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"Der letzte Traum" erzählt die Geschichte eines Menschen, der an einem Wendepunkt steht und zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankt. Gefangen in einer Welt aus Erinnerungen, Ängsten und unerfüllten Wünschen beginnt eine Reise nach innen – eine Reise voller innerer Kämpfe, Erkenntnisse und der Suche nach dem eigenen Licht. Der letzte Traum wird zu einem Symbol für Neubeginn: für die Kraft, loszulassen, zu heilen und trotz aller Dunkelheit wieder an sich selbst zu glauben.
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Seitenzahl: 75
Veröffentlichungsjahr: 2025
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🌙 Der letzte Traum
Erzählungen von Licht, Liebe und Erinnerung
von Paula Levendig
🌙 Vorwort
Es gibt Momente, die bleiben – leise und unscheinbar, verborgen zwischen all den lauten Tagen.
Manchmal sind es Erinnerungen, manchmal Träume, manchmal nur ein Gefühl, das wie ein Flüstern durch das Herz zieht.
Ich habe diese Geschichten geschrieben, weil ich an die Kraft des Augenblicks glaube.
An das, was bleibt, wenn alles andere vergeht.
An den letzten Traum, der uns begleitet, wenn die Zeit stillsteht.
Diese Erzählungen sind wie kleine Lichter in der Dunkelheit für alle, die lieben, hoffen, suchen und loslassen.
Mögen sie Trost spenden, berühren und erinnern, dass nichts wirklich endet, solange es in uns weiterlebt.
Paula Levendig
🕰️ 1. Der letzte Traum
Es war still im Zimmer. Nur das leise Ticken der Uhr füllte die Dunkelheit – gleichmäßig, geduldig, wie ein Herzschlag, der den Rhythmus des Lebens bewahrte.
Draußen fiel der Abend über die Stadt, und der Himmel färbte sich in jenes blasse Rosa, das den Übergang zwischen Tag und Nacht markiert.
Anna lag im Bett. Ihre Hände ruhten auf der Decke, als hielten sie etwas Unsichtbares fest vielleicht eine Erinnerung, vielleicht einen Gedanken, der nicht loslassen wollte.
Neben ihr stand das alte Fotoalbum. Das Leder war rissig, die Seiten leicht gewellt. Aufgeschlagen lag es bei einem Bild, das sie unzählige Male betrachtet hatte:
Ein Sommertag, eine Wiese, ein Mann mit lachenden Augen Paul.
Ein leises Lächeln huschte über Annas Gesicht. „So jung waren wir …“ flüsterte sie.
Dann schloss sie die Augen.
Das Ticken der Uhr wurde langsamer, und mit jedem Schlag verblasste die Gegenwart ein wenig mehr.
Die Dunkelheit wich einem warmen Licht.
Der Geruch von Heu und Sommerregen lag in der Luft.
Anna stand auf einer Wiese, barfuß, der Wind spielte mit ihrem Haar. Über ihr zogen Schwalben Kreise, und in der Ferne glitzerte ein See. Sie hörte das Lachen eines Mannes jenes Lachen, das sie all die Jahre vermisst hatte.
Paul.
Er stand dort, wie damals, als sie ihn das erste Mal gesehen hatte. Kein graues Haar, keine Müdigkeit in seinem Blick nur Wärme.
„Ich habe auf dich gewartet,“ sagte er leise.
Tränen füllten ihre Augen. „Ich wollte mich verabschieden, aber ich war zu feige.“
Paul trat näher, nahm ihre Hand. „Manche Abschiede brauchen Zeit, Anna. Du hast sie dir genommen. Jetzt bist du hier – und das reicht.“
Sie lächelte. „Ich habe dich nie vergessen.“
„Ich weiß.“
Sie gingen Hand in Hand durch das hohe Gras. Es roch nach Erde und Licht, nach Kindheit und Ewigkeit.
Der Himmel über ihnen leuchtete in goldenen Farben, und Anna spürte ein Gefühl, das sie längst verloren geglaubt hatte – Frieden.
Am Horizont öffnete sich ein Tor aus Licht, weit und sanft, wie der Anfang eines neuen Tages.
„Wenn ich gehe“, flüsterte sie, „vergisst du mich dann?“
Paul lächelte. „Nein. Ich bin dein letzter Traum. Und Träume vergisst man nie.“
Anna schloss die Augen.
Im Zimmer blieb die Uhr stehen.
Das Ticken verstummte.
Doch das Licht das blieb.
🕯️ 2. Das Licht im Fenster
Der Krieg hatte das Dorf in eine Stille gehüllt, die lauter war als jedes Donnern.
Die Straßen waren leer, die Fenster dunkel, die Türen verriegelt. Nur an einem Haus, am Ende des Weges, brannte jede Nacht ein Licht klein, golden, unbeirrbar.
Niemand wusste, wer es anzündete. Manche sagten, es sei ein Zeichen der Hoffnung. Andere flüsterten, es sei Wahnsinn, in Zeiten wie diesen ein Licht zu zeigen.
Aber das Licht blieb.
Die kleine Marla sah es jeden Abend von ihrem Versteck aus. Sie war acht Jahre alt und hatte gelernt, dass Dunkelheit sicherer war als Licht.
Doch dieses eine Fenster ließ sie träumen.
Sie stellte sich vor, dass hinter dem Schein jemand saß, der auf sie wartete – vielleicht eine Mutter, vielleicht nur ein Engel mit einer Kerze in der Hand.
Eines Nachts konnte sie die Neugier nicht mehr aushalten. Sie schlich hinaus, barfuß, den Mantel viel zu groß, die Kälte beißend. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen.
Das Licht flackerte, als würde es sie rufen.
Als sie das Haus erreichte, zögerte sie. Ihre Finger zitterten, als sie an die Tür klopfte.
Keine Antwort. Nur das Flackern.
Vorsichtig drückte sie die Klinke hinunter. Die Tür war nicht verschlossen.
Im Inneren roch es nach Wachs und alten Büchern. Auf dem Tisch stand eine Kerze – und daneben ein Bild: ein junger Mann in Uniform, lächelnd, stolz.
Daneben saß eine alte Frau mit grauem Haar, die Hände gefaltet, die Augen geschlossen.
„Ich wusste, dass jemand kommen würde“, sagte sie leise, ohne aufzusehen.
Marla erschrak. „Ich … ich wollte nur das Licht sehen.“
Die Frau lächelte. „Dann siehst du es jetzt. Es ist für die, die noch da sind – und für die, die gegangen sind.“
„Haben Sie keine Angst?“
„Angst? Nein.“ Die Frau sah zum Fenster. „Mein Sohn hat mir das Licht geschenkt, bevor er ging. Er sagte, wenn ich es brennen lasse, findet er den Weg nach Hause – egal, wie dunkel es wird.“
Marla trat näher. „Darf ich bleiben?“
„Ja, Kind“, sagte die Frau und nahm ihre Hand. „Bleib. Gemeinsam brennt das Licht heller.“
Und so saßen sie dort – die Alte und das Kind, vereint durch ein kleines Licht im Fenster.
Draußen herrschte Dunkelheit, aber über dem Haus leuchtete ein schwacher Schimmer in den Himmel. ☔ Regen über Berlin
Der Regen fiel in feinen Fäden vom grauen Himmel und zog silberne Linien über die Fensterscheiben.
Berlin war still geworden. Nur das Tropfen auf den Dächern und das entfernte Rauschen der Straßenbahn durchbrachen die Dämmerung.
Anna zog den Mantel enger um sich, als sie durch die Friedrichstraße ging. Sie hatte keinen Schirm, nur diesen alten Wollhut, der den Regen nicht mehr wirklich abhielt.
Ihr Ziel war das kleine Café an der Ecke – ein Ort, den sie seit Jahren nicht betreten hatte.
„Café Morgenlicht“, stand noch immer in verblassten Buchstaben über der Tür.
Der Name wirkte fast ironisch in dieser Stadt, die in Grau getaucht war.
Drinnen roch es nach Kaffee, nach Vanille und alten Zeiten. Der Raum war fast leer. Nur ein Mann saß am Fenster, eine Zeitung vor sich, den Blick verloren irgendwo im Regen draußen.
Anna bestellte einen Tee. Kamillentee, wie früher.
Als sie sich setzte, bemerkte sie, dass der Mann sie kurz ansah – nicht neugierig, sondern so, als würde er sich erinnern wollen, woher er sie kannte.
„Entschuldigen Sie,“ sagte er schließlich, „waren Sie früher öfter hier?“
Sie lächelte schwach. „Vor vielen Jahren. Damals war dieser Ort voller Leben.“
„Ja,“ antwortete er, „voller Stimmen, Lachen … und Zigarettenrauch.“
Er lächelte zurück. Es war ein müdes, ehrliches Lächeln.
Eine Weile schwiegen sie, hörten dem Regen zu.
Dann sagte er: „Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt noch hierherkomme.“
„Vielleicht, weil man sich irgendwo erinnern muss,“ sagte Anna leise.
Er nickte. „Ich habe meine Frau hier kennengelernt. Sie saß genau dort, wo Sie jetzt sitzen.“
Anna blickte auf die Tasse in ihren Händen. „Ich habe hier Abschied genommen. Von jemandem, den ich nie vergessen konnte.“
Draußen liefen die Tropfen wie Tränen an der Scheibe hinab. Drinnen saßen zwei Menschen, getrennt durch Schicksal, verbunden durch die gleiche Stille.
Nach einer Weile stand der Mann auf, legte ein paar Münzen auf den Tisch und zögerte.
„Wissen Sie … manchmal glaubt man, die Geschichte ist zu Ende. Und dann beginnt sie einfach neu – nur anders.“
Anna hob den Blick. „Manchmal reicht schon ein Regen, um Erinnerungen zu waschen.“
Er nickte, lächelte kurz und ging hinaus in den Regen.
Als die Tür sich schloss, blieb ein leiser Duft von Kaffee und Hoffnung zurück.
Anna sah ihm nach. Und für einen Moment, nur ganz kurz, schien der Himmel heller zu werden.
🌧️ Ende
🌠 Der gefallene Stern
Es war eine jener Nächte, in denen der Himmel brannte.
Tausend Sterne zogen glühende Spuren über das Firmament, und irgendwo in der Ferne hörte man das Meer rauschen, als wolle es die Sterne begrüßen, die in seine Tiefe fielen.
Mira stand barfuß auf der Klippe. Der Wind zerrte an ihrem Kleid, das Haar peitschte ihr ins Gesicht. Sie hatte den Wunsch gesprochen – denselben, den sie seit Jahren in sich trug.
„Nur einmal“, flüsterte sie, „möchte ich wissen, warum er ging.“
Dann fiel der Stern.
Er war größer als alle anderen, heller, fast wie ein Herz aus Licht, das vom Himmel stürzte. Er traf das Meer mit einem leisen, flammenden Laut, und für einen Moment war alles still.
Am nächsten Morgen fand Mira ihn am Strand.
Zwischen den Muscheln, halb im Sand vergraben, lag ein junger Mann. Nackt, bleich, und in seinem Haar glitzerte etwas, das wie Sternenstaub aussah.
Sein Atem ging flach. Als sie sich über ihn beugte, öffnete er die Augen – und in ihnen spiegelte sich der ganze Himmel.
„Wo bin ich?“ fragte er.
„Auf der Erde,“ antwortete Mira. „Und wer bist du?“
Er lächelte schwach. „Ich war ein Stern. Jetzt bin ich gefallen.“
Sie dachte zuerst, er scherze, doch als sie die Hand ausstreckte, fühlte sie die Hitze seiner Haut, das leise Pulsieren eines Lichts unter seiner Brust.
„Warum bist du gefallen?“ fragte sie.
