konnte ja nicht wissen, dass ich mit 20 Jahren noch immer Jungfrau war. Das hat mir auch nie jemand geglaubt.
Es gab aber noch keine Pille und ich hatte viel zu sehr Angst, dass ich zu früh schwanger werden könnte. Mit Recht übrigens, wie sich später erwies. Bisher knutschte ich nur! Nicht nur mit Männern, auch mal mit einer Freundin, mit der ich zusammen in der Lehre war. Wir haben uns vorgestellt, wie es sein mag lesbisch zu sein. Ich denke heute noch an das Gefühl, war nicht das schlechteste, aber diese Richtung war wohl nicht für mich bestimmt. Ich kann aber Verstehen, das es mit einer Frau auch sehr schön sein kann.
Jedenfalls war mein Schlagzeuger wohl etwas überrascht, eine Jungfrau vorzufinden.
Er ließ sich danach 8 Tage lang nicht blicken. Wir hatten keine Kondome verwendet und meine Angst stieg von Tag zu Tag, ich könnte Schwanger sein, was denn dann auch zutraf.
Aber, das merkte ich erst viel später.
Meine Ungeduld stieg. Was wenn ich Schwanger war und er mich nicht heiratet?
Es waren die 60er Jahre. Da kam für mich nur eine Hochzeit in Frage. Ein uneheliches Kind, nicht auszudenken!
Am 8. Tag kam mein Schorsch, nahm mich in den Arm und fragte mich, ob ich ihn heiraten will.
Mir viel eine Zentnerlast vom Herzen. Ich glaube, ich hätte ihn auch genommen, wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick gewesen wäre.
Zwei Wochen nach Silvester war Hochzeit in Oberwiesental. Der Portier raunte mir noch zu, „den Herzensbrecher wollen Sie heiraten?“ Natürlich beachtete ich diese Bemerkung überhaupt nicht.
Ich nähte die ganze Nacht hindurch an meinem Hochzeitskleid. Gerade fertig fiel das Fläschchen mit dem Nähmaschinenöl um. Ein böses Omen?
Ein Kurgast half mir den Flecken zu entfernen. Die Hochzeit feierten wir mit all den Kurgästen zusammen. Die Hochzeitsnacht danach fiel aus. Mein Angetrauter war so betrunken, das er weder das Bett noch mich fand. Das zweite schlechte Omen?
Kurz nach der Hochzeit gab es mal einen kleinen Streit. Schorsch machte eine Handbewegung, als ob er ausholen wolle, ich dachte, er würde mich ohrfeigen, wie sich jedoch herausstellte, war das ein Irrtum. Ich aber, das gebrannte Kind, deutete die Handbewegung falsch, ich hatte mir damals geschworen, dass mich in meinem ganzen Leben nie wieder ein Mann schlagen wird. Ich verachte zutiefst Männer die ihre Frauen schlagen. Das hat auch bis heute nie wieder jemand gewagt.
Jedenfalls packte ich seine Koffer und schmiss ihn raus. Er konnte jedoch das Missverständnis aus räumen und ich nahm ihn wieder auf. Da das Engagement meines Mannes noch 3 Monate dauerte, nahm ich eine Arbeit in der Küche an. Und blieb mit ihm bis zu seinem Vertragsende in Oberwiesental.
Es war ein traumhafter Winter mit viel Schnee und Sonne. Nach der Arbeit in der Küche, fuhren wir jeden Tag zusammen Ski.
