Die Liebe kommt in Gummistiefeln - Isabella Lovegood - E-Book

Die Liebe kommt in Gummistiefeln E-Book

Isabella Lovegood

0,0

Beschreibung

Sheela Khatun entspricht nicht gerade dem, was man sich unter einer gestandenen Salzburger Landwirtin vorstellt. Ihr exotisches Aussehen macht es der jungen Frau nicht immer einfach. Dabei geht sie amourösen Abenteuern konsequent aus dem Weg und kümmert sich lieber mit ganzem Herzen und viel Fachwissen um ihre Tiere. Mit zwei Hunden und ihren Krainer Steinschafen lebt sie auf einem kleinen Bergbauernhof im Gasteiner Tal. Ihr selbst geschaffenes Paradies droht einzustürzen, als ihr Pachtvertrag nicht verlängert wird. Doch dann taucht ein attraktiver Bauer aus dem Nachbarort auf und macht ihr ein ungewöhnliches Angebot. Um ihre mühsam aufgebaute Existenz zu retten, hat sie kaum eine andere Wahl, als es anzunehmen. Aber was sieht er in ihr? Ist sie für ihn tatsächlich nur die "Betriebserweiterung" seines geliebten Hofs? Und was hat er mit Iris, der attraktiven Blondine vor? Band 3 der Reihe "Zimmer frei für die Liebe" Die Reihe "Zimmer frei für die Liebe": - Heiße Küsse für das Christkind - Ein Koch zum Verlieben - Die Liebe kommt in Gummistiefeln - Liebe ist kein Computerspiel - Zuckerbäcker küssen besser - Regenbogenküsse - Kreuzfahrt zurück ins Leben - Starthilfe fürs Herz - Herzenskinder Von der Autorin sind außerdem folgende sinnliche Liebesromane erschienen: Die Reihe "Club Red Vulcano" - Zweite Chance für Lust und Liebe - Wer mit dem Feuer spielt Die Reihe "Nachhilfe für die Liebe" - Die Sexpertin - Patchwork mit Herz - Dich zu sehen Die Reihe "Mallorca-Erotic-Romance" - Ich, du und sie - Wir drei für immer - Zitronenblütenküsse und Lebkuchensterne - Weil die Liebe siegt - Wahre Liebe rostet nicht - Das Meer, du und ich - Ein Boot, ein Kuss und du - Du, ich und Weihnachtszauber "Keine Cupcakes für Bad Boys" zwei Romane in einem Buch - (K)ein Bad Boy für Carolin von Isabella Lovegood - Ein Cupcake zur Mittsommernacht von Tamara Leonhard "Traumprinz nicht gesucht und doch gefunden" (Fortsetzung) erscheint am 28. April 2021 Die "Rosen-Reihe": - Sommerflirt mit Folgen - Liebe zu dritt - Rosen-Himmel - Geteilte Liebe - Drei plus zwei und jede Menge Liebe - Auf Liebe gebaut - Herbstgenüsse - Aller guten Dinge sind 5 - Weihnachten am Heckenrosenweg "Hot Holiday Lovers" - erotischer Liebesroman "Neujahrsliebe" - Sinnlich-erotische Kurzgeschichte "Venus trifft Venus" - Sinnlich-erotische Kurzgeschichte Unter dem Pseudonym C.P. Garrett "A Groupie's Dream" - erotische Kurzgeschichte "Nina" - erotischer Roman "Mein 10. Hochzeitstag" - erotische Kurzgeschichte "Der Zucker und das Salz des Lebens" + "Honig und Chili" 2-teiliger, erotischer Roman Unter dem Pseudonym Ingrid Lechner - Die Hexe Veronika: Roman für Kinder ab ca. 5 Jahren und dazu passendes Malbuch

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 231

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Beliebtheit




Die Liebe

kommt in

Gummistiefeln

Eine sinnliche Liebesgeschichte

von

Isabella Lovegood

Band 3 der Reihe

ZIMMER FREI für die Liebe

Copyright © 2017 Isabella Lovegood

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin

[email protected]

Covergestaltung: Isabella Lovegood Cover-Fotos: S.H.exclusiv, kebox und sp4764 – alle Fotolia

Alle Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten sind rein zufällig und ungewollt.

Den wunderschönen Kurort Bad Gastein in den Salzburger Hohen Tauern gibt es tatsächlich. Die Schauplätze der Handlung sind jedoch nur an die realen Örtlichkeiten angelehnt.

Kapitel 1

Sheela stellte den Motor des kleinen Geländewagens ab. Ihre Hände umklammerten den oberen Rand des Lenkrades. Langsam sank ihre Stirn darauf nieder. Dann wurde der Druck in ihrem Inneren übermächtig. Sie ließ den Tränen freien Lauf, die sie seit einer Stunde mühsam zurückgehalten hatte. So tief war sie in ihre Verzweiflung versunken, dass das Hundegebell erst nach einer Weile in ihr Bewusstsein drang.

Sheela straffte sich, wischte mit dem Handrücken notdürftig über Augen und Wangen und stieg mit zittrigen Knien aus dem Auto. Schwanzwedelnd wurde sie von Harry und Hermine begrüßt. Die Hundenasen stupsten freundlich an ihre Hände. Dankbar ging sie in die Hocke und legte beide Arme um ihre vierbeinigen Gefährten, die sich an sie schmiegten, um ihr Trost zu spenden.

„Macht euch keine Sorgen. Ich weiß noch nicht wie, aber ich finde eine Lösung“, flüsterte sie ihnen zu, auch wenn die Beruhigung eher ihr selbst galt.

Sie ging ins Haus und wechselte rasch die Kleidung. In der Nacht hatte es geregnet, also wählte sie die Gummistiefel, die neben der Haustür auf ihren Einsatz warteten.

Die Schafe standen in kleinen Grüppchen auf der Weide hinter der Scheune. Linda bemerkte ihre Anwesenheit als Erste und setzte sich in Bewegung, Sie war die Sanfteste und Zutraulichste. Wieder wurde Sheela das Herz schwer und sie schluckte. ‚Was wird aus den Tieren werden? Das darf alles einfach nicht wahr sein.‘ Sie vergrub die Finger in der dichten, festen Wolle des Schafs und kraulte es an der Brust. ‚In letzter Zeit ist doch wirklich der Wurm drin. Erst macht sich Florian aus dem Staub und jetzt das. Was soll ich bloß machen?‘Weitere Schafe kamen heran und drängelten, um in den Genuss von Streicheleinheiten zu kommen. Dann zog etwas sehr Erfreuliches die Aufmerksamkeit der jungen Landwirtin auf sich.

„Ja, da schau her! Liesl, du hast es ja ganz alleine geschafft. Das erste Mal und dann gleich Zwillinge!“ Behutsam strich sie über das weiche Fell der beiden Lämmer, die ihrer Mutter auf dünnen, staksigen Beinchen gefolgt waren. „Das hast du gut gemacht ... So kräftige, hübsche Babys ... Bist eine tüchtige Mami.“ Liesl genoss die kraulenden Finger auf ihrem Kopf und lehnte sich so entspannt an Sheelas Hüfte, dass sie beinahe das Gleichgewicht verloren hätte.

Hier, zwischen ihren prächtigen, gesunden Schafen kehrten Sheelas Optimismus und Kampfgeist zurück. Entschlossen griff sie nach ihrem Mobiltelefon. Wenn hier jemand helfen kann, dann Babsi ...

Barbara war eine Schulkollegin, die mit ihrem Jura-Studium fast fertig war. Der geschäftsmäßige Ton änderte sich schlagartig, als ihr klar wurde, wer ihre Anruferin war. „Hallo Sheela! Wie geht es dir denn da oben auf deinem Berg?“

„Nicht so gut“, war die Antwort, die sie alarmiert aufhorchen ließ. Ihre Freundin sprühte normalerweise vor Lebenslust. „Shit, was ist passiert, Süße? Ist was mit den Tieren?“

„Nein, ich ... Mein Pachtvertrag wird nicht verlängert. Ich muss hier weg ...“

Barbara erschrak, als sie hörte, wie Sheelas Stimme kippte. „Aber du hast doch so viel in diese Bruchbude investiert! Schick mir den Vertrag. Vielleicht lässt sich da noch was machen!“

Sheela schniefte. „Danke Babsi, ich hatte gehofft, dass du das sagst. Ich weiß gerade überhaupt nicht, was ich machen soll.“

„Warte mal ab, wir finden bestimmt eine Lösung“, erwiderte Barbara beruhigend. Im selben Moment kam ihr zu Bewusstsein, dass es immer Sheela gewesen war, die alle aufgerichtet und getröstet hatte, wenn etwas schiefgelaufen war. Sie jetzt so verzweifelt zu erleben, hatte beinahe etwas Unheimliches an sich.

Wenig später studierte sie den Pachtvertrag und das Herz wurde ihr schwer. Sie hatte mitverfolgt, mit wie viel Einsatz ihre Freundin den heruntergekommenen Bergbauernhof in Schuss gebracht hatte. Als sie wieder zum Telefon griff, wünschte sie sich sehnlichst, ihr etwas anderes mitzuteilen zu können.

Kapitel 2

„Max hat mich heute gefragt, ob ich einen Betrieb in der Umgebung weiß, der Schafmilch an das Zwergenhotel liefern könnte. Am besten in Bio-Qualität. Fällt dir da jemand ein?“ Siegfried sah seine Mutter über den Tisch hinweg fragend an. „Er sagt, die Nachfrage steigt ständig, weil so viele Gäste die Kuhmilch nicht mehr vertragen.“

Therese Huber schüttelte den Kopf und strich sich eine graue Haarsträhne hinter das Ohr, die sich aus der Spange gelöst hatte. „Ist ja kein Wunder, dass sich der Körper wehrt, bei dem vielen ungesunden Zeug, das die Leut‘ in sich hineinstopfen. Von den Jungen kann ja keine mehr richtig kochen.“ Sie schob sich einige Nudeln und ein Stück des Rindsschnitzels in den Mund und kaute nachdenklich. „Nein, du weißt ja, mit Schafen haben wir nichts zu tun. Am besten wird sein, du erkundigst dich beim Bio-Verband. Das hätte der Herr Küchenchef aber auch selbst machen können.“ Sie rückte die Salatschüssel in Siegis Reichweite. Ein paar Bissen nahmen sie schweigend.

„Ich werde Christian fragen. Ist ohnehin höchste Zeit, dass wir mal wieder auf ein Bier gehen. Hast du gewusst, dass bei ihm das vierte Kind unterwegs ist?“ Im selben Moment wurde Siegfried bewusst, dass er einen Fehler gemacht hatte.

Der verkniffene Ausdruck um den Mund seiner Mutter verstärkte sich. Auch wenn sie nichts sagte, spürte er den Vorwurf dahinter. Der Huber-Hof war die größte und angesehenste Bio-Landwirtschaft im Gasteiner Tal, ein Vorzeigebetrieb. Seit dem überraschenden Unfalltod seines Vaters vor mehr als neun Jahren, bewirtschafteten Siegfried und seine Mutter ihn alleine. Es war ihm bewusst, dass die Arbeit für sie in absehbarer Zeit zu schwer werden würde. Auch wenn sie versuchte, es zu ignorieren, merkte er, dass ihr Rücken, Hüfte und Hände Probleme machten. Christians Ältester war bereits fünfzehn und half schon fleißig mit. Es stand außer Frage, dass er den Betrieb später übernehmen würde. Und ihm, Siegfried, war es bis jetzt nicht einmal gelungen, eine geeignete Frau zu finden.

***

„Wie wäre es denn, wenn du einen Helfer einstellst?“ Christian bedeutete der Kellnerin, dass sie noch einmal dasselbe bringen sollte. Dann leerte er den letzten Schluck seines Biers.

Siegfried drehte sein Glas nachdenklich auf der hölzernen Tischplatte, wo es einen nassen Ring hinterlassen hatte. Er griff nach einem Bierdeckel und stellte es darauf. „Ich weiß nicht recht. Eigentlich bräuchte ich vor allem jemanden, der meine Mutter unterstützt und das wäre mit ihr sicher nicht einfach. Du kennst sie ja. Aber abgesehen davon ... Der Hof erwirtschaftet genug, dass wir gut über die Runden kommen, aber einen Lohn bezahlen? Das sind laufende Kosten und Aufwand. Weihnachts- und Urlaubsgeld, Lohnverrechnung ... Ich hab mir das schon durch den Kopf gehen lassen.“

Sein Freund nickte verständnisvoll. „Sandra ist zwar auch offiziell als Halbtagskraft angestellt, damit sie Anspruch auf eine eigene Pension hat, aber das ist natürlich nicht zu vergleichen. Ihr Gehalt stecken wir ja praktisch nur von der linken in die rechte Tasche.“

Dann fiel ihm etwas ein. „Ich soll dich fragen, ob du am Samstag zu uns kommst. Gemütliches Abendessen und danach Spieleabend. Ist schon wieder viel zu lange her.“

Siegfried zog die Augenbrauen hoch. „Wer ist es diesmal?“

Christian grinste. „Eine Cousine von Sandra. Frisch geschieden, 32 Jahre alt, zwei kleine Jungs. Gute Figur.“ Mit einem Zwinkern spielte er seinen letzten Joker aus. „Und blond, also absolut in deinem zugegebenermaßen ziemlich engen Beuteschema.“

Siegi schüttelte lächelnd den Kopf. „Sie kann es nicht lassen, oder? Aber von mir aus. Ist ja immer lustig bei euch. Danke. Wann?“

„Um acht. Dann ist die Kleine im Bett und Jürgen und Bini sind froh, wenn sie in ihren Zimmern in Ruhe Musik hören können, oder was auch immer.“

Siegfried nickte. Um diese Zeit würde er mit dem Melken und Füttern auch fertig sein. Die Anfrage von Max fiel ihm ein.

Christian legte den Kopf schief und strich überlegend über den Anflug eines rotbraunen Barts. „Ja, da wüsste ich vielleicht jemanden. Kennst du den alten Birchbauer-Hof in Bad Hofgastein?“

„Klar. Wenn ich an die Party da oben denke, krieg ich Kopfweh. Himmel, hatte ich danach einen Kater. Sag bloß, der ist wieder bewohnt!“

„Ja, fahr mal rauf und sieh dir an, was die Pächter daraus gemacht haben. Du wirst staunen!“

„Hast du keine Telefonnummer? Die könnte ich dann gleich an Max weitergeben.“

Sein Freund schüttelte den Kopf. „Es lohnt sich, das mit eigenen Augen zu sehen.“

Etwas an Christians Gesichtsausdruck irritierte Siegi, auch wenn er es nicht hätte benennen können. Jedenfalls hatte er ihn neugierig gemacht.

***

Vorsichtig fuhr Siegfried die schmale Straße zum alten Birchbauer-Hof hoch. Weiter unten im Tal hatte die Familie schon vor Jahrzehnten einen größeren und von flachem Weideland umgebenen Hof erworben. Die Zufahrt schlängelte sich am Berghang entlang und er hoffte, dass ihm kein Traktor entgegenkam.

Die wilde Silvester-Party, deren Nachwirkungen ihm in schmerzhafter Erinnerung geblieben war, musste mindestens fünfzehn Jahre her sein. Bereits damals war ihm das kleine Anwesen etwas heruntergekommen erschienen. Siegi war gespannt, was ihn nun erwartete.

Als er in den Hof einfuhr, überlegte er einen Augenblick, ob er sich vielleicht verfahren hatte. Ja, die Fassaden waren alt und bröckelten. Das Dach war geflickt worden und brauchte wohl in absehbarer Zeit eine Generalsanierung, aber insgesamt wirkte es freundlich und einigermaßen gepflegt. Er stieg aus seinem Mitsubishi Pajero und registrierte erleichtert den sauber gekiesten Bereich, der die Einfahrt mit den Gebäuden verband. Es hatte am Vormittag stark geregnet und er wäre nur ungern mit seinen Straßenschuhen im Matsch gewatet.

Während er einen Moment die grandiose Aussicht über das Gasteiner Tal bewunderte, drangen lautes Hundegebell und eine helle Frauenstimme an sein Ohr. Durch die undefinierbaren Geräusche alarmiert, bog er rasch um die Ecke eines Nebengebäudes. Ihm bot sich ein seltsamer Anblick. Im ersten Augenblick dachte er, das Mädchen, das hier auf der Wiese saß, würde von den beiden Hunden angefallen. Sie sprangen wild um die schmale Gestalt herum und es sah aus, als würden sie nach ihr schnappen. Zu dieser Version passten jedoch die Laute nicht, die die Drei von sich gaben. Dann wurde das Mädchen auf ihn aufmerksam. Es schob die Hunde liebevoll, aber bestimmt von sich weg und stand mit einer geschmeidigen Bewegung auf.

„Hallo!“ Im Näherkommen wischte es sich die Hände an der Hose ab, die eindeutige Spuren der Balgerei im nassen Gras trug.

„Servus, sind deine Eltern da? Ich hätte da etwas mit ihnen zu besprechen!“ Ihr stummes Grinsen irritierte ihn. Erst als sie knapp vor ihm anhielt, erkannte er seinen Irrtum. Es war eine zierliche junge Frau, keinMädchen. Und was für eine ... Siegfried kam etwas spät zu Bewusstsein, dass sein Mund offen geblieben war. Rasch klappte er ihn zu und räusperte sich, aber sein Kopf war wie leergefegt. Die schmale Gestalt stand mit hoch erhobenem Kopf vor ihm und sah ihn fragend an. Die beiden schwarz, weiß und braun gefleckten Hunde beschnüffelten ihn neugierig. Es schien ihr zu lange zu dauern, bis er sich gefasst hatte, und ergriff als Erste das Wort.

„Hallo, ich bin Sheela Khatun und noch für kurze Zeit die Herrin über dieses luxuriöse Anwesen.“ Sie hielt ihm lächelnd ihre Hand hin. Schmal und feingliedrig verschwand sie beinahe in seiner Rechten. Trotzdem war ihr Griff angenehm fest und bestimmt.

„Siegfried Huber. Ich komme in einer geschäftlichen Angelegenheit.“ Im selben Moment verfluchte er sein steifes, linkisches Auftreten. Er war normalerweise nicht gerade schüchtern, aber sie brachte ihn komplett aus dem Konzept. Die mandelförmigen Augen verengten sich und ihre Miene wurde härter.

Sheela überlegte blitzschnell. Irgendwie kam ihr der Name bekannt vor, aber sie konnte ihn nicht einordnen.

„Wer sind Sie? Der neue Pächter? Können Sie es schon nicht mehr erwarten, sich hier ins gemachte Nest zu setzen?“

Ihr Blick wurde glühend und frostig zugleich. Die möchte ich mir nicht zum Feind machen, dachte Siegi fasziniert. Sie dreht sich auf dem Absatz um und marschierte auf das Haus zu, die beiden Hunde eng an ihren Seiten. Dabei wirkte sie so majestätisch, dass auch ihr nasser, matschiger Hosenboden und die knallgelben Gummistiefel diesen Eindruck nicht schmälern konnten.

„So warten Sie doch, Sheela! Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden!“ Mit ein paar langen Schritten hatte er sie eingeholt, widerstand jedoch dem Impuls, ihren Arm zu ergreifen. Sie wandte sich so rasch zu ihm um, dass ihn das Ende ihres langen, geflochtenen Zopfes streifte. Die dunkelbraunen Augen fixierten ihn forschend.

„Also, was wollen Sie von mir?“

„Ich beliefere das Zwergenhotel in Bad Gastein mit Bio-Kuhmilch. Der Koch hat mich angesprochen, ob ich jemanden wüsste, der Schafmilch anzubieten hat. Weil mir niemand einfiel, habe ich meinen Freund Christian Ofner vom Bio-Verband gefragt. Er hat mich hierher geschickt.“ Er holte Luft und dachte gleichzeitig: Jetzt ist mir auch klar, warum er so gegrinst hat und die Telefonnummer nicht rausrücken wollte. Ein außergewöhnliches Mädchen ...

„Sie sind extra den Berg heraufgefahren, nur um mich das zu fragen?“ Sie musterte ihn misstrauisch. „Wie auch immer, Sie kommen ohnehin zu spät. Ich bin bald weg. Sie können ja meinen Nachfolger kontaktieren.“ Es war deutlich, dass sie damit alles andere als glücklich war.

„Warum? Ich meine warum verlassen Sie den Hof? Sie scheinen hier einiges auf die Beine gestellt zu haben!“

Sie zögerte einen Moment, dann fragte sie, bedeutend freundlicher: „Möchten Sie einen Kaffee?“

Kapitel 3

Er folgte ihr ins Haus und versuchte, nicht auf ihren kleinen, runden Po zu starren, über den sich der feuchte Baumwollstoff spannte. Sie wusch sich die Hände an der Spüle und gab Wasser und gemahlenen Kaffee in die Filtermaschine.

„Darf ich Sie kurz alleine lassen? Ich muss mich umziehen.“ Sie deutete auf die Eckbank, die zwar alt, aber mit einem neuen, bunt gemusterten Stoff bespannt war. Er setzte sich und ließ den Blick über die Einrichtung wandern. Hier hatte sich jemand erfolgreich bemüht, mit knappen Mitteln, aber vollem Einsatz und Kreativität etwas Altem eine wohnliche Atmosphäre zu verleihen. Die hölzerne Anrichte, die selbst seine Mutter schon entsorgt hätte, war liebevoll ausgebessert worden und bot einem einfachen Porzellan-Service Platz. Alles war sauber und gemütlich.

Sheela betrat die Küche. Nun trug sie statt der Cargo-Hose mit den ausgebeulten Taschen enge Jeans und ein lockeres Shirt, das ihr bis zur Hüfte reichte. Wortlos wandte sie sich zum Schrank, nahm zwei Tassen heraus und stellte sie auf das sonnenblumengelbe Tischtuch. Sie richtete ein paar Stücke Kuchen und den Kaffee an und platzierte alles auf dem Tisch. Siegfried wurde der Mund trocken, während er sie beobachtete. Er hatte noch nie eine Frau gesehen, die sich so geschmeidig bewegte. Kurz überlegte er, ob er es wagen sollte, sie nach ihrer Herkunft zu fragen. Da er nicht sicher war, wie sie das auffassen würde, ließ er es lieber.

„Entschuldigen Sie bitte, dass ich vorhin so grob war. Das Ganze geht mir wirklich an die Substanz.“ Aus ihrem zarten Gesicht mit dem gebräunten Teint leuchteten ihre Zähne gleichmäßig und schneeweiß, als sie lächelte. Siegi starrte einen Moment auf ihre schön geschwungenen Lippen, dann fasste er sich und meinte lässig: „Kein Problem. Wollen Sie mir nicht erzählen, was eigentlich los ist?“

Sie nickte, biss in ein Stück Kuchen und deutete ihm mit einer Handbewegung sich zu bedienen. Er machte sich normalerweise nichts aus Süßem, wollte aber nicht unhöflich erscheinen. Schon während er das Stück an den Mund führte, registrierte er ein ungewöhnliches Aroma, das ihn ein wenig an Lebkuchen erinnerte. Das Gebäck war flaumig, nicht zu süß und die Gewürze, die darin enthalten waren, ließen ihm das Wasser im Mund zusammenfließen. Er war versucht, die Augen zu schließen, um den Genuss zu intensivieren. Nur widerwillig schluckte er hinunter, weil er ihn nicht verlieren wollte.

„Was ist das? Das schmeckt sensationell!“

„Ein Rezept meiner Großmutter. Gewürzkuchen. Vorherrschend ist Kardamom, aber es sind noch einige andere Geschmacksnuancen, die ihn so außergewöhnlich machen.“ Sie lächelte über seine Begeisterung. „Ich liebe alle Arten von Kuchen, doch der ist mir der Liebste.“

Sheela nahm einen Schluck Kaffee, den sie ohne Zucker, aber mit viel Milch trank. Siegi tat es ihr gleich und stutzte. „Schafmilch?“

Ihr Lächeln wurde zu einem Grinsen. „Natürlich. Schließlich bin ich Schafbäuerin!“ Sie beobachtete ihn neugierig. Er war ehrlich überrascht.

„Gut. Man merkt fast keinen Unterschied im Geschmack!“

„Ja, die Steinschafe sind dafür bekannt, dass ihre Milch recht neutral schmeckt.“

„Wusste ich nicht.“

„Hätte mich auch überrascht.“ Sie lächelten einander an. Sie hatte von ihm und dem Huber-Hof gehört. Deshalb war ihr der Name vertraut vorgekommen. Sie hatte bemerkt, dass viele Rinderbauern die Schafbauern nicht so ganz für voll nahmen. Dann fiel ihr seine Frage wieder ein und sie seufzte auf. „Also mal der Reihe nach.“ Sie stützte die braunen Arme auf dem Tisch auf.

„Vor fünf Jahren suchten mein Freund und ich nach einem kleinen Bauernhof für einen Bio-Schafbetrieb. Da ich nur ein begrenztes Kapital hatte, kam nur Pacht oder Leibrente in Frage. Auf mein Inserat hin meldeten sich zwei Landwirte. Einer davon war Valentin Birchbauer. Er bot mir einen Pachtvertrag für fünf Jahre an, mit der Option, ihn zu verlängern. Das passte uns gut. Die Pacht war recht niedrig. Es war eine Herausforderung, das heruntergekommene Anwesen in ein bewohnbares Zuhause und einen ernstzunehmenden Betrieb zu verwandeln.“ Sie lächelte zufrieden. „So sah es aus, als wir es übernahmen.“ Sie griff nach ihrem Smartphone und tippte herum. Dann schob sie es ihm über den Tisch.

„Kannst ruhig weiter blättern, ist nichts Intimes darauf.“ Ihr verschmitztes Lächeln gefiel ihm genauso wie die Tatsache, dass sie - vermutlich ohne es zu merken - zum freundschaftlichen Du gewechselt hatte. Was er zu sehen bekam, schockierte ihn.

„Um Himmelswillen, darauf habt ihr euch eingelassen? Das war ja eine Bruchbude!“ Er sah auf und begegnete ihrem stolzen Blick.

„Ja, das war ein ziemlicher Hammer. Aber wir haben es geschafft!“

„Du sprichst immer von wir. Wo ist denn dein Freund?“

Ihre Miene verdüsterte sich etwas. „Bis vor einem Monat hab ich das gemeinsam mit Florian durchgezogen. Aber dann ist er Hals über Kopf abgehauen. Ich hab nicht viel von ihm herausbekommen. Nur, dass er Probleme mit jemandem im Ort hatte und auf der Stelle wegmüsse, bevor noch mehr passiert. Irgendwer hatte ihn zusammengeschlagen. Ich hab ihm zugeredet, zur Polizei zu gehen, aber das wollte er nicht. Er ist wieder zurück in die Steiermark.“ Sie biss sich auf die Lippe und Siegi hatte den Eindruck, als wollte sie noch etwas sagen. Also nippte er stumm an seiner Tasse und wartete.

„Er war die letzten Monate schon ziemlich seltsam drauf, abweisend irgendwie ...“ Sie zuckte mit den Schultern. „Das war anscheinend doch nicht so ganz das Richtige für ihn. Er braucht immer den Kick des Neuen. Seit sich hier alles gut eingespielt hat, war ihm wohl langweilig. Er ist nicht so der richtig beständige Typ.“ Sie zog eine entschuldigende Grimasse. „Und ich langweile dich mit meinen Geschichten ... Uuuuups, hab ich wirklich gerade du gesagt?“ Ihre eindrucksvollen Augen weiteten sich schuldbewusst.

„Das ist schon okay. Sag Siegi zu mir, das tun alle.“ Er lächelte ihr zu und sie nickte sichtlich erleichtert.

„Aber was ich noch immer nicht verstehe, warum gibst du das hier auf, wenn doch ohnehin alles gut läuft.“

„Mein Pachtvertrag wird nicht verlängert. Ich dachte, das wäre nur eine Formsache. Vor ein paar Tagen, als ich es schriftlich machen wollte, hat mir Herr Birchbauer mitgeteilt, dass er ausläuft. In zwei Monaten muss ich hier raus sein.“

„Das kann er doch nicht machen!“ Siegfried schaute sie fassungslos an. „Wo du so viel reingesteckt hast!“

„Leider kann er. Eine meiner Freundinnen hat Jura studiert. Sie hat sich den Vertrag angesehen. Er muss mir nicht mal Ablöse für meine Investitionen zahlen. Alles Bewegliche kann ich mitnehmen, aber das Übrige ist futsch. Das berühmte Kleingedruckte ...“ Plötzlich kämpfte sie mit den Tränen. Sie suchte hektisch nach einem Taschentuch und riss schließlich ein Blatt von der Küchenrolle. Siegfried überlegte hilflos, was er machen sollte. Dem Impuls, sie tröstend in die Arme zu nehmen, durfte er auf keinen Fall nachgeben. Daher war er heilfroh, dass sie sich schnell wieder fasste. „Ich hab keine Ahnung, was ich jetzt machen soll. Genau genommen kann ich mir nicht einmal den Abtransport leisten. Abgesehen davon, dass ich nicht wüsste wohin damit. Bleibt mir nur ein Notverkauf und dabei zahlt man immer drauf.“ Wieder griff sie zum Papiertuch. In Siegfrieds Gehirn ratterte es, aber leider fiel ihm auf die Schnelle auch keine Lösung ein, die er ihr präsentieren konnte.

„Ist es dir recht, wenn ich mich umhöre? Vielleicht findet sich doch eine akzeptable Möglichkeit.“

Sie nickte und schluckte hart. „Sicher, du kennst bestimmt eine Menge Leute hier. Soll ich dich ein bisschen herumführen?“

Begleitet von den beiden Hunden gingen sie um das Haus und die Scheune herum. Unter dem strahlend blauen Juni-Himmel bot sich ihm ein idyllisches Bild: Auf einer großen Wiese weideten ungefähr fünfzehn Schafe. Lämmer sprangen übermütig um ihre Mütter herum und blökten in verschiedenen Tonhöhen. Dazwischen tummelten sich munter gackernd einige Hühner und ein Hahn. Ein freches Federvieh krallte sich in die dichte Schafwolle und ließ sich tragen. Was ihm besonders auffiel, war die unterschiedliche Färbung der Schafe. Da gab es weiße mit dunklem Kopf und dunklen Beinen, dunkelbraune, graue und viele gefleckte. Allen gemeinsam war, dass die Nase und die Beine nur kurz behaart waren und die Ohren waagrecht abstanden, was ihnen ein lustiges Aussehen verlieh.

„Sind das mehrere Rassen?“

„Nein, die sind so verschieden gefärbt. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass man sie leichter unterscheiden kann. Liesl ... Liesl, komm!“

Ein schwarz-weiß geflecktes Mutterschaf löste sich aus der Herde und kam angelaufen. Zwei Lämmer, eines weiß mit schwarzen Flecken, eines dunkelbraun, blieben dicht bei ihr. Genüsslich ließ sich das Schaf das weiche Fell zwischen den Hörnern kraulen. „Meine jüngsten Lämmer. Gerade mal zwei Tage alt.“

„Kennst du alle beim Namen?“ Siegfried verriet ihr nicht, dass er es bei seinen Kühen auch so hielt. Seine Ex-Frau hatte ihn damit aufgezogen und ihm an schlechten  Tagen vorgeworfen, dass er die Kühe lieber mochte als sie. Schnell vertrieb er die trüben Gedanken und schmunzelte, als sich eines der Lämmchen wackelig auf die Hinterbeine stellte, um seiner streichelnden Hand näher zu kommen.

„Ja, sie hören sogar darauf. Diese Tiere werden sehr zutraulich. Sie sind widerstandsfähig und brauchen das ganze Jahr über nur einen wind- und regengeschützten Unterstand.“ Sie wies auf den auf einer Seite offenen Holzbau am Rand der Wiese. Er wirkte neu und solide gezimmert. „Man könnte sie aber auch den Sommer über auf einer hochalpinen Weidefläche halten und sie weitestgehend sich selbst überlassen.“

Nun näherten sich weitere Tiere und drängten an den Knotenzaun, um ein paar Streicheleinheiten abzubekommen. Quer über die Weide lief ein deutlich massigeres, fast schwarzes Schaf herüber und schob die anderen energisch weg.

„Das ist Moritz, mein Zuchtbock. - Sei nicht so ruppig, mein Großer.“ Er beäugte den Besucher neugierig und streckte seine Nase schnuppernd durch den Zaun.

„Die Steinschafe sind eine alte Allround-Rasse und liefern von allem etwas: Erstklassige Wolle und besonders zartes, feinfaseriges Fleisch. Sie geben zwar relativ wenig Milch, aber von der Qualität konntest du dich ja selbst schon überzeugen. Super für einen Kleinbetrieb und wenn man die Vielseitigkeit schätzt.“

„So wie du. Für einen spezialisierten Betrieb mit intensiver Nutzung kommen sie wohl eher nicht infrage“, schlussfolgerte Siegi.

„Genau. Mittlerweile habe ich für alles meine Abnehmer.“ Sie strahlte einen Moment, dann verdüsterte sich ihre Miene schlagartig. „Aber das wird mir bald nichts mehr nützen. Das Einzige was mir jetzt bleibt ist, rasch gute Plätze für sie zu finden.“ Sie wandte sich abrupt den Schafen zu. Siegi ahnte, dass sie ihm nicht zeigen wollte, wie nahe ihr die Trennung von den Tieren ging. Der Stolz und die Haltung der jungen Frau imponierten ihm. Sie hatte in die kleine Herde offenbar viel Herzblut investiert und er konnte sich gut in sie hineinversetzen. Auch ihre Hunde spürten die Stimmung. Sie schmiegten sich schwanzwedelnd an Sheela und versuchten, ihr das Gesicht abzulecken, als sie zu ihnen in die Hocke ging. Sie legte die Arme um die beiden. Es war zu spüren, wie viel Wärme und Trost sie für sie bedeuteten. Er hörte, wie sie ein paar Mal tief durchatmete. Mit leiser Stimme sagte sie zu den Hunden: „Euch beide gebe ich nicht her. Und wenn wir irgendwo in einer Scheune schlafen müssen.“ Siegfried empfand die Szene beinahe intim und sie berührte ihn sehr. Sie ist so tapfer. Ich spüre, wie traurig und verzweifelt sie ist.

Sheela stand auf und wandte sich zu ihm um. Nur mit Mühe brachte sie ein Lächeln zustande. „Harry und Hermine sind Bruder und Schwester. Ich hab sie als Welpen aus dem Tierheim geholt. Angeblich sind sie Australian Shepherd-Mischlinge.“

„Harry und Hermine?“, wiederholte Siegfried erstaunt. „Wie bei Harry Potter?“

„Ich bin ein ganz großer Fan!“

„Sag es nicht weiter, aber da haben wir etwas gemeinsam.“ Er zwinkerte der jungen Frau in stillem Einvernehmen zu.

„Wirklich? Das hätte ich nicht gedacht.“ Plötzlich strahlte sie ihn an. Zu seinem Ärger stieg ihm leichte Röte ins Gesicht. Er tat es mit einem Achselzucken ab. „Ich lese viel. Krimis, Thriller und ab und zu Fantasy und Science-Fiction. Ist weit interessanter als Fernsehen.“ Sie wandten sich wieder dem Haus zu.

„Das finde ich toll! Genau meine Linie!“ Ihre Blicke trafen sich und Siegi wäre beinahe über die Hündin gestolpert, die ihm vor die Füße lief.

Sheela senkte den Kopf, um ihr Schmunzeln zu verbergen. Sie war daran gewöhnt, dass sich Männer in ihrer Gegenwart seltsam benahmen. Oft wäre ihr lieber gewesen, nicht so sehr aufzufallen, aber das war ein Ding der Unmöglichkeit. Es erstaunte sie, wie wohl sie sich in der Gesellschaft des großen, breitschultrigen Mannes fühlte. Sie mochte es, mit ihren Tieren alleine zu sein. Nun ertappte sie sich dabei, dass sie sich wünschte, er würde noch ein wenig bleiben. Vielleicht setzt mir die Einsamkeit hier auf dem Berg doch mehr zu, als mir bewusst gewesen ist? „Möchtest du noch einen Blick in die Milchkammer werfen?“

„Unbedingt.“ Obwohl er daheim bestimmt schon erwartet wurde, hatte es Siegi nicht eilig.

Der Raum, in dem Sheela die Milch abfüllte und Joghurt und verschiedene Frischkäse zubereitete, war nicht groß, aber für ihre Zwecke ausreichend. Weiße Kacheln reichten bis an die Decke, die Arbeitstische bestanden aus Nirosta-Edelstahl. Alles blitzte vor Sauberkeit. Siegi nickte anerkennend. „Genau, wie es sein soll!“

„Natürlich. Ich mache keine halben Sachen!“ Sie lächelte selbstbewusst zu ihm auf. Dann traten sie wieder ins Freie. Vor ihnen breitete sich das Gasteiner Tal und zu ihren Füßen Bad Hofgastein aus. Seite an Seite bewunderten sie den Ausblick. Siegfried nutzte die entspannte Atmosphäre.

„Darf ich dich etwas fragen?“

Sie nickte. „Klar.“

„Es ist ungewöhnlich, eine junge Frau wie dich da heroben anzutreffen.“

„Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. Du meinst also, ich sehe nicht wie eine gestandene Salzburger Jungbäuerin aus?“ Sie zwinkerte ihm zu, dann blickte sie wieder über das Tal. „Meine Herkunft kann ich nicht verbergen - und ich will es auch nicht, obwohl ich es mir früher manchmal gewünscht hatte. Mein Vater stammt aus Kaschmir.“ Mit einem Seitenblick stellte sie fest, dass er  - wie erwartet - mit dieser Information wenig anfangen konnte. „Das ist ein Gebiet im Himalaya, um das sich China, Pakistan und Indien seit Urzeiten streiten. Heute gehört dieser Teil zu Indien. Ende der 1960er Jahre, als sich ein weiterer Krieg abzeichnete, sind meine Großeltern mit ihren beiden Söhnen aus der Region geflüchtet. Nach einigen Zwischenstationen sind sie in Österreich gelandet und geblieben. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Also in Österreich meine ich, genauer gesagt im Burgenland. Meine Eltern betreiben in Eisenstadt ein indisches Spezialitätenrestaurant.“

„Okay, das erklärt dein exotisches Aussehen. Und wie bist du zur Landwirtschaft gekommen?“