Dino-Land - Folge 14 - Manfred Weinland - E-Book

Dino-Land - Folge 14 E-Book

Manfred Weinland

4,6
1,99 €

Beschreibung

FOLGE 14: OPERATION "EXODUS": Mit dem Auftauchen Alexanders in der Gegenwart haben die Ereignisse um und in Dino-Land eine neue, dramatische Wendung erfahren. Was ist das Geheimnis der Kinder, die einhundertzwanzig Millionen Jahre in der Vergangenheit geboren wurden? Und was geschieht nun mit ihnen, nachdem man auf sie aufmerksam geworden ist? General Pounder hat ehrgeizige Pläne. Er will zumindest eines der Kinder in seine Gewalt bringen - koste es, was es wolle. Zu diesem Zweck startet er die Operation "Exodus". Ein Unternehmen, das, wenn es schiefgeht, zu einem Himmelfahrtskommando wird. Und wenn es gelingt, zu einem Zeitparadoxon führen kann, das die Welt, wie wir sie kennen, vernichten wird ... *** DINO-LAND - RÜCKKEHR DER SAURIER: Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel - und mit ihm die Dinosaurier. Doch damit nicht genug: Das Dschungelgebiet breitet sich unkontrolliert aus und umgekehrt wird alles, was sich in der Gegenwart befindet, in die Vergangenheit gerissen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Anomalie auch Las Vegas erreicht und alles und jeden darin verschlingt! Auch Marc "Red" Littlecloud, Mitglied einer Spezialeinheit des US-Marine Corps, wird in den Malstrom der Ereignisse gezogen. Die Lage scheint aussichtslos, dennoch versucht er zusammen mit Militär und Polizei, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Doch in einer so fremdartigen Umgebung, unter Dinosauriern, unbekannten Krankheiten und Großwildjägern, gibt es keine Gnade ... Willkommen in "Dino-Land": Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland. Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen ...

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MOBI

Seitenzahl: 133




Inhalt

Cover

Über diese Serie

Über diese Folge

Über die Autoren

Impressum

Operation »Exodus«

In der nächsten Folge

Dino-Land – Rückkehr der Saurier

Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel – und mit ihm die Dinosaurier. Doch damit nicht genug: Das Dschungelgebiet breitet sich unkontrolliert aus und umgekehrt wird alles, was sich in der Gegenwart befindet, in die Vergangenheit gerissen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Anomalie auch Las Vegas erreicht und alles und jeden darin verschlingt!

Auch Marc »Red« Littlecloud, Mitglied einer Spezialeinheit des US-Marine Corps, wird in den Malstrom der Ereignisse gezogen. Die Lage scheint aussichtslos, dennoch versucht er zusammen mit Militär und Polizei, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Doch in einer so fremdartigen Umgebung, unter Dinosauriern, unbekannten Krankheiten und Großwildjägern, gibt es keine Gnade …

Willkommen in »Dino-Land«: Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland.

Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen …

Über diese Folge

Mit dem Auftauchen Alexanders in der Gegenwart haben die Ereignisse um und in Dino-Land eine neue, dramatische Wendung erfahren. Was ist das Geheimnis der Kinder, die einhundertzwanzig Millionen Jahre in der Vergangenheit geboren wurden? Und was geschieht nun mit ihnen, nachdem man auf sie aufmerksam geworden ist?

General Pounder hat ehrgeizige Pläne. Er will zumindest eines der Kinder in seine Gewalt bringen – koste es was es wolle. Zu diesem Zweck startet er die Operation »Exodus«. Ein Unternehmen, das, wenn es schiefgeht, zu einem Himmelfahrtskommando wird. Und wenn es gelingt, zu einem Zeitparadoxon führen kann, das die Welt, wie wir sie kennen, vernichten wird …

Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel – und mit ihm die Dinosaurier. Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland.

Willkommen in »Dino-Land«: Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen …

Über die Autoren

An der Serie »Dino-Land« haben die Autoren Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland mitgewirkt. Jeder von Ihnen hat bereits jahrelange Erfahrung im Schreiben von Action-, Fantasy-, Science-Fiction oder Horrorromanen. Mit Dino-Land gelang ihnen ein temporeicher und spannungsgeladener Genre-Mix, der sich einer der ältesten uns bekannten Bedrohungen widmet: Den Dinosauriern.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Für die Originalausgabe: Copyright © 1993-1994 by Bastei Lübbe AG, Köln Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin Verantwortlich für den Inhalt

Für diese Ausgabe: Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Projektmanagement: Stefan Dagge

Covergestaltung: © Guter Punkt, München www.guter-punkt.de unter Verwendung von Motiven © shutterstock: metha1819 © thinkstock: VanderWolf-Images | Digital Vision | Jupiterimages | AlinaMD | Elena Kalistratova

E-Book-Erstellung: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-3529-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Manfred Weinland

Operation »Exodus«

OPERATION »EXODUS«

Das Las Vegas der Kreidezeit sah aus wie der morbiden Fantasie eines Geisteskranken entsprungen.

Nie zuvor war es Littlecloud bewusster geworden, in welch marodem Zustand sich die Stadt befand. Sie rottete und faulte und zerfiel an allen Ecken und Enden.

Der Apache befand sich auf der Suche nach den am Vormittag verschwundenen und bislang nicht wieder aufgetauchten Kindern, und diese Suche führte ihn entlang des ruinengesäumten, einst so prunkvollen Las Vegas Strips, eine halbe Meile von der Siedlung entfernt, die die in der Urzeit gestrandeten Menschen errichtet hatten …

Die Siedlung lag in einer Seitenstraße mit einem ehemaligen Park, der in gemeinsamer Anstrengung zu Ackerland umgewandelt worden war und ein bedeutender Schritt zur angestrebten Autonomie darstellte.

In den fünf Jahren seit der Katastrophe war überhaupt viel bewegt worden, und doch hatte Littlecloud immer häufiger das erschreckende Gefühl, alles treibe unaufhaltsam einer noch weit größeren Katastrophe entgegen als der, die sie »nur« um etwa hundertzwanzig Millionen Jahre in die Vergangenheit geschleudert hatte.

Da war dieser Himmel, der seit Tagen apokalyptisch eingefärbt war. Das seltsame Rot, das ihn durchwob, machte den Leuten Angst, weil sie, umgeben von permanenter mörderischer Gefahr, viel stärker sensibilisiert waren auf Veränderungen ihrer Umwelt.

Zum anderen häuften sich die Zusammenstöße mit durch die Stadt streunenden Raubsauriern, die eine stete Gefahr für die junge Kolonie waren.

Anfangs hatte es nichts dergleichen gegeben. Jahrelang war Las Vegas von der dominierenden Spezies dieser Zeit eher gemieden worden. Neugierige Einzelgänger hatten hin und wieder den Weg zwischen die ruinengesäumten Schluchten gefunden, aber im Großen und Ganzen hatte die Stadt eher eine abschreckende als anziehende Wirkung auf sie ausgeübt.

In den letzten Wochen war das radikal anders geworden. Es war schon fast gespenstisch, welchen Magnetismus nicht Las Vegas als solches, sondern ganz eindeutig dieser eine Straßenzug, in dem sich die Gestrandeten niedergelassen hatten, auf die Saurier auszuüben schien. Gattungen, die nicht unbedingt als gesellig bekannt waren, fanden sich plötzlich immer wieder zusammen und starteten gemeinsame Angriffe gegen die Menschen.

Bei einer dieser Attacken war der gesamte Viehbestand – gezähmte, straußenähnliche Ornithomimiden – vernichtet und verschleppt worden. Ein herber Rückschlag für diejenigen, die sich in einem steten Aufwärtstrend geglaubt hatten.

Littlecloud blieb stehen. Erst vorhin, kurz vor seinem Aufbruch, waren zwei von Mainlands Soldaten als vermisst gemeldet worden. Sie waren zu Fuß wie er unterwegs gewesen und hatten angedeutet, möglicherweise eine Spur der Kinder gefunden zu haben. Dann war der Funkkontakt plötzlich abgebrochen, ohne dass sie noch ihre Position durchgeben konnten. Seitdem wurde nicht nur nach den Kindern, sondern auch nach ihnen Ausschau gehalten.

Littleclouds sorgenvoller Blick streifte den geröteten Himmel nur kurz. Mehr Aufmerksamkeit investierte er in das, was sich ab Augenhöhe und darunter abspielte. Er hatte sich fast die ganze Zeit in der Mitte der überall aufgeplatzten Straße bewegt, aus deren Teerbelag die wundersamsten Pflanzen sprossen.

Man gewöhnte sich an vieles, aber an manches nie. Littlecloud zumindest hatte immer noch Probleme, sich vorzustellen, nie wieder dorthin zurückzukehren, wo er geboren worden war. Und woher seine Ahnen stammten. Es verursachte ihm einen regelrechten Knoten im Bauch, sich klarzumachen, dass er durch ein seltsames Schicksal genau genommen der erste Indianer überhaupt war, der dieses künftige Indianerland betrat – und irgendwie kam ihm das wie ein Frevel vor.

Viele wälzten ganz andere und doch irgendwo ähnliche Gedanken. Von Nadja wusste er es ganz sicher. Bei ihm kam hinzu, dass er sich immer als sehr naturverbundenen Menschen verstanden hatte, was mit seiner Herkunft zusammenhängen mochte. Neuerdings spürte er eine Trennung zwischen sich und der Natur, und das war noch nie passiert. Als würde ihn eine unsichtbare, membrandünne Haut isolieren. Alles trat nur noch sehr vage und gedämpft in seine Wahrnehmung.

Gesprochen hatte noch mit niemanden darüber, auch nicht mit Nadja, und an manchen Tagen wurde es ihm sogar kaum noch bewusst. Möglicherweise gab es einen Abstumpfungseffekt. Heute jedoch, in diesem Moment, war es schlimm. Fast unerträglich.

Littlecloud hob die freie Hand und beschattete seine Augen gegen das unnatürliche Licht, das auf die gleichfalls unnatürlich gewordene Stadt herableuchtete.

Wir dürften nicht hier sein, dachte er, ohne dagegen ankämpfen zu können. Diese Zeit hasst uns!

Seit Tagen ging ihm dieser aufwühlende Gedanke durch den Kopf. Bei einem Besuch in der Krankenstation, wo Nadja lag, hatte sich ein zufälliges Gespräch mit Doc Williams ergeben, und der Arzt hatte die Welt mit einem lebenden Organismus verglichen, in den Fremdkörper – Menschen – eingedrungen waren, die nun in immer rasanterer Abfolge und mit zunehmender Härte von Abwehrmechanismen bekämpft wurden. Mit dem Ziel der Vertreibung oder völligen Vernichtung …

Vielleicht war das eine zu abstrakte Denkweise. Aber es ließ sich nicht leugnen, dass der Planet sich zur Wehr setzte.

Sie hatten mit der Zeit manipuliert und bekamen jetzt die Quittung dafür!

Littleclouds Blick wanderte in die Richtung, wo Meilen entfernt die Türme des McCarran Airports in die Höhe stachen. Keine einzige Maschine stand mehr auf dem dortigen Start- und Landefeld, das bei der Blitzevakuierung der Stadt eine tragende Rolle gespielt hatte. Weit im Norden gab es noch einen zweiten Flugplatz, der ein ähnlich verlassenes Bild bot.

Plötzlicher Lärm erregte Littleclouds Aufmerksamkeit.

Der Wind trug Gemurmel heran, das wie – Kinderstimmen klang.

Der Apache, von Freunden schlicht Red genannt, setzte sich in Bewegung und lenkte seine Schritte auf das Caesars Palace zu, eine der früher üblichen Mischungen aus Nobelabsteige und Spielkasino.

Die Fassade des in verblassenden Pastelltönen gehaltenen Palastes zeigte selbst von Weitem Risse, welche sich Schlinggewächse zunutze gemacht hatten, um daran hochzuklettern und das Gebäude in ein bedrohlich wirkendes, grünes Tarnkleid zu hüllen.

Fast alle Fensterscheiben waren zerbrochen. Auch in diese schattigen Höhlen krochen tentakelartige Pflanzenauswüchse, die sich hinter den Mauern verloren.

Littlecloud unterdrückte das Unbehagen, das ihn bei dem Anblick beschlich. In der Siedlung stoppten sie den Vormarsch der Vegetation so gut es ging, aber der überwiegende Teil der Stadt war fest in der Hand urzeitlicher Flora, und man hätte meinen können, dass es vielleicht das war, was mit einiger Verspätung auch die Fauna nachrücken ließ. Dem widersprach jedoch, dass es die Saurier gerade dort verstärkt hinzog, wo man die fremdartigen Gewächse des Mesozoikums eingedämmt hatte.

Die Waffe – eine M13 aus Armeebeständen – schaffte es heute noch weniger als gewohnt, ein Sicherheitsgefühl zu suggerieren. Als Littlecloud unter das zerschlissene Textilvordach des Hotels trat und damit in den Schatten, dachte er daran, dass dies keine Welt für Kinder war. Viele hatten sich auch in dieser Hinsicht einer Illusion hingegeben. Er glaubte, dass der Grund, hier Kinder zu zeugen, in den meisten Fällen dem Wunsch entsprungen war, ein weiteres Stück Normalität in eine Umgebung einzuführen, die für Menschen nicht geschaffen war. Und es auch durch noch so große Anstrengungen nie werden würde.

Ein neuer, heißer Gedanke, der mit Steven Green und dessen für alle unerwarteten Freitod zu tun hatte, schoss ihm durch den Sinn. Niemand hatte verstanden, warum der Mann, der sie alle vor dem sicheren Tod gerettet hatte, diesen Schritt gewählt hatte. Ausgerechnet er. Aber vielleicht hatte er nur früher begriffen, wohin der Weg der Gestrandeten führen musste, und die Konsequenzen gezogen …

Das Zusammenleben hatte ergeben, dass auch Littlecloud und Nadja sich Gedanken über eventuellen Nachwuchs gemacht hatten. Nadjas Haltung war pro, seine eher dagegen gewesen, ohne dass ihm die Gründe dafür bisher klar gewesen waren.

In einem war er sich jedoch völlig sicher: Den absurden Traum einiger Fantasten, hier den Grundstock für eine frühe Menschheit legen zu können, teilte er nicht. Sie alle hatten eine Verantwortlichkeit gegenüber der Zukunft!

Er brachte das Gewehr in Anschlag und näherte sich langsam der offenen Tür, die ins zerstörte Hotelfoyer führte.

Dort wucherten Pflanzen an den unmöglichsten Stellen; sie quollen aus aufgeplatzten Sesselpolstern oder aus Fächern, in denen früher gute oder schlechte Nachrichten für gute oder schlechte Gäste aufbewahrt wurden.

Littlecloud erinnerte sich noch genau, dass es ihm als Halbwüchsigem Schwierigkeiten bereitet hatte, sich vorzustellen, dass im südamerikanischen Dschungel noch ganze unentdeckte Städte vergessener Hochkulturen verborgen liegen sollten. Es war für ihn unbegreiflich gewesen, wie Pflanzen einst bebaute, riesige Flächen total vereinnahmen und unsichtbar machen konnten.

Mittlerweile wusste er, dass es möglich war.

Er wurde täglich Zeuge, wie etwas Derartiges sogar in viel kürzerer Spanne geschehen konnte …

Die Stimmen waren lauter geworden. Er ließ sich von ihnen leiten.

Kinderstimmen, eindeutig!

Littlecloud ging schneller. Außer ihm beteiligte sich jeder gesunde Erwachsene an der Suche nach den Verschwundenen. Niemand wusste, warum die Schüler ihrem Aushilfslehrer ein Schlafmittel verabreicht hatten. Als Streich konnte so etwas nicht mehr durchgehen.

Littlecloud war vermutlich der Einzige, der allein unterwegs war. Er hatte sich nicht einmal ausführlich mit Mainland darüber abgesprochen. Mainland hatte genug damit zu tun, die ausgeschwärmten Suchmannschaften zu koordinieren und entsetzt-aufgeregte Eltern zu beruhigen.

Je näher Littlecloud der Schallquelle kam, desto sicherer wurde er, auf der richtigen Fährte zu sein. Er hörte jetzt Wortfetzen.

Bingo! dachte er. Als er den Weg zu den Aufzügen einschlug, die im erwartet heillosen Zustand waren, lockerte er unbewusst seine innere Spannung. Er sah die Kids schon vor sich.

»… auch mal … seid gemein …«

Littlecloud hätte die Stimme, die ihm die allgegenwärtige Zugluft entgegenwehte, überall herausgehört und erkannt.

»… böser Jasper … böser Jasper …«

Vor Tagen hatten die Eskapaden genau dieses Jungen sie schon einmal alle in helle Aufregung versetzt!

Gleich neben der Liftanlage führte eine halb offene Tür ins Treppenhaus. Littlecloud öffnete sie vollständig. Dort, woher die Kinderstimmen kamen, war es absolut finster.

Er zog eine Stablampe aus der Jackentasche und versuchte, sich in die Mentalität und Motive der Drei- bis Fünfjährigen zu versetzen. Die Stadt musste einen kaum zu zügelnden Reiz auf sie ausüben. Als wäre es ein gigantischer Abenteuerspielplatz. Aber zu ihrer Erziehung gehörte es, ihnen die hier lauernden Gefahren bewusst zu machen.

Neben den Sauriern trieben sich auch immer noch zwielichtige Gestalten herum, die sich erfolgreich jeder Anpassung entzogen hatten. Outsider. Auch sie stellten eine latente Bedrohung für die Kinder dar, denen man strikt verbieten musste, in den geheimnisvollen Relikten einer Zivilisation zu wühlen, die sie funktionierend nie kennenlernen würden.

Im Schein der Lampe stieg Littlecloud die Treppe hinab. Er vermied unnötige Geräusche, obwohl er wusste, dass das Licht ihn frühzeitig verraten würde.

Die Stimmen wurden lauter und aufgeregter. Außerdem machte sich ein unangenehmer Geruch bemerkbar. Am Ende der Treppe steigerte er sich zu einem solchen Gestank, dass Littlecloud nicht nachvollziehen konnte, warum sich die Kinder ausgerechnet hier aufhielten. Der Lampenschein riss Türen rechts und links des Ganges aus dem Dunkel. Eine stand sperrangelweit offen.

Aus ihr drang ein Satz, der Littlecloud stocken ließ.

»… können es nicht riskieren«, sagte Mainland.

Mainland?

Das Gemurmel lag wie ein Chor hinter der Stimme des Lieutenants.

»Paul?«

Irgendetwas zwang Littlecloud, das Gewehr wieder fester zu umfassen. Die Lampe klemmte er zwischen die Zähne, um beide Hände zur Verfügung zu haben.

Mainland antwortete nicht.

»Ja, komm, besorg’s mir …«, sagte eine Frau.

Littlecloud hatte das Gefühl, als würde der harte Knoten in seinem Magen sich plötzlich in eine Anaconda verwandeln.

Lautlos glitt er auf die Tür zu. Der Lichtstrahl tanzte bei jedem Schritt die Wände und den Boden entlang, nur die Decke lag zu hoch. Von dort drückte die Dunkelheit wie ein schweres Polster auf ihn herab. Kurz vor der Schwelle riss er ruckartig den Kopf in den Nacken, weil er glaubte, etwas lasse sich von oben auf ihn herab. Aber es war nur Einbildung. Da war nichts weiter als eine grau gestrichene Betondecke.

Eine Kinderstimme jammerte: »… Angst … Hab so Angst …!«

Einen Schritt vor der Tür blieb Littlecloud erneut stehen. Er wusste selbst nicht genau, warum. Es gab nur eine Erklärung: Mainland und die anderen hatten die Kinder kurz vor ihm gefunden!

Doch kaum hatte er sich selbst beruhigt, ließ ihn eine Bewegung am Boden erstarren. Etwas wurde blitzschnell ins Innere gezogen – etwas, in dem Littlecloud die Hand eines Menschen erkannt zu haben glaubte …

Was, zur Hölle, ging hier vor?

Die Stimmen waren jetzt völlig verstummt, und die Stille wurde unerträglich.

»Paul?«

Dass Mainland nicht antwortete, hatte einen Grund. Aber welchen?

Littlecloud trat mit entsicherter Waffe auf die Tür zu.

Das, was im selben Augenblick von jenseits der dunklen Schwelle ertönte, ließ ihm endgültig das Blut gerinnen.

»… wird ihm schon nichts passieren …«, sagte Littlecloud.

Littlecloud?

***

DINO-LAND, eine andere Zeit

Professor Carl Schneider fröstelte, als er seinen Blick vom Dickicht hinter den Zäunen und dem dort wimmelnden Leben losriss. Nachdenklich betrat er die Station, die wie eine Geschwulst aus Stahl, Glas und Kunststoff aus dem feuchten Urwaldboden emporwucherte und längst kein Sicherheitsgefühl mehr vermittelte.

Gespenstischer purpurner Himmel wölbte sich über der gerodeten Lichtung. Dieser Himmel erinnerte Schneider an ein früheres Erlebnis, und er konnte ihn auch nicht vergessen, als sich die Tür längst hinter ihm geschlossen hatte und sein Körper in das kaltweiße Neonlicht gebadet wurde, das die endlosen Korridore zu jeder Tages- und Nachtzeit flutete.

»Professor …?«

»… rief der Professor«, gab Schneider skurril-humorig zurück. Er hatte sofort begriffen, wer ihm da mit Leidensmiene aus einem Seitentrakt entgegeneilte: Professor Sondstrup, de facto noch wissenschaftlicher Leiter der DINO-LAND-Station. Objektiv gesehen hatte ihm Pounder jedoch ebenso jede Vollmacht entzogen, wie er es bei Schneider getan hatte.