"Der Mensch ist haltbar" - Gustav Knuth - E-Book

"Der Mensch ist haltbar" E-Book

Gustav Knuth

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Beschreibung

Wenn eine Welt aus den Fugen gerät. Bericht eines prominenten Zeitzeugens über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg. In diesem Einzelbeitrag: Gustav Knuth.

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Seitenzahl: 33

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© für die Originalausgabe und das eBook: 2015 F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel

Satz und eBook-Produktion: EDV-Fotosatz Huber/Verlagsservice G. Pfeifer, Germering

ISBN 978-3-7766-8236-6

GUSTAV KNUTH

Gustav Knuth (* 7. Juli 1901 in Braunschweig, † 1. Februar 1987 in Küsnacht/Schweiz) war ein Menschendarsteller mit enormer Bandbreite. Dieser Schrank von einem Mann (1,86 Meter groß, meist über 200 Pfund schwer) spielte nicht, er lebte seine Rollen, wobei die Skala seiner Möglichkeiten gegen unendlich tendierte. Den Höhepunkt seiner Theaterkarriere erreichte er 1936, als Gustaf Gründgens ihn ans Preußische Staatstheater in Berlin holte. Dort glänzte er als Danton, Jago, Karl Moor, Marc Anton und Agamemnon. Aber die Zahl derer, die dort in den Genuss seines Könnens kamen, war naturgemäß begrenzt. Doch mit seinen rund 90 Kinofilmen und zuletzt auch noch im Fernsehen erfreute er Millionen Menschen.

»Der Mensch ist haltbar!«

Frühjahr 1974. Besuch bei Gustav Knuth und seiner Frau Titi in ihrem Haus in Küsnacht, Zumikerstraße 24, nur 20 Autominuten von Zürich entfernt. Der moderne Ziegelbau, umgeben von einem nicht allzu großen, pflegeleichten Garten, gehörte zuvor dem Direktor des Schauspielhauses Zürich, Dr. Oskar Wälterlin, der Knuth 1945 aus dem zerbombten Deutschland in die Schweiz geholt hatte.

Das Haus lag hoch am Hang bei Itschnach. Wenn Knuth aus dem Fenster seines Arbeitszimmers unterm Dachgiebel schaute, konnte er den Zürichsee in seiner ganzen Breite samt der sogenannten Goldküste überblicken. Auch Thomas Mann hat einst zu den berühmten Einwohnern Küsnachts gehört, einer der reichsten Gemeinden der wohlhabenden Schweiz.

»Ich bin als Braunschweiger einen weiten Weg gegangen, um hier oben anzukommen«, sagte Knuth. Heimweh plagte ihn nicht mehr. Nur nach Berlin zog es ihn immer wieder. Auch Elisabeth Lennartz, genannt »Titi«, seine innigst geliebte zweite Ehefrau, die in zwanglosen Gesprächen klanglich immer noch erkennen ließ, dass sie aus Hessen stammte, hatte in der Schweiz Wurzeln geschlagen. In ihrer Jugend war sie selbst eine erfolgreiche Schauspielerin gewesen, Hauptdarstellerin in den Uraufführungen von Carl Zuckmayers Lustspiel Der fröhliche Weinberg und seinem Seiltänzerstück Katharina Knie. Doch nach der Eheschließung mit ihrem Gustav spielte sie nur noch sporadisch, hielt lieber dem bienenfleißigen Gatten den Rücken frei.

Mit Romy Schneider in Sissi (1955)

© Privatarchiv Gustav Knuth

Knuth war bekanntlich ein begnadeter Erzähler, dessen humorvoller Anekdotenschatz unerschöpflich schien. »Aber ich bin nur gut bei mündlicher Überlieferung. Schreiben kann ich nicht«, befand er selbst. Als immer wieder Verlage an ihn herantraten, die seine Memoiren als Buch herausbringen wollten, fragte er mich, ob ich bereit wäre, seine Erzählungen schriftlich festzuhalten und in Form zu bringen. Damit stieß er bei mir auf offene Türen, denn ihm zuzuhören, war für mich immer schon reiner Genuss gewesen. So entstand das Buch Mit einem Lächeln im Knopfloch, das längst vergriffen ist und jüngeren Lesern unbekannt sein dürfte.

Gustav Knuth war als Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs ein so genauer Beobachter der damals herrschenden Verhältnisse und so nah am Geschehen im Kunstbetrieb unter dem politischen Diktat der Reichsführung, dass sein Bericht noch heute Wesentliches zum Verständnis der Nachwelt beitragen kann. Obwohl sich Teile seiner Schilderungen – so in dem Fall Joachim Gottschalk – mit den Erinnerungen René Deltgens überschneiden, sie jedoch dabei auch positiv ergänzen, will ich sie nicht außer Acht lassen, sondern am Schluss dieses Buches als letzte Stimme im Chor der Zeitzeugen einfügen.

Viele, viele Stunden hat Gustav Knuth in seinem Arbeitszimmer bei laufendem Tonband seine beruflichen und privaten Erlebnisse vor mir ausgebreitet. Wir haben gelacht, aber manchmal auch vor Erschütterung eine Pause einlegen müssen. Dabei haben uns viele seiner längst verstorbenen Freunde und Kollegen über die Schulter geschaut. Knuth hatte nämlich die Wände seines Arbeitszimmers mit ihren Fotos förmlich tapeziert. Alle waren da versammelt, die zum Beispiel gemeinsam mit ihm am Preußischen Staatstheater am Berliner Gendarmenmarkt aufgetreten sind, darunter die Größten ihrer Zeit: Käthe Dorsch, Mathias Wieman, Marianne Hoppe, Elisabeth Flickenschildt, Theo Lingen, Victor de Kowa, Heinz Rühmann, Käthe Gold, um nur einige zu nennen, sowie natürlich der Boss des Ganzen, Gustaf Gründgens.