Der Notarzt 358 - Arztroman - Karin Graf - E-Book

Der Notarzt 358 - Arztroman E-Book

Karin Graf

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Beschreibung

Was wir geben müssen Eine dramatische OP verlangt den Ärzten alles ab Karin Graf Als die junge Hebammenschülerin Celina auf den Monitor des Ultraschallgerätes blickt, muss sie sich beherrschen, um nicht einen erschrockenen Schrei auszustoßen. Krampfhaft bemüht sie sich um ein breites Lächeln. Die werdende Mutter soll auf keinen Fall bemerken, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Wenn sie die Wahrheit erfährt, wird sie nur in Panik verfallen oder einen Schock erleiden, und so kurz vor der Geburt muss das unbedingt vermieden werden. Unter einem Vorwand lässt Celina die Schwangere für einen Moment allein. Sie muss so schnell wie möglich die leitende Gynäkologin aufsuchen und ihr berichten, was sie Unglaubliches entdeckt hat. So etwas hat sicher auch ihre erfahrene Kollegin noch nie gesehen. Denn das, was die Ultraschalluntersuchung gezeigt hat, gibt es nur höchst selten - und kein Mediziner wünscht sich, so etwas jemals zu Gesicht zu bekommen. Innerhalb kürzester Zeit sind auch Notarzt Peter Kersten und sein Team informiert. Den Ärzten ist klar: Die Schwangere muss auf der Stelle operiert werden, und diese OP wird etwas sein, was es an der Frankfurter Sauerbruch-Klinik noch nicht gegeben hat ...

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Seitenzahl: 118

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Inhalt

Cover

Impressum

Was wir geben müssen

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Gorodenkoff / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-8965-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Was wir geben müssen

Eine dramatische OP verlangt den Ärzten alles ab

Karin Graf

Als die junge Hebammenschülerin Celina auf den Monitor des Ultraschallgerätes blickt, muss sie sich beherrschen, um nicht einen erschrockenen Schrei auszustoßen. Krampfhaft bemüht sie sich um ein breites Lächeln. Die werdende Mutter soll auf keinen Fall bemerken, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Wenn sie die Wahrheit erfährt, wird sie nur in Panik verfallen oder einen Schock erleiden, und so kurz vor der Geburt muss das unbedingt vermieden werden.

Unter einem Vorwand lässt Celina die Schwangere für einen Moment allein. Sie muss so schnell wie möglich die leitende Gynäkologin aufsuchen und ihr berichten, was sie Unglaubliches entdeckt hat. So etwas hat sicher auch ihre erfahrene Kollegin noch nie gesehen. Denn das, was die Ultraschalluntersuchung gezeigt hat, gibt es nur höchst selten – und kein Mediziner wünscht sich, so etwas jemals zu Gesicht zu bekommen.

Innerhalb kürzester Zeit sind auch Notarzt Peter Kersten und sein Team informiert. Den Ärzten ist klar: Die Schwangere muss auf der Stelle operiert werden, und diese OP wird etwas sein, was es an der Frankfurter Sauerbruch-Klinik noch nicht gegeben hat …

„Nein, nein, nein, nicht doch! Verdammt, verdammt! Muss das denn sein? Heiliger Dingsbums! Bitte!“

Victoria Pohl wechselte rasch die Straßenseite, ohne erst lange auf den dichten Feierabendverkehr zu achten. Ein wütendes Hupkonzert ertönte, Bremsen quietschten, und der Streusand knirschte unter den dahinschlitternden Autoreifen. Ein Autofahrer zeigte ihr den Mittelfinger, ein anderer machte sich sogar die Mühe, seine Fensterscheibe herunterzufahren und ihr „blöde Tussi!“ zuzurufen.

„Ja, ja, du kannst mich auch mal“, murmelte sie, stülpte sich hastig die Kapuze ihres Mantels über den Kopf und zog sie tief in die Stirn. So tief, dass sie nicht sehen konnte, dass der Mann, vor dem sie geflohen war, ebenfalls die Seite gewechselt hatte. Und wie der Zufall manchmal eben so spielte, rannte sie direkt in ihn hinein.

„Pardon!“, entschuldigte er sich höflich, obwohl es eindeutig ihre Schuld gewesen war. Er hatte praktisch gar keine Chance mehr gehabt, auszuweichen.

„Schon gut!“, verzieh sie ihm gönnerhaft und wollte sich rasch aus dem Staub machen, doch da hatte er sie auch schon erkannt. Er hielt sie am Oberarm fest und strich ihr mit einer Handbewegung die Kapuze vom Kopf.

„Vicky! Na so was! Wie geht es di…“ Er stockte mitten im Wort, und seine Augen weiteten sich vor Überraschung.

Victoria hatte noch rasch versucht, das Malheur irgendwie zu verstecken, indem sie sich die große Papiertragetasche mit ihren Einkäufen vor den Bauch hielt, aber sie war im neunten Monat. Da hätte sie schon einen dieser riesigen alten Schrankkoffer gebraucht, um ihren Zustand zu verbergen.

„Wow!“ Er starrte irritiert auf die mächtige Wölbung, die sich unter ihrem Umstandsmantel deutlich abzeichnete. Dann schwieg er eine Weile. Sie konnte an dem Zucken seiner geschlossenen Augenlider erkennen, dass er rechnete.

Klemens Lindenthal konnte leider verdammt gut rechnen. Immerhin war er ja auch Professor für Mathematik und Sport am Frankfurter Friedrich-Schiller-Gymnasium. Und da hatte er das einzig mögliche Ergebnis auch schon herausbekommen.

„Ist das von mir, Vicky?“

„Spinnst du, Klemens? Was denkst du denn von mir? Natürlich ist das nicht von dir. Es ist natürlich von meinem Freund. Er heißt Ralf. Ralf Martin. Nein? Klingelt da nichts? Ich könnt‘ jede Nacht mit dir.“

Vicky wartete zwei Sekunden lang.

„Nein, nicht ich mit dir!“, stellte sie hastig klar, als seine Augenbrauen nach oben gingen. „So heißt Ralfs neuester Song. Er singt, weißt du? Nicht besonders gut und ich glaube nicht, dass jemals ein Song von ihm im Radio gespielt wurde, deshalb wundert es mich auch gar nicht, dass du noch nie von ihm gehört hast. Wir sind verlobt und werden heiraten, sobald das Baby …“

Sie brach frustriert ab. Wie fast alle Leute, die logen und es nicht besonders gut konnten, redete sie zu viel. Dazu kam noch, dass ihr Gesicht trotz der Kälte zu glühen begann. Ebenfalls wie immer, wenn sie log.

„Also, nein. Es ist nicht von dir, Klemens.“

„Aha! Dann bist du während unserer kurzen Beziehung also zweigleisig gefahren?“

„Spinnst du? Wofür hältst du mich denn? So was würde ich niemals tun. Ich bin doch keine … Nein.“

„Im wievielten Monat bist du denn?“

„Also … na ja … ähm … fünf …?“

„Wahnsinn! Im fünften Monat und schon so ein dicker Bauch. Wie soll das Kleine denn heißen? Dumbo? Hulk? Moby Dick?“

„Ha, ha, du bist sehr witzig, Klemens.“

„Bist du mit diesem Ralf schon lange zusammen?“

„Ach, schon seit einer Ewigkeit“, winkte sie ab. „Seit mehr als drei Jahren. Wir haben uns … ähm … oder eigentlich …“

Er sagte nichts, zog nur die Augenbrauen hoch und schaute sie irgendwie traurig an. Sie hatte sich total verplappert. Zum Lügen war sie schon immer zu blöde gewesen. Und sie tat es auch so schrecklich ungern.

„Es hat mich gefreut, dich wiederzusehen“, verabschiedete sie sich überstürzt. „Ich muss jetzt weiter. Du weißt ja, wie das ist, ha, ha, oder wahrscheinlich eher nicht, wenn man … na ja. Die Beine sind geschwollen, die Blase zwickt, und so knapp vor der Geburt tut der Rücken scheußlich weh.“

„Knapp vor der Geburt? Ach, dann wird es also eine Frühgeburt? Und das weißt du jetzt schon?“

Na toll, gleich noch einmal verplappert! Sie hatte schon wieder völlig vergessen, dass sie ja erst vor wenigen Sekunden behauptet hatte, erst im fünften Monat zu sein.

„Mach‘s gut, Klemens“, krächzte sie heiser, winkte ihm kurz zu und lief – so schnell es ihr Zustand zuließ – mit tief gesenktem Kopf weiter.

„Du weißt, wo du mich findest, Vicky! Ich bin für dich da, sollte ich dir irgendwann einmal bei irgendetwas helfen können“, rief er ihr noch nach. Doch sie tat so, als ob sie es nicht mehr gehört hätte.

Zum Glück begann es jetzt zu schneien. Da konnte man die Tränen gut als geschmolzene Schneeflocken verkaufen.

Natürlich war das Baby von ihm. Und Klemens konnte man nichts vormachen. Für plumpe Lügen war er einfach zu intelligent. Vor allem hörte er richtig zu, wenn jemand ihm etwas erzählte.

Ralf könnte sie problemlos weismachen, sie sei heute mit dem Bus auf den Mond gefahren, um beim Mann im Mond ein Schaf zu kaufen. Oder ihr wäre im Park ein dreiköpfiger lila Elefant begegnet. Der schluckte alles. Nicht, weil er etwa so naiv wäre, sondern weil er nie zuhörte. Es sei denn, das Gespräch drehte sich um ihn.

Sie hatte es bewusst darauf angelegt, von Klemens schwanger zu werden. Sie hatte ihn ausgenutzt, angelogen und als Samenspender missbraucht. Und das fühlte sich wirklich nicht besonders gut an. Je näher der Geburtstermin rückte, desto öfter fragte sie sich, wie sie ihrem Kind mit gutem Gewissen in die Augen schauen und ihm einen falschen Vater unterjubeln konnte. Noch dazu so einen wie Ralf.

Ralf, der wusste Bescheid. Natürlich wusste er Bescheid, denn der bescheuerte Plan stammte ja von ihm.

Er hatte bei einem Interview – er wurde immer nur dann interviewt, wenn nicht einmal der uninteressanteste C-Promi greifbar war, denn er war nicht gerade ein Überflieger – den Mund zu voll genommen. Er hatte behauptet, er würde an einem Sohn basteln, und den Reporter zur Taufe in einem Jahr eingeladen.

Das hatte groß in der Zeitung gestanden. Zwar nur in der kostenlosen Zwiebelbacher Bezirkszeitung, aber immerhin. Kurz danach hatte sich herausgestellt, dass er zeugungsunfähig war.

Das wäre an und für sich nicht so tragisch gewesen, denn er mochte Kinder sowieso nicht leiden. Aber als waschechter Narzisst, wie er im Lehrbuch stand, glaubte er, die ganze Welt würde nun auf die Ankunft seines Sohnes warten und sich dann über ihn lustig machen, wenn keiner kam. Es musste also ein Baby her.

Eine künstliche Befruchtung war für ihn nicht infrage gekommen. Erstens, weil das eine verdammt teure Angelegenheit war, und zweitens, weil er sich ständig von Paparazzi belagert hoffte und es denen natürlich nicht entgangen wäre, hätte Vicky eine betreffende Klinik aufgesucht.

So hatte er also Vicky dazu gedrängt, loszuziehen, sich einen gut aussehenden, gesunden, intelligenten Mann zu suchen, der Ralf möglichst ähnlich sah, ihm Liebe vorzuheucheln, zu warten, bis es geklappt hatte, und ihn dann in den Wind zu schießen.

Eigentlich hatte Victoria Ralf damals verlassen wollen. Warum sie es nicht getan hatte? Schicksal vermutlich. Im Leben jedes Menschen gab es wohl mindestens einen Moment, in dem er voll bewusst, jedoch unfähig, anders zu handeln, eine völlig falsche Entscheidung traf.

Während sie okay gesagt hatte, war ihr klar gewesen, dass sie diese Entscheidung irgendwann einmal bitter bereuen würde. Es hatte sich angefühlt, als ob eine unsichtbare Kraft sie dazu zwänge, geradewegs in ihr Unglück zu rennen. Da konnte doch nur das Schicksal dahinterstecken, oder? Na ja, möglicherweise auch die virtuose Manipulationsgabe eines Narzissten.

Wie auch immer, sie hatte getan, was er verlangte. Fast einen ganzen Monat lang hatte sie sich Abend für Abend in Schale geworfen und anspruchsvolle Theaterstücke oder Konzerte besucht. Sie hatte sich bei staubtrockenen Vorträgen über irgendwelche wissenschaftlichen Themen halb zu Tode gelangweilt, sich in Museen die Hacken abgelaufen und sich in sogenannten Literaturcafés Lesungen aus Büchern angehört, die genauso gut in Chinesisch hätten abgefasst sein können.

Sie hatte bereits beschlossen, aufzugeben, als sie Klemens begegnet war. Und zwar völlig ungeschminkt, in ihrem ältesten Jogginganzug, rücklings auf dem nasskalten Grünstreifen am Straßenrand liegend.

Damals war sie noch gertenschlank gewesen und hatte in ihrem eigenen Büro als Webdesignerin gearbeitet. Um nicht den ganzen Tag lang nur zu sitzen und auf den Bildschirm zu starren, hatte sie mindestens zweimal zwischendurch eine nahegelegene Grünanlage aufgesucht, um ein paar Kilometer im Kreis herumzulaufen.

Es war einer der ersten lauen Frühlingstage gewesen, als sie am Sportplatz des Goethe-Gymnasiums vorübergelaufen war. Hinter dem drei Meter hohen Maschendrahtzaun hatte Klemens mit den großen Jungs Fußball gespielt.

Der Zaun hatte nur ein einziges, nicht allzu großes Loch gehabt. Es musste also doch Schicksal gewesen sein, dass der Ball genau im richtigen (oder falschen) Moment durch genau dieses Loch schoss, Vicky mit der Wucht einer Kanonenkugel im Rücken traf und sie wie einen morschen Baum fällte.

Klemens hatte sich so rührend um sie gekümmert. Er hatte die Jungs ins Schulgebäude gescheucht und sie nach Hause begleitet.

Das wäre die zweite Gelegenheit gewesen, Ralf mitsamt seinem bescheuerten Plan in den Wind zu schießen, denn in Klemens hätte sie sich tatsächlich verlieben können. Hatte sie auch. Aber hatte sie die Gelegenheit diesmal genutzt, um den selbstverliebten Gockel zu verlassen? Nein! Und warum nicht? Keine Ahnung. Aber ganz sicher nicht deshalb, weil er ihr Traummann war.

Wie gesagt, es konnte nur das Schicksal dahinterstecken. Denn wenn nicht, bliebe nur abgrundtiefe Dummheit. Und dumm war Victoria eigentlich nicht.

***

„Autsch!“ Es rummste laut, als Marianne Hoppe, die Sekretärin des Chefarztes der Frankfurter Sauerbruch-Klinik, mit dem Kopf gegen den Türrahmen krachte.

Wie immer hatte sie die Notaufnahme mit tief gesenktem Kopf und zusätzlich halb geschlossenen Augen betreten.

In dieser Abteilung, in die sie sich niemals freiwillig begab, konnte man nie wissen, was man zu Gesicht bekam. Blut, abgetrennte Gliedmaßen, heraushängende Gedärme oder sonstige Schweinereien, die ihr den Magen umdrehten und nächtelang den Schlaf raubten.

„Frau Hoppe!“ Dr. Peter Kersten, der Leiter der Notaufnahme, sprang auf und führte die Mittfünfzigerin mit den bordeauxroten Ringellöckchen, die nach dem Zusammenstoß ein bisschen benommen wirkte, fürsorglich zu einem Stuhl.

Dr. Elmar Rösner, der rothaarige Assistenzarzt, war bereits nach hinten in die kleine Kaffeeküche gelaufen und hatte ein Coolpack aus dem Tiefkühlfach des Kühlschranks genommen.

„Achtung, kalt!“, warnte er sie, ehe er ihr die mit blauem Gel gefüllte Kompresse auf den dunkelroten Fleck an der Stirn drückte. „Ein paar Minuten fest draufdrücken, damit Ihnen kein Horn wächst.“

„Wäre auch egal!“, unkte die Sekretärin, befolgte jedoch Elmars Rat. „Den Kinoabend mit meiner Freundin kann ich mir sowieso schon abschminken.“

„Wieso denn?“ Jens Jankovsky, der fast zwei Meter große junge Sanitäter, warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Halb sechs. Warum sind Sie überhaupt noch hier? Hätten Sie nicht längst Feierabend, Frau Hoppe?“

„Das können Sie laut sagen!“, brauste Marianne auf. „Aber alle Jahre wieder bricht derselbe Wahnsinn aus. Alle wollen sie noch schnell irgendwelche Daten haben, um irgendwelche unnötigen Statistiken zu erstellen.“

Sie schüttelte ihre Löckchen zurück, dass sie wie betrunkene Regenwürmer tanzten.

„Sie wissen ja, der typische Deutsche ist im Durchschnitt einundfünfzig Jahre alt, hat eineinhalb Kinder, eine halbe Katze, zwanzigtausend Euro Schulden und schmiert sich pro Jahr sechs Kilo Butter aufs Brot. Das muss die Welt doch unbedingt erfahren, nicht?“

„Scheint so“, erwiderte Peter schmunzelnd. „Und für wen müssen Sie heute Daten sammeln?“

Sie hob ihre freie Hand hoch und zählte mithilfe ihrer Finger auf, wer alles daran schuld war, dass sie Überstunden machen musste.

„Die Ärztekammer, das Statistische Bundesamt, die Krankenkassen, das Bundesministerium für Gesundheit … Den Rest habe ich vergessen.“

„Und was wollen die wissen?“, hakte Peter nach.

„Was nicht? Alles! Wann wie viele von welchen Notfällen und warum eintreffen. Wie viele Notoperationen? Welche? An welchem Wochentag und zu welcher Tageszeit? Welche Eingriffe werden öfter an weiblichen, welche an männlichen Patienten durchgeführt? Für welche Notfälle sind Übergewichtige häufiger anfällig, für welche Untergewichtige? Wie oft wechseln Sie Ihre Unterhosen? Und …“

„Moment mal!“ Peter musste lachen. „Die letzte Frage haben Sie sich jetzt aber selbst ausgedacht!“

„Jetzt ja“, gestand die Sekretärin. „Aber ich wette, nächstes Jahr wollen sie auch das noch wissen!“

„Ist dafür denn nicht die zentrale Anmeldestelle zuständig?“, erkundigte sich Dr. Hannes Fischer, der Anästhesist der Notaufnahme, der sich gerade einen Kaffee eingoss. „Oder die Krankenkassen? Oder unsere Abteilung für medizinische Dokumentation?“

Marianne stieß ein so lautes „Ha!“ aus, dass dem Anästhesisten der volle Kaffeebecher beinahe in die Spüle gefallen wäre.

„Schön wär‘s! In der Anmeldestelle hat angeblich keiner Zeit, die Kassen wälzen sowieso immer alles auf uns ab, und die in der medizinischen Dokumentation berufen sich auf den Datenschutz. Also bleibt wieder einmal alles an mir kleben!“