Verlag: Bastei Entertainment Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Dr. Stefan Frank 2463 - Arztroman E-Book

Stefan Frank  

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E-Book-Beschreibung Dr. Stefan Frank 2463 - Arztroman - Stefan Frank

Noteinsatz für Dr. Frank - Mitten in der Stadt bricht ein Passant zusammen Zufrieden sitzt der Grünwalder Arzt Dr. Stefan Frank mit seiner Lebensgefährtin Alexandra in einem Münchner Café. Vor ihnen liegen zwei köstliche Tortenstücke auf den Tellern. Nachdem sie am Vormittag ein Museum besucht haben und später essen waren, soll nun ein gemütlicher Nachmittag den freien Samstag krönen. Doch mit der Ruhe ist es schlagartig vorbei, als Dr. Frank hektisch aufspringt. Aus dem Augenwinkel hat er durch das große Fenster gesehen, dass draußen ein Mann zusammengebrochen ist. In der Fußgängerzone sammeln sich schon zahlreiche Schaulustige. Allerdings scheint niemand zu helfen. Mit großen Schritten stürmt Stefan Frank zur Tür hinaus und kämpft sich zu dem Patienten durch. Der junge Mann ist kaum ansprechbar und droht jeden Moment das Bewusstsein zu verlieren. Dr. Frank erkennt sofort: Hier zählt jetzt jede Sekunde! *** Dr. Stefan Frank - dieser Name bürgt für Arztromane der Sonderklasse: authentischer Praxis-Alltag, dramatische Operationen, Menschenschicksale um Liebe, Leid und Hoffnung. Dabei ist Dr. Stefan Frank nicht nur praktizierender Arzt und Geburtshelfer, sondern vor allem ein sozial engagierter Mensch. Mit großem Einfühlungsvermögen stellt er die Interessen und Bedürfnisse seiner Patienten stets höher als seine eigenen Wünsche - und das schon seit Jahrzehnten! Eine eigene TV-Serie, über 2000 veröffentlichte Romane und Taschenbücher in über 11 Sprachen und eine Gesamtauflage von weit über 85 Millionen verkauften Exemplaren sprechen für sich: Dr. Stefan Frank - Hier sind Sie in guten Händen! Jede Woche erscheint eine neue Folge. Alle Folgen sind in sich abgeschlossen und können unabhängig von den anderen Folgen der Serie gelesen werden.

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E-Book-Leseprobe Dr. Stefan Frank 2463 - Arztroman - Stefan Frank

Inhalt

Cover

Impressum

Noteinsatz für Dr. Frank

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Chalabala/iStockphoto

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-6783-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Noteinsatz für Dr. Frank

Mitten in der Stadt bricht ein Passant zusammen

Zufrieden sitzt der Grünwalder Arzt Dr. Stefan Frank mit seiner Lebensgefährtin Alexandra in einem Münchner Café. Vor ihnen liegen zwei köstliche Tortenstücke auf den Tellern. Nachdem sie am Vormittag ein Museum besucht haben und später essen waren, soll nun ein gemütlicher Nachmittag den freien Samstag krönen. Doch mit der Ruhe ist es schlagartig vorbei, als Dr. Frank hektisch aufspringt. Aus dem Augenwinkel hat er durch das große Fenster gesehen, dass draußen ein Mann zusammengebrochen ist. In der Fußgängerzone sammeln sich schon zahlreiche Schaulustige. Allerdings scheint niemand zu helfen.

Mit großen Schritten stürmt Stefan Frank zur Tür hinaus und kämpft sich zu dem Patienten durch. Der junge Mann ist kaum ansprechbar und droht jeden Moment das Bewusstsein zu verlieren. Dr. Frank erkennt sofort: Hier zählt jetzt jede Sekunde!

„Ich denke, die Sachertorte macht das Rennen …“, murmelte Alexandra, mehr zu sich selbst. Ihr Zeigefinger wanderte konzentriert die Karte mit den Kuchen und Torten hinab. Seufzend hielt sie inne. „Oder doch besser die Schwarzwälder Kirsch? Oje, Stefan! Die haben hier sogar eine preisgekrönte Prinzregententorte! Ich fürchte, die Entscheidung ist in dieser Sekunde gefallen!“

Dr. Stefan Frank sah irritiert hoch.

„Aber für was hast du dich entschieden, Schatz? Nimmst du Sachertorte, Schwarzwälder Kirsch oder doch Prinzregenten?“

Alexandra grinste. „Alle drei natürlich. Wir kosten hier im Café zwei der Torten. Und das dritte Tortenstück nehmen wir mit nach Hause und teilen es uns heute Abend zum Dessert.“

Stefan Frank lächelte. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er sich für ein schlichtes Nuss-Hörnchen entschieden. Aber er wollte Alexandras Freude nicht trüben. Entspannt lehnte er sich zurück. Die Kellnerin nahm die Bestellung auf, und endlich kam die ersehnte Ruhe über Stefan.

Es war Samstag, und er und Alexandra hatten den Vormittag im Deutschen Museum verbracht. Gesättigt von all den vielen Eindrücken waren sie dann beim Inder essen gewesen. Anschließend hatten sie noch einen gemächlichen Stadtbummel gemacht.

Nun war später Nachmittag, und die letzte Station ihrer Auszeit war das hübsche kleine Café mitten in der Fußgängerzone. Draußen am Fenster wuselten die Münchner vorbei. Es machte Spaß, sich einfach zurückzulehnen und das Treiben dort draußen zu beobachten. Es tat gut, nichts zu tun zu haben.

„Endlich siehst du entspannt aus!“, bemerkte Alexandra tatsächlich. „Du warst den ganzen Tag über so unter Strom, Stefan.“

Stefan Frank seufzte. „Die vergangene Woche war sehr anstrengend!“, gab er unumwunden zu. „Ich hatte einige schwere Fälle in der Praxis. Es fällt mir nicht leicht, all diese Geschichten abzustreifen und einfach mal nur die Privatperson Stefan Frank zu sein. Die beruflichen Themen verfolgen mich bis ins Wochenende. Es ist Fluch und Segen zugleich, Arzt zu sein. Aber das weißt du wohl am besten.“

Das war natürlich nicht ernst gemeint. Stefan war mehr als glücklich, als Hausarzt anderen Menschen helfen zu dürfen. Es gab keinen Beruf, den er lieber ausgeübt hätte. Und in der Regel ging er seiner Arbeit beschwingt und voller Begeisterung nach. Aber gerade wenn sich in der Praxis schlimme Diagnosen häuften, wurde der Beruf gelegentlich zur Bürde.

Stefans Gedanken schweiften nun wirklich zu dem Fall einer seiner Lieblingspatientinnen zurück, die an Hautkrebs erkrankt war. Sie war erst zu einem späten Zeitpunkt zu ihm in die Praxis gekommen und quälte sich nun schon durch die dritte Chemotherapie. Stefan hatte sich in diesem Zusammenhang noch einmal ausgiebig mit dem Krankheitsbild befasst. Natürlich waren das keine heiteren Momente.

„Die Schwarzwälder Kirsch für die Dame oder den Herrn?“ Zum Glück wurde Stefan aus seinen trüben Gedanken gerissen.

Er nickte zerstreut. Die Kellnerin stellte ihm den Teller mit dem wuchtigen Stück Torte direkt vor die Nase. Die Sachertorte wurde vor Alexandra abgestellt.

„Schau doch nur, diese hauchzarte Marmeladenschicht!“ Alexandras Gesicht glühte vor Vorfreude. Ihre Begeisterung hatte etwas Rührendes an sich.

Aber Stefan war gedanklich schon wieder bei der Arbeit. Ihm fiel ein, dass seine Mitarbeiterin Martha Giesecke just in diesem Moment im Kongresszentrum war und dort ein Tagesseminar besuchte. Er selbst hatte die Idee nicht sonderlich begrüßt. Es ging bei der Fortbildung um die Nutzung von modernen Medien für die Pressearbeit von Arztpraxen.

Das war ein Thema, das Stefan weder groß interessierte noch wichtig erschien. Aber Schwester Martha hatte ihn regelrecht dazu gedrängt, sie dort anzumelden.

Er hatte keinen blassen Schimmer, warum ausgerechnet die bodenständige Martha Giesecke Interesse an den fernen Weiten des Internets entwickelt hatte. Der Praxis aber konnte es nicht schaden. Und natürlich freute es ihn, wenn seine Mitarbeiterinnen sich freiwillig fortbilden wollten.

Gedankenverloren hangelte er nach seinem Handy. Womöglich hatte sie ihm bereits aus dem Seminar eine Nachricht geschickt?

Alexandra räusperte sich vernehmlich.

„Das ist nicht dein Ernst, Stefan, oder?“ Streng sah sie ihn an und zeigte mit ihrer Kuchengabel auf ihn. „Wir haben doch fest vereinbart, uns heute vollkommen aus unserem normalen Alltag zu befreien. Wir wollten uns einen Tag lang einfach nur treiben lassen. Und kaum stehen diese Wunderwerke von Torten auf dem Tisch, kontrollierst du auch schon die Nachrichten auf deinem Handy!“

Ertappt steckte Stefan sein Telefon zurück in seine Tasche. Sie hatte ja recht. Schwester Martha würde am Montag bis ins kleinste Detail erzählen, wie das Seminar gewesen war. Es war unnötig, sich jetzt damit auseinanderzusetzen.

„Es fällt mir nicht leicht, den Arzt abzulegen …“, wiederholte Stefan sichtlich verlegen. „Aber natürlich stimmt, was du sagst. Es geht heute nur um uns beide. Und um diese zweitausend Kalorien hier auf dem Tisch!“

Alexandra lachte.

Sie nahm einen Bissen und schloss genießerisch die Augen. Stefan tat es ihr nach. Aber schon im nächsten Augenblick wurde seine Aufmerksamkeit von etwas draußen auf der Straße gefesselt. Er hatte es nur aus dem Augenwinkel gesehen, aber dort draußen, mitten in der Fußgängerzone, war ein junger Mann zusammengebrochen. Noch im gleichen Moment sprang Stefan auf.

Alexandra folgte seinem Blick.

„Oh. Da scheint was passiert zu sein. Soll ich einen Rettungswagen rufen?“

Stefan nickte. „Ja, mach das!“ Er eilte bereits mit langen Schritten zur Tür hinaus. Zu seiner Erleichterung hatten sich in den wenigen Sekunden aber schon zahlreiche Menschen um den zusammengebrochenen Mann versammelt. Ganz sicher war jemand mit einer Ausbildung in Erster Hilfe dabei. Vermutlich war seine Unterstützung also gar nicht mehr nötig.

Erst im nächsten Augenblick begriff Stefan, dass er sich geirrt hatte. Es war zwar eine ganze Traube von Schaulustigen um den jungen Mann am Boden versammelt, aber keiner machte Anstalten, ihm zu helfen. Im Gegenteil! Jeder Zweite hatte schamlos sein Handy gezückt und filmte den nach Atem ringenden Patienten!

Eine eiskalte Wut überkam den Hausarzt. Es kam immer wieder vor, dass Rettungskräfte bei schweren Unfällen nicht zu den Opfern durchkamen, weil Gaffer den Weg versperrten. Immer wieder las man von Notfällen, in denen Passanten Verletzten nicht halfen, sondern stattdessen ein reißerisches Video für das Internet drehten.

Einmal hatte Stefan sogar von einem Sanitäter gehört, der von einem Schaulustigen angegriffen worden war, als er diesem verboten hatte, den Schwerverletzten zu filmen. In was für einer Welt lebte er eigentlich? Besaßen diese Menschen denn überhaupt keinen Anstand?

Stefan hatte sich erfolgreich durch die herumstehenden Passanten hindurchgezwängt und ging vor dem Patienten auf die Knie.

Der junge Mann war offenbar allein unterwegs. Keiner der Umstehenden schien ihn zu kennen. Er war kaum mehr ansprechbar und wirkte, als würde er jeden Augenblick das Bewusstsein verlieren. Der Hals des Mannes war dunkelrot angelaufen, seine Augen wirkten zugeschwollen und tränten. Er rang verzweifelt nach Luft.

„Ich bin Arzt!“, sagte Stefan so ruhig wie möglich. In solchen Situationen war es wichtig, nicht die Nerven zu verlieren und den Patienten zu beruhigen. „Hören Sie mich?“

Der junge Mann lallte etwas Unverständliches. Er hatte offenbar größte Mühe, zu sprechen.

„Das ist bestimmt so ein Alki!“, mutmaßte einer der Umstehenden fachmännisch. „Das lohnt sich doch bei dem eh nicht! Am besten gar nix machen. Vielleicht hört er dann auf mit dem Mist!“

„Geh mal aus dem Bild!“, hörte Stefan Frank einen anderen schimpfen. „Du verstellst mir die Sicht!“

„Ein Rettungswagen ist auf dem Weg!“, sagte Stefan leise zu dem Patienten. „Ist es Ihnen schlagartig schlecht gegangen?“

Wieder murmelte der junge Mann etwas Unverständliches. Dann aber bekam Stefan die entscheidende Info.

Studentenfutter!

Stefan war sich sicher, dass er exakt diesen Begriff in dem Wust an unverständlichen Wörtern deutlich herausgehört hatte! Es stand augenblicklich für ihn fest, dass der junge Mann einen anaphylaktischen Schock erlitten hatte. Offenbar hatte er Nüsse verzehrt und damit eine allergische Reaktion ausgelöst. In schweren Fällen konnte das exakt so aussehen wie das Bild, das sich Dr. Frank hier bot.

In der Ferne konnte Stefan jetzt das Martinshorn hören. Der Mann auf dem Boden verlor das Bewusstsein. Stefan lagerte den Patienten rasch in der stabilen Seitenlage und lockerte seinen Hemdkragen. Noch hatte er Puls, noch atmete er stoßweise. Ab jetzt war jede Sekunde entscheidend.

Es starben immer wieder Menschen aufgrund von Allergien. Es kam nicht wirklich häufig vor, denn in der Regel hielten Allergien sich zum Glück im Rahmen. Aber es gab allergene Auslöser, die eine fatale Reaktion des gesamten Organismus zur Folge haben konnten. Und dann wurde es kritisch.

Medizinisch gesehen war der Ablauf einfach erklärt. Nach dem Verzehr des falschen Nahrungsmittels wurde der Botenstoff Histamin in rauen Mengen ausgeschüttet. Das wiederum führte dazu, dass sich Blutgefäße schlagartig weiteten. Gleichzeitig aber zog sich die Muskulatur der Bronchien jäh zusammen. Das führte zu Atemnot und einem lebensgefährlichen Abfall des Blutdrucks. Im schlimmsten Fall drohten Kreislaufversagen und damit der Tod.

Endlich kämpfte sich der Notarzt durch die Gaffer.

„Ich tippe auf einen anaphylaktischen Schock!“, erklärte Stefan Frank in aller Kürze. „Alle Symptome sprechen dafür.“

„Danke, lieber Kollege! Ich übernehme!“ Der herbeigeeilte Arzt fing sofort mit der Notfallbehandlung des Mannes an. Innerhalb kürzester Zeit hing der Bewusstlose an der Beatmungsmaschine. Die Sanitäter brachten ihn routiniert und schnellstmöglich zum Krankenwagen. Der Notarzt lief mit Stefan an seiner Seite eiligen Schrittes hinterher.

„Woran haben Sie erkannt, dass ich ein Kollege bin?“, fragte Stefan, ehe der Notarzt im Inneren des Wagens verschwand. Der Notarzt schenkte ihm ein müdes Lächeln.

„Weil Sie der Einzige weit und breit waren, der nicht sein Handy gezückt hat, um das Spektakel zu filmen!“, seufzte er. „Sie haben dem jungen Mann vermutlich das Leben gerettet. Ich hatte erst gestern ein Kreislaufversagen bei einem fünfzigjährigen Mann. Verzehr von Meeresfrüchten. Wir konnten nichts mehr für ihn tun.“

Stefan nickte betroffen. Ehe der Rettungswagen mit lautem Tatütata durch den Münchner Wochenend-Verkehr verschwand, reichte Stefan dem Notarzt seine Visitenkarte.

„Vielleicht will der junge Mann sich mal melden, wenn es ihm wieder besser geht? Es würde mich sehr freuen, zu hören, dass alles ein glimpfliches Ende gefunden hat!“

Der Kollege nickte.

„Ich werde es ihm ausrichten lassen, sobald er erwacht. Der stirbt nicht. Nicht an einem so sonnigen Herbsttag wie heute!“

***

„Wirklich Chef, det ist die Zukunft! Wir sind so was von altmodisch. Es ist ein Wunder, det es unsere Praxis noch gibt!“

Stefan Frank seufzte. Es war Montagmorgen und das Wartezimmer bis auf den letzten Platz besetzt. Sie konnten sich wahrlich nicht über mangelnde Patientenzahlen beklagen. Aber seit ihrer Fortbildung war bei Schwester Martha offenbar ein Schalter umgelegt. Sie sah alles nur noch durch die Brille eines Multimedia-Experten.

„Haben Sie sich in letzter Zeit mal unseren Internetauftritt angeguckt, Chef?“ Schwester Martha trabte hinter ihm her und trug die Patientenakten. „Auf den Fotos schauen wir alle aus wie Außerirdische, det ist einfach unprofessionell. Und wir kündigen einen Vortrag für Dezember an! Det ick nicht lache!“

„Was ist schlecht daran?“, erwiderte Stefan. „Dann haben die Leute wenigstens ausreichend Zeit, sich den Termin im Kalender vorzumerken!“

Schwester Martha gab ein schnaubendes Geräusch von sich.

„Es ist eine Vorankündigung für einen Vortrag aus dem Dezember letzten Jahres!“, sagte sie sarkastisch. „Det ist einfach nur peinlich. Finde zumindest ick!“ Vorwurfsvoll beäugte sie ihren Vorgesetzten.

Dr. Frank biss sich auf die Lippe. Er nahm Schwester Martha die Patientenakten ab und stapelte sie ordentlich auf seinem Schreibtisch.

„Es ist nicht peinlich, sondern zeigt, dass wir ein vielbeschäftigtes Praxisteam sind“, sagte er dann. „Wir haben einfach nicht die Zeit, uns um solche Banalitäten wie eine Internetseite und ansprechende Mitarbeiterfotos zu kümmern. Lieber führe ich ein ausgiebiges Patientengespräch, statt meine wertvolle Zeit für eine hübsche Homepage zu verschwenden.“

„Aber all diese Aufgaben kann man doch outsoßen!“, beschwerte sich Martha.

Stefan kratzte sich an der Stirn.

„Es heißt outsourcen, Schwester Martha!“, korrigierte er sie. „Und natürlich haben Sie recht. Ich könnte einer Werbeabteilung viel Geld bezahlen, damit sie mir eine hochaktuelle, topmodische Internetseite strickt. Aber wissen Sie was?“

Spitzbübisch sah er seine Mitarbeiterin an.

„Das Geld spare ich viel lieber für unsere Kaffeekasse. Wir wollten doch alle zusammen einen Ausflug ins Musical machen.“ Er war sich sicher, damit jede weitere Diskussion im Keim zu ersticken.

Aber zu seiner Überraschung setzte Martha Giesecke eine finstere Miene auf. Sie runzelte die Stirn und rümpfte die Nase.

„Det ist schon traurig, det Sie die Dringlichkeit der Lage nicht erkennen!“, maulte sie. „Die junge Generation bewegt sich nur noch im Internet. Für die zählt nicht, det Sie ein guter Arzt und ick eine charmante und fleißige Arzthelferin bin …“

Sie schnaubte.

„Für die zählt ein schöner Internetauftritt. Und eine Seite auf Facebook, damit sie Bewertungen hinterlassen können. Und natürlich ein Auftritt bei Instagram. Wir müssen schließlich auch die Zielgruppe der Zwanzig- bis Dreißigjährigen erreichen!“

Fassungslos sah Stefan sie an. Wann nur war er auf die lachhafte Idee gekommen, sie zu diesem Seminar anzumelden? Er wusste nicht mal, was Instagram war. Aber ihr Ehrgeiz gefiel ihm. Trotzdem wäre es ihm lieber gewesen, Schwester Martha hätte ihre überschüssige Energie dafür genutzt, die Ablage zu erledigen.

Sie mussten außerdem dringend ein paar neue Bilder für das Wartezimmer kaufen. Auch die Blumendeko war in letzter Zeit irgendwie fad. Warum krempelte Schwester Martha nicht in der Realität die Ärmel nach oben, um sich um Dinge zu kümmern? Stattdessen weitete sie ihr Arbeitsfeld in Richtung Internet aus. Stefan seufzte leise.