Dino-Land - Folge 13 - Manfred Weinland - E-Book

Dino-Land - Folge 13 E-Book

Manfred Weinland

4,9
1,99 €

Beschreibung

FOLGE 13: DIE VERSCHWUNDENEN KIDNER: Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit die Meereskundlerin Nadja Bancroft nach Las Vegas verschlagen wurde - einhundertzwanzig Millionen Jahre in die Vergangenheit. Es dauerte lange, doch sie hat sich dem Leben in dieser feindlichen Umwelt angepasst. Und sie fand eine Aufgabe: Nadja unterrichtet die Kinder, die hier in der Kreidezeit geborgen wurden und mittlerweile bis zu fünf Jahre alt sind. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Die Kinder sind außergewöhnlich intelligent, geben kaum Anlass zur Klage und entwickeln sich prächtig. Doch irgend etwas scheint nicht mit ihnen zu stimmen; Nadja kann das Gefühl selbst nicht erklären. Doch dann bewahrheiten sich plötzlich ihre Ahnungen - auf dramatische Weise ... *** DINO-LAND - RÜCKKEHR DER SAURIER: Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel - und mit ihm die Dinosaurier. Doch damit nicht genug: Das Dschungelgebiet breitet sich unkontrolliert aus und umgekehrt wird alles, was sich in der Gegenwart befindet, in die Vergangenheit gerissen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Anomalie auch Las Vegas erreicht und alles und jeden darin verschlingt! Auch Marc "Red" Littlecloud, Mitglied einer Spezialeinheit des US-Marine Corps, wird in den Malstrom der Ereignisse gezogen. Die Lage scheint aussichtslos, dennoch versucht er zusammen mit Militär und Polizei, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Doch in einer so fremdartigen Umgebung, unter Dinosauriern, unbekannten Krankheiten und Großwildjägern, gibt es keine Gnade ... Willkommen in "Dino-Land": Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland. Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen ...

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MOBI

Seitenzahl: 137




Inhalt

Cover

Über diese Serie

Über diese Folge

Über die Autoren

Impressum

Die verschwundenen Kinder

In der nächsten Folge

Dino-Land – Rückkehr der Saurier

Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel – und mit ihm die Dinosaurier. Doch damit nicht genug: Das Dschungelgebiet breitet sich unkontrolliert aus und umgekehrt wird alles, was sich in der Gegenwart befindet, in die Vergangenheit gerissen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Anomalie auch Las Vegas erreicht und alles und jeden darin verschlingt!

Auch Marc »Red« Littlecloud, Mitglied einer Spezialeinheit des US-Marine Corps, wird in den Malstrom der Ereignisse gezogen. Die Lage scheint aussichtslos, dennoch versucht er zusammen mit Militär und Polizei, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Doch in einer so fremdartigen Umgebung, unter Dinosauriern, unbekannten Krankheiten und Großwildjägern, gibt es keine Gnade …

Willkommen in »Dino-Land«: Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland.

Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen …

Über diese Folge

Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit die Meereskundlerin Nadja Bancroft nach Las Vegas verschlagen wurde – einhundertzwanzig Millionen Jahre in die Vergangenheit. Es dauerte lange, doch sie hat sich dem Leben in dieser feindlichen Umwelt angepasst.

Und sie fand eine Aufgabe: Nadja unterrichtet die Kinder, die hier in der Kreidezeit geborgen wurden und mittlerweile bis zu fünf Jahre alt sind.

Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Die Kinder sind außergewöhnlich intelligent, geben kaum Anlass zur Klage und entwickeln sich prächtig. Doch irgend etwas scheint nicht mit ihnen zu stimmen; Nadja kann das Gefühl selbst nicht erklären. Doch dann bewahrheiten sich plötzlich ihre Ahnungen – auf dramatische Weise …

Ein fehlgeschlagenes Militärexperiment erzeugt einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Mitten in der Wüste Nevada erscheint ein 150 Millionen Jahre alter Dschungel – und mit ihm die Dinosaurier. Ein wahrgewordener Albtraum aus den Federn von Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland.

Willkommen in »Dino-Land«: Sie sind überall - und es gibt kein Entkommen …

Über die Autoren

An der Serie »Dino-Land« haben die Autoren Wolfgang Hohlbein, Frank Rehfeld und Manfred Weinland mitgewirkt. Jeder von Ihnen hat bereits jahrelange Erfahrung im Schreiben von Action-, Fantasy-, Science-Fiction oder Horrorromanen. Mit Dino-Land gelang ihnen ein temporeicher und spannungsgeladener Genre-Mix, der sich einer der ältesten uns bekannten Bedrohungen widmet: Den Dinosauriern.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Für die Originalausgabe: Copyright © 1993-1994 by Bastei Lübbe AG, Köln Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin Verantwortlich für den Inhalt

Für diese Ausgabe: Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Projektmanagement: Stefan Dagge

Covergestaltung: © Guter Punkt, München www.guter-punkt.de unter Verwendung von Motiven © shutterstock: metha1819 © thinkstock: wgmbh | Digital Vision | baldas1950

E-Book-Erstellung: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-3528-6

www.bastei-entertainment.de

Manfred Weinland

Die verschwundenen Kinder

DIE VERSCHWUNDENEN KINDER

Der Himmel über der zerfallenden Stadt war seit Sonnenaufgang fahlrot verfärbt, und niemand wusste, warum. Niemand hatte jemals, seit Las Vegas die unvorstellbare Strecke von einhundertzwanzig Millionen Jahre in die Erdvergangenheit gerissen worden war, einen solchen Himmel gesehen!

Morgenrot und Abendrot ja, aber diese Rötung über den ganzen Tag hinweg war etwas Besonderes, etwas Beängstigendes und Bedrohliches.

Viele, die draußen in den umgepflügten ehemaligen Parks auf ihren Feldern arbeiteten, nahmen es als ein Omen dafür, dass bald eine erneute Verschlechterung ihrer Lage eintreten würde. Dass die Natur der Urzeit sich noch vehementer gegen die aus der Zukunft Gestrandeten zur Wehr setzen wollte …

»Kein guter Tag zum Fliegen«, sagte Littlecloud. Der Apache trat vom Fenster der improvisierten Computer-Zentrale zurück und ging zu Mainland, der vor seinem Terminal saß und die Zahlenkolonnen ein letztes Mal überprüfte.

»Er hat recht«, pflichtete Nadja bei. Sie stand vor der Wand, die eine provisorische Ansicht des nordamerikanischen Kontinents der frühen Kreidezeit wiedergab; daneben befand sich eine wesentlich detailliertere Übersicht von Las Vegas und Umgebung. Ganz links hing ein Stadtplan, der älter als fünf Jahre war und schon Gültigkeit vor der Katastrophe besessen hatte. »Es ist zu gefährlich. Wir wissen nicht, was sich da wirklich zusammenbraut.«

Mainland lachte kurz und abgehackt. Einen Moment lang kam in Marc Littlecloud die Erinnerung an jene Tage hoch, als er und der ehemalige Polizeilieutenant erbitterte Feinde gewesen waren. Mainland war Ende Dreißig und von kräftiger Statur. Er trug jetzt wie damals einen sauber ausrasierten Bart. Seine Augen drückten grimmige Entschlossenheit aus. Auch wer ihm noch nie vorher begegnet war, konnte ahnen, dass er ein Mann war, den man auf der Rechnung haben musste, bei allem, was man an Weitreichendem plante.

Jetzt deutete er zum Telefon, das ein Scherzbold – vielleicht sogar Mainland selbst in einer launigen Phase – auf den Schreibtisch gestellt hatte. Das abgeschnittene Kabel lag sorgfältig hinter Büchern verborgen.

»Ruft doch an«, sagte der Mann, der sich für die Sicherheitsbelange der Menschen hier stark machte. »Ruft doch einfach an und sagt ihnen, dass sie sich bitte mit der Sendung etwas gedulden sollen, bis besseres Wetter heraufzieht – oder bis sich der Aberglaube der Leute etwas beruhigt hat … Verdammt, wir brauchen die Sachen! Dringend! Pounder schickt nicht alle Tage seine Carepakete …«

»Wollen sie wegen ein paar Gebrauchsgegenständen Ihr Leben oder das anderer riskieren, Paul?« Nadja zeigte kein Verständnis.

»Wenn, dann nur mein eigenes«, versetzte Mainland.

»Ach, du willst allein fliegen?«, fragte Littlecloud, wobei die Andeutung eines Lächelns seine Mundwinkel umspielte.

»Unsinn!« Mainland stand auf und schob Nadja erstaunlich behutsam beiseite. Er nahm einen Stift und malte das Epizentrum des erwarteten Zeitbebens auf der Umgebungskarte von Las Vegas ein. Dabei machte er drei Kreise mit gestaffelten Radien. Der größte Radius bezeichnete den angenommenen Materieaustausch bei maximaler Bebenstärke. Schon seit geraumer Zeit ließ sich nur noch das ungefähre Zentrum, nicht aber mehr die Ausdehnung und damit die Stärke dieses immer noch unbegreiflichen Phänomens voraussagen. Das von Mainland hingekritzelte Maximum war im Grunde auch nur eine Schätzung.

»Es gibt keine Anzeichen für einen Sturm, der den Flug ernsthaft infrage stellen könnte«, sagte Mainland in einem Tonfall, als müsste er neben den Anwesenden auch noch sich selbst beruhigen. Bewusst wurde es ihm jedoch nicht. »Wir sind auf die – wie nanntest du es so schön? – Carepakete aus der Zukunft angewiesen. Ohne diese säßen wir heute vermutlich noch allabendlich bei Kerzenschein, und die Computer müssten wir mit Dynamos antreiben …«

Nadja sah ihn eine Weile an, dann spöttelte sie: »Sie sind ja ein verkappter Romantiker, Paul. Hätte ich das nur früher gewusst …« Sie zwinkerte Littlecloud zu. Im Umdrehen sah sie gerade noch, wie die einzige Tür des Raumes lautlos zugezogen wurde. Dass sie vorher einen Spalt offengestanden hatte, hatte niemand bemerkt.

Ohne eine Erklärung abzugeben, huschte sie darauf zu und drückte die Klinke nieder.

Draußen stand ein kleiner, etwa vierjähriger und sommersprossiger Junge, der alle Chancen bei der Prämierung zum Unschuldslamm des Jahres hatte.

»Jasper!«, schnappte Nadja überrascht.

Der Junge besuchte wie alle in der Vergangenheit geborenen Kinder ihren werktäglichen Unterricht, den sie nach ihrer Ankunft vor knapp zweieinhalb Jahren systematisch ausgebaut hatte. Vom Alter her hätten die Kinder eigentlich erst einen Kindergarten besuchen müssen, aber zur Verblüffung selbst der Eltern hatte sich herausgestellt, dass sie damit vollkommen unterfordert waren. Sobald sie laufen konnten – und das geschah schnell – entwickelten sie einen so immensen Wissensdurst, dass man anfängliche Bedenken über Bord geworfen und die Lehreinrichtung gegründet hatte. Nadja kümmerte sich vom frühen Morgen bis zum Nachmittag um die Kinder. Der begrüßenswerte Nebeneffekt war, dass die Eltern sich während dieser Zeit unbesorgt für das Gemeinwohl einsetzen konnten.

»Miss Bancroft …« Obwohl er Verlegenheit dokumentierte, hatte Nadja bei ihm nicht zum ersten Mal das Empfinden, dass er ihr etwas vormachte.

»Was tust du hier? Du müsstest längst zu Hause sein. Wissen deine Eltern …?«

»Klar, Ma’am!« Er nickte altklug.

Nadja wiegte zweifelnd den Kopf. »Und was wolltest du hier?«

»Hab mich verlaufen.«

Das war fast noch unwahrscheinlicher als die Behauptung, seine Eltern wüssten Bescheid.

Jasper schielte an ihr vorbei ins Innere des Raumes.

»Du gehst jetzt umgehend heim! Kinder haben hier nichts verloren. Ich werde dich persönlich …«

»Ist nicht nötig – bestimmt nicht, Miss«, warf Jasper ein. Er nahm die Schirmmütze vom Kopf und spielte damit, als wolle er ihrem Blick ausweichen. Anschließend setzte er sie verkehrt herum wieder auf.

»Ich dachte, du hättest dich verlaufen?«

»Deshalb hab ich ja die Tür aufgemacht … Jetzt weiß ich wieder Bescheid. Bestimmt!« Er drehte sich bereits halb um.

Obwohl seine Bemerkung den Schluss nahelegte, dass er schon früher hier herumgestreunt war, wo Kinder wirklich nichts zu suchen hatten, ließ Nadja ihn ziehen. Sie hätte Hellseherin sein müssen, um zu ahnen, dass sie es bald bitter bereuen würde.

Auch Littlecloud und Mainland, zu denen sie kurz darauf zurückkehrte, fanden ihr Verhalten in Ordnung. Der Junge sah aus wie der Prototyp aller Lausejungen der Zukunft.

»Was für eine Marke«, lachte Mainland.

»Früchtchen träfe es eher«, sagte Nadja. »Wenn ich mehr von seiner Sorte im Unterricht hätte, würde ich das Handtuch werfen!«

Nach kurzem Abschweifen kehrten sie zum ursprünglichen Thema zurück.

»Wann genau startest du?«, fragte Littlecloud.

»Das Beben findet in knapp zwei Stunden statt. Ich werde vorher starten, in ungefährdetem Gebiet niedergehen und dort warten, bis das Gröbste vorüber ist.« Er meinte den mit jedem Beben einhergehenden Sturm. »Wir dürfen nicht anfangen, übervorsichtig zu werden. Die letzte Sendung haben wir verloren, weil wir erst Beben und Sturm abwarteten und dann von hier aus losflogen. Bis wir endlich ankamen, war uns eine Herde Allosaurus’ zuvorgekommen. Von den Kisten war keine einzige mehr heil.«

»Soll ich dich begleiten?«, fragte Littlecloud.

Mainland lehnte ab. »Ich habe bereits zwei Freiwillige. Es wäre …« Er verstummte, als Nadja die Hand hob. »Was ist denn jetzt schon wieder?«, brummte er.

Nadja eilte mit ausgreifenden Schritten zur Tür und riss sie auf.

Der Flur dahinter war leer.

»Entschuldigt«, sagte sie. »Ich dachte, das Bürschchen wäre immer noch da. Ich hatte etwas gehört.«

»Fang nicht an, Gespenster zu sehen«, mahnte Littlecloud.

Sie schüttelte abwesend den Kopf.

Die letzten, die Jasper vor seinem Verschwinden sahen, waren Mainland und seine Begleiter, als sie eine knappe halbe Stunde später den Hubschrauber bestiegen …

***

Die fünf Hubschrauber, darunter drei ultramoderne Stingray, standen aufgereiht auf dem Landefeld in der Häuserschlucht. Mainland und seine Begleiter Starks und Cagney befanden sich an Bord des einzigen zweipropellerigen Lasten-Hubschraubers.

Cagney fungierte als Pilot. Mainland, der zwischen ihm und Starks eingekeilt in der Kanzel saß, hatte die Karte mit den Zielkoordinaten auf dem Schoß. Als er den Startbefehl gab, zogen sich die wenigen Zuschauer draußen etwas weiter zurück. Cagney schob einen Hebel nach vorn, und das Geräusch der bislang nur warmlaufenden Turbinen schwoll an.

Bevor der schwerfällig wirkende Kopter sich auch nur eine Handspanne vom Boden erheben konnte, rief Starks: »Oh, bloody!«

Mainland hatte sich kurz in die Karte vertieft. Jetzt sah er überrascht auf.

»Stopp!«, schrie sein hünenhafter Begleiter mit dem Borstenhaar. »Sofort anhalten!«

Ehe Mainland den Befehl auch nur ansatzweise bestätigen konnte, schaltete Cagney bereits zurück. Der Kopter blieb wie festgeschweißt auf der Erde kleben, und das eben noch dumpf ansteigende Motorengeräusch wurde zu einem hohen Singen.

»Starks, zum Teufel …«

Der Hüne hackte ungerührt mit dem von der Faust abgespreizten Daumen in den Raum hinter ihren Sitzen. Dann packte er zu und lupfte eine der dort unordentlich abgelegten Plastikplanen. Das feixende Gesicht, das zum Vorschein kam, stellte Mainlands Fassung auf eine ernste Probe.

»Jasper …!«

»Sie kennen unseren Blinden Passagier, Sir?«

Mainland nickte mechanisch. »Junge, Junge«, tadelte er, »was machst du denn für Sachen? Wie kommst du hier herein? Weißt du, was alles hätte passieren können, wenn wir dich nicht noch rechtzeitig entdeckt hätten?«

Der sommersprossige Junge blickte ihn angestrengt-verlegen an.

Nadja hatte recht, dachte Mainland unwillkürlich, für einen kleinen Jungen weiß er schon viel zu genau, womit er uns Erwachsene kriegen kann.

»Also«, sagte er eine Spur schärfer. Von Jasper war keine weitere Reaktion erfolgt. »Was hast du hier zu suchen? Du solltest doch längst zu Hause sein! Miss Bancroft …«

»Muss wohl eingenickt sein«, presste Jasper sich ab, als er merkte, dass Schweigen ihm keine Pluspunkte einbrachte.

»Eingenickt?«

Starks und Cagney grinsten breit. Der Pilot, der bis auf einen unverkennbaren Bauchansatz geradezu spindeldürr wirkte, produzierte ein glucksendes Lachen, das aus den Tiefen seiner Verdauungsapparatur zu kommen schien.

Mainlands Blick glitt plötzlich zur aktuellen Zeitanzeige im Cockpit. Dann wandte er sich unwirsch zurück zu dem Jungen: »Du hast Glück, mein Kleiner, dass wir in Eile sind, sonst würdest du mir nicht so billig davonkommen! Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben – wir sprechen uns noch!«

Er winkte einen der Startbeobachter herbei, die längst bemerkt hatten, dass etwas nicht stimmte. Starks öffnete unaufgefordert die rechte Tür der Kanzel.

»Hillerman!«

»Ja, Sir?« Der Angesprochene trabte unter den nur noch schwach bewegten Rotoren näher.

Mainland gab Starks ein unmissverständliches Zeichen. Der Hüne griff mit nur einer Faust hinter sich, packte Jasper in der Nähe des Schulteransatzes am Arm und hievte ihn wie eine federleichte Puppe nach vorn. Der Junge zappelte plötzlich wild und trat Mainland mit dem stumpfen Schuh in den Nacken. Dann hatte Starks ihn draußen vor Hillerman abgesetzt, der ihn sofort an die Hand nahm, als könnte er damit weiteres Unheil unterbinden.

»Kennen Sie dieses Früchtchen?«, fragte Mainland und übernahm dabei, während er sich den Nacken massierte, unbewusst Nadjas Terminologie.

»Ja, Sir. Jasper Martelli, Sir!«

»Sehr gut. Dann hören sie mir jetzt genau zu: Sie bringen den Jungen umgehend persönlich zu seinen Eltern und …«

»Zu seiner Mutter, Sir«, unterbrach Hillerman. »Sein Vater lebt nicht mehr. Marvin Martelli wurde …«

»Dann eben zu seiner Mutter!« Mainland rang um Fassung. Er sah seinen Zeitplan gefährdet. »Lassen Sie ihn jedenfalls nicht eher allein, bis er bei seiner Mutter ist. Und erzählen Sie ihr ruhig, wo wir ihn gefunden haben! – Geben Sie außerdem Order, dass die Aufsichtspflichten auf dem Landefeld gewissenhafter wahrgenommen werden! Es ist unmöglich, dass ein Kind einfach in einen Hubschrauber spazieren kann. Wir kommen in Teufels Küche!«

Er wartete, bis Hillerman sich mit dem Jungen entfernt hatte, dann wiederholte er den Startbefehl von vorhin, auf den Cagney nur gewartet hatte.

Jasper sah ihnen mit verkniffenem Gesicht nach, als sich der Hubschrauber endlich in den roten Himmel hob und Kurs auf das errechnete Zeitbeben nahm.

***

Nadja hatte noch einen Abstecher ins Schulgebäude gemacht, um ein paar Unterrichtsvorbereitungen zu treffen. Littlecloud wollte auf Mainlands versprochene Meldung, sobald er das Bebengebiet erreicht hatte, warten.

Als die Tür des Klassenzimmers aufging, rief Nadja: »Steven! Was führt dich hierher? Woher wusstest du …?«

»Ich sah dich reingehen.« Dr. Steven Green kam näher und setzte sich auf einen Tisch gegenüber dem Lehrerpult, wo Nadja saß. »Ich war gerade mit Mizzy spazieren.«

Vor etwas mehr als zwei Jahren hatte sich Nadja mit dem Tropenmediziner, der auch versierter Psychologe war, in die Vergangenheit versetzen lassen. Im Gepäck hatten sie ein von Green entwickeltes Serum gegen die Selbstmordseuche gehabt, die zu diesem Zeitpunkt in der Gegenwart grassierte. Die Seuche war von Moskitos übertragen worden, die vorher Kontakt mit einer ganz bestimmten Saurierart – Plesiosauriern – gehabt und danach Menschen gestochen hatten. Beide Blutsorten hatten sich nicht miteinander vertragen. Bei den infizierten Menschen war es zu Wahnvorstellungen, Aggressionsschüben, sogar körperlichen Veränderungen gekommen. Gegipfelt hatte die Krankheit stets in Todessehnsucht, sodass sich die Befallenen früher oder später selbst umbrachten.[1]

In Las Vegas waren sie gerade noch rechtzeitig angekommen, um einen Massenselbstmord der letzten Bewohner zu verhindern.

Als Nadja Green damals gebeten hatte, ihn auf seiner Mission in die Urzeit begleiten zu dürfen, hatte sie gerade ihren Freund verloren und geglaubt, so bald nicht wieder eine feste Verbindung eingehen zu können. Und es hatte tatsächlich eineinhalb Jahre gedauert, bis sie und Littlecloud sich nicht mehr selbst belogen, sondern ihre Gefühle einander eingestanden hatten.

Steven Green hatte bereits wenige Wochen nach ihrer Ankunft Mizzy zu sich genommen und lebte mit ihr. Ihre Beziehung war jedoch nicht vergleichbar mit der von Nadja und Littlecloud. Sie waren kein Liebespaar, sondern Pfleger und Patientin. Ein tragisches Geschick hatte ausgerechnet Mizzy dazu auserkoren, als einzige von allen, die Green mit dem Serum behandelte, nicht befriedigend darauf anzusprechen.

Alles, was er erreicht hatte, war, die Krankheit zum Stillstand zu bringen. Heilen hatte er Mizzy nicht können. Sie hatte seltene, lichte Momente, aber meist dämmerte sie dahin. Auch von ihrer physischen Veränderung war sie nicht genesen.

Für Nadja war Green der uneigennützigste Mensch, den sie je kennengelernt hatte, auch wenn seine stoische Ruhe, für die er bekannt gewesen war, unter den Ereignissen etwas gelitten hatte. Mittlerweile kam es selbst bei ihm schon mal vor, dass er bei sich anbietenden Gelegenheiten aus der Haut fuhr.