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Dem Tod Entkommen, Autobiografie vom klinischen Tod bis zur Herztransplantation. Der 2. Januar 2010 sollte wohl einer der Tage sein, die sich im Leben für immer einprägen, wie der frühe Tod meiner vorherigen Lebensgefährtin Doris, welche mit 38 in 2001 qualvoll an Brustkrebs verstorben war. Ich hatte einen schweren Hinterwandinfarkt mit gravierenden Folgen, Multiorganversagen, Schock, klinisch Tod. Schock und enorme Belastung auch für meine Familie, hauptsächlich für meinen Sohn, der damals weiter weg wohnte und sich in Ausbildung befand. Meine Lebensgefährtin hatte den Anblick, wie ich da so im Bett lag, im Koma, wie Tod, nie wirklich verkraftet. Reanimation, monatelanges Koma, künstliche Beatmung, künstliche Ernährung, leckeres Essen aus dem Beutel. Der Wahnsinn ging so etwa drei Monate, nach dem Aufwachen 27 kg weg, die beste Diät aller Zeiten, leider war es die Muskulatur, zu früh gefreut. Und die größte Überraschung, mein Herz war auch weg. Stattdessen saß ein Kunstherz drin. Hatte mich mit so etwas nie befasst und wusste nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gab. Neunzehn Monate mit dem Kunstherz gelebt, August 2011 transplantiert, dem Spender sei Dank. Im Buch werden alle Phasen von Komaträumen, welche sehr real waren und sich ständig wiederholten, detailliert wiedergegeben. Des Weiteren Wartezeiten auf das neue Herz, Nahtoderfahrung, Transplantation, Medikationen, Organspende und der lange Weg zurück ins Leben beschrieben. Ich habe es geschafft jetzt fast 13 Jahre damit zu Leben und es werden noch hoffentlich viele weitere Jahre werden. Das Buch ist trotz des fast tödlichen Ausgangs mit viel Humor und Witz geschrieben aber lesen sie selbst, es lohnt sich. Es soll auch Betroffenen und Angehörigen Mut machen, das eine Leben mit einem neuen Herz für lange Zeit möglich ist, positiv denken.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser, dieses Buch soll versuchen Betroffenen und Angehörigen Mut zu machen, positiv zu denken, auch wenn es sehr schwer fällt. Ich selbst bin durch die Hölle gegangen nach einem extremen Herzinfarkt bei gleichzeitigem Multiorganversagens und bin lebend wieder rausgekommen, ich lebe seit sieben Monaten mit einem neuen Herz. Meine positive Einstellung zum Leben und meine Geduld haben mich am Leben erhalten. Ich habe in diesem Buch absichtlich auf die medizinische Terminologie verzichtet, was ein Herzinfarkt ist, ist bekannt. Ich will niemanden noch mit medizinischen Begriffen und Werten belasten, die Krankheit selbst ist schon Belastung genug. Auch wenn das Buch teils mit viel Humor und Witz geschrieben ist, so soll es doch nicht den Ernst der Lage verkennen, es soll aufmuntern und aufbauen und nicht demotivieren, mein Humor soll Ihnen verdeutlichen, dass ich trotz des fast tödlichen Ausgangs immer noch lachen kann und mich nicht habe unterkriegen lassen. Es soll Ihnen zeigen wozu die Medizin heute in der Lage ist und was der menschliche Körper alles aushält. Gleichzeitig soll es Ihren Sinn dafür schärfen, über Organspende einmal in Ruhe ausführlich nachzudenken, es gibt immer noch viel zu wenige Spender und viel zu viele ,die dringend auf ein lebensrettendes Organ warten. Das Neue Transplantationsgesetz, wie es vielleicht irgendwann mal sein soll, sehe ich persönlich als zahnlosen Papiertiger, dadurch wird es letztendlich auch nicht genügend Organspender geben. Schauen sie positiv in die Zukunft. Klaus Rudolph Kassel im Februar 2012
Kapitel
Wie alles angefangen hat
Koma Träume
Normalstation
April 2010 Das erste Mal Zuhause
Lebenserhaltende Maschine
Warten auf ein neues Herz
Die Transplantation
Organspenderausweis
Medikation und Nebenwirkungen
Ärzte im Allgemeinen
Genesung
Das Leben danach
Familie und Angehörige Absichern
Schlusswort
Es war Samstag der 02.01.2010, als es um kurz nach 22 Uhr dreimal an der Tür klingelte, ich dachte, wer will denn um die Uhrzeit noch was von Dir. Als ich die Tür öffnete, war ich mir nicht sicher, ob ich mich im Datum vertan hatte, vielleicht war ja schon Karneval vorgezogen worden. Da stand so ein schwarz gekleideter Witzbold vor der Tür, ne Kapuze auf und einer Sense in der Hand, ich dachte mir der hat doch wohl den Gong nicht gehört, Stroh und Heu werden in unseren Breitengraden doch erst im Juni gemacht, dann meist auch nicht um diese Uhrzeit. Ich fragte Ihn, was er denn wolle und ob er noch von Silvester benebelt sei, oder ob er gerade von einem Maskenball kommt und sich vorher noch eine „Linie„ rein gezogen hat. Seine Antwort war genauso eigenartig, wie er selbst, er sagte zu mir, ich will Dich abholen, komm mit, worauf ich Ihm erwiderte, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Na ja hab Ihm dann die Tür zugeknallt und hörte nur noch einen Aufschrei im Treppenhaus und ein metallisches Klirren, vermutlich war Ihm die Sense aus der Hand gefallen. Er dachte wohl, er kann es so machen wie diese Sekte, die immer Dosennahrung sammelt, weil der Weltuntergang vor der Tür steht, die lieber sterben, als eine Blutkonserve von einem anderen zu bekommen. Oder hatte bei denen vielleicht sogar ein Schnellkurs im Kapern von Wohnungen stattgefunden, Fuß zwischen die Tür und mit der Nase direkt am Türblatt. Was dann wohl gelegentlich gebrochene Füße oder Nasenbeine zur Folge hatte. Ich hörte Ihn dann im Treppenhaus nur noch fluchen, ich komme wieder, ich dachte mir, komm nur wirst schon sehen was du davon hast, vielleicht gebrochene Zehen und ein zertrümmertes Nasenbein, oder vielleicht einen wundervollen Beginn einer teuren Freundschaft mit seinem Zahnarzt zum Basteln der Dritten. Na ja leider war der 2.Januar 2010 wirklich der zweitschlimmste Tag in meinem Leben, schlimmer war nur noch der frühe Tod meiner Lebensgefährtin Doris, die mit 38 an Krebs verstorben war. Hatte ein eigenartiges Gefühl im linken Arm und im Kiefer und Druckgefühl in der linken Brustseite, ich wusste dass da etwas nicht stimmte und hab reagiert, rief die Arztnotrufzentrale an, aber der ältere Halbgott in Weis, welcher Dienst hatte, meinte nur ich solle doch irgendwo in ein Krankenhaus fahren, obwohl er hätte hellhörig werden müssen, da die Symptome eindeutig auf einen Infarkt hingedeutet haben, womit ich ja auch Recht hatte, er hat nicht einmal darauf hingewiesen, dass ich mir eine Taxe nehmen soll und mich nicht mehr selbst ans Steuer setzen könne. Dem Onkel Doktor war das alles so egal, er machte jedenfalls den Eindruck, ich hätte somit sogar noch andere gefährdet. Wahrscheinlich hatte in dieser Nacht ein Gynäkologe, oder ein total Branchenfremder Dienst. Also er wollte jedenfalls nicht kommen, der Weißkittel hätte wenigstens sofort einen Rettungswagen zu mir schicken müssen. Ne Rechnung über die 10.-€ Praxisgebühr für diesen „Notdienst“, die kam dann aber sofort, teurer als ein Anruf auf einer 0900er Nummer. Habe den Arzt mittlerweile wegen unterlassener Hilfeleistung § 323c StGB, bzw. wegen Unterlassung einer gebotenen Handlung nach §§ 223 und 229 StGB angezeigt, also Strafantrag gestellt. Er musste dann Letzt endlich eine Strafe von 2.500 Euro zahlen, zu zahlen an eine soziale Einrichtung. Das war also ein Menschenleben wert, vom Schadenersatz.-Prozess ganz zu schweigen. Obwohl er rechtskräftig verurteilt war, spielte dieser Aspekt im Schadenersatz und Schmerzensgelds-Prozess überhaupt keine Rolle. Die Ansprüche wurden voll abgeschmettert mir blieben nur die Rechnungen der Anwälte. Da ich mit Medizinrechts-Anwälten keine Erfahrung hatte, habe ich mir einen aus dem Internet gesucht, dieser saß in Norddeutschland. Als erstes war ein hoher Vorschuss Fällig, bevor man überhaupt mal den Stift in die Hand genommen hat, der Anwalt machte mir gute Hoffnung, war nett und freundliche und war dann auf wundersame Weise nicht mehr in dieser Kanzlei. Der nächste Anwalt war dann auch wieder weg und beim letzten habe ich die Schriftsätze selbst geschrieben, damit es voran ging. Die nächste Anwältin dieser Kanzlei hatte natürlich auch erst mal keine Ahnung, da sie sich ja auch wieder ganz neu einarbeiten musste. So lief das Ganze dann fast zwei Jahre still vor sich hin, abgesehen von weiteren Vorauszahlungen passierte dann recht wenig. Doch was für ein Wunder, irgendwann kam der ersehnte Prozess. Leider kam aber niemand dieser Kanzlei aus dem Norden, war ihnen wohl der Weg zu weit und zu aufwendig. Aber sie hatten ja schon kräftig abgesahnt. Dafür gab es einen „Spezialisten“ aus meiner Stadt, der sich natürlich auch überhaupt nicht in die Materie eingelesen hatte. Dieser Korrespondenzanwalt hat es dann auch vollends in den Sand gesetzt. Ging ja schließlich nur um einiges an Geld aus der Schadenersatz Forderung. Im Prozess saß er dann nur da und hat kein Wort rausgebracht, da hätte er auch in seiner schmuddeligen Kanzlei bleiben können. Im Gegensatz zu ihm und seinen Auftraggebern im hohen Norden, war die Anwältin der Arzthaftpflicht, des bösen alten Doktors spitze. Sie war ihr Geld wert, sie hat dem Richter keine Zeit zum Luftholen gelassen. Nach fünf Minuten war der ganze Prozess vorbei, ohne einen Euro erlangt zu haben. Den Herren Richter und Beisitzern war das wohl auch alles eher egal, den Eindruck machten sie. Anwältin schaute auf die Uhr, ob sie den nächsten ICE in den Ruhrpott noch erreichte und war dann mit wehenden Fahnen schon weg. Fazit: Suchen sie sich einen Anwalt aus der Nähe und wägen Sie selbst vorsichtig ab ob sie klagen, oder nicht. Die Anwälte der Haftpflicht-Versicherer lassen sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Zum Thema Patientenhilfe-Vereine, vergessen sie diese ganz schnell für große Fälle sind sie eh nicht geeignet. Die bunten Broschüren, wo sie ihre Dienste anpreisen, machen ihnen zwar viel Hoffnung, aber das war es dann auch. Auch die Schlichtungsstellen der Ärztekammern haben nur einen ganz kleinen Rahmen der Möglichkeiten. Denken sie immer daran, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Der Arztnotrufzentrale traue ich überhaupt nicht mehr, hätte ich die „112“ gewählt, dann hätte ich vielleicht etwas mehr Glück gehabt, hätten mich ins nächste Notfall-Klinikumfahren gefahren. Mit der Arztnotrufzentrale verlieren sie wertvolle Zeit und vielleicht auch im ungünstigsten Fall noch ihr Leben. Zumal sie dort nur ewig in der Warteschleife hängen. Natürlich sollten sie wegen einer Grippe keinen Notarzt rufen, diese Hilfe sollten sie denen lassen, die sie wirklich brauchen. Einigen Ärzte der Arztnotrufzentrale sollte man die Zulassung entziehen, wie gesagt, es gibt auch Gute, aber das ist Glücksspiel. Einem Bekannten hingegen, hatten sie das Leben gerettet. Wurde später auch herztransplantiert. Dadurch dass bei ihm sofort richtig gehandelt wurde, sind ihm die ganzen gravierenden Folgen erspart geblieben. Ich hatte dann, da der Herr
Doktor nicht kommen wollte und auch keinen Rettungswagen in Marsch gesetzt hatte, ein Taxi gerufen. Wollte vorsichtshalber nicht mehr selbst fahren, da genau an diesem Tag, bestimmt 15 Zentimeter Neuschnee gefallen. Meine Glückssträhne ging aber noch weiter, ein freundlicher Taxifahrer aus irgendeinem Kampfgebiet dieser Welt, vermutlich Afghane sollte mich dann in ein bestimmtes Krankenhaus fahren, leider kannte der gute Mann sich aber wohl in Kassel nicht wirklich aus, das ganze entwickelte sich zu einer Geisterfahrt durch Kassel. Gut dass es nicht mittags war, sonst hätte er wohl noch mitten auf der Straße angehalten und seinen Gebetsteppich gen Mekka ausgerollt. Musste ihm ständig den Weg erklären, obwohl es mir zunehmend schlechter ging und jede Minute zählte. Im Krankenhaus angekommen ging dann alles sehr schnell, die nette Dame an der Pforte des Roten Kreuz Krankenhauses erkannte schnell, dass es mir sehr schlecht ging, schoss sofort los einen Rollstuhl holen und jagte mit mir durch die Gänge zur Notaufnahme. Das erste Mal im Leben, das ich Rollstuhl gefahren bin, wow was für ein Gefühl, vorher noch mit 1.400 PS geflogen und dann mit 0,0001 PS durch die Gänge gejagt. Dort hatte man wohl in Abständen mehrere Troponin-Tests unternommen. Von dort aus ging es dann zum angrenzenden Ambulanten Herzzentrum Kassel, um einen Herzkatheter zu legen. Der Kardiologe war auch sofort da, hat dann einen Katheter gelegt, wo ich zum ersten Mal im Leben mein Herz gesehen habe. Selbst als Laie war erkennbar, dass wohl mein Herz nicht mehr wirklich alltagstauglich war, das Ding war wohl total im Eimer. Das waren wohl etwa zehn Minuten, danach bin ich in den Kardiogenen Schockzustand, ergo ins Koma gefallen und erst nach langer Zeit in einer ganz anderen Stadt in einer Spezialklinik wieder aufgewacht. Hatte dann später noch mitbekommen, dass ich dann noch in Kassel ins Klinikum weiter verlegt worden war. Man muss sagen, sie haben alles versucht, um mich nicht abhaken zu müssen, Bypässe, Schrittmacher. Alles in allem gehört ihnen mein Dank, sie
Haben wirklich alle ihr Bestes gegeben, um mich vom Totenreich fern zu halten. Der Notdienstkardiologe vom Ambulanten Herzzentrum in Kassel, welches direkt am Roten Kreuz Krankenhaus angegliedert ist hat mir dann letztendlich das Leben gerettet. Durch überdurchschnittliche lange Reanimation, klinisch war ich wohl schon im Jenseits angekommen, ein dickes Dankeschön an den Kardiologen Herrn R.Voge (Leider verstorben). Ohne Ihn würde ich jetzt die Radieschen von unten sehen, obwohl geht ja gar nicht, Gemüse darf ja auf dem Friedhof gar nicht angepflanzt werden. Na ja hätte dann eine überteuerte Einkisten Wohnung, ohne Strom und fließend Wasser gehabt, natürlich auch keine Heizung. Solche Ärzte wie diesen Kardiologen Rudolf Voge und die Ärzte des Klinikums bräuchte das Land wirklich mehr davon. Nicht abgehoben, immer nett, humorvoll, ein Arzt der auch lachen kann. Nimmt sich Zeit für seine Patienten, obwohl die Hütte rappelvoll ist. Er hat mir auch bis heute bei allem immer ohne große Worte weitergeholfen, wenn ich Probleme hatte, Termine bei anderen Ärzten zu bekommen. Er hat angerufen und dann hatte ich teilweise noch am gleichen Tag einen Termin, bzw. einmal zwei Tage später. Auch samstags um 7.45 Uhr morgens, wo er selbst erstaunt war und was ganz wichtig ist, die Empfehlungen an andere Ärzte die er hatte waren allesamt immer das Beste was so in Kassel an Ärzten vorhanden war. Er hatte dann noch zwei Stents implantiert, welche aber auch keinen Erfolg mehr zeigten. Ich habe Ihn dann später nach meiner ersten Entlassung aus einer renommierten Herzklinik Mal besucht und ihn gefragt warum er die Reanimation nicht nach 20 Minuten eingestellt hat. Er lächelte und meinte Zitat „Wir haben uns gedacht, das arme Kerlchen können wir doch nicht auf dem Tisch liegen lassen“. Ein lustiger Typ von Arzt, ist Mensch geblieben, nicht abgehoben, wie viele andere. Im Fernsehen sehen die Ärzte doch nach 20 Minuten auf die Kuckucksuhr an der Wand, wo dann der Vogel rauskommt und den Zeitpunkt des Todes angemessen verkündet. Im folgendem schalten dann alle schnell die Maschinen ab, um den teuren Ökostrom, der ja gar keiner ist, zu sparen und in die Kaffeepause zu gehen, werfen dir dann nur noch ein weises Laken übers Gesicht, Ende Gelände. Nun gut ein Laken haben Sie mir nicht übers Gesicht geworfen und der Vogel aus der Kuckucksuhr hat auch die Klappe gehalten. Wahrscheinlich hatte er mal den Slogan gehört, „Rettet unsere Wälder, esst mehr Spechte„ und dachte das er vielleicht als Kuckuck mit einem Specht verwechselt werden könnte und dann auch zum Opfer fallen könnte. Ich bin dann wohl noch in der gleichen Nacht ins Städtische Klinikum in Kassel gekommen, wo man mir dann sogleich einen Schrittmacher eingebastelt hat. Um das ganze nochmal schön geschmackvoll abzurunden, dachte man, man könnte mir doch einfach mal eine Vene aus dem Bein pflücken und mir einen Bypass legen. Gesagt getan, die Chirurgen haben dann sofort mal „Tool Time„ gespielt, die elektrische Stichsäge aus der Schublade geholt, ein paar scharfe Küchenmesser aus der Kantine lagen schon bereit und los ging es. Dann ging es mir an den Kragen, oder besser gesagt mit der Stichsäge ans Brustbein und siehe da, da haben die mich auseinander geklappt wie einen Faltkarton von der Post und mir die Vene aus dem Bein gezogen und ans Herz gebastelt, na ja wenigstens haben sie das Bein da gelassen, wo man es normalerweise auch hat. Alles in allem und ernsthaft muss man sagen, dass das Chirurgenteam und das Personal des Klinikum Kassel hervorragende Arbeit geleistet hat, auch Ihnen gebührt mein Dank, ohne sie Tod. In der Hinsicht hatte ich wirklich Glück, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort die besten Ärzte hatte, bis auf den alten Herren aus der Notrufzentrale. Lag dann dort etwa 15 Tage im künstlichen Koma. Mein Sohn sagte mir dann irgendwann Mal, dass sie den Hahn für die Sedierung zugedreht haben, um mir in die Augen zu sehen. Ob ich vielleicht durch Sauerstoffmangel einen an der Waffel habe, bzw. ob ich noch schlafe? als Sie gesehen habe dass das nicht der Fall war, haben Sie dann den Hahn wieder aufgedreht und mich in Ruhe weiter schlafen lassen. Anmerkung, sollten Sie mal zu einer geplanten OP müssen, kaufen sie sich im Fachhandel Lebensmittelfarbe, oder einen Marker, markieren Sie die zu operierende Stelle mit einem Kreis und zusätzlich mit auffälligen Pfeilen, die auf die zu operierenden Stelle verweisen. Wenn man ganz auf Nummer sicher gehen möchte kann man auch noch den letzten Befund z.B. aufs Bein, oder andere Körperstellen Schreiben, manche Ärzte haben so ihre Probleme mit rechts oder links, oder sind so von der Rolle, dass sie Röntgenbilder falschherum betrachten. Das Klinikum hat dann, weil keine Angehörigen auffindbar waren, die Polizei nachts zu mir nach Hause geschickt, die Nachbarn befragen, ob bekannt ist wo eventuell Angehörige aufzutreiben sind. Einige wurden dann auch unsanft aus dem Schlaf gerissen und auch noch von der Polizei mitten in der Nacht. Die Gesichter hätte ich zu gerne mal gesehen, die Begeisterung war sicher riesig. Bei einem hatten sie dann Glück, er wusste, dass mein Sohn in einem anderen Bundesland, weit weg von Kassel arbeitete. Sie haben dann dort angerufen, wo der Pförtner dann die Beine in die Hand genommen hatte und zur Wohnung meines Sohnes gelaufen ist, also ganz in der Nähe. Dort hat er ihm dann die Botschaft von der bevorstehenden Erbschaft verkündet. Zu diesem Zeitpunkt musste damit gerechnet werden, dass ich den Löffel abgebe. Worauf er sich dann auf den Weg Richtung Kassel begeben hat. Er sollte ja die Chance haben, mich noch mal lebend zu sehen, vielleicht auch noch kurz ansprechbar. So dass ich ihm eventuell noch die Zahlenkombination vom Tresor geben konnte. Aber wie sagte Luigi in seiner Werbung für eine beliebte Kaffeesorte immer „Isch abe gar keine Tresore„. Am nächsten Tag war dann wieder Karneval angesagt, meine Ex Frau, sehr gläubig, sehr katholisch, kam dann sogleich mit einem Priester ins Krankenhaus, der mir die letzte Ölung verpassen sollte. War schon gespenstisch und hatte wohl meinen Sohn auch etwas geschockt, noch war ich ja nicht ganz Tod, nur ein bisschen, er hat den Priester dann zur Konkurrenz gejagt, zum Teufel samt seiner Flasche Sonnenblumenöl aus dem Supermarkt. Jetzt fehlte nur noch der Gefangenenchor von Nabucco und die Inszenierung wäre perfekt gewesen. Muss aber sagen, ich habe mit der Kirche absolut überhaupt nichts am Hut. Glaube an das was wissenschaftlich erwiesen ist und sonst nichts. Das was man Jesus, oder Gott nennt, das waren Gestalten die gut Geschichten erzählen konnten. So ähnlich wie die chinesischen Geschichtenerzähler das in den Wirtshäusern in China heute noch tun, respektiere aber jeden, der an etwas glaubt. Klar kommen dann immer wieder ein par Kasper, um dich zu fragen, ob du überhaupt an etwas glaubst. Klar glaube ich an Leben auf einem anderen Planeten, in den unendlichen Weiten des Weltraumes. Uns Menschen gibt es ja auch, also ist es doch auch sehr wahrscheinlich, dass es noch weiteres Leben irgendwo im All gibt. Nun zurück zum Thema, da hatte ich aber noch Glück, dass Sie nicht gleich einen faltbaren Klappsarg aus Pappe mitgebracht hatte. Kein Scherz sowas gibt es tatsächlich, ist ein Schweizer Patent, kosteten vor Jahren mal 295.-€ und war selbst bei uns bis 200 Kg zugelassen. Also liebe Leserinnen und Leser, einfach so einen Papp Sarg kaufen, zusammengeklappt passt er hinter jede Wohnzimmer Schrankwand, oder unters Bett, bei einem Doppelbett (Natürlich nicht Box Spring) bekommen Sie etwa 8 Stück drunter, vielleicht mal ein nettes Geburtstagsgeschenk. Wird dann bei Bedarf wie ein Karton von der Post zusammengebastelt und fertig ist die Laube. So haben sie dann eine Inflationsfreie Anlage und sogar steuerfrei, also keine Einkommenssteuer, vielleicht mal eine neue Geschäftsidee, statt Aktien oder Investmentfonds mal in Pappsärge investieren. Da ihr diese ja dann dauerhaft besitzt, fällt auch keine Abgeltungssteuer an. Wie heißt es so schön in der Werbung für ein Schweitzer Bollchen, „ Wer hat es erfunden„ nein ausnahmsweise mal nicht der bekannte Bollchenhersteller. Mein Intensivzimmer sah zwar aus, als ob Weihnachten ist, links und rechts einen Weihnachtsbaum mit grünen Perfusoren, Schläuche und Kabel wohin das Auge (nicht meines) blickte. Musste wohl gespenstisch ausgesehen haben, wie bei einem Testlauf von Frankenstein, habe das nur durch Erzählungen mitbekommen. Als ich dann in der fremden Stadt nach Wochen wieder aus dem Koma aufgewacht bin konnte ich mich nicht mehr bewegen, nicht mehr sprechen. Nicht mal mehr den Mund aufmachen und eine kleine retrograde Amnesie, also so einen kleinen Schatten hatte ich auch noch. Konnte mich an viele Sachen nicht mehr erinnern, was sich jedoch nach und nach wieder gegeben hat. Wieder Schläuche in mir bis zum Abwinken, anstatt lecker Schnitzel und Rouladen gab es eine Pipeline in meinen Magen, da hatte ich im wahrsten Wort, die Nase voll, da die Magensonde über die Nase gelegt wird. künstliche Ernährung, na ja Begeisterung kam da bei mir nicht gerade auf. Vor meinem Bett stand dann der nächste Schock, ein Riesenkasten in Blau, auch liebevoll „Big Blue„ genannt, mit zwei Schläuchen, die sich in meiner Bauchdecke befanden. Der erste Gedanke der mir durch den Kopf schoss, wie geht man mit solch einem Monstrum spazieren und wie komme ich damit Zuhause drei Stockwerke hoch, zumal mir nicht mal klar war, wozu der Kasten überhaupt dienen sollte. Irgendwann hab Ich es dann rausbekommen, das die mir mein schönes eigenes Herz raugeschnitzt hatten und ein totales Kunstherz eingebaut hatten, wusste ja bis dato nicht mal, dass es sowas überhaupt gab. Ich hatte ja nie Medizin studiert, wollte ich ja auch gar nicht. Das wurde mir dann erst klar, als ich eines nachts unbeabsichtigt auf den Schläuchen lag, was zur Folge hatte, das keine Luft mehr in das Kunstherz gepumpt wurde, ich sofort Atemnot bekam und fast erstickt bin. War mir sicher, dass mein Ende in Sicht war und der Sensenmann doch noch zu seinem Erfolg kommen sollte. Was mich jedoch stutzig gemacht hatte war, dass ich keinen Tunnel sah mit gleisendem Licht, wo ich drin verschwinden sollte und auch der Film des Lebens lief nicht ab, so wie man es aus Berichten von Patienten mit Nahtoderlebnissen immer mal gehört hatte. Hatte Mal bei den Bad Hersfelder Festspielen eine grandiose Aufführung gesehen „Jesus Christ Superstar“ dort war solch ein Lichttunnel projiziert worden. So stellte ich mir immer die letzten Sekunden im Leben vor. Es war schon komisch das man im Angesicht des Todes noch so rational denken kann. Da ich an allen möglichen Monitoren hing, kam sofort ein Pfleger angeschossen und hat die Schläuche wieder unter mir rausgezogen, Sekunden später war wieder alles in Ordnung. Später hab ich dann erfahren, dass man versucht hatte mein Herz drin zu lassen und ein Linksherz-Unterstützungssystem anzubauen, da werden zwei Löcher ins Herz gestanzt und Schläuche angenäht, was jedoch auch in die Hose ging. Einer der Koordinatoren meinte Zitat Originalton West „Mein Herz wäre wie ein 14 Tage altes Schnitzel gewesen, wo keine Naht mehr gehalten hat“. Also hat man halt diese Idee fallen lassen, hat mich dann drei Tage mit offenem Brustkorb auf der Intensivstation liegen lassen, damit der Brustraum etwas abheilen konnte. Hab mir dann gedacht, die hätten mich doch tagsüber in die Eingangshalle schieben können, so als Spendenbüchse. Hätte eine Menge reingepasst, auch Scheine, der Schlitz war ja groß genug. Im Folgenden wurde mir dann ein totales Kunstherz eingebaut, Plastik. Die externe Einheit von Cardio West Typ „Excor „ funktionierte einwandfrei (Siehe letzte Bilder). Da lief ich dann nun mit einem Wägelchen durch die Gegend, wie Nick Napp, lustig. Der Sensenmann war stinksauer, wieder keinen Abschluss gemacht und er brauchte ja die Kohle immer noch für seinen Zahnarzt, für die Dritten, Pech! Wie schon erwähnt, als ich dann nach einigen Wochen aufwachte, war mein erster Gedanke, irgendetwas muss wohl ganz und gar schief gelaufen zu sein. Das schwirrte mir dann vielleicht so fünf Minuten im Kopf rum, dann hab ich mir gesagt, gut es ist passiert, dumm gelaufen, da muss ich durch, positiv denken. Alles andere bringt nichts, sonst komme ich aus der Nummer nicht wieder raus. Irgendwann kamen dann mein Sohn und mein Bruder samt Familie zu Besuch, kommen ins Intensivzimmer und gehen an mir vorbei und gehen wieder raus. Ich staunte nicht schlecht, hatten die mich tatsächlich nicht wiedererkannt, oder wollten die mich vielleicht gar nicht mehr kennen. Da Ich nicht mehr sprechen konnte und auch nicht mal die Finger heben konnte, war es unmöglich mich bemerkbar zu machen. Dann kam eine Pflegerin samt meiner Familie wieder rein, da liegt doch Ihr Vater/Bruder, Schwager! Was war geschehen, sie hatten mich nicht erkannt, wahrscheinlich hätte ich mich selbst nicht wieder erkannt. Schneeweiße Haare, lange Haare, bis über die Schulter. Das Gesicht schmal, eingefallen, ich hätte auch als Gespenst auf einer Geisterbahn arbeiten können. Eingefallene Augen, weinrot, blau unterlaufen, sah aus wie geschminkt für einen Horrorfilm, dann fehlten halt durch das Koma auch viele Kilos, war dünn wie Spargel Tarzan. Wenn man mich an die Wand gestellt hätte, dann hätten sie mich festnageln müssen, oder mit Tesa Strips fixieren müssen, sonst wäre ich wohl umgefallen. Nun Friede Freude Eierkuchen, ich war am Leben, alle freuten sich und es sah so aus, als ob ich es noch Mal par Tage lang machen würde. Irgendwann, als ich wieder etwas flüstern konnte, kam eine Schwester zu mir und fragte mich, ob ich meine Haare mal gewaschen haben möchte, das war schon wie ein unsittliches Angebot, der Höhepunkt des ganzen Aufenthaltes, hatte ja seit Monaten keine Haare mehr gewaschen. Das juckt dann, allein der Gedanke, Monate ohne Haare waschen, war schon etwas ekelig, man konnte das Kleben der Haare regelrecht spüren. Ich konnte mir sowas gar nicht vorstellen, wenn man immer großen Wert auf Hygiene und gepflegtes Auftreten gelegt hatte, im Alltag mit Anzug und Krawatte lief und dann aber wie in Lumpen da lag, weißes lange Kleidchen an, Horror. Ich habe der netten Schwester dann nur durch Augen rollen zu verstehen gegeben, dass das eine super Idee ist. Sie lief dann raus und kam mit einem blauen Müllsack zurück, hatte sie es sich jetzt anders überlegt und wollte mich doch eintüten und zum Sperrmüll stellen, Scherz. Aber man lernt immer noch dazu, dass man einen stabilen Müllsack, nicht nur für den Müll nutzen kann. Sie hat den Müllsack dann zusammengerollt und mir unter den Kopf geschoben, damit wurde das Wasser aufgefangen. Dann kam der erste große Messbecher warmes Wasser und Shampoo, es war wie Weihnachten und Ostern zusammen, als es über meinen Kopf lief, ein wohliges Gefühl. Das hat sie dann ein par Mal wiederholt, einfach super, dann mit einem Föhn getrocknet. Sie machte mir dann Zeichen, ob ich denn mal in einen Spiegel schauen möchte. Hab lange überlegt, ob ich das tolle Angebot annehmen sollte, oder doch lieber nicht, aber ich war mutig und hab nur ja genickt. Sie kam dann auch prompt mit so einem Spiegel, wie ihn Friseusen nutzen zurück, als ich mich dann im Spiegel sah, war mir nicht ganz klar, ob die da ein Bild von Jesus draufgeklebt hatten, so als Schocktherapie. Ich hatte, wie schon oben beschreiben, lange Weise Haare, sah aus wie Jesus, Gesicht ganz schmal, die Augenhöhlen eingefallen und so eigenartig Rot, Rosa, Lila unterlaufen, sah gespenstisch aus, so wie mich meine Angehörigen vorher gesehen hatten. Hab das erste Mal im Leben wirklich einen Schrecken bekommen. so etwa wie in alten schwarz Weis Filmen aus den Fünfzigern, wo die Frisuren selbst bei Orkanstärke sich nicht bewegten und vor lauter Pomade in der Sonne glänzten, das man fast erblindete. Aber meine Hände und Füße taten nicht weh, war ein gutes Zeichen, also hatte mich doch keiner ans Kreuz genagelt, dem zufolge war ich nicht Jesus. Na ja irgendwann haben sie mir dann die Magensonde rausgezogen, bissel unangenehm, aber war ja wieder ein kleiner Fortschritt, habe dann in der ersten Zeit Joghurt gegessen, feste Nahrung, die man kauen musste ging gar nicht. Den Joghurt wollte ich eigentlich auch nicht haben, hatte keinen Appetit, aber der Pfleger aus dem Morgenland wollte ihn mir unbedingt reinschieben, sowie man Gänse mästet. Die behandeln einen als ob man nicht mehr alle Kugeln am Christbaum hat, er kam dann an, ein Löffelchen für Papi, ein Löffelchen für Mami, hab dann geflüstert, das die aber beide schon verstorben sind und ich die Löffelchen deshalb gar nicht mehr essen musste, irgendwie hat es Ihm die Sprache verschlagen. So ging es dann Tag für Tag, immer das gleiche dumme Spiel, aber man muss sagen, er hatte Ausdauer und ja letztendlich auch Recht, ich musste essen, um wieder zu Kräften zu kommen. Dann kam die nächste Aktion, das erste Mal nach Monaten im Koma aufstehen, ging gerade nochmal gut, die Kauleiste war nicht gebrochen. Da haben mich drei Schwestern kurz vorm Aufschlagen auf den harten Boden aufgefangen. Durch die lange Zeit im Koma war natürlich de Muskulatur weg, was mir aber nicht bewusst war, woher auch. Hätte glatt Modeln können, so wie die Hungerhaken auf dem Laufsteg. Durch die Koma Zeit hatte ich 27 Kg Gewicht verloren von ursprünglich 88 Kg und einer Größe von 196 cm, das war mal ein BMI. Sie holten dann so einen Riesen Rollator, wo man fast drin stehen konnte, meine Herren, die barmherzigen Schwestern vom Orden der Gelbkittel hatten Mühe mich da reinzubekommen. Bin dann vielleicht so 20 Meter gelaufen, aber dann war Ende im Gelände, nichts ging mehr. Irgendwann ging es dann immer ein bisschen mehr, wenn man im vorherigen Leben immer sehr aktiv war und dann Monate nichts. Das durch das Koma als erstes die Muskulatur verschwindet, das war mir natürlich nicht klar, woher auch. Man muss schon sehr sehr sehr viel Geduld aufbringen, um aus der Nummer wieder rauszukommen, ohne durchzudrehen. Es gab aber auch kleine Lichtblicke und nette Schwestern auf dieser Intensivstation. Nach Monaten nur mit geschmacklosem Tee und Wasser und Flüssigkeit und Nahrung aus der Pipeline, was ich nun wirklich gar nicht ausstehen kann, hat man Sehnsucht nach einer schönen kalten Cola. Eine Schwester kam mal und fragte ob ich denn mal Lust auf irgendetwas hab, na klar, aber das konnte ich Ihr ja schlecht sagen auf was ich Lust habe und hab mich dann entschieden Ihr zu sagen, dass ich gerne mal eine Cola trinken würde. Ich dachte, jetzt wird Sie Dich gleich mit der Bettpfanne an die Wand nageln nein nichts davon, ist ins Schwesternzimmer gelaufen und hat mir eine Cola aus Ihrem eigenen Bestand geholt. Das kann sich ein gesunder Mensch gar nicht vorstellen, ist als ob Ostern und Weihnachten auf einen Tag gefallen sind, es sind manchmal Kleinigkeiten die man genießt.
Koma Träume
Seien Sie nicht beunruhigt darüber, wenn sie aus dem Koma, oder der Narkose aufwachen und sich an die Träume und Alpträume erinnern. Sie sind kein Fall für den Psychiater geworden, die Geschlossene bleibt Ihnen erspart, Sie haben noch alle Tassen im Schrank. Nach vielen Gesprächen mit anderen Patienten, die mir alle das gleiche berichteten, ist es normal, dass man die unmöglichsten Träume hat. Deshalb durfte ich auch später nach Hause gehen und wurde nicht in die Klapse verfrachtet. Als ich im Koma lag hatte ich die unmöglichsten Träume, die sich immer und immer wieder wiederholten, wie in einer Endlosschleife, als ob einer den DVD Player auf repeat geschaltet hatte. Ein Beispiel, meine Nachbarin hatte im wirklichen Leben einen Lebensgefährten, welcher aber verstorben war und sie hatte eine Ferienwohnung in Österreich. Ich selbst bin leidenschaftlicher Flieger und habe mehrere Pilotenscheine und Ratings aus aller Welt, bin viel in Lateinamerika und den USA geflogen. Im Traum war die Ferienwohnung aber auf Helgoland, direkt am Strand. Aber auf der Hauptinsel gab es nur wenig Strand. Die meisten Ferienwohnungen waren auf der Hauptinsel und auf dem Oberland. Bei mir war aber ihre Ferienwohnung auf dem Unterland. Bin von Kassel aus mit einer zweimotorigen Rockwell Commander 690A (mein Lieblingsflugzeug, hatte den Typ aber nie geflogen) dorthin geflogen und im Tiefflug an der Ferienwohnung vorbeigebrettert und bin dann dort gleich gelandet. Was in der Realität aber gar nicht möglich ist, da der Flugplatz auf Helgoland Düne ist und die Landebahn für den Vogel zu kurz ist. Wurde dann freundlich von meiner Nachbarin und Ihrem Lebensgefährten empfangen, welcher Tage später dann auch im Traum verstarb. Die Komaträume waren alle sehr bizarr, hatten aber meist doch in irgendeiner Art und Weise einen Bezug zum richtigen Leben, nur halt örtlich und zeitlich versetzt. In einem anderen Traum war ich in Schweden an einem großen See, als Hubschrauberpilot eines Rettungshubschraubers. War aber eine einsame Gegend, da hätte ich vielleicht ein paar Elche retten können, was aber nicht ging, da die nicht krankenversichert waren, eine Platin Kreditkarte hatten die sicher auch nicht dabei. Der Hubschrauber-Landeplatz war auf dem See, auf einer Holzplattform und die Rettungs-Leitstelle an Land mit genügend Platz für einen Hubschrauber. Das einzige was an dem Traum stimmte war die Tatsache, dass ich in Schweden schon immer mal Urlaub machen wollte, das Land fasziniert mich noch heute. Es wäre jetzt zu ausführlich alle Komaträume niederzuschreiben, kann mich aber an alle noch genau erinnern, habe aber auch mit vielen anderen Patienten gesprochen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Das hat mich dann doch beruhigt, dachte schon ich hätte nicht mehr alle Latten am Zaun. Ein Traum handelte vom Islam, dass der Islam die Welt beherrscht. Irgendwie war ich mit meiner Mutter in einem muslemischen Land, wo es recht fürchterlich war und wir fliehen wollten. Beim ersten Versuch mit dem Flugzeug auszureisen, hatten die Islamisten uns erwischt, beim zweiten Versuch hatte es dann geklappt. Wir hatten uns als blinde Passagiere ins Flugzeug geschlichen und waren entkommen. Dies war wohl der beängstigendste Traum, der sich auch ständig wiederholte. Meist kommt es auch nach dem Aufwachen aus einer langen Komaphase zu einer retrograden Amnesie, die aber nach und nach wieder verschwindet. Es kommen immer wieder kleine Denkanstöße und dadurch kommt dann auch die Erinnerung langsam wieder zurück. Das einzige was mir aufgefallen war, ich hätte nach dem Aufwachen sofort eine komplexe Flugplanung erstellen können, mit Beladung, Treibstoff und Navigationsberechnung. Alles was mit der Fliegerei zu tun hat, Fachwissen, Formeln etc. war alles ganz klar vorhanden. Der einzige Traum, wo ich mir nicht ganz sicher war, ob es ein Traum war oder Realität, war mein Aufwachen während der Entnahme meines Herzens, also die Explantation. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Patienten während Operationen kurz wieder aufwachen, Narkosen lassen sich manchmal nicht 100 Prozent richtig berechnen, das hatte ich auch von anderen schon öfter gehört. Jedenfalls wachte ich wohl auf und sah wie über mir das Op Team an mir am Arbeiten war. Das war nur ein kurzer Moment, worauf der Narkosearzt wohl sofort die Sedierung erhöhte. Obwohl das nur ein kurzer Moment war, so wurde auch dieser (wahrscheinlich nicht) Traum ständig widerholt.
Nach einigen Wochen wurde ich dann auf die Normalstation verlegt, wusste immer noch nicht genau, wo ich eigentlich war. Dort war es dann schon etwas angenehmer, konnte aber immer noch nicht richtig laufen und sprechen. Mein erster Zimmernachbar hatte schon Erfahrung mit dem Krankenhaus und sich schon auf die Delikatessen in diesen Gourmettempeln eingerichtet, sprich Salz, Maggi und andere Gewürze mitgebracht unter anderem Pfeffer, da stand drauf schwarz gemahlen, nur gut dass die Steuerfahndung das nicht gesehen hat, also soweit zur Ausrüstung meines Zimmernachbarn, gut gemacht! Das Essen im, oder in Krankenhäusern allgemein ist ja vergleichbar mit den Suppenküchen für Obdachlose obwohl es dort sicher meist besser schmeckte. Auch kam mir oft so der Gedanke, dass die Krankenhäuser die ganzen Hühner billig aufgekauft haben, zu Zeiten, wo die Hühner und Eier mit Dioxin, bzw. dieser Hühnergrippe belastet waren und Millionen der Flattermänner umgebracht wurde. Warum mir diese Gedanken kamen, na ja es gab in der Klinik und auch später in der Reha bald jeden Tag irgendwelche Gerichte mit Huhn. Da kommen einem schon Gedanken, von wegen, warum bekommen wir so viel totes Huhn zu essen. Hatten die mal wieder auf dem Restpostenbasar günstig größere Mengen erstanden? Bei den Portionsgrößen, dachte ich immer die hätten, die Essenskarren vertauscht, unsere müssten eigentlich für die Kinderstation sein. Von den Mahlzeiten hätten vielleicht die Kolibris satt werden können, aber kein Mensch mit 196 cm Größe. Wenn’s mal Fleisch gab, dann eine Scheibe mit so etwa 5 mm Stärke und vielleicht zehn cm² Größe, wer sollte davon satt werden? Die Soßen die es dazu gab, waren immer die gleichen, das Krankenhaus hat die wohl in "Barrel" Mengen gekauft, also 159 Liter je Fass. Samstags war immer Suppenkaspertag, Lecker, wo ich doch so auf Suppen stehe, hab dann meist nur den Nachtisch gegessen. Über den Krankenhauskaffee dürfte man ja eigentlich gar nicht nachdenken, der ist ja schlimmer, als eine OP am offenen Herzen. Bei der Brühe hat man vermutlich 30 Liter Wasser auf 2 schwach gehäufte Teelöffel Kaffee gemischt. Wahrscheinlich wurde das Wasser noch aus den Geschirrspülmaschinen genommen. Der nächste, der mich dann als Zimmernachbar begleitet hatte, war leider nicht sehr gesprächig, Türkisch Airlines Mann, seit Ewigkeiten im Land, aber kaum ein Wort Deutsch auf der Pfanne. War etwas älter und immer mit viel Besuch, wobei das nur Ayshe, seine Frau war und seine Kinder. Ayshe war klein und hager, immer Kopftuch bis kurz über die Augen gezogen, sah lustig aus. Hatte eine Brille auf, mit Gläsern wie Schaufenster, so im Stil Erich Honecker Gedächtnisbrille aus dem VEB Kombinat Fensterglas. Das Doppelzimmer war winzig, so etwa wie eine Zelle in Guantanamo. Wenn er Besuch hatte waren teilweise bis zu 12 Besucher im Zimmer einschließlich Kleinkinder und wir beide natürlich. Sauerstoffgehalt war wahrscheinlich nach zehn Minuten nicht mehr messbar im Zimmer. Irgendwann nach Tagen kam zufällig der Oberarzt rein und hat den größten Teil der Besucher rausgeworfen und sie gebeten, doch immer nur in kleinen Grüppchen abwechselnd ins Zimmer zu kommen, es wäre eine Zumutung für den anderen Patienten, also mich.
