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Dieses wundervolle Ehebuch hat Sterneder der Jugend und ihren Eltern gewidmet. Es ist ein einzigartiges Plädoyer für die Reinheit, die für Sterneder der Urgrund aller Schöpfung ist. Wer in ihr lebt, lebt in Gott, wer sie verliert, verliert auch die Verbindung zu seinem Schöpfer, löst sich aus der Ordnung und baut mit am Chaos und am sittlichen Verfall. Sterneder enthüllt die geistigen Urgründe des Lebens und macht deutlich, dass die Wurzel des ganzen Geschlechtslebens – das seinen edelsten Ausdruck in der Liebe und Ehe findet – nicht im Irdisch-Leiblichen, sondern im Kosmisch-Geistigen liegt. Er entwirft das Ideal der geschlechtlichen Lebenshaltung und verantwortungsbewussten Eheführung, indem er die kosmisch-biologischen Gesetze um Leben, Geschlecht, Liebe, Ehe und Zeugung aufzeigt. Dieses Buch ist völlig gegen den heutigen Zeitgeist geschrieben, aber die Lektüre lohnt sich für jeden, der sich mit Fragen rund um Ehe, Zeugung und Geschlechtsleben beschäftigt.
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Seitenzahl: 234
Veröffentlichungsjahr: 2019
Hans Sterneder
Die Neugeburt der Ehe
Eich-Verlag
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1. E-Book-Auflage 2019
© Thomas Eich-Verlag, Werlenbach 2010
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ISBN 978-3-940964-48-9
Der Jugend
und ihren Eltern
gewidmet
INHALT
VORWORT
I. SODOM UND GOMORRA
Der Sturm in der Nacht – Die große Vision
II. DER RUF ODER DER KONIGLICHE WEG
Völker- und Welten-Not – Meister des Familienlebens – Ehe: eine Geistgemeinschaft und Seeleneinheit – Volks-Ehe – Kranke Seele – Weg der Menschheit – Katastrophen – Gottlosigkeit
III. PARADIES UND PARADIESES-VERLUST
Geistige Ur-Schöpfung: Der Himmel – Geist-Wesen – Der Weltäther – Engelssturz aus dem Himmel: erste Verdichtung der Schöpfung – Astral-Welt: das Paradies – Baum der Erkenntnis – Das verhängnisvolle Geheimnis des Apfels – Baum des ewigen Lebens – Sündenfall – Vertreibung aus dem Paradies: zweite Verdichtung der Schöpfung – heutiger, grobstofflicher Erdenzustand – Erbsünde: physischer Geschlechtsverkehr
IV. „LIEBET EUCH UNTEREINANDER ...“
Die Bedeutung der Ehe – Der Weg der Erlösung – Die Magie des Gebets – Bipolarität alles Seins – Der Schutzgeist
V. DAS GEHEIMNIS DER HOCHZEIT VON KANA
Übereinstimmung der geistig-seelischen Sphären – Das Geheimnis der Lebens-Ode – Die Rassen-Frage: ein Geist-Problem – Neuwandlung des Menschen-Bundes – Ebenbürtige Gattenwahl – Veredlung des Geschlechtslebens – Urteil der Kirchenväter
VI. RUF AN DIE JUGEND: DAS HOHE LIED DER REINHEIT
Ergründung der Seele – Die Natur als Helferin – Der Wille der Auslese – Verfall der Sittengebote – Vernunft und Leidenschaft – Erwachen des Blutes – Gefahr der Sinnenauslebung – Not der Jugend – Selbstbefleckung – Falsches Prophetenwort – Frühgealterte Seelen – Reichtum der Reinheit – Haltet eure Gedankenwelt rein! – Gedanken sind Wesen
VII. DER FREVEL VERANTWORTUNGSLOSER AUSLEBUNG VOR DER EHE
Versündigung der Jugend an ihrer Seele – Der abgegriffene Schmetterlingsflügel – Tummelplatz für Gewissenlose – Abgekühlt und abgebrüht! – Arme Ehe: das verlorene Kleinod – Die Spur im Schnee
VIII. WIE LIEBENDE ERGRÜNDEN KÖNNEN, OB SIE FÜRS LEBEN ZUSAMMENPASSEN
Die vier Gotteshilfen oder das Spiegelbild des Menschen-Schicksals – Die Einheit von Mensch und Kosmos – Tierkreis-Typ und Horoskop: das Schicksal, der schreibende Finger Gottes – Kopfform: das sichtbare Bild des inneren Menschen – Handlinien: die Sprache der wissenden Seele vom Leben – Handschrift: der Spiegel des Charakters – Das blinde Jahrhundert – Forsche und prüfe! – Menschenweisheit wechselnd, Gott-Weisheit unverrückbar.
IX. DEIN KÖRPER IST DAS ANRECHT DEINER KINDER
Die Reinheit, der ewige Lebensboden von Mensch und Volk – Das Geschlechtserwachen, der elementare Herr der Jugend – Wahn, Hilflosigkeit und Tragik unserer „modernen“ Jugend – Fluch der Voreiligen: Vorzeitige Verschüttung des Weins – Das vergiftende Baalsjüngerwort vom Auslebungsrecht der Jugend – Die Anrechthaber auf deinen Körper: Gott, dein Volk, deine Kinder – Die Sünden der Väter – Das Geheimnis der Ehebrüche – Der Körpermagnetismus: die geheime Od-Spannung beider Geschlechter – Heilige Gralsritter – Klingsor, Kundry und Parzival im Menschen
X. DIE WAHRHAFT GLÜCKLICHE EHE
Einkehr und Umkehr – Der Schatz in uns – Überwindung des Widerstreites zwischen Herz und Hirn: Gretchen und Mephisto – Reinheit, Weisheit und Liebe, die Grundkräfte im Menschen und Kosmos – Der geistige Ein-Mensch – Bestimmung des Weibes: Christi Wort zu Magdalena – Nicht „ich“, sondern „Du“! – Das schlagende Herz … das hütende Schwert – Die gottgewollte Ehe – Der Irrtum der Männer – Ehe, keine Versorgungsanstalt – Seelische Wegwanderschaft – Verklärung des Geschlechtslebens – Gebärung des seelischen Hermaphroditen – Schöpfer-Pflicht
XI. DER FLUCH DES UNGEZÜGELTEN GESCHLECHTSLEBENS
Sodom und Gomorra des Geschlechtslebens – Die Wurzel von Ehebruch und Scheidung – Ehrfurcht vor dem keimenden Leben – Das gesegnete Weib, ein Gotteshaus – Die Mitschuld der Frau – Die teuflische Kains-Sünde der Menschheit – Heilighaltung des tragenden Schoßes und keimenden Lebens bei den Tieren – Das große, kosmische Geheimnis der Zeugung – Der zweifache Zeugungsruf: lichte oder dunkle Seele – Der Geist des Kindes, das Ego, ist nicht von den Eltern.
XII. DER GEHEIME RHYTHMUS DER LEBENS-ENTWICKLUNG
Die Ewigkeit alles Lebens – Der Äon-Weg des Gottesfunkens – Es gibt keinen Tod! – Das ungeheure kosmische Geheimnis der Zeugung – Der auf die Wiederverkörperung harrende Gottesfunke – Der magische Ruf und das Jenseits – Das umquälende Rätsel missratener Kinder.
XIII. WEISE BEHERRSCHUNG DER SEXUALKRAFT
Abnahme der Vitalität durch Lebenskraft-Verschwendung – Die Sexualkraft: der Schöpfer-Wille – Der Betrug der Triebe – Kinder, ein Segen – Frevlerisches Eingreifen in das Gesetz des ewigen Lebens – Sich selbst betrügende Gott-Betrüger – Das heilige Tempelfeuer – Die heilige Kulthandlung – Das Geheimnis der magischen Tempelschulen der alten Völker – Der wirkliche Grund des Zölibats – Das Geheimnis des hohen Alters der Propheten.
XIV. DISHARMONIE
Seelen- und Körpervergiftung – Misserfolg im Leben – Disharmonische Ehen, Gefahr für die Umwelt – Das Zeugnis des Jesuitenpaters – Das Tridentinische Konzil – Harmonische Ehen Gottes Werk – Disharmonische Ehen Menschenwerk – Gott straft nicht! – Gott: die ewige Liebe – Disharmonische Ehe, dauernde Beleidigung Gottes – Karma, die unbestechliche Göttin der Wiedervergeltung
XV. DAS WELT-MYSTERIUM DER EHE
Menschheitsweg: aus Gottlosigkeit zu Gottverbundenheit – Herr werden über sich selbst – Wir sind ein Göttliches! – Die Aufgabe der Menschen in der Zukunft – Veredlung der Erbsünde – Verklärung des Liebes- und Lebens-Bundes – Wiederkehr des verlorenen Paradieses
HANS STERNEDER UND SEIN EHEBUCH
von Thomas Eich
VORWORT
Dieses Buch wurde geschrieben in meinem weltabgeschiedenen Heimatdorf, im Sommer, während der Roggen in voller Blüte stand.
Tagelang habe ich mich in die regungslose Stille oder das windgetriebene Gewoge der Halme und in das duftende Mysterium der Ähren versenkt. Dabei wurden mir die gesegneten Halme immer mehr zum Bild unseres Volkes und die heilige Reinheit der blühenden Ähren zum Gleichnis unserer Jugend.
Bei der Betrachtung der Ähren und der in heiliger Ordnung stehenden Halme überkamen mich schwere Gedanken, denn ich sah, dass unser Volk und die Völker der Erde nicht in der großen, harmonischen Ordnung standen, sondern sich in bitterer, innerer Zerrissenheit und im Chaos befanden.
Und ich wusste in meiner tiefen Betrübnis, dass der Grund dieser schmerzlichen Zerrissenheit in den kranken Ehen zu suchen war.
Denn die Ehen sind die kleinste Form des Staates. Sie sind seine Zellen.
Wenn aber die Zellen krank sind, dann ist das ganze Volk krank.
Ich sah auf die starken, weise gegliederten Halme, die den ärgsten Stürmen standhalten, und wusste, wovon die zerfahrene Lebensführung und das brüchig gewordene Eheleben herrühren.
Die Wurzel all dieser Übel ist darin zu suchen, dass die Menschheit nicht mehr im überirdischen Glanz der Reinheit und der Frömmigkeit steht.
Und dass ein Großteil der Jugend nicht mehr in ehrfürchtigem Schaudern und demütiger Verhaltenheit, den blühenden Ähren gleich, ihre schöpferische Stunde erwartet, sondern in frevlerischer Voreiligkeit, lang vor dem großen Fest der ehelichen Vereinigung, den Wein des Lebens fahrlässig verschüttet.
Zufolge dieser kühnen Vermessenheit aber straft sie das strenge, wachende Schicksal und nimmt ihren Seelen jene Kraft, die nicht nur das höchste Geschenk der Erde und der Glanz und die Würde des Menschen, sondern zugleich auch der Lebensboden aller Völker ist: die Reinheit!
Denn die Reinheit ist der Urgrund aller Schöpfung.
Wer in der Reinheit lebt, lebt in Gott und steht wie die Halme des Roggenfeldes in der Ordnung.
Wer aber die Reinheit verliert, löst sich aus der Ordnung der Welt und baut mit am Chaos und am sittlichen Verfall des Volkes.
Darum müsste die Jugend in den Jahren ihrer Geschlechtsreife in nichts so tiefgründig und sorgfältig geschult werden wie im Erkennen und in der Behütung der aufbrechenden Geschlechtskräfte und der Reinheit.
Die ganze Schuld am Verlust und dem zu geringen Gefühl für die Reinheit aber liegt beim Staat.
Beim Staat, der die Reinheit nicht als sein Wichtigstes, volksentscheidendes Gut überall aufs Emsigste hütet und es nirgendwo in seinem Leib weder durch Wort noch durch Bild noch durch Beispiel gefährden lassen dürfte!
Der Staat aber, dem die Erkenntnis abhanden gekommen ist, dass einzig nur die Reinheit der Lebensboden des Volkes ist, gibt seine Jugend und das Volk nicht nur dem die Reinheit zersetzenden luziferischen Ansturm preis, sondern er lässt, was an unfassbare Selbstzerstörung grenzt, die unmündige, unreife Jugend in den entscheidendsten Jahren ihrer Geschlechtsreife in allen Fragen des Geschlechtes vollkommen unbelehrt und ungeschult!
Da die ungeheure, letztendige Bedeutung der Reinheit für Mensch und Volk aber nur der erkennen kann, der in ihr nicht bloß eine sittliche Forderung sieht, sondern weiß, wie entscheidend sie in den geistigen Wesensgrund und den kosmo-biologischen Urgrund des Lebens hineinreicht – und demzufolge nicht nur Charakter, Gesundheit und der Erfolg des Menschen, sondern den ganzen Kern der Ehe, das Schicksal der Nachfahren und die moralische Höhe des Volkes bestimmt –, so hat mir diese Erkenntnis von der Bedeutung der richtig durchlebten Geschlechtsreife dieses Buch aus dem Herzen gepresst.
Es behandelt das Erwachen des Geschlechtes und die Ehe nicht von der plumpen, körperlich-hygienischen Seite her, von der es in der einschlägigen Literatur bereits unzählige Male, leider viel zu materiell, abgewandelt wurde, sondern es geht die menschenformende, volksentscheidende Rätselfrage von der einzig wahren Seite an, indem es die bisher nie behandelten kosmo-biologischen, geistigen Urgründe des Lebens aufzeigt und damit darlegt, dass die Wurzel des ganzen Geschlechtslebens, das seinen edelsten Ausdruck in der Liebe und Ehe findet, nicht im Irdisch-Leiblichen, sondern im Kosmisch-Geistigen liegt.
Es ist mir voll bewusst, dass der Inhalt dieses Buches nicht in allen Punkten sofort erfüllt werden kann.
Aber dieses Buch stellt das Ideal der geschlechtlichen Lebenshaltung und verantwortungsbewussten Eheführung auf, indem es die geheimen, kosmo-biologischen Gesetze um Leben, Geschlecht, Liebe, Ehe und Zeugung darlegt und lehrt.
Dieses Ideal muss der Mensch als Ziel seiner Lebensbahn kennen und stets vor Augen haben. Wie weit er diesen hohen, unveränderlichen, gottgewollten Grundzustand erreicht, hängt neben seinem Schicksal von seinem redlichen Wollen ab.
Die bedrückenden, seelen- und friedlosen Zustände in unserem Volk und in der ganzen Welt geben meinem Buch die volle Bestätigung für die Richtigkeit meiner Wahrheiten und Zielweisungen.
So wünsche ich, dass dieses Ehe-Buch den Menschen durch die Darlegung der kosmo-biologischen, gottgeistigen Ur-Gründe des Lebens zur Neugeburt eines kosmisch-geistig bewussten Menschentums und somit zur Volksveredelung und zum endlichen Menschheitsfrieden verhelfen möge.
Eggendorf, Sommer 1959
Hans Sterneder
I.
Es ist Nacht. Eine wilde, finstere, sturmdurchtobte Nacht.
Es ist lange her, dass der Sturm kam. Den ganzen Tag liefen riesige graue Wolken über den Himmel, endlos, wie auf der Flucht. Und als die Aveglocke läutete, hörte man sie kaum; denn da war er da. Mitten in den Wolkenheerscharen, die aus unendlich weiter Ferne hertrieben. Wohl von der gewaltigen Nordsee her.
Und nun sind Stunden vergangen seither, und es ist stockrabenfinster.
Aber der Sturm ist noch immer da. Der Sturm ist geblieben und brüllt und schreit und donnert, dass man Hören und Sehen verlieren kann.
Und das kleine, weltabgeschiedene, weltvergessene Dorf liegt mitten in der großen, polternden Finsternis. Ganz allein zwischen seinen weiten Feldbreiten, Waldzügen, Hügeln und köstlichen Weinrieden.
Ich habe das Licht gelöscht und spähe und lausche in die Nacht.
Ein halbes Leben lang lebe ich hier schon; aber das ist eine besondere Nacht heute. Es kann keiner schlafen im Dorf. Ich weiß, sie liegen alle wach in den Betten und lauschen und starren. Und haben etwas im Blut, das auch ich im Blut habe. Eine Spannung, ein großes, unheimliches Warten. Auch das Vieh ist unruhig in den Ställen und kann sich nicht hinlegen, denn selbst die Tiere fühlen dieses unheimlich Beklemmende im Blut.
Es ist wie eine mächtige, unerklärliche Bangnis im Dorf. So, wie wenn die Feuerglocke gellt und alles auffährt und die angstvolle Frage von Mund zu Mund springt: ... Brand?
Und es ist doch auch wiederum anders: so, wie wenn ein tückischer Riesenalb, ein Nachtmahr, von irgendwo ins Dorf gekrochen wäre und sich über alle Dächer gelegt hätte.
Ich weiß, jeder spürt es und jeder wartet; wir alle sind durch diese heimliche Erregung verbunden und harren auf etwas. Auf etwas, das wir nicht kennen, das wir aber wissen, fühlen und das bleischwer in uns ist.
Das Dorf liegt ganz finster in der durchheulten Dunkelheit. Nur das Scheppern der Fensterscherben, die in den bleiernen Flickbändern zittern, greint zag durch die Straßen wie das erlöschende Wimmern eines Kindes.
Und über den Himmel jagt es immerzu wie Legionen großer und kleiner pechdunkler Dämonen, die mit breiten, schlagenden Flügeln dahinbrausen.
Es ist gut, dass die Bauern die Unholden nicht sehen und auf ihren Strohsäcken liegen! Und dass erst recht die Jungbrut sie nicht wahrnimmt! Es ist zu unheimlich! Fliehen die Unholde oder stürmen sie an?
Ob so oder so, es ist ein Gepferch am Himmel, dass nur ganz selten einmal ein Stern zwischen den Flatterflügeln aufblitzt. Wie gut, dass sie immer wieder durchbrechen! Man würde sonst das Rasen nicht sehen und könnte meinen, die Gespenster rotten sich alle über dem Dorf zusammen, um es zu erdrücken.
Manchmal, auf Augenblicke bloß, wird es stiller; dann hört man das heisere, aufbegehrerische Kreischen des alten Turmhahns am Knauf oben. Was der wohl in die Meute zu schreien wagt! Schließlich, er kann sich’s erlauben; er war schon da, als der große Weltenheiland über die Erde ging und ihm das Arge geschah! Er kennt die Dämonen. Und wenn er sich dortmals zu krähen getraut, warum soll er heute es nicht wagen, gegen sie aufzubegehren? Sie den Menschen kundzutun, über die sie sich drohend verballen?
Und manchmal, ganz unerwartet, wuchtet es an die Wand, dass ich meine, das Gemäuer müsse nachgeben und einbröckeln.
Dann wieder donnert es auf in der Gasse, wie wenn stampfende Pferdehufe über die Eichenbohlen alter Korntennen trampen. Doch das ist Täuschung! ... Im nächsten Augenblick schon Stille! ... Atemstille!
Aber die Sinne trauen nicht, sie lauern. Sie fühlen, dass es nicht zu Ende ist! ...
Da! Was ist das? ...
Sickert es nicht aus den Mauern wie altes, uraltes Gewimmer, das endlich frei geworden ist und nun verzweifelt durch die Gassen irrt? Ganz so wie eine große Schuld oder eine große Not! Sieht man es nicht förmlich, wie es die Häuser entlangschlurft?
Gleich ist es wie das Gestöhn von Sterbenden, die in schwerer Unruh von der Erde gingen; dann wieder wie das Gejammer und Geschluchze schmerzgepeinigter, hartangefasster Weiber. Aber auch wie Schreie Entbindender, die sich in den Krämpfen messerstechender Wehen winden und werfen.
Aber während man genau zu wissen glaubt, dass es aus den Mauern bricht, ist man sich plötzlich vollkommen bewusst, dass es aus dem Boden kommt. Das angestrengt hinhorchende Ohr nimmt es deutlich wahr: ... klägliches Jaulen und Stöhnen eines Hundes! ... Wie kommt der Hund unter die Erde? ... Es ist unerträglich – das Schreien dieses lebendig begrabenen Hundes!
Aber es ist nicht der Hund allein! ... Wachen die Toten auf? ... Suchen die Begrabenen ihre Gebeine wieder zusammen? Es ist kaum zu ertragen, dieses leise und doch so vernehmliche Schürfen von spitzen Ellbogenknochen, das Schüttern und Klappern, das Schnaufen und Atemziehen.
Ist der Jüngste Tag angebrochen? ...
Bleibt unten, ihr Alten, haltet Ruh! Was schiert euch der Sturm! Was geht euch der Jammer an, der aus dem Hausgemäuer kriecht! Was kümmert euch der krähende, heisere Turmhahn? Er gilt nicht euch, sein Ruf! Was scheren euch die brausenden Dämonen und die bebende Erde! Bleibt liegen, ihr Toten! Bleibt! Im Namen des ewigen Gottes, ich will es!
Und ich muss denken: Das kommt davon, wenn die Bauern auch ihre Toten bei sich haben müssen, rings um die Kirche liegend, mitten im Dorf!
Aber ich kann auch dem nicht nachsinnen, denn wie ein wild einbrechender Regenschauer gellt es plötzlich von oben herab: höhnisches, meckerndes Gelächter, so unerwartet und heftig an mein Gesicht brechend, dass ich zurückfahre. Aber schon tollen die Spukgeister weiter, sind im Garten zwischen meinen Obstbäumen und reißen an ihnen herum, dass die alten Stämme ächzen und knacken und die Kronen aufbrodeln wie siedendes Wasser.
Ich lebe doch schon eine schöne Weile, aber solch eine Nacht habe ich noch nie erlebt. Und ich weiß, auch die Bauern denken so.
Das ist kein Sturm wie Stürme sonst sind!
Das ist was anderes; da ist etwas ganz anderes am Werk!
Das hat eine ganz andere Bedeutung! Wir spüren es alle irgendwie! Jede Seele im Ort! Jedes Vieh! ... Ja, ich glaube, sogar die Erde fühlt es und der Bach, der durchs Dorf rinnt!
Ja, natürlich fühlt es die Erde! Warum stieße sie sonst derart mit ihren Flanken ... Hu, jetzt wieder! So deutlich, so gruselig deutlich! – Warum schürften und klapperten die Toten sonst so unter der Erde!
... Es ist mit einem Mal unerträglich. Ich halte es nimmer aus!
Ich muss die Lampe anzünden ...
Und nun sitz ich im alten Stuhl, in dem mein Großvater immer saß, und atme tief.
Der Vorhang schlägt und flaggt zuckend in die Stube.
Ganz von selbst langt meine Hand nach der hundertjährigen Bibel mit den vergilbten Blättern, in der mein Urahn mütterlicherseits, der Schäfer mit den schneeweißen Haaren und dem langen Silberbart, sein Lebtag gelesen, und ich schlage sie auf, irgendwo, um mir starke Ruhe durch das Buch zu holen.
Und das Alte Testament redet zu mir also:
„Und der Herr sprach: Es ist ein Geschrei zu Sodom und Gomorra, das ist groß, und ihre Sünden sind gar schwer. Und er sandte zween Engel, und sie kamen gen Sodom des Abends; Lot aber saß zu Sodom unter dem Tor. Und da er sie sah, stund er auf, ging ihnen entgegen und bückte sich mit seinem Angesicht auf die Erde und sprach: Sehet, liebe Herren, kehret doch ein zum Hause eures Knechts und bleibet über Nacht. Und sie kehrten zu ihm ein und kamen in sein Haus. Aber ehe sie sich legten, kamen die Verderbten der Stadt Sodom und umgaben das Haus, jung und alt, das ganze Volk aus allen Enden und forderten von Lot die Männer, auf dass sie sie zu Schanden brächten und verderbten.
Lot ging heraus zu ihnen vor die Tür und schloss die Tür hinter sich zu und sprach: Ach, liebe Brüder, tut nicht so übel!
Sie aber sprachen: Gehe hinweg! Und sprachen auch: Wohlan, wir wollen dich übler plagen denn jene. Und sie drangen hart auf den Mann Lot.
Und da sie hinzuliefen und wollten die Tür aufbrechen, griffen die Männer hinaus und zogen Lot zu sich ins Haus und schlossen die Tür zu.
Und schlugen mit Blindheit groß und klein, bis sie müde wurden und die Tür nicht finden konnten.
Und die Männer sprachen zu Lot: Hast du noch irgend hie einen Eidam und Söhne und Töchter, und wer dir angehöret in der Stadt, den führe aus dieser Stätte.
Denn wir werden diese Stätte verderben, darum weil ihr Geschrei und Gottlosigkeit groß ist vor dem Herrn; der hat uns gesandt, sie zu verderben.
Da ging Lot hinaus und redete mit seinen Eidamen, die seine Töchter nehmen sollten: Machet euch auf und gehet aus diesem Ort; denn der Herr wird diese Stadt verderben. Aber es war ihnen lächerlich.
Da nun die Morgenröte aufging, hießen die Engel den Lot eilen und sprachen: Mache dich auf, nimm dein Weib und deine zwo Töchter, dass du nicht auch umkommest in der Missetat dieser Stadt.
Da er aber zögerte, ergriffen die Männer ihn und sein Weib und seine zwo Töchter bei der Hand und führten ihn aus der Stadt.
Und sprachen draußen: Errette deine Seele und siehe nicht hinter dich und stehe nicht in dieser ganzen Gegend.
Und Lot ging, und als die Sonne aufgegangen war auf Erden, kam Lot in die Stadt Zoar.
Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra, und kehrte die Städte um und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte, und was auf dem Lande gewachsen war ... und es ging ein Rauch auf vom Lande wie ein Rauch vom Ofen“ ...
*
Schwer liegt meine Hand auf dem ewigen Buch. Und schwer geht das Herz in meiner Brust.
Denn ich sehe vor mir den Geist der Zeit und die ganzen Geschehnisse. Ich sehe die Menschen der Städte, Marktflecken und Dörfer in ihrer Oberflächlichkeit, Flüchtigkeit und Gejagtheit. Ich sehe die Leere ihrer Seelen und die Gottesferne ihrer Herzen. Ich sehe ihren Wahn und ihr verkehrtes Leben. Ihren furchtbaren Fluch: – das Meiden der Stille und der Versunkenheit, die ewige Flucht vor sich selbst in den Lärm und die ständige Unrast. – Ich sehe das Sterben der Ideale in ihnen und ihr kühles, gedankenloses Schreiten über die ewigen, heiligen Sittengesetze! Sehe die ungeheuerliche Giftsäule, die aus dem ganzen Lande bricht aufwärts in den reinen, heiligen Himmel.
Und ich erlebe, wie unheimliche Wolken sich bilden und aus ihnen Feuer und Schwefel bricht und alles vernichtet: Städte, Menschen und Tiere und alles was da lebte ohne Gott und in der Sünde der Gedanken- und Gewissenlosigkeit.
Und mein Sinn ist gefangen, so dass ich das tobende Drohen des Sturmes vergesse.
Noch einmal greife ich wie geschoben ins Buch, und vor mir liegt Jesajas Gericht über die Verderbtheit des Volkes, und das uralte Buch redet:
„Und das Volk wird Schinderei treiben, einer an dem andern und ein jeglicher an seinem Nächsten; und der Jüngere wird stolz sein wider den Alten und der geringe Mann wider den Geehrten.
Denn Jerusalem fällt dahin und Juda liegt da, weil ihre Zunge und ihr Tun wider den Herrn ist, dass sie den Augen Seiner Majestät widerstreben.
Ihres Wesens haben sie kein Hehl und rühmen ihre Sünde wie die zu Sodom und verbergen sie nicht. Wehe ihrer Seele! Denn damit bringen sie sich selbst in das Unglück.
Prediget von den Gerechten, dass sie es gut haben; denn sie werden die Frucht ihrer Werke essen.
Wehe aber den Gottlosen! Denn sie haben es übel, und es wird ihnen vergolten werden, wie sie es verdienen.“
Ich muss Einhalt tun, denn es liegt plötzlich etwas auf meiner Brust, das ist zentnerschwer. Und während ich vor mich hinstarre, auf die Zeilen, ohne sie zu sehen, höre ich wieder den Sturm draußen, und er ist so wütend und grausig, so dröhnend und schütternd, dass es ist, als ob unter seiner Macht alles zusammenbrechen müsse.
Herrgott, was willst du? Gebiete Einhalt dem Sturm, denn er ist furchtbar und macht das Gemüt zittern und füllt es mit Bangnis.
Aber da liegt das Buch – und das Buch antwortet:
„Kinder sind Gebieter meines Volkes, und Weiber herrschen über sie. Mein Volk, deine Leiter verführen dich und zerstören den Weg, da du gehen sollst.
Aber der Herr stehet da zu rechten und ist aufgetreten, die Völker zu richten.“ -
Wie benommen ist mein Sinn. Dröhnenden Posaunen gleich wuchten die Worte des Propheten durch meine Seele, und die Gewalt des Sturmes ist in mir, so mächtig, dass er das Blut ungestüm durch meinen Leib treibt wie in der Ferne die wilden Wogen des Meeres.
Ist das Zufall?
Sollen dieser unheimliche Sturm und die Worte der Bibel Zufall sein?
Nein! Denn es gibt keinen Zufall!
Und es fährt jäh durch mich, wie der grellende Blitz durch die Finsternis fährt, und ich weiß mit einem Schlag, was dies alles bedeuten soll!
Ich verstehe mit einem Mal diese unheimliche Nacht, den Sturm, der kein Sturm ist, das Beben der Erde, das Stöhnen der Mauern, das Wimmern der Toten – und ich verstehe die seltsamen Worte der Heiligen Schrift!
Die Stunde ist reif geworden. Es ist die wilde, furchtbare Drohung des geschmähten Himmels und der geschändeten Erde; es ist der Verzweiflungsschrei Hunderttausender ruhlos durchs Jenseits irrender Menschenseelen!
Es ist der Aufruhr der Dämonen, die durch die friedlos chaotische, sittenentbundene Menschheit aus ihrem stummen Lauern gelöst worden sind.
Und ich weiß mit großer Beklemmung, dass die Menschheit im Wandel der Zeit wieder einmal in die furchtbare Tiefe gesunken ist von Sodom und Gomorra.
Sodom ist einst gewesen, der Herr aber tat den Himmel auf und hat die Sünder vernichtet.
Zeitläufe waren und gingen hin über die alte Erde, und die Sünde wuchs und schrie zum gestirnten Himmel, und der Allmächtige gab das Zeichen dem Firmamente. Und ein Mond löste sich aus seiner Bahn und strebte zur Erde, die Wasser brachen aus der Feste des Himmels, und Atlantis sank in die Tiefe der Meere!
Ja, Sodom war oft und Sodom ist wieder in heutigen Tagen!
Ist „das Geschrei“ nicht wieder „groß und die Sünden gar schwer“?
Und ich höre ihr Gellen, auf tut sich mit einem Mal mein Auge, und wie noch nie so gewaltig erlebe ich unter der Wucht des Sturmes und der Propheten die fürchterliche Chaotik unserer Zeit!
Ich sehe die Erde und sehe ihren Leib ringsum bedeckt mit scheußlichen Geschwüren, und wie ich sie näher betrachte, sind es die Leiber breitliegender Kröten, die mich mit stumpfen, ausdruckslosen Augen anstieren – – – und ich fühle, dass sie das erschreckende Spiegelbild sind der kalten Seelenlosigkeit unserer Zeit.
Und ich wende den Blick, um dem Bild zu entgehen, aber wohin ich starre, liegen die trägen Tiere und glotzen mich an. Da kommt ein Ungeheuer zwischen ihnen heran, hastig, den Kopf tief zu Boden geneigt, groß wie ein Berg, das mit wühlendem Rüssel schnaufend vor Emsigkeit durch die Erde und die Leiber der Menschen bohrt, dass Erdreich und Körper hochfliegen: – die trostlose Besitzsucht der Gegenwart.
Und der Anblick dieses stumpfsinnigen Riesentieres ist so widerlich, dass ich heftig die Augen schließen muss.
Doch da ist ein fauchendes, giftiges Zischen, und wie ich die Lider öffne, ist die Erde umringelt von dem schillernden Leib einer ringsum böse züngelnden Schlange.
Ich weiß, die Schlange ist die zügellose Geschlechtslust, die als große Entehrung über der heutigen Menschheit liegt.
Und ich verstehe plötzlich den Sturm und höre, was er schreit.
Ja, tote Herzen, Lug und Trug, Ichsucht, Besitzgier und Wucher, Mord und Unzucht, wohin das Auge blickt!
Die Keuschheit billig weggegeben, die innere Lebenshaltung verloren.
Über allem aber das Geld!
Geld ist der Gott ihres Morgengebetes und ihres Abendgebetes. Und mögen sie sich hundertmal Christen nennen und von Kultur reden, über sie wölbt sich unsichtbar doch die Tempelkuppel jener anderen von ihnen zur Gottheit erhobenen Macht, der sie als Knechte dienen und der sie alles opfern und hingeben: Reinheit und Frieden, Liebe und Wahrheit, Herz und Seele, Ehrfurcht vor Gott!
So wird die Seele der Jugend versucht von Vorbild und falscher Erziehung, und was Vorbild und Umstände nicht verderben, das verdirbt der Wahn der Eltern und der törichte Anspruch der Jugend der „modernen“ Zeit gegenüber.
Ohnmächtige Hilflosigkeit bei den Eltern und überhebliche Torheit bei den Kindern sind die Übel der Jugend in geschlechtlicher Hinsicht.
Und während die Priester in den Gotteshäusern der Erde ihre Messen zelebrieren, ihr Gebet zum Himmel senden und den Segen des Ewigen auf Erde und Menschheit erflehen; und jene anderen falschen Priester, die sich die Hüter des Weltfriedens nennen, in kläglichen Tempeln des Völkerbundes tagen und tagen und immer wieder tagen – dröhnen die Eisenhämmer, sprühen die Stahlbäche, rüsten die Kainssöhne Tag und Nacht die Waffen des Todes. Erfinden die Chemiker aller Länder Giftgas um Giftgas. Brechen die Physiker in die heiligen Tempelbezirke des Lebens, ergründen sie den „Bauziegel des Weltalls und aller Schöpfung“: das Atom. Doch statt vor der neuen Erkenntnis, die das bisherige Weltbild von der Allgewalt des Stoffes zerschlägt und an dessen Stelle das souveräne Primat des göttlichen Geistes offenkund macht, sich in erschauernder Ehrfurcht zu neigen, missbrauchen und schänden sie diesen „Feueratem der Gottheit“.
Bauen sie mit ihm Wasserstoffbomben, mit denen sie die Menschen aus dem göttlichen Frieden reißen und in die Unwürde ständiger Angst stoßen, indem sie den dunklen Machthabern der Erde die Mittel in die Hände geben, ihre satanischen Gewaltlüste bis auf den Gipfel gänzlicher Zerstörung des göttlichen Lebens und aller Kultur auf Erden zu treiben.
Ersinnen und konstruieren sie Weltraumraketen, mit denen sie – die sie nicht im Geringsten gelernt haben, weder auf der Erde noch in ihrer eigenen Brust Ordnung, Sitte und Liebe zu halten – von vermessenem Wahn erfüllt nach fremden Unschuldssternen fliegen und in ihren Frieden einbrechen möchten, um dorthin nicht etwa Liebe, Reinheit und Wahrheit zu bringen, sondern die trübe Chaotik ihres Seins wie eine verschlingende Seuche zu tragen und auf sie ihre unbarmherzige Ichsucht, ihre unersättliche Habgier, ihre Zügellosigkeit, den Raub, den Mord und die Unterjochung wie ein schauriges Bahrtuch zu legen.
Arme Brüder, die ihr dereinst Abel sein werdet!
