Dr. Stefan Frank 2840 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2840 E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Julia könnte glücklicher nicht sein: frisch verheiratet, zum ersten Mal schwanger und voller Vorfreude auf die Zukunft mit René. Doch ihre heile Welt gerät ins Wanken, als Schwiegermutter Magda plötzlich schwer erkrankt. Die dreiundfünfzigjährige Magda hat jahrzehntelang selbstständig ein Nagelstudio betrieben, ihren Sohn allein großgezogen und gönnt sich nun nach dem Verkauf Beauty, Wellness und Wohlstand. Aber ein rätselhafter Husten holt sie ein, eine gefährliche Spätfolge ihrer Arbeit mit Chemikalien. Während Julia voller Fürsorge versucht, Magda beizustehen, stößt sie bei René auf Widerstand. Er will die Gefahr nicht sehen, klammert sich an seine Karriere - und bringt damit nicht nur seine Ehe, sondern auch die Beziehung zu seiner Mutter ins Wanken. Julia wächst über sich hinaus - und kämpft darum, alle zusammenzuhalten, als Magdas Diagnose die Welt der drei für immer verändert ...

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Und plötzlich fehlt der Atem

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Und plötzlich fehlt der Atem

Zwischen Flitterwochen, Fürsorge und Familie – eine Frau wächst über sich hinaus

Julia könnte glücklicher nicht sein: frisch verheiratet, zum ersten Mal schwanger und voller Vorfreude auf die Zukunft mit René. Doch ihre heile Welt gerät ins Wanken, als Schwiegermutter Magda plötzlich schwer erkrankt.

Die dreiundfünfzigjährige Magda hat jahrzehntelang selbstständig ein Nagelstudio betrieben, ihren Sohn allein großgezogen und gönnt sich nun nach dem Verkauf Beauty, Wellness und Wohlstand. Aber ein rätselhafter Husten holt sie ein, eine gefährliche Spätfolge ihrer Arbeit mit Chemikalien.

Während Julia voller Fürsorge versucht, Magda beizustehen, stößt sie bei René auf Widerstand. Er will die Gefahr nicht sehen, klammert sich an seine Karriere – und bringt damit nicht nur seine Ehe, sondern auch die Beziehung zu seiner Mutter ins Wanken. Julia wächst über sich hinaus – und kämpft darum, alle zusammenzuhalten, als Magdas Diagnose die Welt der drei für immer verändert ...

»Ich habe Mutter gestern noch mal geschrieben, dass sie uns wirklich nicht abholen muss«, teilte René seiner Frau mit, als er den letzten Koffer vom Gepäckband nahm und Hand in Hand mit ihr in Richtung Ausgang ging.

»So wie ich sie kenne, wird sie sich nicht davon abbringen lassen«, erwiderte Julia und musste lächeln.

Wenn sich ihre Schwiegermutter Magda etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog sie es durch. Und es gab kaum etwas, worauf sich die Anfang Fünfzigjährige so freute, wie die Rückkehr ihres Sohnes und seiner frisch angetrauten Ehefrau.

»Wir werden keine ruhige Minute mehr haben«, seufzte René und rollte mit den Augen. »Sie wird uns so lange mit Fragen löchern, bis wir ihr von jedem kleinen Detail unserer Flitterwochen erzählt haben.«

»Wirklich jedem?«, fragte Julia und grinste ihn verschmitzt an.

»Ich glaube, ein paar Sachen können wir weglassen«, antwortete René und zog Julia bei der Erinnerung an ihre leidenschaftlichen Nächte zu sich heran, um sie zu küssen.

»Da sind sie! Das ist mein Sohn und seine Frau«, hörte das Ehepaar die laute Stimme von Magda, die vermutlich dem Fremden, der neben ihr hinter der Absperrung stand, bereits ihre halbe Lebensgeschichte erzählt hatte. »Schauen Sie mal, wie braun die beiden geworden sind! Wahrscheinlich lagen sie den ganzen Tag nur am Strand. Dabei hat mein Sohn mir bei der Hochzeit versprochen, dass sie fleißig an einem Enkelkind arbeiten!«

Der fremde Mann, der neben der auskunftsfreudigen Magda stand, verkniff sich ein Lachen und nickte nur zustimmend.

»Ich will ja früh Oma werden, das habe ich immer schon gewusst. Und da ich mich vor ein paar Jahren zur Ruhe gesetzt habe, habe ich genug Zeit, um den beiden bei der Kinderbetreuung unter die Arme zu greifen. Am besten bekommt Julia Zwillinge, dann wird mir nicht langweilig.«

»Mutter, belästigst du wieder fremde Menschen mit Geschichten aus deinem Leben?«, lachte René und umarmte sie.

»Aus deinem Leben, Liebling, nur aus deinem Leben«, versicherte Magda und löste sich aus der Umarmung, um Julia stürmisch zu begrüßen. »Oh, Julia, wie hübsch du aussiehst! Ich habe dich so vermisst. Du musst mir alles erzählen!«

René schaute den Fremden an, der seiner Mutter Gesellschaft geleistet hatte, und schüttelte den Kopf: »Können Sie sich das vorstellen? Zweiunddreißig Jahre lang war ich der Lebensmittelpunkt meiner Mutter und jetzt bin ich total abgemeldet.«

Die beiden Männer betrachteten die Frauen, die sich innig unterhielten und sich dabei Arm in Arm von ihnen entfernten.

»Seien Sie froh, dass Ihre Mutter ihre Schwiegertochter so gernhat. Das wird Ihnen viel Kummer ersparen«, sagte der Mann und wandte sich ab, um weiter auf den Ausgang zu schauen, aus dem die Urlauber nach und nach strömten.

Der Mann hatte recht, René konnte sich glücklich schätzen. Er machte zwar gerne Scherze darüber, wie fixiert Magda auf Julia war, doch was er eigentlich damit zum Ausdruck bringen wollte, war Wertschätzung. Er war seiner Mutter von Herzen dankbar, dass sie Julia, die selbst keine Eltern mehr hatte, mit offenen Armen empfangen hatte, und er freute sich, dass seine Frau in Magda so etwas wie eine zweite Mutter gefunden hatte. Dass er dabei manchmal außen vor blieb, war ihm insgeheim ganz recht.

»Liebling, Julia meinte, ihr habt sogar Haie gesehen! War das nicht gefährlich?«, wollte Magda von ihm wissen, als René seine beiden Frauen eingeholt hatte.

»Das waren nicht die Haie, die du aus dem Kino kennst«, versicherte René.

»Ein Hai ist ein Hai«, sagte Magda. »Du solltest doch auf Julia aufpassen.«

»Die Haie waren wirklich ganz freundlich«, schwärmte Julia und fühlte sich sofort zurückversetzt nach Raja Ampat, der indonesischen Inselgruppe, wo sie die letzten zwei Wochen mit Schnorcheln und Schwimmen verbracht hatten. »Aber falls es dich beruhigt: Die meiste Zeit haben wir Schildkröten und bunte Fische gesehen.«

»Schildkröten können auch beißen«, gab Magda zu bemerken, hielt dann aber beschwichtigend ihre Hände nach oben. »Ich bin ja schon ruhig! Hauptsache ihr habt eure Abenteuer überlebt und seid wohlbehalten zurück in München angekommen.«

Sie holte den Autoschlüssel aus ihrer schicken Handtasche und drückte den Knopf, der ihren weißen Porsche Cayenne zum Piepsen brachte.

»Warum musst du das immer machen?«, ärgerte sich René. »Kann man das Signal nicht ausschalten?«

»Ich will es nicht ausschalten«, wehrte sich Magda.

»Das habe ich mir fast gedacht«, stöhnte René und belud den Kofferraum des teuren SUVs mit dem Gepäck. »Piep, piep! Schaut her, ich habe ein teures Auto.«

»Schatz!«, ermahnte Julia ihn und schaute ihn böse an.

Doch Magda fühlte sich von der Äußerung ihres Sohnes keineswegs beleidigt oder angegriffen.

»Ich habe mein ganzes Leben hart gearbeitet«, erklärte sie stolz. »Warum soll ich mich verstecken? Ich schäme mich nicht dafür, dass ich mir so ein Auto leisten kann.«

René war schlau genug, die Diskussion nicht weiterzuführen. Seine Mutter hatte, seit sie fünfzehn Jahre alt war, jeden Tag gearbeitet, und als alleinerziehende Mutter immer dafür gesorgt, dass es ihm an nichts gefehlt hatte. Dass sie manchmal zu viel Geld in Dinge investierte, deren Reiz René nicht nachvollziehen konnte, galt es zu akzeptieren. Es war schließlich ihr Geld und ihr Leben.

»Du hast recht, Mutter. Du kannst mit deinem Geld machen, was du willst«, lenkte er ein.

Ohne etwas zu sagen, stieg Magda in den Wagen und lenkte ihn vom Münchner Flughafen auf die A92 und nach dem Mittleren Ring in Richtung Grünwald, wo die drei lebten.

Als sie ein paar Minuten hinter sich hatten, warf Magda Julia, die auf dem Beifahrersitz saß, einen verheißungsvollen Blick zu.

»Es könnte sein, dass ich mein Geld in eurer Abwesenheit für etwas ganz Bestimmtes ausgegeben habe«, sagte sie leise und zwinkerte ihrer Schwiegertochter zu.

»O Gott, Mutter, was hast du gekauft?«, fragte René besorgt von der Rückbank.

»Julia meinte, ihr habt noch gar keine Möbel für das Haus«, kündigte Magda an.

»Natürlich nicht, es ist ja nicht mal renoviert«, antwortete René und befürchtete das Schlimmste. »Bitte sag nicht, du hast uns ein Bett fürs Schlafzimmer gekauft.«

»Also, bitte, René! Das macht ihr als Eheleute schön selbst, das wäre übergriffig von mir«, verteidigte sich Magda.

»Ach so, ja klar, du willst nicht übergriffig sein«, murmelte er vor sich hin und hielt sich mit weiteren Kommentaren zu der Angelegenheit zurück.

»Julia sagte, ihr verbringt am liebsten Zeit auf ihrem Sofa. Da dachte ich, ich besorg euch eins«, erzählte Magda und gab Julia ihr Handy. »Geh mal in meine Galerie, da sind die Bilder, die ich im Laden davon gemacht habe. Ist ein ganz schickes Teil. Dunkelgraues Nappaleder, weich wie Butter und ganz angenehm zum Sitzen. Ich habe die Situation mit eurer anstehenden Renovierung erklärt, und wir haben einen Liefertermin in zwölf Wochen vereinbart.«

»Zwölf Wochen? Das schaffen wir nie«, meinte René und ärgerte sich, dass seine Mutter sich in alles einmischen musste.

Doch als er Julias entzückten Ausruf hörte, wusste er, dass seine Mutter Julias Geschmack genau getroffen hatte und er machtlos war.

»Aber das können wir nicht annehmen«, sagte Julia, nachdem sie sich wieder gefangen hatte. »Das ist viel zu teuer, Magda.«

»Wir müssen aufhören, über Geld zu sprechen!«, befahl Magda. »Das Sofa ist ein Geschenk, und ihr könnt es ruhig annehmen.«

Julia drehte sich nach hinten, um René das Handy mit den Fotos zu geben. René wollte es am liebsten ganz scheußlich finden, um es ablehnen zu können. Aber leider hatte seine Mutter ein ausgezeichnetes Gespür für stilvolle Einrichtungsgegenstände.

»Es ist ...«, René überlegte kurz, ob er die Großzügigkeit seiner Mutter doch noch ablehnen sollte, »wirklich sehr geschmackvoll. Ich bin sicher, es wird sich hervorragend in unserem Wohnzimmer machen.«

»Das freut mich«, bekannte Magda. »Ich will, dass ihr euch wohlfühlt in eurem Zuhause.«

Und schon fühlte sich René schlecht, dass er seine Mutter mit ihrem zu teuren Auto aufgezogen hatte. Am Ende war Geld für sie gar nicht so wichtig. Das, was sie damit machte, war wichtig. Und sie setzte es immer nur dafür ein, sich selbst oder andere glücklich zu machen. Magda war eine großzügige, großherzige Frau, und er konnte froh sein, sie zur Mutter zu haben.

»Das ist wirklich ein tolles Geschenk, danke«, sagte René und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

»Nicht den Fahrer ablenken«, beschwerte sich Magda und fuhr mit einem breiten, zufriedenen Lächeln nach Hause.

***

Nachdem Magda die beiden zu Julias Wohnung gefahren und sich mit ihr für den nächsten Tag verabredet hatte, drückte sie im Fahrstuhl die oberste Etage. In ihrer Eigentumswohnung, die sie vor zwei Jahren bezogen hatte, erwartete sie ein atemberaubender Ausblick.

Nachdem sie ihre hellen Pumps gegen gemütliche flauschige Hausschuhe getauscht hatte, ging sie ins Schlafzimmer, um sich in ihren Lieblingshausmantel zu werfen. Der smaragdgrüne, weiche Stoff gab ihr sofort das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein. Entspannt atmete sie die kühle Abendluft ein, die vom Balkon nach drinnen wehte. Als sie nach draußen trat, wurde sie mit einem wunderschönen Panorama empfangen.

Unter ihrem Gebäude breitete sich Grünwald aus. Ein sanft geschwungenes Meer aus schattigem Grün, in dem die Fenster der vielen Villen wie kleine Edelsteine in der Abendsonne funkelten. Zwischen den alten Kastanienbäumen glitzerte die Isar, als hätte jemand einen silbernen Faden durch die Landschaft gezogen, und jenseits der sanften Hügel konnte Magda die Münchner Innenstadt sehen. Der Umriss der Frauenkirche bildete mit den modernen Hochhäusern eine Skyline, derer Magda nie müde wurde. Als der pastellfarbene Himmel von gold-orange zu tiefem Blau wechselte, schnürte Magda ihren Mantel enger und schloss die Balkontür hinter sich.

Sie setzte einen Tee in der Küche auf und ließ ihren Blick gedankenverloren durch ihr Appartement wandern. Alles war elegant und stilsicher. Von den beigefarbenen Lederstühlen und dem verspiegelten Glastisch, der in der Mitte der Wohnküche stand, bis zu dem cremefarbenen Teppich und dem Kronleuchter, der angenehmes Licht schenkte. Und doch fehlte etwas. Bei aller Perfektion spürte Magda, dass sie etwas vermisste: Leben.

Mit der dampfenden Teetasse machte Magda ein paar Schritte durch ihre Wohnung und stellte sich vor, wie sehr ein Enkelkind ihr Zuhause verändern würde. Sobald Julia ihr erstes Kind bekommen würde, war es vorbei mit den gedeckten Tönen ihrer Wohnung. Die Dreiundfünfzigjährige musste schmunzeln. Es würde nicht lange dauern, bis das Kleinkind Chaos anrichtete, und sie konnte es kaum erwarten.

Ihr Blick fiel in die Ecke, in der sie ihren alten Maniküretisch aufgestellt hatte. Hier hätte ihr Enkel eine besonders gute Zeit. Hunderte Fläschchen Nagellack in allen erdenklichen Farben warteten geduldig auf ihren Einsatz. Dabei hatte Magda schon seit über drei Jahren keine Nägel mehr lackiert.

Fast fünfunddreißig Jahre lang hatte sie als Nageldesignerin gearbeitet. Vielleicht war das auch der Grund, warum sie seit ihrer Frührente keine Lust verspürt hatte, sich die Nägel zu lackieren. Dabei hatte sie diese Kunst im Laufe ihrer Karriere geradezu perfektioniert. Magdas Nagelstudio, das sie mit Mitte zwanzig in Grünwald eröffnet hatte, war als erstes seiner Art in der Nachbarschaft von Anfang an gut gelaufen, und das war ihrem Gespür für Farben, Feingefühl und Formen zu verdanken. Magda hatte tausende von Blumen gemalt, Glitzersteine aufgesetzt und kunstvolle Effekte aufgetragen, bis sie schließlich den Pinsel aus der Hand gelegt und Schluss mit der harten Arbeit gemacht hatte.

Denn was von außen mühelos aussah, war ein echter Knochenjob. Als Selbstständige sagte sie so gut wie nie einen Termin ab, was dazu führte, dass ihr Kalender fast immer brechend voll war. Nicht selten verbrachte sie zwölf Stunden in gebückter und angespannter Haltung, nur um ihre Kunden mit den schicksten Nägeln nach Hause zu schicken.

Die Jahre der Selbstständigkeit hatten ihre Spuren hinterlassen. Doch Magda hatte sich nie beschwert, sondern war immer dankbar gewesen, dass der Beruf es ihr erlaubte, sich und ihr Kind zu versorgen. Und am Ende war ja alles gut gegangen, dachte sie, als sie sich an den Tisch setzte. Sie hatte sparsam gelebt, zumindest bis René auf eigenen Füßen stehen konnte, und hatte ihren Gewinn so klug investiert, dass sie nun keine finanziellen Sorgen mehr hatte.

Nachdenklich betrachtete sie ein dunkelblau schimmerndes Fläschchen und öffnete es. Als sie den Lack auftrug, erinnerte sie sich daran, warum sie die Farbe damals gekauft hatte. Das tiefe Blau schimmerte fast samtig und unheimlich edel, und die Glitzerpartikel wirkten wie kleine Lichtpunkte auf einem tiefen, dunklen Ozean. Als sie fertig war, schaute sie entzückt auf ihre Hände. Wie geheimnisvoll sie damit aussah! Es war immer wieder eine Überraschung, wie sehr zehn kleine farbige Flächen einen Menschen verändern konnten. Sie überlegte, ob sie die Nägel noch versiegeln und unter der Wärmelampe aushärten lassen sollte, aber entschied sich dagegen. Vielleicht hatte sie schon Morgen genug von ihren mystischen Nägeln und war dann froh, wenn sie ohne großen Aufwand wieder zurück zu ihrem Naturnagel wechseln konnte.

Sie stand auf und ging ins Bad, um sich die Zähne zu putzen. Sie gab sich Mühe, den Lack dabei nicht zu beschädigen und schaffte es, wie der Profi, der sie war, ohne Lackschaden ins Bett. Doch gerade als sie einschlafen wollte, passierte es doch.

Magda spürte einen unangenehmen Reiz in ihrem Brustkorb und musste husten. Sie kämpfte gegen den Krampf an, doch schließlich gab sie auf und ließ den Hustenanfall, der sich ankündigte, zu. Sie musste sich aufrichten, hielt sich die eine Hand vor den Mund, und kam mit der anderen ungünstig auf ihre Decke. Doch sie hatte jetzt erst mal andere Probleme als ihre Maniküre. Der Husten wollte einfach nicht aufhören.

Magda schnappte nach Luft und nahm einen Schluck aus dem Wasserglas, das auf ihrem Nachttisch stand. Es half ein bisschen und nach ein paar weiteren Schlucken beruhigte sich ihre Kehle wieder. Schwer atmend ließ Magda sich zurück ins Bett fallen. Hoffentlich wurde sie nicht krank, sie war doch morgen mit Julia verabredet!

***

»Alles in Ordnung?«, fragte Dr. Frank am nächsten Morgen besorgt, als er über den Flur in die Teeküche geeilt kam, weil er einen Schrei gehört hatte.

Er brauchte einen Moment, um den Anblick, der sich ihm bot, einzuordnen.

»Was ist denn hier los?«, wollte er lachend von seinen beiden Praxisschwestern wissen.

»Det würde ick auch gern mal wissen«, beschwerte sich Martha Giesecke, die sich von dem ersten Schreck erholt hatte.

»Jetzt übertreiben Sie mal nicht«, ertönte Marie-Luises Stimme hinter einer weißen Maske.

»Du siehst aus wie ein Serienmörder!«, klagte die rüstige Martha. »Kein Wunder, dass ick mich erschreckt habe, so schlimm wie das ausschaut.«