Die dritte Wahl - Christine Stutz - E-Book

Die dritte Wahl E-Book

Christine Stutz

5,0

Beschreibung

Viola von Derrin ist die vierte Tochter des Lords Derrin. Während ihre drei älteren Schwestern verheiratet sind, ist ihre Zukunft klar geplant. Sie will in ein Kloster eintreten und Heilkunst studieren. Doch trifft sie auf Prinz Hendrik, dem Bruder des Königs. Der Mann ist fasziniert von Viola, mit der er sofort in Streit gerät. Die selbstbewusste Frau ärgert ihn maßlos. Ihr Mundwerk ist scharf und locker. Sie sagt was sie denkt. Hendrik war bereits zweimal verheiratet und Witwer. Er wollte eigentlich ledig blieben. Doch dann zwingt ihm ein Befehl seines Bruders, sich eine neue Braut zu suchen. Er zwingt Viola, ihn zu heiraten. Sie lässt Hendrik sofort spüren, wie sehr sie ihn hasst, weil er ihre Zukunft zerstört. hat Viola wollte nie heiraten! Sie wollte studieren! Im Schloss geraten Viola und Hendrik täglich in Streit. Nur langsam kommen sie sich näher. Doch dann wird ein Mordanschlag auf Viola verübt. Hendrik wird verhaftet. Man beschuldigt ihn, nicht nur seine ersten Frauen ermordet zu haben, sondern es auch auf Viola abgesehen zu haben!

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Die dritte Wahl

TitelseiteProlog1 Kapitel2 Kapitel3 Kapitel4 Kapitel5 Kapitel6 Kapitel7 Kapitel8 Kapitel9 KapitelEpilogImpressum

Die

Dritte

Wahl

Prolog

Prolog

Vorsichtig sah ich mich um. Mein Strumpfband rutschte unaufhaltsam. So weit, so gut. Ich fluchte und erinnerte mich daran, dass ich doch eigentlich eine wohlerzogene, junge Lady aus wirklich gutem Haus war. Ich sollte meinen Plan aufgeben und hier verschwinden, dachte ich. Doch mit dem heruntergerutschten Strumpfband konnte ich nicht zum Ball zurück. Fieberhaft überlegte ich, was ich tun könnte. Endlich kam die erwartete Hilfe. „Haben Sie Sorgen, holde Lady?“ fragte mich eine amüsierte Männerstimme. Ich wandte mich um. Hinter mir stand ein Mann mit einer großen Maske und lächelte. Den Mann erkannte ich trotz Maske sofort. Es war der Bruder des Königs. Der Mann, dessen Blicke mich den ganzen Abend verfolgt hatten. Vielleicht erfuhr ich jetzt, warum er es tat. Ich schnaubte nicht gerade damenhaft. „Ja, ich hasse Maskenbälle. Ich bin nur auf Wunsch eures Bruders hierhergekommen. Ich hätte meine Zeit wesentlich sinnvoller gestalten können.“ gab ich ungehalten zurück. Der Mann lachte jetzt erheitert. „Ich allerdings auch, my Lady. Auch ich bin nur auf Befehl meines Bruders hier.“ sagte er dann. Jetzt sah er zu meinen Füßen. Auf dem rechten Bein war jetzt der Verschluss meines Strumpfbandes zu sehen. „Ich sehe euer Problem, my Lady“ sagte der Mann wieder. Er nahm meine Hand und führte mich in ein abgeschiedenes Zimmer. „Lasst mich euch helfen. Ihr könnt mir vertrauen.“ bat er dann. Ich überlegte angestrengt. Dann nickte ich. „Wenn eure Hilfe sich nur auf mein Strumpfband beschränkt, so danke ich und nehme sie gerne an. Keine meiner Schwestern ist zu finden und mein Kostüm ist zu aufwendig, als das ich an das Band kommen könnte“ gestand ich lachend. Der Mann nickte schmunzelnd. Er führte mich zu einem Sessel und bat mich, mich zu setzen. Dann hob er meine vielen Reifröcke hoch. „Ich sehe das Problem. Die Halterung ist gerissen. Das muss ich reparieren“ sagte der Mann nun. Seine warmen Hände an meinem Oberschenkel machten mich nervös. Nur unter Mühe schaffte ich es, ein Stöhnen zu unterdrücken. Endlich war der Mann fertig. Langsam ließ er einen Reifrock nach dem anderen wieder über meine Beine fallen. „So schöne Beine, so schlanke Schenkel. Zu schade, um versteckt zu werden“ flüsterte er mir dann verführerisch zu. Hastig erhob ich mich. Dann drängte ich mich an den großen Mann vorbei. „Entschuldigt, Herr. Doch ihr müsst blind sein, wenn ihr mich als attraktiv betrachtet. Oder wird es ein Scherz auf meine Kosten? ich danke für eure Hilfe. Jetzt wartet mein Tanzpartner auf mich. Meine Karte ist gefüllt“ sagte ich hart. Der Mann hielt mich zurück, als ich den Raum verlassen wollte. „Eine kleine Belohnung habe ich mir doch verdient, oder?“ fragte er jetzt ernst. „Wie kommt ihr auf die Idee, ihr wäret nicht schön?“ fragte er mich jetzt verwirrt. Dann zog er mich an sich und legte seinen Mund auf meinen. Erschrocken hielt ich still. Der Mann wollte mich küssen! Ein Mann wollte mich wirklich küssen. Das war mir noch nie passiert. „Ich bin keine eurer Mätressen, Hoheit! Dazu bin ich wirklich nicht hübsch genug. Ich werde bald 22 Jahre alt und unverheiratet. Dann werde ich in ein Kloster eintreten.“ Sagte ich hart. Ich stemmte meine Hände gegen seine Brust und hob mein Bein, als er mich wieder küssen wollte. Ich trat dem Mann heftig gegen das Schienbein und riss mich los. „Das war ihr Schienbein, Herr. Das nächste Mal treffe ich höher“ drohte ich. Zum Glück hatte Vater uns vier Mädchen darin gut unterrichtet, dachte ich finster. Der Mann lachte jetzt auf. Anscheinend war ihm so etwas noch nie passiert. „Ihr mögt keine unschuldigen Küsse, my Lady?“ fragt er jetzt schelmisch. „Solch ein Kuss, wie dieser, ist nie unschuldig, Hoheit. Außerdem werde ich weder küssen noch heiraten. Ich werde ledig bleiben.“ Sagte ich grob. Dann raffte ich meine Röcke und wollte gehen. Doch die Stimme des Mannes stoppte mich kurz. „Verratet ihr mir euren Namen, Lady?“ fragte der Mann jetzt interessiert. „Wozu, Herr! War mein Tritt nicht hart genug? Wollt ihr euch noch mehr davon abholen?“ fragte ich nur. Dann verließ ich den Raum. Langsam folgte der große Mann mir. Ich beachtete ihn nicht weiter.

Weder der Mann noch ich hatten den anderen Mann in der Ecke des Zimmers bemerkt. Er kam aus dem Dunkeln und lachte leise. Eine wunderschöne Frau folgte ihm aus dem Dunkeln. „Wer war diese bemerkenswerte junge Frau, geliebtes Weib? Kennst du sie?“ fragte der Mann lachend. „Das, liebster Ehemann und König, war Lady Viola. Die vierte Tochter des Lord Derrin. Leider macht sie sich nicht viel aus schönen Kleidern oder modischen Frisuren. Sie soll etwas merkwürdig sein, erzählt man sich.“ Sagte die junge Frau. Der Mann grinste breit. „Auf jeden Fall ist sie sehr selbstbewusst“ sagte er dann. „Endlich mal eine Frau, die nicht dem Charme deines Bruders erliegt, Mann“ sagte die Frau ebenfalls lachend.

1 Kapitel

1 Kapitel

„Lady Viola. Sie möchten bitte schnellst möglich zu ihrem Vater kommen“ sagte das junge Hausmädchen aufgeregt. „Es ist hoher Besuch anwesend, der sie sehen möchte“ setzte das Mädchen hinzu, als sie meine verdreckte Kleidung begutachtete. Ich schmunzelte. Wer immer anwesend war. Der oder die Person musste mich so zu sehen bekommen, wie ich war, dachte ich amüsiert. Immerhin kam ich gerade aus der Stadt, voller kranker Menschen. Ich nickte dem Mädchen dankbar zu, richtete schnell meinen langen Haarzopf und eilte durch den langen Flur zu Vaters Arbeitszimmer. Es war heute wieder später geworden, als vereinbart. Vater würde mit Recht erzürnt sein, dachte ich seufzend. Er hatte mich doch gebeten, wenigstens heute pünktlich zu sein. Nun, es ließ sich leider nicht ändern. Immerhin hatte ich einen guten Grund, ungehorsam zu sein, dachte ich wieder. Ich atmete tief durch, dann klopfte ich kurz an die Tür des Arbeitszimmers. Keine Reaktion. Also drückte ich mein Kreuz durch und öffnete die Tür. Langsam schritt ich über den dicken Teppich zum Fenster. Dort saß mein geliebter Vater mit einem, mir anscheinend unbekannten, Mann. Beide schienen zu warten, wahrscheinlich auf mich. Ich unterdrückte erneut ein Seufzen, denn das war ja nicht Ladylike.

„Viola ist ihre vierte Tochter? Und ihre anderen drei sind bereits verheiratet und Mütter?“ fragte der Mann jetzt interessiert. Ich erschrak, die Stimme des Mannes schien mir bekannt. Mein Vater nickte jetzt begeistert. Wie immer, wenn man ihn auf seine älteren Kinder ansprach. Und auf seine Enkelkinder. „Ja, Meine älteste Tochter hat drei Söhne, alle gerade, stark und gutgeraten. Meine zweite Tochter hat einen Sohn und eine Tochter. Auch wundervolle Kinder. Meine dritte Tochter hat gerade letzte Woche einen Sohn zur Welt gebracht. Und das nach nur einem Jahr Ehe.“ Erklärte Vater nun stolz dem Mann mit der dunklen Stimme. Der Mann schien zufrieden zu sein, denn ich hörte ihn leise lachen. Was hatte das zu bedeuten, dachte ich unsicher. Was sollte seine Frage nach meinen Schwestern und deren Kindern? Ich begann zu zittern, als ich näher kam. Denn plötzlich ahnte ich Böses. Vater hatte mich jetzt bemerkt und erhob sich. Sein lächelndes Gesicht wurde leicht rot, als er meine verschmutzte Kleidung betrachtete. „Bat ich dich nicht, dich etwas herzurichten, Kind!“ sagte er böse. Ich lächelte und beugte mich zu meinem Vater. Sanft küsste ich ihn auf die Wange. „Es tut mir aufrichtig leid Vater, doch im Dorf grassiert die Grippe. Ich hatte alle Hände voll zu tun. Die armen Menschen brauchen unsere Hilfe. Das war mir wichtiger, als ein elegantes Kleid anzuziehen.“ sagte ich liebevoll streng. Dann wandte ich mich mit einem Lächeln zu dem Mann herum. Mein Lächeln erfror, als ich auf dem Mann im Sessel herabsah. Dann knickste ich andeutungsweise. Denn im Sessel vor mir saß niemand anders, als der Bruder des Königs! Ich senkte meinen Blick, um dem Mann nicht meine Abneigung zu zeigen. Der Mann war mir unsympathisch. Er hatte keinen guten Ruf, seine Affären waren berüchtigt. Seine Arroganz gefürchtet. Vor einem Jahr war seine zweite Frau unter merkwürdigen Umständen ums Leben gekommen. Das Gericht hatte ermittelt und der Mann war daraufhin von seinem Bruder für einige Monate ins Ausland geschickt worden. Jetzt war er wieder im Lande. Ich erinnerte mich an unsere Begegnung auf dem Ball und wurde leicht rot. Und jetzt besuchte er uns. Was hatte das zu bedeuten, dachte ich alarmiert.

„Ich muss eurem Vater recht geben, Lady Viola. Etwas frische Kleidung und ein Waschlappen hätte Wunder vollbracht. Ihr seht aus, wie eine Magd, die vom Viehhüten Heim kehrt“ sagte der Mann jetzt leicht verärgert. Ich drückte mein Kreuz durch und setzte ein Lächeln auf. „Hoheit. Ich danke für dieses Kompliment. Es freut mich, mit einer hart arbeitenden Frau verglichen zu werden. Nicht ist mir mehr zu wider, als nutzlos in einer Ecke zu sitzen und zu sticken“ antwortete ich frech. Ich wusste, meine Antwort war frech und verärgerte meinen Vater. Doch das war mir egal. Etwas ähnliches, wie ein Schmunzeln glitt über das Gesicht des Mannes vor mir. Er nickte und erhob sich. Ich musste meinen Kopf heben, um ihn ins Gesicht zu sehen. Trotz meiner, für eine Frau, enorme Größe. „Ihr seid 21 Jahre, Lady Viola?“ fragte Prinz Hendrik mich jetzt. Er umrundete mich einmal, dann setzte er sich wieder. Ich nickte nur. „Vater ist der Meinung, es schadet, wenn er seine Töchter zu früh verheiratet. Wir sollen das gleiche Recht wie die Männer haben und erwachsen werden dürfen, bevor wir heiraten“ sagte ich wieder. „Außerdem werde ich nicht heiraten. Ich will mich in der Heilkunde ausbilden. Deshalb war ich heute im Dorf und habe den Bedürftigen geholfen.“ Sagte ich hart. „In zwei Wochen werde ich 22 Jahre alt und werde für ein Jahr in ein Kloster eintreten. Vater hat es erlaubt.“ Setzte ich schnell hinzu. Hatte der Mann ein einfaches Ja erwartet, so wurde er enttäuscht. Ich war keine gehorsame Ja-Sagerin. Vater hatte uns alle vier frei und selbstbewusst erzogen. Vater und unsere Mutter hatten aus Liebe geheiratet und Vater wollte, dass seine vier Mädchen glücklich wurden. Vater wusste doch, dass ich eine einengende Ehe ablehnte, dachte ich voller Sorge.

„Euer Mundwerk ist ziemlich locker“ sagte der Mann jetzt auch prompt und erhob sich verärgert. „Kann ich nicht behaupten. Es sei denn, Hoheit, ihr verwechselt Selbstbewusstsein mit vorlaut.“ Widersprach ich jetzt wieder frech. Vater zog scharf die Luft ein, als der Prinz sich grimmig abwandte. Würde der Mann jetzt gehen? Ich hoffte es, doch vergebens. Prinz Hendrik schien sich beruhigt zu haben. Vater räusperte sich laut. Zeit für mich, meinen Mund etwas zu halten. Ich senkte meinen Kopf und schwieg. „Eure Hoheit , Prinz Hendrik, besucht uns heute, um dich kennenzulernen, Liebes“ sagte Vater jetzt ernst. Sämtliche Alarmglocken läuteten in meinem Kopf noch lauter. Ich wäre doch besser im Dorf bei den kranken Kindern geblieben, dachte ich erschüttert. Lieber zehn schwerkranke Kinder, als das Gespräch, das jetzt kommen würde, dachte ich. Meine Beine wurden weich und ich setzte mich in einen der kleinen Sessel, als sich der Prinz auch endlich wieder setzte. Ich schüttelte meinen Kopf. Keine gute Idee, denn mein Zopf löste sich und meine wirre, schlecht gepflegte, Lockenpracht umringte meinen Kopf und meine Schultern. Wieder stöhnte Vater leise. Auch der Mann vor mir zog jetzt seine Augen zusammen. Vielleicht war es doch nicht so schlecht, dachte ich jetzt schmunzelnd. Vielleicht stieß ihm ja mein äußeres so ab, dass er ging, ohne seine Idee weiter durchzuführen. Jetzt erhob sich Prinz Hendrik erneut und sah auf mich herab. Plötzlich wirkte der Mann noch größer. Ich wollte mich ebenfalls erheben, doch er fasste mich an den Schultern und drückte mich zurück auf den kleinen Sessel. Vater sah ihm verwirrt dabei zu.