Verlag: underDog Verlag Kategorie: Sachliteratur, Reportagen, Biografien Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2012

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E-Book-Beschreibung Das stinknormale Leben eines Irren - Torsten Stoffer

Das stinknormale Leben eines Irren. Wie sieht das wohl aus? Achtung: Fangfrage! Outen Sie sich besser nicht als "Normalo": Sie kommen bei Torsten Stoffer nicht gut dabei weg. "Normalos" sind bei ihm Systemsklaven. Und fragen Sie sich besser nicht, welches System er meint. Nämlich unseres. Das demokratische System des EU-Schlachtschiffs Deutschland. (Am Zweiten Weihnachtsfeiertag 2011 strahlte das ZWEITE die Blockbuster-Serie Das Traumschiff aus. Da hieß das Schiff übrigens Deutschland.) Alles klar auf der Andrea Doria? Das rockte Udo Lindenberg 1974. Aber nichts war klar, das war ja klar, denn die Andrea Doria, Berlusconis präpräsidiales Traumschiff, ging am 15.7.1956 auf dem Weg nach New York, als sie mit der Stockholm, einem schwedischen Traumschiff, kollidierte, titanisch unter. Das Gleiche gilt inzwischen für Berlusconi. Verwirrend? Sorry: Der ganz normale Wahnsinn. Wenn Sie aber meinen, es ist alles in Ordnung, obwohl der Kapitän Christian Wulff seine Mannschaft angelogen hat, dann schippern Sie ruhig weiter auf dem unendlichen Meer der Connections und Vorteilsannahmen und konsumieren Sie weiter die unendlichen Angebote auf Deck. Wenn Sie sich für eine Fahrt durch ein ausgeflipptes Leben über mehrere Psychiatrie-Stationen und für einen äußerst ungewöhnlichen Passagier interessieren, der zwar noch nicht an der Endstation Sehnsucht angekommen ist, aber auf dem Weg dorthin, entlassen in die Freiheit der großen Psychiatrie, dann lesen Sie dieses Buch. So einem wie Torsten Stoffer können Sie nichts vormachen. Doch, so erstaunlich Sie das jetzt ankommen mag, so einer wie er kann Ihnen ganz genau sagen, wo es lang geht, wenn Sie ankommen wollen. In der inneren Freiheit.

Meinungen über das E-Book Das stinknormale Leben eines Irren - Torsten Stoffer

E-Book-Leseprobe Das stinknormale Leben eines Irren - Torsten Stoffer

Torsten Stoffer

Das stinknormale Leben eines Irren

Das Schicksal von Torsten Stoffer underDog

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil– oder strafrechtlich verfolgt werden.

underDogVerlag ist ein Imprint von EgoBook

www.egobook.de

ISBN 978-3-943606-14-0

© EgoBook, Graben. 2012

Lektorat: Klaus Middendorf

Vorwort

Dieses Buch richtet sich an alle Wahrheits– und Glückssucher und diejenigen, die es nach Zufriedenheit dürstet.

Sicherlich werden Sie sich fragen, weshalb die Suche nach diesen Dingen sich oft so rätselhaft gestaltet. Oftmals werden einem die Dinge erst klar und begreifbar, wenn sie sich in einem Kontext darstellen, der Sie Parallelen finden lässt, von denen Sie schon immer (zumindest intuitiv) wussten, dass es sie gab.

Nach über drei, meist in geschlossener Psychiatrie verbrachten Jahren, kann ich angesichts dessen, was ich als das stinknormale Leben empfinde, Ihnen voller Stolz sagen:

„Ich bin verrückt.“

Ich bin der Norm im wahrsten Sinne entrückt, und das erfüllt mich voller Freude und Stolz.

Die Tatsache, dass es in den Psychiatrien unseres Landes mehr Opfer der Gesellschaft als Täter an ihr gibt, ist meiner Erfahrung nach unbestritten. Sie alle sind der eigenen Würde beraubt, entmündigt und dem Handeln der Mediziner unterworfen. Jedes der sieben Milliarden Leben rast auf alle anderen Universen zu, so, wie es die Planeten und Sterne auch tun: Vorherbestimmung, Zufall, selbst erfüllende Prophezeiung, Schicksal? Oder steht unser Leben schon längst im Buch der Bücher, geschrieben?

Ich habe einige meiner Erfahrungen und Erlebnisse in diesem Buch aufgenommen, da sie meine Ansichten und Theorien untermauern, wobei mir natürlich bewusst ist, dass jeder Mensch ganz eigene Erfahrungen macht, die zu ganz anderen Auffassungen führen können.

Die meisten Menschen wissen eigentlich, dass es etwas Mächtigeres gibt als den Menschen und wir alle den Naturgesetzen unterworfen sind, was jedenfalls von großem Vorteil ist, wenn man ein Leben in Frieden und wahrem Wohlstand führen will.

Mit meinem Buch will ich, gestützt auf meine Erfahrungen, das Leben ungeschminkt schildern, ohne mich hinter einer religiösen oder ideologischen Maske zu verstecken und schwachsinnige Parolen zu verbreiten. Nein, das Leben ist so bunt und unvorhersehbar, dass ich es nur als irre bezeichnen kann.

Wenn Sie Angst davor haben, anders zu sein, dann kann ich Ihnen Ihre Angst sofort nehmen, indem ich Ihnen versichere, dass sieben Milliarden Menschen genauso denken, nämlich, anders zu sein. Schließlich wäre es auch schlimm, wenn es nicht so wäre, denn letzten Endes sind wir alle Individuen und unterscheiden uns. Das Problem ist nur, dass der eine Mensch anpassungsfähiger ist als der andere. Darüber hinaus gibt es ebenso keine dummen Menschen, jeder Mensch denkt nur anders.

Die Facetten des menschlichen Seins sind so vielseitig wie die Gedanken der Menschen, wobei jeder einzelne Gedanke zum Webmuster der Evolution beiträgt. Nichts auf dieser Welt passiert zufällig, auch wenn uns unser Gehirn genau das vorgaukeln will. Wir mögen zwar alle intellektuell, emotional und körperlich anders sein, dennoch unterliegen wir alle den Gesetzen der Natur.

Die große Frage im Leben lautet also:

Was ist das Leben überhaupt, und welchen Sinn hat es?

Wir sind das Universum, welches sich seiner selbst bewusst ist.

Wenn ein Mensch stirbt, dann stirbt auch ein Universum.

Das Universum kann ohne uns nicht existieren, und wir wiederum sind abhängig vom Universum, was uns zu Verbündeten macht. Also muss es doch von Vorteil sein, wenn wir letztendlich eins sind.

Ja, es gibt tatsächlich diesen Vorteil, als ausgleichende Gerechtigkeit sozusagen. Dieser Vorteil hat schon viel bewirkt auf dieser Erde, doch leider verraten ihn die meisten Menschen nicht, weil sie bedauerlicherweise neidisch und egoistisch sind und niemandem einen Vorteil gönnen.

Doch was wollen wir eigentlich letzten Endes in unserem Leben erreichen?

Glück und Zufriedenheit!, wird man uns vermutlich antworten. Eine typische Standardantwort. Aber was verschafft mir wahren Wohlstand, was füllt mich tatsächlich aus?

Wenn Sie jetzt an Geld und den Partner Ihrer Träume denken, an ein großes schönes Haus, einen tollen Wagen und Urlaub in der Karibik – wenn Sie denken, das alles würde Sie sofort zufriedenstellen, dann sage ich Ihnen, dass alles, was Sie von den materiellen Dingen erwarten, sie in der Tat höchstwahrscheinlich glücklich machen würde, doch dass das Glück trotzdem vergänglich ist. Was machen Sie also, wenn das Glück nachlässt?

Das Geheimnis des Erfolgs liegt nicht in der Sache an sich, sondern im gedanklichen Ursprung. Niemand anders als wir selbst bestimmen, was mit uns passiert. Dabei sind unsere Gedanken wichtige Koordinaten für unsere Gefühle, die selbst so etwas wie Katalysatoren für unser Leben darstellen.

Indem wir die Geschichte unserer Existenz schreiben, treiben wir die Evolution unter der Zeitblase des Bewusstseins voran. Alles, was wir erleben, erschaffen wir uns selbst, mal mehr oder weniger bewusst. Das hat weder mit Zauberei noch Geschwätz zu tun, sondern mit dem Gesetz der Anziehung.

Ob Sie es annehmen oder abstreiten: Fakt ist, dass alles, was Sie erleben, von Ihrem Gehirn erdacht ist.

Alles im Universum ist Energie. Wir alle sind aus der Urkraft entstanden und sind spirituelle Wesen in einer spirituellen Welt. Alles im Universum steht miteinander in Verbindung, auch wenn wir das nicht immer spüren und sehen können. (Können Sie sich vielleicht noch daran erinnern, dass Sie als Kind Blicke spüren konnten?)

Wir alle stehen mit allem in Verbindung, und dabei gilt, dass Positives Positives und Negatives Negatives anzieht.

Unsere Gedanken und Gefühle haben bestimmte Frequenzen, die wie ein Magnet funktionieren.

Strahlen Sie Negatives aus, so werden Sie auch Negatives empfangen. Mit den positiven Dingen verhält es sich genauso, bis auf den Unterschied, dass ein positiver Gedanke bis zu einhundert Mal stärker ist als ein negativer.

Ich widme dieses Buch nicht nur denen, die ihren Glauben verloren haben, sondern ebenso denen, die festen Glaubens sind.

Dieses Buch will vor dem Hintergrund meiner Biografie mithelfen, den erlernten Mustern zu entfliehen und sich aus den sozialen Mustern und Fesseln zu befreien, um Ihnen zu helfen, wie Sie emotional immer wieder aufstehen können, wenn Sie es nur wollen.

Ich stelle in diesem Buch Theorien an, die genügend Spielraum für Diskussionen lassen. Einige davon mögen wahr oder falsch sein. Für mich sind sie im positiven Sinne lebensverändernd. Einige Gedanken sind nur sehr wenigen Menschen bekannt und wurden seit zwei Jahrtausenden von den Großen und Mächtigen vor den Menschen so geheim wie möglich gehalten, um ihr Machtgefüge weiter aufrechtzuerhalten.

Mein Buch nimmt Sie mit auf eine irre Reise quer durch mein verrücktes Leben und zeigt Ihnen Möglichkeiten, die Dinge jenseits überholter Anschauungen in einem anderen Licht zu sehen. Mein Buch will Sie mit Liebe am Leben nähren und Sie die Welt verstehen lassen, wie sie ist, ohne Ihre ganz individuelle Welt einzuschränken. Mein Buch soll Ihnen helfen, der Mensch sein zu können, der Sie sein wollen, und das zu erreichen oder zu besitzen, was Sie wirklich anstreben.

Alle Religionen zeigen uns, dass es noch etwas Größeres gibt als unsere Existenz und wir als Ebenbild dieses Höheren geschaffen worden sind, dabei werden wir in der Bibel mit Gottes Ebenbild verglichen, das heißt, dass wir Gottes Potenzial in uns tragen und das, was wir im Gebet erbitten, uns selber erschaffen können.

Selbst wenn es noch andere an Götter glaubende Bewohner in diesem Universum gäbe, ihr und ihrer Götter Ort, wäre stets dort, wo auch wir unsere(n) Gott(heiten) vermuten: in uns selbst und in unserem Kosmos.

Mein ganzes Leben war ich auf der Suche nach der Wahrheit und dem Sinn des Lebens. Zwar glaubte ich, dass die Antwort einigen Menschen bekannt war, doch ich vermutete, dass sie „verschlüsselt“ und nur bestimmten Kreisen vorbehalten war (was ja im Grunde auch den Tatsachen entspricht).

Schule, Lehre, Arbeit, Rente und dann Sterben konnte für mich jedenfalls nicht der wirkliche Sinn des Daseins sein, auch wenn es für die Mehrheit Sinn zu machen schien, sich in einem System zu bewegen.

Da ich aber dem System Gott sei Dank entrückt, also verrückt und irre bin, habe ich eine andere Sichtweise auf das Leben und die Achtung vor ihm. Vieles bewerte ich im vornherein schon gar nicht, weil es auf Vorurteilen beruht. Jedenfalls habe ich erkannt, dass alles im Leben einen Ursprung hat, der in uns selber liegt.

Im Laufe meiner wenigen Lebensjahre habe ich schon relativ viele extreme Erfahrungen gemacht, erst im Nachhinein sind mir die Schlüsselmomente bewusst geworden, an denen mir die auf uns wirkenden Naturgesetze deutlich wurden.

Lassen Sie mich Ihnen von einigen Schlüsselmomenten meines stinknormalen Lebens berichten.

Meine Erinnerungspuzzles sind wie Videoclips mit unterschiedlichen Wiedergabegeschwindigkeiten, ohne dass ich freilich weiß, auf welchen Schluss der komplette Film hinausläuft.

Durch unendliches Grübeln, beständige Beobachtungen und Gespräche (am liebsten waren mir die mit meinen Mitpatienten, Ärzten und all jenen, die wussten, dass wir alle nicht richtig ticken) gelang es mir zeitweise schließlich, durch Dokumentationen und Lektüre unterstützt einige Kindheitserinnerungen im Projektionsraum meines Gedächtnisses abzuspielen.

Deutschland, so sagt man, sei das Land der Dichter und Denker, doch bis heute bin ich mir nicht sicher, ob damit im übertragenen Sinn die depressiven Grübler und Märchenerzähler gemeint sind, oder ob ich diesen Satz wortwörtlich nehmen darf.

Aus unseren Reihen kommen bekanntlich viele große Erfinder, Künstler und Wissenschaftler.

Ich bin mir sicher, dass Ihnen Ihr Leben genau die passenden Antworten liefert, wenn Sie nur die richtigen Fragen stellen. Ebenso sicher bin ich mir, dass es in Ihrem Leben Lücken gibt, die sich unangenehm anfühlen, weil sie eine Leere hinterlassen, auch wenn man spürt, dass hinter der Leere das Leben pulsiert.

So verhielt es sich auch eine ganze Zeit mit meinem christlichen Glauben. Mal glaubte ich aus Überzeugung an Gott, und andere Male war ich ein überzeugter Heide. Als ich schlussendlich meinen Glauben tief in mir fand, hatte ich das Gefühl, von Gott berufen zu sein, wohl wissend, im Versagensfall in Ungnade zu fallen.

Doch je mehr ich mich in die Bibel vertiefte, um auf meine einzigartige Berufung zu stoßen, desto mehr wurde mir klar, dass Gott niemandem eine Berufung mit auf den Lebensweg gegeben hat. Die einzige Bestimmung, die ich erkannte, lautete:

Mache, was du willst, solange du deinen inneren Frieden findest.

Mache das, was dir Freude bringt und woran du wächst.

Zum Glück gab uns der liebe Gott nicht nur den freien Willen, sondern auch die Zehn Gebote mit auf den Weg. Es steht jedem Menschen frei, sie anzuerkennen und so gut es geht sich nach ihnen zu richten, doch ich denke, dass die Zehn Gebote uns vor allem dazu dienen, unseren inneren Frieden zu finden und sich ohne künstlich erzeugte Widerstände frei zu entfalten. Dafür sollten wir dankbar sein.

Die Zehn Gebote sind eine hervorragende Methode, um sich seelisch zu entlasten oder, wie manche sagen würden, das Karma rein zu halten.

Es kommt also darauf an, wer welche Last tragen kann. Leider gab und gibt es immer noch Suizidanten, denen die Last über war.

Wenn man belastendes Fehlverhalten von sich fernhält, dann hat die positive Energie sozusagen freie Fahrt. Eines der Naturgesetze auf der Gedankenebene besagt, dass positive Gedanken (und im Besonderen Gefühle) positive Umstände anziehen und eine magnetische Ausstrahlung auf fremde Menschen haben. Umgekehrt verhält es sich genauso.

Wahrscheinlich ist es für Sie irritierend, dass ich mich trotz aller Vorurteile als verrückt und anormal zu erkennen gegeben habe. Doch ich kann Sie beruhigen: Ich bin gern verrückt und anormal! Und im Übrigen: was ist schon normal? Richtet sich dieser Begriff nicht nach der jeweiligen momentanen Situation? Und gibt es nicht auch noch die ungeschriebenen Gesetze, die wir „normalerweise“ befolgen, weil sie uns Zufriedenheit garantieren und so etwas wie einen Ehrenkodex darstellen?

Dass ich von mir behaupte, nicht normal zu sein, hat sicher mit meiner überwiegend chaotischen Vergangenheit zu tun, also mit meinem chaotischen Bewusstseinsinhalt, zu dem ich auch die Informationen der Massenmedien rechne, die mich fest in meinem Glauben bestätigen, dass es unabdingbar ist, einen anderen Blick auf die Dinge zu richten, als sich ihnen und dem propagandistischen Schulwissen widerstandslos hinzugeben und sich vorgeblich normal zu verhalten.

Aufgrund übelster Panik– und Angstattacken sowie zahlreicher Psychosen und Depressionen und Entgiftungen wegen übermäßigen Alkohol– und Drogenmissbrauchs, aber zum Teil auch auf gerichtliche Beschlüsse hin, war ich schon häufiger Gast in der Psychiatrie. Im Laufe all der Jahre unter Gleichgesinnten habe ich gelernt, dass das Verrücktsein zwar von der Gesellschaft verteufelt wird, doch wenn ich die Nachrichten ansehe mit ihren täglichen massiven Menschenrechtsverletzungen in Form von Kriegen, Folterungen und schwerem Missbrauch und mir das permanente weiße Rauschen der mit Unwissenheit geschwängerten Vorurteilsprotagonisten der Talkshows anhöre, stellt sich bei mir doch insgeheim ein Glücksgefühl ein, denn da all diese schrecklichen und unglaublichen Geschehnisse offenbar normal sind, bin ich stolz, verrückt, wild und irre zu sein. Einzig auf die fast zwanzig Jahre Drogen– und Alkoholrausch bin ich nicht stolz, wobei ich ohne fremde Hilfe wohl auf der Strecke geblieben wäre.

Jeder erfahrene Mensch, der mit offenen Augen durchs Leben geht, weiß, wie schwer es ist, sich in dieser abgedrehten und bunten Welt zu orientieren. Real betrachtet scheint es tatsächlich keinen perfekten Königsweg zu geben. Lebt man zielstrebig nach Recht und Ordnung, lebt es sich vielleicht mehr oder minder widerstandslos, unbeschwert dafür aber trotzdem nicht. Gerade für junge heranwachsende Menschen ist diese Welt mit einfachen Worten nicht mehr zu erklären. Wie will man auch erklären, dass es ganz normal ist, dass sich fanatische Menschen für einen Heiligen Krieg in die Luft sprengen und damit viele Unbeteiligte in einen grausamen Tod ziehen?

Wie will man einem friedlichen Menschen bewusst machen, dass Kriege seit ewigen Zeiten Abermillionen Opfer fordern und dies so normal sei wie das Frühstück?

Wie ist es möglich, dass zulasten immenser Staatsschulden Spaceshuttles und Satelliten in den Kosmos geschossen werden und zum Beispiel seit Mitte 2011 in Südsomalia mehr als drei Millionen Menschen (ein Drittel der Bevölkerung Somalias) auf humanitäre Hilfe angewiesen sind und Hunderttausende den Hungerstod starben? Diese Tatsachen sind einfach nicht logisch zu erklären, zumindest nicht aus der Sicht eines radikalen Humanisten.

Ähnlich verhält es sich mit den Tabus, selbst wenn es dabei um die normalste Sache der Welt geht. Ich denke an die Sexualität und die Onanie. Jeder, aber wirklich auch fast ausnahmslos jeder tut es, dennoch scheint die Onanie überhaupt nicht zu existieren, obwohl sie, wie jeder weiß, nicht gerade zu den unangenehmsten Dingen gehört.

Oder nehmen wir das Phänomen, geradezu körperlich Blicke anderer Menschen zu spüren, das sich normalerweise im Laufe des Lebens verliert, aber jedem noch aus seiner Kindheit vertraut sein dürfte. Viele Menschen haben jedoch diesen Draht zu sich selbst noch. Nur: Wenn sie darüber reden, werden sie als Außenseiter abgestempelt. Da liegt es doch bei all diesen Missständen klar auf der Hand, dass man gerade als junger heranwachsender Mensch schnell die Orientierung verliert und auf die „schiefe Bahn“ kommt. Wenn dann noch wie bei mir im Elternhaus oder im jeweiligen Umfeld psychischer wie physischer Missbrauch hinzukommt, darf man sich nicht wundern, wenn Vernunft und Selbstbeherrschung zu Worthülsen mutieren, was ich wieder als ganz normal ansehen würde.

Leider lief auch bei mir in der Kindheit und Jugend einiges völlig daneben, bis ich offiziell mit siebzehn Jahren als verrückt abgestempelt wurde. Ich schämte mich außerordentlich dafür, denn das, was ich als Wahrheit über das Leben herausbekommen hatte, versuchte man, mir als Irrglauben anzuheften.

Ich schämte mich (mir wurde eingetrichtert, ich sei ein Querulant und Soziopath), weil ich die Wahrheit in der Welt zwar erkennen, sie aber nicht benennen durfte. Dabei versuchte man immer wieder, allerdings ohne Erfolg, mich als geistig behindert hinzustellen.

Passe dich an, oder du musst dein Leben lang das Stigma des Irren vor dir hertragen!

In der Psychiatrie wird von dir verlangt, dass du das Wahrheitsverhinderungsspiel mitspielst. Dafür werden dir die Menschenrechte genommen und wirst du den Launen, dem Wissen und Unwissen der Ärzte und des Pflegepersonals ausgesetzt sowie den Launen der unvorhersehbaren Vorsehung.

Ich muss zugeben, dass es mir lieber war, der Irre zu sein, als die Perversion des Weltgeschehens zu perpetuieren. Heute weiß ich, dass sich all die Qual und die Scham gelohnt haben. Heute trägt mich das Verlangen, den Menschen Mut zu machen, anders zu sein und sich dafür nicht isoliert zu fühlen, so, wie ich es tat.

Wie oft hatte ich mich schon gefragt, warum Gott das alles zulässt, obwohl er es doch locker abstellen könnte. Weshalb unternahm er nichts, wenn ein Mensch in Not war und ihn um Hilfe anflehte? Weshalb unternahm er nichts gegen Völkermord, Vergewaltigungen, Missbrauch? Weshalb vernichtete er nicht das Böse?

Mit der Zeit und vielen Stunden, in der ich meine Nase in die Bibel steckte, erhielt ich dann die Antwort:

Gott ist der, der keinen Namen hat. Gott ist nur im Kontext mit dem ganzen Universum zu verstehen. Er ist der besagte Schöpfer von allem, und das umfasst die gesamte Energie.

Nach der Bibel schuf Gott Engel und Menschen. Zwei Arten, die sich vor allem darin unterscheiden, dass die Engel Befehlsempfänger sind und wir Menschen den freien Willen besitzen.

Diese Macht des freien Willens ist verantwortlich für die Untaten der Menschheitsgeschichte.

Vergessen wir nicht, dass wir das Potenzial Gottes in uns tragen, und glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass Sie mehr Einfluss und Macht über Ihr Leben haben, als Sie es ahnen. Der Mensch hat die Möglichkeit, sich für die Dinge, die er tut, zu entscheiden, und besitzt deshalb die Macht, die Dinge zu tun, die ihm gefallen.

Du bist, was du tust.

Das war schon immer so.

Der zentrale Punkt des großen Schöpfungsgeschehens auf diesem Planeten ist, dass wir Menschen frei handeln und uns aussuchen können, welche Dinge wir in unser Leben ziehen und welche nicht. Leider wissen die meisten Menschen nicht, dass sie selbst der Schöpfer ihrer Realität sind. Ein Song der Gruppe Klangstrahler fragt: Wie viele Menschen wissen, dass sie leben? Ich selbst meine damit nicht das Bewusstsein der eigenen Existenz, sondern das Wissen um die Macht, seine Erfahrungen frei zu wählen und zu begreifen, dass hinter dem Bewusstsein das Ich steckt, das uns vorgaukelt: Ich bin Du.

Sie besitzen diese außergewöhnliche Fähigkeit, die Geschehnisse in Ihrem Leben so zu gestalten, wie Sie sie planen und sich wünschen.

Wir leben als spirituelle Wesen in einem unendlichen Energiefeld. Es ist ein Energiefeld, in dem das Gesetz der Schwerkraft und das Gesetz der Anziehung herrschen.

Ich möchte gern Wissen weitergeben, Wissen, das oftmals nur im Kontext mit Erlebnissen zu verstehen ist, die teilweise erst über Jahre hinweg einen tiefen Sinn bekommen.

Jeder kennt Hamlets Ausspruch:

Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumen lässt.

Für mich aber verknüpfen sich die von der Schulweisheit ausgeschlossenen Phänomene zwischen Himmel und Erde so miteinander, dass sich die scheinbar unerklärlichen Dinge erklären lassen: Alles, was Sie als zufällig oder vorbestimmt wahrgenommen haben, trägt seinen Ursprung in den Gedanken und Gefühlen, die Sie bewusst oder unbewusst erschaffen haben. Wenn man bestimmte Erfahrungen erlebt hat, scheinen die Resultate daraus manchmal die Wahrheit über das Leben zu repräsentieren, so, als wären sie die Antwort auf alle Fragen.

Wo sollte ich denn überhaupt anfangen?, fragte ich mich, denn ich hatte noch nie zuvor ein Buch geschrieben.

Zum Glück habe ich ein reichlich buntes Leben geführt. Ich habe viel Spaß, viel Nervenzerstörendes, viel Ärger, Trauer, aber auch jede Menge Faszinierendes erfahren, um immer wieder meine Speicher aufzufüllen und immer wieder aufzustehen, so oft ich auch hinfiel.

Was ist der beste Anfang für ein Buch, das aus dem Kontext des Lebens heraus erklären will, was die Wahrheit über unser Leben ist?

Beginne ich mit meinen Erfahrungen und den daraus geschöpften Weisheiten (die nicht nur mir bekannt sind), beginne ich also mit den großen Gefühlen? Und soll ich die Tragödien, die sich tagtäglich ereigneten und ereignen, auflisten?

Vielleicht beginne ich mit den Weisheiten.

Die wohl am meisten verbreitete Weisheit scheint zu sein, dass man einfach nur sein Denken verändern müsse, um glücklich zu werden.

Und genau das stimmt!

Trotzdem möchte ich, dass Sie sich unbedingt ausschließlich Ihr eigenes Bild von dem, was ich aufgeschrieben habe, machen.

Alles nimmt seinen Ursprung in einem kleinen verträumten Dorf, ganz weit im Norden Deutschlands. Als ich noch ein sehr kleines Kind war, war unser Dorf so unbedeutend wie überhaupt nur irgendwas. Man spielte auf der Straße Fußball. (Es gab übrigens nur eine Straße. Und einen schönen See unweit unseres Hauses. Im Sommer konnte man manchmal nicht einschlafen, weil die Frösche so laut gebalzt haben, dass es einem unmöglich war, in den Schlaf zu kommen.) Im Übrigen hatte das Dorf nicht mehr als zehn Häuser. Kein Wunder, dass dort so gut wie nie Autos vorbeikamen. Jeder kannte jeden. Die nächste Stadt war zwanzig Kilometer weit entfernt. Wir Kinder fuhren jeden Morgen mit dem Schulbus in dieses eine Dorf, das als einziges im weiten Umkreis eine Schule hatte. Nach der Schule lieferte uns der Bus wieder zu Hause ab.

Ich ging nur mit Widerwillen in diese Schule, die auf die Unterdrückung von Schülern und Massengehorsam ausgelegt war. Zehn Jahre verbrachte ich dort (einmal, in der achten Klasse, blieb ich sitzen).

Als die Schulzeit zu Ende war, verspürte ich das erste Mal in meinem Leben, wie schön es sich anfühlt, wenn einem eine Last von den Schultern fällt.

Das Leben bringt es wohl immer so mit sich, dass man erst später erkennt, wie schön zum Beispiel die Kindheit auf dem Lande war. Damals konnte man als Kind problemlos tausend Dinge entdecken, Angeln gehen oder sich einfach in den Wäldern austoben.

Leider musste ich nach der Schule meistens in der Stadt arbeiten, ich bedauerte das, auch wenn sie ständig mit Ablenkungen winkte.

Der Rest meiner Freizeit beschränkte sich auf Fußball im Verein (ich war ein ausgezeichneter Torwart) sowie Angeln (auch in einem Verein). In beiden Disziplinen habe ich übrigens ziemlich viele Pokale eingeheimst. Ehrlich gesagt war ich mächtig stolz drauf.

Den Rest der Zeit verbrachte ich damit, Angst vor meinem Vater zu haben oder Strafarbeiten wie Gartenarbeit, die er mir aufs Auge gedrückt hatte, zu absolvieren. Schläge gab es zu jedem Anlass und nicht nur aus einer taktischen Sichtweise heraus.

Doch fast noch schlimmer war, wie aus unserem idyllischen Dörfchen das Dorf mit einer der größten Giftmüll–Endlagerstellen Europas wurde. Witzigerweise wurde fast zur gleichen Zeit bei uns die damals größte Großraum–Diskothek gebaut.

Eines schönen Tages, ich muss wohl um die acht oder neun Jahre alt gewesen sein, umkreisten mordsmäßige, mit riesigen Pumpen beladene Monsterzugmaschinen den See, blieben abrupt stehen und begannen, ihn gnadenlos leer zu pumpen. Die Fische taten mir unendlich leid, und was es heißt, keine zweihundert Meter von einer Giftmülldeponie zu wohnen, kann man sich wohl denken. Jedenfalls tat die Disco ihr Übriges dazu, um die Romantik ganz aus unserem Dorf verschwinden zu lassen.

Heute dagegen wohne ich am Rande einer norddeutschen Großstadt. Nach all den heftigen Abstürzen und Zusammenbrüchen bin ich als Klient in einem teilstationären Wohnheim untergekommen und arbeite daran, einen Weg zu finden, in Babylon zu überleben.

Meiner Entscheidung, in solch eine Einrichtung zu gehen, gingen wochenlange Grübeleien voraus, denn es ging darum, mein altes gewohntes Leben aufzugeben und ein völlig neues Leben auszuprobieren, ganz drogenfrei, und ich weiß bis heute nicht, ob ich dieses Leben, so wie es gelebt werden soll, durchleben will und kann. Ich weiß aber auch:

Ganz egal, wohin mein Leben mich bringen wird, ich werde immer die Macht haben, es so zu verändern, wie ich es haben will.

Ich konnte sehr viel Kraft tanken und ich habe mich um wichtige Dinge kümmern können, die mir vorher völlig gleichgültig waren. Erst allmählich habe ich gelernt, mich selber zu lieben. Es ist eine wichtige Grundeinstellung zum Leben, wenn man sich auch in andere Dinge verlieben will.

Ich habe geduldig gelernt, Kritik an mir als Geschenk anzuerkennen, denn um sich weiterzuentwickeln, sind gute Ratschläge teuer.

Jetzt bin ich fast vierzig Jahre jung.

Meine wichtigsten Erlebnisse begannen, interessant zu werden, als ich vier Jahre alt war.

Nehme das Leben

nicht so schwer.

Kapitel1

Der weiße Mann, der aus meinem Schrank kam

Es geschah an einem ganz normalen Tag eines Vierjährigen, einem Tag, der vom örtlichen Kindergarten bestimmt wurde und vom anschließenden Mittagsschlaf und dem Spielen allein oder mit Mama, den Katzen oder dem Hund, dem größeren Bruder oder der kleineren Schwester. Und abends ging’s wie immer nach dem Sandmann ins Bett. So lag ich dann also brav in meinem Bett, und Mutti gab mir noch einen Gutenachtkuss. Bevor ich allerdings ins Bett ging, suchte ich das ganze Zimmer an immer denselben Orten nach dem Bullemann ab. Vor dem hatte ich sogar noch mehr Angst als vor Gespenstern.

Ich schaute hinter Gardinen und unters Bett, warf einen Blick in den Kleiderschrank und schloss ihn anschließend wie immer ab. Routinemäßig war alle Pflicht getan, um beruhigt einschlafen zu können. Ich lag also im Bett und schlief wie immer ein. Irgendwann aber, mitten in der Nacht (meine Eltern lagen schon längst im Bett), wachte ich mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend auf. Ich spürte mit einer unglaublichen Intensität, dass an diesem Zustand irgendetwas ungeheuer bedrohlich war, und bekam es mächtig mit der Angst zu tun.

Ich sollte recht behalten, denn tatsächlich öffnete sich quälend langsam die rechte Tür meines eigens von mir abgeschlossenen Schrankes. Ich war so wach, als hätte ich zwanzig Tassen Kaffee getrunken. Nach einer geschlagenen Ewigkeit stieg eine weiße Gestalt aus dem Schrank und tippelte an meinem Bett vorbei zum Fenster.

Ich dachte, wenn Er dich anfasst, dann schreist du so laut, wie du nur kannst.

Ich stellte mich schlafend und beobachtete die Gestalt mit akribischer Präzision.

Endlich drehte sich die Gestalt am Fenster wieder um und verschwand im Schrank. Das Dumme war nur, dass sich die Schranktür nicht wieder vollständig schloss.

Natürlich wollte ich sofort zu meinen Eltern fliehen.

Das Schlafzimmer meiner Eltern lag genau am anderen Ende des Flures in der oberen Hälfte unseres Hauses. Irgendwie musste ich es schaffen, zu meinen Eltern in Sicherheit zu gelangen. Also fasste ich mir ein Herz, sprang aus dem Bett, riss die Zimmertür auf, lief ins Schlafzimmer meiner Eltern und schrie, dass sich ein Gespenst in meinem Kleiderschrank befände. Daraufhin nahm mich mein Vater auf seinen starken Unterarm und ging mit mir in mein Zimmer. Ich weiß noch ganz genau, dass die Schranktür etwas offen stand – und das, obwohl ich sie doch hundertprozentig abgeschlossen hatte! Jetzt wusste ich also ganz genau, dass diese Gestalt keine Einbildung oder ein schlechter Traum war.

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, was dann geschah, aber ich weiß, dass das Gespenst ein für alle Mal verschwunden war. Ich glaube nicht an eine Einbildung, doch ob Einbildung oder nicht, das Feeling, einen Geist bei sich zu Besuch zu haben, war schon etwas, das sich zu erzählen lohnte, um ordentlich Eindruck zu schinden. Dachte ich jedenfalls. Doch leider hielten mich die meisten Menschen für verrückt, oder sie wollten mir einreden, dass ich alles nur in einem Halbtraum erlebt hätte. Was die offene Tür betraf, wurde jedenfalls schlichtweg übergangen. Mittlerweile weiß ich jedoch, dass alles, was in unser Leben tritt, von uns erschaffen worden ist, indem wir unsere Gedanken und Gefühle auf eine Sache konzentrieren, sie visualisieren und anschließend empfangen.

Was für Gedanken und Gefühle muss ich gehabt haben, um eine solche Situation zu erzeugen! Offensichtlich hatte meine Angst so viel Energie ausgelöst, um dieses Ereignis zu kreieren.

Natürlich ist es sehr schwer zu verstehen, sich sein eigenes Universum erschaffen zu können, zumal uns Tausende von Stimmen zuraunen, an Zufall oder Schicksal zu glauben.

Ich glaube, es war die Angst, die mich einen Geist erschaffen ließ. Je öfter ich Angst hatte, über Gespenster nachdachte und sie visualisierte, desto mehr erschuf ich von ihnen in meiner Fantasie und bekam als Quittung genau das, was meine Konzentration in meiner Angst genau auf das lenkte, was ich gerade nicht wollte.

Doch dem Universum ist es völlig egal, was wir wollen oder nicht, es manifestiert genau das, worauf wir uns konzentrieren und unsere Gedanken und Gefühle richten.

Nichts ist so negativ,

dass es nicht noch

als gutes Beispiel

Kapitel 2

Das Nachsitzen, die Flucht, der Unfall

Schon als ABC–Schütze ging ich mit einem Unbehagen zur Schule. Während andere Kinder sich darüber freuten, in die Schule zu gehen, schließlich waren sie ja jetzt alle große Kinder geworden und wähnten sich schon, erwachsen zu sein, löckte ich wider den Stachel der Pflicht. Und Pflichten gab es viele, wie mir meine Eltern täglich verdeutlichten, indem sie mich ständig an sie erinnerten und eifrigst dafür sorgten, dass die wichtigsten Pflicht–Events nicht verpasst wurden.

Schulnotenmäßig lag ich eher im Mittelfeld, doch schon als ABC–Schütze fraß mich die Schule auf. Meistens hatte ich meine Schulaufgaben einfach nicht gemacht, und so kam zwangsläufig der Tag, an dem ich eine Stunde nachsitzen musste.

Ich saß also nach dem regulären Unterricht ganz allein und ohne Aufsicht im leeren Klassenzimmer. Der Lehrer hatte mir vorher erklärt, was ich machen sollte.

Ich fragte mich, wie blöd der eigentlich war, mich allein zu lassen und einen solchen Blödsinn zu verzapfen, packte meine Tasche, öffnete das Klassenzimmerfenster und sprang in die Freiheit. Glücklicherweise erwischte ich noch rechtzeitig den Schulbus.

Meine Mutter fuhr jeden Nachmittag in die Stadt und arbeitete im elterlichen Geschäft. Meine Eltern handelten mit Antiquitäten, und davon ließ es sich recht gut leben. Später arbeitete ich regelmäßig mit, und glauben Sie mir, dass ich weiß, was Arbeit bedeutet. Ich musste jedenfalls jeden Nachmittag mit, denn meine Eltern wollten nicht, dass ich allein zu Hause blieb.

Die Vorsichtsmaßnahme meiner Eltern war übrigens durchaus berechtigt, denn einmal hätte ich fast unser Haus abgebrannt, doch Gott sei Dank wusste meine Mutter das noch rechtzeitig zu verhindern. Als die Feuerwehr eintraf und anschließend die Polizei, stand das ganze Dorf auf den Beinen und beglotzte gierig das Geschehen.

Aber ich möchte Ihnen ja von der geschwänzten Schulstunde erzählen.

An diesem Tag fuhr ich wie immer mit meiner Mutter in die Stadt. Natürlich war ich immer noch zu klein, um regelmäßig zu arbeiten, doch andererseits gab es ständig etwas zu tun. In der übrigen Zeit lief ich in der Stadt rum und war auf Abenteuer aus.

An diesem Nachmittag begleitete mich jedenfalls mein Bruder in der Stadt. Wir tauschten Pfandflaschen um und wollten zum Bäcker auf der anderen Straßenseite. Dabei mussten wir eine reichlich befahrene Straße überqueren. In etwa einhundert Metern Entfernung stand eine Ampel mit einem Zebrastreifen, und ich dachte noch: Geh bloß über den Zebrastreifen