Das magische Turnier - Christine Stutz - E-Book

Das magische Turnier E-Book

Christine Stutz

5,0

Beschreibung

Elenora hat es schwer. Sie hat ihre Eltern nie kennengelernt. Sie lebt in einem Waisenhaus und die Leiterin hasst sie, weil sie anders ist. Ganz besonders. Deshalb soll sie mit erst neun Jahren, in eine Anstalt kommen. Doch Rettung erscheint. gerade noch rechtzeitig. Ein merkwürdiger, geheimnisvoller Graf und dessen Sohn Case, kommen ins Waisenhaus und adoptieren das kleine Mädchen. Elenora kann ihr Glück nicht fassen. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie eine Familie. Eine magische Zauber-Familie! Vater und Sohn nehmen Elenora mit in ihr Reich. Der Graf und sein Sohn kümmern sich aufopfernd um Elenora. Sie wächst behütet bei ihnen auf. Dann nimmt Elenora mit Case an einem magischen Turnier teil. In diesem Turnier kommt sie ihrer Vergangenheit und den Geheimnis ihrer Eltern auf die Spur und gerät in große Gefahr. Nur auf Case kann sie sich verlassen. Ihm vertraut sie.

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Das magische Turnier

TitelseiteProlog1 Kapitel2 Kapitel3 Kapitel4 Kapitel5 Kapitel6 Kapitel7 Kapitel8 Kapitel9 Kapitel10 Kapitel11 Kapitel12 KapitelEpilogImpressum

Das magische Turnier

Prolog

Prolog

„Seine königliche Hoheit, König Malcom und seine Gattin Elvira lassen hiermit verkünden, dass ihre Tochter Vanessa, unser magisches Reich für einige Zeit verlassen hat. Prinzessin Vanessa hat sich für die andere Welt entschieden und ist zur Zeit kein Mitglied der königlichen Familie mehr. Auch ist sie kein Mitglied unserer magischen Welt mehr. Niemand in unserem Reich soll in der nächsten Zeit noch ihren Namen erwähnen, oder über ihre Zugehörigkeit zum Königspaar sprechen.“ Verkündete ein Nachrichtensprecher. Graf Erwin saß gebannt vor dem Fernseher und verfolgte die Nachrichten. „Oh Vanessa. War das wirklich nötig? Musstest du dich so gegen deine Eltern versündigen? War dein Trotz so groß? Warum hast du nicht auf meinen Rat gehört.“ Sagte der Mann traurig. „Warum habe ich sie nicht vor ihren Onkel gewarnt? Richard hat das Kind verdorben!“ sagte der Graf schwer.

Seine Frau griff Graf Erwins Hand und drückte sie tröstend. „Du konntest nicht unternehmen, Schatz. Vanessas Temperament und ihre schlechten Ratgeber haben ihr das Genick gebrochen und sie in die Isolation getrieben. Sie und ihre Freunde haben es endlich übertrieben. Lass sie ein, zwei Jahre in der Menschenwelt leben. Das wird sie zur Besinnung bringen.“ Sagte die sanfte Frau liebevoll. Sie sah lächelnd zu ihrem kleinen Sohn, der ruhig auf dem Teppich vor dem Fernseher spielte. Dann schmunzelte sie etwas. „Du bist der engste Berater des Königs. Auf dich wird er hören. Spreche das Thema in einem Jahr noch einmal an. Vanessa ist das einzige Kind des Königspaars. Sie werden ihre Tochter nicht auf ewig verbannen. Außerdem würde sonst der Bruder des Königs den Thron besteigen. Das wäre schlimm“ Sagte sie weiter. Ihr kleiner Sohn warf jetzt wutentbrannt sein Spielzeugauto durch das Zimmer. „Und denke an diesen Moment, wenn unser Sohn so alt ist, wie Vanessa. Auch Casemir hat ein teuflisches Temperament.“ Sagte die Frau schwach. Graf Erwin schmunzelte trotz seiner Trauer. Seine Frau hatte, wie immer, recht. Es würde sich alles finden. Trotzdem würde er seinen Cousin Cäsar auf die Suche nach Vanessa schicken. Das dumme Mädchen brauchte dringend Hilfe. Cäsar würde sich darum kümmern. Auf ihn konnte sich Erwin verlassen.

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Zwei Jahre später

„Mit großem Bedauern geben die Majestäten, Malcom und Elvira, den Tod ihres einzigen Kindes bekannt. Prinzessin Vanessa, vor zwei Jahren verbannt, sollte in wieder in den Kreis ihrer Familie aufgenommen werden. Das hatte der König beschlossen. Doch leider wurde nur ihr Grab gefunden. Es gibt keinerlei Hinweise, was die Prinzessin in den zwei Jahren Exil gemacht oder wie sie gelebt hat. Der König erlässt hiermit ein Verbot, je wieder über seine Tochter ein Wort zu verlieren. Jegliche Gerüchte oder Mutmaßungen werden schwer geahndet.“ Sagte ein Nachrichtensprecher. Graf Erwin seufzte leise und fuhr sich schwer über die Augen. Er wusste, wie die Prinzessin gelebt und was sie gemacht hatte. Sein Cousin Cäsar hatte ihn laufend informiert. Doch jetzt war auch Cäsar tot. Gestorben, zusammen mit Vanessa. Beide hatten sich ineinander verliebt. Damals, als Cäsar sich um die Prinzessin gekümmert hatte. Beide waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Diese dämlichen Menschen und ihre fragwürdigen Fahrzeuge. Graf Erwin erhob sich und betrat das Schlafzimmer. Dort lag seine Frau schwer krank. Die Ärzte machten dem Grafen wenig Hoffnung. Sein Sohn Casemir lag neben Elvira und schlief. Das tat der kleine Junge oft, seit seine Mutter so krank war. Casemir liebte seine Mutter so sehr.

„Ich muss in den Palast und dem König mein Beileid ausrichten“ sagte Graf Erwin bedauernd. Seine geliebte Frau nickte nur schwach. „Du wusstest um Vanessas Tod. Du hättest es dem König schon früher sagen sollen. Das wäre besser gewesen. Dann hätte Vanessa hier beerdigt werden können“ sagte sie nur.

„Du hast recht, Liebes. Wie immer hast du recht. Ich werde mich beeilen“ sagte der Graf. Er küsste seine geliebte Frau kurz und strich seinem Sohn sanft über den Kopf. Dann griff er seinen Besen. Der König, sein bester Freund seit Kindertagen, brauchte ihn jetzt.

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1 Kapitel

1 Kapitel

Case flog durch den Wald.

Dämliche Schulaufgabe! Was sollte das! Er sollte für den nächsten Zauberspruch drei seltene Erdpflanzen finden! Frisch gepflückt, nicht in einem Zauberladen gekauft. Damit sie ihren Zauber auch perfekt entfalten konnten. Er hätte mit seiner Freizeit bestimmt etwas Besseres anstellen können. Nein, jetzt musste er sich hier im Wald vergnügen. Zum Glück war sein Vater verhindert. Der hatte ihn begleiten wollen. Das hätte wieder ellenlange Gespräche und Vorträge mit sich gebracht. Er hasste das. „Du bist fast sechszehn Jahre alt, Casemir! Fang an, das Leben ernst zu nehmen! Es besteht nicht nur aus Spaß und Herumalbern! Du musst anfangen, etwas für deine Zukunft zu tun!“ äffte Case seinen Vater nach. Er stoppte seinen Blitz Achthundert in der Luft und blieb über einem Wildrosenbusch stehen. Pflanze Nummer zwei. Eine noch, dann konnte er Nachhause fliegen. Er musste sich beeilen.

Im Zauber TV wurde heute die Endrunde des Zaubertuniers übertragen. Der letzten, der Entscheidungsrunde, fieberten alle Klassenkameraden entgegen. Immerhin nahm ihr Lieblingslehrer dieses Jahr daran teil. Und er hatte es bis ins Finale geschafft. Case beugte sich über seinen Besen und pflückte schnell eine der Rosen. Sie stach ihm und er fluchte leise. Angewidert zog er sich einen Stachel aus der Haut. „Mist“ fluchte er leise.

Ein leises Kichern ließ ihn aufschrecken. Case hob seinen Kopf und starrte in zwei graue Augen, die ihm interessiert zusahen. Ein kleines Mädchen, kaum acht Jahre mit fast silbernen Haaren, hatte ihn beobachtet! Aber wie war das möglich. Er hatte doch den Bannzauber angewendet, der verhinderte, dass ihm Menschen sehen konnten! Das Mädchen mit den langen Zöpfen und den großen Augen sah ihn ernst an. „Du bist lustig, Junge. Rosen stechen, dass weiß doch jeder. Wie fliegt man auf einem Besen?“ fragte sie Case dann. Case fluchte nur und erhob sich in die Luft. Das konnte doch nicht wahr sein. Wie hatte ihn das Mädchen sehen können? Das musste er herausfinden. Seine Zauber funktionierten doch immer! Plötzlich war seine Schulaufgabe vergessen. Und auch das Zaubertunier. Das hier war wesentlich interessanter. Jetzt war Cases Neugier geweckt. Vorsichtig kam er näher. „Hallo, Süße. Du kannst mich sehen?“ fragte er ungläubig. Das kleine Mädchen nickte. Dann lachte es. Case schmolz dahin. Noch nie hatte er so ein schönes Lachen gehört.

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„Hier bist du, Elly! Warum kannst du nicht bei der Gruppe bleiben! So wie alle anderen Kinder! Immer bist du es, die ich suchen muss!“ hörte Case eine harte Stimme schimpfen. Eine ältere Frau kam zur Lichtung und fasste das schmale Mädchen hart am Arm. Das Mädchen schrie auf, es musste ihr wehtun, dachte Case, dann wunderte er sich. Es begann augenblicklich zu regnen. Wo kam der Regen plötzlich her! Schien nicht eben noch die Sonne ? Das kleine Mädchen weinte nun. „Da war ein Junge, Mrs. Handricks. Er flog auf einem Besen. Einen merkwürdigen Besen mit vielen Knöpfen drauf. Er pflückte eine Wildrose. Ich habe ihn angesprochen, doch er wollte nicht bleiben“ sagte das Mädchen leicht stotternd. Anscheinend tat ihr der harte Griff der Frau weh, dachte Case wütend.

„Du machst mich verrückt, Elly! Vorgestern hast du irgendetwas von Einhörnern gesagt! Alle Kinder sind daraufhin in den Wald gelaufen! Und kamen vollkommen dreckig zurück! Ohne welche zu sehen! Heute Nacht hast mich geweckt, weil du angeblich Kobolde gesehen hast, die Pilze geerntet haben! Jetzt siehst du schon fliegende Kinder auf Besen! Es reicht!“ Schnauzte die Frau und zog das Mädchen mit sich. „Und warum regnet es eigentlich immer in deiner Gegenwart. Das ist nicht normal!“ schrie die Frau wütend. Sie zerrte das Kind weiter schimpfend hinter sich her.

Case folgte vorsichtig. Nicht, dass ihm das Mädchen wieder sah und verriet. Jetzt war er sehr neugierig geworden. „Es waren Gnome, die die Pilze geerntet haben! Kobolde machen das nicht. Die sind sich zu vornehm dafür. Die haben nur dabei gestanden und haben zugesehen. Dann haben sie den Gnomen die Pilze abgekauft!“ sagte das Mädchen jetzt ernsthaft. „Die haben sich mächtig wegen dem Preis gestritten. Fast hätten sie sich geprügelt“ setzte sie weinend hinzu. Case stockte und schluckte dann schwer. Denn alles, was das Mädchen erzählte, entsprach der Wahrheit! So waren Gnome und Kobolde. Neugierig flog er weiter über den beiden Menschen.

„Elly Miller! Es reicht! Einhörner, Kobolde, fliegende Kinder! Früher hätte man das vielleicht als kindliche Fantasie abgetan! Aber du bist jetzt fast neun Jahre alt! Du gehörst in die Klapsmühle, Fräulein! Kein Wunder, dass dich seit Jahren niemand adoptieren will. Wer will schon ein verrücktes Kind in seinem Haus haben!“ schnauzte die Frau weiter. „Ich wusste, es war ein Fehler, dich mitzunehmen. Zwanzig Waisenkinder in einem Camp! Und ausgerechnet ich bekomme die bekloppte Elly Miller in meine Gruppe!“ schimpfte die Frau weiter. Es störte sie nicht, dass das Mädchen wieder zu Weinen begann. Case fluchte als erneut feiner Sprühregen einsetzte und ihn durchnässte. Jetzt donnerte es auch noch. Ganz Klasse. Hatte nicht eben noch die Sonne gelacht? Was war hier nur los?

„Ich bin nicht verrückt!“ wehrte sich das Mädchen mutig. Case grinste leicht, trotz seiner Wut auf die harte Frau. „Du bist nicht verrückt? Und mit wem sprichst du den ganzen Tag? Jeder kann dich beobachten, wenn du mit einer unsichtbaren Person redest. Keines der anderen Kinder will noch etwas mit dir zu tun haben!“ sagte die Frau weiter. Endlich hatten sie das Lager erreicht. Jetzt verstand Case. Ein Feriencamp war im Wald errichtet worden. „Ja, weil sie es den anderen Kindern verbieten, sich mit mir zu unterhalten. Sie stacheln die anderen gegen mich auf!“ sagte das Mädchen wieder. Mut hatte sie, dachte Case grinsend.

„Ich will nur verhindern, dass sie auch durchdrehen! Vielleicht ist es ja ansteckend! Geh in dein Zelt und bleibe da. Ich will dich nicht wiedersehen! Abendbrot kannst du heute vergessen.“ sagte Frau jetzt. Sie stieß das arme Mädchen zu einem der Zelte. Wut kochte jetzt in Case. Er musste der Frau eine Lektion erteilen, dachte er. Vorsichtig sah er sich im Lager um. Die widerliche Frau stand ganz allein auf dem großen Platz. Alle anderen Bewohner waren wohl beim Essen, dachte er grinsend. Gut so.

Case lenkte seinen Besen zum Lager und machte sich sichtbar. Er blieb über der Frau stehen und tippte ihr leicht auf die Schulter. Die Frau schrie auf und sprang beiseite. Dann hob sie furchtsam ihren Kopf. Case hing über ihr von seinem Besen herunter. „Entschuldigen sie, gute Frau. Ich habe mich verflogen. Können sie mir die Richtung zum Kuppelberg zeigen? Mein Vater wartet mit dem Essen auf mich“ sagte Case freundlich. Er flog mit seinem Besen um die sprachlose Frau. Dann flog er wieder hoch. Er sah, wie die Frau wortlos, ohnmächtig, zu Boden sank. Das kleine Mädchen stand am Zelteingang und kicherte. Es hatte Case beobachtet. Plötzlich schien wieder die Sonne. Case schüttelte seinen Kopf.

Vergessen war die dritte Pflanze. Case musste unbedingt mit seinem Vater reden. Das merkwürdige Mädchen konnte magische Wesen sehen und mit ihnen sprechen. Es verstand sogar die Gnomen und Kobolde! Etwas, dass nicht jeder Zauberer konnte! Das würde ihm sein Vater nie glauben. Ein Menschkind mit magischen Fähigkeiten. Das gab es doch nicht. Unmöglich, keine Chance. Wer war das Kind. Es war ein Waisenkind. Das hatte Case begriffen. Doch auch Waisenkinder hatten einmal Eltern gehabt. Es handelte sich um ein Geheimnis. Case liebte Geheimnisse. Und sein Vater liebte sie ebenfalls. Der Mann würde Feuer und Flamme sein, wenn Case ihm von seinen Erlebnissen berichtete. Nun gut, die Geschichte, den Streich, mit der widerlichen Frau würde er verschweigen. Vater würde den Scherz nicht verstehen und ihn rügen. Es war Zauberern verboten, sich den Menschen erkennen zu geben.

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Ich sah die beiden. Den großen Mann und den schmächtigen Jungen an seiner Seite. Der Mann war merkwürdig gekleidet. So altmodisch, dachte ich. Welcher Mann trug heut zu Tage noch weite Schlaghosen, einen langen Mantel und einen Hut mit Krempe. Auch sein Bart sah ziemlich lang und streng aus, dachte ich. Der machte mir etwas Angst. Der Junge sah relativ normal aus. Ab gesehen von der Tatsache, dass er ziemlich lange Haare hatte, die er locker zu einem Zopf gebunden hatte. So was kannte ich nicht. Hier im Heim hatten alle Jungen ganz kurze Haare.

Ich schmunzelte leicht und wandte mich vom Eingang ab. Dann unterhielt ich mich weiter mit Leonora. Leonora war meine beste und einzige Freundin. Sie war immer für mich da. Tag und Nacht. Ihr konnte ich alles erzählen, sie hörte mir geduldig zu. Bei ihr stotterte ich beim Reden auch nicht. So, wie ich es tat, wenn Mrs. Handricks mich anschrie oder mich vor den anderen Kindern lächerlich machte. „Die beiden sind merkwürdig, oder Leonora? Der große Mann macht mir etwas Angst. Hast du gesehen, wie streng er schaut?“ flüsterte ich leise. Ich wollte nicht, dass mich die anderen Kinder auf dem Hof dabei hörten. Denn sie konnten Leonora nicht sehen oder hören, so wie ich es konnte. Sie würden dann nur wieder über mich lachen.

„Ist das nicht der Junge, den du neulich im Wald getroffen hast, Liebes? Der auch dem Besen geflogen ist? Er sieht genauso aus.“fragte Leonora mich jetzt neugierig. „Du meinst den Jungen auf dem Besen? Der sich an der Rose gestochen hat?“ fragte ich nach. Leonora nickte und wies jetzt auf den schmalen Jungen. Ich riskierte einen weiteren Blick und überlegte. Ähnlichkeit bestand schon, dachte ich jetzt interessiert. Doch dieser Junge trug Jeans und Jacke. Ganz normal für einen Teenager. Der Junge im Wald hatte einen langen Umhang getragen. Außerdem, was sollte ein magischer Junge in unserem Heim suchen. Jetzt verschwanden der große Mann und der Junge im Direktorat. Wollte der Mann etwa ein Kind adoptieren? Er hatte dich schon einen Sohn, dachte ich finster. Was sollte er mit noch einem Kind. Keine Ahnung, was der Mann hier wollte. Mich jedenfalls ganz bestimmt nicht. Mich wollte niemand. Für mich hatte sich bislang noch kein Mensch interessiert. Und so würde es auch bleiben. Dafür sorgte schon die Heimleiterin, Mrs. Handricks. Die Frau hasste mich, seit dem Tag, da ich in das Heim gekommen war. Das war vor drei Jahren gewesen. Seit dem Tag glich mein Leben einer Höllenfahrt.

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„Du bist dir sicher, diesmal das richtige Heim gefunden zu haben?“ fragte Graf Erwin seinen Sohn Casemir streng. „Das wäre dann das vierte Waisenhaus. Ich wusste bis Dato nicht, dass es so viele Heime gibt. Kümmern sich die Menschen nicht um ihre Kinder?“ fragte der Graf unwirsch. „Ich wusste nicht, dass es so viele Waisenkinder gibt!“ Er und sein Sohn saßen in einem tristen Flur und warteten, dass die Heimleiterin endlich Zeit für sie hatte. „Auf jeden Fall ist dies Heim das schrecklichste von allem, Sohn“ sagte der Graf und sah sich die grauen Wände und die schmutzigen Böden an. „Hier wohnt keine Liebe, und Mitleid hat wohl Urlaub“ sagte er finster. Case schmunzelte nur. So war sein Vater, dachte er amüsiert. Er wirkte streng und hart, war aber eine Seele von Mensch. Voller Mitgefühl und Toleranz. Das musste man nur erst herausfinden. „Hier sind wir richtig. Ich glaube, ich habe das Mädchen vorhin auf dem Hof gesehen, Vater. Sie stand isoliert von den anderen. Das war sie bestimmt.“ Sagte er ernst. Diese merkwürdigen, grauen Augen würde er nie vergessen. Die hatten sich in seine Seele gebrannt, dachte Case schmunzelnd.

„Sie können die Leiterin jetzt sprechen“ sagte eine junge Frau freundlich. Graf Erwin erhob sich. Fasziniert betrachtete er die junge Frau. Doch zum Antworten blieb ihm keine Zeit.

„Kommen sie rein, mein Herr“ hörte Case eine harte Frauenstimme sagen. „Oh ja! Hier sind wir richtig Vater“ flüsterte er leise. Die grobe Stimme würde er immer wiedererkennen. Frustriert folgte er seinem Vater ins Büro.

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