Dr. Stefan Frank 2512 - Arztroman - Stefan Frank - E-Book
Beschreibung

Am Ende aller Kräfte In der Schule bricht Leni zusammen Erschrocken lauscht Dr. Stefan Frank der Frauenstimme, die durch den Telefonhörer zu ihm dringt. Am anderen Ende der Leitung spricht eine junge Lehrerin der benachbarten Grundschule. Aufgeregt bittet sie den Grünwalder Arzt, schnellstmöglich in die Schule zu kommen. Die zehnjährige Leni ist dort mitten im Unterricht bewusstlos zusammengebrochen. Dr. Frank kennt Leni gut; erst vor einigen Tagen ist das Mädchen zusammen mit seinem alleinerziehenden Vater in der Praxis des Hausarztes gewesen. Seit Wochen schon leidet das Kind unter Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Erbrechen. Eine Kinderärztin hat den Verdacht einer Essstörung geäußert, doch Stefan Frank ist sich sicher, dass es eine andere Ursache für den schlechten Zustand der kleinen Leni geben muss. Aber wird er rechtzeitig dahinterkommen, wo diese Ursache zu finden ist?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:125


Inhalt

Cover

Impressum

Am Ende aller Kräfte

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: 4 PM production / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8366-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Am Ende aller Kräfte

In der Schule bricht Leni zusammen

Erschrocken lauscht Dr. Stefan Frank der Frauenstimme, die durch den Telefonhörer zu ihm dringt. Am anderen Ende der Leitung spricht eine junge Lehrerin der benachbarten Grundschule. Aufgeregt bittet sie den Grünwalder Arzt, schnellstmöglich in die Schule zu kommen. Die zehnjährige Leni ist dort mitten im Unterricht bewusstlos zusammengebrochen.

Dr. Frank kennt Leni gut; erst vor einigen Tagen ist das Mädchen zusammen mit seinem alleinerziehenden Vater in der Praxis des Hausarztes gewesen. Seit Wochen schon leidet das Kind unter Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Erbrechen. Eine Kinderärztin hat den Verdacht einer Essstörung geäußert, doch Stefan Frank ist sich sicher, dass es eine andere Ursache für den schlechten Zustand der kleinen Leni geben muss. Aber wird er rechtzeitig dahinterkommen, wo diese Ursache zu finden ist?

Nichts an diesem heißen Sommertag verriet, dass sich ein Unheil zusammenbraute.

Die Sonne schien warm durch die hohen Glasfenster der Waldner-Klinik herein. Hinter den Scheiben warf so mancher Patient sehnsüchtige Blicke hinüber zum Englischen Garten und wäre lieber mit den Spaziergängern dort flaniert, als in dem Krankenhaus festzusitzen.

Der Vormittag auf der Chirurgischen Station war von der üblichen Routine bestimmt gewesen. Sinja hatte den Dienstplan für den kommenden Monat erarbeitet und eine Teambesprechung angesetzt. Noch fühlte sie sich in ihrer neuen Rolle fremd, aber sie wuchs von Tag zu Tag mehr in ihre Aufgaben hinein.

„Grüß dich, Sinja. Ist Frau Wenge bereit für ihren Ausflug?“ Carl spähte in ihr Büro, gekleidet in die rot-weiße Arbeitskleidung des Fahrdienstes. Er war ungefähr in Sinjas Alter und trug eine runde Brille auf der Nase, hinter der seine braunen Augen freundlich blickten.

Carl ließ sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Er bewahrte einen kühlen Kopf, auch wenn es einmal hektisch zuging.

„Ich soll sie für eine Untersuchung in der Radiologie abholen.“

„Ich schaue gleich nach.“

„Alles klar. Sag mal, hast du ein neues Parfüm?“ Der Sanitäter kam näher und schnupperte. „Was ist das?“

„Apfelshampoo und ein Hauch Chlorreiniger.“

„Ah, das gute Zeug.“ Er zwinkerte ihr zu. „Wann gehst du endlich mit mir aus, Sinja?“

„Ach, Carl. Wann gibst du es endlich auf, mich zu fragen?“

„Wenn du Ja gesagt hast.“

„Das wäre keine gute Idee. Nach meiner Erfahrung bringt es nichts als Ärger, etwas mit einem Kollegen anzufangen.“

„Und wenn wir nur essen gehen? Ich würde einfach gern etwas Zeit mit dir verbringen, mehr nicht.“

„Ich kann wirklich nicht.“

„Wenn nicht heute, wann dann?“

Sie seufzte. „Wenn ein Tag achtundvierzig Stunden hat.“

„So schlimm ist es mit dem neuen Job?“

„Schlimm nicht, aber ich bin noch dabei, mich hier zurechtzufinden. Meine Wohnung ist eine Bruchbude, und mein Sohn zieht seit unserem Umzug nach München ein Gesicht, als hätte ich ihn in den siebten Kreis der Hölle verschleppt. Er vermisst seine Freunde, und ich weiß nicht, wie ich es ihm leichter machen kann. Eine Verabredung ist zurzeit einfach nicht drin.“

„Zu schade, dann muss ich mich wohl mit einem Kaffee begnügen.“ Carl schaute zu der Maschine, die auf dem Beistelltisch stand.

„Bedien dich ruhig. Ich sehe derweil einmal nach Frau Wenge.“ Sinja stand von ihrem Schreibtisch auf, verließ ihr Büro und strebte zum Zimmer von Frau Wenge. Die Mittfünfzigerin war vor zwei Tagen an der Schilddrüse operiert worden. Da sie zudem unter Parkinson litt und durch das viele Liegen steif und unbeweglich war, brauchte sie besondere Zuwendung.

Sie trippelte gerade mit kleinen Schritten von ihrem Bett in Richtung Badezimmer. Dabei zog sie eine unglückliche Miene.

„Schwester Karin wollte mich zur Toilette bringen“, seufzte sie, „aber sie wurde fortgerufen und ist nicht wiedergekommen. Eine Viertelstunde hab ich gewartet, aber nun muss ich dringend …“

„Ich helfe Ihnen.“ Sinja nahm den Arm der Patientin und stützte sie auf dem Weg.

Es dauerte einige Minuten, bis Frau Wenge alles erledigt hatte. Sinja nahm sich vor, ihre Kollegin zu fragen, warum sie die Patientin so lange hatten warten lassen.

Sich um solche Dinge zu kümmern, gehörte zu Sinjas neuen Aufgaben als Stationsschwester. Bis vor wenigen Wochen hatte sie in einer kleinen Klinik im Kölner Umland gearbeitet. Dort war sie Teil eines Pflegeteams gewesen. Jetzt hier in München in der Hierarchie weiter oben zu stehen, war ungewohnt und fühlte sich fremd an.

Karin war gerade dabei, einen Patienten im Nachbarzimmer zu waschen. Herr Prantl hatte seinen Urin-Katheter herausgezogen und sein Bett überschwemmt. Damit hatte Karin alle Hände voll zu tun, deshalb kehrte Sinja in ihr Büro zurück.

Carl unterhielt sich im Flur mit Schwester Reni. Er schwenkte einen Kaffeebecher und blinzelte Sinja dankbar zu. Sie erklärte ihm, dass Frau Wenge nun bereit für ihren Transport zur Radiologie war. Dann schob sie sich an ihm vorbei in ihr Arbeitszimmer.

Hier war unterdessen die Post gebracht worden. In ihrem Fach wartete ein Stapel Briefe und Zettel auf sie.

Sinja blätterte die Post durch. Dabei stieß sie auf eine Postkarte.

Vorn war eine Schwarz-Weiß-Fotografie von einem Engel mit ausgebreiteten Flügeln zu sehen. Hinter ihm zeichnete sich ein Kirchhof im Nebel ab. Wie unheimlich! Etwas zog sich in Sinja zusammen. Was für ein merkwürdiges Motiv für eine Postkarte!

Zögernd drehte sie die Karte um. Sie war mit Schreibmaschine beschrieben und an Sinja Liebold, Waldner-Klinik, adressiert.

Die Nachricht umfasste nur wenige Zeilen.

Du gehörst nicht hierher, Sinja. Du weißt es. Also geh, solange du noch kannst!

Eine Unterschrift oder einen Absender gab es auf der Karte nicht. Sinja überrieselte es eiskalt. Solange du noch kannst? Was hatte das denn zu bedeuten? Sollte das eine Drohung sein?

Sie sank auf ihren Drehstuhl nieder, weil ihre Beine sie plötzlich nicht mehr tragen wollten. Ein bleierner Geschmack breitete sich in ihrem Körper aus.

Die Zeilen hallten in ihrem Kopf wider wie ein Echo.

War das Simon?, schoss es ihr durch den Kopf. Kann das sein? Hat mein Exmann diese Karte geschickt? Wer sonst würde mir eine anonyme Karte schreiben? Oh, ich hatte so gehofft, Max und ich könnten in München ein neues Leben anfangen. Ohne die ständige Angst und das Gefühl, über unsere Schulter blicken zu müssen. Und nun das!

Mit brennenden Augen schaute sie auf die Karte nieder.

Ihr früherer Mann und sie waren nicht gerade im Guten auseinandergegangen. Simon hatte sie mehr als einmal bedroht. Sie hatte geglaubt, das wäre mit ihrer Scheidung vorbei, aber offenbar war das nicht der Fall.

Niemand daheim wusste, wo sie mit Max hingezogen war. Wie also hatte Simon sie gefunden?

Der Poststempel verriet, dass die Karte irgendwo in München eingeworfen worden war. Hieß das, Simon war hier? In ihrer Nähe?

Sinja schluckte, aber das Gefühl von Enge in ihrer Kehle ließ sich nicht vertreiben.

Geht jetzt etwa alles wieder von vorn los? Das darf nicht passieren. Ich halte das nicht noch einmal aus. Max und ich brauchen endlich ein bisschen Normalität!

Tränen verdunkelten ihren Blick, als sie die gerahmte Fotografie auf ihrem Schreibtisch betrachtete. Darauf tollte ihr Sohn mit Hubble über eine grüne Wiese. Die blonden Haare waren zerzaust vom fröhlichen Spiel. Sinja fühlte einen jähen Schmerz in der Brust.

Der Welpe war gestorben, kurz nachdem das Bild aufgenommen worden war. Simon war allein mit ihm daheim gewesen. Er hatte behauptet, Hubble wäre vom Balkon in die Tiefe gesprungen, aber Sinja bezweifelte, dass der Welpe das Geländer hätte überspringen können. Nein, ihr Mann war von Anfang an eifersüchtig gewesen auf den kleinen Hund …

Sie strich sich hastig über die Augen. Ihre Ehe hatte vor zehn Jahren voller Hoffnung begonnen. Damals waren Simon und sie fest entschlossen gewesen, alles zusammen zu meistern. Und wo standen sie nun? Vor nichts als Scherben …

Sie drehte die Postkarte in ihrer Hand.

Anonyme Nachrichten. Psychospielchen. Das passte zu ihrem früheren Mann. Leider wusste sie das nur zu gut. Die Karte musste von ihm stammen. Wer sonst könnte etwas gegen sie haben und ihr Angst einflößen wollen?

Nur Schwester Karin vielleicht. Ihre Kollegin wäre gern selbst die neue Stationsschwester geworden und war nicht begeistert, dass jemand von außerhalb die Stelle bekommen hatte. Außerdem hatte Sinja sie schon mehrmals gerügt. Aber würde ihre Kollegin so weit gehen? Nein, das deutete eher auf Simon hin.

Wenn er Max etwas antut … Unwillkürlich ballte sie die Hände zu Fäusten. Um ihr Kind zu beschützen, würde sie alles tun. Trotzdem flatterte ihr Magen nervös. Die Postkarte bewies, dass sie ihrer Vergangenheit nicht entkommen konnte.

Früher oder später würde sie sich ihr stellen müssen!

***

Wenige Wochen zuvor

Manche Dinge lassen sich nicht reparieren.

Das war die schwerste Lektion, die Johann in seinem Leben hatte lernen müssen.

Als Handwerker war er es gewohnt, alles in Ordnung zu bringen, seien es kaputte Rasenmäher oder verstopfte Abflussrohre. Er tüftelte, bis er eine Lösung gefunden hatte.

Doch nicht alles lag in seiner Hand. Manchmal stand er auf verlorenem Posten. Wie vor drei Jahren, als seine Frau am Krebs erkrankt war. Die Geschwulst war zu spät entdeckt worden. Sie hatten gekämpft und gehofft, aber doch verloren. Seitdem waren Leni und er allein.

Mit ihren zehn Jahren war seine Tochter sehr selbstständig. Wenn er arbeitete, war sie auf sich allein gestellt. Johann achtete darauf, wenigstens mittags daheim zu sein, wenn sie von der Schule nach Hause kam. Mittlerweile konnte er genügend Gerichte kochen, sodass sie nicht jeden zweiten Tag Pizza aufbacken mussten.

Beim Essen unterhielten sie sich, besprachen Probleme und Sorgen. Johann stellte sicher, dass Leni mit ihren Hausaufgaben zurechtkommen würde, ehe er zu seinen Nachmittagsterminen aufbrach.

Er war dankbar, dass er vor acht Jahren seinen Hausmeisterdienst gegründet hatte und selbstständig war, sodass er sich seine Zeit weitgehend selbst einteilen konnte. Und wenn es zeitlich doch einmal eng wurde, sprang Oma Trudi ein und passte auf Leni auf.

Ja, sie fanden sich in ihrem neuen Leben ganz gut zurecht. Doch seit einiger Zeit überschattete eine neue Sorge ihren Alltag: Leni wurde immer schmaler und schwächer!

Auch an diesem Tag stürmte sie nicht wie früher nach dem Unterricht herein, schmiss ihren Ranzen in die Ecke und rief hungrig nach dem Mittagessen. Nein, leise huschte sie in ihr Zimmer, und als er ihr dorthin folgte, lag sie quer auf ihrem Bett und vergrub das Gesicht in der bunt geringelten Tagesdecke.

„Leni?“ Alarmiert beugte sich Johann über seine Tochter. „Ist alles in Ordnung?“ Die Frage war kaum heraus, als ihm durch den Kopf ging, wie überflüssig sie war. Seine Tochter hätte sich wohl kaum ohne ein Wort in ihr Zimmer geflüchtet, wenn alles in Ordnung gewesen wäre.

„Ich bin so müde, Papa“, klagte sie und drehte sich zu ihm um. Wieder fiel ihm auf, wie erschreckend schmal ihr Gesicht geworden war. Ihr Kinn stach spitz hervor, ein Eindruck, der von ihren streng zu einem Pferdeschwanz gebundenen braunen Haaren noch verstärkt wurde.

„Beim Essen wirst du schon wieder munter werden“, schlug er einen betont unbekümmerten Ton an, um sie aufmuntern. „Ich habe uns Milchreis gekocht. Den magst du doch so gern.“

„Heute nicht. Ich hab keinen Hunger.“

„Milchreis rutscht auch ohne Hunger.“

„Ich mag nichts essen. Ehrlich, Papa.“ Leni winkelte die Knie an den Körper und schlang die Arme darum. Ihre Ellbogen stachen knochig vor. Etwas krampfte sich schmerzhaft in dem jungen Handwerker zusammen.

Leni nahm seit Monaten nur noch ab. Häufig aß sie entweder gar nicht oder übergab sich nach dem Essen. Es nutzte auch nichts, dass er all ihre Lieblingsspeisen rauf und runter kochte. Sie rührte kaum etwas an.

Er war schon mit ihr bei der Kinderärztin gewesen. Diese hatte eine Essstörung diagnostiziert. Der Verlust ihrer Mutter und die Veränderungen in ihrem Leben hätten Leni aus dem inneren Gleichgewicht gebracht, so ihre Ansicht. Eine Psychotherapie sollte das wieder ordnen.

Die brachte jedoch nicht das Geringste. Johann brachte seine Tochter zweimal in der Woche zur Therapeutin. Bislang ohne jeden Erfolg.

Als seine Tochter das Mittagessen weiterhin beharrlich ablehnte, entschied er, zu handeln. Auf keinen Fall würde er zuschauen, wie sein Kind weiter verfiel. Lieber holte er noch eine zweite Meinung ein.

Er strich ihr über den Kopf.

„Am besten gehen wir nachher zu meinem Hausarzt, Leni. Vielleicht findet er einen Weg, damit es dir wieder besser geht …“

Er hatte kaum ausgesprochen, als aus dem Hausflur ein lautes Rumpeln hereindrang. Nanu? Was ging denn da vor?

„Bin gleich wieder da.“ Neugierig geworden, stand Johann auf und strebte durch den Flur zur Wohnungstür. Als er sie öffnete, schwebte ein Kühlschrank geradewegs auf ihn zu …

„Vorsicht!“, entfuhr es ihm.

„Hoppla!“ Ein bärtiger Mann wuchtete das Gerät in die Nachbarwohnung. Dabei rempelte er einen Stapel Umzugskartons an. Eine der Kisten fiel herab. Der Deckel klappte auf, und ein Schwall Erde, Keramiktöpfe und kugelrunde Kakteen ergossen sich daraus.

„Oh nein! Vorsicht mit meinen Zimmerpflanzen!“ Eine junge Frau stürmte die Treppe herauf und bückte sich seufzend nach den Überresten. Sie trug eine ausgebleichte Jeans und eine weiße Bluse, die sie in der Taille geknotet hatte. Mit ihrer zierlichen Statur und den kurz geschnittenen, blonden Haaren wirkte sie jung und energisch. Hinter ihr kam ein ungefähr zehn Jahre alter Junge herauf und zog einen Flunsch.

„Müssen wir wirklich hier einziehen, Mama? Die vielen Treppen nerven.“

„Daran werden wir uns schon gewöhnen.“ Sie rettete die Überreste der Kakteen in den Karton und richtete sich wieder auf. Dann wandte sie sich an Johann und lächelte entschuldigend. „Hallo, wir sind Sinja und Max Liebold. Ihre neuen Nachbarn. Und ich verspreche Ihnen: Wir machen nicht immer so viel Trubel wie heute.“

„Machen Sie sich deswegen keine Sorgen. Bei einem Einzug gehört Trubel dazu. Ich bin Johann Bachmeier. Das ist Leni.“ Er deutete zu seiner Tochter, die ihm auf Strümpfen gefolgt war und neugierig über seine Schulter spähte.

„Ich freue mich, Sie kennenzulernen. Dann weiß ich gleich, wo wir uns im Notfall eine Rolle Klopapier leihen können.“

„Ja, so etwas kann durchaus nützlich sein“, räumte er schmunzelnd ein. „Vielleicht können Sie sich irgendwann mit Papiertaschentüchern revanchieren. Es ist unglaublich, was für Unmengen ein heranwachsendes Mädchen davon verbraucht.“

„Papa! Du bist so peinlich!“ Leni stemmte die Hände in die Hüften und schob die Unterlippe vor.

„Taschentücher haben wir genügend auf Vorrat“, erwiderte Sinja. „Allerdings habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, in welcher Umzugskiste sie vergraben sind.“

„Dann seid ihr herzlich eingeladen, euch vorerst bei uns zu bedienen. Zieht ihr allein hier ein?“

„Ja, nur wir beide.“ Sinja legte eine Hand auf die Schulter ihres Sohnes.

Der trat einen Schritt von ihr weg.

„Nicht“, murmelte er. „Ich bin doch kein Baby mehr.“

Johann neigte fragend den Kopf.

„Wie alt bist du, Max?“

„Zehn“, brummte der Junge.

„Dann bist du genauso alt wie Leni. Wirst du auch das Schiller-Gymnasium besuchen?“

„Glaub schon.“

„Dann seid ihr vielleicht in derselben Klasse. Leni, nimm Max doch unter deine Fittiche. Zeig ihm, wo er in der Schule alles findet. Vielleicht könnt ihr auch mal zusammen lernen.“

Die beiden Kinder sahen sich an und wirkten wenig begeistert.