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Stella, eine junge Frau, weiß was sie will, und geht auf ihre ganz eigene Art mit Schmalspurdenkern um, die ihr nur zu gerne sagen würden, wo es lang geht. Plötzlich wird sie aus ihrem ungeliebten Trott gerissen und in eine Situation hineingestoßen, die sie zuerst schockiert, dann vor ein völliges Rätsel stellt und ihr schließlich Schmetterlinge im Bauch verpasst und eine ungewöhnliche Zukunftsperspektive vor die Füße knallt. "Stella did it" war die erste einer Reihe von fünf Kurzgeschichten und wurde überarbeitet, damit die gesamte Geschichte hält, was der Anfang verspricht.
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Seitenzahl: 45
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Sue Schmidt
Dem Schicksal einen Tritt in den Hintern
Stella did it
Dieses eBook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort, mal anders
Stella did it (oder Das zweite Gesicht)
Nachwort: Stella!
Leseprobe: Tim did it (oder Wer anderen eine Grube gräbt)
Leseprobe: Alec did it (oder Die Kiste)
Story gefallen? Weitere Rebellen mit Herz und Verstand
Impressum
Vorwort, mal anders
~~
Wenn man wie alle andren tickt,
dann gilt man selten als verrückt.
Doch kaum verlässt man alte Gleise
und denkt auf eine neue Weise,
keimt der Verdacht, man würde spinnen
Stella did it (oder Das zweite Gesicht)
Es herrschte Hochbetrieb in der kleinen Bank in Padstone Village, wie immer, wenn es Freitagnachmittag war. Stella betrat sie zwanzig Minuten vor Schalterschluss, wühlte in ihrer Handtasche, grub sich durch etliche Notizzettel, Stifte und sonstige Utensilien nach unten und wurde mit einem Seufzer der Erleichterung fündig. Da war sie, ihre Bankkarte, und auch ihr Handy. Sie nahm die Stummschaltung heraus, reihte sich in die Schlange wartender Kunden ein und wünschte sich, der Mann hinter dem Schalter möge wenigstens einmal im Leben, nämlich heute, auf Touren kommen. Sie hatte eine zehnstündige Spätschicht vor sich, Akkordarbeit an dröhnenden Maschinen, nervenaufreibend und monoton.
Doch er schien wieder einmal alle Zeit der Welt gepachtet zu haben, so langsam zählte er das Geld auf den Schaltertisch.
„Hallo, Mr. Miller“, rief sie ihm zu und tippte auf ihre Uhr. „Sie haben noch 18 Minuten, bis der Hammer fällt, und ich habe noch 40 bis Arbeitsantritt. Geht das auch etwas schneller?“
„Hallo Madame Ungeduld“, rief er zurück und seine hochgezogenen Augenbrauen stießen fast an den grauen Bürstenschnitt. „Haben wir es wieder mal eilig? Hast du immer noch nicht gelernt, das gut Ding Weile haben will?“
Sie seufzte erneut. So redete nur jemand, der einen von Kindheit an kannte. „Vielleicht sollten Sie bei „Weile“ das „W“ abschießen, damit dieser Steinzeit-Spruch ein paar Menschen glücklich macht. Mich zum Beispiel.“
Er bedachte sie mit einem missbilligenden Blick und drosselte sein Tempo noch mehr. Sie hätte es wissen müssen. Verbale Kinnhaken funktionierten bei notorischen Rechthabern nie. Warum hatte sie nicht einfach den Mund gehalten?
Dafür hielt sie ihn jetzt, musterte wortlos die Kunden, die sich nach ihr umgedreht hatten und sie anstarrten. Ganz besonders starrte die dicke Dame vor ihr, deren Deodorant schon vor Stunden den Dienst versagt haben musste. Nicht, dass Ausdünstungen sie störten – das Leben in einer Wohngemeinschaft auf engstem Raum hatte sie abgehärtet – aber wenn es so warm war wie heute, und so stickig, wie in dieser kleinen Bank, und wenn sie außerdem so viel gegessen hatte, wie vor einer Stunde, sank ihre Toleranzgrenze rapide. Und sie sank noch weiter, als aus ihrem Handy „She loves you“ von den Beatles schallte. Sie drehte der Dicken den Rücken zu, nahm den Anruf mit einem „Hallo Mam“ entgegen und seufzte schon wieder. „Weißt du eigentlich, dass das heute dein zehnter Anruf ist? Mein Handy ist fast entladen, also fasse dich kurz .....“ Ihre Stirn legte sich in kleine Falten. „Können wir diese Diskussion auf ein anderes Mal verschieben? Ich stehe gerade in der Bank und unter Zeitdruck ..... Was? ......“ Sie verdrehte die Augen, versuchte leise zu sprechen. „... Nein, ich habe ihm keinen Laufpass gegeben. Wie soll ich jemandem einen Laufpass geben, mit dem ich noch nicht einmal zusammen bin ..... Mam ... Mam ... Wenn du nicht aufhörst, mich mit reichem verstaubtem Dünkel verkuppeln zu wollen, haben wir ein Problem ..... Nein, ich werde mich nicht bei ihm entschuldigen .....“ Stella blies die Backen auf und ließ die Luft hörbar wieder heraus. „... Mam, du übertreibst ... Ich bin sehr wohl bei Trost, aber ich nehme mein Studium erst wieder auf, wenn ich finanziell von dir unabhängig bin ... Nein, ich ziehe auch nicht wieder bei dir ein ... Also, ich werde jetzt Schluss machen und dich in meiner Pause zurückrufen.“ Stella klappte ihr Handy einfach zu, schaltete es erneut auf stumm, steckte es in eine der Taschen ihrer Arbeitskleidung und wischte sich die feinen Schweißperlen von der Stirn.
Die dicke Dame hatte jedes Wort interessiert aufgesogen und musterte Stellas anthrazitfarbene Latzhose. „Wir kennen uns zwar nur vom Sehen, Schätzchen ...“, kam es auch schon näselnd aus ihrem kleinen, grellrot geschminkten Mund, „... aber Ihre Mutter kenne ich gut. Sie sollten auf sie hören. Sie sollten tun, was sie sagt. Sie weiß, was gut für Sie ist.“ Sie lüftete die Arme, was einen erneuten Schwall von Schweißgeruch in Stellas Nase trieb.
„Und Sie sollten Ihr Deodorant wechseln“, sagte Stella trocken, während sie in das brüskierte und von einer festzementierten Frisur umgebene Gesicht blickte. „Und Ihr Haarspray ebenfalls ... Sie sind übrigens dran.“ Stella machte eine auffordernde Kopfbewegung in Richtung Bankschalter.
Die Dicke brachte ihren Mund mit Mühe wieder zu, würdigte Stella keines Blickes mehr, erledigte wortkarg ihre Bankgeschäfte und stelzte mit hoch erhobenem Kopf aus der Bank. Doch auch Mr. Miller schien Stella ignorieren zu wollen, zumindest machte sein plötzlich erstarrtes Gesicht den Eindruck.
Sie sah auf ihre Uhr. „Was ist denn, Mr. Miller? Frieren wir jetzt zwei Minuten vor Geschäftsschluss ganz ein?“ Sie schob ihm ihre Bankkarte zu. „Ich hoffe, Ihnen ist das Geld nicht ausgegangen. Ich brauche nämlich dringend welches.“
Er schien sie nicht zu hören, blickte einfach an ihr vorbei, wurde merkwürdig blass.
