Dino-Land - Folge 07 - Manfred Weinland - E-Book

Dino-Land - Folge 07 E-Book

Manfred Weinland

4,9
1,99 €

Beschreibung

FOLGE 7: DIE BRUT AUS DEM MOORSEE: Schon lange warnen Wissenschaftler davor, unbekannte Krankheitserreger aus der Vergangenheit könnten durch Dino-Land in unsere Welt gelangen und sich ungehindert ausbreiten - ein Schreckensszenario, das sich glücklicherweise nicht bewahrheitet hat. Bis jetzt: Ein weiteres Zeitbeben bringt einen Moorsee in die Gegenwart, an dessen Ufern eine Spezies lebt, die tausendmal gefährlicher ist als der Tyrannosaurus Rex. Und das, obwohl sie tausendmal kleiner ist - Moskitos! Kleine geflügelte Bestien, die ohne Warnung über ein Forscherteam herfallen und eine Gefahr in sich tragen, die seit über 120 Millionen Jahren ausgestorben war. Eine tickende Zeitbombe ... *** DINO-LAND - RÜCKKEHR DER SAURIER: Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel - und mit ihm die Dinosaurier. Doch damit nicht genug: Das Dschungelgebiet breitet sich unkontrolliert aus und umgekehrt wird alles, was sich in der Gegenwart befindet, in die Vergangenheit gerissen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Anomalie auch Las Vegas erreicht und alles und jeden darin verschlingt! Auch Marc "Red" Littlecloud, Mitglied einer Spezialeinheit des US-Marine Corps, wird in den Malstrom der Ereignisse gezogen. Die Lage scheint aussichtslos, dennoch versucht er zusammen mit Militär und Polizei, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Doch in einer so fremdartigen Umgebung, unter Dinosauriern, unbekannten Krankheiten und Großwildjägern, gibt es keine Gnade ... Willkommen in "Dino-Land": Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland. Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen ...

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Seitenzahl: 143




Inhalt

Cover

Über diese Serie

Über diese Folge

Über die Autoren

Impressum

Die Brut aus dem Moorsee

In der nächsten Folge

Dino-Land – Rückkehr der Saurier

Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel – und mit ihm die Dinosaurier. Doch damit nicht genug: Das Dschungelgebiet breitet sich unkontrolliert aus und umgekehrt wird alles, was sich in der Gegenwart befindet, in die Vergangenheit gerissen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Anomalie auch Las Vegas erreicht und alles und jeden darin verschlingt!

Auch Marc »Red« Littlecloud, Mitglied einer Spezialeinheit des US-Marine Corps, wird in den Malstrom der Ereignisse gezogen. Die Lage scheint aussichtslos, dennoch versucht er zusammen mit Militär und Polizei, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Doch in einer so fremdartigen Umgebung, unter Dinosauriern, unbekannten Krankheiten und Großwildjägern, gibt es keine Gnade …

Willkommen in »Dino-Land«: Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland.

Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen …

Über diese Folge

Schon lange warnen Wissenschaftler davor, unbekannte Krankheitserreger aus der Vergangenheit könnten durch Dino-Land in unsere Welt gelangen und sich ungehindert ausbreiten – ein Schreckensszenario, das sich glücklicherweise nicht bewahrheitet hat.

Bis jetzt: Ein weiteres Zeitbeben bringt einen Moorsee in die Gegenwart, an dessen Ufern eine Spezies lebt, die tausendmal gefährlicher ist als der Tyrannosaurus Rex. Und das, obwohl sie tausendmal kleiner ist – Moskitos!

Kleine geflügelte Bestien, die ohne Warnung über ein Forscherteam herfallen und eine Gefahr in sich tragen, die seit über 120 Millionen Jahren ausgestorben war. Eine tickende Zeitbombe …

Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel – und mit ihm die Dinosaurier. Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland.

Willkommen in »Dino-Land«: Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen …

Über die Autoren

An der Serie »Dino-Land« haben die Autoren Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland mitgewirkt. Jeder von Ihnen hat bereits jahrelange Erfahrung im Schreiben von Action-, Fantasy-, Science-Fiction oder Horrorromanen. Mit Dino-Land gelang ihnen ein temporeicher und spannungsgeladener Genre-Mix, der sich einer der ältesten uns bekannten Bedrohungen widmet: Den Dinosauriern.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Für die Originalausgabe: Copyright © 1993-1994 by Bastei Lübbe AG, Köln Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin Verantwortlich für den Inhalt

Für diese Ausgabe: Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Projektmanagement: Stefan Dagge

Covergestaltung: © Guter Punkt, München www.guter-punkt.de unter Verwendung von Motiven © shutterstock: metha1819 © thinkstock: andreusK | Comstock Images | Andreas Meyer

E-Book-Erstellung: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-3522-4

www.bastei-entertainment.de

Manfred Weinland

Die Brut aus dem Moorsee

DIE BRUT AUS DEM MOORSEE

Tausend versteckte, hungrige, Millionen Jahre alte Augen schienen auf ihn herabzustarren.

Gestern war er angekommen in diesem Reservat der Vergangenheit, das sie DINO-LAND nannten und wo Gestalten über eine Erde stampften, wie sie in der frühen Kreidezeit ausgesehen hatte. Vor hundertzwanzig Millionen Jahren.

Es war nicht vorstellbar. Als wäre man mit einem Raumschiff über Lichtjahre hinweg zu einem fremden Himmelskörper gelangt und hinabgetaucht in eine Landschaft, die aussah, wie man sich die Flora und Fauna der Erde vor hundertzwanzig Millionen Jahren vorstellte. Oder als hätte jemand einen künstlichen Park nach seiner Fantasie erschaffen.

Nein, dachte er und zog so gierig an seiner Zigarette, wie man es nur in dieser grünen Hölle tun konnte, wenn man von anderen umgeben war und sich doch allein fühlte. Nein, wiederholte er den Gedanken, begreifen ließ sich das nicht.

Er verließ die erhöhte Veranda und wollte dem markierten, flutlichterhellten Pfad folgen, als Sondstrups Stimme ihn erreichte.

»Eingewöhnungsschwierigkeiten?«

Er drehte sich um und musterte den Mann, der der wissenschaftlichen Leiter dieses Areals innerhalb von DINO-LAND war. Sondstrup hielt sich seines Wissens nicht permanent, sondern nur in Ausnahmefällen in diesem Camp auf, das vor zweieinhalb Monaten, knapp 26 Monaten nach dem ersten Zeitbeben, in einem Randbezirk errichtet worden war.

In einem damaligen Randbezirk. Mittlerweile hatte sich die Grenze durch neue Beben verschoben, sodass eine gute Strecke durch dichten Urwald zurückgelegt werden musste, um den Stützpunkt zu erreichen. Am zweckmäßigsten geschah dies per Helikopter, aber auch eine planierte Straße zur Wüstengrenze war mittlerweile entstanden.

»Nein«, log er, warf den Zigarettenstummel zu Boden und zertrat ihn.

»Die Ankunft Ihrer Kollegen verzögert sich etwas«, fuhr Sondstrup fort. »Es kann noch ein, zwei Wochen dauern. Es war nicht absehbar, tut mir leid. Aber wir wollen die Besten, weshalb wir auch kleinere Verzögerungen in Kauf nehmen. Sie hoffentlich auch …«

Er zuckte die Achseln. »Das ist mir egal. Mein Gehalt läuft seit Vertragsunterzeichnung. Wenn ich es durch Warten verdienen soll, werde ich das tun.«

»Damit Sie keinen frühzeitigen Lagerkoller bekommen, erhalten Sie die Wochenenden zur freien Verfügung. Ein Kopter kann sie von hier wegbringen und wieder abholen. Ich habe bereits alles mit dem General abgesprochen.«

»Sie sind ein angenehmer Arbeitgeber«, lobte er und hoffte, endlich wieder alleingelassen zu werden.

Sondstrup blieb vor ihm stehen und schien ergründen zu wollen, was er von der Schmeichelei zu halten hatte. »Ich lasse Sie jetzt wieder allein«, sagte er unerwartet feinfühlig. »Wenn Sie Lust auf Gesellschaft oder ein Gespräch haben, werden Sie sich zu helfen wissen.«

Er drehte sich um und kehrte in die Station zurück.

Von irgendwo aus der Nacht außerhalb der Zäune wehten die Schreie eines Sauriers herüber, der gerade von einem Schlaueren oder Stärkeren zerfleischt wurde.

Darwins Gesetz, dachte der Mann auf dem Pfad und setzte langsam seine unterbrochenen Schritte fort, bis er dem Zaun so nahe war, wie es innerhalb des Lagers erlaubt war. Von hier aus konnte er in das schattenhafte Leben des fahl vom Sternenlicht erhellten Waldes blicken und auch das hohe Zirpen der tödlichen Energie hören, die den schützenden Metallwall durchlief.

Vor hundertzwanzig Millionen Jahren hatte es noch keine Vögel im herkömmlichen Sinn gegeben, vom legendären Archaeopteryx einmal abgesehen, der noch beides in sich barg: Vogel- und Reptilmerkmale.

Aber es gab Flugsaurier, die meist in Gruppen auftraten. Um das Camp auch gegen »Luftangriffe« zu sichern, war zu den Zäunen auch eine Art Decke eingezogen worden, in der sich Korridore für startende oder landende Helikopter je nach Bedarf öffnen ließen.

Der Mann am Zaun dachte an das große Gewässer, das irgendwo zwei, drei Meilen entfernt vom Lager aus der Zeit herausgespült worden war, vor drei Tagen erst, und dem er sein Hiersein verdankte.

Deshalb hatte man ihn angeheuert.

Eine reizvolle Aufgabe. Wer von seinen Kollegen bekam schon Gelegenheit, am lebenden Objekt Forschungen durchzuführen. Für DINO-LAND, soviel stand mittlerweile fest, konnte man sich nicht bewerben, man wurde geworben.

Erst seit den Zeitbeben war es möglich geworden, das Herz, die Lunge, die Niere oder die Leber eines Dinosauriers zu beurteilen, in seltenen Fällen sogar zu berühren, was vorher anhand der reinen Skelettfunde immer eine Spekulation geblieben war. Erst jetzt wusste man, wie der komplizierte Stoffwechsel dieser Riesen und Zwerge – es gab alle Schattierungen – funktioniert hatte.

Obwohl er eher ein unterkühlter Typ war, geriet der Mann am Zaun jetzt doch ins Schwärmen. Die Düfte der Nacht, das Rauschen der Baumwipfel, ja selbst die allmählich verstummenden Todesschreie verfehlten nicht ihre Wirkung.

Auch Spannung machte sich in ihm breit. Er hatte Sondstrup auch in diesem Punkt belogen: Warten hatte er noch nie gemocht.

Vielleicht war es Zufall, vielleicht geschah es durch äußeren Einfluss. Später hätte er es nicht mehr zu sagen gewusst, selbst wenn er darüber nachgedacht hätte – was nicht der Fall war.

Einer der Generatoren oder zumindest die Lampe, die diesen Teil des Camps bestrich, setzte ohne jede Vorwarnung aus. Finsternis schwappte wie eine Welle über dem Paläontologen zusammen.

Gleichzeitig schien sich ihm ein Geräusch zu nähern, das er zunächst für erhöhtes Summen des energetischen Zaunes hielt. Statt in Panik zu verfallen, drehte er sich einfach um und ging in Richtung auf die immer noch erhellte Station zurück.

Als das Summen einen Moment aussetzte, traf ihn der Schmerz im Nacken wie ein glühender Nadelstich. Zuerst erstarrte er, dann schlug seine flache Hand reflexartig nach hinten. Sie traf ins Leere. Dafür klang erneut das seltsame Geräusch auf. Diesmal entfernte es sich in die Dunkelheit.

Der Schmerz hatte längst wieder nachgelassen. Nur ein Juckreiz war zurückgeblieben.

Aber es markierte den Anfang einer albtraumhaften Veränderung, die den Mann von dieser Sekunde an unentrinnbar in ihren Würgegriff nahm.

Er sollte nicht der Letzte bleiben – aber er war mit Bestimmtheit der Erste.

In dieser Zeit.

***

333 Stunden später …

Nebel lag in der Luft. Kein englischer – Allan Hunter lächelte beim bloßen Gedanken an seine Heimat, die nicht nur Tausende Meilen entfernt, sondern auf einem ganz anderen Planeten zu liegen schien –, nein, es handelte sich um einen extrem warmen, feuchten, schweren, fast mit einem scharfen Messer teilbaren Dunst, dem man zutraute, jemanden zu ersticken, wenn dieser es nur wagte, sich hineinzubegeben. Er trotzte der Schwerkraft über der sanft im Wind gekräuselten, ansonsten aber dunkel und fremdartig wirkenden Wasseroberfläche.

Urnebel, dachte Hunter. Und das stimmte wohl, denn alles, was seit den ersten Beben hier in der Gegenwart aufgetaucht war, verdiente diese Vorsilbe.

Die Beben … das waren keine Erd-, sondern Zeitstöße, und sie rissen keine klaffende Wunden in die kalte Kruste des Planeten, sondern entsprangen einem Phänomen, für das man bis heute, knapp zwei Jahre nach dem ersten Auftreten, immer noch keine vollgültige Erklärung parat hatte.

Erfolge gab es dennoch zu verzeichnen, wie Hunter, dessen Fachgebiet ein völlig anderes war, neidlos anerkannte. Mittlerweile war die Mannschaft um Professor Schneider sogar so weit, die »Epizentren« noch zu erwartender Zeitbeben mit hoher Wahrscheinlichkeit vorauszuberechnen.

Hunters Gedanken kehrten zu dem urweltlichen Gewässer zurück, dessen Auftauchen für Nadjas und sein Hiersein – und für den Nebel – verantwortlich war.

Rein pragmatisch betrachtet, beruhten die Schwaden auf der simplen Tatsache, dass es hier, zumindest tagsüber, wesentlich heißer war als dort, von wo das Reservoir kam. Die Wüstensonne zog das Wasser förmlich heraus, und es war nur eine Frage der Zeit, bis die so gewaltig anmutende Fläche völlig ausgetrocknet sein würde. Erste dahin gehende Beobachtungen waren schon gemacht worden, und das war auch nur logisch, denn die Quelle, die den See speiste, war offensichtlich nicht mit transferiert worden.

»Unheimlich«, sagte Nadja. »Lass uns ins Lager zurückkehren. Der Transport muss jeden Moment eintreffen. Sondstrup ist ein guter Mann, aber es sind unsere Babys. Ich will dabei sein, wenn sie mit ihrer vorläufigen Zwischenstation konfrontiert werden.« Sie hob kurz wie witternd die Nase und fügte hinzu: »Hoffentlich reißt diese Suppe auch irgendwann einmal auf. Einladend sieht es nicht gerade aus …«

Allan Hunter drehte sich zu ihr um und sagte in bestimmtem Ton: »Es hat uns auch niemand eingeladen – abgesehen von Sondstrup. Ich würde sogar sagen, wir treiben uns hier völlig uneingeladen herum. Denn niemand kann sich dafür -« er machte eine ausholende Geste, »- wirklich zuständig erklären. Aber das wussten wir vorher – zumindest hätten wir es wissen sollen. Denkst du an einen Rückzieher?«

Die Soldaten, die mit ihren M13-Gewehren in der Nähe standen, konnten aus dem Umgang, den Allan und Nadja öffentlich miteinander pflegten, unmöglich den Schluss ziehen, dass sich zwischen den beiden privat etwas abspielte. Keiner hatte das bislang bemerkt, und so wollten sie es auch weiterhin halten.

»Einen Rückzieher?« Auf Nadjas Gesicht deutete sich ein Ausdruck an, den Hunter schon voll entwickelt zu spüren bekommen hatte. Es war eine Mischung aus Staunen, keimender Wut und dem Starrsinn eines Kindes, das sich bei einer Entdeckungsreise gestört fühlt. »Du könntest mich nur noch auf zwei Arten davon abhalten, dem Rätsel dieses paradoxen Sees auf den Grund zu gehen.«

»Zu ›gründeln‹«, meinte Hunter mit sanftem Spott und fügte hinzu: »Ich wäre interessiert.«

»Woran?«

»An den zwei Möglichkeiten. Lass hören.«

Nadja trat einen Schritt auf ihn zu, und, es war eigenartig, sie schien dabei zu schrumpfen. Mit ihrer Überzeugungsgabe, ihrem Wissensschatz und einer faszinierenden Ausstrahlung konnte sie in Gesprächen ein Bild von sich entwerfen, das einen eigenartigen Widerspruch zu der zierlichen, zarten Nadja Bancroft darstellte, als die sie sich objektiv betrachtet gab. Zumal, wenn es um ihr gemeinsames Fachgebiet ging, Meereskunde und Paläobiologie. Aber gerade dieser Widerspruch machte sie aus Hunters Sicht besonders reizvoll.

»Wie du willst.« Ihre grünen Augen blitzten. »Du könntest mich beispielsweise den Sauriern zum Fraß vorwerfen, das wäre die eine Möglichkeit. Oder …«

»Oder?« Er erkannte schon an ihrem Tonfall, dass jetzt die eigentliche, für ihn bedrohliche Alternative kam.

»Oder mich endlich heiraten.« Sie hatte die Stimme gesenkt, sodass niemand aus ihrer Eskorte verstehen konnte, was hier an weltbewegenden Dingen im Angesicht eines Jahrmillionen-Mysteriums ausgetauscht wurde.

Hunter reagierte ohnehin auf andere Weise, als zu erwarten gewesen wäre.

»Stone?«, rief er einem der Uniformierten zu, der mit seiner Bewaffnung und in seiner Kampf-Tarn-Kombination ein besonders grimmiges und entschlossenes Exemplar der soldatischen Gattung verkörperte. Die Streifen an seinem Revers wiesen ihn als Lieutenant aus.

»Ja, Sir?«, kam es peitschend zurück.

»Wir können zurückfahren. Wir haben gesehen, was zu sehen war.«

Das war nicht einmal gelogen, denn vom eigentlichen Ziel ihres Ausflugs aus dem militärischen Stützpunkt, der im Herzen von DINO-LAND mit allen erdenklichen Sicherheitsvorkehrungen geschützt lag, hatten sie dank des allgegenwärtigen Nebels kaum etwas zu Gesicht bekommen.

Dies bestätigte wiederum ihre eigene, vor dem Gremium vertretene Auffassung, dass sie auf und in das aus dem Mesozoikum stammende Gewässer gehen mussten, um seine Rätsel zu lösen.

»Feigling!«, raunte Nadja, aber sie dachte nicht daran, mehr zu tun, als an seine »Mannesehre« zu appellieren.

Lieber ein feiger Junggeselle als ein verheirateter Held, lautete Hunters Motto. Er hatte etwas krause Vorstellungen von einem Eheleben, was mit dem Umstand zusammenhing, dass sich seine Eltern voneinander trennten, als er sie gerade am nötigsten gebraucht hätte; im beginnenden Pubertätsalter. Sowohl seine Mutter als auch sein Vater hatten danach wieder geheiratet – und waren zwischenzeitlich wieder geschieden.

Gab es schlüssigere Beweise, dass »Glück« und »Ehe« nicht zusammenpassten, sondern sich nach Art von Materie und Antimaterie gegenseitig vernichteten?

Sie marschierten zu den gepanzerten Jeeps zurück, in deren Konstruktion angeblich alle bisherigen Erkenntnisse über den Wald und seine Bewohner berücksichtigt waren. Selbst den Angriffen einer Deinonychus-Herde sollten die Fahrzeuge so lange widerstehen können, bis Kopterverstärkung oder andere Hilfe eintraf.

Das jedenfalls behaupteten die klugen Konstrukteure in ihren sauriersicheren Büros; in die Verlegenheit, es auszuprobieren, war bislang noch kein Außenkommando gekommen.

Die beiden Jeeps standen auf einer kleinen Lichtung, die nicht natürlich entstanden war, sondern ebenso wie die Zufahrtsschneise von einem Voraustrupp und einer Planierraupe platt gewalzt worden war.

Die Rücksichtslosigkeit, mit der hier Pflanzenarten niedergemacht wurden, die abseits von DINO-LAND seit dem Ende der Kreidezeit ausgestorben waren, hatte schon so manchen gewissenhaften Paläobotaniker im Camp über Nacht ergrauen lassen. Die Militärs unter General Pounder ließen sich davon jedoch nicht von ihrer pragmatischen Linie abbringen.

Der See war vor zwei Wochen aufgetaucht und hatte für einigen Aufruhr gesorgt. Nicht nur seiner Größe und den Prophezeiungen der Zeitseismologen wegen, dass noch weitere Wassermassen »herüberrutschen« könnten, sondern wegen der sehr schnell durchgeführten Gewässeranalyse.

Der See war mit Salzwasser gefüllt, was niemand erwartet hatte, und seitdem spekulierte man, ob es sich wirklich um einen See oder um ein Stück Meer handelte – Teil einer Lagune vielleicht, die von dem Beben abgetrennt worden war. Die Aufgabe von Allan Hunter und Nadja Bancroft bestand unter anderem auch darin, das herauszufinden.

Für die beiden war dies, spätestens seit sie hier am Ufer des urzeitlichen Gewässers gestanden hatten, aber nur noch die vordergründige Rechtfertigung für ihren mit Macht erwachten Entdeckerdrang. Wenn die Regierung ihre Salzwasser-Erklärung haben wollte, sollte sie sie bekommen.

Dass den Meereskundlern dabei noch »beiläufig« der Blick auf einen Lebensraum ermöglicht wurde, der zwar in allen Büchern über die Erdfrühgeschichte erwähnt wurde, aber noch nie vom Auge eines Menschen »live« hatte betrachtet werden können, war die eigentliche Triebfeder ihres großen Engagements. Das hatte sie vom ersten Tag ihrer Ankunft an für manchen Eisenschädel in Uniform suspekt gemacht. Was wiederum die beiden mehr als verdächtig fanden …

»Beeilen Sie sich!«, rief Stone. Bei ihm wirkte jedes gesprochene Wort, als würde er es zwischen den ausgeprägten Kieferreihen zerkauen. »Ich bekomme gerade Sturmwarnung!« Er tippte mit dem Zeigefinger gegen den Ohrstöpsel, der über Kabel in seiner Brusttasche mündete. Unter dem Kragen befand sich ein Kehlkopfmikrofon. Beides gehörte zur Standardausrüstung aller Soldaten in DINO-LAND, weil Hand-Walkie-Talkies die Unart besaßen, fünf Finger für den lebenswichtigen Umgang mit schwerem Waffenkaliber zu blockieren.

»Sturmwarnung«, wiederholte Nadja kopfschüttelnd, stieg aber sofort durch die offene Luke in den Fond des Panzerfahrzeugs, mit dem sie auch gekommen waren. Im anderen fand das halbe Dutzend Soldaten unter Stones Führung Platz, während bei den Meeresforschern nur noch zwei Uniformierte, darunter der Fahrer, zustiegen.

Geisterstürme, dachte Hunter, der Nadja gefolgt war und sich auf dem harten Sitz zurücklehnte, während die Luken auf Knopfdruck leise fauchend schlossen. Einen Moment war er versucht, den Arm um Nadja zu legen, aber er erinnerte sich rechtzeitig an ihr Abkommen und verzichtete.

Geisterstürme, dachte er noch einmal, den skeptischen Blick durch die zehn Zentimeter dicke Bleiglasplatte in der Wagendecke nach draußen gerichtet. Er selbst hatte den Begriff geprägt, weil das Wetter in diesem einstigen Wüstengebiet im Süden Nevadas Kapriolen schlug, seit DINO-LAND mit seiner eigenen »altmodischen« Biosphäre aufgetaucht war.