Der Wandermörder - Douglas Starr - E-Book

Der Wandermörder E-Book

Douglas Starr

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Beschreibung

Ende des 19. Jahrhunderts terrorisierte der Serienmörder Joseph Vacher – bekannt und gefürchtet als der »französische Ripper« – das ländliche Frankreich. Jahrelang fahndete die Polizei vergeblich nach ihm – bis der Ermittlungsrichter Émile Fourquet und der berühmteste Gerichtsmediziner seiner Zeit, Dr. Alexandre Lacassagne, sich mit dem Fall befassten. Akribisch sammelte Fourquet Zeugenaussagen und erstellte ein Persönlichkeitsprofil des Mörders. Um die Behauptung zu widerlegen, Vacher sei geisteskrank, bat er den Arzt Lacassagne um Hilfe. Dieser hatte die Kriminalistik revolutioniert, indem er Blutspritzer untersuchte, die Autopsie systematisierte und bahnbrechende psychologische Studien durchführte. Es war Lacassagnes Verdienst, dass der Prozess ein erfolgreiches Ende fand. Spannend und detailreich beschreibt Douglas Starr die kriminelle Karriere des Landstreichers und Hirtenmörders Vacher und verknüpft sie mit der Entstehung der modernen Kriminalistik. »Starrs nachdenklich stimmende Reise durch Frankreichs fremde Unterwelt bleibt dem Leser im Gedächtnis haften.« The New York Times Book Review »Spannend und gründlich recherchiert.« The New Yorker

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Seitenzahl: 531

Veröffentlichungsjahr: 2012

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  Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National­bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

1. Auflage 2012

© 2012 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2010 bei The Knopf Doubleday Group, a division of Random House, Inc., unter dem Titel The Killer of Little Shepherds. A True Crime Story and the Birth of Forensic Science © 2010 Douglas Starr. All rights reserved. This translation published by arrangement with Alfred A. Knopf, an imprint of The Knopf Doubleday Group, a division of Random House, Inc.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Übersetzung: Martin Rometsch, Mengen

Redaktion: Caroline Kazianka, München

Umschlaggestaltung: Julia Jund, München

Umschlagabbildung: Vacher, le Tueur de Bergers, aus Le Journal illustré, 31. Oktober 1897

Satz: HJR, Jürgen Echter, Landsberg am Lech

Epub: Grafikstudio Foerster, Belgern

ISBN Epub 978-3-86413-177-6

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter

www.rivaverlag.de

www.facebook.com/rivaverlag.de

Für meine Eltern

»Die wilde Bestie schlummert in uns allen. Wir sollten uns nicht immer auf Geistesgestörtheit berufen, um ihr Erwachen zu erklären.«

Dr. Edward Spitzka in einem Bericht aus dem Jahr 1901 über Leon F. Czolgosz, den hingerichteten Mörder von Präsident William McKinley

Inhalt

Vorbemerkung des Autors

Teil eins: Die Verbrechen

1 Die Bestie

2 Der Professor

3 Der erste Mord

4 Das gerichtsmedizinische Institut

5 Der Landstreicher

6 Identität

7 Der Eichenwald

8 Die Leiche spricht

9 Das Verbrechen in Bénonces

10 Spuren gibt es immer

11 Auf dem Präsentierteller

12 Zum Verbrecher geboren

13 Lourdes

Teil zwei: Die Strafe

14 Der Untersuchungsrichter

15 Das Verhör

16 Professor Lacassagne

17 »Ein Verbrechen ohne Motiv?«

18 Der Wendepunkt

19 Der Prozess

20 Das Urteil

21 Die Frage der Zurechnungsfähigkeit

Teil drei: Nachspiel

22 Das Gehirn eines Mörders – ein Rätsel

23 Postskriptum

Nachwort: Das gewalttätige Gehirn

Danksagung

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Bildnachweis

Über den Autor

Vorbemerkung des Autors

Dies ist ein Sachbuch. Ich habe mir keinerlei Freiheiten erlaubt, was Tatsachen oder Ereignisse betrifft. Alle Zitate und Dialoge wurden Briefen, Büchern, eidesstattlichen Erklärungen und Zeugenaussagen der Beteiligten entnommen oder stammen aus nachprüfbaren zeitgenössischen journalistischen Quellen. Wenn ich jemandem Gedanken zuschreibe, erscheinen sie kursiv und basieren auf schriftlichen oder mündlichen Aussagen der betreffenden Person. Den Geisteszustand des Serienmörders Joseph Vacher verdeutlichen seine Briefe, die eidesstattlichen Versicherungen von Zeitgenossen, die ihm begegneten, die Aufzeichnungen der Irrenhäuser, in die er eingewiesen wurde, sowie die Berichte der Ermittler und Psychiater, die ihn befragten. Einzelheiten seiner Verbrechen stammen aus originalen Tatortanalysen, Autopsieberichten, Zeitungsartikeln und den mündlichen Aussagen der heutigen Einwohner von Dörfern, die er in Angst versetzt hat. Auskunft über Dr. Alexandre Lacassagnes Persönlichkeit und Geisteszustand gaben seine umfangreichen Schriften sowie die Erzählungen und Objekte seiner Nachkommen.

Der größte Teil des Quellenmaterials wurde im Französisch des späten 19. Jahrhunderts verfasst. Manchmal habe ich Sätze gekürzt und die Sprache vereinfacht, um die Zitate für heutige Leserinnen und Leser verständlich zu machen. Obwohl mir viele Leute beim Übersetzen geholfen haben, habe ich allzu starke Vereinfachungen selbst zu verantworten.

Teil einsDie Verbrechen

»Der Werwolf aus den Geschichten Wurde jetzt übertroffen …«

Aus einem volkstümlichen Gedicht über Joseph Vacher, 1898

Eins Die Bestie

An einem regnerischen Frühlingsabend im Jahr 1893 spazierte die neunzehnjährige Louise Barant in der französischen Provinzstadt Besançon die Uferpromenade entlang. Plötzlich kam ihr ein Mann entgegen, der eine Militäruniform trug. Sein Name war Joseph Vacher (ausgesprochen »Vaschee«). »Mieses Wetter, oder?«, fragte er, und sie antwortete reflexhaft: »Kann man wohl sagen.« Normalerweise hätte Louise, eine große, gesund aussehende Frau mit lockigem Blondhaar, nicht mit einem Fremden gesprochen, schon gar nicht, wenn er brutal aussah wie dieser hier. Aber Vacher strahlte auch eine entwaffnende Unschuld aus, und die Feldwebelwinkel wiegten sie in Sicherheit.

Also gingen sie plaudernd weiter und aßen gemeinsam in einem Café. Sie erfuhren, dass sie beide aus Kleinstädten stammten: sie aus Baume-les-Dames, einer netten kleinen Gemeinde an der Grenze zur Schweiz, und er aus Beaufort, einem unscheinbaren Städtchen südöstlich von Lyon. Sie erzählten einander von ihrer Vergangenheit, und er gestand ihr, dass er sich bisher bei keinem Menschen so wohlgefühlt habe. Auch sie hatte das Gefühl, freimütig sprechen zu können. Dennoch beschlich sie ein komisches Gefühl, als sie von ihrem Essen aufblickte und in seine stechenden Augen sah. Später am Abend machte er ihr einen leidenschaftlichen Heiratsantrag. Dann schwor er, sie umzubringen, wenn sie ihn je betrügen sollte. Jetzt war ihr klar, dass sie einen schrecklichen Fehler begangen hatte.

In den folgenden Wochen verfolgte er sie ständig. Wie andere Männer, für die Gewalt zum Leben gehört, wusste er, wie man Drohungen, Reue, Selbstmitleid und Charme geschickt miteinander verbindet, um eine Beziehung zu verlängern. Louise, die in der Stadt fremd war und als Hausmädchen arbeitete, versuchte verzweifelt, ihm aus dem Weg zu gehen, und erfand zu diesem Zweck zahllose Ausreden. Einmal jedoch hatte sie Mitleid mit ihm, was bei Opfern bisweilen vorkommt, und ging mit ihm tanzen. Schüchtern standen sie mitten zwischen fröhlichen Leuten, als ein Soldat Louise ansprach. Vacher stürzte sich daraufhin mit solcher Wut auf den Mann, dass der Soldat und Louise aus dem Tanzsaal rannten.

Jetzt wusste sie, dass sie niemals sicher sein würde, solange sie sich in derselben Stadt wie Vacher aufhielt. Da sie sich nicht traute, ihn direkt abzuweisen, behauptete sie, ihre Mutter habe die Heirat verboten und sie nach Hause befohlen. Aber die Entfernung tat seiner Besessenheit keinen Abbruch. Immer wieder schickte er ihr Liebesbriefe. Schließlich schrieb sie ihm eine klare Antwort darauf: »Es wäre am besten, wenn du mir nicht mehr schreiben würdest … Zwischen uns ist alles aus. Ich möchte mich den Wünschen meiner Mutter nicht widersetzen. Zudem liebe ich dich nicht. Adieu, Louise.«

Sie hoffte, von nun an Ruhe vor ihm zu haben. Denn sie wusste, dass er sich der Fahnenflucht schuldig machen würde, wenn er seine Einheit verlassen sollte, um sie zu suchen. Doch ihre Abreise und ihr letzter Brief hatten bei ihm derartige Wutanfälle ausgelöst, dass der Regimentsarzt ihm »nervöse Erschöpfung« attestiert und einen viermonatigen Erholungsurlaub verordnet hatte. Sofort fuhr er nach Baume-les-Dames und kaufte unterwegs noch einen Revolver.

Jeder Soldat in Vachers Kaserne hätte Louise geraten, sich gar nicht erst mit dem dreiundzwanzigjährigen Feldwebel einzulassen, weil er etwas Wildes und Gewalttätiges an sich hatte. Alle hatten seine Manien und sein explosives Temperament schon erleben müssen. Einmal hatte er einem Kameraden, der nicht exakt in der Reihe stand, ohne Vorwarnung in den Unterleib getreten. Ein andermal hatte er im Alkoholrausch schwere Holzschreibtische durch den Raum geschleudert, gebrüllt wie ein Tier und sich Haare aus den Unterarmen herausgerissen. Als man ihn wider Erwarten nicht befördert hatte, hatte er sich sinnlos betrunken, alles kurz und klein geschlagen und jeden, der sich ihm genähert hatte, mit einem Rasiermesser bedroht. Schließlich hatte er die Klinge an seine eigene Kehle angesetzt. Nach diesem Vorfall wurde er in ein Krankenhaus gebracht und dann in eine andere Kompanie versetzt.

Mitunter konnte Vacher aber auch rücksichtsvoll und, wenn es notwendig war, sogar charmant sein. So hatte er sich zweifellos benommen, als er Louise kennengelernt hatte, doch als sie ihn zurückwies, kehrte die Bestie zurück.

Nachdem er im Dorf angekommen war, versuchte er tagelang, ihre Mutter und ihre Familie für sich einzunehmen, doch er schaffte es nur, ihnen auch Angst einzujagen. Am Morgen des 25. Juni 1893 besuchte er Louise bei ihrem Dienstherrn. Nach einer abschließenden Aussprache wollte er mit dem Zug nach Besançon zurückfahren. Als Louise die Tür öffnete und ihn sah, wich sie zurück.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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