Der Inquisitor - Wolfgang Hohlbein - E-Book

Der Inquisitor E-Book

Wolfgang Hohlbein

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Beschreibung

Deutschland im finsteren Mittelalter: Der Inquisitor Tobias wird in eine entlegene Stadt im Norden des Reiches gerufen. Schreckliche Dinge geschehen in Buchenfeld - das Korn verfault, das Wasser ist vergiftet, und Kinder kommen mit Missbildungen auf die Welt. Das Volk glaubt zu wissen, wer die Schuld an allem Leid trägt: Katrin, die Frau des Apothekers. Nur zögernd nimmt Tobias die Untersuchungen auf, denn er kennt die angebliche Hexe - und hat sie einst geliebt ...

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Wolfgang Hohlbein

DerInquisitor

Roman

Lübbe Digital

November 2010

Vollständige eBook-Ausgabedes in der Bastei Lübbe GmbH & Co. KGerschienenen Werkes

Lübbe Digital in der Bastei Lübbe GmbH & Co. KG

Originalausgabe

Copyright © 2010 by

Bastei Lübbe GmbH & Co. KG, Köln

Datenkonvertierung eBook:

hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-8387-0610-8

Sie finden uns im Internet unterwww.lubbe.deBitte beachten Sie auch: www.lesejury.de

1. KAPITEL

Er hatte drei Tage gebraucht für den Weg von Lübeck bis Buchenfeld – zwei weniger, als er veranschlagt hatte, denn recht häufig war er von freundlichen Menschen mitgenommen worden; von Fall zu Fall auf einem Fuhrwerk oder auf der gepolsterten Bank einer Kutsche – einmal sogar auf einem Ochsen, der die Gestalt in der Kutte misstrauisch aus seinen dunklen Augen gemustert hatte. Tobias mochte keine gehörnten Wesen, und dass er ein gebildeter Mann war und sich zeit seines Lebens einzureden versucht hatte, diese Aversion sei nichts als Aberglaube, hatte an dieser Abneigung nichts geändert. Ganz im Gegenteil wurde sie schlimmer, je älter er wurde. Manchmal ertappte er sich dabei, ganz instinktiv im Schritt zu verharren, wenn er nur eine Ziege sah oder eine harmlose Kuh.

Aber der Ochse hatte ihn weder abgeworfen, um ihn zu Tode zu trampeln, noch ihn mit seinen langen gebogenen Hörnern aufgespießt, stattdessen war Tobias wieder ein Stück des Weges auf recht bequeme Art und Weise vorangekommen.

Überhaupt konnte sich Pater Tobias nicht über sein Schicksal beklagen, seit er das Dominikanerkloster in Lübeck verlassen hatte.

Er hatte die Heerstraße genommen, so war er vielen Menschen begegnet und nicht in die Verlegenheit gekommen, auch nur eine Nacht unter freiem Himmel zu verbringen. Nur ein einziges Mal war er von schlechtem Wetter überrascht worden, und selbst da hatte er bei einfachen, aber freundlichen Leuten Unterschlupf gefunden, noch ehe der strömende Regen seine Kutte ganz durchnässen konnte.

Zum Glück war er auch von Räubern und Ketzern verschont geblieben. Zugegeben, er hatte ein wenig nachgeholfen, indem er bestimmte Orte nicht aufsuchte und manchmal den einen oder anderen Blick nicht registrierte oder beim Anblick einer zerlumpten Gestalt ein wenig rascher voranschritt. Der geheime Fluch seiner Kutte, deren Anblick die Menschen meistens dazu brachte, sich an all ihren Schmerz und alle erlittene Unbill zu erinnern, war zumindest auf dieser Reise an ihm vorübergegangen. Einmal hatte er eine Teufelsaustreibung ausgeführt, aber der Besessene war kein schwerer Fall gewesen: ein neugeborener Knabe, dessen Seele nur vorbeugenden Schutzes bedurfte, niemand, der wirklich vom Teufel besessen war.

Nur ein einziges Mal hatte er Angst verspürt – als er nicht der Straße folgte, sondern einen Pfad durch den Eichenwald nahm. Tobias hatte eine Menge über diesen Wald gehört, der ein Stück südlich von Lüneburg begann. Dämonen sollten darin wohnen und Teufel, Hexen ihr Unwesen treiben und Irrlichter den unvorsichtigen Wanderer des Nachts im Kreis führen, bis er vor Erschöpfung zusammenbrach. Er glaubte wenig von alledem. So hatte er dann, nachdem er das geschäftige Lüneburg hinter sich gelassen hatte, einen letzten Blick auf seinen Schatten geworfen und war aus purer Neugier geradewegs in den Wald hineinmarschiert.

Nicht lange darauf hatte er diesen Entschluss bereits bitter bereut. Pater Tobias glaubte nicht an Dämonen und Teufel – nicht in der Art, in der es das einfache Volk tat. Aber in diesem Wald hatte er sie kennen gelernt. Unter den Kronen der uralten Eichen – einige davon mochten älter sein als die Stadt, aus deren Mauern er vor drei Tagen losgewandert war – wurde es niemals richtig Tag, sodass es nur wenig Unterholz gab: einige Farne, bleiches Moos und Pilze, die sein kundiges Auge fast allesamt als giftig erkannte. Wie er gehofft hatte, kam er im Inneren des Waldes rascher und bequemer voran als auf der Straße. Die Bresche, die Menschenhand in den Forst geschlagen hatte, hatte auch der lebensspendenden Kraft der Sonne den Weg geebnet, sodass Unkraut und Dornen rechts und links des Weges wucherten und nur zu oft grüne Ranken wie Fallstricke in die Spur hineinragten, was ihn zwang, fast ununterbrochen mit gesenktem Haupt zu marschieren, um nicht zu stolpern. Außerdem brannte im dichten Wald die Sonne hier nicht so unerbittlich vom Himmel.

Und trotzdem …

Zuerst war es nur ein Gefühl, ein schwer zu greifendes Unbehagen, wie die Berührung einer fremden Hand, die unangenehm war, ohne dass man sagen konnte, warum. Es war kühl im Wald. Die ewige Dämmerung und die tiefe Stille, die Stämme der uralten Eichen, manche so mächtig, dass drei Männer sie mit ausgestreckten Armen nicht hätten umfassen können, und ihre mächtigen Kronen, die sich über seinem Kopf zu einem Dach vereinigten – alles ließ ihn spüren, wie schön und zugleich rätselhaft Gottes Schöpfung war.

Aus einem Grund, den er nicht benennen konnte, erinnerte ihn diese stille, große Welt an eine Kathedrale, und aus einem Grund, den er noch viel weniger verstand, machte sie ihm Angst. Dies war kein andächtiger Ort. Kein Platz des Gebets, sondern ein Reich ewiger Kälte und Finsternis, in dem giftige Pilze wuchsen und wo sich giftiges Getier herumtrieb, Schlangen, vielleicht Spinnen oder andere, namenlose Dinge. Dinge mit Hörnern.

Und bei Gott – es musste Dämonen an einem solchen Ort geben.

Erst später, nach Stunden, als er schweißgebadet und zitternd (wie er sich einredete, vor Kälte, in Wahrheit aber vor Angst) wieder aus dem Wald heraustrat und die Sonne langsam hinter den Horizont sank, hatte er begriffen, dass er ihnen begegnet war in der schweigenden Unendlichkeit des Eichenwaldes. Sie waren überall. Sie flüsterten im Rauschen der Blätter über seinem Kopf, ihre Stimmen kicherten im Knistern seiner Schritte auf dem Boden, sie zerrten an seinen Gedanken und begannen ihm Dinge vorzugaukeln, die nicht existierten. O ja, er hatte verstanden, warum die Menschen diesen Wald fürchteten. Er hatte begonnen, ihn selbst zu fürchten, und diese Furcht war in eine wilde, panische Angst umgeschlagen, als er den Hexenkreis fand.

Es war nicht der erste seiner Art, den Pater Tobias sah. Es war nicht einmal der größte. Aber etwas an ihm war … unheimlich. Anders als an allen anderen, die er je zu Gesicht bekommen – und oft genug zerstört hatte.

Er war seit gut zwei Stunden unterwegs, und sein Unbehagen war längst zu nagender Furcht geworden, die selbst die Gebete, die er unentwegt vor sich hinmurmelte, nicht mehr völlig im Zaum zu halten vermochten. Zu dem Schaudern, das ihm das Zwielicht und die Kälte bereiteten, war die ganz und gar weltliche Angst gekommen, sich zu verirren, denn der Wald wurde immer dichter, sodass er nur zu oft die Sonne nicht mehr sehen konnte und somit keine Möglichkeit hatte zu sagen, ob er sich noch auf dem richtigen Weg befand. So war es nur natürlich, dass er seine Schritte beschleunigt hatte, als er endlich einen Flecken helleren Grüns in der dunklen Smaragdfarbe des Blätterhimmels weit vor sich gewahrte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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